Begriffe und ihr Bedeutung
Sprache ist nicht neutral, sie ist ein aktives Medium und sie konstruiert Wirklichkeit
Die Verwendung von Begriffen impliziert zum Teil unbewusste, aber auch bewusste Wertungen und Haltungen
Sprache bildet gesellschaftliche (Macht-) Strukturen ab und sie prägt unsere Wahrnehmung
Vielfalt/Diversität=
Zustandsbeschreibung der pluralen Gesellschaft, die nicht mehr verhandelbar im Sinne einer Rückkehr zu einer homogenen, auf Einheit orientierten Gesellschaft ist
Der traditionelle Blick auf gesellschaftliche Differenzverhältnisse ist häufig geprägt durch eine bipolare Kategorisierung:
Wir
Mehrheit
Eigen
Bekannt
Normal
Ihr
Minderheit
Fremd
Unbekannt
Abweichend
Stereotype
Verallgemeinerte Wissensbestände über soziale Gruppen, welche sowohl positiv als auch negativ behaftet sein können.
Verallgemeinerndes Bild eines Individuums, das auf der Zugehörigkeit zu einer Gruppe beruht: Zuschreibung bestimmter gruppenbezogener Merkmale
Unconscious bias
Stereotype können zu unconscious bias führen: unbewusste Voreingenommenheit
Bis hin zu Vorurteilen: emotional gefärbte Urteile aufgrund einer Gruppenzugehörigkeit
Dadurch kann Zu- oder Abneigung entstehen, Auf- oder Abwertung
Differenz zu Stereotypen/unconscious bias
Abweichung von einer gesellschaftlich vorgegebenen und normativ geprägten Vorstellung eines „normalen“ Lebens
Differenz als etwas, was sich abgrenzen lässt von einer „normalen“ (bekannten richtigen … ) Lebensweise/ eines …Identitätskonzeptes
Differenz wird damit „zum Problem“, zum Defizit
Traditioneller Auftrag der Sozialen Arbeit
„Normalisierung“: Ausgleich und Kompensation, Anpassung an gesellschaftlich akzeptierte Normvorstellungen
Aber auch: Differenzfeststellung als wichtiges Merkmal, Hilfe anzubieten zu können und soziale Ungleichheit zu bekämpfen (rechtliche Rahmung, politischer Auftrag)
Bekämpfung von Benachteiligung und Diskriminierung: Sexismus, Homo- Trans, Queerfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Ageismus, Ableismus, Lookismus, Klassismus, u.a.
Traditioneller Blick auf die gesellschaftliche Vielfalt
Defizit -> WIR und IHR -> Kompensation und Ausgleich/Normalisierung und Anpassung
Assimilation und Integration
Welche Kontexte und Einflüsse prägen das Leben in der modernen Gesellschaft?
Europäisierung, Globalisierung, Internationalisierung, Transnationalisierung
Weltweite Krisen: Klima, Corona, Kriege
Pluralisierung der Lebensverhältnisse
Individualisierung, Entgrenzung
Migrations- und Fluchtbewegungen
Ökonomisierung
Digitalisierung
Demographischer Wandel
Gesellschaft heute….
Traditionelle Orientierungsmuster und Sicherheit versprechende Vorstellungen von „Normalität“ werden abgelöst durch eine Vielfalt an Optionen und individualisierten Lebensentwürfen.
Auf der anderen Seite suchen die Menschen wieder nach Orientierung in tradierten Vorstellungen eines „normalen Lebens“.
Diversity
steht für eine positiv besetzte Vielfältigkeit von Lebensstilen, Identitäten und Zugehörigkeiten, durch die Menschen sich als Individuen voneinander unterscheiden.
Ziel ist es, einen offenen, wertschätzenden und diskriminierungsfreier Umgang mit der gesellschaftlichen Vielfalt zu gestalten
Unterschiedliche Herkunftkontexte
Ökonomisch orientierte ManagingDiversity-Konzepte
Organisationsbezogene Konzepte in den Sozial- und Bildungswissenschaften
Gerechtigkeitsorientierte und machtkritische Konzepte in der Sozialen Arbeit
Ökonomische orientierte Konzepte
„business-case“ im Vordergrund
Gewinnorientierung: Mitarbeiter*innen als Ressource zur Steigerung der Produktivität
Blick auf die Kund*innen und ihre Bedürfnisse zur effektiveren Vermarktung der Produkte
Organisationsbezogene Konzepte
Diversität der Beschäftigten für die Organisationsentwicklung nutzen
Zugänge zu den eigenen Angeboten für diverse Adressat*innen öffnen
Interne Ungleichheiten ausgleichen (z.B. geschlechterbezogen)
Machtkritische Konzepte
Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit im Fokus
Kritik an der Konstruktion gesellschaftlicher Differenzverhältnisse, die zu Hierarchisierung und sozialer Ungleichheit führen können
Anerkennung, Teilhabe und Menschenrechte als Leitperspektive
Bestimmte Differenzdimensionen
Bestimmte Differenzdimensionen (z.B. kulturelle Zugehörigkeit, Geschlecht, Behinderung) werden aus konstruktivistischer Sicht nicht als homogene, unveränderbare Kategorien betrachtet, sondern als soziale Konstruktionen, die durch die Macht von Diskursen und in permanenter Wiederholung sprachlich und gesellschaftlich reproduziert werden.
Gesellschaftliche Diskurse
Gesellschaftliche Diskurse werden in einem machtförmig strukturierten Raum verhandelt, daher setzt sich die Sichtweise durch, die über die meisten Machtmittel verfügt
Ziel gerechtigkeitsorientierter Diversity-Konzepte
Kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen (differenzbezogenen) Machtverhältnissen und Ausgrenzungsmechanismen
De-Konstruktion und Veränderung der Diskurse und Mechanismen von Hierarchisierung und Bewertung
Anerkennung und Teilhabe
Diversity Zielsetzung 1
Infragestellung einer (rein) homogenisierenden und defizitorientierten Sichtweise auf gesellschaftliche Gruppenkategorien
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hin zu einem offenen und wertschätzenden Blick auf die individuellen Menschen in ihren jeweiligen Lebenszusammenhängen.
Diversity Zielsetzung 2
Infragestellung tradierter und biologisch begründeter naturalisierter Vorstellungen eines „normalen“ oder „richtigen“ Lebens
Aufgabe von vereinfachenden Kategorisierungen („die“ …) und damit verknüpften pauschalisierenden und wertenden Zuschreibungen
Diversity Zielsetzung 3
Entwicklung eines differenzierten Blickes auf die Individualität der Menschen
Anerkennung und Wertschätzung des „Verschieden seins“
Blick richten auch auf die Potentiale, die sich aus Vielfalt ergeben
Konzepte: Integration und Inklusion
Ressourcen -> Wir -> Anerkennung, Wertschätzung und Förderung
Inklusion und Teilhabe, Zugehörigkeit
Das Konzept der Intersektionalität
Der Blick richtet sich sowohl auf einzelne als auch auf vielfältig verknüpfte Differenzdimensionen
Analyse der komplexen Wechselwirkungen zwischen ungleichheitsgenerierenden Differenzkategorien (z.B. race - class - gender)
Analyse von Differenzkategorien (z.B. Alter, Geschlecht und Identität, Kultur und Ethnizität, Schicht, u.a.) nicht isoliert voneinander, sondern in ihren Verwobenheiten oder Überkreuzungen „intersections“
Chancen
Einnahme einer ressourcenorientierten Perspektive auf individuelle Menschen und ihre diversen Lebensläufe und Identitäten
anstatt sie in eine tendenziell problembelastete und defizitorientierte geprägte Schublade sozialer Gruppenkategorien einzuordnen
Öffnung für Individualität und Entfaltung unabhängig von tradierten und normativ geprägten Normalitätsvorstellungen
Anerkennung und Gleichstellung vielfältiger Lebensentwürfe in einer pluralisierten Gesellschaft
Chancen Aber….
Strukturelle Probleme sozialer Ungleichheit bzw. die Erfahrung von gruppenbezogener Diskriminierung (Rassismus, Sexismus, Ableismus, Queerfeindlichkeit, etc.) sind weiter existent und müssen nach wie vor bekämpft werden.
Diversität in der Sozialen Arbeit umfasst beides!
Anerkennung, Wertschätzung und Förderung des „Verschieden-seins“
Bekämpfung sozialer Ungleichheit und Diskriminierung aufgrund von Kategorisierung und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit
Schaubild
Fazit
Ein kompetenter Umgang mit der aktuellen gesellschaftlichen Vielfalt bedeutet also:
einerseits den Blick auf die positive Anerkennung von individueller Vielfalt zu richten und Praxiskonzepte differenzsensibel zu gestalten
andererseits den Blick zu richten auf die Relevanz sozialer Gruppenkategorien in positiver wie negativer Hinsicht und die negativen Aspekte (Benachteiligung, Diskriminierung, Ungleichheit) weiterhin zu bekämpfen
Zuletzt geändertvor 16 Tagen