(Folie 5) Welche Funktion hat Wahrnehmung im Zusammenspiel mit Gedächtnis?
Wahrnehmung dient dem Aufbau einer internen Repräsentation der externen Umwelt.
Das bedeutet:
Sinnesinformationen aus der Umwelt werden aufgenommen
daraus entsteht im Gehirn eine mentale Repräsentation der Umwelt
Diese Repräsentation bildet die Grundlage für weitere kognitive Prozesse.
(Folie 5) Welche Rolle spielt Aufmerksamkeit beim Aufbau von Gedächtnisinhalten?
Aufmerksamkeit wählt aus den vorhandenen Informationen diejenigen aus, die für die interne Repräsentation der Umwelt relevant sind.
Funktion:
Auswahl relevanter Informationen
Filterung irrelevanter Reize
Vorbereitung der Information für weitere Verarbeitung
(Folie 5) Wie wird Gedächtnis laut Definition beschrieben?
Gedächtnis ist die:
Fähigkeit, interne Repräsentationen zu halten
und zu verändern
Damit beschreibt Gedächtnis die Fähigkeit,
Informationen über Zeit hinweg zu speichern
und sie zu modifizieren oder abzurufen
(Folie 6) Welche zwei Hauptthemen strukturiert die Vorlesung zu Gedächtnis?
Der rote Faden der Vorlesung besteht aus zwei Bereichen:
Gedächtnisprüfungen und Gedächtnistests
Gedächtnismodelle
Ein Teil der Gedächtnismodelle ist dabei das sensorische Register.
(Folie 7) Aus welchen drei Phasen besteht der typische Ablauf einer Gedächtnisuntersuchung?
Gedächtnisexperimente folgen typischerweise drei Phasen:
Lernphase
Behaltensphase
Prüfphase
Diese Struktur dient dazu zu untersuchen,
wie Informationen gelernt, gespeichert und später abgefragt werden.
(Folie 7) Welche Faktoren bestimmen die Lernphase in Gedächtnisexperimenten?
In der Lernphase werden mehrere Aspekte festgelegt:
Lernmaterial
Lernmethode
Lerndauer
Details merken (Mitschrift):
Beispiele für Lernmethoden können sein:
Zuhören
Interaktives Lernen mit anderen
Mindmap erstellen
Auch die Anzahl der Wiederholungen (z. B. einmal vs. mehrfach wiederholen) gehört zur Lerndauer.
(Folie 7) Welche Eigenschaften hat die Behaltensphase?
Die Behaltensphase beschreibt die Zeit zwischen Lernen und Test.
Wichtige Aspekte:
Dauer der Behaltensphase
Qualität der Behaltensphase
Die Qualität kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden, z. B.:
Schlaf (Konsolidierung im Schlaf)
Stress
Lernbelastung (z. B. mehrere Klausuren gleichzeitig)
(Folie 7) Welche Rolle spielt die Prüfphase in Gedächtnisexperimenten?
In der Prüfphase wird getestet,
wie gut die gelernten Informationen erinnert werden.
Entscheidend ist die Prüfmethode, z. B.:
Single Choice
Multiple Choice
Freie Eingabe
Mündliche Abfrage
(Folie 7) Welches methodische Problem entsteht bei Gedächtnistests?
Ein zentrales Problem ist:
Man weiß häufig nicht genau, wie Lernphase und Behaltensphase tatsächlich verlaufen sind.
Dadurch wird es schwierig zu beurteilen:
warum eine Person etwas erinnert
oder vergisst
(Folie 8) Welche Methode verwendete Hermann Ebbinghaus für die ersten systematischen Gedächtnisuntersuchungen?
Ebbinghaus entwickelte die Ersparnismethode.
Grundidee:
Man misst, wie viel Zeit beim erneuten Lernen eingespart werden kann, nachdem Material bereits einmal gelernt wurde.
Ablauf:
Erstes Lernen
Erneutes Lernen
Die Zeitersparnis beim zweiten Lernen dient als Maß für die Gedächtnisleistung.
(Folie 8) Welches Lernmaterial verwendete Ebbinghaus in seinen Gedächtnisexperimenten?
Ebbinghaus nutzte sinnlose Silben.
Merkmale:
Trigramme: Konsonant – Vokal – Konsonant
Beispiele:
VUX
JOK
KEZ
Details merken:
Listen bestanden aus 6, 12, 20 oder mehr Silben
Insgesamt verwendete Ebbinghaus 13 Listen
(Folie 8) Wie war die Lernphase in Ebbinghaus’ Experiment gestaltet?
In der Lernphase:
Ebbinghaus las sich die Silbenlisten selbst laut vor
mit konstanter Geschwindigkeit
Lernkriterium:
Die Liste musste zweimal vollständig auswendig aufgesagt werden.
(Folie 8) Was wurde in der Testphase der Ersparnismethode gemessen?
In der Testphase wurde gemessen:
Wie viel Zeit beim zweiten Lernen eingespart werden kann.
Genauer:
Wie lange dauert es,
bis die Silbenliste erneut auswendig gelernt und zweimal aufgesagt werden kann?
Die Zeitersparnis zeigt, wie viel im Gedächtnis geblieben ist.
(Folie 9) Wie sieht die typische Vergessenskurve bei der Ersparnismethode aus?
Die Ergebnisse zeigen:
eine negativ beschleunigte Abnahme der Ersparnis
Am Anfang wird sehr schnell vergessen
Danach verlangsamt sich das Vergessen
(Folie 9) Welche zwei zentralen Eigenschaften hat die Vergessenskurve nach Ebbinghaus?
Die Kurve nähert sich einer Asymptote
Es wird nie alles vergessen
Ein Teil der Information bleibt langfristig erhalten.
(Folie 10) Was bedeutet Recognition (Wiedererkennen) als Gedächtnismessung?
Beim Recognition-Test:
Inhalte werden zunächst gelernt
Danach wird geprüft, ob ein gezeigtes Element Teil der ursprünglichen Inhalte war
Die Aufgabe ist also:
→ Erkennen, ob ein Item bekannt oder neu ist.
(Folie 10) Was bedeutet Recall (Reproduktion) in Gedächtnistests?
Beim Recall-Test:
Inhalte werden gelernt
Danach müssen sie aktiv aus dem Gedächtnis wiedergegeben werden
Informationen müssen selbstständig reproduziert werden
sie werden nicht nur erkannt.
Beispiel:
Englisches Wort wird gezeigt
das spanische Wort muss erinnert werden
(Folie 10) Welches Ergebnis zeigte die Untersuchung zu spanischen Vokabeln über lange Zeiträume?
Die Studie zeigte:
starker Leistungsabfall in den ersten Jahren
danach ein stabiles Niveau über mehrere Jahrzehnte
Die Untersuchung:
bestätigte auch Ebbinghaus’ Befunde zur Wirkung wiederholter Lerndurchgänge.
(Folie 11) Wie funktioniert ein Paarassoziationstest (Cued Recall)?
Der Paarassoziationstest ist ein Reproduktionstest.
Wortpaare werden gelernt z. B.
Berg – Hase
Kraut – Auto
Testphase
Ein Teil des Paares wird präsentiert
das zweite Wort muss ergänzt werden
Berg – ?
? – Auto
(Folie 12–13) Wie funktioniert ein Wiedererkennungstest mit Gesichtern?
Versuchsperson merkt sich eine Reihe von Gesichtern
Präsentation von alten und neuen Gesichtern
Aufgabe:
entscheiden, ob das Gesicht bereits gesehen wurde oder neu ist.
(Folie 14) Warum kann ein Wiedererkennungstest auch ohne das klassische Drei-Phasen-Prinzip durchgeführt werden?
Bei manchen Tests:
werden Lernphase und Behaltensphase nicht kontrolliert.
Test „Neu vs. Alt?“
Dabei wird nur geprüft:
ob ein Item wiedererkannt wird, ohne genaue Kontrolle darüber,
wie gelernt wurde
wie lange die Behaltensphase war.
(Folie 15) Welche grundlegende Frage stellt das klassische Mehrspeichermodell des Gedächtnisses?
Das Modell versucht zu beantworten:
Wie ist die Struktur des Denkapparates aufgebaut?
Dabei wird untersucht:
welche Strukturkomponenten des Gedächtnisses existieren
wie Informationen zeitlich verarbeitet und gespeichert werden
(Folie 15) Welche drei Gedächtnissysteme unterscheidet das klassische Mehrspeichermodell?
Auf Basis der Zeitdauer der Speicherung werden drei Systeme unterschieden:
Sensorisches Register
Kurzzeit- bzw. Arbeitsgedächtnis
Langzeitgedächtnis
Diese unterscheiden sich vor allem in der Dauer der Informationsspeicherung.
(Folie 16) Wie verläuft der Informationsfluss im klassischen Mehrspeichermodell?
Der Ablauf der Informationsverarbeitung:
Informationen gelangen zuerst in das sensorische Register
Durch Ausrichtung der Aufmerksamkeit gelangen relevante Informationen in das Kurzzeitgedächtnis
Das Kurzzeitgedächtnis steht im Austausch mit dem Langzeitgedächtnis
Zusätzlich:
Informationen können vom Kurzzeitgedächtnis an das motorische System weitergegeben werden.
(Folie 17) Welche Funktion hat das sensorische Register im Gedächtnissystem?
Das sensorische Register ist die:
Schnittstelle zwischen Wahrnehmung und Gedächtnis.
Eigenschaften:
speichert sensorische Informationen kurzfristig
bildet eine „ausgedehnte Gegenwart“
Andere Bezeichnungen:
Ultrakurzzeitgedächtnis
sensorisches Gedächtnis
(Folie 17) Wie werden Informationen im sensorischen Register repräsentiert?
Informationen werden im sensorischen Register:
analog
als Rohdaten
ohne Weiterverarbeitung
gespeichert.
sie entsprechen einer direkten Kopie der externen Umwelt (z. B. wie ein Foto in der visuellen Domäne).
(Folie 17) Welche zentrale Eigenschaft hat das sensorische Register?
Das sensorische Register ist:
extrem flüchtig.
Inhalte werden nur sehr kurz gespeichert
danach verfallen sie schnell
(Folie 17) Existiert das sensorische Register nur für eine Sinnesmodalität?
Nein.
Das sensorische Register existiert für verschiedene sensorische Modalitäten.
Gut untersucht sind besonders zwei Systeme:
Ikonisches Register → visuelle Informationen
Echoisches Register → akustische Informationen
Weitere Systeme werden vermutet, z. B.:
taktile / haptische Informationen
(Folie 18) Welches Beispiel zeigt die Funktionsweise des sensorischen Registers?
Beispiel: Glühender Stock
Wenn ein glühender Stock schnell bewegt wird:
entsteht der Eindruck eines Lichtschweifs
Interpretation:
frühere Positionen des Lichtpunkts werden kurzzeitig im sensorischen Register gespeichert.
(Folie 18) Wie lässt sich das sensorische Register anhand eines Blitzes erklären?
Ein Blitz erscheint oft als Linie oder Spur.
Tatsächlich:
besteht er aus einzelnen Lichtpunkten
Der Eindruck einer Linie entsteht, weil:
frühere Reize kurz im sensorischen Register nachhallen.
(Folie ~21) Welche zwei Erklärungen prüfte George Sperling (1960) für die begrenzte Wiedergabe visueller Informationen?
Sperling prüfte zwei mögliche Ursachen für die begrenzte Gedächtnisleistung.
1. Begrenzte sensorische Aufnahmekapazität
physiologische Beschränkung der Wahrnehmung
z. B. Augen können nicht mehr Buchstaben aufnehmen
2. Flüchtige Speicherung
Informationen werden zwar aufgenommen
verschwinden aber sehr schnell aus dem Speicher
→ Die Begrenzung wäre dann kognitiv und nicht sensorisch.
(Folie ~22) Wie war das Stimulusmaterial im Experiment von Sperling aufgebaut?
Den Versuchspersonen wurde eine Buchstabenmatrix präsentiert.
Struktur:
3 Reihen
4 Buchstaben pro Reihe
→ insgesamt 12 Buchstaben
Die Präsentationsdauer betrug etwa 50 ms.
(Folie ~22) Was ist das Ganzberichtsverfahren im Sperling-Experiment?
Beim Ganzbericht sollten Versuchspersonen:
alle Buchstaben der Matrix wiedergeben.
Präsentation der Matrix für 50 ms
danach vollständige Wiedergabe aller Items.
(Folie ~22) Was ist das Teilberichtsverfahren im Sperling-Experiment?
Beim Teilbericht:
Die Buchstabenmatrix wird kurz präsentiert.
Nach der Präsentation ertönt ein Ton.
Der Ton zeigt an, welche der drei Reihen wiedergegeben werden soll.
Die Versuchsperson muss also nur eine Reihe berichten.
(Folie ~23) Welche Ergebnisse zeigte das Ganzberichtsverfahren?
Beim Ganzbericht konnten Versuchspersonen:
nur etwa 30 % der Buchstaben wiedergeben.
Das entspricht ungefähr:
4–5 Buchstaben aus einer 12-Buchstaben-Matrix.
Außerdem:
eine Verlängerung der Darbietungszeit von 50 ms auf 500 ms führte nicht zu einer deutlichen Verbesserung.
(Folie ~23) Welche Ergebnisse zeigte das Teilberichtsverfahren?
Beim Teilbericht konnten Versuchspersonen:
etwa 75 % der Buchstaben einer Reihe wiedergeben.
Das entspricht:
etwa 3 Buchstaben pro Reihe.
Wenn man das auf die gesamte Matrix hochrechnet:
→ etwa 9 Buchstaben könnten verfügbar gewesen sein.
(Folie ~24) Was bezeichnet man als Teilberichtsvorteil?
Der Teilberichtsvorteil bedeutet:
Die prozentuale Wiedergabeleistung ist im
→ Teilbericht höher als im Ganzbericht.
mehr Informationen waren kurzzeitig verfügbar
konnten aber nicht vollständig berichtet werden.
(Folie ~24) Welche Schlussfolgerung ergibt sich aus dem Teilberichtsvorteil?
Die Begrenzung der Wiedergabe entsteht nicht durch eine begrenzte sensorische Aufnahmefähigkeit.
Stattdessen:
Informationen werden zunächst weitgehend aufgenommen
zerfallen jedoch sehr schnell im sensorischen Register
→ Speicherung ist extrem kurzlebig.
(Folie ~25) Wie lange hält eine Information im ikonischen Register ungefähr an?
Die Dauer des ikonischen Gedächtnisses beträgt:
weniger als 1 Sekunde.
Innerhalb dieser Zeit:
existiert eine visuelle Gedächtnisspur
danach setzt ein schneller Zerfallsprozess ein.
(Folie ~25) Wie viele Informationen können typischerweise aus dem sensorischen Register gelesen werden?
Obwohl viele Informationen zunächst aufgenommen werden:
können meist nur 4–5 Items ausgelesen werden.
Der Rest der Information:
zerfällt sehr schnell im sensorischen Register.
(Folie ~28) Wie wurde das echoische Register experimentell untersucht?
Das echoische Register wurde mit einem Mehrkanal-Hörversuch untersucht.
Aufbau:
Versuchspersonen tragen Kopfhörer
über verschiedene Spuren werden gleichzeitig Items präsentiert
Beispiele für Spuren:
linkes Ohr
rechtes Ohr
mittlere Spur
Alle Spuren präsentieren gleichzeitig Zahlen oder Buchstaben.
(Folie ~28) Wie unterscheiden sich Ganzbericht und Teilbericht im Experiment zum echoischen Register?
Ganzbericht
Versuchsperson soll Items aus allen drei Spuren wiedergeben.
Teilbericht
ein visuelles Signal zeigt an,
welche Spur berichtet werden soll.
(Folie ~29) Welche Dauer hat das echoische Gedächtnis?
Informationen im echoischen Register bleiben länger erhalten als im visuellen sensorischen Register.
Typische Dauer:
ca. 2–3 Sekunden
(Folie ~29) Welche Parallele zeigte sich zwischen echoischem und ikonischem Register?
Auch beim echoischen Register zeigte sich ein:
Teilberichtsvorteil
Teilbericht > Ganzbericht
beide Register besitzen eine ähnliche Struktur und Funktionsweise.
(Folie ~30) In welchem Format werden Informationen im sensorischen Register gespeichert?
Informationen werden:
wahrnehmungsnah
sie entsprechen einer direkten Kopie der externen Umwelt.
(Folie ~30) Warum gelten Inhalte im sensorischen Register als unverarbeitet?
Die Informationen sind:
nicht durch top-down Prozesse verändert
höhere kognitive Prozesse beeinflussen die Repräsentation noch nicht.
(Folie ~31) Was ist das Nachexpositionsfeld im Experiment von Sperling (1967)?
Das Nachexpositionsfeld ist das visuelle Feld,
das nach der Präsentation eines Stimulus sichtbar ist.
wenn ein Bildschirm nach der Präsentation leer erscheint.
Dieses Feld beeinflusst, wie lange die sensorische Information verfügbar bleibt.
(Folie ~31) Wie beeinflusst das Nachexpositionsfeld die Dauer der sensorischen Information?
Helles Nachexpositionsfeld
Information verfügbar für etwa 1 Sekunde
Dunkles Nachexpositionsfeld
Information verfügbar für etwa 5 Sekunden
(Folie ~31) Warum reduziert ein helles Nachexpositionsfeld die Verfügbarkeit der Information?
Ein helles Feld führt dazu, dass:
die Aufmerksamkeit neu ausgerichtet wird
Dadurch werden:
vorhandene Gedächtnisspuren überschrieben
Die ursprünglichen sensorischen Repräsentationen werden zerstört.
(Folie ~32) Was untersuchten Coltheart, Lea und Thompson (1974) zum sensorischen Register?
Die Forscher untersuchten:
ob phonologische Informationen in visuell präsentierten Buchstaben enthalten sind.
Versuch:
Buchstaben wurden kurz visuell präsentiert
Versuchspersonen sollten Buchstaben mit bestimmtem Klang auswählen.
(Folie ~32) Was zeigte das Experiment von Coltheart, Lea und Thompson (1974)?
Versuchspersonen konnten:
visuell präsentierte Buchstaben nicht anhand ihres Klanges selektieren.
Schlussfolgerung:
phonologische Informationen sind nicht im ikonischen Register repräsentiert.
Das visuelle sensorische Register speichert:
→ visuelle Eigenschaften, nicht Klanginformationen.
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