Edwards, S. M., Li., H., & Lee, J.-H. (2002). Forced Exposure and psychological reactance: Antecedents and Consequences of the perceived intrusiveness of Pop-Up-Ads.
Perfekt 👍 — hier kommt jetzt der Master-Overview für Studie 2, exakt im gleichen Stil wie bei Studie 4 & 5 (und jetzt auch Studie 1). Das ist dein Orientierungstext, den du immer vor den Karteikarten liest.
Diese Studie gehört zu den wichtigsten Arbeiten im Werbereaktanz-Themenblock, weil sie einen zentralen Mechanismus erklärt:
Warum führt erzwungene Werbung zu Ablehnung?
Nicht:
ob Pop-Up Ads wirken,
oder ob sie Aufmerksamkeit erzeugen,
sondern:
➡ Wie Konsumenten Werbung als störend definieren — und warum daraus Vermeidung entsteht.
Die Autoren sagen:
Das zentrale Konzept ist perceived intrusiveness.
Pop-Up-Ads zwingen Nutzer zur Aufmerksamkeit (forced exposure).
Das theoretische Problem:
Forced exposure kann Aufmerksamkeit erhöhen,
aber gleichzeitig negative Reaktionen auslösen.
Die zentrale Frage lautet:
Wann wird Werbung als intrusiv erlebt — und welche Folgen hat das?
Viele frühere Studien untersuchten:
Irritation
Ad Avoidance
Edwards et al. machen einen entscheidenden Schritt:
Sie unterscheiden drei Ebenen:
1️⃣ Intrusiveness (kognitiv) → Bewertung: „Das stört meine Ziele.“
2️⃣ Irritation (emotional) → Gefühl als Folge.
3️⃣ Avoidance (behavioral) → Verhalten (wegklicken etc.).
Das ist DER Kern der Studie.
Die Studie definiert Intrusiveness als:
eine kognitive Bewertung darüber, dass Werbung laufende Ziele oder mentale Prozesse unterbricht.
Sehr wichtig:
Intrusiveness ist nicht:
eine Emotion
ein Verhalten.
Sondern der Mechanismus dazwischen.
Theoretischer Hintergrund:
Psychological Reactance (Brehm).
Idee:
Wenn Freiheit bedroht wird,
reagieren Menschen mit Widerstand.
Pop-Up Ads können so wirken, weil sie:
Kontrolle unterbrechen,
Aufmerksamkeit erzwingen.
Intrusiveness ist also der praktische Ausdruck von Reactance im Online-Kontext. Edwards, S. M., Li., H., & Lee,…
Die Studie testet ein Prozessmodell:
Antecedents
Cognitive intensity (mentale Fokussierung)
Editorial congruence (Passung zum Content)
Informativeness
Entertainment.
↓
Perceived Intrusiveness
Consequences
Ad Avoidance.
Intrusiveness hängt davon ab:
wie stark Nutzer gerade kognitiv engagiert sind,
ob Werbung relevant ist,
ob sie Wert liefert (Information oder Entertainment).
Das bedeutet:
➡ Werbung ist nicht automatisch intrusiv.
Intrusiveness entsteht situativ.
Experimentelles Setup:
2×2×3 Design
Manipulation von:
Congruence
Duration
Cognitive intensity.
Analyse:
Structural Equation Modeling (SEM).
Ziel:
➡ gesamtes Wirkungsmodell simultan testen.
Die Studie zeigt:
Intrusiveness → Irritation ✔️
Intrusiveness → Avoidance ✔️
Irritation → Avoidance ❌ (nicht signifikant!)
Nutzer vermeiden Werbung nicht erst wegen Emotionen, sondern bereits aufgrund der kognitiven Bewertung.
Das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse im ganzen Themenblock.
Sie liefert einen Mechanismus:
Reactance passiert nicht einfach automatisch.
Der Prozess ist:
Unterbrechung der Ziele
Bewertung als intrusive
negative Reaktion.
Damit wird Reactance messbar gemacht.
Prüfer fragen oft:
Was unterscheidet Intrusiveness von Irritation?
Warum ist Intrusiveness der zentrale Mediator?
Welche Faktoren reduzieren Intrusiveness?
Warum führt Irritation nicht direkt zu Avoidance?
Was bedeutet das für Online Advertising?
Werbung wirkt weniger intrusiv wenn:
sie bei kognitiven Pausen erscheint,
sie relevant ist,
sie informativ oder entertaining ist.
➡ Forced exposure ist nicht automatisch schlecht.
Die Studie zeigt, dass wahrgenommene Intrusiveness der zentrale kognitive Mechanismus ist, durch den Forced Exposure zu Irritation und Werbevermeidung führt.
Stell dir vor:
User verfolgt ein Ziel online.
Pop-Up erscheint.
Der entscheidende Moment ist nicht:
„Bin ich genervt?“
Sondern:
„Unterbricht das mein Ziel?“
Wenn ja → Intrusiveness → negative Konsequenzen.
Diese Studie ist im gesamten Themenblock:
⭐ der Prozess-Mechanismus
Dutta-Bergman → Wer ist generell kritisch?
Edwards → Wie entsteht Widerstand situativ?
PKM → Wie lernen Menschen, Persuasion zu erkennen?
Skepticism → stabile Grundhaltung.
Was ist das Hauptproblem, das die Studie untersucht?
Warum Pop-Up-Ads als störend wahrgenommen werden und wie diese Wahrnehmung zu negativen Reaktionen wie Irritation und Werbevermeidung führt.
Was ist Forced Exposure?
Forced Exposure bedeutet, dass Nutzer Werbung sehen müssen, obwohl sie diese nicht aktiv gewählt haben (z.B. Pop-Up Ads), wodurch ihre Handlungsfreiheit eingeschränkt wird.
Welche Theorie bildet den theoretischen Rahmen?
Psychological Reactance Theory (Brehm): Wenn Menschen einen Freiheitsverlust wahrnehmen, reagieren sie mit Widerstand, um Kontrolle wiederherzustellen.
Wie wird Reactance auf Werbung angewandt?
Werbung kann als persuasive Bedrohung wahrgenommen werden. Wenn sie erzwungen ist, kann sie Widerstand, Ablehnung oder Vermeidung auslösen.
Was ist das zentrale theoretische Konstrukt der Studie?
Perceived Intrusiveness — die kognitive Wahrnehmung, dass Werbung persönliche Ziele oder laufende Aktivitäten unterbricht.
Warum ist Intrusiveness theoretisch wichtig?
Weil sie die vermittelnde Variable zwischen Werbeunterbrechung (Stimulus) und negativen Reaktionen (Emotionen & Verhalten) darstellt.
Intrusiveness = Irritation?
Nein.
Intrusiveness = kognitive Bewertung.
Irritation = emotionale Reaktion.
Wie definieren die Autoren Intrusiveness genau?
Als Bewertung, wie stark Werbung die aktuellen funktionalen oder hedonischen Ziele einer Person stört.
Welche Hauptfaktoren beeinflussen Intrusiveness?
Cognitive intensity
Editorial-ad congruence
Ad informativeness
Entertainment value
Was bedeutet Cognitive Intensity?
Grad der mentalen Beteiligung an einer Aufgabe. Je stärker die Konzentration, desto störender wirkt Werbung.
Hypothese H1 (Timing)?
Ergebnis zu Cognitive Intensity?
H1: Ads während aktiver Verarbeitung sind intrusiver als Ads in kognitiven Pausen.
Ergebnis: Ads während hoher kognitiver Aktivität wurden deutlich intrusiver wahrgenommen.
Hypothese H2 (Ad Length)?
Ergebnis zu H2?
H2: Längere Ads sollten intrusiver sein.
Ergebnis: Nicht bestätigt — Teilnehmer nahmen die Länge nicht unterschiedlich wahr (Manipulation failed).
a. Was bedeutet Editorial-Ad Congruence?
b. Was ist der Effekt von Congruence und warum?
a. Passung zwischen Werbeinhalten und aktuellem Seiteninhalt.
b. Mehr Congruence → weniger Intrusiveness. Congruenze reduziert Intrusiveness, weil relevante Werbung als nützlich statt als Unterbrechung wahrgenommen wird.
a. Zusammenhang Congruence → Informativeness?
b. Rolle von Informativeness?
c. Rolle von Entertainment?
d. Neuer Befund im Modell?
a. Congruente Ads werden als informativer bewertet.
b. Informative Ads werden als weniger intrusive wahrgenommen.
c. Unterhaltsame Ads reduzieren Intrusiveness direkt.
d. Entertainment reduziert zusätzlich Irritation direkt.
Was passiert, wenn Ads als intrusive wahrgenommen werden?
Sie erzeugen Irritation und führen zu Werbevermeidung.
Befunde zu Beziehungen:
a. Beziehung Intrusiveness → Irritation?
b. Beziehung Intrusiveness → Avoidance?
c. Beziehung Irritation → Avoidance?
a. Stark positiv.
b. Direkter positiver Effekt.
c. NICHT signifikant.
Warum ist der Befund wichtig, dass Irritation nicht direkt zu Ad Avoidance führt?
Er zeigt, dass Werbevermeidung bereits auf der kognitiven Ebene entsteht.
Nutzer vermeiden Werbung, sobald sie als intrusive bewertet wird — noch bevor starke negative Emotionen entstehen.
Intrusiveness ist daher der zentrale Mechanismus der Reactance.
Studiendesign, Stichprobe, Analyseverfahren?
Warum explizit dieses Analyseverfahren?
Zentrale Messskalen?
Studiendesign: 2x2x3 Experiment
Stichprobe: 379 US-Studierende
Analyseverfahren: Structural Equation Modeling (SEM), um multiple Beziehungen zwischen Antecedents, Intrusiveness und Outcomes simultan zu testen
Zentrale Messskalen: Intrusiveness, Irritation, Informativeness, Entertainment
a. Hauptbeitrag der Studie?
b. Was erweitert die Studie theoretisch?
c. Was ist neu gegenüber früherer Forschung?
a. Intrusiveness wird als zentraler Mechanismus von Werbereaktanz etabliert.
b. Reactance Theory wird auf digitale Werbung und forced exposure angewendet.
c. Klare Trennung von kognitiven, emotionalen und behavioralen Reaktionen.
Methodische Hauptschwäche?
Ad-Length-Manipulation funktionierte nicht.
Stichprobe:
Studenten-Sample → eingeschränkte Generalisierbarkeit.
Kontext:
Task-orientiertes Browsing — nicht alle Online-Situationen.
Kritik am SEM:
Kategoriale exogene Variablen sind methodisch ungewöhnlich.
Anwendung, Implikationen und Bedeutungen für andere Felder?
Modernes Equivalent?
YouTube Ads:
Unskippable Ads = Forced Exposure → Reactance möglich.
Social Media:
Ads im Feed unterbrechen Ziele → Intrusiveness relevant.
Targeting:
Relevanz (Congruence) reduziert negative Reaktionen.
UX-Desing:
Ads bei kognitiven Pausen platzieren.
Modernes Equivalent:
Autoplay Ads, Overlay Ads, Push Ads
a. Größte Konzept-Falle?
b. Reactance direkt gemessen?
a. Intrusiveness nicht mit Irritation verwechseln.
b. Nein — theoretischer Hintergrund.
a. Warum vermeiden Nutzer Ads?
b. Wann wirken Ads am wenigsten intrusive?
a. Weil sie intrusive sind — nicht weil sie irritiert sind.
b. Bei niedriger kognitiver Belastung + hoher Relevanz.
Ein-Satz-Kernlogik der Studie?
Forced Exposure erzeugt Reactance nur dann stark, wenn Werbung als intrusive Unterbrechung wahrgenommen wird — und diese Wahrnehmung kann durch Relevanz, Timing und Value reduziert werden.
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