(Folie 2) Welche klassischen Interventionsformen gehören zur psychodynamischen Psychotherapie?
Die klassischen Techniken sind:
Klären (Klarifizieren)
Konfrontieren
Deuten
Durcharbeiten
→ Sie bauen aufeinander auf und dienen dazu, unbewusste Konflikte bewusst zu machen und zu verarbeiten.
Details merken:
Laut Lernzettel:
• Inhaltsdeutung = Was verdrängt ist
• Abwehr-/Widerstandsdeutung = Wie verdrängt wird
• Übertragungsdeutung = Wie es sich in der Beziehung zeigt
• Genetische Deutung = Woher es ursprünglich stammt
(Folie 6–7) Was bedeutet Klären in der psychodynamischen Therapie?
Klären = Klarifizieren
• Herausarbeiten wesentlicher Details
• Nachfragen, um besser zu verstehen, worum es geht
• Kann sich an eine Konfrontation anschließen
Ziel:
→ Das Material präzisieren, bevor gedeutet wird.
(Folie 8) Was ist eine Konfrontation?
Konfrontation bedeutet:
• Die Aufmerksamkeit des Patienten auf ein bestimmtes Phänomen lenken
• Eine Wahrnehmung oder andere Sichtweise mitteilen
• Auf Unklarheiten aufmerksam machen
Wichtig:
Nicht jede Intervention ist sofort eine Deutung.
Klären oder Konfrontieren bereiten den Boden für eine spätere Deutung.
(Folie 9–10) Was ist das Ziel einer Deutung?
Ziel einer Deutung:
→ Unbewusstes bewusst machen
Bewusst gemacht werden soll:
• die unbewusste Bedeutung
• Quelle oder Geschichte
• Art oder Ursache eines psychischen Ereignisses
Deutung =
Aufmerksam-Machen auf einen latenten Gehalt von Rede oder Verhalten.
(Folie 10) Welche Formen der Deutung werden unterschieden?
Formen der Deutung:
• Inhaltsdeutung – Rekonstruktion der Kindheit
• Abwehrdeutung – Mechanismen der Konfliktabwehr
• Widerstandsdeutung – z.B. Erinnerungslücken als Abwehr
• Übertragungsdeutung – aktuelle Beziehung zum Therapeuten
• Genetische Deutung – Entstehung von Erlebens- und Verhaltensweisen
(Folie 11) Was ist entscheidend für die „Kunst des Deutens“?
Wichtig ist:
• Nähe zur psychischen Situation des Patienten
• Nicht Brillanz, sondern Passung
• Kurze, einfache, präzise Formulierungen
• Möglichst nahe am Wortlaut bleiben
Wann interveniert der Analytiker?
→ Wenn der Prozess ins Stocken gerät.
(Folie 12–14) Was bedeutet Durcharbeiten?
Durcharbeiten =
Gemeinsame Arbeit von Therapeut und Patient, um Widerstände gegen Veränderung zu überwinden.
→ Intellektuelle Einsicht allein reicht nicht.
(Folie 14) Welche dreifache Bedeutung hat Durcharbeiten?
Durcharbeiten umfasst:
Behandlungswiderstände bearbeiten → Abwehr und Widerstand aufgeben
Übertragungen durcharbeiten → Unbewusste Inszenierungen erkennen und aufgeben
Deutungen innerlich nacharbeiten → Auch zwischen den Stunden
Im Lernzettel wird betont:
→ Wiederholte emotionale Verarbeitung der Einsichten
(Folie 9) Welche Versorgungsformen psychotherapeutischer Behandlung werden unterschieden?
Es gibt drei Versorgungsformen:
Ambulant • Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) • Praxis
Teilstationär • Tagesklinik • Abendklinik • Nachtklinik (4–8 Wochen)
Stationär • Akutbehandlung (Krankenhaus) • Rehabilitation (1–12 Wochen)
Hinweis:
Ambulante Behandlung erfolgt häufig als Nachsorge nach stationärer Therapie (mit Wartezeit).
(Folie 9) Welche Therapieformate können kombiniert werden?
Mögliche Formate:
• Einzeltherapie
• Gruppenpsychotherapie
• Kombinationstherapie
(Folie 10) Was unterscheidet Einzel- und Gruppentherapie vor der Sitzung?
Gruppentherapie (100 Min):
• Stuhlkreis aufstellen
• Raum temperieren
• Störungsfreiheit sichern
• Gruppe betritt wenige Minuten vor Beginn den Raum
Einzeltherapie (50 Min):
• Raum lüften, temperieren
• Therapeut empfängt Patient
Gemeinsam:
• Innerliches Einstellen auf Patient:innen
(Folie 10) Was unterscheidet Einzel- und Gruppentherapie während der Sitzung?
Gruppentherapie:
• Zurückhaltende Aktivität
• Freie Interaktion der Gruppe
• Zuhören, ggf. intervenieren
• Am Ende: Verbalisieren der dynamischen Matrix (Foulkes)
Einzeltherapie:
• Freischwebende Aufmerksamkeit
• Freie Assoziation
• Zuhören, ggf. Klären, Konfrontieren, Deuten
• Am Ende: Anfangsszene aufgreifen, latentes Thema verbalisieren
(Folie 10) Was geschieht nach der Sitzung?
• Gruppe verlässt Raum vor Therapeut
• Dokumentation
• Patient verlässt Behandlungszimmer
(Folie 11) Was ist das zentrale Merkmal der Gruppenanalyse nach Foulkes?
Methodische Veränderung:
• Von der Couch → zum Stuhlkreis
• Von freier Assoziation → zu freier Diskussion
Zentrale Annahme:
Die Gruppe bildet eine Matrix =
„hypothetical web of communication & relationship“
→ gemeinsamer Bezugsrahmen
(Folie 12) Welche Voraussetzungen gelten für die Gruppenanalyse nach Foulkes?
• 7–8 unabhängige Patient:innen
• Ein Gruppenanalytiker
• Treffen ausschließlich zum Therapiezweck
• Mitglieder sind sich sonst fremd
Merkmale:
• Gegenwärtiges im Vordergrund
• Möglichst freier Ausdruck
• Keine Wertung
• Beziehungen entwickeln sich ohne reale Konsequenzen
(Folie 13) Welche Grundannahmen beschreibt Bion?
Unbewusste Grundannahmen („basic assumptions“):
Abhängigkeit
Paarbildung
Kampf/Flucht
In der Gruppe werden Affekte aktiviert:
• Angst
• Furcht
• Hass
• Liebe
→ Haben Überlebensfunktion in Großgruppen
(Folie 13–14) Welche Wirkfaktoren nennt Yalom?
Zentrale Wirkfaktoren:
• Hoffnung einflößen
• Universalität des Leidens
• Altruismus
• Gruppenkohäsion
• Katharsis
• Interpersonales Lernen
• Existenzielle Faktoren
• Korrigierende Rekapitulation der primären Familiengruppe
• Entwicklung sozialer Techniken
• Nachahmendes Verhalten
• Mitteilung von Informationen
• Guidance
• Identification
(Folie 14) Was kennzeichnet das Göttinger Modell?
Psychoanalytisch-interaktionelle Gruppenpsychotherapie
• Antwortende Interventionen im Hier-und-Jetzt
• Therapeut tritt als reale Person auf
• Reflektierte Teilnahme an sozialer Interaktion
• Verzicht auf Deutungen
• Primat der Selbstregulierung
Indikationsgebiet:
• Strukturelle Störungen
• Persönlichkeitsstörungen
(Folie 14) Was sind Vor- und Nachteile der Gruppentherapie?
Vorteile:
• Direktere Reaktionen aufeinander
• Multiperspektivität
• Intimes Anvertrauen möglich
Nachteile:
• Weniger Zeit für Einzelne
• Geteilte Aufmerksamkeit der Therapeut:in
Spannungsfeld:
→ Solidarität vs. geteilte Aufmerksamkeit
Kernsymptome:
• Affektive Instabilität
• Emotionale Dysregulation
• Beeinträchtigte Beziehungsfähigkeit (interpersonelles Funktionsniveau)
(Folie 16) Welche evidenzbasierten psychodynamischen Verfahren gibt es zur Behandlung schwerer Persönlichkeitsstörungen?
Psychodynamische Tradition:
Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT)
Übertragungsfokussierte Therapie (TFP)
Strukturbezogene Psychotherapie (SP)
Göttinger Modell (interaktionelle Gruppe)
Zum Vergleich (VT-Tradition):
• DBT
• Schematherapie
(Folie 16) Was ist das Ziel der MBT?
→ Wiederherstellung der Mentalisierungsfähigkeit
Mentalisieren =
Fähigkeit, menschliches Verhalten auf Basis mentaler Prozesse zu verstehen.
Kernaspekt:
• Entwicklung kohärenter Repräsentationen der eigenen Innenwelt
• Anerkennung unterschiedlicher Innenwelten bei anderen
(Folie 16) Was umfasst Mentalisierungsfähigkeit?
• Selbstreflexive Fähigkeit
• Eigene Affekte im Kontext eines sicheren Bindungssystems verstehen
• Interpersonale Beziehungen einordnen
→ Nachdenken über eigene und fremde mentale Zustände
(Folie 17) Welche prämentalisierten Modi beschreibt das MBT-Modell?
Äquivalenzmodus • Innere Zustände = Realität • Alles wird konkret erlebt → Überreaktionen
Als-ob-Modus • Gefühle abgespalten • „Blutleeres Gerede“ ohne Bezug zur Innenwelt
Teleologischer Modus • Nur beobachtbare Handlungen zählen • Therapeut ist nur „gut“, wenn Erwartungen erfüllt werden
(Folie 18) Welche Besonderheiten gelten in der MBT?
• Verzicht auf deutende Interventionen
• Keine komplexen mentalen Zustände formulieren
• Fokus auf Hier-und-Jetzt
• Begrenzung affektiver Intensität
• Therapeut als Modell („Ich könnte mir vorstellen…“)
• Ziel: Wiederherstellung der Mentalisierungsfähigkeit statt Einsicht
(Folie 19) Was ist der Kern der TFP?
• Fokus auf Übertragungsbeziehung
• Objektbeziehungstheoretische Grundlage
• Gespaltene Selbst- und Objektrepräsentanzen
→ Integration chaotischer Selbst- und Objektrepräsentanzen
(Folie 19) Wie funktioniert die „Drei-Schritt-Deutungsarbeit“ (K-K-D)?
Klärung → Unklares untersuchen, affektives Erleben präzisieren
Konfrontation → Widersprüche bewusst machen
Deutung → Aktuelle Objektbeziehungsdyaden im Hier-und-Jetzt deuten → Dominantes affektives Thema ansprechen
(Folie 20) Welche Prioritäten setzt die TFP?
Behinderung der Übertragungsarbeit
Offenkundige Übertragungsmanifestationen
Affektiv bedeutsames Material
(Folie 21) Was ist das Ziel der SP?
→ Verbesserung struktureller Funktionen
Therapeutische Realität:
• Auseinandersetzung mit strukturellen Einschränkungen
• Entwicklung neuer Bewältigungsformen
• Förderung von Eigenverantwortung
(Folie 22–23) Wie geht die SP vor?
• Identifikation struktureller Foci
• Therapiegegenstand = eingeschränkt verfügbare strukturelle Funktionen
• Diagnostik nach OPD
• Fokus auf Emotionsregulation und Beziehungsregulation
Therapieziele:
Verantwortungsübernahme
Bewältigender Umgang
Verbesserung struktureller Fähigkeiten
Besonderheit:
• Zunächst Stabilisierung struktureller Beeinträchtigungen
• Danach ggf. konfliktaufdeckende Arbeit
(Folie 25) Was sind die drei Eckpfeiler der Qualitätssicherung?
Lehranalyse / Lehrtherapie (Selbsterfahrung)
Supervision der klinischen Arbeit
Theoretische Ausbildung
(Folie 25) Welche Elemente gehören zum psychotherapeutischen Lernen?
• Theoretische Grundlagen
• Empirische & klinische Erfahrungsgrundlagen
• Praxiserfahrung
• Supervision
• Kollegiale Fallarbeit
• Selbsterfahrung als Basis
(Folie 26) Warum ist Selbsterfahrung zentral?
Funktionen:
Kennenlernen des eigenen Unbewussten, von Konflikten und Abwehr
Erfahrung, wie Therapie von einem erfahrenen Lehrtherapeuten durchgeführt wird
Je länger und intensiver die Selbsterfahrung, desto größer die Fähigkeit, unbewusste Konflikte zu verstehen und zu deuten.
Gefahr ohne Selbsterfahrung:
→ „Blinde Flecken“ durch eigene ungelöste Konflikte
(Folie 27) Welche Bedeutung misst Kernberg der Selbsterfahrung bei?
Kernaussagen:
• Eigene Analyse führte zu größerer emotionaler Freiheit
• Psychoanalyse kann Persönlichkeiten radikal verändern
• Große persönliche Befriedigung möglich
(Folie 27–28) Was ist Supervision?
Zentrales Werkzeug der Qualitätssicherung
Supervisionsdreieck:
• Supervisor
• Therapeut (Supervisand)
• Patient
Ziele:
• Steigerung professioneller Kompetenz
• Therapiebezogene Problemlösung
• Kollegialer Austausch
• Emotionale Entlastung
(Folie 28) Was unterscheidet Supervision von Intervision?
Supervision:
• Regelmäßige Besprechung mit externem Supervisor
• Auch nach Weiterbildung fortgeführt
Intervision:
• Kollegiale Beratung unter Gleichrangigen
• Austausch zu therapeutischen Prozessen
• Möglichst regelmäßig in fester Gruppe
(Folie 28) Wie häufig werden Supervision und Intervision genutzt?
Ergebnisse (Psychotherapeutenkammer Hessen):
• Intervision: 78 %
• Informelle Intervision: 71 %
• Einzelsupervision: 48 %
• Fallbesprechungen: 46 %
• Gruppensupervision: 37 %
• Teamsupervision: 21 %
(Folie 29) Was kennzeichnet die psychodynamische Situation?
• Dynamischer Prozess zwischen zwei Personen
• Feste äußere Struktur (Rahmen)
• „Nicht-Beziehung“ mit Entzug unmittelbarer Teilhabe
• Großes Verführungspotential
→ Erfordert sorgfältige Handhabung des Rahmens
(Folie 29–30) Welche Gefahren bestehen in der therapeutischen Beziehung?
Gefahren:
• Verschmelzung
• Fehlende Distanz
• Missbrauch
• Abhängigkeit
(Folie 30) Was bedeutet „narzisstischer Missbrauch“?
Therapeut nutzt Beziehung zur Befriedigung eigener Bedürfnisse:
• Recht haben wollen
• Überlegenheit genießen
• Bewundert werden wollen
• Abhängigkeit genießen
Besonders gefährdet:
Regredierte Patienten → brauchen besonderen Schutz
(Folie 30) Was gehört zur Beziehungsverantwortung?
Zentrale Zusage:
Patient:innen dürfen alle Beziehungswünsche äußern, ohne reale Konsequenzen befürchten zu müssen.
Grenzen:
• Keine sexuellen Handlungen
• Keine aggressiven Tätlichkeiten
→ Schutz schützender Grenze
(Folie 31) Welche Verantwortlichkeiten hat der Therapeut im Rahmen?
• Klarheit → Verstehbarkeit
• Konstanz → Zuverlässigkeit des Settings
• Kohärenz → Übereinstimmung von Modell & Technik
• Flexibilität → Keine rigiden, abstrakten Prinzipien
(Folie 31–32) Was bedeutet professionelle Beziehungsgestaltung?
• Zuverlässigkeit
• Professionalität (Rollenklarheit, Asymmetrie)
• Anrede „Sie“
• Zeitgrenzen (50 Min)
• Trennung von privat & beruflich
• Kein privater Kontakt
Psychohygiene:
• Selbstfürsorge
• Ausgleich im Privatleben
• Schlaf, Bewegung, Ernährung
(Folie 32) Was gehört zur professionellen Selbstfürsorge?
• Psychohygiene
• Burnout-Prophylaxe
• Nachhaltigkeit und Sinnhaftigkeit im eigenen Leben
(Folie 32) Was empfiehlt Kernberg zur Patientenauswahl?
• Patienten annehmen, die interessieren
• Bei starkem Unbehagen → Gefahrsymptom
• Extrem idealisierte oder stark unsympathische Fälle ggf. weiterverweisen
• Andersdenkende nicht grundsätzlich zurückweisen
Zuletzt geändertvor 7 Tagen