Buffl

Innere

MK
von Max K.

VHF Risikofaktoren

Vorhofflimmern – Chronische Risikofaktoren

Nicht-modifizierbar


  • Alter: Stärkster Risikofaktor

  • Ethnie: Personen mit hellem Hautton [3]

  • Genetik: Familiäre Häufung, insg. ca. 140 Genloci identifiziert [3]

Modifizierbar [3]

Kardiale Grunderkrankungen

  • Herzinsuffizienz jeder Genese (Entwicklung von AFib bei ca. 50% der Betroffenen) [5]

  • Kardiomyopathien ± Herzinsuffizienz: Insb. H(O)CM, ACM, DCM, Non-Compaction-Kardiomyopathie

  • Arterielle Hypertonie oder hochnormaler Blutdruck [3]

  • KHK

  • Dyslipidämie

  • Klappenvitien (insb. Mitralklappenvitien)

  • Erkrankungen der Erregungsbildung und -weiterleitung, bspw.

    • Sick-Sinus-Syndrom

    • Präexzitationssyndrome

    • Kanalopathien: Bspw. Long-QT-Syndrom, Brugada-Syndrom

  • Angeborene Herzfehler (auch EMAH)

Extrakardiale Grunderkrankungen

  • Diabetes mellitus Typ 2

  • Chronische Nierenkrankheit

  • OSAS, COPD

Lebensstilfaktoren

  • Adipositas

  • Körperliche Inaktivität bzw. sitzender Lebensstil

  • Exzessiver Ausdauersport (sog. Sportlerherz oder „Athlete's Heart“ [6])

  • Nikotinabusus

  • Alkoholabusus [3]

  • Psychologische Faktoren

  • Luftverschmutzung

Vorhofflimmern – Triggerfaktoren

Kardial

  • Akutes Koronarsyndrom

  • Akute Myokarditis, Perikarditis

  • Lungenarterienembolie

  • Herzchirurgische Eingriffe [7]

Extrakardial

  • Hyperthyreose

  • Infektionen bzw. Sepsis

  • Elektrolytstörungen: Insb. Hypokaliämie, Hypomagnesiämie

  • AECOPD

  • Medikamentös-toxisch

    • Akute Alkoholintoxikation (bspw. Holiday-Heart-Syndrom)

    • Sympathomimetika bzw. Parasympatholytika (inkl. Drogenabusus)

  • Allgemeine Triggerfaktoren für Tachykardien: Bspw. Anämie, Schmerz oder Hypovolämie

Ein hilfreiches Akronym zum Erinnern der wichtigsten akuten Triggerfaktoren von Vorhofflimmern ist PIRATES:

P – Pulmonale Erkrankungen,

I – Ischämie,

R – Rheumatische Herzerkrankungen,

A – Anämie,

T – Thyroidea (Schilddrüsenüberfunktion),

E – Ethanol (Alkoholintoxikation),

S – Sepsis.

Symptomkontrolle bei VHF

2 Hauptprinzipien: Jeweils individuelle Entscheidung, welches Prinzip primär verfolgt wird

  • Frequenzkontrolle = AFib mit Ziel einer weitgehend normalen Kammerfrequenz

  • Rhythmuskontrolle = Wiederherstellen und Aufrechterhalten eines Sinusrhythmus


Medikamentöse Frequenzkontrolle

  • Indikation

    • Initiale Basistherapie bei Erstdiagnose AFib

    • Zusätzliche Therapieoption neben Rhythmuskontrolle

  • Vorteile: Schneller Wirkeintritt, i.d.R. wenig Nebenwirkungen, sichere Anwendung

  • Nachteile: Kein Einfluss auf strukturelle Langzeitveränderungen, erhöhtes Bradykardierisiko

  • Substanzen

    • Mittel der Wahl:

      • Betablocker (v.a. in Kombi mit HFrEF, KI bei Asthma)

      • NDCA (Verapamil) - (v.a. bei Asthma als Option, KI bei HFrEF!)

      • Digitalisglykoside (plasmaspiegel beachten, enges therapeutisches Fenster)

  • Bei Vorhofflimmern mit Präexzitation dürfen keine negativ dromotropen Substanzen wie Betablocker oder Adenosin eingesetzt werden, da ansonsten die Degeneration in lebensgefährliche ventrikuläre Arrhythmien droht!

Apparative Frequenzkontrolle

  • bei ausgereizter Dreifachtherapie (ultima ratio)

  • Pace and Ablate

Frequenzkontrolle bei bradykard übergeleitetem Vorhofflimmern

  • Atropin

  • SM


Rhythmuskontrolle (v.a. bei neu aufgetretenen VHF)


Elektrokardioversion

  • Indikation

    • Jedes tachykard übergeleitete AFib mit hämodynamischer Instabilität

    • Bei persistierendem AFib zur Prüfung der Symptom-Rhythmus-Korrelation und Kontrolle der LVEF im Sinusrhythmus

  • in tiefer Analgosedierung (Verabreichung von Analgetika und Sedativa)

Medikamentöse Rhythmuskontrolle

  • Indikation

    • Periinterventionell bei elektiver Elektrokardioversion

    • Symptomatisches Frührezidiv nach Ablation

    • Alternative Therapieoption bei Kontraindikationen für oder Z.n. (mehrfach) frustraner Ablation

  • pill in the pocket Prinzip möglich (mit stärkerer Selbstwirksamkeit des Patienten, mit Flecainid oder Propafenon, Personen ohne strukturelle Herzerkrankung (bspw. KHK, hochgradige LV-Hypertrophie und/oder HFrEF))

  • Substanzen

    • Flecainid, Propafenon (i.v./p.o.) (Klasse Ic), höchste Konversionsrate mit Flecainid, nicht geeignet bei struktureller Herzerkrankung

    • Vernakalant (i.v.) (Antiarrhythmikum speziell für die akute Kardioversion von Vorhofflimmern – i.v.-Formulierung für den Notfall/Akuteinsatz, wirkt vorhofselektiv auf Na und K Kanäle)

    • Amiodaron (i.v./p.o.) (Klasse III), vor allem bei Pat mit strukturellen Herzerkrankungen geeignet, unter langfristiger Therapie regelmäßige Kontrollen notwendig, u.a. von

      • QTc-Zeit (Therapieabbruch bei >500 ms)

      • Schilddrüsenfunktion

      • Lungenfunktion

      • Leberwerten

      • Cornea

    • Dronedaron (p.o.) (Klasse III) weniger wirksam, aber auch weniger UAW


    Katheterablation

    • Indikation

      • Alternative Therapieoption bei Kontraindikationen für oder Wirkverlust von Antiarrhythmika

      • Primäre Therapieoption bei paroxysmalem AFib

    • Vorteile

      • Als Erstlinientherapie beim paroxysmalen AFib Antiarrhythmika überlegen

      • Keine Nebenwirkungen durch Antiarrhythmika

    • Nachteile

      • Invasivität, tiefe Analgosedierung notwendig

      • Eingriffsspezifische Risiken, u.a. Perikardtamponade, TIA bzw. ischämischer Schlaganfall, ösophageale Läsionen, Nervus-phrenicus-Parese, Nachblutungen, Aneurysma spurium

        • Sehr selten: Ösophagoatriale Fistel: Kurzschlussverbindung zwischen Herz und Speiseröhre durch thermale Läsionen

      • Insb. bei fortgeschrittenem atrialen Remodeling einmalige Ablation häufig nicht nachhaltig

Frequenz- vs. Rhythmuskontrolle - Vor- und Nachteile


Frequenzkontrolle

Rhythmuskontrolle

Vorteile

  • Medikamentös

    • Schneller Wirkeintritt

    • I.d.R. kaum Nebenwirkungen

    • Sichere Anwendung

  • Invasiv: In bestimmten Patientengruppen Verbesserung der LVEF

  • Ggf. positiver Einfluss auf strukturelle Langzeitveränderungen

  • Elektrisch: Schnellste Form der Kardioversion

  • Medikamentös: Keine Analgosedierung

  • Invasiv

    • Beim paroxysmalen AFib Antiarrhythmika überlegen

    • Prognostischer Benefit in bestimmten Patientengruppen

Nachteile

  • Kein Einfluss auf strukturelle Langzeitveränderungen

  • Medikamentös: Bradykardierisiko↑

  • Invasiv: Komplette Schrittmacherabhängigkeit

  • Thromboembolierisiko↑

  • Geringe Erfolgsaussichten bei fortgeschrittenem atrialen Remodeling oder inadäquater Upstream-Therapie

  • Einmalige Kardioversion häufig ohne langfristige Wirkung

  • Elektrisch/invasiv: Tiefe Analgosedierung, eingriffsspezifische Risiken

  • Medikamentös: Zahlreiche Medikamentennebenwirkungen


Typische SM

Einkammerschrittmacher/-modi

  • VVI-Schrittmacher/Modus = „Ventrikelbedarfsschrittmacher“

    • Indikation: Bei Vorhofflimmern mit langsamer Überleitung (Bradyarrhythmia absoluta)

    • Stimuliert dauerhaft den Ventrikel, außer nimmt Eigenaktivität im Ventrikel wahr.

    • Inhibiert Stimulation, wenn im Ventrikel was wahrnimmt die Stimulation des Ventrikels

  • AAI-Schrittmacher/Modus = „Vorhofbedarfsschrittmacher“

    • Indikation: Bei Sinusbradykardie mit intakter AV-Überleitung

    • Stimuliert dauerhaft den Vorhof, außer Eigenaktivität Sinusknoten kommt


Zweikammerschrittmacher/-modi

  • VAT-Schrittmacher/Modus

    • Indikation: Bei höhergradigen AV-Blockierungen (heute nur noch selten)

    • Funktionsweise: Stimuliert den Ventrikel, nachdem im Vorhof eine Aktivität registriert wurde

    • Nachteil: Da keine Eigenaktivität des rechten Ventrikels registriert wird, kann es passieren, dass die Stimulation des rechten Ventrikels in die vulnerable Phase des Arbeitsmyokards fällt, wodurch maligne Herzrhythmusstörungen ausgelöst werden können.

  • DDD-Schrittmacher/Modus

    • Erklärung: AV-sequenzieller Schrittmacher, ggf. mit Frequenzanpassung (mit R hinten dran)

    • Indikation

      • Bei höhergradigen AV-Blockierungen

      • Heutzutage wird i.d.R. ein DDDR-Schrittmacher verwendet, der zusätzlich über eine Frequenzadaptierung verfügt

    • Funktionsweise

      • Registriert die Eigenaktivität des rechten Vorhofs und rechten Ventrikels und kann beide stimulieren

      • Beispiel: Bei Eigenaktivität des rechten Vorhofs wird die Impulsabgabe im rechten Vorhof inhibiert. Bleibt im Ventrikel anschließend eine Eigenaktivität aus, wird eine Impulsabgabe für den rechten Ventrikel getriggert. Besteht jedoch im rechten Ventrikel Eigenaktivität, dann wird auch dort die Impulsabgabe inhibiert .



Am Beispiel eines VVI (indiziert bei Bradyarrhythmia absoluta) ergibt sich daraus diese Funktion (I→V→V): Die Impulsabgabe durch den Schrittmacher wird gehemmt (I=Inhibierung), wenn im Ventrikel (V) eine Eigenaktivität registriert wird. Es wird in diesem Fall also im Ventrikel (V) zu keiner Impulsabgabe kommen bzw. es kommt immer dann zu einer Impulsabgabe, wenn keine Eigenaktivität registriert wird.


Herztransplantation Indikation

  • Fortgeschrittener Herzinsuffizienz (NYHA III–IV) trotz optimaler medikamentöser, device-gestützter und ggf. chirurgischer Therapie .

  • Objektiv eingeschränkter kardiopulmonaler Belastbarkeit: VO₂max < 12–14 mL/kg/min in der Spiroergometrie .

  • Ausschöpfung sämtlicher anderer Behandlungsoptionen inklusive mechanischer Kreislaufunterstützung (z.B. LVAD) .

  • Gute extrakardiale Prognose ohne irreversible schwere Begleiterkrankung; Transplantationsprogramme akzeptieren i.d.R. Patient:innen bis 65–70 Jahre .

  • Emotionale Stabilität und nachvollziehbare Einsicht in die Therapieanforderungen .

  • Frühzeitige Vorstellung im Transplantationszentrum zur Beurteilung und ggf. Aufnahme auf die Warteliste (Eurotransplant-Kategorien T oder High Urgency (HU)) .

Absolute Kontraindikationen

  • Aktive Infektionen, v.a. mit Toxoplasmose, HIV, CMV oder Hepatitis .

  • Aktive oder metastasierende maligne Erkrankung .

  • Irreversible schwere Funktionsstörung anderer Organe: fortgeschrittene Lungenerkrankung (fixierte pulmonale Hypertonie), Nieren- oder Lebererkrankung .

  • Unzureichende Adhärenz oder unbehandelte psychiatrische Erkrankungen

  • Aktiver Nikotin-, Alkohol- oder Drogenabusus .

Relative Kontraindikationen

  • Kurativ behandelte Tumoren mit kurzer rezidivfreier Zeit, generalisierte Gefäßerkrankung, kontrollierte HIV-Infektion, systemische Erkrankungen in Remission .

Listung und Allokation

  • Eurotransplant-Listungssystem:

    • T-Status: transplantabel, aber hämodynamisch stabil.

    • HU-Status: kritisch krank, hämodynamisch instabil, Notfalltransplantation .

    • In Deutschland werden über 90% der Spenderherzen an HU-Patient:innen vergeben .


TVT / Phlebothrombose


Betroffenes Bein

  • Typische Trias (nur in 10% der Fälle): Schwellung, dumpfer Schmerz, Zyanose

  • Meyer-Zeichen: Wadenkompressionsschmerz

  • Homans-Zeichen: Wadenschmerz bei Dorsalextension des Fußes

  • Payr-Zeichen: Fußsohlenschmerz bei Druck auf mediale Fußsohle



Mobilisation ist nicht kontraindiziert. Das alte Dogma "Bettruhe bei TVT" ist überholt — unter laufender Antikoagulation ist frühe Mobilisation sicher und sogar empfohlen, weil sie die Schwellung reduziert und das Postthrombotische Syndrom (PTS) verhindert.

D-Dimer hat keinen Stellenwert bei hoher Vortestwahrscheinlichkeit. D-Dimer ist ein Ausschlusstest bei niedriger Wahrscheinlichkeit (Wells ≤ 0) — bei hohem Wells-Score direkt zur KUS, D-Dimer bringt dort nichts, weil es fast immer positiv ist und die Diagnose trotzdem bildgebend gesichert werden muss.


Thromboserisiko primärer Thrombophilien

Defekt

Prävalenz in Normalbevölkerung

Relatives Risiko für Erstereignis Thromboembolie (und für eine Rezidivthrombose )

APC-Resistenz (Faktor-V-Leiden-Mutation)

Heterozygotie: ca. 5%

Heterozygotie: ca. 8-fach (ca. 1,4-fach)

Homozygotie: <1%

Homozygotie: ca. 80-fach (ca. 4-fach)

Faktor-VIII-Erhöhung

ca. 5%

ca. 7-fach (gleich)

Prothrombin-Mutation

ca. 3%

Heterozygotie: ca. 3-fach (ca. 1,4-fach)

Homozygotie: ca. 50-fach

Protein S-Mangel

ca. 1%

ca. 8-fach (ca. 2,5-fach)

Protein C-Mangel

<1%

Antithrombin-Mangel

ca. 0,1%



Dauer der Thromboseprophylaxe

  • Bei operativen Eingriffen: Prinzipiell bis zur Mobilisation bzw. bei eingriffsspezifischer Empfehlung auch darüber hinaus

    • 7 Tage nach viszeralchirurgischen Eingriffen

    • 11–14 Tage nach Kniegelenkersatz

    • 4–5 Wochen nach Hüftgelenkersatz bzw. hüft- und beckennaher Frakturversorgung

    • Sonderfall: Bei Tumorpatient:innen über 4 Wochen fortführen


Medikamentöse Therapie bei COPD

Leitsubstanzen

  • SABA – Inhalative kurzwirksame β2-Sympathomimetika (β2-Agonisten): Salbutamol, Fenoterol

  • SAMA – Inhalative kurzwirksame Muskarinrezeptor-Antagonisten (Anticholinergika): Ipratropiumbromid

  • LABA – Inhalative langwirksame β2-Sympathomimetika (β2-Agonisten): Salmeterol, Formoterol, Indacaterol

  • LAMA – Inhalative langwirksame Muskarinrezeptor-Antagonisten (Anticholinergika): Tiotropiumbromid

  • ICS („Inhaled Corticosteroids“) – Inhalative Glucocorticoide: Budesonid, Fluticason, Beclometason

  • PDE-4-Hemmer: Roflumilast



Initialtherapie nach COPD-Einteilung in ABE-Gruppen (nach GOLD 2023)

A

  • Monotherapie mit einem Bronchodilatator (kurz- oder langwirksam)

    • I.d.R: LAMA oder LABA

B

  • LAMA + LABA

E

  • LAMA + LABA

    • Ggf. + ICS bei Asthma in der Vorgeschichte und/oder Eosinophilenzahlen von ≥300/μL



Chronische respiratorische Insuffizienz

Kurzbeschreibung

  • Entsteht häufig durch zunehmenden emphysematischen Umbau und Verlust der effektiven Diffusionsfläche in fortgeschrittenen Stadien der COPD

  • Dauerhafte hypoxämische (pO2 in Ruhe <60 mmHg) bis hyperkapnische respiratorische Insuffizienz (zusätzlich pCO2 >45 mmHg)


  • Langzeit-Sauerstofftherapie (LTOT)


    • Definition und Bedeutung: Sauerstofftherapie über mind. 16 Stunden täglich → Senkung der Mortalität

    • Indikation: Fortgeschrittene COPD mit schwerer respiratorischer Insuffizienz, dauerhaft pO2-Werte von <55 mmHg (trotz optimaler Medikation)

    • Voraussetzung: Adäquater Anstieg des pO2 unter Sauerstoffgabe und kein Anstieg des pCO2 über 60–70 mmHg (bzw. keine Hyperkapnie mit respiratorischer Azidose/Bewusstseinstrübung)

  • Heimbeatmung (NIV)

    • Es erfolgt eine nicht-invasive Beatmung (NIV) über Nacht, die eine Erholung der Atemmuskulatur erlaubt, damit auch tagsüber eine bessere respiratorische Funktion erzielt werden kann

  • Volumenreduzierende Verfahren

    • Prinzip

      • Mittels operativer oder endoskopischer Verfahren werden stark emphysematische Areale von der Ventilation ausgeschaltet

      • Ziel: Verringerung von Überblähung und Dyspnoe und Verbesserung der Lungenfunktion

    • Präinterventionelle Diagnostik: CT, Lungenfunktionsuntersuchung und ggf. Bronchoskopie

    • Verfahren

      • Operative Lungenvolumenresektion: Am ehesten bei Emphysem mit Betonung der Oberlappen und eingeschränkter Belastbarkeit, die FEV1 sollte noch oberhalb von 20–25% liegen. Die operative Sterblichkeit ist hoch, der Gewinn an Lebensqualität ist im Einzelfall schwer vorherzusehen

      • Endoskopische Lungenvolumenreduktion: Bronchoskopisches Verfahren mit Einsatz von Okklusions- oder Ventilsystemen in überblähte Lungenanteile, ahmt den Effekt einer operativen Volumenreduktion nach

      • Bullektomie: Operative Resektion von Bullae, die mehr als ⅓ eines Lungenflügels einnehmen und benachbartes funktionales Lungengewebe komprimieren, Option bei rezidivierenden schweren Hämoptysen bzw. schwer sanierbaren rezidivierenden Infekten in bullaetragenden Arealen

  • Lungentransplantation

    • Bedeutung: Als Ultima Ratio bei fortgeschrittener COPD mit Lungenemphysem und schwerster Diffusionsstörung

    • Indikationsstellung

      • Insb. Patient:innen <60 Jahren mit ansonsten guter Prognose

      • Weitere Indikationen und Voraussetzungen

        • Rauchabstinenz seit mind. 6 Monaten und(!) FEV1 <20–25%, DLCO <20%

        • Langzeit-Sauerstofftherapie oder Heimbeatmung

        • Pulmonale Hypertonie

        • Hyperkapnie mit pCO2 >50–55 mmHg oder progrediente Leistungsminderung

    • Kontraindikationen

      • Altersgrenze bei 60, max. 65 Jahren

      • Extrapulmonale Morbidität und schlechte Prognose (KHK, Leberzirrhose, fortgeschrittene chronische Nierenkrankheit, Adipositas)

Spätfolgen

  • Alveoläre Hypoventilation → Hypoxische pulmonale Vasokonstriktion (Euler-Liljestrand-Mechanismus) → Pulmonale Hypertonie → Cor pulmonale

  • Pulmonale Kachexie

  • Sekundärer Spontanpneumothorax durch Ruptur einer Bulla (insb. bei bullösem Emphysem)


Therapie bei KHK (Claude)

Die drei Therapiesäulen

  1. Lebensstil

    Rauchen stoppen · Bewegung · Gewicht · mediterrane Diät · Stressreduktion

  2. Medikamentös

    Prognoseverbesserung + Symptomkontrolle

  3. Revaskularisation

    PCI oder Bypass bei Indikation

    —> Kriterien zur Auswahl des Verfahrens

    • Komplexität der Koronarstenosen (Bestimmung bspw. über SYNTAX-Score)

    • Anzahl der betroffenen Gefäße

    • Individuelles Operationsrisiko (Bestimmung bspw. über Euroscore II)


Medikamente – Prognoseverbesserung (immer!)

  • bei Nachweis einer KHK:

    • Gesichert durch:

      • Koronarangiographie (Stenose >50% im Hauptstamm · >70% in anderen Gefäßen)

      • Kardio-CT (CCTA) mit signifikanter Stenose

      • Positiver Stresstest (Ischämienachweis)

      • Zustand nach MI oder PCI oder Bypass

      Noch nicht gesichert:

      • Nur erhöhter Kalksccore → Risikostratifikation, aber noch keine gesicherte KHK

      • Nur Risikofaktoren ohne Nachweis → Primärprävention, andere Zielwerte

Substanz

Warum

Ziel

ASS 100 mg/d

Thrombozytenhemmung → Plaqueruptur-Thrombose verhindern

Dauerhaft · bei Unverträglichkeit: Clopidogrel

Statin (hoch dosiert)

LDL-Senkung · Plaquestabilisierung · antiinflammatorisch

LDL <55 mg/dl (sehr hohes Risiko) · Atorvastatin 40–80 mg oder Rosuvastatin 20–40 mg

ACE-Hemmer / ARB

Endothelschutz · Nachlastsenkung · Remodeling-Hemmung

Bei EF <40% oder Hypertonie oder Diabetes obligat · sonst empfohlen

Betablocker

HF ↓ · O₂-Verbrauch ↓ · antiarrhythmisch · nach MI Mortalität ↓

Nach MI obligat · bei stabiler KHK + Angina


Medikamente – Symptomkontrolle (Angina)

Stufe 1: Betablocker ODER Kalziumantagonist (nicht-DHP)

+ Nitrat sublingual zur Bedarfsmedikation


Stufe 2: Kombination Betablocker + Kalziumantagonist (DHP)

+ Nitrat langwirksam


Stufe 3: Add-on Ivabradin oder Ranolazin oder Nicorandil bei unzureichender Symptomkontrolle


Stufe 4: Revaskularisation erwägen (PCI/Bypass)


Substanz

Mechanismus

Einsatz

Nitrate kurzwirksam (Nitroglycerin Spray)

Vasodilatation venös + koronar → Vor-/Nachlast ↓ → O₂-Bedarf ↓

Akuttherapie Angina-Anfall · sublingual · Wirkung nach 1–2 min

Nitrate langwirksam (ISDN, ISMN)

Gleich · Toleranzentwicklung → nitratfreies Intervall nötig (8–12h)

Angina-Prophylaxe · bei unzureichender Betablocker-Wirkung

Kalziumantagonisten (Amlodipin, Verapamil)

Vasodilatation koronar + peripher · Frequenzsenkung (Verapamil/Diltiazem)

Alternative zu Betablocker · Prinzmetal-Angina · Kombination möglich

Ivabradin

If-Kanal-Blockade → HF ↓ ohne Inotrop

Bei Sinusrhythmus + HF >70/min trotz Betablocker · oder Betablocker-Unverträglichkeit

Ranolazin

Late Na⁺-Kanal-Blockade → Ca²⁺-Überlast ↓ → Ischämietoleranz ↑

Refraktäre Angina · Add-on wenn andere Therapie unzureichend

Nicorandil

K⁺-Kanal-Öffner + Nitrateffekt → Koronardilatation

Alternative · besonders Vasospasmus


Risikofaktorbehandlung – obligat

Risikofaktor

Zielwert

Therapie

LDL-Cholesterin

<55 mg/dl (sehr hohes Risiko)

Statin hochdosiert · Ezetimib · PCSK9-Inhibitor

Blutdruck

<130/80 mmHg

ACE-Hemmer · ARB · Betablocker · Kalziumantagonist

HbA1c (Diabetes)

<7% individuell

Metformin · SGLT2-Hemmer (kardioprotektiv!) · GLP-1-RA

Nikotin

Stopp

Nikotinersatz · Vareniclin · Bupropion

Adipositas

BMI <25 · Bauchum. <94cm (M) / <80cm (F)

Diät · Bewegung · GLP-1-RA (Ozempic)


Sekundärprävention nach MI – dauerhaft

Substanz

Dauer

Ziel

ASS 100 mg

Dauerhaft

Thrombozytenhemmung

P2Y12-Hemmer (Ticagrelor/Clopidogrel)

12 Monate (DAPT)

Stentthrombose verhindern

Statin hochdosiert

Dauerhaft

LDL <55 mg/dl

Betablocker

Mindestens 1–3 Jahre · oft dauerhaft

Mortalität ↓ · Remodeling ↓

ACE-Hemmer / ARB

Dauerhaft bei EF <40%

Remodeling ↓ · Mortalität ↓

MRA (Eplerenon)

Bei EF <35% + Herzinsuffizienz

Mortalität ↓ (EPHESUS-Studie)

SGLT2-Hemmer

Bei Herzinsuffizienz nach MI

Hospitalisierung ↓ · kardiovaskulärer Tod ↓


STEMI

Angina-pectoris-Symptomatik mit signifikanten ST-Hebungen in mind. 2 benachbarten Ableitungen

  • bei LSB und Vd.a. STEMI: Sgarbossa Kriterien


STEMI – Akutvorgehen

Prähospital

  • 12-Kanal-EKG → ST-Hebung ≥1 mm in ≥2 zusammenhängenden Ableitungen

  • Aspirin 300 mg p.o. sofort / 250mg i.v.

  • Ticagrelor 180 mg oder Prasugrel 60 mg loading dose (wenn STEMI sicher im EKG identifiziert), Cangrelor wenn i.v. Gabe notwendig ist

  • Heparin i.v. (5.000 IE Bolus)

  • Nitroglycerin s.l. bei Angina (KI: Hypotonie, RV-Infarkt)

  • O₂ nur bei SpO₂ <90%

  • Katheterlabor voranmelden → PCI innerhalb von 120min!

  • supportiv: ß-Blocker (Metoprolol 2,5–10 mg langsam i.v.) bei systolischem Blutdruck >120 mmHg und ohne Hinweis auf akute Herzinsuffizienz und Statine eruieren

Aufnahme / Katheterlabor

  • Venöser Zugang · Monitoring · Defibrillator bereit

  • Koronarangiographie sofort

  • Culprit-Lesion identifizieren → PCI + Stent (DES)

  • GP-IIb/IIIa-Inhibitor (Tirofiban) bei großem Thrombus erwägen

  • Keine Lyse wenn PCI verfügbar

Wenn PCI nicht möglich (<120 min)

  • Lyse: Tenecteplase (TNK) i.v. gewichtsadaptiert

  • Danach Transfer in PCI-Zentrum (Rescue-PCI bei Lysis-Versagen)

Nach PCI – stationär

  • DAPT: ASS + Ticagrelor für 12 Monate

  • Betablocker · ACE-Hemmer (binnen 24h) · Statin hochdosiert

  • Echokardiographie → EF bestimmen

  • Monitoring 24–48h (Arrhythmien, Reinfarkt)

  • Bei EF <35% nach 3 Monaten → ICD erwägen

Komplikationen im Blick behalten

  • Kardiogener Schock → Noradrenalin + Dobutamin · IABP/Impella erwägen

  • VF/VT → Defibrillation

  • AV-Block (inferiorer MI) → Atropin · temporärer Schrittmacher

  • Perikarditis (Dressler-Syndrom) → Tage später · ASS · Ibuprofen




Author

Max K.

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