Buffl

EWMA & CUSUM

O
von OneMoreCoookie

14—Erläutern Sie die EWMA-Karte (für die Lage)!

Definition nach Roberts, 1959 : EWMA = Exponentially Weighted Moving Average - gleitender Mittelwert mit geometrisch abnehmenden Gewichten. ALle vergangenen Beobachtungen gehen ein, aber je älter, desto leichter.

Voraussetzung (wie Shewhart): Xᵢ ∼ N(μ, σ²), unabhängig, σ bekannt.

Größe

Definition

Startwert

Z₀ = μ₀

Rekursion

Zₜ = (1−λ)·Zₜ₋₁ + λ·Xₜ, λ ∈ (0, 1]

Stoppzeit

L = inf{ t ≥ 1 : |Zₜ − μ₀| > c·σ_Z }

Varianz (zeitabh.)

σ²_{Z,t} = λ·[1−(1−λ)^{2t}]/(2−λ) · σ²

Asymptotische Varianz

σ²_{Z,∞} = λ/(2−λ) · σ²

Explizite Form (V5 S. 9): Zₜ = (1−λ)ᵗ·z₀ + λ·∑ᵢ₌₁ᵗ (1−λ)^{t−i}·Xᵢ → Summe der Gewichte = 1.

Eigenschaften:

  1. Mit Gedächtnis – alle vergangenen Werte gehen ein, ältere geometrisch schwächer (Summe der Gewichte = 1)

  2. Variable Grenzen zu Beginn → nähern sich für t → ∞ an fixe Grenzen; je größer λ, desto schneller

  3. λ = 1 ⟹ Shewhart-Karte; λ klein ⟹ langes Gedächtnis, sensitiv für kleine Shifts

  4. Empfehlung: λ ∈ [0.1, 0.3] (Knoth: 0.05). Stärke bei kleinen Shifts (a < 2σ)

  5. Kalibrierung von c über Sekanten-/Newton-Verfahren (keine geschlossene Formel)


📌 Erklärkasten – die Grundidee bildlich

Stell dir die EWMA-Karte wie einen Wassereimer mit Loch vor: Jede neue Beobachtung Xₜ kippt einen Anteil λ ihres Wertes in den Eimer, gleichzeitig läuft der Anteil λ vom alten Inhalt ab. Was bleibt, ist eine geglättete Version der Vergangenheit.

Bei λ = 0.1: Der Eimer ist riesig, neue Werte verändern den Pegel kaum – kleine, anhaltende Shifts werden über Zeit aber sichtbar. Großer Sprung? Dauert lange, bis der Pegel reagiert.

Bei λ = 0.5: Eimer klein, Pegel schwankt schnell mit den letzten Werten – fast wie Shewhart.

Die Shewhart-Karte ist wie ein Sieb (alles fließt sofort durch, kein Gedächtnis). Die EWMA ist der Eimer dazwischen.

Brötchen-Beispiel: Wenn die Maschine schleichend driftet (Mehl wechselt → 100 g, 99 g, 98 g, 97 g, 96 g …), sieht Shewhart bei jedem Einzelwert nur „im Toleranzbereich". Die EWMA dagegen mittelt die Folge und schlägt deutlich früher Alarm – weil der gleitende Durchschnitt die Grenze überschreitet, bevor irgendein einzelnes Brötchen es tut.



17—Nennen Sie (ohne in Details zu gehen) Methoden zur ARL-Berechnung bei EWMA.

Drei Standardverfahren, alle liefern dieselbe ARL.

1. Simulation (Monte Carlo)

-Viele Realisierungen von L erzeugen → L̄

-Bei ARL ≈ 500 ⟹ ca. 5·10⁸ Zufallszahlen

-Immer möglich, aber rechenintensiv

2. Markov-Ketten-Approximation (Brook & Evans 1972)

-Bereich (−c·σ_{Z,∞}, +c·σ_{Z,∞}) in 2r+1 Teilbereiche zerlegt

-ARL = (I − Q)⁻¹ · 1

-r > 100 ⟹ hohe Genauigkeit, Matrixinversion ≥ 200×200

-Standardmethode

3. Integralgleichung für L

-Lineares Gleichungssystem mit ähnlicher Dimension

-Kleinere Systeme bei gleicher Genauigkeit als Markov

📌 Brötchen-Beispiel zu den ARL-Berechnungsmethoden

Stell dir vor, du willst wissen: „Wie lange läuft meine EWMA-Karte im Schnitt, bis sie das erste Mal Alarm gibt, wenn die Brötchen-Maschine sauber bei 100 g läuft?" (also ARL₀).

1. Simulation: Du simulierst 10 Millionen mal eine Bäckerei-Schicht: Maschine läuft, EWMA rechnet mit, irgendwann Alarm → Tag notieren. Am Ende mittelst du alle 10 Mio. Alarmzeiten. Ergebnis: ARL ≈ 500 Tage. Problem: Bei λ = 0.1 dauert ein Durchlauf locker 500 Tage „simulierter" Zeit – mal 10 Mio. ⟹ riesiger Rechenaufwand.

2. Markov-Kette: Du teilst den EWMA-Wertebereich (z.B. von 94 g bis 106 g) in 200 schmale Streifen: Streifen 1 = [94.0, 94.06], Streifen 2 = [94.06, 94.12], … Dann rechnest du: „Wenn der EWMA gerade in Streifen 73 ist, mit welcher Wahrscheinlichkeit landet er beim nächsten Brötchen in Streifen 74? In 72? Außerhalb (Alarm)?" Diese Übergangsmatrix Q (200×200) löst dann das Gleichungssystem (I−Q)⁻¹·1 = ARL. Vorteil: Eine Matrixinversion statt 10 Mio. Simulationen.

3. Integralgleichung: Statt diskreter Streifen formulierst du direkt eine Gleichung: „Die erwartete Restlaufzeit, wenn ich gerade beim Wert z bin, ist 1 + Integral über alle möglichen nächsten Werte z̃." Numerisch löst du das mit ähnlichem Aufwand wie Markov, aber meist eine Spur genauer.

Kurz: Simulation = jede Schicht durchspielen. Markov = Brötchengewichts-Bereich in Schubladen sortieren. Integralgleichung = Schubladen unendlich fein ⟹ Formel.

20 b: Anschaulicher Kartenvergleich

Brötchen-Beispiel zum Vergleich der drei Karten

Du betreibst eine Bäckerei. Sollwert: 100 g pro Brötchen. Heute geht etwas schief – aber was? Drei verschiedene Szenarien, drei verschiedene Karten reagieren unterschiedlich.

Szenario 1: Plötzlicher Crash – Maschine fällt schlagartig auf 92 g

  • Shewhart:„92 g ist mehr als 3σ unter 100 g – ALARM!" → reagiert beim ersten Brötchen

  • EWMA (λ=0.1): 🐢 Der Eimer braucht 5–10 Brötchen, bis der Pegel die Grenze reißt

  • CUSUM: 🚶 Auch ein paar Brötchen verzögert

  • Sieger: Shewhart

Szenario 2: Schleichender Drift – pro Tag 0.3 g leichter (100 → 99.7 → 99.4 → …)

  • Shewhart: 😴 Sieht nichts. Jedes einzelne Brötchen ist im 3σ-Bereich. Erst nach Wochen Alarm.

  • EWMA (λ=0.1): 👀 Mittelwert sinkt langsam mit, irgendwann reißt er die Grenze

  • CUSUM (k=99): 📊 Strichliste füllt sich konsequent → früher Alarm als EWMA

  • Sieger: CUSUM

Szenario 3: Kleiner, anhaltender Shift – Maschine läuft jetzt bei 98 g statt 100 g

  • Shewhart: 😴 98 g ist zu nah am Soll, kein Einzelwert reißt die Grenze

  • EWMA: ✅ Pegel sinkt, Alarm in moderater Zeit

  • CUSUM: ✅ Wenn k = 99 (also auf genau diesen Shift kalibriert) → schnellster Alarm

  • Sieger: CUSUM für genau diesen Shift, EWMA als flexibler Allrounder

📌 Türsteher-Vergleich (in einem Bild):

Karte

Persönlichkeit

Shewhart

Vergesslicher Türsteher – schaut nur den Aktuellen an, erkennt nur Auffälligkeiten beim Eintreten

Shewhart + LR

Türsteher mit Notizblock – merkt sich die letzten paar Gäste, erkennt Muster

EWMA

Türsteher mit gewichtetem Eindruck – die letzten Gäste sind ihm noch frisch, ältere verblassen

CUSUM

Türsteher mit Strichliste – zählt jeden, der unter Mindestgröße ist, schlägt Alarm wenn das Maß voll ist

Kernaussage: Es gibt keine universell beste Karte. Wer schnellen Crash erwartet → Shewhart. Wer schleichende Drifts fürchtet → EWMA oder CUSUM. Wer einen konkreten Shift im Visier hat → CUSUM mit passendem k.

Author

OneMoreCoookie

Informationen

Zuletzt geändert