Kernbegriffe
Industrialisierung:
Umfassender wirtschaftlicher und technischer Wandel durch Maschinenproduktion und neue Energieformen.
Technische Revolution:
Einführung neuer Technologien (z. B. Dampfmaschine), die Produktion und Bauwesen grundlegend verändern.
Eisen / Stahlbau:
Neue Baumaterialien ermöglichen große Spannweiten und filigrane Konstruktionen.
Glasarchitektur:
Transparente Bauweise, oft kombiniert mit Eisen (z. B. Gewächshäuser, Hallen).
Skelettbauweise:
Tragwerk aus Eisen/Stahl → Trennung von Tragstruktur und Fassade.
Bekleidungstheorie (Semper):
Unterscheidung zwischen Kern (Konstruktion) und Hülle (Fassade).
Historismus:
Rückgriff auf historische Stilformen (z. B. Neogotik) im 19. Jahrhundert.
Nationalbewegung:
Architektur als Ausdruck nationaler Identität.
Technische Revolution als Ausgangspunkt
Neue Maschinen und Produktionsweisen:
Dampfmaschine (1712)
Spinning Jenny (1770) → mechanisierte Textilproduktion
Puddelverfahren (1784) → bessere Eisenherstellung
Folgen:
Industrialisierte Produktion
Massenfertigung
neue Bauaufgaben (Fabriken, Infrastruktur)
Auswirkungen auf das Bauen:
Entwicklung neuer Materialien:
Gusseisen
Stahl
Vorteile:
größere Spannweiten
schlankere Konstruktionen
schnellere Bauprozesse
👉 Beginn des Ingenieurbaus als eigenständige Disziplin
Ingenieurbau und neue Konstruktionen
Brückenbau als Experimentierfeld:
Bedeutung:
Testfeld für neue Materialien
Entwicklung neuer statischer Systeme
Beispiele:
Coalbrookdale Bridge (1777–79) → erste Eisenbrücke
Menai Suspension Bridge (1818–26) → Hängebrücke
Clifton Bridge (Brunel)
Bedeutung der Ingenieure:
Neue Akteure:
Ingenieure statt klassischer Architekten
Fokus:
Funktion
Statik
Effizienz
👉 Architektur wird zunehmend technisch geprägt
Neue Bautypen im 19. Jahrhundert
Glas- und Eisenarchitektur:
Eigenschaften:
Transparenz
Leichtigkeit
Modularität
Palmenhäuser (Kew Gardens)
Passagen und Galerien
Markthallen (Les Halles, Paris)
Neue Bautypen im 19. Jahrhundert:
Verkehrsbauten (Bahnhöfe)
Glas- und Eisenarchitektur
Ausstellungshallen
Großkonstruktionen
zeigen:
technische Leistungsfähigkeit
neue Ästhetik der Konstruktion
Galerie des Machines (1889)
Eiffelturm (1887–89)
Verkehrsbauten (Bahnhöfe):
Merkmale:
große Hallenräume
Eisenkonstruktionen
Kombination von:
technischer Struktur
repräsentativer Fassade
Euston Station (1839)
King’s Cross Station (1851–52)
Frankfurter Hauptbahnhof (1883–88)
Ausstellungshallen:
vorgefertigte Bauteile
modulare Bauweise
extrem kurze Bauzeit
Highlight:
Crystal Palace (1851, Joseph Paxton)
👉 gilt als: Schlüsselbau der modernen Architektur
Konstruktion vs. Gestaltung
Trennung von Kern und Hülle:
Zentrale Idee:
Konstruktion = tragendes System
Fassade = Gestaltungsebene
👉 formuliert in:
Sempers Bekleidungstheorie
Drei parallele Entwicklungen:
Technik
neue Materialien & Methoden
Erscheinungsbild
Rückgriff auf historische Stile
Nationalbewegung
Architektur als Identitätsträger
👉 führt zu einem Spannungsfeld: modernste Technik + historische Formensprache
Architekturtheorie im 19. Jahrhundert
Wichtige Theoretiker:
John Ruskin
Betonung von Handwerk und Moral
Viollet-le-Duc
rationale Konstruktion
„ehrliche“ Architektur
Gottfried Semper
Bekleidungstheorie
Zentrale Fragestellungen:
Wie soll moderne Architektur aussehen?
Soll sie:
technisch rational sein?
historisch geprägt sein?
👉 keine einheitliche Antwort → Vielfalt
Leitmaterialien und Bautypen
Materialien:
Eisen / Stahl
Glas
👉 ermöglichen:
große Spannweiten
neue Raumqualitäten
Typische Bautypen:
Bahnhöfe
Markthallen
Gewächshäuser
👉 alle geprägt durch: große, offene Innenräume
Zusammenhänge:
Technische Revolution → neue Materialien → neue Konstruktionen
Industrialisierung → neue Bauaufgaben → neue Gebäudetypen
Ingenieurbau → funktionale Logik → neue Ästhetik
Theorie → Reflexion → Konflikt zwischen Tradition und Innovation
👉 Ergebnis: Die Architektur des 19. Jahrhunderts ist ein Übergang:
von historischer Architektur
hin zur Moderne
Zuletzt geändertvor 8 Tagen