Welche Gründe und Ziele verfolgen Pflegetheorien und mit welchen Grundannahmen gehen sie allgemein einher?
Pflegetheorien
-> erste Theoretikerin = Florence Nightingale
(saubere Luft, sauberes Wasser, Kanalisation)
Gründe:
Professionalisierungsbedarf
-> wissenschaftl. Fundierung
-> Abgrenzung von Assistenzfunktion der Medizin als eigene Disziplin
Handlungsorientierung und Systematisierung
-> Orientierung im Berufsalltag
-> Schaffung einer gemeinsamen Fachsprache
-> nachvollziehbare, begründbare Konzepte die Handeln erklärbar und lehrbar machen
Wissenschaftlicher Anspruch
-> theoretischer Rahmen erforderlich um Forschung, Ausbildung und Praxis miteinander zu verknüpfen
Ziele:
Identitätsstiftung
-> Definition von Pflege
-> Definition der Rolle der Pflege im Gesundheitswesen
Forschungsgrundlage
-> Etablierung als eigenständiger wissenschaftl. Bereich
-> Überprüfbarkeit von Hypothesen und Konzepten
Qualitätssicherung
-> systematische Pflegeplanung und -dokumentation wird durch theoretische Modelle nachvollziehbarer
ALLE PFLEGETHEORIEN
= das Ziel lt. WHO den Zustand des Pat. zu verbessern
Grundlegende gemeinsame Annahmen (übergreifend):
Ganzheitlichkeit
= ist als Individuum holistisch zu verstehen und zu behandeln
Individualität
= Pflege muss individuell zugeschnitten und nicht standartisiert sein
Beziehungsorientierung
= Interaktion zwischen Pflegeperson und Patient ist selbst ein zentrales Wirkelement
-> Mensch immer im Spannungskontinuum Autonomie vs. Abhängigkeit
Ressourcenorientierung
= Fokus auf vorhandene Fähigkeiten und nicht nur auf Defizite
Prozesshaftigkeit
= Pflege als dynamischer, sich entwickelnder Prozess und nicht als statischer Zustand
Äußere dich bitte zu den verschiedenen Lerntheorien.
Behaviorismus
Grundannahme:
Lernen als beobachtbare Verhaltensänderung durch äußere Reize
Klassische Konditionierung
(Pawlowscher Hund)
-> neutraler Reiz wird durch wiederholte Kopplung mit einem natürlichen Reiz selbst auslösend
Bsp: Angst vor Arztpraxen nach schmerzhaften Erfahrungen
Operante Konditionierung (Skinner)
-> Verhalten wird durch Konsequenzen gesteuert
Bsp.: Belohnung vs. Bestrafung
Kritik:
Kein Einbezug differenzierter Gedanken
Kognitivismus (Piaget)
(Lernen als Informationsverarbeitung)
= Mensch nimmt Informationen auf, verarbeitet, speichert und ruft sie ab
-> Mensch nicht als “konditionierbar”, sondern fähig, zum differenzieren
Bsp.: Entwicklungsstufen von Piaget und Lernen durch Assmilation und Akkomodation
Konstruktivismus (Paul Watzlawick
= Lernen durch Austausch
-> dadurch auch sehr subjektiv, situativ und selbstgesteuert
-> abhängig von der eigenen Reflexion und des Gegenübers
= unterbewusst nur Aufnahme von für sich nützlichen Infos
Kritik: fehlender Objektivismus
Konnektivismus
= Lernen durch Vernetzung
= Lerntheorie des digitalen Zeitalters (Siemens, 2005)
-> v. a. durch Wissen durch andere
-> v. a. virtuell
-> die Realität verändert sich ständig
Geschichtsexkurs
-> jede Theorie war eine Reaktion auf die Grenzen der vorherigen
= Mensch wurde zunehmend als aktiver, denkender und vernetzter Lernender verstanden
(ab Anfang der 2000er “Informations-Overkill”)
Wie wird das verschiedene Lernen eingeteilt?
formales Lernen
-> Ort: Institutionalisierte Bildungseinrichtung
-> Struktur: Lernplan, Curriculum, klare Ziele
-> Abschluss: Ja, zertifiziert und staatlich/rechtlich anerkannt
-> Absicht: Intentional (geplant von Lernendem und Institution)
-> Beispiele: Schule, Ausbildung, Studium, Meisterkurs
non-formales Lernen
-> Ort: Außerhalb des offiziellen Bildungssystems
-> Struktur: Organisiert, mit Zielen und oft einer Lehrperson
-> Abschluss: Nein, kein staatliches Zertifikat (Teilnahmebestätigung)
-> Absicht: intentional, aber freiwillig
-> Beispiele: Volkshochkurs, betriebliche Fortbildung, Erste-Hilfe-Kurs, Sportverein
informelles Lernen
-> Ort: Alltag, überall
-> Struktur: Keine - ungeplant, beiläufig
-> Abschluss: Nein, meist nicht einmal bewusst
-> meist nicht intentional (implizit, “nebenbei”)
-> Beispiele: Gespräche, Beobachtung von Kollegen
Gehe auf die Motivationstheorien ein.
Motivation ist kein festes Merkmal einer Person, sondern entsteht immer im Zusammenspiel zwischen
Person-Faktoren (Bedürfnisse, Werte, Persönlichkeit, aktuelle Stimmung)
Situations-Faktoren (Umgebung, Anreize, soziale Erwartungen, Tagesform)
intrinsische Motivation nach Deci und Ryan:
-> entsteht und bleibt bestehen, wenn diese drei Grundbedürfnisse erfüllt sind:
Bedürfnis nach Autonomie
! Präzisierung: Autonomie ist nicht gleich allein entscheiden, sondern sich auch mit der Entscheidung identifizieren zu können und Entscheidung dadurch gemeinsam zu tragen
Bedürfnis nach Kompetenz
-> Gefühl, wirksam zu sein, etwas zu beherrschen und Fortschritte zu machen
! wichtig ist das Konzept der optimalen Herausforderung !
(Flow-Konzept von Csikszentmihalyi)
Bedürfnis nach sozialer Einbindung (Verbundenheit)
-> Gefühl von Zugehörigkeit, Verbundenheit und Akzeptiertsein durch andere
Grundmotive nach McClelland
Motivprofil bei jedem Menschen in unterschiedlicher Ausprägung:
Machtmotiv
-> eher extrinsisch gefärbt
(hängt von sichtbarer Reaktion des Umfelds ab)
Leistungsmotiv
-> intrinsisch, weil die Befriedigung aus dem Gelingen selbst kommt und nicht ob jemand zusieht oder es bewertet
= Unterschied zum Machtmotiv: Leistung braucht kein Publikum
Zugehörigkeitsmotiv
= Grauzone zwischen intrinsisch und extrinsisch
innere Freude an Nähe und Verbundenheit
(eher intrinsisch)
externes Bedürfnis nach Bestätigung
(eher extrinsisch, weil abhängig von Reaktion anderer)
Erläutere den Kompetenzerwerb nach Patricia Benner.
basiert auf Dreyfus-Brüder-Theorie des Kompetenzerwerbs
(Studie an Piloten in Notsituationen und Schachspielern, 1980)
-> gilt deswegen als etwas veraltet
= Kernthese: erst mit durch Praxis erworbener Expertise ist analytisches Denken möglich
Patricia Benner übertrug generisches Fähigkeitserwerbsmodell 1984 speziell auf die Krankenpflege.
Einstufung:
Neuling
-> regelgebunden, kontextfrei
= Handeln folgt starren Regeln
(Azubi, 1. Ausbildungsjahr)
fortgeschrittener Anfänger
-> Muster erkennbar, braucht aber noch Mentoring
(Pflegefachperson im 1. Berufsjahr)
kompetente Pflegefachperson
-> bewusstes Planen, Priorisieren
-> Handeln ist aber noch anstrengend und wenig flüssig
(meist nach ca. 2 - 3 Jahren Berufserfahrung)
erfahrene Pflegefachperson
-> ganzheitliche Wahrnehmung von Situationen statt Zerlegung in Einzelaspekte
-> Handeln wird flexibler und situativ angepasst
Experte
-> intuitives, fließendes Handeln
-> erscheint mühelos und hochgradig situationsangepasst
Was führt zu einer Ablehnung der Pflegewissenschaft im Beruf?
Belächeln der Wissenschaft
-> hohe Fallindividualität erschwert Übertragbarkeit generalisierter wissenschaftlicher Erkenntnisse auf Einzelfall
-> schwer umsetzbar durch Stress + Perso-MangelPersonalmangel
bevormundet fühlen
-> Akademiker haben wenig Praxiserfahrung
intuitiver Beruf erschwert klare Leitlinien
vor allem nötig bei:
-> Einarbeitung
(Behandlungskomzept, Anleitung, Fallbesprechungen)
-> Rahmenbedingungen
(Zeit, Personal, feste Zuständigkeit mit regelmäßigen Meetings)
Forderungen für mehr Umsetzung:
-> mehr Implementierungsarbeit
-> Kultivierung einer Unvoreingenommenheit
-> regelmäßige Schulungen und Weiterbildungen
-> offene Gesprächskultur
Gehe bitte auf das digitale Lernen in der Pflege ein.
verschiedene Arten von E-Learning:
Lernprogramme
-> Unterscheidung zwischen Computer Based Training (CBT)
-> Web Based Training (WBT)
= Internetanschluss
Blended Learning
-> rührt aus traditionellen Lehr- und Lernformen her
-> Qualität des Lernens besser, weil Vorteile von e-learning und Präsenzlernen
-> Sparen von Anfahrtskosten
Videokonferenzen
Online-Lehrgänge
Gehe auf Axmachers Thesen ein.
Die Pflegewissenschaft sei auf dem Weg zur “normal science”.
Pflegewissenschaft bringt eine neue Leitdifferenz zu Theoretikern und Praxis
= dominante Unterscheidung zwischen professionell vs. laienhaft und qualifiziert vs. unqualifiziert ergibt neue Leitdifferenz zwischen Pflegewissenschaft und Pflegepraxis
= fehlende Deckungsgleichheit
Handlungsdruck vs. Handlungsentlastheit
= strukturell bedingtes Auseinanderklaffen von Wissen, Können, Theorie und praktischem Urteilsvermögen
Pflegewissenschaft forscht selbstbezüglich und nicht um Probleme zu lösen
= Beobachtungen und Theorien statt Lösungssuche
= Qualitätstoptimierung daraus resultierend höchstens ein Nebenprodukt
Gehe bitte auf die verschiedenen Lernstrategien ein.
kognitive Strategien oder auch “Organisations-Strategien”
= Infos strukturieren und visuell vernetzen
-> Mindmaps, Tabellen, Schlüsselwörter herausarbeiten und unterstreichen
meta-kognitive Strategien
= Planung und Überwachung von Zielen
= Reflexion
= Planungs von Pausen
Steuerungsstrategien
= schweres gezielt verteilt wiederholen
= selektiv durch Karteikarten üben
Ressourcenbezogene Strategien
intern
-> motivational
-> Aufmerksamkeit
extern
-> Zeitmanagement
Beschreibe POL und die damit einhergehenden Vor- und Nachteile.
POL (Problemorientiertes Lernen)
-> konkretes Problem steht am Anfang des Lernens
-> Lernende erarbeiten sich das nötige Wissen
-> meist auf Grundlage eines Fallbeispiels
Der Siebensprung
= Herzstück von POL als Ablauf in 3 Phasen
Begriffe klären
Probleme benennen
Ideen sammeln
Ordnung schaffen
Lernziele festlegen
- Selbststudium
- Zweite Runde in der Gruppe
Vorteile von POL
Förderung von lösungsorientiertem Denken
Förderung von Selbstständigkeit
macht oft mehr Spaß und motiviert zum Weiterlernen
Unterschied lösbare und unlösbare Probleme
lösbar = klare Antwort
unlösbar = führen zu verschiedenen Antworten und erfordern durchdachte Entscheidung
oft im Pflegealltag komplexe unlösbare Probleme
Herausforderungen
braucht mehr Vorbereitung und Organisation als herkömmlicher Unterricht
aufwendig, gute Fallbeispiele zu erstellen
Gehe auf die Struktur von SOL ein und die damit einhergehende Vor- und Nachteile.
Selbstgesteuertes Lernen und selbstorganisiertes Lernen
(konstruktivistische Didaktik)
= von Lernenden selbstverantwortlich geplant, gestaltet und reflektiert
= Übernahme von Verantwortung für den eigenen Lernprozess
= entscheidend, weil Arbeitswelt zunehmend dynamisch und komplex
warum? Gesellschaftlicher Wandel:
selbstorganisiertes Lernen als Antwort auf gesellschaftlliche Anforderungen
= selbst gestaltet, geplant und reflektiert
= Verantwortung für den eigenen Lernprozess übernehmen
3 Ebenen nach Konrad
Lernorganisation (wann, wo, wie oft?)
Lernkoordination (Integrierung in den Alltag)
Lernen im engeren Sinn (was, wie reflektieren?)
Voraussetzungen:
(aktiv, relektiert, verantwortlich)
eigene Lernziele formulieren
geeignete Lernstrategien auswählen
Aufrechterhaltung von Motivation und Konzentration
kritisches Hinterfragen und Reflektion
Einholen von Hilfe
Methoden:
Lerntagebuch
Lernportfolio
Gruppenpuzzle
Vorteile
fördert eine neue Lernkultur
Übernahme von Verantwortung, Selbstrelexion
persönlicher und nachhaltiger
Was sind die Vor- und Nachteile von E-Learning?
Flexibilität und Selbstbestimmung
individuelle Lerngeschwindigkeit
Kostenersparnis
Aktualität
multimediales Lernen
Nachteile
fehlende soziale Interaktion
hohe Selbstdisziplin erforderlich
technische Voraussetzungen
Gefahr der Isolation
Wie verändert die Rolle der Rehrenden das e-Learning in der Pflege?
begleitend statt führend
Feedback statt Benotung im klassischen Sinne
Präsenz und Kontrolle vs. Eigenverantwortung
einheitliches Tempo vs. individuelle Lernpfade
Was sind die Einflussfaktoren auf die eigene Lernbiografie?
persönliche Erfahrungen
soziale Umgebung
Familiäre Verhältnisse
Persönliche Ressourcen
Wertesystem
Arbeitsmarkt
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