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Grundlagen SQS & SPC & Shewhart Karte

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von OneMoreCoookie

6_ Ideen zur Gütemessung von Kontrollkarten? (Performancemessung)


Stoppzeit L ist eine Zufallsvariable → braucht ein Gütemaß.

Zentral: ARL = E(L) — mittlere Anzahl Lose bis Alarm.

  • Unter Kontrolle (τ = ∞): ARL₀ soll groß sein (wenig Fehlalarme)

  • Außer Kontrolle (τ = 1): ARL₁ soll klein sein (schnelle Erkennung)

Mittlere Verspätung: D_τ = E_τ(L − τ + 1 | L ≥ τ)

Vier Ansätze zur Formalisierung (V2, S. 15):

  1. Lorden (1971): Worst-Case sup über alle τ

  2. Roberts/Taylor (1966/68): Steady-State, lim τ→∞

  3. Pollak/Siegmund (1975): sup der bedingten Verspätung

  4. Frisén (2003): Bayesianisch, T ~ Geom(p)

Alle unter Nebenbedingung E_∞(L) ≥ A (ARL₀ fixiert).



(Erklärung):

Die Grundfrage ist: Wie gut ist meine Kontrollkarte?

Du hast eine Karte laufen, die irgendwann Alarm gibt. Aber „irgendwann" ist unpräzise — manchmal nach 5 Losen, manchmal nach 500. Also brauchst du eine Zahl, die beschreibt, wie gut die Karte im Schnitt funktioniert. Das ist die ARL — der Durchschnitt, nach wie vielen Losen der Alarm kommt.

Jetzt gibt es zwei Situationen:

Alles läuft normal (unter Kontrolle): Hier willst du keinen Alarm. Trotzdem wird die Karte irgendwann rein zufällig Alarm geben — ein Fehlalarm. Je später das passiert, desto besser. Also: ARL₀ soll groß sein, z.B. 500. Das heißt: im Schnitt 500 Lose, bevor ein Fehlalarm kommt.

Es ist was schiefgegangen (außer Kontrolle): Hier willst du sofort Alarm. Je schneller, desto besser. Also: ARL₁ soll klein sein, z.B. 5. Das heißt: im Schnitt nach 5 Losen erkennt die Karte das Problem.

Das Dilemma: Beides gleichzeitig geht nicht. Machst du die Grenzen eng, reagiert die Karte schnell auf echte Probleme (ARL₁ klein) — aber sie gibt auch öfter falschen Alarm (ARL₀ wird auch klein). Machst du die Grenzen weit, hast du wenig Fehlalarme (ARL₀ groß) — aber echte Probleme werden spät erkannt (ARL₁ auch groß).

Lösung in der Praxis: Man legt ARL₀ fest (z.B. auf 500) und sucht dann die Karte, die unter dieser Bedingung ARL₁ am kleinsten macht.

Die vier Namen auf Folie 15 (Lorden, Roberts, Pollak, Frisén) sind einfach vier verschiedene Wege, die „Verspätung" D_τ mathematisch zu definieren — also wie man genau misst, wie lange die Karte nach dem Change Point τ noch braucht, bis sie Alarm gibt. Die unterscheiden sich darin, ob man den schlimmsten Fall betrachtet (Lorden), den Gleichgewichtszustand (Roberts), das Supremum (Pollak) oder einen Bayesianischen Ansatz (Frisén). Aber die Grundidee ist bei allen dieselbe: Alarm soll schnell nach τ kommen.


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OneMoreCoookie

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