1.1 Begriffsbestimmung
Ursprung: lateinisch communicatio = Mitteilung / Unterredung
Heute:
komplexes Konstrukt mit vielen Formen der Informationsübermittlung
Definitionen haben sich:
inhaltlich verändert
stark erweitert
Zunahme neuer Kommunikationsformen, v. a. durch Medien:
früher: Briefpost, Telegramm
heute: Chatten, Mailen, Bloggen
→ führt dazu, dass immer mehr Phänomene unter „Kommunikation“ fallen
→ trägt zur Unklarheit und Vielfalt des Begriffs bei
Metaphern helfen, Kommunikation zu verstehen, bilden aber nur Teilaspekte ab:
Übertragungsmetapher
Kommunikation = Mitteilungen werden zwischen Menschen ausgetauscht
Botschaften können:
gehört
gelesen
kopiert
gespeichert werden
führte zu technischen Entwicklungen (z. B. Postwesen, Berufsbild des Schreibers)
Container-Metapher
Botschaft = Behälter, der Inhalt enthält
In der Botschaft ist Inhalt enthalten
Die Container-Metapher trennt die Botschaft vom Inhalt
typische Sprachbilder:
„es steht in einem Brief“
„der Satz ist voller Bedeutung“
→ Beide Metaphern tragen zur Komplexität der Definition bei
Untersuchung von:
Strukturen und Prozessen der Kommunikation
Betrachtet:
interpersonale Kommunikation (zwischen Menschen)
soziale Systeme
Dyaden (Zweierbeziehungen)
Gruppen
medienvermittelte Kommunikation
Fokus:
sowohl auf Kommunikationsverhalten
als auch auf Kommunikationsresultate
Trotz unterschiedlicher Definitionen stimmen Modelle meist in drei Punkten überein:
Kommunikator (Sender)
Botschaft
Botschaftsempfänger (Empfänger)
Analyse von:
Kommunikationsformen
Kommunikationsprozessen
Kommunikationsresultaten
Ziel: Optimierung von Kommunikation
Unterscheidung von
intrapersonaler (innerhalb einer Person stattfindend)
und interpersonaler (zwischen unterschiedlichen Personen stattfindend) Kommunikation
1.2 Forschungsgegenstand der Kommunikationspsychologie
Die Kommunikationspsychologie untersucht drei miteinander verknüpfte Themenkomplexe, die sich gegenseitig beeinflussen:
Einflussfaktoren auf Kommunikation
Kommunikationsverhalten
Ergebnisse und Folgen kommunikativen Handelns
1.2.1 Einflussfaktoren auf Kommunikation
Kommunikationsumgebung & Rahmenbedingungen
geprägt durch:
Kommunikationskulturen
verfügbare Netzwerke
Beispiele:
Unternehmensklima
vorhandene Kommunikationswege
Situations- und Kontextbedingungen
beeinflusst durch:
Beziehungsqualität zwischen Beteiligten
Anwesenheit weiterer Personen
konkreter Kommunikationsanlass
Personale Bedingungen
individuelle Merkmale der Beteiligten:
Persönlichkeitseigenschaften
Kommunikationskompetenz
Erwartungen
Motivationen
➡️ Diese Faktoren prägen den Kommunikationsverlauf maßgeblich
1.2.2 Kommunikationsverhalten
1. Langfristige Verhaltensmuster
stabile Präferenzen und Gewohnheiten
Bevorzugung bestimmter Kommunikationsformen (z. B. schriftlich)
Nutzungsmuster (z. B. Teilnahme an Seminaren)
2. Aktuelles (kontextbezogenes) Verhalten
situationsabhängig
Wahl eines Kommunikationskanals je nach Situation
konkrete Aktivitäten:
Empathiebekundungen
Interpretationen
➡️ Wichtig:
Verhalten kann von langfristigen Mustern abweichen, je nach Kontext
Langfristige Verhaltensmuster können sich beispielsweise in der generellen Bevorzugung von schriftlicher Kommunikation ausdrücken; bei komplexen Problemstellungen kann derselbe Kommunikator kontextbezogen aber die direkte mündliche Kommunikation bevorzugen.
1.2.3 Ergebnisse und Folgen kommunikativen Handelns
Jede Kommunikation hat eine Wirkung auf die Beteiligten
1. Wirkung durch die Botschaft selbst
beeinflusst:
soziale Ebene
Einstellungen
Meinungen
Wirkung kann:
direkt (während der Kommunikation)
langfristig auftreten
2. Wirkung durch die kommunikative Aktivität
unabhängig vom Inhalt
Beispiel:
Verbesserung der Stimmung durch ein Gespräch („Plauderei“)
Wirkung entsteht allein durch:
das Stattfinden von Kommunikation
Einflussfaktoren auf Kommunikation → Was sind die Bedingungen für das Zustandekommen von Kommunikation?
Kommunikationsverhalten → Wer kommuniziert wie – und unter welchen Umständen?
Ergebnisse und Folgen → Welche Wirkung hat Kommunikation auf Sender und Empfänger – und wann?
Lernkontrollfragen
Aufgabe 1.1
Benennen Sie die gängigsten Kommunikationsmetaphern.
Aufgabe 1.2
Definieren Sie das Forschungsgebiet der Kommunikationspsychologie.
Aufgabe 1.3
Erläutern Sie die Anwendungsziele der Kommunikationspsychologie
Aufgabe 1.4
Definieren Sie die Unterscheidung von Kommunikationsformen.
Aufgabe 1.5
Benennen Sie die drei Bereiche des Forschungsgegenstandes Kommunikationspsychologie
und erläutern Sie anhand eines Beispiels.
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