(Folie 9) Welche zwei psychodynamischen Richtlinienverfahren haben eine gemeinsame theoretische Grundlage?
Beide beruhen auf der Psychoanalyse:
• Analytische Psychotherapie (AP)
• Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP / TfP)
→ Gemeinsame theoretische Grundlage: Psychoanalyse
(Folie 17) Worin unterscheiden sich AP und TP hinsichtlich Dauer und Frequenz?
Analytische Psychotherapie (AP)
• Max. 300 Stunden
• 2–5× wöchentlich (hochfrequent)
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP)
• Max. 100 Stunden
• 1–2× wöchentlich (variable Frequenz)
(Folie 17) Worin unterscheiden sich AP und TP im Setting und im Umgang mit Übertragung?
AP
• Patient:in liegt (Couch) oder sitzt
• Übertragungs- und Regressionsförderung
TP
• Sitzend
• Übertragung nutzend
Gemeinsame Grundlage: Psychoanalyse (PA)
(Folie 15–16) Was umfasst die Psychodynamische Psychotherapie terminologisch?
Die Psychodynamische Psychotherapie umfasst die psychoanalytisch begründeten Verfahren:
• Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP)
Begriffe mit gemeinsamer theoretischer Grundlage:
• Psychoanalyse
• Tiefenpsychologie
• Psychodynamik
→ Beschreiben dieselben theoretischen Grundlagen.
(Folie 16) Womit beschäftigen sich Psychoanalyse und Tiefenpsychologie?
Sie beschäftigen sich mit der Psychodynamik:
• Unbewusste, konflikthafte Prozesse
• Intra- und interindividuelle Prozesse
Begründet und beschrieben von Freud.
(Folie 18) Welche drei Ebenen umfasst die Psychoanalyse als gemeinsame Grundlage?
Psychoanalyse umfasst:
Krankheitstheorie
Gesellschaftstheorie
Psychotherapieverfahren
→ Grundlage der psychoanalytisch orientierten (psychodynamischen) Verfahren
(Folie 18) Welche Therapieziele nennt Freud für die Psychoanalyse?
Die Psychoanalyse dient:
• dem Verstehen der Psyche
• dem Bewusstmachen des Unbewussten
Ziel:
• Liebes-, Genuss- und Arbeitsfähigkeit
(Folie 19) Was ist laut Rudolf (2010) das emanzipatorische Ziel psychodynamischer Therapie?
Ziel ist:
• Vertieftes Verstehen
• Annehmen der eigenen Persönlichkeit und Geschichte
→ führt zu Freiheit und Verantwortung
(Folie 20–21) Wie soll laut Rudolf (2019) „Liebes- und Arbeitsfähigkeit“ erreicht werden?
Durch:
Aktualisierung von Beziehungserfahrungen – Lebensgeschichte – Familiengeschichte – Sozialgeschichte
Schrittweises Gewahr-Werden eigener Verhaltensmuster
→ Entwicklung eines zunehmenden Selbstverständnisses
(Folie 22) Welche „Geschichten“ bilden das Therapiematerial?
Das Therapiematerial umfasst:
• Beziehungsepisoden
• Sozialgeschichte
• Emotionsgeschichte
• Krankengeschichte
• Persönliche Mythen
• Selbstreflexionen
Sozial- und Emotionsgeschichte zusammen → Verständnis der Psychodynamik der Entwicklung
(Folie 23) Welche drei Therapiephasen gibt es?
Eröffnungsphase
Durcharbeitungsphase
Beendigungsphase
Unterwegs geschieht:
• Wiedererleben
• Erkennen
• Verstehen
• Bewusstmachen psychodynamischer Prozesse
→ Veränderung, Heilung, Verantwortungsübernahme
(Folie 33–34) Welche vier Bereiche bilden die gemeinsamen Grundlagen von Psychoanalyse und Tiefenpsychologie?
• 50 % Verhaltenstherapie (VT)
• 45 % Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP)
• 2 % Analytische Psychotherapie (AP)
• 3 % Kombinierte Psychotherapien
(Folie 11–13, inhaltlich zu diesem Block gehörig) Wer ist zur ambulanten kassenärztlichen Psychotherapie zugelassen?
Zugelassen sind:
• Ärztliche Psychotherapeut:innen
• Psychologische Psychotherapeut:innen (PP)
• Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen (KJP)
(Folie 13–14) Welche Verfahren sind sozialrechtlich als „Richtlinienverfahren“ anerkannt?
Psychoanalytisch begründete Verfahren – AP – TP
Verhaltenstherapie
Systemische Therapie
Grundlage:
• Umfassendes Theoriesystem
• Therapeutische Wirksamkeit empirisch belegt
(Folie 28–29) Was beschreibt der Begriff „Psychodynamik“?
Psychodynamik beschreibt:
• Zusammenspiel innerer Kräfte
• Strukturierung des psychischen Systems
• Internalisierung früher Beziehungserfahrungen
• Zentrale Bedeutung unbewusster Vorgänge
• Entwicklung „neurotischer“ Persönlichkeitszüge
Abgeleitet vom dynamischen Unbewussten und Konflikten zwischen
Es – Ich – Über-Ich
(Folie 30) Welche wichtigen gesundheitspolitischen Schritte betreffen TP und AP?
• 1967: Einführung der TP als Pflichtleistung der GKV
• 1999: Psychotherapeutengesetz (Approbation für PP)
• Entwicklung der TP zu eigenständigem Verfahren
• Internationaler Begriff: Psychodynamische Psychotherapie
(Folie 31) Was geschah 2004 durch den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie?
• Zusammenfassung von
– TP und
– AP
unter dem Oberbegriff:
→ Psychodynamische Psychotherapie
(Folie 32) Wie definiert Freud „Tiefenpsychologie“?
Psychoanalyse als:
• „Lehre vom seelisch Unbewussten“
„Die Traumdeutung“ (1900):
→ Wendepunkt von einem psychotherapeutischen Verfahren
zu einer Tiefenpsychologie
(Folie 33 – Übergang) Welche vier gemeinsamen Grundlagen strukturieren psychodynamische Verfahren?
Zentrale theoretische Konzepte
Behandlungstheorie & Technik
Diagnostik
Therapeutische Beziehung
Gemeinsame Grundlagen:
I. Zentrale theoretische Konzepte
II. Behandlungstheorie & Technik (Bedeutung suchen, Verstehen)
III. Diagnostik
IV. Therapeutische Beziehung als Hauptwerkzeug
(Folie 34) Welche zentralen Konzepte gehören zur Theorie psychodynamischer Verfahren?
Zentrale Konzepte:
• Unbewusste Prozesse & Übertragung
• Konflikt, Abwehr, Widerstand
• Strukturmodell der Psyche (Ich – Es – Über-Ich)
• Psychosexualität (Körper, Lust, Trieb)
(Folie 35) Welche Aspekte stehen im Zentrum der Behandlungstheorie?
Behandlungstheorie umfasst:
• Unbewusste Beziehungsprozesse & Strukturbildung
• Frühe Körpererfahrung & psychosexuelle Entwicklung
• Übertragung & Gegenübertragung
• Konflikthaftigkeit des Menschen
(Folie 35) Welche Rolle spielen Abwehr und Widerstand?
• Abwehr: Schutz vor unangenehmen Gefühlen
(z.B. Verleugnung, Verdrängung)
• Widerstand: Gegenüber Veränderung
(Vertrautheit, Gewohntes)
(Folie 36) Welche vier Achsen umfasst die Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik (OPD)?
OPD umfasst:
Krankheitserleben
Beziehung (Übertragung – Gegenübertragung)
Konflikt
Strukturniveau
(Folie 36) Wie wird das Strukturniveau in der OPD differenziert?
Strukturniveau:
• gut
• mäßig
• gering
• desintegriert
Beurteilt werden:
• Selbst- & Objektwahrnehmung
• Steuerung (z.B. Affekte, Selbstwert)
• Kommunikation
• Innere Bindung & äußere Beziehung
(Folie 37) Welche Aufgabe hat die therapeutische Beziehung?
Den therapeutischen Rahmen schützen durch:
• Regelmäßigkeit & Verlässlichkeit
• Abstinenz (keine eigenen Absichten verfolgen)
• Distanz (keine Verschmelzung, keine privaten Kontakte)
• Diskretion & Vertraulichkeit
(Folie 37) Wie wird Psychotherapie als Raum beschrieben?
Psychotherapie ist:
• Entwicklungsraum für Patient:innen
• Möglichkeitsraum für neue Erfahrungen
→ inklusive emotional korrigierender Erfahrungen
(Folie 39) Welche zentralen biographischen Stationen markieren Freuds Weg zur Psychoanalyse?
Wichtige Stationen:
• 1856 Geburt in Freiberg/Pribor
• Medizinstudium (1873–1881)
• Tätigkeit am Wiener AKH
• 1885: Aufenthalt bei Charcot in Paris (Hypnose bei Hysterie)
• Zusammenarbeit mit Breuer → „Redekur“
• 1938 Flucht nach London
• 1939 Tod in London
(Folie 39) Was war für die Entwicklung der Psychoanalyse theoretisch zentral?
• Weiterentwicklung der Hypnose
• Das „Junktim“ von Forschen & Heilen
→ Verbindung von Theorie und therapeutischer Praxis
(Folie 41) Welche „technischen Schriften“ Freuds sind besonders wichtig?
Wichtige Werke:
• Die Traumdeutung (1900)
• Zur Dynamik der Übertragung (1912)
• Erinnern, Wiederholen, Durcharbeiten (1914)
• Fallgeschichten (z.B. Dora, Rattenmann)
• Abriß der Psychoanalyse (1938)
(Folie 42) Welche Ereignisse markieren die institutionelle Entwicklung der Psychoanalyse?
• 1900: „Die Traumdeutung“
• 1902: Mittwochsgesellschaft
• 1908: Wiener Psychoanalytische Vereinigung
• 1910: Internationale Psychoanalytische Vereinigung (IPV)
(Folie 43) Worin unterscheidet sich Jungs Analytische Psychologie von Freuds Psychoanalyse?
Carl Gustav Jung:
• Begründer der Analytischen Psychologie
• Fokus auf Individuationsprozess
• Persönlichkeitstypen (introvertiert vs. extravertiert)
• Therapieziel: Selbstverwirklichung
(Folie 44) Was geschah mit der Psychoanalyse im Nationalsozialismus?
• Vertreibung jüdischer Psychoanalytiker:innen
• Ablehnung psychoanalytischen Gedankenguts
• Gleichschaltung im „Reichsinstitut“
• Freud emigriert 1938 nach London
(Folie 47) Wie entwickelte sich die Psychoanalyse in Deutschland nach 1945?
• Fragmentierung und Fraktionenbildung
• Unterschiedliche Vereinigungen (z.B. DPV, DPG)
• 1985: IPV-Kongress „Scham und Schuld“
• 2002/2009: Wiederaufnahme der DPG in die IPV
(Folie 49) Wofür ist Anna Freud theoretisch und praktisch besonders bedeutsam?
Anna Freud:
• Begründerin der Ich-Psychologie
• Beschrieb Abwehrmechanismen
• Arbeit mit Kindern & Traumatisierten
Institutionell:
• Gründung der Hampstead Nurseries
• Leitung der Hampstead Clinic (heute Anna-Freud-Centre)
(Folie 49) Welche wichtigen Schriften veröffentlichte Anna Freud?
• Einführung in die Technik der Kinderanalyse (1927)
• Das Ich und die Abwehrmechanismen (1936)
(Folie 50) Welche zentralen Konzepte prägte Winnicott?
Winnicott entwickelte:
• Falsches Selbst
• Holding
• Umweltmutter
• Übergangsobjekt (z.B. Teddy)
(Folie 50) Wofür ist Winnicott klinisch bekannt?
• Kinderarzt und Psychoanalytiker
• Vertreter der Unabhängigen Britischen Gruppe
Schriften u.a.:
• Reifungsprozesse und fördernde Umwelt
• Vom Spiel zur Kreativität
• Der Anfang ist unsere Heimat
(Folie 51) Wofür steht Irvin Yalom als zeitgenössischer Vertreter?
• Psychiater & Psychoanalytiker
• Hochschullehrer an der Stanford University
Thematische Schwerpunkte:
• Existenzielle Psychotherapie
• Gruppenpsychotherapie
(Folie 52) Wodurch ist Eva Jaeggi als integrative Vertreterin bekannt?
• Diplom-Psychologin
• Verhaltenstherapeutin & Psychoanalytikerin
• Hochschullehrerin an der TU Berlin
Publikationen u.a.:
• Techniken und Theorie der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie
• Wer ich bin? Frag doch die anderen.
(Folie 54) Welche Grundmerkmale kennzeichnen psychodynamische Psychotherapie?
• Anerkennung unbewusster Prozesse
• Beziehung im Zentrum (Übertragung)
• Hermeneutik = Wissenschaft vom Verstehen
– Bedeutung finden
– Symptome verstehen
• Anerkennung existenzieller Themen
• Person & Persönlichkeit vor Anpassung/Optimierung
(Folie 55) Welche existenziellen Themen werden anerkannt?
Nach Money-Kyrle:
• „Die Brust“ als äußere Quelle des Guten
• Ödipale Situation (Geschlecht & Generation)
• Endlichkeit & Verlust
Nach Yalom:
• Tod
• Freiheit
• Isolation
• Sinnhaftigkeit
(Folie 56) Wie beschreibt Freud die Funktion der Übertragung?
Übertragung ist:
• „Tummelplatz“ für pathogene Triebe
• Mittel, um Wiederholungszwang in Erinnern zu verwandeln
→ Patient darf sich in der Übertragung entfalten.
(Folie 57) Welche Haltung zeichnet psychodynamische Therapeut:innen aus?
• Respekt
• „Alles ist wichtig“
• Anerkennung unbewusster Gründe
• Spielraum einräumen („Tummelplatz“)
• Beziehung als zentrales Werkzeug
(Folie 58–59) Was bedeutet „Freie Assoziation“?
Einladung an Patient:innen:
• „Sagen Sie alles, was Ihnen durch den Sinn geht“
• Ohne Selbstzensur
• Auch Unangenehmes mitteilen
Freud vergleicht es mit einem Reisenden, der beschreibt, was er sieht.
(Folie 60) Was bedeutet „gleichschwebende Aufmerksamkeit“?
Aufgabe der Analytiker:innen:
• Keine bewusste Auswahl treffen
• Nichts gezielt merken wollen
• Sich dem „unbewussten Gedächtnis“ überlassen
→ Zuhören ohne Selektion
(Folie 61–62) Wie lautet die Formel der analytischen Grundregel?
„Volle Aufrichtigkeit gegen strenge Diskretion“
Aufgaben:
Patient:
• Freie Assoziation
• Volle Aufrichtigkeit
Therapeut:
• Gleichschwebende Aufmerksamkeit
• Diskretion
(Folie 63–64) Wie wird gleichschwebende Aufmerksamkeit weiter beschrieben?
• „Zwei Unbewusste kommunizieren miteinander“
• „Hören mit dem dritten Ohr“ (Reik)
• Haltung der Reverie
Kombination mit freier Assoziation
(Folie 65) Welche Kernkompetenzen braucht eine Analytiker:in?
Auswahl zentraler Punkte:
• Mit Gegenübertragung arbeiten
• Beziehung entstehen lassen
• Mit Angst & Konflikten umgehen
• Deuten können
• Selbstreflexion
(10 Kompetenzen nach H. Will)
(Folie 67) Warum haben Erstgespräche eine besondere Bedeutung?
Erstgespräche sind besonders, weil:
• Leidensdruck hoch ist
• Erwartungen & Wartezeit vorausgingen
• Neue, fremde Situation entsteht
• Beginn von Kontakt & Beziehung
→ Gestaltung beeinflusst Beziehungsentwicklung
(Folie 68) Welche drei Datenquellen unterscheidet Argelander im Erstgespräch?
Objektive Informationen – Biographische Fakten – Persönliche Angaben
Subjektive Informationen – Bild, das man vom Patienten gewinnt – Erlebnisverarbeitende Einsicht
Szenische / situative Informationen – Erleben der Situation – Gefühle & Vorstellungsabläufe – Auch wenn Patient schweigt
(Folie 69) Welche drei Ebenen zeigt das Fallbeispiel des Juristen?
• Erscheinungsbild: korrekt, beinahe feierlich gekleidet
• Szene: vorbereitetes Referat, Akte dabei
• Anliegen: kaum Angaben zur Familie, erwartungsvoller Blick
→ Mehr Information in Szene als im Inhalt
(Folie 70) Was ist Gegenübertragung?
Gefühle & Reaktionen, die im Therapeuten entstehen:
→ Als Reaktion auf die Übertragung des Patienten
Im Beispiel:
• Verärgerung
• Stereotypisierung („trockener Jurist“)
(Folie 71) Welche Intervention wurde im Fallbeispiel gewählt?
Intervention = Deutung
Therapeut fragt:
Ob es für Kinder schwer sei, einen so erfolgreichen Vater zu haben.
• Einbezug der unmittelbaren Situation
• Nutzung der Gegenübertragungsgefühle
Reaktion: Patient beginnt zu erzählen.
(Folie 72) Welche Merkmale zeigt das Verhalten der Therapeut:in im Erstgespräch?
• Ruhiges Abwarten
• Zuwendung
• Nachdenkliches Schweigen
• Kontrollierte Spontaneität
Folgen beim Patienten:
• Offenheit
• Erleichtertes Sprechen
• Frustration (keine direkten Ratschläge)
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