Buffl

Wildkrankheiten

AS
von Aram S.

Welche Endoparasiten sind zu unterscheiden?

WÜRMER

Magen-/Darmwürmer

  • Besonders Schalenwild betroffen (Rehwild zu ca. 90%!)

  • Larven werden mit Äsung aufgenommen —> Durchfall (kotverschmierte Spiegel/Hinterläufe), ggf. hohe Fallwildverluste

  • Starker Magen-/Darmwurmbefall führt zu Korkenziehergehörn bei Rehböcken

  • Befall für Jäger i.d.R. nicht sichtbar (Magen-/Darmtrakt wird normalerweise nicht aufgeschärft)

  • KEIN Einfluss auf Genusstauglichkeit des Wildbrets

Bandwürmer

  • Schmarotzen in Darm und Gehirn zahlreicher Wirbeltiere, insbes. der kleine Fuchsbandwurm

  • Endwirt Fuchs, der Eier/Endglieder mit der Losung ausscheidet

  • Zwischenwirte (Mäuse, Kleinsäuger) nehmen sie mit Nahrung auf —> Zysten/Finnen in Leber der Zwischenwirte

  • Fuchs frisst Zwischenwirt —> Larven landen wieder im Verdauungstrakt des Fuchses

  • Mensch: Fehlzwischenwirt —> ZOONOSE! —> Schwere Leberschäden möglich!"

  • Plastikhandschuhe, Mundschutz (und vorheriges Anfeuchten des Balges) beim Streifen // Waldfrüchte ABWASCHEN!

Lungenwürmer

  • Großer und kleiner Lungenwurm parasitieren in Atemwegen, Bronchien und lungenbläschen wierderkäuenden Schalenwilds (Rehwild!)

  • KEINE GEFAHR für den MENSCHEN, WIldbret genusstauglich (bis auf die Lunge, logischerweise)

  • Großer Lungenwurm hat keinen Zweischenwirt, ist mit bloßem Auge erkennbar // Larven (I) werden ausgehustet/mit Losung abgegeben // Larven III mit Äsung aufgenommen

  • Kleiner Lungenwurm —> knotige, walnussgroße Wucherungen im Lungengewebe // Zwischenwirt: Schnecken

  • Lungenwurm des Schwarzwildes: Regenwurm als Zwischenwirt!

  • Großer Lungenwurm: Beim Ansprechen erkennbar am Verhalten des Stücks (Husten, schleimiger Ausfluss

  • Bei keinem übermäßigen Befall KEINE ANZEIGEPFLICHT!

Leberegel

  • Mit bloßem Auge erkennbar - selbst sichtbar oder Bohrlöächer in der Leber

  • Aufnahme der Larven mit der Äsung

  • Wiederkäundes Schalenwild, Schwarzwild und auch Hasen/Kaninchen können betroffen sein

  • Großer Leberegel: Zwischenwirt ist die Zwergschlammschnecke

  • Kleiner Leberegel: Zwischenwirte sind Ameisen und Landschnecken

  • Leber ist NICHT verkehrsfähig und darf NICHT gegessen werden

Trichinen (Muskeltrichinen)

  • ALLE warmblütigen Fleisch-/Allesfresser können Träger und Überträger dieser kleinen Muskelparasiten (Fadenwürmer) sein

  • Gefährliche ZOONOSE!

  • Trichinenuntersuchung ist PFLICHT, Unterlassung eine STRAFTAT!

  • Besonders Schwarzwild, Dachs (und Nutrias) befallen

  • PROBEN: Aus Vorderlaufmuskel, Zunge (Lecker) und Zwerchfellpfeilern … und auch anderes gut durchblutetes Muskelgewebe

  • Entnahme der Proben durch “kundige Person” (Schulung erforderlich) oder Fachmann

  • Untersuchung übner Verdauungsmethode (Salzsäure., Pepsin)

  • Kochen/Erhitzen über 72°C und große Kälte können Trichinen abtöten, NICHT aber RÄUCHERN!

  • Trichinose kann für den Menschen TÖDLICH verlaufen!

EINZELLER

Kokzidien

  • Schmarotzen im Darmtrakt (und Leber) von Hasen und können Hasenbesätze durch hohe Sterblichkeit der Junghasen dezimieren

  • Werden beim Schöpfen/Äsen aufgenommen und verlassen Wirt mit der Losung

  • Benötigen KEINEN Zwischenwirt

  • Klinisch unspezifisch, aber ggf. Durchfall (Hinterläufe verschmiert) und Abmagerung zu beobachten

  • Wildbret ist NICHT genusstauglich

LARVEN (VON 2 FLIEGENARTEN)

Rachenbremsen:

  • Larven (“Maden”) im Nasen-/Rachenraum diverser Wiederkäuer (Rot- und Rehwild)

  • Larven werden im Sommer in Windfang gespritzt, reifen dort über den WInter

  • Ab Mai maximale Größe erreicht —> Niesen. Husten, Atmung, Schütteln des Hauptes

  • Mai-Juli: Aushusten/-niesen der Larven möglich

Hautdasselfliegen:

  • Im Sommer werden Eier an die Haare des Rot-/Rehwildes “geklebt”

  • Erstlarven bohren sich in die Haut und wandern, nach zwei weiteren Stadien unter Rückenhaut

  • Wirt wird im März/April durch Atemlöcher (i.e. Atemöffnungen in der Decke!) verlassen und dann verpuppen sie sich

  • WIrtstiere beim Ansprechen i.d.R. unauffällig - erst beim Aus-der-Decke-Schlagen unter Haut erkennbar


Welche Viruskrankheiten sind zu unterscheiden?

ESP/ASP

  • Von Haus- auf Wildschweine übertragbar und vice versa

  • Verdacht und Feststellung beide anzeigepflichtig (Gemeinde, Veterinäramt)

  • Übertragung durch direkten Kontakt, Aufnahme von Schweinefleischerzeugnissen und indirekten Kontakt (verunreinigte Flächen usw.)

  • Frischlinge sind Haupt(über)träger —> Frischlinge und Überläufer sollten 70-80% des Gesamtabschusses ausmachen

  • Ausbreitung von ESP/ASP wird gefördert durch überhöhte Bestände

  • Symptome: Tagaktivität, verminderte Fluchtdistanzen, Lähmungserscheinungen

  • Starke Blutungen in Nieren, Blase, Kehldeckel und Darm bei Organbeschau erkennbar

  • KEINE ZOONOSE - für den Menschen ungefährlich

  • WICHTIG: Keine Speise-/Schlachtabfälle oder Schwarzwildaufbruch etc. für Luderplätze!

TOLLWUT

  • Virusinfektion zahlreicher warmblütiger Tierarten und fast immer tödliche ZOONOSE

  • Neben Tollwut gibt’s auch “Fledermaus-Tollwut”, die in ihrer Verbreitung unabhängig von der Tollwut ist, aber für den Menschen EBENSO GEFÄHRLICH

  • Raubwildarten sind Hauptträger und Überträger

  • Übertragung durcvh Biss oder Lecken (Speichel) auf offenen Wunden

  • Symptome: Vertrautes verhalten und Apathie - bei Fortschreiten hohe Aggressivität (Beißwut)

  • Anzeigepflichtig! Der GANZE Körper sollte zur Veterinärbehörde angeliefert werden, auch wenn für eine exakte Diagnostik der Kopf ausreichend ist (ACHTUNG: BEI FRAGE IM KATALOG “NUR DER KOPF” ANTWORTEN!)

  • Verdächtiges Raubwild darf NIEMALS gestreift/gebalgt werden”

  • Beste Prophylaxe: Intensive Bejagung des Raubwildes, insbes. des Fuchses

STAUPE

  • Kann neben sämtlichen Raubwildarten auch weitere Raubtiere befallen - auch Haushunde/-katzen ohne ausreichenden Impfschutz

  • Direkte oder indirekte Übertragung durch SÄMTLICHE Sekrete und Exkrete —> SEHR INFEKTIÖS

  • Zunächst Befall des Magen-/Darmtraktes und des Atmungsapparats - später auch Nervensystem (dann meist tödlich)

  • Gibt auch Seehundstaupe

AUJESZKYSCHE KRANKHEIT (PSEUDOWUT)

  • Viruserkrankung insbes. beim Schwein, die für viele Haustiere tödlich verläuft (Hund, Katze, Rind, Pferd)

  • Besondere Gefahr (für Hunde/Katzen) durch Verfütterung nicht erhitzen Fleisches infizierter Hausschweine bzw. Wildschweine

  • Auch durch Genossenmachen, Belecken von Aufbruch und EIn-/Ausschüssen kann es zur Infektion kommen!

  • Inkubationszeit: 1 knappe Woche —> Nach Ausbruch binnen 24h (qualvoller) Tod

  • Anzeigepflichtig!

MYXOMATOSE

  • Wirtsspezifische Viruserkrankung, die WIld- und Hauskaninchen befällt (und zu hohen verlusten in den Populationen führen kann)

  • Anzeigepflichtig!

  • Übertragung durch direkten Kontakt (Tier zu Tier) und blutsaugende Insekten (STechmücken, Flöhe)

  • Inkubationszeit: 3-10 Tage

  • Symptome: Apathie, verminderte Fluchtdistanz, Schwellungen/Entzündungen an den Sehern und Löffeln, am Äser und im Genitalbereich

  • Tod nach 8-14 Tagen

CHINASEUCHE/RHD

  • RHD: Rabbit Haemorrhagic Disease

  • Auch RHD kann Kaninchenbesätze erheblich reduzieren und ggf. auslöschen (hat zum Zusammenbruch vieler Population von den 90ern bis heute geführt)

  • Hochinfektiös und anzeigepflichtig!

  • Regionale Anstiege der Kaninchenbesätze mit Vorsicht zu bewerten, da Virus ständig vorhanden ist und wieder ausbrechen kann

  • Tritt im Hochsommer auf und wird - wie Myxomatose - durch direkten Kontakt oder stechende Insekten übertragen

  • Kann vereinzelt auch auf den Feldhasen überspringen

H5N1 (VOGELGRIPPE)

  • Infektion von Federwild und anderen Vögeln mit Influenza-Virus H5N1

  • Besonders betroffen: Enten und andere Wasservögel

  • ZOONOSE, da es vereinzelt auf Menschen übertragen werden kann (aber nur bei sehr intensivem Kontakt)

  • Anzeigepflichtig - und kann für den Menschen u.U. tödlich verlaufen!

BLAUZUNGENKRANKHEIT

  • Virale Infektion bei Wiederkäuern im landwirtschaftlichen bereich (Schafe, Rinder, Ziegen), die von Stechmücken (Gnitzen) übertragen wird

  • Leitsymptom: Blaue Zunge

  • Inseltenen Fällen auch bei Wildwiederkäuern (bes. Muffelwild) beobachtet

  • KEINE Gefahr für den Menschen (i.e. KEINE ZOONOSE!)


Welche bakteriellen Krankheiten sind zu unterscheiden?

STRAHLENPILZ (AKTINOMYKOSE)

  • Die Aktinomyzeten gehören zur normalen Mundflora / Äserflora, z. B. bei Wiederkäuern und Menschen, und können mit der Nahrung / Äsung aufgenommen werden

  • Bei Verletzung der Schleimhäute können sie in tiefere Gewebeschichten eindringen

  • Besonders beim Rehwild führen sie dort zu einer schwammartigen Struktur der Unterkieferknochen

  • KEIN PILZ!

  • Kann sich als Schwellung des Hauptes zeigen.

  • Bei sonst unauffälliger Konstitution (i.e. nicht abgekommen), können die betroffenen Stellen großzügig herausgeschnitten werden - der Rest des Wildbrets ist genusstauglich

BOTULISMUS

  • Vergiftung mit Botox

  • An flachen Gewässern und bei hohen Temperaturen werden besonders (Schwimm-)Enten und anderes Wasserwild getötet

  • Zur massenhaften Vermehrung benötigen die Bakterien anaerobe Verhältnisse —> in Flachwasserzonen bisweilen gegeben

  • Beim Menschen wird Botulsimus auch als “Fleisch- und Wurstvergiftung” bezeichnet

  • Kann unbehandelt für Menschen TÖDLICH sein

TULARÄMIE

  • Wird auch Hasen-/Nagerpest genannt und endet oft tödlich für Hasenartige und Nagetiere - speziell Feldhasen

  • ZOONOSE!

  • Überträger der Bakterien: Blutsaugende Ektoparasiten (Flöhe, Mücken…)

  • Symptome: Schwäche, Apathie, verminderte Fluchtdistanzen (bis zum Ausbleiben der Flucht)

  • Lymphknoten und Milz stark vergrößert

  • Nach 1-2 Wochen sind die meisten Tiere verendet

BRUCELLOSE

  • Von Bakterien hervorgerufen, die nahezu bei allen Wild- und Haustieren vorkommen

  • Hauptträger: Hasen und Schwarzwild

  • ZOONOSE!

  • ANZEICHEN beim Feldhasen: Eitrige Hodenentzündungen bzw. Gebärmutterentzündungen (mit abgestorbenen Föten)

  • ZUDEM Entzündungen/Vergrößerungen von Leber, Milz und Lymphknoten


Author

Aram S.

Informationen

Zuletzt geändert