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Akutes Koronarsyndrom (DGK)

LE
von Leon E.

Akutes Koronarsyndrom - Klinik und Diagnostik


  • Schildern Sie den diagnostischen Pfad, wenn Ihnen ein Patient mit V.a. ACS in der Notaufnahme vorgestellt wird? Welche Erstmaßnahme muss unbedingt schnellstmöglich erfolgen?

  • Welche Klinik sollte Sie an ein ACS denken lassen? Wie ist die stabile AP definiert? Wie ist die instabile AP definiert? Welche Begleitsymptome sind denkbar?

  • Kennen Sie die CCS-Klassifikation? Wozu dient Sie und wie erfolgt die Einteilung?


Patient mit typischen pektanginösen Beschwerden bzw. Zuweisung bei V.a. ACS:

  1. Wenn ein Patient Anzeichen/Symptome hat, die auf ein ACS hindeuten, führen Sie innerhalb von 10 Minuten nach Erstkontakt (!) ein 12-Kanal EKG durch und erheben die Vitalparameter (klinisch stabil vs. instabil).

  2. Arbeitsdiagnose: STEMI oder NSTE-ACS (= Pat. mit akutem Brustschmerz oder Brustschmerz-äquivalenten Anzeichen/Symptomen mit oder ohne ST-Hebungen im EKG.

  3. Weitere Untersuchungen: hs-cTn-Werte ± Angiographie ± Bildgebung (Echo)

  4. Endgültige Diagnose: STEMI, NSTEMI, instab. AP, Nicht-ACS Diagnose


ACS-Symptomatik

  • Obligat: Instabile Angina pectoris (AP)

    • Lang anhaltende Beschwerden (> 20 Min.)

    • Erstauftreten (De-novo-Angina)

    • Jede Angina pectoris nach stattgehabtem Myokardinfarkt

    • Entwicklung aus einer stabilen AP heraus möglich, dann durch Zunahme der Beschwerden charakterisiert (Crescendo-Angina)

  • Angina-Äquivalente

    • Dyspnoe

    • epigastrische Schmerzen

    • Schmerzen im linken/rechten Arm oder Hals/Kiefer

  • Mögliche Begleitsymptome

    • Vegetative Reaktionen (Schwitzen, Übelkeit/Erbrechen, Angst/Agitation)

    • Zeichen der akuten Herzinsuffizienz

      • Atemnot, Schwindel, Bewusstseinsstörung

      • Feuchte Rasselgeräusche, Hypotension

      • Gräuliches Hautkolorit, periphere Minderperfusion, Kaltschweißigkeit

    • Herzrhythmusstörungen

      • Herzrasen, Palpitationen

  • Stabile Angina pectoris

    • Reproduzierbare Symptomatik einer AP ohne Anhalt für klin. Progredienz

      • Auslöser: Psychische oder körperliche Belastung

      • Kälteexposition

      • Geblähter Magen (Roemheld-Syndrom)

    • Verlauf: Beschwerden klingen i.d.R. nach kurzer Zeit (ca. 10 Min.) oder ggf. nach Gabe von Nitroglycerin innerhalb von 2 Min. ab.


CCS-Klassifikation

  • = Stadieneinteilung der stabilen Angina pectoris (Canadian Cardiovascular Society)

    • Grad 0 - Asymptomatische Ischämie

    • Grad I - Beschwerden bei schwerer körperlicher Belastung

    • Grad II - Geringe Symptomatik bei normaler körperlicher Aktivität

    • Grad III - Erhebliche Symptomatik bei normaler körperlicher Aktivität

    • Grad IV - Beschwerden bereits bei geringer Belastung und/oder in Ruhe


Akutes Koronarsyndrom - Klinik und Diagnostik


  • Was sind die wichtigsten Differentialdiagnosen beim Leitsymptom “Thoraxschmerz”?

  • Welche weiteren Differentialdiagnosen kommen Ihnen in den Sinn?

  • Was ist der Marburger-Herzscore und wofür kann er nützlich sein?


  • “Big Five” bei Thoraxschmerz (= wichtigsten und bedrohlichste Differentialdiagnosen)

    1. Akutes Koronarsyndrom (ACS)

    2. Lungenarterienembolie (LAE)

    3. Spannungspneumothorax

    4. Akutes Aortensyndrom/Aortendissektion

    5. Boerhaave-Syndrom

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    6. Perikardtamponade

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  • Marburger Herzscore

    -> Scoring System bei Thoraxschmerz zur Einschätzung der Wahrscheinlichkeit einer zugrunde liegenden stenosierenden KHK auf hausärztlicher Versorgungsebene


Punktzahl

  • Alter (♂ ≥55 Jahre; ♀ ≥65 Jahre)

1

  • Anamnestisch vaskuläre Erkrankung (KHK, pAVK, Z.n. Schlaganfall)

1

  • Belastungsabhängige Beschwerden

1

  • Schmerzen durch Palpation nicht reproduzierbar

1

  • Patient:in vermutet, dass Schmerz vom Herzen kommt

1

  • Wahrscheinlichkeit einer stenosierenden KHK als Ursache des Thoraxschmerzes

    • Punktzahl 0–1: <1% (sehr gering)

    • Punktzahl 2: 4% (gering)

    • Punktzahl 3: 17% (mittel)

    • Punktzahl 4-5: 50% (hoch)

  • Weitere Differentialdiagnosen Thoraxschmerz:

    • Muskuloskelettal (Costochondritis, Tietze-Syndrom, Interkostalneuralgie)

    • Chronisches Koronarsyndrom

    • Perikarditis/Myokarditis

    • Tachyarrhythmia absoluta

    • Herzinsuffizienz

    • Hypertensive Entgleisung und hypertensiver Notfall

    • Aortenklappenstenose

    • Funktionelle Herzbeschwerden (psychogen)

    • Respiratorische Infektion

    • Pleuritis sicca

    • Gastroösophagealer Reflux/Gastroduodenaler Ulkus

    • Akute Pankreatitis

    • Sympt. Cholezystolithiasis/Cholezystitis

    • Herpes zoster

    • Anämie


Akutes Koronarsyndrom - Diagnostik

  • Welche EKG-Kriterien müssen erfüllt sein, damit man von einem akuten Koronarsyndrom mit persistierender ST-Strecken-Hebung sprechen kann?


ST-Hebung am J-Punkt gemessen in mindestens zwei zusammenhängenden Ableitungen gilt im entsprechenden klinischen Kontext als Hinweis auf einen anhaltenden akuten Koronararterienverschluss:

  • Infarktzeichen bei STEMI im Ruhe-EKG

    1. Signifikante ST-Hebungen

      • In mind. zwei benachbarten Ableitungen ≥0,1 mV (≥1 mm vertikal), gemessen am J-Punkt

      • Für ST-Hebungen in V2 und V3 gelten abweichende Grenzwerte

        • Männer

          • Alter <40 Jahre: ST-Hebungen ≥0,25 mV (≥2,5 mm vertikal)

          • Alter ≥40 Jahre: ST-Hebungen ≥0,2 mV (≥2 mm vertikal)

        • Frauen: ST-Hebungen ≥0,15 mV (≥1,5 mm vertikal)

    2. Linksschenkelblock bzw. Rechtsschenkelblock: Können ST-Hebungen maskieren und sind bei klinischem Verdacht im Zweifel als STEMI zu werten (siehe auch: Sgarbossa-Kriterien)

      • Modifizierte Sgarbossa-Kriterien: Ermöglichen Diagnose eines STEMI bei Linksschenkelblock [17]

        • Ansatz: Konkordanz der ST-Streckenveränderungen

        • Diagnose eines STEMI: Sobald eines der folgenden drei Kriterien positiv ausfällt

          1. Konkordante ST-Hebung ≥0,1 mV (≥1 mm)

          2. ST-Senkung ≥0,1 mV (≥1 mm) in V1–V3

          3. Diskordante exzessive ST-Hebung ≥25% vom S und ≥0,1 mV (≥1 mm) (bzw. ST-Streckenhebung ≥0,5 mV (≥5 mm) in Ableitungen mit einem negativen QRS-Komplex)

        • Sgarbossa-Kriterien (Rechner)

    3. Zusätzlich ventrikuläres Schrittmachersystem: Kann ST-Hebungen durch LSB-artige EKG-Veränderungen maskieren

      • Anwendung gleicher Kriterien wie beim Linksschenkelblock (siehe auch: Sgarbossa-Kriterien)

      • Anwendung normaler Kriterien möglich, wenn intakte AV-Leitung: Nach Herabsetzung der Stimulationsfrequenz werden QRS-Komplexe sichtbar

      • Ggf. weitere Zeichen bei vorhandenem Vergleichs-EKG: Neu aufgetretene Q-Zacken, R-Verluste oder ST-Streckenveränderungen bei gleicher Stimulation des Herzschrittmachers

      • Schnelle Koronarangiografie zur Diagnosestellung


Author

Leon E.

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