Diagnosekriterien einer Alkoholabhängigkeit (F10.2, Abhängigkeitssyndrom
ICD-10: 6 Diagnosekriterien der Alkoholabhängigkeit auf, die in ICD-11 zu 3 Kriterienpaaren zusammengefasst sind:
1. Substanzverlangen (Craving) & Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren
2. körperliches Entzugssyndrom & Toleranzentwicklung gegenüber der Substanz
3. Vernachlässigung anderer Aktivitäten zugunsten des Konsums & anhaltender Substanzgebrauch trotz nachweislich schädlicher Folgen
Alkoholwirkung in Abhängigkeit der Promillekonzentration
Dosisabhängige biphasische Wirkung -> zunächst euphorisierend, zunehmend sedierend
Wirkt an verschiedenen Transmittern, unterschiedliche Modulation je nach Menge, dopaminerge und GABA-erge Einflüsse im Vordergrund
Leicht (ca. 0,5–1,5‰): Stimulierende Wirkungen stehen im Vordergrund
Gesteigerter Antrieb, Euphorisierung (Enthemmung, Rededrang), mangelnde Kritikfähigkeit
Hautrötung
Tachykardie
Gang- und Standunsicherheit
Mittelschwer (ca. 1,5–2,5‰): Übergang von stimulierender zu zunehmend sedierender Wirkung
Benommenheit, evtl. amnestische Lücken
Übelkeit und Erbrechen
Zunahme der Gangunsicherheit und lallender Sprache
Einschränkung des Sehens und der Schalllokalisation
Erhebliche Reduktion von Aufmerksamkeit und Reaktion
Ausgeprägte Enthemmung
Schwer (ab ca. 2,5‰): Sedierende Wirkung mit starken Bewusstseinsstörungen
Illusionäre Verkennung
Schwere Dysarthrie, Schwindel, Ataxie
Vegetative Störungen mit
Hypothermie
Übergang ins alkoholische Koma mit
Stark eingeschränktem Bewusstsein
Erloschenen Schutzreflexen
Atemdepression
Bis zum Tod durch Atemdepression und Kreislaufversagen („asphyktisches Stadium“)
Tödliche Komplikationen akuter Alkoholintoxikation
Atemdepression (dämpfende Wirkung auf das Atemzentrum, die Gefahr ist bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten mit zentralnervöser Dämpfung erhöht)
Aspiration von Erbrochenem und damit u.a. die Gefahr eines Erstickungstodes (Verlust der Schutzreflexe)
Hypothermie bis hin zum Kältetod (erhöhter Wärmeverlust durch Erweiterung der Blutgefäße bei gleichzeitig beeinträchtigter Wahrnehmung)
Hypoglykämie(besonders bei Personen mit Diabetes oder längeren Fastenperioden)
Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand (bspw. bedingt durch Elektrolytstörungen durch vermehrte Ausscheidung von Elektrolyten)
Labordiagnostik bei chronischem Alkoholabusus
Leberschäden: γGT↑, Transaminasen↑ (ALT↑, AST↑)
Zeigt Enzyminduktion in der Leber durch regelmäßigen Alkoholkonsum
Aber: Auch andere Noxen/Medikamente können Enzyminduktion bewirken → Begrenzte Spezifität
Erhöhung i.d.R. erst bei größeren Parenchymschäden
CDT (Carbohydrate deficient Transferrin, Desialotransferrin)
CDT↑: Ab Alkoholkonsum von 50 g/Tag über mind. 1–2 Wochen [13]
CDT-Werte bleiben nach Abstinenz ca. 2–3 Wochenerhöht
Malnutrition und Knochenmarksschädigung
MCV↑ Anämie (Hb↓), Thrombozytopenie
Folsäure↓, Vitamin B12↓ (Cobalamin), Vitamin B1↓ (Thiamin), Vitamin B6↓ (Pyridoxin), Vitamin D↓, Vitamin K↓
Ethylglucuronid↑ (EtG) in Haarproben
Phosphatidylethanol↑ (PEth) im Blut
Therapieoptionen bei Alkoholabhängigkeit
Früh- und Kurzinterventionen
Körperliche Entgiftung
Qualifizierte Entzugsbehandlung
Entwöhnung (Postakutbehandlung)
Wiedereingliederung in den Alltag im Anschluss an eine Entwöhnungsbehandlung
Nachbetreuung und Selbsthilfe
Symptome des Alkoholentzugs + Ursache
Körper an die dämpfende Funktion des Alkohols gewöhnt und reagiert mit einer Gegenregulation, die jedoch bei einem plötzlichen Entzug des Alkohols nicht schnell genug beendet werden kann
Hypertonie, Tachykardie, Schwitzen, Tremor, Konzentrationsstörungen und psychomotorische Unruhe
Herzrhythmusstörungen, hypertensive Entgleisung, Rhabdomyolyse) bis hin zum mit einer hohen Letalität einhergehenden Alkoholentzugsdelir kommen
Wahnformen bei Depression
Schuldwahn
Verarmungswahn
hypochondrischer Wahn
nihilistischer Wahn
Zuletzt geändertvor 9 Tagen