(Folie 5) Welche grundlegende Funktion hat Sprache laut Allgemeiner Psychologie?
Sprache erfüllt zwei zentrale Funktionen:
Kommunikation mit anderen
Sprache gilt als wichtigstes Mittel zur Verständigung zwischen Menschen
Reflexion über uns selbst
Sprache ermöglicht Nachdenken über eigene Gedanken und Erfahrungen
Details merken (Mitschrift):
Die Sapir-Whorf-Hypothese besagt: → Sprache beeinflusst bzw. lenkt Denken
(Folie 5) Wie erwerben Kinder ihre Sprache?
Kinder erwerben Sprache:
ohne explizite Anleitung
innerhalb weniger Jahre
durch Kontakt mit Bezugspersonen
→ Es ist keine formale Beschulung notwendig, damit Kinder ihre Muttersprache lernen.
(Folie 5) Warum gilt Sprache als spezifisch menschlich?
Tierische Kommunikation unterscheidet sich stark von menschlicher Sprache:
besitzt eher Signalcharakter
enthält viele Wiederholungen
wird weniger flexibel verwendet
→ Menschliche Sprache ist komplexer und flexibler.
(Folie 5) Welche sprachlichen Fähigkeiten zeigen trainierte Primaten?
Nach jahrelangem Training können Primaten (z. B. Bonobos und Schimpansen):
einige hundert Sprachsymbole verwenden (z. B. Gebärden)
Symbole konsistent benutzen
Generalisierungen durchführen
z. B. Zeichen für öffnen bei Tür, Flasche usw.
Neuschöpfungen bilden
z. B. Kombination „Wasser + Vogel“ → Schwan
Verstehensleistungen zeigen, die etwa denen von 2–3-jährigen Kindern entsprechen.
Einschränkung:
ihre Äußerungen sind einfacher und weniger flexibel als menschliche Sprache.
(Folie 6) Was bedeutet Generativität menschlicher Sprache?
Generativität bedeutet:
Mit einer begrenzten Anzahl von Wörtern können → unbegrenzt viele neue Äußerungen gebildet werden.
Konsequenz:
Sprache kann nicht ausschließlich durch Imitationslernen erklärt werden.
Sprache besitzt eine kreative Komponente.
(Folie 6) Was bedeutet Regelhaftigkeit in der Sprache?
Sprachliche Äußerungen folgen systematischen Regeln.
Dabei wird unterschieden zwischen:
Kompetenz
Wissen über sprachliche Regeln
Performanz
tatsächliche Sprachverwendung im Alltag
→ Alltagssprache entspricht nicht immer vollständig den Regeln.
(Folie 6) Was bedeutet Situationsunabhängigkeit von Sprache?
Sprachliche Äußerungen können sich beziehen auf:
nicht anwesende Gegenstände
vergangene oder zukünftige Ereignisse
sogar nicht existierende Dinge
→ Kommunikation ist nicht auf das Hier-und-Jetzt beschränkt.
(Folie 6) Welche Funktionen kann Sprache erfüllen?
Sprache kann verschiedene kommunikative Funktionen haben, z. B.:
Mitteilung (Information weitergeben)
Aufforderung
Expression (Gefühle ausdrücken)
Handlungsregulation
(Folie 7) Wie beschreibt das klassische Kommunikationsmodell sprachliche Kommunikation?
Das klassische Kommunikationsmodell basiert auf Modellen der Nachrichtentechnik.
Kommunikation besteht hauptsächlich aus zwei Prozessen:
Enkodierung
Bedeutungen werden in sprachliche Zeichen umgewandelt → Sprachproduktion
Dekodierung
Sprachliche Zeichen werden wieder in Bedeutungen zurückübersetzt → Sprachrezeption
(Folie 7) Welche Voraussetzung müssen Sender und Empfänger für erfolgreiche Kommunikation erfüllen?
Sender und Empfänger müssen über ähnliche Wissensbestände verfügen:
ähnliche Zeichen- und Bedeutungsbestände
Konzepte
ähnliche Zeichen-Bedeutungs-Zuordnungen
z. B. gesprochene Wörter
→ Nur dann können Bedeutungen korrekt übertragen und verstanden werden.
(Folie 7) Warum gilt das klassische Kommunikationsmodell nur als erste Annäherung an soziale Kommunikation?
Die Zeichen-Bedeutungs-Zuordnung ist häufig abhängig von:
Situation
Aufgabe
Annahmen über den Wissensstand des Empfängers
→ Kommunikation ist daher komplexer als reine Enkodierung und Dekodierung.
Bedeutungszuordnungen können sich je nach Kontext verändern.
(Folie 9) Was beschreiben Zeichen-Bedeutungs-Zuordnungen?
Zeichen-Bedeutungs-Zuordnungen beschreiben den Zusammenhang zwischen:
Konzepten
sprachlichen Zeichen (Wörtern)
Beispiel:
Konzept Hund kann in verschiedenen Sprachen ausgedrückt werden durch:
Hund
dog
chien
(Folie 9) Was sind Konzepte?
Konzepte sind:
nicht-sprachliche Wissenseinheiten
vergleichbar mit Ideen, Begriffen oder Bedeutungen
Sie:
kodieren Wissen über Objekte, Menschen usw.
gehören zum deklarativen Langzeitgedächtnis
sind in semantischen Netzwerken organisiert
Konzepte enthalten Wissen über die Welt und werden beim Sprechen in Wortformen übersetzt.
(Folie 9) Wie werden Konzepte beim Sprechen und Hören verwendet?
Konzepte werden in Wortformen übersetzt.
Wortformen bestehen aus:
Lautkombinationen beim Sprechen
Lautkombinationen beim Hören
→ Sprache übersetzt nicht-sprachliche Konzepte in sprachliche Formen.
(Folie 9) Sind die Zuordnungen zwischen Sprache und Konzepten systematisch?
Meist nicht.
Die Zuordnungen sind häufig:
beliebig
willkürlich
Grund:
Dasselbe Konzept wird in verschiedenen Sprachen unterschiedlich versprachlicht.
Konzept Hund
(Folie 10) Sind Wörter identisch mit Konzepten?
Nein.
Wörter und Konzepte sind nicht dasselbe.
Beispiele:
Idiome
ein Konzept, das durch mehrere Wörter ausgedrückt wird
z. B.
„an die Decke gehen“
„auf dem Holzweg sein“
Komplexe Wörter
ein einzelnes Wort, das ein komplexes Konzept ausdrückt
Rindfleischetikettierungsüberwachung
→ „Überwachung der Etikettierung von Fleisch vom Rind“
(Folie 10) Warum lassen sich Wörter nicht einfach durch Leerzeichen bestimmen?
Die Trennung durch Leerzeichen ist nicht zuverlässig, weil:
wir möchten zusehen vs. wir sehen zu
Hundeleine vs. dog leash
→ Die Wortstruktur unterscheidet sich zwischen Sprachen.
(Folie 10) Was sind Morpheme?
Morpheme sind die kleinsten bedeutungstragenden Einheiten der Sprache.
austrinken
besteht aus:
aus
trink
en
(Folie 10) Welche Arten von Morphemen gibt es?
Es gibt zwei Typen:
freie Morpheme
können allein stehen
gebundene Morpheme
können nur zusammen mit anderen Morphemen auftreten
-en
(Folie 11) Was ist ein Phonem?
Ein Phonem ist die kleinste lautliche Einheit einer Sprache, die eine bedeutungsunterscheidende Funktion hat.
Eigenschaften:
Phoneme unterscheiden Wortbedeutungen
Anzahl variiert zwischen Sprachen
meist etwa 25–40 Phoneme pro Sprache
(Folie 11) Wann handelt es sich bei zwei Lauten um unterschiedliche Phoneme?
Zwei Laute sind unterschiedliche Phoneme, wenn:
→ der Austausch eines Lautes die Bedeutung eines Wortes verändert.
Bar
Bär
→ Unterschied zwischen /a/ und /ä/ erzeugt unterschiedliche Bedeutungen.
(Folie 11) Wann sind zwei Laute keine unterschiedlichen Phoneme?
Wenn der Lautunterschied keine Bedeutungsänderung erzeugt.
Beispiel (Deutsch):
gerolltes r
nicht gerolltes r
→ unterschiedliche Laute, aber kein Bedeutungsunterschied
→ daher keine unterschiedlichen Phoneme.
(Folie 11) Wann werden Phoneme besonders häufig verwechselt?
Verwechslungen treten häufiger auf, wenn Phoneme ähnliche Merkmale besitzen.
„pa“ → häufiger als „ta“ gehört
als „da“
pa und ta sind beide stimmlos
da ist stimmhaft
(Folie 11) Wie schnell wird gesprochene Sprache verarbeitet?
Gesprochene Sprache enthält ungefähr:
10 Phoneme pro Sekunde
Interessant:
selbst bei künstlicher Beschleunigung auf 50–60 Phoneme pro Sekunde
bleibt Sprache noch verständlich.
(Folie 13) Wie entstehen Sprachlaute?
Sprachlaute entstehen durch Luftstrom in:
Mundraum
Nasenhöhle
Rachen
(Folie 13) Nach welchen Merkmalen unterscheiden sich Sprachlaute?
Sprachlaute unterscheiden sich nach drei Merkmalen:
Stimmhaftigkeit
schwingen die Stimmbänder oder nicht?
Artikulationsort
wo wird der Luftstrom blockiert?
Artikulationsart
wie wird der Luftstrom blockiert
Details merken (Folie + Mitschrift):
Bei Konsonanten wird der Luftstrom blockiert
Bei Vokalen erfolgt keine Blockierung.
(Folie 14) Was ist das mentale Lexikon?
Das mentale Lexikon ist das Wortgedächtnis.
Es enthält für jedes Wort Informationen über:
Bedeutung
lautliche Zusammensetzung (Phoneme)
Schreibweise
Bestandteile des Wortes
Wortklasse
→ Einträge funktionieren ähnlich wie in einem Wörterbuch.
(Folie 14) Welche Arten von Wortwissen gibt es im mentalen Lexikon?
Das Lexikon enthält zwei Arten von Wissen:
Aktives Wissen
ca. 30.000–50.000 Wörter
abhängig vom Bildungsgrad
Passives Wissen
ca. 100.000–200.000 Wörter
bei Studierenden
(Folie 14) Durch welche Prozesse entstehen komplexe Wörter?
Komplexe Wörter entstehen durch drei Prozesse:
Flexion
Wortform wird verändert
Wortklasse bleibt gleich
klein-er → klein-e
(Folie 14) Was ist Derivation?
Derivation verändert die Wortklasse.
Luft → luftig
Skype → skypen
(Folie 14) Was ist Komposition?
Komposition bedeutet:
→ Zusammensetzung mehrerer Wörter zu einem neuen Wort
Fußball + Fan → Fußballfan
Eigenschaft:
dieser Prozess ist kreativ und prinzipiell endlos fortführbar.
(Folie 14) Welche zwei Modelle gibt es zur Speicherung komplexer Wörter im mentalen Lexikon?
Es gibt zwei zentrale Annahmen:
Ganzwortmodell
alle einfachen und komplexen Wörter
sind als Ganzes im Lexikon gespeichert
Morphembasiertes Modell
nur Morpheme werden gespeichert
Wörter werden beim Sprechen zusammengesetzt
beim Verstehen zerlegt
(Folie 16) Was beschreibt das Segmentierungsproblem bei der Sprachwahrnehmung?
Das Segmentierungsproblem entsteht, weil:
akustische Sprachsignale kontinuierlich verlaufen
→ Aufgrund der physikalischen Reizcharakteristik ist häufig nicht erkennbar,
wo Wortgrenzen liegen.
Beim Hören einer fremden Sprache oder von Ausdrücken wie
„Mänäbtehoi? Äbtemänihoi!“
→ erscheint der Sprachfluss nicht in einzelne Wörter aufgeteilt.
(Folie 16) Warum wird das Segmentierungsproblem zusätzlich erschwert?
Wörter oder Wortfolgen können Klangmuster anderer Wörter enthalten.
„ich“ in „Licht“
„Schund“ in „Bausch und …“
→ Dadurch wird es schwieriger, Wortgrenzen im Sprachsignal zu erkennen.
(Folie 16) Welche mögliche Lösung für das Segmentierungsproblem wird diskutiert?
Eine mögliche Lösung ist:
→ Bedeutungen zu erschließen, um dadurch auch Wörter zu segmentieren.
Das bedeutet:
Segmentierung von Bedeutungen
hilft bei der Segmentierung akustischer Signale.
(Folie 17) Was beschreibt das Variabilitätsproblem?
Das Variabilitätsproblem entsteht durch große Unterschiede in der Realisierung von Wörtern.
Ursachen:
Unterschiede zwischen SprecherInnen
Stimmhöhe
Sprechgeschwindigkeit
Akzent
Unterschiede zwischen Situationen
z. B. laute vs. leise Umgebung
→ Wörter werden akustisch unterschiedlich realisiert (Token), obwohl sie denselben Typ darstellen.
Token = konkrete Realisierung eines Wortes
Typ = abstrakte Wortform.
(Folie 17) Was bedeutet Koartikulation?
Koartikulation bedeutet:
→ Sprachlaute werden abhängig von vorhergehenden und folgenden Lauten artikuliert.
Beim „M“ in „Mond“ sind die Lippen bereits gerundet
Beim „M“ in „Meer“ dagegen nicht
Weiteres Beispiel:
/t/ in /t/ + /u/
/t/ in /t/ + /i/
→ Die Aussprache verändert sich je nach Lautumgebung.
(Folie 17) Was bedeutet Wahrnehmungskonstanz bei Sprachlauten?
Trotz Veränderungen im akustischen Signal durch Artikulation:
werden Phoneme nicht unterschiedlich wahrgenommen
sie werden stabil denselben Kategorien zugeordnet
→ Das Gehirn erkennt dieselben Phoneme, obwohl sie akustisch variieren.
(Folie 17) Warum ist das Variabilitätsproblem noch nicht vollständig geklärt?
Bis heute ist unklar, wie das Gehirn mit dieser Variabilität umgeht.
Eine mögliche Annahme:
nur wesentliche Sprachanteile werden verarbeitet
variable Anteile werden ignoriert.
(Folie 18) Was bedeutet kategoriale Wahrnehmung von Sprachsignalen?
Bei kategorialer Wahrnehmung werden Sprachlaute:
nicht kontinuierlich
sondern in klar getrennten Kategorien
wahrgenommen.
→ kleine physikalische Veränderungen führen plötzlich zu einer anderen Lautkategorie.
(Folie 18) Welche Rolle spielt die Vokaleinsatzzeit bei der Unterscheidung von Phonemen?
Die Vokaleinsatzzeit ist entscheidend für die Lautunterscheidung.
|da| ≈ 17 ms
|ta| ≈ 91 ms
→ Unterschiedliche Einsatzzeiten des Vokals führen zur Wahrnehmung unterschiedlicher Phoneme.
(Folie 18) Welche Evidenz gibt es für kategoriale Wahrnehmung?
Experiment (Eimas & Corbitt, 1973):
künstliche Reize mit schrittweise erhöhter Vokaleinsatzzeit (0–80 ms)
Ergebnis:
Wahrnehmung verändert sich nicht schrittweise
sondern springt plötzlich
von:
|da| → |ta|
→ Hinweis auf kategoriale Wahrnehmung von Phonemen.
(Folie 19) Was zeigt der McGurk-Effekt?
Der McGurk-Effekt zeigt:
→ Die Wahrnehmung gesprochener Sprache wird durch visuelle Informationen beeinflusst.
auditiv: „ba-ba“
visuell (Lippenbewegung): „ga-ga“
Wahrnehmung:
→ „da-da“
auditive und visuelle Informationen werden zu einem gemeinsamen Perzept integriert.
(Folie 19) Was zeigt der Bauchrednereffekt über Sprachwahrnehmung?
Beim Bauchrednereffekt wird das Sprachsignal:
nicht am tatsächlichen Entstehungsort
sondern am Ort der sichtbaren Mundbewegung
→ Die visuelle Information dominiert die Wahrnehmung.
(Folie 20) Was ist der phonemische Restaurierungseffekt?
Beim phonemischen Restaurierungseffekt:
wird ein Sprachlaut durch ein Geräusch überdeckt
z. B. Räuspern oder Rauschen
Trotzdem:
bemerken viele Personen das Fehlen des Lautes nicht
→ Das Gehirn ergänzt den fehlenden Laut automatisch.
(Folie 20) Wie beeinflusst Kontext die Wahrnehmung von Phonemen?
Der semantische Kontext kann beeinflussen, welches Phonem wahrgenommen wird.
Darbietung:
*eel
Je nach Kontext wird wahrgenommen:
wheel → „*eel was on the axle“
heel → „*eel was on the shoe“
meal → „*eel was on the table“
peel → „*eel was on the orange“
→ Der Satzkontext bestimmt die Lautwahrnehmung.
(Folie 20) Was zeigt das Experiment mit einem uneindeutigen Phonem zwischen /g/ und /k/?
Wenn ein Laut zwischen zwei Phonemen liegt, wird meist das echte Wort wahrgenommen.
Glas
statt Klas
→ Das Lexikon beeinflusst die Wahrnehmung von Lauten.
(Folie 21) Wie funktioniert das Kohorten-Modell der Worterkennung?
Im Kohorten-Modell werden zu Beginn der Wortverarbeitung:
alle Wörter aktiviert, die zur bisher gehörten Lautsequenz passen.
Diese Gruppe heißt:
→ Kohorte
(Folie 21) Wie wird im Kohorten-Modell das richtige Wort erkannt?
Der Prozess läuft schrittweise:
Anfangslaute aktivieren viele mögliche Wörter
Mit weiterer Lautinformation werden unpassende Wörter eliminiert
Am Ende bleibt nur ein mögliches Wort übrig
→ Dann wird die Worterkennung abgeschlossen.
Aktivierung erfolgt parallel, nicht seriell.
(Folie 22) Was ist die Grundidee konnektionistischer Modelle der Worterkennung?
Konnektionistische Modelle gehen davon aus:
Sprachverarbeitung erfolgt nicht in strikt getrennten Modulen
Stattdessen:
→ verschiedene Verarbeitungsebenen interagieren miteinander.
(Folie 22–23) Wie erklärt das konnektionistische Modell die Wahrnehmung eines echten Wortes statt eines Nichtworts?
Wenn ein uneindeutiges Phonem präsentiert wird:
aktiviert das Lexikon passende Wörter
Laut zwischen /g/ und /k/
Wahrnehmung meist Glas statt Klas
→ lexikalisches Wissen beeinflusst die Lautwahrnehmung.
(Folie 23) Welche Ebenen enthält das TRACE-Modell der Worterkennung?
Das TRACE-Modell enthält drei Ebenen:
Merkmalsebene
akustische Eigenschaften von Lauten
Phonemebene
einzelne Sprachlaute
Wortebene
ganze Wörter
(Folie 23) Wie interagieren die Ebenen im TRACE-Modell?
Die Aktivierung erfolgt in beide Richtungen:
Bottom-Up
Merkmale → Phoneme → Wörter
Top-Down
Wörter beeinflussen Phonemwahrnehmung
Zusätzlich:
Einheiten hemmen sich gegenseitig innerhalb einer Ebene.
(Folie 23) Welche Phänomene kann das TRACE-Modell erklären?
Das Modell erklärt u. a.:
kategoriale Phonemwahrnehmung
Disambiguierung mehrdeutiger Phoneme
Wortüberlegenheitseffekt
→ durch Top-Down-Einflüsse der Wortebene.
(Folie 24) Was beschreibt der Wortüberlegenheitseffekt?
Der Wortüberlegenheitseffekt bedeutet:
→ Buchstaben werden besser erkannt, wenn sie Teil eines Wortes sind,
als wenn sie
isoliert
oder in einem Nichtwort
dargeboten werden.
(Folie 24) Wie wird der Wortüberlegenheitseffekt experimentell untersucht?
Typisches Experiment:
Kurzzeitige Darbietung einer Buchstabenkette
anschließende Maskierung
Abfrage:
→ welcher von zwei möglichen Buchstaben an einer Position stand.
Entscheidung zwischen D oder K.
weniger Fehlidentifikationen, wenn der Buchstabe Teil eines echten Wortes ist.
(Folie 25) Wie können visuelle Kontexteffekte die Buchstabenwahrnehmung beeinflussen?
Die Wahrnehmung eines Reizes kann durch den visuellen semantischen Kontext beeinflusst werden.
→ derselbe visuelle Reiz kann unterschiedlich wahrgenommen werden,
abhängig vom Kontext, in dem er erscheint.
(Folie 26) Was behauptet die bekannte Internet-These zum Lesen von Wörtern mit vertauschten Buchstaben?
Die These lautet:
Beim Lesen sei es egal,
in welcher Reihenfolge Buchstaben innerhalb eines Wortes stehen,
solange
erster Buchstabe
letzter Buchstabe
an der richtigen Stelle stehen.
Begründung der These:
→ Menschen würden Wörter als Ganzes lesen, nicht Buchstabe für Buchstabe.
(Folie 26) Was zeigte die Untersuchung von Rayner et al. (2006) zur Buchstabenreihenfolge beim Lesen?
Die Studie zeigte:
Vertauschungen innerhalb von Wörtern führen zu Leistungseinbußen beim Lesen.
Vergleich zur korrekten Schreibweise:
Buchstabenvertauschung innerhalb des Wortes → Leserate 227 Wörter/Minute → 11 % Verlangsamung
letzter Buchstabe verändert → 189 Wörter/Minute → 26 % Verlangsamung
erster Buchstabe verändert → 163 Wörter/Minute → 36 % Verlangsamung
(Folie 27) Was untersucht die Methode der Wortbenennung?
Bei der Wortbenennung soll ein dargebotenes Wort:
→ möglichst schnell laut ausgesprochen werden.
Diese Methode dient zur Untersuchung von Prozessen der Wortverarbeitung.
(Folie 27) Was ist eine lexikalische Entscheidungsaufgabe?
Bei der lexikalischen Entscheidung wird eine Buchstabenkette präsentiert.
Die Aufgabe:
→ möglichst schnell entscheiden, ob es sich um
ein korrektes Wort
oder ein Nichtwort
handelt.
(Folie 27) Was ist semantische Kategorisierung?
Bei der semantischen Kategorisierung wird ein Wort präsentiert.
→ möglichst schnell entscheiden,
ob das Wort zu einer bestimmten semantischen Kategorie gehört.
belebt
Obst
(Folie 28) Was ist Priming (semantische Bahnung)?
Priming bedeutet:
→ Ein zuvor präsentierter semantisch verwandter Begriff
führt zu einer schnelleren Erkennung eines später präsentierten Wortes.
(Folie 28) Wie funktioniert ein Priming-Experiment?
Ein Prime wird vor dem Zielwort präsentiert.
Prime:
BUTTER
Target:
BROT
Das Zielwort wird schneller erkannt, wenn es semantisch mit dem Prime verwandt ist.
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