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Aortenklappenstenose (ESC)

LE
von Leon E.

1 - Aortenklappenstenose - Evaluation


  • Wie gehen Sie diagnostisch vor, wenn Ihnen ein Patient mit Verdacht auf eine höhergradige Aortenklappenstenose zugewiesen wird?

  • Welche Unterscheidung steht am Anfang des diagnostischen Pfads?


  • AS-verdächtige Klappenmorphologie in der Echokardiographie

-> Flussgeschwindigkeit und Gradienten bestimmen

Unterscheidung zwischen AS mit niedrigem Gradienten (Vmax < 4 m/s, dPmean < 40 mmHg) und AS mit hohem Gradienten (Vmax ≥ 4 m/s, dPmean ≥ 40 mmHg)


  1. AS mit niedrigem Gradienten (Vmax < 4 m/s, dPmean < 40 mmHg)

    —> AS mit niedrigem Gradienten (Vmax < 4 m/s, dPmean < 40 mmHg) —> AVA ≤1 cm² ? , wenn “Nein” -> Mittelgradige AS, wenn “Ja” -> Überprüfen Sie den Blutdruck und schließen Sie Messfehler aus, die zu einer Unterschätzung von Gradient, Fluss oder AVA führen können —> Definieren Sie den Flußstatus:

    —> Niedriger Fluss SVi ≤ 35 ml/m2

    —> Normaler Fluss SVi > 35 ml/m2

    • Bei normalem Fluss ist eine hochgradige Aortenklappenstenose unwahrscheinlich.

    • Bei niedrigem Fluss stellt sich die Frage nach der LVEF:

      —> LVEF ≥ 50% -> Koronare CT zur Beurteilung der AK-Verkalkung

      —> LVEF < 50% -> DSE Flussreserve (≥ 20 % Anstieg des Schlagvolumens als Reaktion auf niedrig dosiertes Dobutamin)

    • Steigt das Schlagvolumen ≥ 20% an und ist die AVA ≤1 cm² ist die hochgradige AS bestätigt. Wenn die AVA > 1 cm² ist, sprechen wir von einer Pseudo-hochgradigen AS (Pseudo-hochgradige AS = AVA > 1,0 cm2 mit erhöhtem Fluss)

    • Steigt das Schlagvolumen NICHT ≥ 20% in der DSE an, ist eine koronare CT zur Beurteilung der AK-Verkalkung indiziert

  2. AS mit hohem Gradienten (Vmax ≥ 4 m/s, dPmean ≥ 40 mmHg)

    —> Liegt ein “High flow Status” vor?

    (Ein High-flow-Status kann bei Patienten mit Anämie, Hyperthyreose oder arterio-venösen Fisteln reversibel sein und kann auch bei Patienten mit hypertropher obstruktiver Kardiomyopathie auftreten. Obere Grenze des normalen Flusses mittels gepulster Doppler-Echokardiographie: Herzindex 4,1 l/min/m2 bei Männern und Frauen, SVi 54 ml/m2 bei Männern, 51 ml/m2 bei Frauen).

    • Ja, liegt vor -> Ist dieser reversibel? -> Ja = Neubewertung bei normalem Fluss; Nein = Hochgradige AS

    • Nein, liegt nicht vor -> Hochgradige AS


Schwellenwerte für hochgradige AS, bewertet anhand der CT-Messung der Aortenklappenverkalkung (Agatston-Einheiten):

  • Männer > 3000, Frauen > 1600 = sehr wahrscheinlich

  • Männer > 2000, Frauen > 1200 = wahrscheinlich

  • Männer < 1600, Frauen < 800 = unwahrscheinlich.



1 - Aortenklappenstenose - Intervention


  • Welche Frage stellen Sie sich bei der Interventionsplanung eines Patienten mit hochgradiger Aortenklappenstenose?

  • Wie ist das Vorgehen, wenn der Patient diese Frage mit Ja beantwortet?

  • Wie ist das Vorgehen, wenn der Patient diese Frage mit Nein beantwortet?


  • Ob der Patient symptomatisch ist.

    • Ja —> Evaluation im Heart Team (Klasse I)

      • Patient < 70 Jahre mit niedrigem Operationsrisiko —> Operativer AKE (Klasse I)

      • Patient ≥ 70 Jahre mit trikuspider Klappe bei passender Anatomie —> TAVI (Klasse I)

      • Alle Anderen Kandidaten für Bioprothese —> Operativer AKE oder TAVI

    • Nein —> LVEF < 50% ohne andere Erklärung?

      • Ja —-> Evaluation im Heart Team (Klasse I) und Vorgehen s.o.

      • Nein —> Vorliegen eines oder mehrerer der folgenden Kriterien?:

        • High-gradient AS

        • Schwere Kalzifizierung (AVCS > 2000 bei Männern, > 1200 bei Frauen) u. Vmax Progression ≥ 0,3 m/s/Jahr

        • Erhöhte BNP oder NT-proBNP Spiegel assoziiert mit AS

        • LVEF < 55% assoziiert mit AS

        • Belastungsuntersuchung mit RR Abfall > 20 mmHg


—> Falls Ja und niedriges prozedurales Risiko —> Intervention (Klasse IIa), Vorgehen s.o.

—> Falls Ja und hohes prozedurales Risiko —> Engmaschige Verlaufskontrolle (alle 6 Monate)

—> Falls Nein (keins der obigen Kriterien erfüllt) —> Engmaschige Verlaufskontrolle (alle 6 Monate)


Insgesamt lässt sich sagen: Die hochgradige symptomatische Aortenklappenstenose hat unbehandelt eine schlechte Prognose und es besteht die klare Empfehlung zur früh-elektiven Intervention bei allen Patienten mit einer Lebenserwartung > 1 Jahr (insbesondere bei allen symptomatischen Patienten mit high-gradient Aortenklappenstenose.

1 - Aortenklappenstenose - Intervention

  1. Ihr Patient hat zwar eine gesichert hochgradige Aortenklappenstenose, berichtet jedoch keinerlei Symptome. Für wieviel Prozent der Patienten trifft das zu?

  2. Wie geht man mit diesen asymptomatischen Patienten um bzw. was schlagen Sie Ihrem Patienten nun vor?

  3. Wann sollte auch bei asymptomatischen Patienten unbedingt eine Intervention erfolgen?

  4. Wie ist die Vorgehensweise bei allen anderen asymptomatischen Patienten?

  5. Welche ungünstigen Prognosefaktoren sollten in die Entscheidungsfindung einbezogen werden?


  1. Bis zu 40% der Patienten mit hochgradiger AS berichten zum Zeitpunkt der Diagnosestellung keine Symptome.

  2. Belastungsuntersuchung. In ca. 1/3 der asymptomatischen Patienten kann eine Belastungsuntersuchung Symptome demaskieren oder eine reduzierter Belastbarkeit nachweisen, die der AS zugeschrieben werden kann. Diese Patienten sollten behandelt werden wie primär symptomatische Patienten. Memo: Schwierig bei Frailty bzw. eingeschränkter Mobilität.

  3. Bei asymptomatischen Patienten mit hochgradiger AS und einer LVEF < 50%, die nicht anders erklärbar ist als durch die AS.

  4. Asymptomatische Patienten mit hochgradiger AS ohne prognostisch ungünstige Merkmale —> bisher “watchful waiting”; ABER: RCTs die eine frühe Intervention und “watchful waiting” vergleichen schlagen vor, eine frühe Intervention als Alternative bei Patienten mit niedrigem prozeduralen Risiko zu erwägen. Insbesonder wenn zusätzliche ungünstige Prognosefaktoren vorliegen.

  5. Sehr hohe Vmax, erhöhte natriuretische Peptide, schwere Kalzifizierung der Klappe, rasche Vmax-Progression, LVEF < 55%


-> für Zusammenfassung der o.g. RCTs siehe S.4665, ESC Guideline Valvular Hear Disease


1 - Aortenklappenstenose - Leitlinienempfehlungen zu den Behandlungsoptionen

  1. Welche Voraussetzungen sollte in jedem Falle einer behandlungsbedürftigen AS gewährleistet sein, damit Du für Deine Patienten ein möglichst gutes Ergebnis erzielen kannst?

  2. Welchen Patienten empfiehlst Du ein chirurgisches Vorgehen, welchen Patienten empfiehlst Du TAVI?

  3. Ihr Patient hat eine bikuspide Aortenklappe. Ist das TAVI-Verfahren für diesen Patienten prinzipiell ausgeschlossen?



  1. Die Klappenintervention sollte an einem Zentrum (universitäres Herzzentrum, Klappenzentrum) mit folgender Standards erfolgen: große Expertise, offene Kommunikation von Outcome-Daten, interventionelle Kardiologie und Herzchirurgie im Haus, strukturiertes interdisziplinäres “Heart Team”/Herzkonferenz

    • Festlegung des Verfahrens sollte im “Heart Team” unter Einbezug von individueller klinischer-, anatomischer-, und prozeduraler Machbarkeit und unter Berücksichtigung der Lebenserwartung und des postoperativen Managements erfolgen (Empfehlungsgrad I)

  2. Chirurgischer Aortenklappenersatz (SAVR) vs. TAVI:

    • TAVI ist bei Patienten ≥ 70 Jahre mit trikuspider Aortenklappenstenose bei passender Anatomie empfohlen (Empfehlungsgrad IA)

    • SAVR ist bei Patienten < 70 Jahre mit niedrigem OP-Risiko empfohlen (Empfehlungsgrad I)

    • SAVR oder TAVI sind bei allen verbliebenen Kandidaten empfohlen, die nach Evaluation durch das “Heart Team” für einen biologischen Klappenersatz geeignet sind (Empfehlungsgrad I)

    • Nicht-transfemorale TAVI (d.h. transaxillär oder transapikal) sollte bei Patienten erwogen werden, die weder für eine chirurgische noch eine transfemorale Intervention infrage kommen (Empfehlungsgrad IIa)

  3. Nein! TAVI kann bei Patienten mit hochgradiger Aortenklappenstenose bei Bikuspidie und erhöhtem OP Risiko bei passender Anatomie ebenfalls diskutiert werden (Empfehlungsgrad IIb)


1 - Aortenklappenstenose - Follow-Up


  1. Ihr Patient ist 72 Jahre alt, fit und hat eine hochgradige Aortenklappenstenose. Er ist hierunter jedoch gänzlich asymptomatisch bei guter linksventrikulärer systolischer Funktion. Was empfehlen Sie ihrem Patienten?

  2. Gibt es einen Laborwert, der bei der Verlaufskontrolle einer Patienten mit AS hilfreich sein kann?

  3. Sie haben einen 60 jährigen Patienten mit leichtgradiger/milder Aortenklappenstenose, ohne signifikante Kalzifizerungen der Klappe. Ihr Patient erkundigt sich, wie oft eine Verlaufskontrolle erforderlich ist. Was antworten Sie?

  4. Wie wäre die Empfehlung beim selben Patienten, wenn die Aortenklappenstenose nicht leichtgradig, sondern mittelgradig ist?

  5. Ihr Patient hat sich bei hochgradiger symptomatischer AS einer TAVI unterzogen, nachdem er zuvor regelmäßig bei Ihnen zur Verlaufskontrolle vorstellig war. Er ruft sie nach überstandenem Eingriff aus dem Krankenhaus an und hat folgende Fragen:

    • “Mir wurde eine Reha angeboten aber mir geht es doch gut. Soll ich das Angebot trotzdem wahrnehmen?

    • “Morgen habe ich einen Echo-Termin aber die neue Klappe ist doch jetzt drin. Warum ist das wichtig?”

    • “Wie oft muss ich in Zukunft bei Ihnen in der Praxis vorstellig werden?”


  1. Asymptomatische Patienten sollten alle 6 Monate verlaufskontrolliert werden (+TTE), damit Frühsymptome oder eine Verschlechterung der LVEF nicht übersehen werden

    -> Bei Unklarheit bzgl. Symptomatik (“Kommt das von der AS oder nicht?”) sind Belastungsuntersuchungen hilfreich

  2. Serielle Bestimmung von NTproBNP kann hilfreich sein

  3. Bei jüngeren Patienten mit leichtgradiger/milder AS ohne signifikante Kalzifizerungen der Klappe ist ein Follow-up alle 2-3 Jahre ausreichend. Bei Progress kann der Follow-up Zeitraum dann verkürzt werden.

  4. Mehrere Studien zeigen, dass die Prognose der mittelgradigen-, degenerativen AS deutlich schlechter ist als zuvor gedacht. —> insb. bei signifikanter Kalzifizerung der Klappe Verlaufskontrolle mind. 1x pro Jahr!

  5. Auf die Fragen antworten Sie ….

    • Reha ist insb. bei älteren Patienten empfehlenswert, weil des nachweislich die Alltagskompetenz und 6-Minuten-Gehstrecke verbessert.

    • Nach der Klappenintervention ist eine frühe Echokardiographie innerhalb der ersten Wochen nach dem Eingriff empfohlen, um die Baseline-Funktion der Klappenprothese zu dokumentieren

    • Patient mit Bioprothese (TAVI) —> Jährliche Verlaufskontrolle + TTE empfohlen; außerdem natürlich wenn klinische Symptome oder Anzeichen einer Prothesen-Dysfunktion auftreten


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Leon E.

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