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Prozessgestaltung

LG
von Linus G.

Zwischen den Grundzielen der Ablauforganisation, der Stellenbezogenheit und der Objektbezogenheit, besteht ein Zielkonflikt. Benennen Sie diesen.

Stellenbezogenheit (Maximierung der Kapazitätsauslastung): Das Ziel ist es, die Auslastung der Sachmittel (Maschinen) und der Aufgabenträger (Mitarbeiter) zu maximieren. Um dies zu erreichen, müssen Wartezeiten und Leerzeiten minimiert werden, was in der Praxis oft dadurch geschieht, dass man einen Vorrat an zu bearbeitenden Objekten (Aufträge/Material) vor der Stelle ansammelt, damit diese nie stillsteht.

Objektbezogenheit (Minimierung der Durchlaufzeit): Das Ziel ist es, ein einzelnes Objekt (z. B. ein Produkt oder einen Kundenauftrag) so schnell wie möglich durch den gesamten Prozess zu schleusen. Dies wird erreicht durch die Reduktion von Bearbeitungs-, Transport- und insbesondere Liegezeiten.

Der Kern des Konflikts

Der Konflikt besteht darin, dass eine maximale Kapazitätsauslastung (Stellenbezogenheit) meistens zu Lasten der Durchlaufzeit (Objektbezogenheit) geht und umgekehrt:

1. Um eine Stelle zu 100 % auszulasten, benötigt man Puffer und Warteschlangen vor den Arbeitsstationen, damit bei Schwankungen immer Arbeit bereitsteht. Diese Puffer erhöhen jedoch die Liegezeiten der Objekte und damit die gesamte Durchlaufzeit.

2. Um eine minimale Durchlaufzeit zu garantieren (das Objekt „fließt“ ohne Stopp), müsste an jeder Station sofort eine freie Kapazität verfügbar sein. Dies führt zwangsläufig zu Leerzeiten bei den Mitarbeitern oder Maschinen, wenn gerade kein Objekt zur Bearbeitung ansteht, was die Kapazitätsauslastung senkt.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Hohe Auslastung führt zu langen Warteschlangen (lange Durchlaufzeit), während kurze Durchlaufzeiten oft freie Kapazitäten (geringe Auslastung) erfordern.


Was ist das Drei-Szenario-Volatilitäts-Paradigma? Beschreibe Wandlungsfähigkeit* und Flexibilität**

Modell zur strategischen Planung und Gestaltung von Arbeitsprozessen, um auf die zunehmende Volatilität (Schwankungsanfälligkeit) von Märkten zu reagieren.


Es basiert auf der grafischen Darstellung der erwarteten Verkaufsmenge über die Zeit und unterscheidet dabei drei grundlegende Entwicklungskorridore:

1. Negativszenario: Stellt einen Rückgang oder eine Krisensituation dar.

2. Trendszenario: Beschreibt die erwartete, normale Fortentwicklung des Absatzes.

3. Extremszenario: Bildet einen starken Zuwachs oder eine Boom-Phase ab.

Im Kontext dieses Paradigmas werden Wandlungsfähigkeit und Flexibilität wie folgt unterschieden:

Wandlungsfähigkeit (*)

Definition: Bezieht sich auf die langfristige Bandbreite zwischen den verschiedenen Szenarien (vom Negativ- bis zum Extremszenario).

Ziel: Es geht darum, den Wandel proaktiv vorzudenken und zu planen, anstatt nur reaktiv zu handeln.

Umsetzung: In Abhängigkeit vom eintretenden Wandlungsszenario werden methodisch vorbereitete Instrumente (Maßnahmenbündel) aktiviert (z. B. eine „Krisen Toolbox“ oder eine „Boom Toolbox“).

Flexibilität ()**

Definition: Beschreibt die Fähigkeit zur kurzfristigen Reaktion auf Schwankungen innerhalb eines bereits eingetretenen Szenarios (z. B. tägliche oder wöchentliche Abweichungen von der Trendlinie).

Ziel: Schnelle Reaktionsfähigkeit zur Sicherstellung kurzer Lieferzeiten und zur Zufriedenheit der Kundschaft.

Umsetzung: Die Regelung erfolgt kurzfristig innerhalb eines definierten Flexibilitätskorridors, beispielsweise durch Anpassungen der Arbeitszeit, des Personaleinsatzes oder durch Fremdvergabe.

Erläutern Sie, was man unter der Kapazitätssteuerung über Arbeit nach Bedarf versteht.

Unter der Kapazitätssteuerung über Arbeit nach Bedarf versteht man die dynamische Ausrichtung des personellen Kapazitätsangebots an den tatsächlichen, vom Markt oder Kunden ausgelösten Kapazitätsbedarf. Sie ist ein zentrales Element des sogenannten Work-on-Demand-Paradigmas, welches Arbeit als eine geregelte Größe im System betrachtet.

Die Umsetzung erfolgt dabei nach dem Prinzip eines Regelkreises:

Messgrößen: Als Indikator für den Bedarf dient entweder die aktuelle Auftragswarteschlange vor einem Prozess oder der konkrete Verbrauch bzw. Bestand beim Kunden (z. B. nach dem KANBAN-Supermarktprinzip).

Regler: Die operative Entscheidung über die Anpassung treffen meist die Verantwortlichen vor Ort, wie Teamleiter oder Meister.

Stellgrößen: Um auf Bedarfsschwankungen zu reagieren, werden verschiedene Instrumente genutzt, insbesondere die Anpassung der Arbeitszeit, der gezielte Personaleinsatz, die Veränderung der Betriebszeit (z. B. durch Zusatzschichten) oder die Fremdvergabe von Aufgaben.

Ziele und Voraussetzungen:

Reaktionsfähigkeit: Das wesentliche Ziel ist eine schnelle Reaktionsfähigkeit, um eine konstante Lieferfähigkeit und hohe Kundenzufriedenheit auch bei volatilen Märkten sicherzustellen.

Flexibilität der Mitarbeitenden: In der Praxis erfordert dieses Modell oft eine Mehrfach-Qualifikation der Beschäftigten. Nur so können sie auftragsabhängig und flexibel an verschiedenen Arbeitsplätzen oder innerhalb unterschiedlicher Montagesysteme (z. B. in U-Linien) eingesetzt werden.

Personalreserven: Die Steuerung kann zudem über ein System aus einer Stammbelegschaft (aktive MA) und einer eingeplanten Personalreserve erfolgen, um Spitzen abzufangen.

Zusammenfassend sorgt die Kapazitätssteuerung nach Bedarf dafür, dass Beschäftigung nicht starr fixiert ist, sondern als flexible Größe „nach Maß“ gehandhabt wird, um Verschwendung durch Überkapazitäten oder Lieferverzug durch Unterkapazitäten zu vermeiden.


Die Verfahren der Arbeitsbewertung dienen dazu, die Arbeitsschwierigkeit unabhängig von der individuellen Person zu ermitteln, um eine anforderungsgerechte Bezahlung sicherzustellen. In der Arbeitswissenschaft werden diese Verfahren anhand von zwei zentralen Dimensionen differenziert und so in vier Grundtypen eingeteilt:

1. Die Differenzierungsmerkmale

Um die vier Arten zu unterscheiden, betrachtet man zwei methodische Ansätze:

  • Methode der qualitativen Analyse (Bewertungsumfang):

    • Summarisch: Die Arbeitsverrichtung wird als Ganzes bewertet; maßgebend ist der Gesamteindruck.

    • Analytisch: Die Tätigkeit wird in einzelne Anforderungsarten (z. B. nach dem Genfer Schema: Fachkenntnisse, Belastung, Verantwortung, Umgebungseinflüsse) zerlegt. Diese werden getrennt bewertet und zu einem Gesamturteil zusammengefasst.

  • Prinzip der Einstufung (Bewertungsform):

    • Reihung (Vergleich): Die Arbeiten werden direkt miteinander verglichen und in eine Rangfolge gebracht.

    • Stufung (Skalierung): Die Anforderungen werden mit fest definierten Richtbeispielen oder Skalen verglichen und bestimmten Stufen zugeordnet.

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2. Die vier Arten der Arbeitsbewertung

Daraus ergeben sich die folgenden vier Verfahrensklassen:

A. Rangfolgeverfahren (Summarisch + Reihung)

  • Funktionsweise: Alle Anforderungen eines Arbeitssystems werden pauschal als Ganzes mit anderen Arbeitsplätzen verglichen und in einer Rangfolge (Platz 1, 2, 3...) angeordnet.

  • Vorteile: Es ist sehr einfach und leicht verständlich.

  • Nachteile: Der subjektive Einfluss ist mangels objektiver Maßstäbe groß. Es eignet sich nur für kleine Unternehmen mit wenigen, verschiedenartigen Arbeitsplätzen.

B. Lohngruppenverfahren (Summarisch + Stufung)

  • Funktionsweise: Die Gesamtanforderungen einer Tätigkeit werden als Ganzes mit Richtbeispielen in einem Katalog verglichen und einer entsprechenden Lohngruppe zugeordnet.

  • Vorteile: Einfach in der Ausführung und leicht verständlich.

  • Nachteile: Bestehende Kataloge veralten schnell oder werden den spezifischen betrieblichen Anforderungen oft nicht voll gerecht.

C. Rangreihenverfahren (Analytisch + Reihung)

  • Funktionsweise: Die Tätigkeit wird in Einzelkriterien zerlegt. Für jedes Kriterium (z. B. nur die „Körperliche Belastung“) wird eine eigene Rangreihe über alle zu bewertenden Stellen gebildet.

  • Vorteile: Durch die Zerlegung gibt es einen geringen Ermessensspielraum, was zu nahezu gleichen Ergebnissen führt, selbst wenn verschiedene Personen bewerten.

  • Nachteile: Es ist weniger flexibel gegenüber schnellen betrieblichen Entwicklungen.

D. Stufenverfahren / Punktbewertungsverfahren (Analytisch + Stufung)

  • Funktionsweise: Die Einzelkriterien der Gesamtanforderungen werden anhand eines gewichteten Schemas (Wertzahlen/Punkte) bewertet. Jedes Merkmal erhält eine Punktzahl, die Summe ergibt den Arbeitswert.

  • Vorteile: Ermöglicht eine leichte Umrechnung des Gesamtwertes in Geldeinheiten.

  • Nachteile: Das Verfahren kann aufgrund seiner Komplexität unübersichtlich wirken.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Während summarische Verfahren (A & B) schneller und einfacher sind, bieten analytische Verfahren (C & D) durch die Zerlegung in Einzelkriterien eine höhere Genauigkeit und Objektivität bei der Bewertung komplexer Arbeitssysteme.


Im Rahmen des »Embedded Engineerings« können unterschiedliche Prozesskettentypen für die Auftragsabwicklung existieren. Nennen Sie 4 dieser Prozesskettentypen.

CtO - Konfig to order

  • Konfiguration von Produkten durch die Kundschaft anhand vonv orgegebenen Parametern. Der Konfigurationsprozess liefert neben der Produktspezifikation auch die Produktionsunterlagen wie Stückliste, Arbeitsplan und Zeichnung (z.B. Maßanfertigung, Kleidung).

BtO - Built to order

  • Vollständige auftragsspezifische Fertigung und Montage eines typisierten bzw. konfigurierbaren Produktes, aus Komponenten die zum Teil die gesamte Prozesskette durchlaufen (z.B. Maschinenbau)

EtO - Engineer to Order

  • Entwicklung und Konstruktion von Produkten nach den Bedürfnissen. der individuellen Kundschaft. Gilt auch für Produkte mit einem hohen Anteil an auftragsspezifischer Änderungs- und Anpassungs-konstruktion, z.B. Projektgeschäft. (Spezialfall: Config-to-Order).

PoD - Production on demand

  • Auftragsspezifische Fertigung und Montage eines variantenreichen Produktes aus zum Teil vorgefertigten Komponenten (Artikelspezifikation vollständig vorhanden) für die Kundschaft.

AtO - Assemble to order

  • Auftragsspezifische Endmontage eines variantenreichen Produktes aus vorgefertigten Komponenten, die im Zwischenlager vorgehalten werden. Produktion erfolgt nach »Stückliste der Kundschaft«.

MtS - Make to stock

  • Lagerfertigung von Endprodukten ohne speziellen Auftrag der Kundschaft. Kundschaft kann lediglich zwischen bereits vorgefertigten Produkten auswählen.(z.B. Artikel im Supermarkt, Katalogprodukte)


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Linus G.

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