Vier A’s nach Bleuler
Konzept zur Beschreibung der Grundsymptome der Schizophrenie
Assoziationslockerung
Affektverflachung
Ambivalenz
Autismus (Verlust der Beziehung zur Realität)
Kontraindikationen der Liquorpunktion
erhöhtem intrakraniellem Druck (ggf. Ausschluss mittels cCT oder cMRT)
fehlende Einwilligungsfähigkeit
Schwangerschaft (Risiko: vorzeitige Weheninduktion)
Entzündungen im Bereich der Einstichstelle
Blutungsneigung:
Thrombozytopenie (<10.000/μL absolute KI -> Thrombozytensubstitution vor LP; <50.000/μL (relative KI -> Thrombozytensubstitution vor LP erwägen)
INR > 1,8
Quick-Wert < 50%
Allgemeine Wahnkriterien nach Jaspers
Gewissheit
Unkorrigierbarkeit
Inhalte sind objektiv falsch
BDI-II
Selbstbeurteilungsskala mit 21 Items
Cut-Off-Werte
<14: Klinisch unauffällig (in Remission)
14–19: Leichte depressive Symptomatik
20–28: Mittelgradige depressive Symptomatik
≥29: Schwere depressive Symptomatik
WURS-k
Wender Utah Rating Scale
Testpsychologisches Verfahren in der ADHS-Diagnostik
Selbstrating zur retrospektiven Beurteilung der Symptome in der Kindheit
Zeitaufwand: I.d.R. 10–30 min
Taktile Halluzination vs Zoenaesthesien
Taktile Halluzinationen: Das Gefühl, angefasst zu werden (z.B. von einer anderen Person, obwohl niemand im Raum ist)
Zoenästhesien: Störungen des Leibempfindens (z.B. dass das Gehirn wie in einer Kapsel sei oder Würmer unter der Haut entlang kriechen)
Katalepsie
starres Beibehalten einer unnatürlichen Körperhaltung
Flexibilitas cerea (Körperteile können gegen geringen Widerstand in Position gebracht werden, die über längeren Zeitraum gehalten wird)
Sinnestäuschungen
Halluzinationen (akustische, optische, olfaktorische, Körperhalluzinationen)
Illusionäre Verkennungen
Pareidolien: Sinnestäuschungen, die in tatsächlich Vorhandenes Zusätzliches hineinsehen (z.B. Wolken am Himmel als Gesichter interpretieren)
Hypnagoge Halluzinationen: Optische oder akustische Halluzinationen, die im Halbschlaf auftreten
Serotonerges Syndrom - Auslöser
Antidepressiva: Alle SSRI und SSNRI (Duloxetin, Venlafaxin…), Trizyklika insbes. Clomipramin, MAO-Hemmer: Trancylpromin und Moclobemid
Drogen: Kokain, Ecstasy/MDMA
Husten- und Erkältungsmedikamente: Dextromethorphan, Chlorphenamin
Opioide: Fentanyl, Methadon, Pethidin, Tramadol, Tapentadol
Weitere MAO-Inhibitoren: Selegilin (>10 mg/d), Isoniazid, Linezolid
Weitere : L-Dopa, Lithium, L-Tryptophan
Medikamenteninteraktionen: Zwischen serotonerg wirksamen Substraten und Inhibitoren des Cytochrom-P450-Systems (für Informationen zu Substraten und Inhibitoren siehe: CYP1A2, CYP2D6, CYP3A4, CYP2C)
Wahninhalte bei Depression
Verarmungswahn
Schuldwahn
(Beziehungswahn)
hypohondrischer Wahn
nihilistischer Wahn
—> i.d.R. synthym
Valproinsäure als Phasenprophylaxe
Angestrebter Serumspiegel: 70–100 μg/ml
bei rapid cycling vor Lithium empfohlen
kann in manischer Episode bereits eindosiert werden
Depot-Antipsychotika
Wirkstoff
Depotname
Dosis
Aripiprazol
Abilify
Olanzapin
Zypadhera
Paliperidon
Xeplion
Alkohol-Entzug
Serotonerges Syndrom - DD
Infektiös
Meningitis
Enzephalitis
Sepsis
Neuropsychiatrisch
Delir
Alkoholentzugssyndrom oder Benzodiazepinentzugssyndrom
Absetzphänomene von Antidepressiva
Anticholinerges Syndrom
Perniziöse Katatonie
Malignes neuroleptisches Syndrom
Maligne Hyperthermie als Folge einer Anästhesie
Drogenintoxikation
Serotonerges Syndrom - Symptome
Psychopathologische Auffälligkeiten
Psychomotorische Unruhe, Akathisie, Angst
Verwirrtheit und Desorientiertheit
Bewusstseinsveränderungen bis hin zum Koma, delirantes Bild
Neuromuskuläre Hyperaktivität
Tremor
Myoklonien, Kloni , Hyperreflexie , Trismus, Ataxie
Muskuläre Rigidität
Autonome Instabilität
Mydriasis
Hypertonie bis hin zum instabilen Blutdruck, Tachykardie, Hyperthermie, Hyperhidrosis
Diarrhö, Übelkeit und Erbrechen
Cannabis-Entzug
Formen der Unterbringung
Lithium- Spiegelbereiche
Rezidivprophylaxe (Phasenprophylaxe): 0,5–0,8 mmol/L
Akutphase (antimanische Wirkung): 0,9–1,2 mmol/L
Augmentation: 0,4–0,8 mmol/L
⚡️
> 1,3 mmol/L Intoxikationserscheinungen
> 3,0 mmol/L Lebensgefahr
Diagnosekriterien einer Alkoholabhängigkeit (F10.2, Abhängigkeitssyndrom)
ICD-10: 6 Diagnosekriterien der Substanz-/Alkoholabhängigkeit, die in ICD-11 zu 3 Kriterienpaaren zusammengefasst sind:
1. Substanzverlangen (Craving) & Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren
2. körperliches Entzugssyndrom & Toleranzentwicklung gegenüber der Substanz
3. Vernachlässigung anderer Aktivitäten zugunsten des Konsums & anhaltender Substanzgebrauch trotz nachweislich schädlicher Folgen
Die Diagnose einer Alkoholabhängigkeit wird gestellt, wenn innerhalb der vergangenen 12 Monate mindestens 3 der genannten 6 Kriterien gleichzeitig vorlagen.
Alkoholwirkung in Abhängigkeit der Promillekonzentration
Dosisabhängige biphasische Wirkung -> zunächst euphorisierend, zunehmend sedierend
Wirkt an verschiedenen Transmittern, unterschiedliche Modulation je nach Menge, dopaminerge und GABA-erge Einflüsse im Vordergrund
Leicht (ca. 0,5–1,5‰): Stimulierende Wirkungen stehen im Vordergrund
Gesteigerter Antrieb, Euphorisierung (Enthemmung, Rededrang), mangelnde Kritikfähigkeit
Hautrötung
Tachykardie
Gang- und Standunsicherheit
Mittelschwer (ca. 1,5–2,5‰): Übergang von stimulierender zu zunehmend sedierender Wirkung
Benommenheit, evtl. amnestische Lücken
Übelkeit und Erbrechen
Zunahme der Gangunsicherheit und lallender Sprache
Einschränkung des Sehens und der Schalllokalisation
Erhebliche Reduktion von Aufmerksamkeit und Reaktion
Ausgeprägte Enthemmung
Schwer (ab ca. 2,5‰): Sedierende Wirkung mit starken Bewusstseinsstörungen
Illusionäre Verkennung
Schwere Dysarthrie, Schwindel, Ataxie
Vegetative Störungen mit
Hypothermie
Übergang ins alkoholische Koma mit
Stark eingeschränktem Bewusstsein
Erloschenen Schutzreflexen
Atemdepression
Bis zum Tod durch Atemdepression und Kreislaufversagen („asphyktisches Stadium“)
Tödliche Komplikationen akuter Alkoholintoxikation
Atemdepression (dämpfende Wirkung auf das Atemzentrum, die Gefahr ist bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten mit zentralnervöser Dämpfung erhöht)
Aspiration von Erbrochenem und damit u.a. die Gefahr eines Erstickungstodes (Verlust der Schutzreflexe)
Hypothermie bis hin zum Kältetod (erhöhter Wärmeverlust durch Erweiterung der Blutgefäße bei gleichzeitig beeinträchtigter Wahrnehmung)
Hypoglykämie(besonders bei Personen mit Diabetes oder längeren Fastenperioden)
Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand (bspw. bedingt durch Elektrolytstörungen durch vermehrte Ausscheidung von Elektrolyten)
Labordiagnostik bei chronischem Alkoholabusus
Leberschäden: γGT↑, Transaminasen↑ (ALT↑, AST↑)
Zeigt Enzyminduktion in der Leber durch regelmäßigen Alkoholkonsum
Aber: Auch andere Noxen/Medikamente können Enzyminduktion bewirken → Begrenzte Spezifität
Erhöhung i.d.R. erst bei größeren Parenchymschäden
CDT (Carbohydrate deficient Transferrin, Desialotransferrin)
CDT↑: Ab Alkoholkonsum von 50 g/Tag über mind. 1–2 Wochen [13]
CDT-Werte bleiben nach Abstinenz ca. 2–3 Wochenerhöht
Malnutrition und Knochenmarksschädigung
MCV↑ Anämie (Hb↓), Thrombozytopenie
Folsäure↓, Vitamin B12↓ (Cobalamin), Vitamin B1↓ (Thiamin), Vitamin B6↓ (Pyridoxin), Vitamin D↓, Vitamin K↓
Ethylglucuronid↑ (EtG) in Haarproben
Phosphatidylethanol↑ (PEth) im Blut
Therapieoptionen bei Alkoholabhängigkeit
Früh- und Kurzinterventionen
Körperliche Entgiftung
Qualifizierte Entzugsbehandlung
Entwöhnung (Postakutbehandlung)
Wiedereingliederung in den Alltag im Anschluss an eine Entwöhnungsbehandlung
Nachbetreuung und Selbsthilfe
Symptome des Alkoholentzugs + Ursache
Körper an die dämpfende Funktion des Alkohols gewöhnt und reagiert mit einer Gegenregulation, die jedoch bei einem plötzlichen Entzug des Alkohols nicht schnell genug beendet werden kann
Hypertonie, Tachykardie, Schwitzen, Tremor, Konzentrationsstörungen und psychomotorische Unruhe
Herzrhythmusstörungen, hypertensive Entgleisung, Rhabdomyolyse) bis hin zum mit einer hohen Letalität einhergehenden Alkoholentzugsdelir kommen
Red Flags für organische depressive Störung
Zusammen mit den depressiven Symptomen aufgetretene somatische Veränderungen (bspw. neues fokalneurologisches Defizit)
Starke kognitive Defizite
Psychotische Symptome
Vorbestehende somatische Erkrankung
Fehlen eines ätiologischen Hinweises, bspw. psychosozialer Belastung
Mögliche Ursachen, u.a.
Neoplasien, z.B. Hirntumor
Suboptimal eingestellte (Temporallappen‑)Epilepsie
Hypothyreose
Nebennierenrindenstörung
Anämie
Wahn
Subjektive, lebensbeeinträchtigende, nicht korrigierbare Überzeugthiet, die im Widerspruch zur Realität und zur Überzeugung der Mitmenschen steht
Demenz
Symptome müssen seit 6 Mo vorliegen
Normaldruckhydrozephalus
Hakim-Trias: Gangstörung mit breitbasigem und kleinschrittigem Gangbild, Demenz und Harninkontinenz; chronisch progredienter Verlauf
50% idiopathisch
TH: Liquorshunt
Alzheimer-Demenz - Bildgebung
cMRT ist Goldstandard
Atrophie der temporoparietalen Hirnareale, insbes. hippokampale Strukturen
später auch frontale Hirnareale mitbetroffen
Vaskuläre Demenz - Bildgebung
ischämische Marklagerveränderungen (subkortikal)
kortikale Läsionen
ggf. Atrophie
-> Fehlen vaskulärer Veränderungen schließt vaskuläre Demenz klar aus
Histopatho bei Alzheimer-Demenz
Amyloidablagerungen
neurofibrilläre Degenerationen
Verlust der kortikalen Synapsendichte -> Diskonnektionssyndrom
-> Veränderungen sind typisch aber nicht spezifisch!
Lewy-Body-Demenz
K: fluktuierende Vigilanzstörung, visuelle (oft szenische) Halluzinationen, Parkinson-Syndrom + Überempfindlichkeit auf Antipsychotika; beeinträchtige posturale Reflexe -> dadurch bedingte Sturzneigung; REM-Schlafstörungen
D: DaT-SPECT-Untersuchung
Intraneurale Einschlusskörperchen (=Lewy-Körperchen) als Zeichen des Neuronenverlusts in Substantia nigra (-> Parkinsonoid) und im Neokortex (-> kognitive Defizite)
TH: Off-Label Donepezil (AChE-Inhibitor) gegen die Verwirrtheitszustände, die dopaminerge Therapie ist i.d.R. nur mäßig wirksam und wird dadurch limitiert, dass sich ein Wahn verstärken kann
Ggf. niedrigdosiertes L-Dopa
Widmark-Formel
Zur Bestimmung Promille im Blut
Promille-Wert im Blut = konsumierte Alkoholmenge (g) - Resorptionsdefizit (10-20%) / Körpergewicht x Reduktionsfaktor (m: 0,7, w: 0,6)
CAGE-Test
Cut down
Annoyed
Guilty
Eye Opener
Medikamentöse Rückfallprophylaxe
Anti-Craving Wirkung
Acamprosat: Modulation der glutamatergen Transmission
Naltrexon: Opioidrezeptorantagonist
Indikationen für stationäre Behandlung eines Patienten mit Alkoholrausch
Bewusstlosigkeit
Erregungszustand
Auftreten Krampfanfall
V.a. SHT
Lebensgefährlicher Promillewert (>3,5 Promille)
Behandlung Erregungszustand:
Antipsychotikum, z.B. Haloperidol
⚡️Benzodiazepine kontraindiziert, verstärken über GABAa-Agonismus Wirkung!
Wernicke-Enzephalopathie
Trias: Ataxie, Bewusstseinsstörung + Augenmuskellähmung
Thiaminmangel
Patho: Petechiale Einblutungen in Corpora mammillaria, Thalamus, Hypothalamus und Höhlengrau rund ums Aquädukt
Th: mit Thiamin ⚡️hohe Letalität
Prinzipien Benzodiazepin-Entzug
Entzugssymptome: Angst, Schlafstörungen, Albträume, Tachykardie, Schwitzen, Zittern, Krampfneigung, psychotische Symptome
Schrittweise Reduktion: anfangs wöchentliche 30-50% der Ausgangsdosis, dann langsamere Reduktion (10-20%) entsprechend des Befindens des Pat., ggf. auf Tropfen wechseln zur noch genaueren Dosierung
Schizophrenie-Symptome nach Eugen Bleuler
Grundsymptome (4 As):
Assoziation gestört
Affektivität gestört
Autismus
Akzessorische Symptome:
Halluzinationen
Wahnideen
Gedächtnisstörungen
Störungen der Person
Störungen der Sprache und der Schrift
Schizophrenie-Symptome nach Schneider
1. Ranges:
Gedankenlautwerden
Kommentierende und dialogisierende akustische Halluzinationen
Leibliche und andere Beeinflussungserlebnisse mit dem Gefühl des “Gemachten”
Gedankenentzug
Gedankenausbreitung
Gedankeneingebung
Wahnwahrnehmung
2. Ranges:
Wahneinfälle
Ratlosigkeit
Störungen der Affektivität u.a.
Katatonie
komplexes neuropsychiatrisches Syndrom bestehend aus psychomotorischen und affektiven Störungen sowie Verhaltensstörungen
Bei einer Katatonie kann es zu einem Raptus kommen, d.h. einem abrupten Wechsel von psychomotorischen Hypophänomenen zu einem Zustand ausgeprägter psychomotorischer Erregung, der mit impulsiver und unkontrollierbarer Aggression einhergehen kann!
DD: Malignes neuroleptisches Syndrom
Epidemiologische Facts Schizophrenie
Suizidrate 5-10%
Delikrate ist im Vergleich zur altersentsprechenden Allgemeinbevölkerung nicht erhöht!
Lebenszeitrisiko 1%, Prävalenzrate 1%, weltweit in etwa gleich hoch
90% erkranken vor 30. LJ, zweiter Erkrankungsgipfel bei Frauen postmenopausal
10 Jahre verkürzte Lebenserwartung -> Suizid, Komorbiditäten (v.a. DM und Adipositas, Rauchen)
10-20% nur ein Krankheitsschub, Merzahl episodisches Erkranken, 20-30% progredienter/chronischer Krankheitsverlauf
Ohne Rezidivprophylaxe im 1. Jahr 80%iges Rückfallsrisiko, mit antipyschotischem Schutz nur 20%
Schizophrenie - Ätiologie
multfaktorielles Geschehen, Stress-Vulnerabilitäts-Modell
Neurobiologisch: Dopamin-Hyperaktivität im mesolimbischen System (-> produktive Symptome) + Hypoaktivität im Frontalhirn (-> Negativsymptomatik)
4 Entwicklungsstadien der Alkoholerkrankung
Präalkoholische Phase
Prodromalphase
Kritische Phase
Chronische Phase
Schizophrenie - günstige Faktoren bei Erstmanifestation
Akuter Beginn
Kurze Dauer
Vorhandensein ausgeprägter affektiver Symptome
Gutes prämorbides Funktionsniveau
Keine psychiatrische Krankheitsgeschichte
Keine Schizophrenie in der Familie
Dauer medikamentöse Rezidivprophylaxe bei Schizophrenie
Erstmanifestation/lange symptomfreie Intervalle: 1-2 Jahre
2-3 Rezidiv oder ein Rezidiv innerhalb eines Jahres: 3-5 Jahre
Häufig rez. Episoden mit Fremd-/Eigengefährdung: zeitlich unbegrenzt
lebensbedrohliche Katatonie mit Stupor, Hyperthermie, Entgleisungen des Elektrolythaushalts
TH: Antipsychotische Medikation, frühzeitig EKT einleiten
Unipolare Depression - Haupt- und Zusatzsymptome
müssen mind. 2 Wochen bestehen, (Hypo)manische Phasen und organische psychische Störung (F0)/Missbrauch (F1) ausgeschlossen
Hauptsymptome:
Gedrückte Stimmung
Freud- oder Interessenverlust an Aktivitäten, die normalerweise angenehm waren
Verminderter Antrieb oder gesteigerte Ermüdbarkeit
Zusatzsymptome:
Verlust des Selbstvertrauens oder des Selbstwertgefühls
Unbegründete Selbstvorwürfe oder ausgeprägte, unangemessene Schuldgefühle
Wiederkehrende Gedanken an Tod oder Suizid oder suizidales Verhalten
Klagen über oder Nachweis eines verminderten Denk- oder Konzentrationsvermögens, Unschlüssigkeit oder Unentschlossenheit
Psychomotorische Hemmung oder Agitiertheit (subjektiv oder objektiv)
Schlafstörungen jeder Art
Appetitverlust oder gesteigerter Appetit mit entsprechender Gewichtsveränderung
“Vier Schafe auf der Heid” (SSSSADH
Schweregradeinteilung Unipolare Depression
Leichte depressive Episode (F32.0): Alle Kriterien von A, mind. 2 Kriterien von B und 1–3 Kriterien von C erfüllt
F32.00: Ohne somatisches Syndrom
F32.01: Mit somatischem Syndrom
Mittelgradige depressive Episode (F32.1): Alle Kriterien von A, mind. 2 Kriterien von B und 3–5 Kriterien von C erfüllt
F32.10: Ohne somatisches Syndrom
F32.11: Mit somatischem Syndrom
Schwere depressive Episode (F32.2): Alle Kriterien von A, alle 3 Kriterien von B und mind. 5 Kriterien von C erfüllt
Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (F32.3, wahnhafte Depression): Kriterien einer schweren depressiven Episode und Kriterium D (psychotische Symptome) erfüllt
F32.30: Mit synthymen psychotischen Symptomen (bspw. synthymer Wahn) [3]
F32.31: Mit parathymen psychotischen Symptomen (bspw. parathymer Wahn)
Depression - Epidemiologische Facts
3-4% sterben durch Suizid ⚡️hohe Mortalität, weitaus mehr verüben Selbsttötungsversuch
75% verlaufen episodenhaft, 10% erkranken nur einmal, ~15% verläuft chronisch
EKT - Indikationen
Durchbrechung Perniziöser Katatonie (wenn Antipsychotika nicht wirksam)
therapieresistente Unipolare Depression, insbes. bei Älteren, die Medikamente nicht so gut vertragen
Indikationen stationäre Aufnahme bei schwerer Depression
Suizidalität
Depression m. psychotischen Merkmalen
Ausgeprägte Antriebshemmung oder Agitiertheit
Mangelnde häusliche Unterstützung bei Alleinleben/Überforderung der Angehörigen
Keine Möglichkeit einer ambulant fachärztlichen Versorgung
Aus der Vorgeschichte bekannter schwerer Verlauf oder Suizidalität
Übersicht F-Diagnosen ICD 10
F0-9: Organische psychische Störungen
F0-F3: Demenzen (F0=Alzheimer-Demenz)
F05: Delir
F10-19: Substanzmissbrauch
F10: Psychische und Verlhaltensstörungen durch Alkohol, F11: Opioide, F12: Cannabinoide, F13: Sedativa, F14: Kokain, F15: andere Stimulanzien (+Koffein), F16: Halluzinogene, F17: Tabak, F18: Flüchtige Lösungsmittel, F19: polytox
F20-29: Wahnhafte Störungen
F20: Schizophrenie
F25: Schizoaffektive Störung
F 30-39: Affektive Störungen
F30: Manie (.0 Hypomanie, .1 ohne psychotische Symotime, .2 mit psychotischen Symptomen
F31: Bipolare affektive Störung
F32: Unipolare Depression
F33: Rezidivierende Depressive Störung
F34: Zyklothymie
F40-49: Angsterkrankungen- und Belastungsreaktionen
F40: Phobische Störungen
F41: Andere Angststörungen
F42: Zwangsstörung
43: Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen
F50-59: Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren (Ess- und Schlafstörungen)
F53.0 Schwere depressive Episode im Wochenbett
F60-69: Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
Narkolepsie
neurologische Erkrankung mit gestörter Schlaf-Wach-Regulation durch einen Untergang Orexin-produzierender Neurone im Hypothalamus
K: schon in der Kindheit eine schwere Tagesschläfrigkeit, häufig begleitet von sog. Kataplexien -> plötzlicher Muskeltonusverlust; REM-Schlaf-assoziierte Symptome wie Schlaflähmungen, automatisches Handeln und hypnagoge Halluzinationen auftreten
D: Polysomnografie mit multiplem Schlaflatenztest (MSLT), Nachweis bestimmter HLA-Typen und eine quantitative Orexinbestimmung im Liquor
TH: Schlafhygiene, bei Tagesschläfrigkeit Modafinil, bei Kataplexien Natrium-Oxybat sowie Antidepressiva
Persönlichkeitsstörungen nach ICD 10 (F60)
Paranoide
Schizoide
Dissoziale
Emotional instabile
impulsiver Typ
Borderline-Typ
Histrionische
Anankastische (zwanghafte)
Ängstliche (vermeidende)
Abhängige (dependente)
Nach ICD-11 Wegkommen von Kategorien und Einteilung an Cluster je nach Symptombefund (Kategorien: Selbstfunktion + Interpersonelle Funktion) und -schweregrad; Zudem neues Zeitkriterium: ≥2 Jahre
Wichtig: Diagnose nur bei starkem Leidensdruck!
Allgemeine Diagnostische Kriterien Persönlichkeitsstörung nach ICD-10
1
Abweichung innerer Erfahrungs- und Verhaltensmuster von kulturell erwarteten und akzeptierten „Normen“ in mind. 1 der folgenden Bereiche:
Kognition
Affektivität
Impulskontrolle und Bedürfnisbefriedigung
Zwischenmenschliche Beziehungen
2
Das aus der Abweichung resultierende Verhalten ist in vielen Situationen unflexibel, unangepasst oder unzweckmäßig
3
Subjektiver Leidensdruck und/oder nachteiliger Einfluss auf die soziale Umwelt
4
Abweichung hat im späten Kindesalter oder der Adoleszenz begonnen und ist lang andauernd (zeitlich stabil)
5
Die Abweichung kann nicht durch andere psychische Störungen des Erwachsenenalters erklärt werden
6
Ausschluss einer organischen Ursache
Big-Five-Modell bei Persönlichkeit
Extraversion
Verträglichkeit
Gewissenhaftigkeit
Neurotizismus
Offenheit
Standardisierte Interviews zur Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen
SKID-II (Strukturiertes Klinisches Interview für DSM-IV)
Zweiteilig: Screeningfragebogen und Interview zur Vertiefung der bejahten Screening-Items
Zeitaufwand: I.d.R. 45–65 min
IPDE (International Personality Disorder Examination)
Diagnostik nach ICD-10
Zeitaufwand: I.d.R. 45 min
Spezielle psychotherapeutische Behandlungskonzepte bei Borderline
Verhaltenstherapie nach Linehan (DBT)
psychoanalytisches Konzept nach Kernberg (Transference-focused-Psychotherapy, TFP)
Voraussetzung: Eigenmotivation des Patienten
Zunächst akute Probleme (Suizidalität, Aggressivität)
Aufbau therapeutische Beziehung + Therapieplanung
Verbesserung sozialer Kompetenzen
Bearbeiten dysfunktionaler Denk- und Verhaltensmuster
Austesten neuer Denk- und Verhaltensstrategien im sozialen Umfeld
Autismus-Spektrum-Störung (Tiefgreifende Entwicklungsstörungen, F84)
nach ICD-10 Einteilung in Frühkindlichen Autismus (Kanner), Asperger-Autismus + atypischen Autismus
Mit der ICD-11 erfolgt der Wechsel zu einem dimensionalen Spektrum-Ansatz -> ASS, Einteilung entfällt
Klinik:
Trias der qualitativen Beeinträchtigungen
Beeinträchtigung bei der sozialen Interaktion
Beeinträchtigung bei der Kommunikation
Repetitive, stereotype Interessen und Verhaltensmuster
Weitere Charakteristika
Beginn aller tiefgreifenden Entwicklungsstörungen in der Kindheit
Entwicklungsverzögerung oder -auffälligkeit (insb. von Funktionen, die mit der ZNS-Reifung korrelieren)
Verhalten typischerweise nicht(!) dem jeweils vorliegenden Intelligenzquotienten entsprechend
Konstanter Verlauf
Ätiologie: Neurobiologische Ursachen (genetische Faktoren, strukturelle Hirnveränderungen), Röteln in Schwangerschaft als RF diskutiert
Tic
Unwillkürliche, wiederholte, nichtrhythmische motorische Bewegungen umschriebener Muskelgruppen oder Lautäußerungen
EPMS
Frühdyskinesien: Innerhalb der 1. Behandlungswoche
Krampfartiges Herausstrecken der Zunge
Zungen- und Schlundkrämpfe bis hin zur laryngealen Dystonie
Trismus
Hyperkinesen der Gesichtsmuskulatur
TH: Biperiden, initial 1-2mg p.o. 1-0-1
Akathisie: Innerhalb der 1.-7. Behandlungswoche
ausgeprägte psychomotorische Bewegungsunruhe im Sitzenund/oder im Stehen
mit Suizidalität assoziiert!
Parkinsonoid: 1.-10. Behandlungswoche
Rigor, Tremor
Brady- bis Akinese, Hypo- bis Amimie
Kleinschrittiges Gangbild und Gangunsicherheit
Gebeugte Körperhaltung
Einschränkungen der Feinmotorik
Tardive Dyskinesien: Frühestens nach 3 Behandlungsmonaten, Auftreten auch nach mehreren Jahren möglich
Unwillkürliche, stereotype und choreatiforme Bewegungen der Zungen-, Mund-, Gesichts- und distalen Muskulatur usw.
Mahlende oder mümmelnde Kaubewegungen
Schluckautomatismen
Schmatzen und Grimassieren
⚡️potenziell irreversibel
TH Negativsymptomatik bei Schizophrenie
atypische AP, insbes. Amisulprid oder Olanzapin, ggf. mit AD (SSRI, Mirtazapin) zusammen
bei Therapieresistenz: Clozapin
Augmentationstherapie bei unipolarer Depression
Atypische Antipsychotika, v.a. Quetiapin oder (als Off-Label Use) Risperidon, Olanzapin oder Aripiprazol
Lithium
Gute Evidenzlage
Trias aus vegetativer Symptomatik (Hyperthermie >38°, Hyperhidrose, Tachykardie), neurologischer Symptomatik (EPMS, Rigor, Tremor) sowie Bewusstseinsstörungen
RF typische AP, hohe Dosis, genetische Vorbelastung, vorbestehende zerebrale Störungen…
FALTER – Fieber (Hyperthermie), Autonome Instabilität, Leukozytose, Tremor, Erhöhte Enzyme(CK, Transaminasen), Rigor; CK als Verlaufskontrolle
letaler psychiatrischer Notfall!
TH: frühzeitiges Absetzen/Wechsel der antipsychotischen Medikation erwägen! je nach Stadium Biperiden, Benzodiazepine, ggf. intensivmedizinische Versorgung notwendig
EKT - relative Kontraindikationen
Es bestehen keine absoluten Kontraindikationen! Auch keine Schwangerschaft, Herzschrittmacher, fehlende Einwilligungsfähigkeit
Deutlich erhöhtes Komplikationsrisiko bei Allgemeinanästhesie
Erhöhter intrazerebraler Druck
Zerebrale Gefäßveränderungen (bspw. Aneurysmen, Angiome)
Frischer Myokardinfarkt/Schlaganfall (<3 Monate)
Schwerer arterieller Hypertonus
Intrazerebrale Raumforderung mit Begleitödem
Akuter Glaukomanfall
Thrombose der Bein- oder Beckenvenen
Frische Fraktur
rTMS
Indikationen, u.a.
Therapieresistente Depression
Schizophrenie
Andauernde akustische Halluzinationen
Persistierende Negativsymptome
Vorgehen
Einsatz repetitiver, kurzer, starker Magnetimpulse
Applikation über Spule direkt an Kopfoberfläche
Ansteuerung gezielter Kortexareale möglich, bspw.
Depression: Präfrontaler Kortex links
Akustische Halluzinationen: Temporallappen links
Frequenzabhängige Modulation kortikaler Erregbarkeit
Niederfrequente rTMS (i.d.R. ≤1 Hz): Reduktion
Hochfrequente rTMS (i.d.R. >5 Hz): Erhöhung
Stimulation i.d.R. 5×/Woche, über 2–6 Wochen
Gesetzliche Betreuung
nach §1814 BGB
Zuständiges Gericht: Betreuungsgericht
Anregung möglich durch: Die Betroffenen selbst oder Dritte (bspw. Angehörige, Bekannte)
Voraussetzungen für die Einrichtung einer gesetzlichen Betreuung
Volljährigkeit des zu Betreuenden
Maßnahme erfolgt nicht gegen den freien Willen des zu Betreuenden
Vorliegen einer Krankheit oder Behinderung, durch die einzelne oder alle persönlichen Angelegenheiten nicht selbst besorgt werden können
Angelegenheiten können nicht durch andere Hilfen erledigt werden (Erforderlichkeitsgrundsatz)
max. für 7 Jahre Anordnung
Sonderfall: Ehegattenvertretungsrecht für 6 Monate nach §1358 BGB
Zwangsmaßnahmen
Mögliche rechtliche Grundlage
Öffentlich-rechtliche Landesgesetze
Betreuungsrecht
Rechtfertigender Notstand:
Rechtsgrundlage, die ärztliches Handeln in Notfallsituationen gegen den Willen des Patienten legitimiert. Der §34 des Strafgesetzbuches besagt, dass derjenige nicht rechtswidrig handelt, wer zur Abwendung einer unmittelbar drohenden Gefahr die mildesten zur Verfügung stehenden Mittel einsetzt. Zudem muss eine Verhältnismäßigkeit der Notstandshandlung gegeben sein, d.h. die abzuwendende Gefahr muss die Interessen des Patienten überwiegen.
Unterbringung
nach öffentlich-rechtlichen Landesgesetzen
in BaWü PsychKG
Amtsgericht zuständig
bei Eigen- und Fremdgefährdung
bis zu ca. 6 Wo, Verlängerung nach Ablauf der initial richterlich bestätigten Dauer nach entsprechendem ärztlichem Attest und erneuter richterlicher Anhörung möglich
Betreuungsrechtliche Unterbringung
nur bei Eigengefährdung mit mangelnder Einsicht
nach § 1831 BGB, betreut durch Betreuungsgesetz
bis zu 2 Jahre möglich
Nach dem Strafrecht
Liegt Schuldunfähigkeit nach § 20 StGB vor, so hat das Gericht von einer Strafe abzusehen. Bei einer verminderten Schuldfähigkeit nach § 21 StGB kann die Strafe gemildert werden. Besteht die Gefahr einer Deliktwiederholung, so kann das Gericht in beiden Fällen eine psychiatrische Behandlung in einem Maßregelvollzug veranlassen
Unterbringung im Maßregelvollzug
Ziele bei einer Unterbringung im Maßregelvollzug sind immer Sicherung und Besserung. Es muss zwischen folgenden Unterbringungsformen unterschieden werden:
Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus (§ 63 StGB) -> Die Voraussetzungen für die §§ 20 oder 21 StGB sind erfüllt, Die psychische Störung ist nicht nur vorübergehend, Es besteht die begründete Gefahr für rechtswidrige Taten in der nahen Zukunft, Die stattgefundene Tat und die zu erwartenden Taten sind erheblich und stellen eine Gefährdung der Allgemeinheit dar
Unterbringung in einer Entziehungsanstalt (§ 64 StGB) -> Delikt fand im Rahmen einer Substanzkonsumstörung statt
Einstweilige Unterbringung (§ 126a StPO) -> wenn V.a. Notwendigkeit einer Unterbringung anch §63 oder 64 besteht
§66 StGB: Sicherungsverwahrung -> dient dem Schutz der öffentlichen Sicherheit vor besonders gefährlichen Straftätern sowie der Besserung des Täters. Sie erfolgt im Anschluss an die Freiheitsstrafe.
Geschäftsfähigkeit
nach §104 BGB
Aufhebung, wenn ein die freie Willensbildung ausschließender Zustand krankhafter Störung der Geistesfähigkeit vorliegt
Prävention serotonerges Syndrom
Möglichst keine Kombination serotonerg wirksamer Substanzen
Überprüfen der Medikation auf CYP-Interaktionen
Halbwertszeiten der serotonerg wirksamen Medikamente beachten
Irreversible MAO-Hemmer (Tranylcypromin) müssen mind. 2 Wochen vor Gabe eines SSRI/SSNRI und vor geplanten Operationen abgesetzt werden
Fluoxetin muss mind. 5 Wochen, andere SSRI oder SSNRI mind. 5 HWZ vor Gabe eines MAO-Hemmersabgesetzt werden
Kontraindiziert Kombination von MAO-Hemmern und serotonerg wirksamen Antidepressiva
Absetzsymptome bei Antidepressiva
FINISH – Flu Symptoms, Insomnia, Nausea, Imbalance, Sensory Disturbances, Hyperarousal
Behandlungsphasen der Unipolaren Depression
Akuttherapie
Ziele
Deutliche Symptomlinderung bzw. Remission
Mortalität (durch Suizid) reduzieren
Soziale und berufliche Teilhabe wiederherstellen
Dauer: I.d.R. 6–12 Wochen
Erhaltungstherapie
Ziel: Reduktion des Rückfallrisiko durch Fortführung der Akuttherapie
Dauer
Pharmakotherapie: Über 6–12 Monate [3]
Psychotherapie: Individuell angepasste Dauer
Rezidivprophylaxe
Ziel: Langfristige Verhinderung weiterer depressiver Episoden durch Fortführung der Erhaltungstherapie
Längerfristige Pharmakotherapie: Wenn in den vergangenen 5 Jahren ≥2 depressive Episoden mit bedeutsamen funktionellen Einschränkungen bestanden
Fortführung der Erhaltungstherapie über mind. 2 Jahre
Vergleichbare Wirksamkeit, aber 2. Wahl: Rezidivprophylaxe mit Lithium (Monotherapie)
Längerfristige Psychotherapie: U.a. sinnvoll
Bei hohem Rezidivrisiko (bspw. aufgrund persistierender Fertigkeitendefizite, anhaltender Belastungssituation)
Als Alternative zu pharmakologischer Rezidivprophylaxe
Rapid Cycling
Schwerwiegende Form der bipolaren Störung mit mind. 4 Phasenwechseln innerhalb eines Jahres(Manien/Hypomanien und/oder Depressionen bzw. gemischte Episoden) [10]
Ultra rapid Cycling: Mind. 4 Phasenwechsel innerhalb eines Monats
TH: Medikamentöse Therapie
Wirksamkeit belegt für: Lamotrigin, weniger gut für Quetiapin und Olanzapin, eingeschränkt für Valproat
Ggf. Kombinationsbehandlung (zunehmendes Interaktionspotenzial beachten!)
Dauer: Jeweiliger Therapieversuch über mind. 2 Monate, bei Lamotrigin deutlich länger
Vermeidung eines Antidepressivums!
Nicht-medikamentöse Therapie
Ggf. Psychotherapie
Bei ausbleibendem Erfolg aller anderer Therapieverfahren: Ggf. EKT
Medikamentöse Akuttherapie einer manischen Episode
Euphorische Manie:
Lithium 1. Wahl (initial ca. 12 mmol/d p.o. verteilt auf 1–2 Gaben mit der Hauptdosis abends; Dosissteigerung nach einigen Tagen auf 18–36 mmol/d je nach Alter) -> Spiegelbereich 0,9-1,2 mmol/L angestrebt ⚡️cave: bei älteren Menschen nicht >0,6 mmol/L
Dysphorische und psychotische Manie:
AP 1. Wahl:
Aripiprazol, Asenapin, Haloperidol (nur bei akuten psychomotorischen Erregungszuständen), Olanzapin, Quetiapin, Risperidon, Ziprasidon
Dosierungen siehe AP
Valproat p.o. 2. Wahl (initial 750 mg/d verteilt auf 1–2 Einzelgaben; schnelle Aufdosierung möglich; niedrigste effektive Dosis anstreben; tägliche Maximaldosis: 2.000 mg/d)
Carbamazepin nur Off-Label in Einzelfällen
Besonderheiten Bipolare Störung
eine der höchsten Heritabilitäten unter den psychiatrischen Erkrankungen (ca. 80%)
Zur Reduktion von Zwangsmaßnahmen sollte zusammen mit den Patient:innen eine schriftliche Behandlungsvereinbarung getroffen werden!
Klassische Antipsychotika sollten bei der Behandlung eines manischen Syndroms möglichst vermieden oder nur kurzzeitig verwendet werden. Eine längerfristige Behandlung sollte immer mit einem atypischen Antipsychotikum erfolgen!
Betroffene mit bipolaren Störungen entwickeln unter Antipsychotika-Gabe häufiger extrapyramidal-motorische Störungen!
ITP (Interpersonelle Psychotherapie)
Bei Depression guter Effekt nachgewiesen
Gliederung in drei Phasen:
Eine erste Phase (1. – 4. Therapiesitzung), in der Sie die Patientin über die Erkrankung ausführlich informieren, sie bei der Symptombewältigung (z. B. Schlafstörungen, Antriebslosigkeit) unterstützen und mit ihr einen Problembereich identifizieren, der unmittelbar mit der Entwicklung der Depression in Zusammenhang gebracht wird (hier die Übernahme der Verantwortung für eine Geschäftsfiliale [Rollenwechsel!]).
In der mittleren Phase (5. – 12. Sitzung) bearbeiten Sie mit der Patientin diesen Problembereich, wobei Sie mit ihr klären, ob Schwierigkeiten in der Führung des neuen Personals bei gleichzeitigem Überforderungsgefühl durch die Doppelrolle als Geschäftsfrau und Mutter zentrale Problemfelder darstellen könnten. Unter Zuhilfenahme weiterer Therapieelemente wie Rollenspiele und Paargespräche erarbeiten Sie mit der Patientin u. a. alternative Verhaltensmöglichkeiten im Umgang mit dem Personal und Möglichkeiten der Schaffung von Freiräumen für die Familie.
In der letzten Phase (13. – 18. Sitzung) übt die Patientin das Erlernte, indem sie einen Arbeitsversuch (zunächst 1 Woche 2 Stunden täglich, dann 4 Stunden) beginnt
Expositionsbehandlung bei Spezifischer Phobie
gestufte Konfrontation (nach Stärke der Angst, die durch Stimuli hevorgerufen wird, priorisiert)
Habituation: Exposition bis es zu einer deutlichen Verringerung der Angst kommt, dann wird der nächste Stimulus gewählt
Bei häufiger Ohnmacht (z.B. bei Spritzenphobie): Verhinderung der vasovagalen Reaktion durch Anspannen der Oberschenkelmuskulatur (applied tension)
Charakteristika einer Panikattacke nach ICD-10
1. Einzelne Episode von intensiver Angst oder Unbehagen
2. Abrupter Beginn der Attacke
3. Attacke erreicht innerhalb weniger Minuten ein Maximum und dauert mindestens einige Minuten
4. Mindestens vier Symptome der folgenden Liste müssen während der Attacke vorhanden sein, davon mindestens ein vegetatives Symptom (a – d):
a) Palpitationen, Herzklopfen oder erhöhte Herzfrequenz
b) Schweißausbrüche
c) Tremor
d) Mundtrockenheit
e) Atembeschwerden
f) Beklemmungsgefühl
g) Thoraxschmerzen oder Missempfindungen
h) Übelkeit
i) Schwindel- und Benommenheitsgefühl
j) Derealisations- oder Depersonalisationserleben
k) Angst vor Kontrollverlust, verrückt zu werden oder „auszuflippen“
l) Angst zu sterben
m) Hitzegefühl oder Kälteschauer
n) Gefühllosigkeit oder Kribbelgefühle
Angststörungen in ICD-10 und 11
F41.0 Panikstörung
F41.1 Generalisierte Angststörung
Phobische Störungen mit den wichtigsten Formen:
(Agoraphobie -> F 40.2)
F40.1 Soziale Phobie (ICD-11: Soziale Angststörung)
F 40.2 Spezifische / isolierte Phobien
F 41.2 Angst und Depression, gemischt
In die ICD-11 wurde zusätzlich die Trennungsangst-Störung im Erwachsenenalter aufgenommen.
Epidemiologische facts zu Angst- und Panikstörungen
Mit einer Lebenszeitprävalenz von 15 % und einer Punktprävalenz von 7 % gehören Angststörungen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen überhaupt. Die Agoraphobie hat eine Häufigkeit von 5 %, die Panikstörung tritt bei etwa 2 % der Normalbevölkerung auf.
Die Panikstörung mit Agoraphobie manifestiert sich zumeist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Der Spontanverlauf ist ausgesprochen ungünstig; ohne Behandlung kommt es lediglich in etwa 20 % der Fälle zu einer Rückbildung der Symptomatik, meistens kommt es unbehandelt zu einem chronischen Verlauf.
Angsterkrankungen sind sehr gut zu behandeln. Verfahren der Wahl bei der Panikstörung und Agoraphobie ist die Verhaltenstherapie, die eine 60–80-prozentige Erfolgsrate aufweist. Aber auch die Pharmakotherapie mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern, z. B. Sertralin, ist in bis zu 80 % der Fälle von Panikstörungen wirksam. Benzodiazepine (z. B. Lorazepam oder Diazepam) dürfen wegen der Gefahr der Entwicklung einer Abhängigkeit nur kurzfristig gegeben werden.
Verhaltensanalyse in der Verhaltenstherapie
SORK-Schema:
Stimulus
Organismusvariable
Reaktion
kognitive
emotionale
motorische
physiologische
Konsequenzen des Verhaltens
Techniken zum Durchbrechen des Teufelskreis bei KVT
Kognitive Techniken wie das Infragestellen automatischer Gedanken. Typisch sind Katastrophisierungsgedanken: Herzrasen ist der sichere Vorbote für ein unmittelbar bevorstehendes Herzversagen
Formen der körperlichen Erregungskontrolle wie Entspannungs- und Atemübungen
Abbau einer verstärkten Selbstbeobachtung, die sonst durch sog. checking behavior wie z. B. Puls fühlen zur Verstärkung der Symptome führen kann
Richtung der Aufmerksamkeit nach außen.
Manie-Kriterien
Die Stimmung ist vorwiegend gehoben, expansiv oder gereizt und für die betroffene Person deutlich abnorm
Dieser Stimmungswechsel muss dominieren
Dauer: ≥1 Woche
Außerdem mind. 3 der folgenden:
ALI erlebt ständig große Abenteuer und riskiert Lues
Antrieb gesteigert
Logorrhöisch
Ideenflucht
enthemmt
Schlaf
Größenideen
Ablenkbarkeit
Risikoverhalten
Libido gestört
Depression und Kardiologie
1/5 nach MI Kriterien für depressive Episode
Depression als RF für KHK und für das Versterben an einem kardiovaskulären Ereignis
Sertralin gerade beste Datenlage für AD
TZA machen Erregungsleitungsstörungen
Noradrenerg-wirksame und MAO machen Blutdruck hoch
Demenz - Schweregradeinteilung anhand MMST
leicht: 20 bis 26 Punkte
mittelschwer: 10 bis 19 Punkte
schwer: 0 bis 9 Punkte
Übersicht Demenzen
Demenz bei Alzheimer-Krankheit: Hier finden sich meist keine wesentlichen körperlichen und psychischen (Vor-)Erkrankungen, der Verlauf ist schleichend und langsam progredient. Überdies sind die kognitiven Defizite (Gedächtnisstörung, Orientierungsstörung, Störung der Urteilsfähigkeit) relativ gleichmäßig verteilt.
Vaskuläre Demenz: Hier finden sich typischerweise vaskuläre Risikofaktoren wie z. B. Blutdruckerhöhung, Nikotinabusus, Hypercholesterinämie, Adipositas oder Diabetes mellitus, eine Vorgeschichte zerebraler Infarkte und eine im Verlauf oft stufenweise Verschlechterung. Bei der Untersuchung fallen in der Regel fokale neurologische Defizite sowie eine ungleiche Verteilung kognitiver Defizite auf, z. B. ein umschriebenes neuropsychologisches Symptom entsprechend derSeite 74 vaskulären Läsionsstelle. Sowohl bei der vaskulären Demenz als auch bei der Demenz bei Alzheimer-Krankheit bleibt die Primärpersönlichkeit relativ lange erhalten.
Frontotemporale Demenz („Pick-Komplex“): Verhaltensstörungen und Persönlichkeitsveränderungen gehen typischerweise den Gedächtnisstörungen voran. Klinisch zeigt sich bei den frontalen Demenzen entweder eine Apathie bis zur völligen Antriebslosigkeit oder eine Desinhibition mit ausgeprägter Störung der Urteilsfindung, Witzelsucht, Äußerung sexueller Anzüglichkeiten und / oder einer Vergröberung der Essenssitten (mit der Hand essen, aus dem Glas fremder Personen trinken, o. Ä.).
Demenz bei Lewy-Körperchen-Erkrankung: Hier finden sich eine demenzielle Entwicklung innerhalb eines Jahres im Zusammenhang mit der Ausbildung von Parkinson-Symptomen sowie eine typische Klinik mit fluktuierenden kognitiven Defiziten, optischen Halluzinationen, wiederholten Stürzen und einer Überempfindlichkeit gegenüber Antipsychotika.
Demenz im Rahmen anderer neurologischer Erkrankungen: Hier finden sich spezifische Hinweise für eine neurologische Erkrankung in der Anamnese bzw. der neurologischen Untersuchung. Beispiele sind die Chorea Huntington (positive Familienanamnese, früh optische Halluzinationen, choreatische Bewegungsstörungen), die Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung (schneller Verlauf, Kleinhirnsymptome, Krampfanfälle, Myoklonien) und Normaldruck-Hydrozephalus (Trias aus Demenz, ataktischem Gangbild und Dranginkontinenz).
Demenzielle Syndrome bei internistischen Erkrankungen: z. B. chronische zerebrale Hypoxie bei Herzinsuffizienz oder Anämie, paraneoplastische Syndrome (z. B. limbische Enzephalitis), Autoimmunerkrankungen, Leber- und Nierenversagen, Endokrinopathien (z. B. Schilddrüsenerkrankungen), Hypovitaminosen und progressive Paralyse (Lues).
Das deutsche Betreuungsrecht ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) in den Paragrafen §§ 1814 bis 1881 geregelt. Es dient der rechtlichen Unterstützung volljähriger Personen, die ihre Angelegenheiten aufgrund einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung nicht mehr selbst regeln können.
Die wichtigsten Prinzipien im Überblick
Vorrang der Selbstbestimmung: Eine Betreuung wird nur angeordnet, wenn sie zwingend erforderlich ist und keine anderen Hilfen (wie z. B. Vorsorgevollmachten) ausreichen. Gegen den freien Willen einer volljährigen Person darf kein Betreuer bestellt werden.
Wunschprinzip: Die Wünsche und Vorstellungen der betreuten Person stehen im Mittelpunkt der Betreuung. Der Betreuer muss diese mit dem Betreuten besprechen und grundsätzlich umsetzen, es sei denn, dies ist unzumutbar oder gefährdet das Leben/Vermögen des Betreuten.
Aufgabenkreise: Betreuer erhalten vom Betreuungsgericht klar definierte Aufgabenbereiche (z. B. Gesundheitsvorsorge, Vermögenssorge, Wohnungsangelegenheiten). Sie handeln nur in diesen zugewiesenen Bereichen als gesetzliche Vertreter
Eigene Vorsorge vs. Gesetzliche Betreuung
Das Betreuungsrecht greift ein, wenn keine private Vorsorge getroffen wurde. Um zu verhindern, dass das Gericht fremde Personen als Betreuer auswählt, können Bürger:innen im Vorfeld selbst bestimmen, wer die Betreuung übernehmen soll:
Mit einer Vorsorgevollmacht bevollmächtigen Sie eine Person Ihres Vertrauens, Ihre Angelegenheiten zu regeln. Dies ist der sicherste Weg, eine gesetzliche Betreuung durch das Gericht zu vermeiden.
In einer Betreuungsverfügung können Sie dem Gericht vorab konkrete Wünsche mitteilen, wen Sie als Betreuer bevorzugen oder ablehnen.
Epidemiologien postpartaler psychischer Störungen
Am häufigsten ist der sogenannte Babyblues: Etwa 50–70 % aller Mütter sind um den 3. – 5. Tag nach der Entbindung davon betroffen. Rund 10–15 % der Mütter entwickeln in den ersten Monaten nach der Geburt eine länger anhaltende postpartale Depression (PPD). Die postpartale Psychose tritt sehr selten auf und betrifft ca. 1–2 von 1.000 Frauen. Symptome einer (meist vorübergehenden) posttraumatischen Belastungsstörung treten bei 10 % der Frauen nach der Geburt auf. Zwangsstörungen treten selten auf, jedoch leiden ca. 25 % der Frauen mit einer postpartalen Depression an Zwangssymptomen.
Behandlung postpartale Depression
analog zur Depressionsbehandlung, multimodaler Ansatz
SSRI, gibt umfangreiche Erfahrungen in der Stillzeit, auf embryotox.de nachlesen
Supportive PT, nach Entaktualisierung Evaluation ob auch weiterführende PT von Nutzen sein kann
Förderung des Interaktionsverhaltens von Mutter und Kind
Soziale Unterstützung, z.B. durch Familienhebamme, Haushaltshilfe, mehr Einbindung Angehöriger + Vater
MNS - Leitsymptome
EPMS, v.a. schwerer Rigor
Vegetative Störungen, v.a. hohes Fieber, Tachykardien, RR-Veränderungen, vermehrtes Schwitzen und Exsikkose
Fluktuierende Bewusstseinsänderungen bis zum Koma
Labor: Erhöhung CK, seltener Leukozytose und Anstieg Leberenzyme, ggf. Rhabdomyolyse mit Myoglobinurie -> Nierenversagen
MNS - TH
Antipsychotikum sofort absetzen
ggf. vorübergehende Sedierung mit Benzodiazepinen
intensivmedizinische Überwachung mit kardiovaskulärem Monitoring, Flüssigkeitszufuhr, Thromboseprophylaxe
ggf. Bromocriptin -> Dopaminagonist
bei sehr starkem Rigor ggf. Dantrolen -> Muskelrelaxanz, um Muskelzerstörung + Hyperthermie zu durchbrechen
Benzodiazepin - Entzug
Reduktion auf 50 % der Ausgangsdosis relativ zügig innerhalb von wenigen Tagen.
Anschließend deutlich langsamere Reduktion um maximal ¼ der vorherigen Dosis alle sechs bis acht Tage.
Die letzten Reduktionsschritte müssen evtl. noch langsamer (ggf. über mehrere Wochen) durchgeführt werden.
Alternativ kann Bromazepam auf eine Äquivalenzdosis von Oxazepam umgesetzt werden. Oxazepam verfügt über eine kürzere Halbwertszeit (4–15 h) und muss daher mehrmals täglich gegeben werden, ist aber dadurch in der Anwendung besser steuerbar
Primäre Insomnie (ICD-10)/ Insomnische Störung (ICD-11)
Typisch sind Schwierigkeiten bei der Einleitung, Dauer, Vertiefung oder Qualität des Schlafs, die zu Beeinträchtigungen wie Tagesmüdigkeit oder Leistungseinbußen führen.
Typisch sind damit die von der Patientin beklagten Ein- und Durchschlafstörungen mit Früherwachen und Klagen über einen nicht erholsamen Schlaf mit entsprechender Tagesschläfrigkeit und kognitiven Einbußen.
Während die ICD-10 fordert, dass die Schlafstörungen mindestens dreimal pro Woche während mindestens eines Monats aufgetreten sein müssen, unterscheidet die ICD-11 eine chronische insomnische Störung, wie sie bei unserer Patientin vorliegt, bei der die Symptome mindestens mehrmals pro Woche für mindestens 3 Monate aufgetreten sein müssen, und eine kurzzeitige Form, bei der die Symptome weniger als 3 Monate andauern.
Progressive Muskelrelaxation (PMR)
Bei der progressiven Muskelrelaxation (PMR) werden die Teilnehmer angewiesen, nacheinander verschiedene Körperpartien (Hände, Arme, Gesichtsmuskulatur etc.) zunächst fest anzuspannen und danach maximal zu entspannen. Wenn sie damit willkürliche Muskelentspannung erlernt haben, wird Entspannung mit einem konditionierten Stimulus (z. B. einem bestimmten Begriff, einer bestimmten Vorstellung) gekoppelt, sodass sich die Teilnehmer im Idealfall, wenn sie das ganze Übungsprogramm absolviert haben, beim Einsatz dieses Stimulus sofort entspannen können.
Therapieresistenz bei Antidepressiva
Von Therapieresistenz spricht man, wenn mindestens zwei Antidepressiva in ausreichender Dosierung und für einen Zeitraum von je mindestens 4–6 Wochen ohne Erfolg eingesetzt wurden.
Bei Nichtansprechen auf ein ausreichend dosiertes Antidepressivum sollte spätestens nach 4 Wochen der Plasmaspiegel des Medikaments bestimmt werden, da zu niedrige Plasmaspiegel eine Therapieresistenz bedingen können.
Mögliche medikamentöse Maßnahmen:
Erhöhung der Dosis auf die Maximaldosis (sinnvoll bei trizyklischen Antidepressiva, Venlafaxin und MAO-Hemmern, nicht bei SSRIs)
Wechsel auf ein anderes Antidepressivum mit anderem Wirkprinzip (nur eingeschränkt empfohlen)
Kombination zweier Antidepressiva mit unterschiedlichen Wirkprofilen (nachgewiesen für Kombination SSRI und Mirtazapin)
Kombination eines Antidepressivums mit Lithium („Augmentierung“)
Kombination eines Antidepressivums mit Schilddrüsenhormonen („Augmentierung“)
Gabe des irreversiblen MAO-Hemmers Tranylcypromin
Kokain-Wirkung
Kokain wird in den meisten Fällen geschnupft, das billige Kokain-Derivat Crack wird geraucht. Crack ist eine Mischung aus Kokainhydrochlorid und Natriumbikarbonat. Kokain und Stimulanzien haben ein hohes Abhängigkeitspotenzial mit relativ rascher Entwicklung einer Toleranz. Amphetamine sind Wiederaufnahmehemmer der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin, setzen diese zusätzlich aber auch direkt in den synaptischen Spalt frei. In der akuten Intoxikation kommt es zu Glücksgefühlen (Rush), die durch einen höheren Grad an Wachheit, Euphorie und Wohlbefinden, eine Unterdrückung von Hunger und Ermüdungsgefühl, eine Leistungs- und Antriebssteigerung, Reizabschirmung und eine Verstärkung des sexuellen Erlebens gekennzeichnet sind. Dieser Rush hält bei Kokain meist nur für Minuten an, bei nasaler Applikation auch länger. Amphetamine haben eine längere Wirkdauer von 6–8 h.
Ecstasy-Wirkung
= MDMA
Ecstasy führt neben der amphetaminähnlichen Stimulation zu einer Induktion angenehmer emotionaler Zustände mit Entspannung, Angstfreiheit und Glücksgefühlen.Seite 140 Des Weiteren kann es zu einer Tachykardie oder Bradykardie, Pupillendilatation, Blutdruckveränderungen, Schwitzen oder Frösteln, Übelkeit, Gewichtsverlust, psychomotorischen Störungen, Muskelschwäche, Herzrhythmusstörung und Krampfanfällen kommen. Bei einem Entzugssyndrom kommt es meist zu dysphorischer Stimmung, aber auch Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Appetitsteigerung und Unruhe.
LSD-Wirkung
Die halluzinogene Wirkung von LSD wird über eine Aktivierung zentraler serotonerger 5-HT2- und 5-HT1-Rezeptoren vermittelt. Es kommt zu psychodelischen Wirkungen, wie Pseudohalluzinationen und Intensivierung der Wahrnehmungsinhalte. Bei einer Pseudohalluzination merkt die Person, dass es sich nicht um eine reale Wahrnehmung handelt. Ein solcher Trip dauert ca. 6–8 h und kann in seiner Endphase („Herunterkommen“) zu Depressionen führen. Auf dem Höhepunkt eines Rauschs kann es besonders bei Unerfahrenen zu einem sog. Horrortrip mit paranoider Angst, intensiv erlebter Depersonalisation und extremen Wahrnehmungsstörungen kommen, die Grund für suizidale und fremdaggressive Handlungen sein können.
CALM-Modell zum Umgang mit aggressiven Patienten
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Gemeine Symptome der Angststörungen nach ICD-10
Vegetativ
Palpitationen, Herzrasen (EKG: Sinustachykardie, ansonsten meist unauffälliger Befund)
Schwitzen, Schweißausbrüche
Mundtrockenheit
Thorakal/Abdominell
Atemnot
Beklemmungsgefühl, Erstickungsgefühl
Brustschmerzen
Übelkeit
Psychisch
Schwindel, Benommenheit, Unsicherheit
Derealisation, Depersonalisation
Angst vor Kontrollverlust oder davor „verrückt“ zu werden
Angst zu sterben
Allgemeine Symptome
Hitzewallung, Kältegefühl
Gefühllosigkeit oder Parästhesien
Panikattacken nach ICD-10
Eine Panikattacke hat alle folgenden Charakteristika
Einzelne Episode von intensiver Angst oder Unbehagen
Abrupter Beginn
Sie erreicht innerhalb weniger min ein Maximum und dauert mind. einige min
Vorliegen von mind. 4 Symptomen der gemeinen Symptome der Angststörungen (s. oben), davon mind. 1 vegetatives Symptom
Diagnostisches Vorgehen bei Delir
Vitalparameter, insbes. Fieber (DD Infekt)
Körperliche Untersuchung, insbes. Herz und Lunge, ausführliche Neurologische Untersuchung
Notfall-Laborentnahme mit kl. BB, Elektrolyte, Blutzucker, Nierenretentionsparameter, CRP
ggf. cCT (insbesondere bei Seitendifferenz in Neurologie)
PPB erheben
Delir - Ätiologie
besonders häufig beobachtet bei zerebraler Vorschädigung, bei neurochirurgischen Eingriffen und nach OPs am offenen Herzen
Hirneigene Ursachen:
neurodegenerative Erkrankungen
andere hirnorganische Prozesse (z.B. Raumforderung, zerebrale Ischämie, SHT
Systemische Ursachen:
Hyper- und Hypoglykämien
Elektrolytentgleisungen
Endokrinologische Störungen, z.B. Hyper- und Hypothyreose
Herzinfarkt, Schock
Malnutrition
Harnverhalt
Exsikkose
schwere Infektionen/Inflammation (z.B. Sepsis)
Exogen-toxische Ursachen:
Entzug
Intoxikation
UAW, insbes. bei GC, Fluorchinolone, anticholinerge Substanzen (anticholinerges Delir), z.B. TZA, Antihistaminika, Parkinson-Medikamente, Antipsychotika, oder serotonerge Substanzen (serotonerges Syndrom)
Organische psychische Störungen
Primär: durch intrazerebrale Erkrankungen oder Verletzungen
Sekundär: durch extrazerebrale Erkrankungen hervorgerufen, die zu Hirnfunktionsstörungen führen
Störungen 1. Ranges: Verdachtsdiagnose kann aufgrund klinischer Symptomatik gestellt werden
Demenzielles Syndrom
Organisches amnestisches Syndrom
Delir / Verwirrtheitszustand
Störungen 2. Ranges: können klinisch nicht von anderen “nichtorganischen” psychischen Störungen abgegrenzt werden
Aufbau KVT bei Zwangsstörung
Aufbau von Motivation
Zielanalyse
ausführliche Verhaltensanalyse mit Selbstbeobachtungsprotokollen
graduierte Konfrontationsbehandlung mit Expositionstraining mit Reaktionsmanagement
gestufte Konfrontation
Abwarten/Verbleib in der Situation bis Angst und Anspannung abfallen
Habituation
Liquorbiomarker der Alzheimer-Krankheit
Gesamt-Tau-Protein↑
Phospho-Tau-Protein (pTau)↑
β-Amyloid-Proteine Aβ42↓
Messung von Quotienten empfohlen [1]
Aβ42/Aβ40↓
Aβ42/Gesamt-Tau↓
Aβ42/pTau↓
Vergleich 3 Haupttypen der ASS
Merkmal
Frühkindlicher Autismus (Kanner)
Atypischer Autismus
Asperger-Syndrom
Beginn
Meist ab Geburt, immer < 2 Jahre
≥ 2 Jahre (oder später)
Frühe Kindheit, aber unauffällige Entwicklung bis 3. Lebensjahr
Betroffene Funktionsbereiche
Alle 3 Kernbereiche: soziale Interaktion, Kommunikation, stereotypeVerhaltensmuster
Nur 2 der 3 Kernbereiche betroffen
Alle 3 Kernbereiche betroffen, v. a. soziale Interaktion
Sprachentwicklung
Deutlich verzögert oder gestört (bis kein Spracherwerb bei ~ 50 %)
Häufig Sprachstörung
Keine Verzögerung, oft gehobener Sprachstil
Intelligenz
Häufig (Intelligenzminderung bei ~ 80 %)
Meist niedrig oder stark gestört
Normal bis hoch
Soziale Interaktion
Stark eingeschränkt, Rückzugstendenzen
Variabel, oft eingeschränkt
Deutlich beeinträchtigt, aber Kontaktsuche möglich
Kognitive Merkmale
Schwache abstrakte Fähigkeiten, stereotype Interessen
Entsprechend Grundstörung
Auffällige Sonderinteressen, manchmal Inselbegabungen
Prognose
Lebenslange Beeinträchtigung, Hilfeabhängigkeit häufig
Entspricht oft frühkindlichem Verlauf
Günstiger Verlauf, soziale Anpassung mit Therapie möglich
Zuletzt geändertvor 14 Stunden