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4 Strategische Analyse und Strategieentwicklung

LK
von Lara K.

Wie viele Sichtweisen von Strategie lassen sich nach wem unterscheiden ?

  • Mitzberg (Fünf Ps der Strategie), Manager müssen in der Lage sein zwischen den Sichtweisen zu wechseln

    • Strategie als Plan (plan): Das klassische Strategieverständnis eines rationalen Maßnahmenplans ist nach Auffassung von Mintzberg selten und nur unter Vorliegen einer Reihe von Bedingungen (bspw. stabile, planbare Umweltentwicklungen) sinnvoll.

    • Strategie als List (ploy): Im Sinne einer „Kriegslist“ nehmen Strategien oft den Charakter von spontanen, taktischen Maßnahmen an, mit denen Konkurrenten überrascht werden.

    • Strategie als Muster (pattern): Eine Strategie entwickelt sich unbeabsichtigt aus dem Handeln und den Entscheidungen des Unternehmens heraus. Sie entstehen eher zufällig und sind erst ex post erkennbar, und zwar dann, wenn sich ein konsistentes Muster in den Entscheidungen der Unternehmen abzeichnet.

    • Strategie als Positionierung (position): Strategien beschränken sich häufig auf eine Positionierung des Unternehmens zu seiner Umwelt. Eine wettbewerbsfähige Position kann sowohl geplant angestrebt als auch eher zufällig – z. B. durch Konkurrentenfehler – erreicht werden.

    • Strategie als Denkhaltung (perspective): Eine Strategie kann lediglich als eine Denkhaltung in den Köpfen des Managements verankert sein. Diese Strategie wird weder schriftlich festgehalten noch explizit kommuniziert, sondern stellt ein gemeinsam geteiltes Einstel-lungsmuster des Managements dar, das das strategische Verhalten des Unternehmens maßgeblich beeinflusst.


Das Verständnis von Strategie als Muster wendet sich von der dominierenden Sichtweise des rationalen Planens einer Strategie ab. Mintzberg unterscheidet in diesem Zusammenhang mehrere Arten von Strategien:


Beabsichtigte Strategien (Intended Strategies) sind geplante Strategien, unabhängig davon, ob sie tatsächlich umgesetzt werden oder nicht. Realisierte Strategien (Realized Strategies) sind stimmige Grundmuster in Entscheidungen und Handlungen eines Unternehmens, unabhängig davon, ob sie geplant worden sind oder zufällig entstanden sind. Unrealisierte Strategien (Unrealized Strategies) sind geplante Strategien, die nicht umgesetzt wurden, da sich z. B. die Märkte anders entwickelt haben als ursprünglich angenommen. Planmäßige, bewusste Strategien (Deliberate Strategies) sind geplante Strategien, die auch umgesetzt werden, was nach Mintzberg (1987) eher die Ausnahme als die Regel ist. Unbeabsichtigte Strategien (Emergent Strategies) führen zu realisierten Strategien, die aber nicht von Anfang an beabsichtigt waren. Sie ergeben sich dadurch, dass erste Entscheidungen, z. B. konstitutive Entscheidungen, im Unternehmenslebenszyklus die Handlungsspielräume zukünftiger Entscheidungen eingrenzen bzw. kanalisieren. Somit sind emergente Strategien ein Muster in einem Strom von Entscheidungen, das nur in der Rückschau erkannt werden kann. Die Zuordnung einer Strategie kann sich im Zeitablauf ändern: So kann eine beabsichtigte Strategie während der Umsetzung verändert werden und damit eine emergente Strategie werden oder eine emergente Strategie kann vom Management nachträglich zu einer beabsichtigten („offiziellen“) Strategie erklärt werden. Die Strategie als Denkhaltung ist naturgemäß schwer zu erforschen, da sie nur in den Köpfen des Top Managements als Einstellungen existiert

Zwischen dem Marktwachstum (Δ MV) sowie der Veränderung des Marktanteils (Δ MA) und der Unternehmensgröße (in Absatzmenge oder Umsatz gemessen) (Δ UG) besteht dabei folgender strategisch relevanter Zusammenhang, der als „Grundformel der Unternehmensstrategie“ bezeichnet wird:

∆ MV · ∆ MA = ∆ UG

Beträgt das Marktwachstum beispielsweise 10 % pro Jahr (Δ MV = 1,1) und das Unternehmen will seinen Marktanteil halten (Δ MA = 1,0), muss es genauso wie der Markt mit 10 % wachsen (1,1 · 1,0 = 1,1). Will das Unternehmen hingegen seinen Marktanteil um 20 % (Δ MA = 1,2) erhöhen, so ergibt sich gemäß der obigen Formel für das Unternehmenswachstum (Δ UG):

1, 1 · 1, 2 = 1, 32

Die Formel zeigt an, dass das betrachtete Unternehmen um 32 % wachsen muss, um mit dem Marktwachstum mithalten zu können und um die Erhöhung des eigenen Marktanteils zu realisieren.

Wächst ein Unternehmen langsamer als der Markt, z. B. nur um 2 % pro Jahr, so verringert sich sein Marktanteil um

7 % (1,1 Δ MA = 1,02 Δ MA = 1,02 / 1,1 = 0,93).

Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Betrachtung der Marktanteile mit einem Nullsummenspiel einhergeht: Marktanteilsgewinne des einen Unternehmens gehen mit Marktanteilsverlusten anderer Unternehmen einher.

Diese Informationen sind für die Planung der Kapazitäten und der damit zusammenhängenden Investitionen in Betriebsmittel und Mitarbeiter im Zusammenhang mit der Strategiefindung bedeutsam. Im Anschluss an die Geschäftsfeldanalyse und -prognose wird der Wettbewerb in der Branche, zu der das Unternehmen gehört, analysiert und prognostiziert.

Fünf Wettbewerbskräfte, deren gegenwärtiger Zustand zu erfassen sowie die Entwicklung zu prognostizieren sind, wirken wie folgt:

  • Verhandlungsstärke der Lieferanten: Je knapper die benötigten Ressourcen und je weniger Lieferanten und Substitutionsmöglichkeiten existieren, desto größer ist die Verhandlungsstärke der Lieferanten und sie können höhere Preise durchsetzen

  • Verhandlungsstärke der Abnehmer: Je weniger Abnehmer, je höher das Abnehmervolumen, je geringer ihre Abhängigkeit vom liefernden Unternehmen, je besser ihr Informationsstand und je austauschbarer das Produkt ist, umso höher ist die Verhandlungsstärke der Abnehmer und sie können niedrigere Preise durchsetzen

  • Bedrohung durch neue Konkurrenten: Durch neue Anbieter in einer Branche werden u. a. die Produktionskapazitäten erhöht, die Preise gedrückt und damit möglicherweise die Rentabilität der etablierten Unternehmen geschmälert. Die Bedrohung ist umso höher, je einfacher der Markteintritt ist. Durch Markteintrittsbarrieren, z. B. in Form von hohen Investitionen, Patenten oder staatlicher Reglementierung, kann der Zugang erschwert werden

  • Bedrohung durch Ersatzprodukte und -dienste: Ersatzprodukte und -dienste können die Branchenstruktur ändern, wenn sie ein günstigeres Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen als die etablierten Produkte, wenn die Umstellungskosten für die Abnehmer gering sind und die Abnehmer zum Wechsel bereit sind

  • Rivalität unter den bestehenden Unternehmen einer Branche: Die Rivalität innerhalb einer Branche wird u. a. durch ein geringes Branchenwachstum infolge von Sättigungstendenzen, hohe Fixkosten und hohe Marktaustrittsbarrieren für Unternehmen gefördert, sodass die Gefahr eines „ruinösen Wettbewerbs“ mit aggressiven Taktiken entsteht.


Durch den Resource-based View hat die interne Analyse eine Aufwertung erfahren, da sie im Rahmen des Market-based View eher untergeordneter Natur war. Bei der internen Analyse können prinzipiell die gleichen Methoden und Instrumente eingesetzt werden wie bei der Analyse der Konkurrenzunternehmen im Rahmen der externen Analyse, aber die Informationsbasis ist bei der Analyse des eigenen Unternehmens besser. Bei der Analyse werden bestimmte Annahmen (Prämissen) gesetzt, da angesichts begrenzter Informationsverarbeitungskapazitäten kein vollständiges und objektives Bild des Unternehmens gewonnen werden kann. Ferner ist darauf hinzuweisen, dass die Stärken-Schwächen-Analyse nicht nur vergangenheits-, sondern auch gegenwarts- und zukunftsbezogen erfolgen muss, sodass auch immer Prognosen notwendig sind.


Einfach:

Interne Analyse - ganz simpel erklärt:

🔄 Der Wandel:

Früher (Market-based View):

  • "Schau nur auf den Markt und die Konkurrenz!"

  • Interne Analyse war unwichtig

Heute (Resource-based View):

  • "Schau auch auf deine eigenen Stärken!"

  • Interne Analyse ist jetzt sehr wichtig

📊 Wie machst du es?

Gleiche Methoden wie bei Konkurrenten:

  • Checklisten, Fragenkataloge, etc.

  • ABER: Du kennst dein eigenes Unternehmen viel besser!

Beispiel:

  • Bei Konkurrenten: Du rätst: "Die haben wohl 50 MA?"

  • Bei dir selbst: Du weißt: "Wir haben genau 47 MA, davon 3 Azubis"

⚠️ Die Realität:

Du kannst nicht alles analysieren

  • Zu viel Information = Überforderung

  • Lösung: Du machst Annahmen und konzentrierst dich auf das Wichtigste

Nicht nur Vergangenheit schauen!

  • Vergangenheit: Was war?

  • Gegenwart: Was ist?

  • Zukunft: Was wird? (Prognosen!)

Beispiel Café: "Unser Kaffee war gut, ist gut, aber wird er auch morgen noch gut genug sein?"

Merksatz: Kenne dich selbst - gestern, heute UND morgen!

Um den kreativen Prozess der Strategieentwicklung nicht zu behindern, sollte eine Bewertung der Strategiealternativen davon bewusst getrennt werden. Zur Bewertung der Strategiealternativen auf der Geschäftsfeldebene können verschiedene Instrumente eingesetzt werden. Mithilfe v.a. nichtmonetärer Instrumente wie Checklisten, Profildar-stellungen und Nutzwertanalysen kann eine Vorauswahl von Strategiealternativen aufgrund ihrer Plausibilität, Konsistenz /Stimmigkeit (Fit), ethischen Vertretbarkeit, Realisierbarkeit etc. erfolgen, indem aus den möglichen Strategiealternativen die zulässigen und die aussichtsreichen Alternativen heraus-gefiltert werden. Durch monetäre Verfahren, die sich früher an einperiodigen Erfolgsgrößen, z. B. Return on Investment, und heute an mehrperiodigen Erfolgsgrößen, z. B. Shareholder Value, orientieren, wird dann die optimale Strategiealternative, die als eine langfristige Investition betrachtet wird, bestimmt. Ausgehend von der Shareholder-Value-Maximierung als oberste Zielsetzung kann für jedes Geschäftsfeld in Abhäng-igkeit von der Strategiealternative ein Geschäftsfeldwert bestimmt werden, den es ebenfalls zu maximieren gilt. Dazu wird bei der Discounted-Cashflow-Methode der Gegenwarts-wert der betrieblichen Cashflows eines Geschäftsfeldes unter Benutzung eines Kapitalkostensatzes ermittelt. Diejenige Strategiealternative mit dem höchsten Geschäftsfeldwert wird ausgewählt und für vollzugsverbindlich erklärt. Ergänzt werden kann die Bewertung und Auswahl durch eine zusätzliche Risiko- und Chancenabschätzung, z. B. durch eine Sensitivitätsanalyse, die die Auswirkungen auf das Ergebnis untersucht, wenn wichtige Annahmen geändert werden.

ZUSAMMENFASSUNG

Am Anfang der strategischen Planung steht die Situationsanalyse, die in eine Analyse und Prognose der externen Situation (globale Umwelt und Aufgabenumwelt) und der internen Situation (Unternehmensanalyse) unterschieden wird. In der Analyse und Prognose der globalen Umwelt werden Faktoren untersucht, auf die das Unternehmen keinen Einfluss hat, die also Rahmenbedingungen darstellen. Dabei kann man sich an der PESTEL-Analyse orientieren. Im Rahmen der Analyse und Prognose der Aufgabenumwelt, die vom Unternehmen beeinflussbar ist, erfolgen eine Marktabgrenzung, eine Analyse der Wettbewerbssituation anhand des Fünf-Kräfte-Modells von Porter und eine Konkurrentenanalyse. Die Ergebnisse der Situationsanalyse sind Stärken und Schwächen des Unternehmens und Chancen und Risiken der Umwelt, die in einer SWOT-Matrix aufgelistet und im Überblick dargestellt werden, woraus sich erste Strategieideen ableiten lassen.

Die Entwicklung von Strategien findet auf verschiedenen organisatorischen Ebenen statt, sodass Unternehmens-, Geschäftsfeld- und Funktionsbereichsstrategien unterschieden werden können. Unternehmensstrategien können Wachstums-, Stabilisierungs- oder Schrumpfungsstrategien sein. Zu den bekanntesten Wachstumsstrategien gehören die Produkt-Markt-Kombinationen nach Ansoff (1988) mit Marktdurchdringungs-, Marktentwicklungs-, Produktentwicklungs- und Diversifikationsstrategie. Die drei letzten Strategieoptionen führen dazu, dass das Unternehmen in mehreren Geschäftsfeldern tätig wird. Diese Geschäftsfelder werden anhand der Portfolioplanung analysiert, indem die Geschäftsfelder des Unternehmens in einer Matrix mit einer (unbeeinflussbaren) Umweltdimension und einer (beeinflussbaren) Unternehmensdimension positioniert werden. Für die Matrixfelder gibt es unterschiedliche Normstrategien (Investieren, Desinvestieren, selektive Entscheidung), die dann genauer an die spezielle Lage des Unternehmens angepasst werden müssen. Die Entwicklung des Unternehmens, also Wachstum oder Schrumpfung, kann aus eigener Kraft als organisches bzw. internes Wachstum erfolgen, über Zu- oder Verkäufe als externes Wachstum und/oder durch Kooperation mit anderen Unternehmen.

Für jedes Geschäftsfeld des Unternehmens gibt es acht Basisoptionen, die als strategischer Würfel dargestellt werden. Als Erstes ist die Art des Wettbewerbsvorteils zu betrachten. Während Porter von der Unvereinbarkeit von Differenzierungs- und Kosten-/Preisführerschaftsstrategie ausgeht, werden auch Hybridstrategien als Mischung dieser beiden Strategieoptionen für möglich gehalten. Diese Mischung kann gleichzeitig (simultan) oder durch Wechsel der Strategie im Zeitablauf (sequenziell) erfolgen (Outpacing-Strategie). Als Zweites ist zu entscheiden, ob der Gesamtmarkt oder eine Nische mit Differenzierungs- und/oder Kosten-/Preisführerschaftsstrategie bearbeitet werden soll. Als Drittes ist zwischen der Einhaltung der bestehenden Wettbewerbsregeln in der Branche oder dem Brechen der Regeln auszuwählen.

Alle diese Strategieoptionen sind im Anschluss an die Strategiefindung einem mehrstufigen Bewertungsprozess zu unterziehen. Zunächst erfolgt eine Vorauswahl anhand von auch qualitativen Kriterien, z. B. Stimmigkeit der Strategie oder ethische Vertretbarkeit, dann wird anhand von quantitativen Kriterien, wie dem Shareholder Value als Unternehmensziel, die optimale Strategiealternative bestimmt. Die Stabilität der optimalen Strategiealternative kann durch Sensitivitätsanalysen, in der Prämissen der strategischen Planung, wie Marktwachstum oder Zins- und Einkommensentwicklung, verändert werden, überprüft werden. Der Wert des gesamten Unternehmens muss dabei aus ökonomischer Sicht höher sein, als die Summe der Geschäftsfeldwerte, was bedeutet, dass die Tätigkeit der Unternehmenszentrale einen Mehrwert, den „Elternvorteil“, schafft. Anderenfalls wäre es sinnvoller, die Geschäftsfelder zu verkaufen.

Zur Umsetzung der Strategie eignet sich die Balanced Scorecard, die Vision und Strategie in vier Perspektiven übersetzt und die Ziele operationalisiert. Für das strategische Management ist das Konzept einer strategischen Kontrolle mit strategischer Prämissen- und Durchführungskontrolle als gerichtete Kontrollen und strategischer Überwachung als ungerichtete Kontrolle entwickelt worden, die nicht wie operative Kontrollen nach der Realisation erfolgt, sondern den ganzen strategischen Planungs- und Implementierungsprozess begleitet.

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Lara K.

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