Struktur EKG-Befundung
Frequenz
Rhythmus
Lagetyp
P-Welle
PQ-Zeit (AV-Block?)
QRS-Block (Form, Länge)
R/S-Umschlag, R-Progression, S-Persistenz?
ST-Strecke, Erregungsrückbildungsstörungen?
Extrasystolen?
Bedeutung R-Progression, R/S-Umschlag
Die Ableitungen V1 und V2 zeigen in Richtung des rechten Ventrikels und des Septums. Die Muskelmasse ist dort deutlich geringer als in Richtung der Ableitungen V4 – V6, die die Hauptmasse des linken Ventrikels erfassen. Störungen der R-Progression können Folge von ventrikulären Narben sein, die bspw. durch Myokardinfarkte entstehen.
Bedeutung diskordante T-Welle
Diskordant negative T-Wellen sind ein unspezifischer, potenziell pathologischer Befund, der bspw. bei akuten Ischämien auftreten kann!
Bisfaszikulärer Block
Definition: Oberbegriff für den Ausfall von 2 der 3 intraventrikulären Leitungsbahnen
Klassische Form: Totaler Rechtsschenkelblock und gleichzeitig linksanteriorer Hemiblock
Kompletter Linksschenkelblock
Typische Veränderungen:
Verlängerte QRS-Dauer ≥120 ms
Verspäteter oberer Umschlagspunkt >0,05 s in den Ableitungen V5 und V6
Veränderte Morphologie des QRS-Komplexes (rSR'-Formation) in den Ableitungen V5 und V6 („abgebrochener Zuckerhut“)
Tiefes Q und fehlendes R (QS-Komplexe) in Ableitungen V1 und V2
Diskordantes Verhalten von ST-Strecke und T in allen Ableitungen
Inkompletter Schenkelblock
wenn typische Schenkelblock-Morphologie, QRS>100ms, aber noch <120ms
STEMI-Äquivalent im EKG
neu afgetretener Linksschenkelblock + AP-Beschwerden!
EKG-Merkmale für Linksherzhypertrophie
Lagetypverschiebung durch Verlagerung der Herzachse nach links: Linkstyp oder bei starker Hypertrophieüberdrehter Linkstyp
Große R-Zacke in allen linkslateralen Ableitungen: V5 und V6 (I, aVL) >1 mV
Kleines R und zunehmend tiefes S in rechtspräkordialen Ableitungen V1 und V2
EKG-Merkmale für Rechtsherzhypertrophie
Lagetypverschiebung durch Verlagerung der Herzachse nach rechts: Sagittaltyp, Steiltyp oder Rechtstyp
Große R-Zacke in allen rechtspräkordialen Ableitungen V1 und V2
Kleines R und zunehmend tiefes S in den linkslateralen Ableitungen V5 und V6
Sokolow-Lyon-Index
Index für Zeichen der Links- oder Rechtsherzhypertrophie
Sokolow-Lyon-Index für Linksherzhypertrophie positiv, wenn SV1 oder 2 + RV5 oder 6 ≥3,5 mV
Sokolow-Lyon-Index für Rechtsherzhypertrophie positiv, wenn RV1 oder 2 + SV5 oder 6 ≥1,05 mV
Mögliche EKG-Zeichen einer Rechtsherzbelastung
Rhythmus: Sinustachykardie (häufig)
Sagittale Herzachse (ca. 10%)
SIQIII-Typ: S-Zacke in Ableitung I und Q-Zacke in Ableitung III
SISIISIII-Typ: Vergleichbar große R- und S-Zacken in den Ableitungen I–III
Rechtstyp oder überdrehter Rechtstyp möglich
P-Welle: P-pulmonale (=Erhöhung der P-Welle um ≥0,25 mV in Bezug auf die isoelektrische Linie)
QRS-Komplex: Inkompletter oder kompletter Rechtsschenkelblock (ca. 10%)
Positiver Sokolow-Lyon-Index für Rechtsherzhypertrophie (eher bei chronischer Rechtsherzbelastung)
Endstreckenveränderungen
T-Negativierungen: Insb. in Ableitung III, aVF und V1–V3
ST-Senkungen: Insb. in Ableitung V1–V3
ST-Hebungen: Insb. in Ableitung III und V1 (eher bei schweren Verläufen)
EKG bei Kalium Elektrolytstörungen
bei Hypokaliämie:
Abflachung der T-Welle
ST-Senkung und andere ST-Streckenveränderungen
Betonte U-Welle, evtl. TU-Verschmelzungswelle
Vermehrte Extrasystolen und Herzrhythmusstörungen (insb. bei Digitalisglykosid-Medikation)
Bei Hyperkaliämie:
Hohe und spitze T-Welle
QRS-Verbreiterung ≥0,11 s
ST-Streckenveränderungen mit ST-Senkung und ST-Verschmelzungen (Sinuswelle) möglich
Bei beiden Elektrolytstörungen sind Herzrhythmusstörungen bis Kammerflimmern möglich!
Sgarbossa-Kriterien
Linksschenkelblock bzw. Rechtsschenkelblock: Können ST-Hebungen maskieren und sind bei klinischem Verdacht im Zweifel als STEMI zu werten (siehe auch: Sgarbossa-Kriterien)
Modifizierte Sgarbossa-Kriterien: Ermöglichen Diagnose eines STEMI bei Linksschenkelblock
Ansatz: Konkordanz der ST-Streckenveränderungen
Diagnose eines STEMI: Sobald eines der folgenden drei Kriterien positiv ausfällt
Konkordante ST-Hebung ≥0,1 mV (≥1 mm)
ST-Senkung ≥0,1 mV (≥1 mm) in V1–V3
Diskordante exzessive ST-Hebung ≥25% vom S und ≥0,1 mV (≥1 mm) (bzw. ST-Streckenhebung≥0,5 mV (≥5 mm) in Ableitungen mit einem negativen QRS-Komplex)
Hinweisende Infarktzeichen beim NSTEMI
Signifikante horizontale oder deszendierende ST-Senkungen: In mind. zwei benachbarten Ableitungen≥0,05 mV (≥0,5 mm), gemessen am J-Punkt
T-Inversion (terminale T-Negativierung): In mind. zwei benachbarten Ableitungen (ggf. mit deutlich positivem R oder R/S-Verhältnis >1)
De Winter-Zeichen
ST-Senkung und daraus aufsteigende hohe T-Welle
V1-6
kann Anzeichen für Vorderwandinfarkt sein
Tritt insbesondere bei jüngeren Kindern auf
Wellens-Syndrom
Shark-Fin-Zeichen
Zuletzt geändertvor 4 Tagen