Gesundheitskonzepte
In den 1960er-Jahren wurde das Risikofaktorenmodell zum Leitbild der Gesundheitsversorgung. Erläutern Sie die zentralen Annahmen des Risikofaktorenmodells.
Die Ursachen für Volkskrankheiten werden v.a. in individuellen biopsychischen Parametern und Verhaltensweisen gesehen. Erkrankungen können daher durch individuelle Verhaltensänderungen vermieden bzw. durch eine frühzeitige Diagnose (Krankheitsfrüherkennung) rechtzeitig behandelt werden. Psychische, soziale und umweltbezogene Faktoren von Erkrankungen werden wenig oder gar nicht beachtet.
Eine allgemein gültige, anerkannte wissenschaftliche Definition von Gesundheit gibt es nicht. In der (Fach-)Öffentlichkeit wird oft die Definition der WHO von 1946 zitiert. Wie lautet diese?
Gesundheit ist ein Zustand vollkommen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen.
Das Kohärenzgefühl mit seinen drei Teilkomponenten Verstehbarkeit, Bewältigbarkeit und Bedeutsamkeit ist der zentrale Begriff des Salutogenese-Modells von Antonovsky.
a) Erläutern Sie den Begriff „Kohärenzgefühl“.
b) Erklären Sie, was unter dem Begriff „Bewältigbarkeit“ zu verstehen ist.
Lösung a): Antonovsky zufolge wird der Gesundheits- und Krankheitszustand eines Menschen wesentlich durch seine psychologische Grundhaltung gegenüber der Welt und dem eigenen Leben bestimmt. Kohärenz bezeichnet eine Haltung gegenüber der Welt, die durch ein „durchdringendes, überdauerndes und dennoch dynamisches Gefühl des Vertrauens“ (Antonovsky 1997: 36) gekennzeichnet ist.
Lösung b): Bewältigbarkeit (auch als Handhabbarkeit bezeichnet): bezieht sich auf die Überzeugung eines Menschen, dass Anforderungen lösbar sind, weil er über die geeigneten Ressourcen verfügt oder sich im entscheidenden Moment andere Menschen helfend einbringen werden. Ein hohes Maß an Bewältigbarkeit hat zur Folge, dass man sich nicht in der Opferrolle sieht und auch beim Erleben unangenehmer Dinge (z. B. Krankheiten) damit umgehen kann und sich neu orientiert, anstatt längere Zeit zu trauern, mit dem eigenen Schicksal zu hadern oder sich dauerhaft benachteiligt zu fühlen.
Nach Hurrelmann ist Gesundheit das Ergebnis einer gelungenen Bewältigung von inneren und äußeren Anforderungen. Benennen Sie je drei innere und drei äußere Anforderungen.
Innere Anforderungen: Genetische Veranlagung, Körperliche Konstitution, Immunsystem, Nervensystem, Hormonsystem, Persönlichkeitsstruktur, Temperament, Belastbarkeit.
Äußere Anforderungen: Sozioökonomische Lage, Ökologisches Umfeld, Wohnbedingungen, Hygienische Verhältnisse, Bildungsangebot, Arbeitsbedingungen, private Lebensform, soziale Lebensform.
Einflussfaktoren auf Gesundheit
Das Krankheitspanorama hat sich in den letzten Jahrzehnten von akuten zu chronischen Krankheiten gewandelt. Nennen Sie zwei Ursachen und geben Sie je ein Beispiel an. (6 P)
Medizinisch-technischer Fortschritt (z. B. neue Behandlungsmethoden).
Soziale (wirtschaftliche) Lage der Bevölkerung (z. B. Verbesserung des Bildungswesens, Entwicklung von Zivilgesellschaft und Demokratie).
Verbesserung der Hygiene (z. B. Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung).
Frauen und Männer unterscheiden sich deutlich in ihrem Gesundheitsverhalten. Skizzieren Sie drei Konsequenzen, die sich daraus für die Ausgestaltung von Präventions- und Therapieangeboten ableiten lassen.
Frauen sind stärker an kommunikativen Aspekten und psychischen Unterstützungsmöglichkeiten interessiert.
Männer sind v. a. an niedrigschwelligen Angeboten interessiert, die keinen höheren Aufwand mit sich bringen (Durchführung z. B. direkt am Arbeitsplatz oder bei einmaligem Arztbesuch).
Männer fühlen sich v. a. durch Interventionen angesprochen, die Sport und körperliches Training beinhalten.
Der Zusammenhang zwischen Bildung und Gesundheit ist empirisch gut nachgewiesen. Erläutern Sie diesen Zusammenhang anhand der vier Indikatoren Lebenserwartung, objektiver und subjektiver Gesundheitszustand sowie Gesundheitsverhalten.
Lebenserwartung: Es existiert ein positiver Zusammenhang zwischen der Höhe der Bildung und der Lebenserwartung.
Objektiver Gesundheitszustand: Für eine Reihe von Gesundheitsbeschwerden und chronischen Erkrankungen ist ein positiver Zusammenhang mit dem Bildungsniveau nachgewiesen. Krankheiten und Beschwerden wie Herzinfarkt, Angina pectoris, Hypertonie, Arthrose, chronischer Rückenschmerz, chronische Bronchitis, psychische Erkrankungen treten bei Menschen mit einem höheren Bildungsniveau seltener auf.
Subjektiver Gesundheitszustand: Es existiert ein positiver Zusammenhang zwischen der Höhe der Bildung und der subjektiven Gesundheitsbewertung.
Gesundheitsverhalten: Angehörige niedrigerer Bildungsgruppen weisen häufiger gesundheitsriskante Verhaltensweisen (wie z. B. Rauchen, sportliche Inaktivität, Übergewicht) auf.
Gesundheitliche Ungleichheit
Legen Sie dar, was unter dem sozialen Gradienten von Gesundheit zu verstehen ist und geben Sie ein Beispiel.
Unter dem sozialen Gradienten von Gesundheit ist zu verstehen, dass eine sozial bedingte Ungleichheit von Gesundheitschancen existiert, die ein Kontinuum entlang der sozialen Stufenleiter bildet. Beispiel: Morbiditäts- und Mortalitätsrisiken nehmen mit zunehmendem sozioökonomischen Status ab (z. B. höhere Lebenserwartung, geringere Betroffenheit von chronischen Krankheiten).
Es existieren zwei zentrale Thesen über die Ursachen gesundheitlicher Ungleichheit: Die Selektions- oder Drifthypothese und die Kausations- oder Verursachungshypothese. Legen Sie die Grundaussage beider Thesen dar und geben Sie für jede These ein Beispiel.
Selektions- oder Drifthypothese: Der Gesundheitszustand beeinflusst den sozioökonomischen Status. Beispiel: Genetische Dispositionen oder frühe Gesundheitsbeeinträchtigungen (z. B. chronische Krankheit oder Behinderung im Kindesalter) führen zu einer niedrigen sozioökonomischen Position im Erwachsenenalter (z. B. geringeres Bildungsniveau, niedrigere berufliche Position, geringeres Einkommen).
Kausations- oder Verursachungshypothese: Der sozioökonomische Status beeinflusst den Gesundheitszustand. Beispiel: Ein niedriger sozioökonomischer Status (z. B. geringes Bildungsniveau, Armut, niedrige berufliche Position) wirkt sich negativ auf die Gesundheit aus.
Vorsorgeuntersuchungen im Kindes- und Jugendalter werden sozial ungleich in Anspruch genommen. Beschreiben Sie für drei soziodemografische Faktoren (z. B. Alter, Geschlecht, sozioökonomischer Status), wie diese als Inanspruchnahmebarrieren für Vorsorgeuntersuchungen im Kindes- und Jugendalter wirksam werden. (9 P)
Alter der Kinder: ältere Kinder und Jugendliche.
Alter der Eltern: junge Mütter unter 20 Jahren.
Ethnische Herkunft: Migrationshintergrund.
Familiengröße und -struktur: kinderreiche Familien, alleinerziehende Elternteile.
Sozioökonomischer Status der Familie: einkommensschwache Familien, geringer Bildungsgrad, berufstätige Eltern, ländliches Wohnumfeld.
Gesundheitssystem der Bundesrepublik
Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und die private Krankenversicherung (PKV) unterscheiden sich in wesentlichen Grundsätzen. Nennen Sie drei Strukturprinzipien, in denen sich die GKV und die PKV unterscheiden, und erläutern Sie diese Unterschiede.
Das Prinzip der Solidargemeinschaft äußert sich in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in verschiedenen Umverteilungsmechanismen. Nennen Sie zwei Umverteilungsmechanismen.
Von Gesunden zu Kranken; von Erwerbstätigen zu Rentnern; von Ledigen und Kinderlosen zu Verheirateten und Familien; von hohen Einkommen zu niedrigen Einkommen.
In der Privaten Krankenversicherung dominiert das Kostenerstattungsprinzip.
a) Erläutern Sie kurz das Kostenerstattungsprinzip
b) Geben Sie einen Vorteil und einen Nachteil des Kostenerstattungsprinzips an.
Lösung a): Der Versicherte streckt die Summen für Medikamente, Behandlungen u.a. vor, reicht die Rechnungen bei seiner privaten Krankenversicherung ein und bekommt die Kosten dann erstattet.
Lösung b):
Vorteil: Der Versicherte erhält einen Überblick über die Behandlungskosten. Das System ist transparenter.
Nachteil: Der Versicherte muss u. U. sehr hohe Summen vorstrecken. Inwiefern das Kostenerstattungsprinzip tatsächlich mit einer „sparsameren“ Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen und damit mit einer Kosteneinsparung verknüpft ist, ist unklar.
Beschreiben Sie kurz die wesentlichen Aufgaben und Ziele der Gesundheitswissenschaften. (5 Punkte)
die Gesundheit und das Wohlergehen aller Gesellschaftsmitglieder zu beobachten und zu wahren,
Gesundheitsbedürfnisse zu identifizieren,
Institutionen der Gesundheitsversorgung und -politik (durch Planungen und Evaluationen) zu unterstützen,
auch Aspekte wie Bedarfsgerechtigkeit, Wirtschaftlichkeit, Prävention, Kuration, Rehabilitation, Pflege und Wirksamkeit von Gesundheitsförderung.
Lösung a): Antonovsky zufolge wird der Gesundheits- und Krankheitszustand eines Menschen wesentlich durch seine psychologische Grundhaltung gegenüber der Welt und dem eigenen Leben bestimmt. Kohärenz bezeichnet eine Haltung gegenüber der Welt, die durch ein „durchdringendes, überdauerndes und dennoch dynamisches Gefühl des Vertrauens“ (Antonovsky 1997, S. 36) gekennzeichnet ist.
Lösung b): Bewältigbarkeit (auch als Handhabbarkeit bezeichnet): bezieht sich auf die Überzeugung eines Menschen,dass Anforderungen lösbar sind, weil er über die geeigneten Ressourcen verfügt oder sich im entscheidenden Moment andere Menschen helfend einbringen werden. Ein hohes Maß an Bewältigbarkeit hat zur Folge, dass man sich nicht in der Opferrolle sieht und auch beim Erleben unangenehmer Dinge (z. B. Krankheiten) damit umgehen kann und sich neu orientiert, anstatt längere Zeit zu trauern, mit dem eigenen Schicksal zu hadern oder sich dauerhaft benachteiligt zu fühlen.
Laien entwickeln unterschiedliche subjektive Gesundheitstheorien. Diese lassen sich in allgemeine Typen von subjektiven Gesundheitstheorien unterteilen. Benennen Sie die vier allgemeinen Typen von subjektiven Gesundheitstheorien und skizzieren Sie zwei dieser Theorien.
Lösung (Nennung):
Risikotheorien
Ressourcentheorien
Ausgleichs- und Balancetheorien
Schicksalstheorien
Lösung (Skizzierung von zwei Beispielen):
Risikotheorien: Gesundheit wird durch bestimmte Risiken und Belastungen gefährdet. Diese Risiken können als extern (z. B. Schadstoffe in der Umwelt) angesehen oder dem eigenen Verhalten (z. B. Mangel an Bewegung) zugeschrieben werden. Während bei externen Risiken eine personale Kontrolle als nur schwer möglich angesehen wird, ist diese bei verhaltensbedingten Risiken zumindest prinzipiell möglich.
Ressourcentheorien: Gesundheit wird durch den großen Einfluss der Verfügbarkeit von externen (z. B. vertrauensvolle soziale Beziehungen) und internen Ressourcen (z. B. berufliche Zufriedenheit) mitbestimmt. Durch eine Schwächung dieser Ressourcen wird auch die Gesundheit gefährdet.
Ausgleichs- und Balancetheorien: Gesundheit wird zwar durch bestimmte Risiken gefährdet, diese können aber ausgeglichen und kompensiert werden. Es wird ein Wechselspiel zwischen Risiko- und Schutzfaktoren angenommen. Als Kompensationsmöglichkeiten (z. B. bei einer belastenden beruflichen Tätigkeit) werden u. a. viel Ruhe und Entspannung in der Freizeit genannt. Diese Theorien nehmen an, dass jeder Mensch über ein optimales Gleichgewicht zwischen diesen Kräften verfügt, sie aber auch erkennen muss. Das Gleichgewicht zwischen diesen Kräften wird als labil angesehen, da es durch Anforderungen von außen und innen immer wieder gefährdet wird. Eine personale Kontrolle ist auf allen Ebenen möglich. Im Vordergrund stehen die positive Gestaltung von sozialen Beziehungen und die innere Zufriedenheit.
Schicksalstheorien: Gesundheit geht bei einem schicksalhaften oder altersbedingten Eintritt von Krankheit verloren. Als Krankheitsursachen werden vorwiegend biologische Alterungsprozesse und schicksalhafte Ereignisse angenommen. Der personale Einfluss wird als sehr gering eingeschätzt.
Erläutern Sie die zentralen Aussagen des Stress-Konzeptes von Lazarus.
Stress bzw. Stressreaktionen treten dann ein, wenn subjektiv ein Ungleichgewicht zwischen inneren und äußeren Anforderungen und den individuellen Bewältigungsressourcen empfunden wird.
Stress wird immer subjektiv eingeschätzt oder bewertet.
Wie konkrete Situationen vom Einzelnen erlebt werden, ist von dessen Lebenserfahrung, Persönlichkeit und den zur Verfügung stehenden personalen, sozialen und materiellen Bewältigungsressourcen abhängig.
Herr Meier, 48 Jahre, Straßenbauarbeiter, vier Kinder (23, 20, 17 und 15 Jahre), geschie-
den, wohnt alleine in einer kleinen 2-Zimmerwohnung in einem Hochhaus in Köln-
Finkenberg, einem sozialen Brennpunkt. Sein Vater starb kurz nach dem Renteneintritt an
den Folgen eines Herzinfarktes. Seine Mutter lebt seit zwei Jahren in einem Altenheim. Ihr
wurde in Folge einer Diabetes-mellitus Erkrankung ein Bein amputiert. Seit seiner Ehe-
scheidung vor acht Jahren lebt Herr Meier zurückgezogen. Nach der körperlich sehr an-
strengenden Arbeit ist er häufig total erschöpft. Den Feierabend verbringt er mit Bier, Ziga-
retten und Fastfood vor dem Fernseher. Geld ist immer knapp, u. a. sind Unterhaltszahlun-
gen für die Kinder fällig. Um mit den jüngeren Kollegen mitzuhalten, z. B. bei Arbeiten mit
dem Presslufthammer, geht Herr Meier oft über seine körperliche Leistungsfähigkeit hinaus
und zudem muss er sich noch belastende Kommentare von Kollegen und dem Chef anhö-
ren. Seine Kinder hat er schon lange nicht mehr gesehen. Seinem Bruder mit Familie geht
er lieber aus dem Weg, weil er sich als Versager fühlt. Seit vier Monaten leidet Herr Meier
unter Rückenschmerzen und das taube Gefühl in seinen Fingern stört ihn und macht ihm
Angst. Eine Arztkonsultation schiebt er jedoch immer wieder auf.
Nehmen Sie Bezug auf das Fallbeispiel und beschreiben Sie für Herrn Meier den: Einfluss der sozialen Beziehungen bzw. sozialen Unterstützung auf die Gesundheit
Soziale Beziehungen/Unterstützung: Herr Meier lebt alleine und seit der Scheidung zurückgezogen. Zudem hat er keinen Kontakt zu seinen Kindern sowie zu seinem Bruder. Ein geringer Grad an sozialer Unterstützung wirkt sich negativ auf die Gesundheit aus. Das Mortalitätsrisiko steigt.
Nehmen Sie Bezug auf das Fallbeispiel und beschreiben Sie für Herrn Meier den: Einfluss des Einkommens auf die Gesundheit
Einkommen: Bei Herrn Meier ist das Geld immer knapp u. a. aufgrund der Unterhaltszahlungen. Die ökonomische Lebenslage beeinflusst die physische und psychische Gesundheit. Ein geringeres Einkommen geht mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko einher. Zudem zeigen Untersuchungen: Je geringer das Einkommen, desto schlechter ist die Gesundheit (Herzinfarkt, Diabetes, chronische Bronchitis, Adipositas, etc.).
Nehmen Sie Bezug auf das Fallbeispiel und beschreiben Sie für Herrn Meier den: Einfluss der Wohnbedingungen auf die Gesundheit
Wohnbedingungen: Herr Meier wohnt in einer kleinen 2-Zimmer-Wohnung in einem Hochhaus in Köln-Finkenberg (sozialer Brennpunkt). Die Wohnverhältnisse haben einen bedeutenden Einfluss auf das körperliche, psychische und soziale Wohlbefinden. Dies hat wiederum Auswirkungen auf die Gesundheit. Die psychisch belastenden Effekte einer unbefriedigenden Wohnsituation sind nur schwer quantifizierbar. Sie spielen gleichwohl eine wichtige Rolle.
Nehmen Sie Bezug auf das Fallbeispiel und beschreiben Sie für Herrn Meier den: den Einfluss des individuellen Lebensstils (Gesundheitsverhalten) auf die Gesundheit.
Lebensstil/Gesundheitsverhalten: Herr Meier ist beruflich körperlich sehr gefordert. Abends ist er total erschöpft. Er verbringt den Abend mit Bier, Zigaretten und Fastfood vor dem Fernseher. Das Rauchen und auch der Alkoholkonsum fördern das Risiko für schwerwiegende und potentiell tödlich verlaufenden Krankheiten (Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs, Leberzirrhose, Schädigungen des Nervensystems, etc.). Seine hohe körperliche Belastung (Presslufthammer) während seiner Tätigkeit hat einen negativen Einfluss auf seine Gesundheit (siehe Rückenschmerzen, taubes Gefühl). Das Essen von Fastfood ist nicht gesundheitsfördernd.
Manfred Beutel hat in einer umfassenden Literaturrecherche die Bedeutung personaler Ressourcen für die Bewältigung von Alltagsbelastungen und Lebensereignissen zusammengetragen. Nennen Sie vier gesundheitsfördernde personale Ressourcen, die Ihres Erachtens bei Herrn Meier gestärkt werden sollten.
Lösung (Nennung von vier Beispielen): Internale Kontrollüberzeugung, Kohärenzsinn, Selbstwirksamkeit, Intelligenz, Zuversicht, Optimismus, Selbstvertrauen, positives Selbstwertgefühl, Identität, stabiles Selbstsystem, unbekümmerte Selbsteinschätzung, interpersonales Vertrauen, positive Sicht auf Veränderungen, Selbstaufmerksamkeit, Widerstandsfähigkeit (Commitment, Challenge, Control), Kreativität, soziale Kompetenzen.
Es gibt zahlreiche empirische Befunde, die die Zusammenhänge zwischen sozialer und gesundheitlicher Ungleichheit aufzeigen.
a) Benennen Sie drei Zusammenhänge, mit denen dies exemplarisch untermauert werden kann.
b) Beschreiben Sie einen Zusammenhang zwischen sozialer und gesundheitlicher Ungleichheit und geben Sie die Richtung des Zusammenhangs an.
Lösung a): Einkommen und Lebenserwartung; Berufliche Stellung und Morbidität; Sozialer Status und Morbidität; Einkommen und Gesundheit; Subjektive Gesundheit und Lebensqualität.
Lösung b): Je geringer das Einkommen, desto schlechter ist die Gesundheit. ODER: Je geringer das Einkommen, desto geringer ist die Lebenserwartung. ODER: Je geringer der soziale Status (Stellung im Beruf, Bildung, Einkommen), desto höher die Morbidität.
Es existieren zwei zentrale Thesen über die Ursachen gesundheitlicher Ungleichheit: Die Selektions- oder Drifthypothese und die Kausations- oder Verursachungshypothese. Erläutern Sie die Grundaussage beider Thesen und geben Sie für jede These ein Beispiel an.
Selektions- oder Drifthypothese: Der Gesundheitszustand beeinflusst den sozioökonomischen Status. „Krankheit macht arm.“ Beispiel: Genetische Dispositionen oder frühe Gesundheitsbeeinträchtigungen (z. B. chronische Krankheit oder Behinderung im Kindesalter) führen zu einer niedrigen sozioökonomischen Position im Erwachsenenalter (z. B. geringeres Bildungsniveau, niedrigere berufliche Position, geringeres Einkommen).
Kausations- oder Verursachungshypothese: Der sozioökonomische Status beeinflusst den Gesundheitszustand. „Armut macht krank.“ Beispiel: Ein niedriger sozioökonomischer Status (d. h. z. B. geringes Bildungsniveau, Armut, niedrige berufliche Position) wirkt sich negativ auf die Gesundheit aus.
Sen und Nussbaum haben zwei gerechtigkeitstheoretische Ansätze vorgelegt, die sich mit der Reduktion gesundheitlicher Ungleichheit beschäftigen.
a) Nennen und beschreiben Sie die beiden Ansatzpunkte für mehr gesundheitliche Chancengleichheit.
b) Begründen Sie, welcher Ansatzpunkt eine eher langfristige Perspektive verfolgt. (4 Punkte)
Lösung a):
Verringerung der sozialen Ungleichheit über mehr Chancengleichheit in Schule, Ausbildung und Erwerbsleben.
Verringerung der Gesundheitsbelastungen bei Menschen mit einem niedrigen sozioökonomischen Status, d. h. Schaffung gesundheitsförderlicher Lebensbedingungen und Verbesserung der Gesundheitsversorgung.
Lösung b): Der erste Ansatz („Verringerung der sozialen Ungleichheit“) packt das Problem der sozialen Ungleichheit an der Wurzel. Dieser Ansatz erfordert grundlegende strukturelle Veränderungen und benötigt eine langfristige gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Thematik.
Gesundheitssystem
Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und die private Krankenversicherung (PKV) unterscheiden sich in wesentlichen Strukturprinzipien. Nennen und erläutern Sie drei Strukturprinzipien, in denen sich die GKV und die PKV unterscheiden.
Erläutern Sie einen Zielkonflikt, der bei jeder Gesundheitsreform in Deutschland auftritt.
Der größte Zielkonflikt bei jeder Gesundheitsreform in Deutschland ist der zwischen Bedarfsorientierung und Wirtschaftlichkeit. Der Bedarf an Gesundheitsleistungen ist im Prinzip unbegrenzt, wird aber durch den gesetzlichen Leistungskatalog der GKV eingegrenzt. Ein weiterer Zielkonflikt besteht zwischen der Einnahmebasis der gesetzlichen Krankenkassen und dem ärztlichen Einkommensanspruch.
Die Politikwissenschaft hat hinsichtlich der Verbandsarbeit den Begriff des Neokorporatismus geschaffen. Erklären Sie diesen Begriff.
Neokorporatismus zielt darauf ab, dass organisierte Einzelinteressen systematisch in politische Entscheidungen eingebunden („inkorporiert“) werden. Diese Beteiligung reicht von Anhörungen bis hin zur Übernahme von Kontrollaufgaben (z. B. Ausschüttung öffentlicher Gelder). Verbände, die eigentlich private Interessen vertreten, übernehmen teilweise öffentliche Funktionen, um den Staat von Konflikten oder Überlastung zu entlasten.
Ab Mitte des 20. Jahrhunderts vollzog sich eine Neuausrichtung von Public Health.
a) Arbeiten Sie den Unterschied zwischen Old und New Public Health anhand der Adressaten und relevanten Themengebiete heraus.
b) Nennen Sie zwei Beispiele für New Public Health in Deutschland und erläutern Sie eines der Beispiele.
a) Adressaten: Adressaten von Old Public Health waren gesundheitlich unterversorgte und sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Im Gegensatz dazu richtet sich New Public Health an die gesamte Bevölkerung.
Lösung a) Fach- bzw. Themengebiete: Mit Old Public Health wurde ein hygienebezogener Ansatz verfolgt, der auf den Fachgebieten Sozialmedizin, Umwelthygiene und Epidemiologie basierte. New Public Health zielt auf die medizinische und psychosoziale Versorgung und beinhaltet neben den Themengebieten Umwelt- und Sozialhygiene auch Gesundheitssystem- und Versorgungsforschung sowie Prävention.
Lösung b) Beispiele und Erläuterung: Als Beispiele für New Public Health in Deutschland gelten die AIDS-Prävention und die betriebliche Gesundheitsförderung.
AIDS-Prävention: Die Ansätze von New Public Health mündeten erstmals in großem Umfang in die staatliche und nichtstaatliche Gesundheitspolitik. Die Strategie zur verhältnisgestützten Verhaltensmodifikation führte zur dauerhaften Umstellung auf Risikovermeidung (safer sex) bei großen Teilen der betroffenen Gruppen. Sie beinhaltete die Respektierung der Lebensweise der Zielgruppen, eine persönliche Beratung und Kommunikation und eine dauerhafte Aufklärung über Gesundheitsgefährdungen und Verhaltensmöglichkeiten.
Betriebliche Gesundheitsförderung: Die gesetzlichen Krankenkassen leisteten mit Unterstützung von Public Health Professionals Pionierarbeit für die Umsetzung der betriebliche Gesundheitsförderung. In den Betrieben wurden Möglichkeiten der Risikosenkung und Ressourcenstärkung in Arbeits-, Betriebsabläufen und im Sozialklima ermittelt und umgesetzt. Gesundheitszirkel etablierten sich als Instrument der betrieblichen Gesundheitsförderung. In den Gesundheitszirkeln waren die Belegschaft, die Personalvertretung und das Management vertreten.
Gesundheit wird von Menschen individuell verschieden interpretiert.
a) Definieren Sie, was unter subjektiven Gesundheitskonzepten zu verstehen ist.
b) Benennen und erläutern Sie die vier Dimensionen zu subjektiven Gesundheitskonzepten, die von Faltermaier anhand von Studien in der deutschen Bevölkerung ermittelt wurden.
Lösung a): Unter subjektiven Gesundheitskonzepten werden Vorstellungen und Begriffe verstanden, mit denen Menschen (ihre eigene) Gesundheit beschreiben und bestimmen.
Gesundheit als Abwesenheit von Krankheit: Gesundheit wird negativ durch das Fehlen einer Erkrankung oder einer Funktionseinschränkung bestimmt.
Gesundheit als Reservoir: Gesundheit wird als Potenzial an körperlicher und psychischer Energie und Stärke sowie als Widerstandskraft gegenüber äußeren Einflüssen verstanden. Das Reservoir bzw. Potenzial kann sich im Lebensverlauf verändern.
Gesundheit als Gleichgewicht oder Wohlbefinden: Gesundheit wird als körperliches und/oder psychisches Wohlbefinden und als im Gleichgewicht sein verstanden. Mit Letzterem wird ein Idealzustand beschrieben.
Gesundheit als funktionale Leistungsfähigkeit: Gesundheit wird als Fähigkeit verstanden, selbst erwartete oder v. a. arbeitsbezogene Leistungen erbringen zu können.
Zu den wichtigsten Datenquellen der Gesundheitsberichterstattung (GBE) in Deutschland zählen das „Sozio-ökonomische Panel (SOEP)", der „Mikrozensus" (kleine Volkszählung) und „Gesundheit in Deutschland aktuell (GEDA)". Benennen Sie für die drei genannten Datenquellen jeweils den zentralen Datenhalter und geben Sie einen kurzen inhaltlichen Überblick.
Lösung Datenhalter:
SOEP: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).
Mikrozensus: Statistisches Bundesamt.
GEDA: Robert Koch-Institut (RKI).
Lösung Inhaltlicher Überblick:
SOEP: Das SOEP ist eine jährliche repräsentative Befragung der erwachsenen Mitglieder privater Haushalte. Im Längsschnittdesign werden u. a. Daten zu Erwerbs- und Familienbiografie, beruflicher Mobilität, Einkommenssituation, Gesundheit und Lebenszufriedenheit erhoben.
Mikrozensus: Der Mikrozensus ist eine amtliche repräsentative Statistik über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt in Deutschland. Jährlich wird ein Teil der Bevölkerung zu seiner wirtschaftlichen und sozialen Situation (u. a. Erwerbstätigkeit, Einkommen, Familienformen) befragt. Alle vier Jahre werden zusätzlich gesundheitsbezogene Themen erfragt.
GEDA: GEDA ist ein telefonischer Gesundheitssurvey der jährlich durchgeführt wird und zum zentralen Gesundheitsmonitoring des RKI gehört. In Deutschland lebende Personen werden zu ihrer Gesundheit (u. a. Erkrankungen, subjektive Gesundheit, gesundheitsrelevante Verhaltensweisen) und ihrer Lebenssituation (u. a. berufliche Stellung, Bildung) befragt.
Beschreiben Sie drei aktuelle Trends des Krankheitsgeschehens in Deutschland.
(drei aus folgenden wählen):
Herz-Kreislauferkrankungen: Auch wenn Herz-Kreislauferkrankungen unverändert das Krankheitsspektrum dominieren, sinkt dennoch ihr Anteil an der Gesamtsterblichkeit, der Arbeitsunfähigkeit und der Frühberentung.
Krebserkrankungen: Einerseits steigt die Krebsinzidenz (Anzahl der Neuerkrankungen) an, gleichzeitig verbessern sich die Überlebenschancen der Erkrankten und die Sterblichkeit sinkt.
Infektionskrankheiten: Infektionskrankheiten wie z. B. Tuberkulose oder HIV-Infektionen gewinnen wieder an Bedeutung.
Psychische Erkrankungen: Psychische Erkrankungen nehmen tendenziell zu und sind häufiger Ursache von Arbeitsunfähigkeit und Frühberentung.
Demenzerkrankungen: Die Zahl der demenziell erkrankten Menschen wird in den kommenden Jahren weiter ansteigen.
Stellen Sie den Zusammenhang zwischen sozialer und gesundheitlicher Lage am Beispiel Alleinerziehender dar.
Der Anteil alleinerziehender Mütter und Väter steigt seit Jahren kontinuierlich an, wobei vor allem Frauen betroffen sind. Alleinerziehende verfügen häufig über geringe Ressourcen und sind einer hohen sozialen Isolation ausgesetzt. Etwa ein Drittel aller Alleinerziehenden ist von Einkommensarmut betroffen. Die schlechte ökonomische Situation der Familien führt im Zusammenspiel mit den subjektiven Belastungen durch die alleinige Verantwortung für Erziehung, Haushalt und Lebensunterhalt zu einer besonderen Belastungssituation. In Folge dessen weisen Alleinerziehende häufiger eine Beeinträchtigung ihres Gesundheitszustandes und ihres subjektiven Wohlbefindens auf.
Geben Sie einen Überblick zur Entwicklung gesundheitlicher Ungleichheit in den westlichen Industrienationen und in Deutschland. Beziehen Sie sich dabei hinsichtlich der westlichen Industrienationen auf:
a) den Trend
b) die Lebenserwartung
c) das Sterbegeschehen (Mortalität)
d) Nehmen Sie für Deutschland Bezug auf das Krankheits- und Sterbegeschehen
Lösung a) Trend: In den westlichen Industrienationen zeichnet sich ein eindeutiger Trend zur Zunahme gesundheitlicher Ungleichheit ab.
Lösung b) Lebenserwartung: Anhand von Untersuchungen konnte belegt werden, dass die Lebenserwartung dem sozialen Gradienten folgt. Zwar nimmt die Lebenserwartung insgesamt und in jeder sozialen Schicht zu. Der soziale Gradient bleibt jedoch grundsätzlich bestehen und die Lebenserwartung der oberen Sozialschichten steigt deutlich mehr an als die der unteren Sozialschichten.
Lösung c) Mortalität: Der soziale Gradient hinsichtlich der Mortalität vergrößert sich. Während die Mortalität in den oberen Sozialschichten v. a. bei Herz-Kreislauferkrankungen sinkt, steigt sie in den unteren Sozialschichten für verschiedene Erkrankungen (z. B. Lungen- und Brustkrebs, Atemwegserkrankungen) an.
Lösung d) Deutschland: Auch in Deutschland haben sich die Differenzen im Mortalitätsrisiko der unterschiedlichen Einkommensgruppen vergrößert. Die Armuts- und Reichtumsberichte belegen eine Ausweitung der sozialen Ungleichheit im Krankheits- und Sterbegeschehen.
Erklären Sie das Modell beruflicher Gratifikationskrisen nach Siegrist in seinen Grundzügen und benennen Sie drei Beispiele für Gratifikationen.
Lösung Grundzüge: Als berufliche Gratifikationskrise wird das Missverhältnis zwischen (hoher) erbrachter Arbeitsleistung und (vergleichsweise niedriger) erhaltener Belohnung bezeichnet.
Lösung Beispiele: Einkommen, Arbeitsplatzsicherheit, Anerkennung/Wertschätzung, beruflicher Status.
Beschreiben Sie zwei Aspekte der Versorgungsungleichheit am Beispiel des unterschiedlichen Zugangs zu ambulanten Versorgungsleistungen in Abhängigkeit von der Art der Krankenversicherung.
Anhand von Daten kann belegt werden, dass:
privat Versicherte bei der Vergabe von ambulanten Arztterminen gegenüber gesetzlich Versicherten bevorzugt werden,
bei gesetzlich Versicherten Leistungen, die medizinisch notwendig gewesen wären, verweigert oder eingeschränkt wurden.
Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und die Private Krankenversicherung (PKV) unterscheiden sich in wesentlichen Strukturprinzipien. Erläutern Sie die Unterschiede zwischen GKV und PKV anhand der Versicherten, der Leistungserbringung, des Leistungsumfangs und der Beitragshöhe.
Legen Sie die wesentlichen Inhalte des Pflegestärkungsgesetzes I und des Pflegestärkungsgesetzes II dar.
Pflegestärkungsgesetz I: Durch das Pflegestärkungsgesetz I wird mehr Geld für Leistungen der ambulanten und stationären Pflege zur Verfügung gestellt. Dafür wurde der Beitragssatz in der Pflegeversicherung geringfügig angehoben.
Lösung Pflegestärkungsgesetz II:
Im Pflegestärkungsgesetz II wird Pflegebedürftigkeit neu definiert, v. a. wird der Unterschied zwischen körperlichen Einschränkungen und Demenz eingeebnet.
Mit dem Pflegestärkungsgesetz II werden für das Begutachtungsverfahren die bisherigen Pflegestufen durch fünf neue Pflegegrade ersetzt.
Diese berücksichtigen neben medizinischen Faktoren auch Aspekte wie Mobilität, soziale Teilhabe und Alltagskompetenz.
a) Arbeiten Sie den Unterschied zwischen Old und New Public Health anhand der Adressatinnen bzw. Adressaten und relevanten Themengebiete heraus.
Lösung a) Adressatinnen bzw. Adressaten: Adressatinnen bzw. Adressaten von Old Public Health waren gesundheitlich unterversorgte und sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Im Gegensatz dazu richtet sich New Public Health an die gesamte Bevölkerung.
Betriebliche Gesundheitsförderung: Die gesetzlichen Krankenkassen leisteten mit Unterstützung von Public Health Professionals Pionierarbeit für die Umsetzung der betrieblichen Gesundheitsförderung. In den Betrieben wurden Möglichkeiten der Risikosenkung und Ressourcenstärkung in Arbeits-, Betriebsabläufen und im Sozialklima ermittelt und umgesetzt. Gesundheitszirkel etablierten sich als Instrument der betrieblichen Gesundheitsförderung. In den Gesundheitszirkeln waren die Belegschaft, die Personalvertretung und das Management vertreten.
FGesundheitskonzepte
allbeispiel: Frau R. ist 30 Jahre alt, gelernte Einzelhandelskauffrau, hat ein einjähriges Kind und lebt mit dem Kindesvater in einer Partnerschaft. Als Scheidungskind wuchs Frau R. mit ihrer Stiefschwester bei ihrem Vater auf. Der Vater ist in Folge seiner jahrelangen Alkoholabhängigkeit pflegebedürftig und lebt als Sozialhilfeempfänger in einem Pflegeheim. Die Stiefschwester ist seit ihrer frühesten Jugend drogenabhängig und lebt in einer Versorgungseinrichtung. Zur Mutter besteht kein Kontakt. Vor drei Jahren trennte sich Frau R. von ihrem damaligen Lebenspartner und verlor wenig später ihren Job. Frau R. hatte in ihrer Familie schon viele Krisensituationen überstanden und wollte sich auch dieses Mal nicht unterkriegen lassen. Außerdem konnte sie sich auf die Unterstützung ihrer Großeltern und ihrer besten Freundin verlassen. Also packte Frau R. es an und wurde aktiv. Dennoch fand sie erst nach einigen Versuchen einen passenden Job. Inzwischen lernte sie ihren neuen Lebenspartner kennen und ist stolze Mutter. In all den Jahren hat Frau R. immer versucht, den teilweise sehr schwierigen Kontakt zu ihrem Vater und zu ihrer Stiefschwester zu halten. Ihr Lebenspartner unterstützt sie jetzt dabei.
Zeigen Sie bezogen auf das Fallbeispiel für vier der genannten Faktoren auf, inwiefern Sie bei Frau R. Hinweise auf Resilienz erkennen können.
Stressreiche und potenziell traumatische Ereignisse erfolgreich bewältigen: Als Frau R. ihren Job verliert, lässt sie sich nicht entmutigen und stellt sich der Situation. Sie lässt sich bei der Jobsuche auch durch Misserfolge nicht beirren und sucht so lange, bis sie einen neuen passenden Job gefunden hat. Dass sie einen neuen Partner kennen lernt, lässt darauf schließen, dass sie trotz der Trennungserfahrung für eine neue Beziehung offen blieb.
Niedrige Neurotizismuswerte (z. B. emotionale Stabilität, keine bzw. geringe Neigung zu Nervosität und Angst):Frau R. ist durch die Erfahrungen in ihrer Herkunftsfamilien mit stressreichen Ereignissen und deren Bewältigung vertraut. Ihr Umgang mit der erneuten Krisensituation lässt vermuten, dass sie emotional stabil und eher nicht ängstlich ist.
Krisen und Schicksalsschläge schnell verarbeiten können: Frau R. reagiert auf die krisenhafte Situation nicht mit Resignation oder Ängstlichkeit. Stattdessen wird sie aktiv und begibt sich auf Jobsuche.
Starke interne Kontrollüberzeugungen haben (Überzeugung, dass ein Ereignis der eigenen Kontrolle unterliegt):Es kann davon ausgegangen werden, dass Frau R. auch aufgrund ihrer bisherigen Krisenerfahrungen davon überzeugt ist, die schwierige Situation bewältigen zu können. Sicher spielt dabei auch ihr Bewusstsein über vorhandene soziale Ressourcen eine Rolle.
Die eigenen Fähigkeiten realistisch einschätzen: Frau R. weiß, was sie selbst zur Verbesserung ihrer schwierigen Situation tun kann und tut es. Das betrifft sowohl ihre Jobsuche als auch die Aufrechterhaltung des Kontaktes zu ihrer Herkunftsfamilie.
Auf ein gutes soziales Netz zurückgreifen können: In ihrer schwierigen Situation konnte sich Frau R. auf ihre Großeltern und auf ihre Freundin verlassen. Aktuell wird sie auch durch ihren Lebenspartner unterstützt. Außerdem ist zu vermuten, dass sich Frau R. durch ihr neues Familienleben generell bestärkt fühlt.
Das Geschlecht zählt zu den entscheidenden Einflussfaktoren auf die Gesundheit. Charakterisieren Sie die Unterschiede in der subjektiven und objektiven Gesundheit zwischen Frauen und Männern anhand der folgenden drei Faktoren.
Lösung a) Geschlechtsspezifische Morbiditätsprofile: Frauen und Männer weisen geschlechtsspezifische Morbiditätsprofile auf, d. h. sie unterscheiden sich in ihrem Krankheitsspektrum. Während Frauen im Vergleich häufiger an Diabetes, Arthrose, Rückenschmerzen, Depressionen erkranken, sind Männer häufiger von Herzinfarkten, koronarer Herzerkrankung, Krebs- und Suchterkrankungen betroffen.
Lösung b) Geschlechtsspezifische Selbsteinschätzung: Frauen geben häufiger als Männer an, unter chronischen Gesundheitsproblemen zu leiden, sich seelisch belastet zu fühlen sowie von gesundheitlichen Beschwerden und Einschränkungen betroffen zu sein. Insbesondere Männer unter 30 Jahren und ab 65 Jahren bewerten ihre Gesundheit dagegen deutlich besser als gleichaltrige Frauen.
Lösung c) Gesundheitsrelevante Verhaltensweisen: Frauen sind interessierter an gesundheitlichen Themen, besser informiert und nehmen professionelle Angebote zur Prävention und Gesundheitsförderung stärker in Anspruch als Männer. Männer sind zurückhaltender in der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen, ernähren sich ungesünder, rauchen mehr, trinken häufiger Alkohol in gesundheitsschädlichen Mengen, verhalten sich riskanter im Straßenverkehr und sind häufiger übergewichtig als Frauen. Frauen wiederum treiben seltener Sport, nehmen häufiger psychotrope Medikamente und neigen zu einem ungesunden Essverhalten.
Das Konzept der gesundheitsbezogenen Lebensqualität ist bedeutsam für ein umfassendes Gesundheitsverständnis.
a) Definieren Sie den Begriff „Gesundheitsbezogene Lebensqualität".
b) Benennen Sie die vier Dimensionen des Konstrukts der gesundheitsbezogenen Lebensqualität.
Lösung a): Gesundheitsbezogene Lebensqualität kann verstanden werden als Selbstbericht von sozialen, psychischen, körperlichen und alltagsnahen Aspekten von Wohlbefinden und Funktionsfähigkeit.
Krankheitsbedingte körperliche Beschwerden
Psychische Verfassung
Erkrankungsbedingte funktionale Einschränkungen in alltäglichen Lebensbereichen
Ausgestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen und sozialer Interaktionen
Die Zusammenhänge zwischen sozialer und gesundheitlicher Ungleichheit sind komplex und dynamisch. Das folgende Modell zur Erklärung gesundheitlicher Ungleichheit von Mackenbach stellt diese Zusammenhänge in vereinfachter Weise dar. Beschreiben Sie den Wirkungszusammenhang und die Wirkungsrichtung der einzelnen Elemente des Modells. Geben Sie für jedes Element des Modells ein Beispiel.
Beschreibung: Ausgangspunkt des Modells ist der sozioökonomische Status. Der Grundgedanke dabei ist, dass sich der sozialökonomische Status auf die Gesundheit auswirkt und nicht andersherum. Diese Auswirkungen sind indirekt und erfolgen über sozial ungleich verteilte Einflussfaktoren: materielle Faktoren, psychosoziale Faktoren, (Gesundheits-)verhalten. Die jeweiligen Einflussfaktoren stehen wiederum in enger Wechselwirkung zueinander. Anhand der Darstellung wird deutlich, dass die materiellen und psychosozialen Faktoren sowohl einen eigenständigen Einfluss auf den Gesundheitszustand ausüben als auch über das gesundheitsbezogene Verhalten vermittelt werden.
Lösung Beispiele:
Sozioökonomischer Status: Bildung, beruflicher Status, Einkommen
Materielle Faktoren: verfügbares Einkommen, materielle Güter (Ausstattung der Wohnung, Fahrzeug), soziale Absicherung
Psychosoziale Faktoren: Wohnumfeld, soziale Integration, Alltagsstress
Verhalten: Substanzkonsum, Bewegungsverhalten, Inanspruchnahme von Gesundheitsversorgung
Gesundheit: Erkrankungen, Mobilität, Wohlbefinden
In Deutschland ist das Thema „Gesundheitliche Chancengleichheit" in den letzten Jahren vermehrt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.
a) Benennen und erläutern Sie die beiden grundlegenden Ansatzpunkte zur Reduktion gesundheitlicher Ungleichheit
b) Argumentieren Sie kurz, welcher Ansatz langfristig eine Verringerung der gesundheitlichen Ungleichheit bewirkt
Verringerung der sozialen Ungleichheit: über mehr Chancengleichheit in Schule, Ausbildung und Erwerbsleben.
Verringerung von Gesundheitsbelastungen: bei Menschen mit einem niedrigen sozioökonomischen Status, d.h. Schaffung gesundheitsförderlicher Lebensbedingungen und Verbesserung der Gesundheitsversorgung.
Lösung b): Der Ansatz „Verringerung der sozialen Ungleichheit" packt das Problem der sozialen Ungleichheit an der Wurzel, da er grundlegende strukturelle Veränderungen und eine langfristige gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema voraussetzt.
Gesundheitssystem der Bundesrepublik - Strukturelle Probleme und aktuelle Reformansätze
Erklären Sie die Funktion des Risikostrukturausgleichs und seine Auswirkung auf den Wettbewerb der Krankenkassen.
Funktion: Krankenkassen, die viele Menschen mit niedrigen Einkommen und höheren gesundheitlichen Belastungen versichern, sind hinsichtlich ihrer Finanzierung auf der Einnahmenseite benachteiligt. Diese Nachteile werden seit 1994 durch den Risikostrukturausgleich abgemildert. Es erfolgt ein teilweiser Lastenausgleich zwischen den Krankenkassen. Krankenkassen mit einer günstigeren Risikostruktur ihrer Versicherten müssen den benachteiligten Krankenkassen Kompensationszahlungen leisten.
Lösung Auswirkungen auf den Wettbewerb: Durch den Risikostrukturausgleich verringern sich die Unterschiede in den Beitragssätzen der Krankenkassen, ohne die Anreize zu eliminieren, attraktive Mitglieder zu werben und wirtschaftlich zu handeln. Der Risikostrukturausgleich ist die Voraussetzung für eine funktionsfähige und faire Kassenwahlfreiheit.
Beschreiben Sie, was unter dem Kontrahierungszwang verstanden wird.
Unter dem Kontrahierungszwang wird die Verpflichtung der Krankenkassen (sowohl GKV als auch PKV) verstanden, jedes formal aufnahmeberechtigte Mitglied auch aufzunehmen. Mit der Einführung des Basistarifs in der PKV sind auch die privaten Kassen verpflichtet, diejenigen ohne vorherige Risikoprüfung aufzunehmen, die alle sonstigen Voraussetzungen erfüllen.
Das Prinzip der Solidargemeinschaft äußert sich in der GKV in den verschiedenen Umverteilungsmechanismen. Nennen Sie die vier Umverteilungsmechanismen der GKV.
von Gesunden zu Kranken
von Erwerbstätigen zu Rentnerinnen und Rentnern
von Ledigen und Kinderlosen zu Verheirateten und Familien
von hohen Einkommen zu niedrigen Einkommen
Bis heute gibt es keine eindeutige und allgemein akzeptierte Definition von Gesundheit. Göckenjahn hat zur Annäherung an eine Gesundheitsdefinition drei Perspektiven der Betrachtung und Deutung von Gesundheit herausgearbeitet:
Gesundheit als Abgrenzungskonzept
Gesundheit als Funktionsaussage
Gesundheit als Wertaussage
Beschreiben Sie die drei genannten Perspektiven.
Gesundheit als Abgrenzungskonzept: Diese Perspektive ist eng verbunden mit der medizinischen Deutung und Diagnostik von Krankheiten. Gesundheit wird hier u. a. als Abwesenheit von Krankheit verstanden. Eine solche Abgrenzung von Gesundheit ist nur vordergründig konkret. Sie ist aber z. B. bei einer ärztlichen Krankschreibung häufig notwendig.
Gesundheit als Funktionsaussage: Zu dieser Perspektive gehört zum einen die körperliche und soziale Leistungs- und Arbeitsfähigkeit. Zum anderen umfasst sie alle Gesundheitsvorstellungen eines körperlich-seelischen Gleichgewichts bzw. einer flexiblen Anpassung an sich verändernde Umweltbedingungen. Im Mittelpunkt steht dabei häufig die Resistenz und Widerstandsfähigkeit von Menschen beispielsweise gegenüber Krankheitserregern. Auch diese Funktionsaussagen sind nur teilweise konkret.
Gesundheit als Wertaussage: Gesundheitsdefinitionen dieser Art verstehen Gesundheit als höchsten Wert oder als einen absoluten Richtwert. Die bekannteste wertorientierte Beschreibung ist die Gesundheitsdefinition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 1948.
Beziehen Sie sich auf das folgende Fallbeispiel. Interpretieren Sie den Gesundheitszustand von Herrn B. aus jeder der drei von Göckenjahn beschriebenen Perspektiven zur Betrachtung und Deutung von Gesundheit.
Fallbeispiel: Herr B. hat sich vor vier Monaten bei einem Sportunfall einen komplizierten Bruch im linken Schultergelenk zugezogen. Danach wurde er zweimal operiert und musste sechs Wochen einen Gipsverband tragen. Nun geht er viermal wöchentlich zur Krankengymnastik und ist wegen der ambulanten Rehabilitation weiterhin krankgeschrieben. Auf dem Weg zur „Reha" hat Herr B. mehrmals seine Kolleginnen und Kollegen in der Stadtverwaltung besucht. Das tut er seit einiger Zeit nicht mehr, da sie zunehmend sauer auf seine Besuche reagierten. Wegen einer Umstellung des EDV-Systems haben sie mehr Arbeit als üblich. Ein Kollege hat Herrn B. ganz direkt gefragt, warum der denn nicht seine sitzende Tätigkeit wieder aufnehmen könne, wo er doch topfit sei und äußerst ausgeruht. Bei der aktuellen Umstellung könne er viele für die Kolleginnen und Kollegen enorm entlastende Arbeiten übernehmen, bei denen er seinen linken Arm nicht belasten brauche - z. B. die Bürgersprechstunde, bei der er nur Sitzfleisch, Köpfchen und Redefähigkeit brauche (Fallbeispiel in Anlehnung an Franke 2012).
Gesundheit als Abgrenzungskonzept: Herr B. muss sich in Folge seiner Schulterfraktur medizinischen Behandlungen unterziehen. Er ist krankgeschrieben und damit aus der Perspektive „Gesundheit als Abgrenzungskonzept" z. Zt. nicht gesund, sondern krank.
Gesundheit als Funktionsaussage: Herr B. ist zwar aufgrund der ärztlichen Krankschreibung z.Zt. formal nicht arbeitsfähig. Seine körperliche und soziale Leistungs- und Arbeitsfähigkeit ist jedoch aufgrund seiner Schulterfraktur nicht völlig eingeschränkt. So kann er eigenständig die Rehabilitationsmaßnahmen wahrnehmen und soziale Kontakte pflegen. Im Sinne der Perspektive „Gesundheit als Funktionsaussage" ist Herr B. nicht eindeutig krank oder gesund.
Gesundheit als Wertaussage: Herr B. hat trotz seiner körperlichen Einschränkungen durch die Schulterfraktur und die Beanspruchung durch seine Rehabilitationsmaßnahmen seine Kolleginnen und Kollegen besucht. Das Vorgehen von Herrn B. kann bezogen auf sein körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden so interpretiert werden, das es ihm recht gut geht und er sich eher gesund als krank fühlt. Aus der Perspektive „Gesundheit als Wertaussage" heraus verfügt Herr B. sowohl über kranke als auch über gesunde Anteile.
Die Stressforschung beschäftigt sich mit dem Einfluss von Stress auf die Gesundheit und benennt wichtige psychosoziale Stressoren. Benennen und erläutern Sie drei psychosoziale Belastungsarten (je 4 Punkte). Geben Sie bitte jeweils ein Beispiel für dazugehörige Stressoren (je 1 Punkt). (15 Punkte)
Alltagsärgernisse (daily hassles): Darunter fallen alltägliche Belastungen und kleinere Vorfälle im Alltag, die zu Ärger oder Frustration führen. Beispiele: Hetze, Zeitnot, lästige Aufgaben im Haushalt, ständiges Verlieren von Sachen.
Belastende/kritische Lebensereignisse (stressful life events): Darunter werden mehr oder weniger plötzliche Veränderungen im Leben verstanden. Beispiele: Tod einer wichtigen Bezugsperson, Scheidung, Arbeitsplatzverlust, Verlust von Gesundheit, Migration.
Chronische Belastungen (chronic stressors): Dauerbelastungen stellen langfristige Belastungen dar, die sich aus den individuellen sozialen Rollen oder aus den Lebensverhältnissen ergeben. Beispiele: Belastungen am Arbeitsplatz, Belastungen in der Elternrolle, Arbeitsplatzunsicherheit, Leben mit chronischer Krankheit, finanzielle Sorgen, Arbeitslosigkeit.
Kritische Übergänge im Lebenszyklus (Transitionen): Damit sind markante Wendepunkte im Leben gemeint. Beispiele: Eintritt ins Berufsleben, "Leeres-Nest"-Syndrom, Renteneintritt, Adoleszenz, Elternschaft.
Als körperliche Aktivität wird jede moderate körperliche Bewegung bezeichnet, die auch Berufs- und Hausarbeit sowie Freizeit- und Fortbewegungsverhalten mit einschließt. Regelmäßige körperliche Aktivität gilt als bedeutsam für Gesundheit und Wohlbefinden. Stellen Sie den Wirkungszusammenhang her zwischen:
körperlicher Aktivität und Gesundheit und Wohlbefinden,
körperlicher Aktivität und Lebenserwartung,
körperlicher Aktivität und kardiovaskulären Erkrankungen,
körperlicher Aktivität und Stressregulation,
körperlicher Aktivität und Kompetenzentwicklung im jüngeren Lebensalter.
Gesundheit und Wohlbefinden: Körperliche Aktivität trägt zum Erhalt der Gesundheit und zur Steigerung des Wohlbefindens bei.
Lebenserwartung: Körperliche Aktivität wirkt sich positiv auf die Lebenserwartung aus.
Kardiovaskuläre Erkrankungen: Körperliche Aktivität wirkt sich vorbeugend auf kardiovaskuläre Erkrankungen aus.
Stressregulation: Körperliche Aktivität trägt zur Stressregulation bei.
Kompetenzentwicklung im jüngeren Lebensalter: Körperliche Aktivität unterstützt die Entwicklung sozialen und personalen Kompetenzen im jüngeren Lebensalter.
a) Benennen Sie vier Zusammenhänge, mit denen dies exemplarisch untermauert werden kann.
b) Beschreiben Sie zwei Zusammenhänge zwischen sozialer und gesundheitlicher Ungleichheit und geben Sie die Richtung des Zusammenhangs an.
Lösung b): Je geringer das Einkommen, desto schlechter ist die Gesundheit. Je geringer das Einkommen, desto geringer ist die Lebenserwartung. Je geringer der soziale Status (Stellung im Beruf, Bildung, Einkommen), desto höher die Morbidität.
Erläutern Sie, was unter dem Begriff des „sozialen Gradienten" von Gesundheit zu verstehen ist.
Die sozial bedingte Ungleichheit von Gesundheitschancen ist nicht auf Randgruppen beschränkt, sondern bildet ein Kontinuum entlang der sozialen Stufenleiter (sozialer Gradient), d. h., Morbidität und Mortalität nehmen mit zunehmendem sozioökonomischem Status ab.
Es existieren zwei zentrale Thesen über die Ursachen gesundheitlicher Ungleichheit: die Selektions- oder Drifthypothese und die Kausations- oder Verursachungshypothese. Geben Sie die Grundaussage beider Thesen wider und geben Sie für jede These ein Beispiel.
Grundaussage: Der Gesundheitszustand beeinflusst den sozioökonomischen Status. „Krankheit macht arm."
Beispiel: Genetische Dispositionen oder frühe Gesundheitsbeeinträchtigungen (z. B. chronische Krankheit oder Behinderung im Kindesalter) führen zu einer niedrigen sozioökonomischen Position im Erwachsenenalter (z. B. geringeres Bildungsniveau, niedrigere berufliche Position, geringeres Einkommen).
Lösung Kausations- oder Verursachungshypothese:
Grundaussage: Der sozioökonomische Status beeinflusst den Gesundheitszustand. „Armut macht krank."
Beispiel: Ein niedriger sozioökonomischer Status (z. B. geringes Bildungsniveau, Armut, niedrige berufliche Position) wirkt sich negativ auf die Gesundheit aus.
Im Rahmen des Armutsberichtes des Paritätischen Gesamtverbandes 2018 wurde anhand von Daten aus dem Sozioökonomischen Panel (SOEP) u.a. die gesundheitliche Situation in der deutschen Bevölkerung von Personen ab 18 Jahren im Zusammenhang mit Armutsbetroffenheit untersucht. Arbeiten Sie anhand der folgenden Abbildung den Zusammenhang zwischen dem subjektiv eingeschätzten Gesundheitszustand und der Armutsbetroffenheit heraus. Beschreiben Sie für jede der fünf Merkmalsausprägungen (,,sehr gut" usw.) die Gerichtetheit des Zusammenhangs (Unterschied zwischen arm", nicht arm").
Arme schätzen ihren Gesundheitszustand zu einem größeren Anteil als „sehr gut" ein, als Nicht-Arme.
Nicht-Arme schätzen ihren Gesundheitszustand zu einem größeren Anteil als „gut" ein, als Arme.
Nicht-Arme schätzen ihren Gesundheitszustand ebenfalls zu einem größeren Anteil als „zufriedenstellend" ein, als Arme.
Arme schätzen ihren Gesundheitszustand dagegen zu einem größeren Anteil als „weniger gut" ein, als Nicht-Arme.
Arme schätzen ihren Gesundheitszustand ebenfalls zu einem größeren Anteil als „schlecht" ein, als Nicht-Arme.
Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und die Private Krankenversicherung (PKV) unterscheiden sich in wesentlichen Strukturprinzipien. Skizzieren Sie die Unterschiede zwischen GKV und PKV anhand der Versicherten, der Leistungserbringung, des Leistungsumfangs und der Beitragshöhe mit Hilfe der folgenden Tabelle.
Der größte Zielkonflikt bei jeder Gesundheitsreform in Deutschland ist der zwischen Bedarfsorientierung und Wirtschaftlichkeit. Der Bedarf an Gesundheitsleistungen ist im Prinzip unbegrenzt, wird aber durch den gesetzlichen Leistungskatalog der GKV eingegrenzt. Ein weiterer Zielkonflikt besteht zwischen der Einnahmebasis der gesetzlichen Krankenkassen (Einkommen der abhängig Beschäftigten) und dem ärztlichen Einkommensanspruch.
a) Arbeiten Sie den Unterschied zwischen Old und New Public Health anhand der Adressaten heraus.
b) Benennen Sie die fünf Themengebiete von New Public Health.
Lösung b) Themengebiete: New Public Health zielt auf die medizinische und psychosoziale Versorgung und beinhaltet neben den Themengebieten:
Umwelthygiene
Sozialhygiene
Gesundheitssystemforschung
Versorgungsforschung
Prävention
Beschreiben Sie kurz vier wesentliche Aufgaben und Ziele der Gesundheitswissenschaften.
Zu den wesentlichen Aufgaben und Zielen der Gesundheitswissenschaften gehören:
Institutionen der Gesundheitsversorgung und -politik durch Planungen und Evaluationen zu unterstützen,
Bedarfsgerechtigkeit, Wirtschaftlichkeit, Prävention, Kuration, Rehabilitation, Pflege und Wirksamkeit von Gesundheitsförderung zu beachten.
a) Erläutern Sie den Begriff „Kohärenzgefühl".
b) Erklären Sie, was unter dem Begriff „Bewältigbarkeit" zu verstehen ist.
a) Kohärenzgefühl: Antonovsky zufolge wird der Gesundheits- und Krankheitszustand eines Menschen wesentlich durch seine psychologische Grundhaltung gegenüber der Welt und dem eigenen Leben bestimmt. Kohärenz bezeichnet eine Haltung gegenüber der Welt, die durch ein „durchdringendes, überdauerndes und dennoch dynamisches Gefühl des Vertrauens" (Antonovsky 1997, S. 36) gekennzeichnet ist.
b) Bewältigbarkeit: Bewältigbarkeit (auch als Handhabbarkeit bezeichnet): bezieht sich auf die Überzeugung eines Menschen, dass Anforderungen lösbar sind, weil er über die geeigneten Ressourcen verfügt oder sich im entscheidenden Moment andere Menschen helfend einbringen werden. Ein hohes Maß an Bewältigbarkeit hat zur Folge, dass man sich nicht in der Opferrolle sieht und auch beim Erleben unangenehmer Dinge (z. B. Krankheiten) damit umgehen kann und sich neu orientiert, anstatt längere Zeit zu trauern, mit dem eigenen Schicksal zu hadern oder sich dauerhaft benachteiligt zu fühlen.
In den letzten Jahrzehnten hat sich das Krankheitspanorama von akuten zu chronischen Krankheiten gewandelt. Nennen Sie drei Ursachen dafür (6 Punkte) und geben Sie je ein Beispiel
Medizinisch-technischer Fortschritt (z. B. neue Behandlungsmethoden)
Soziale (wirtschaftliche) Lage der Bevölkerung (z. B. Verbesserung des Bildungswesens, Entwicklung der Zivilgesellschaft und der Demokratie)
Beschreiben Sie anhand der in der folgenden Abbildung dargestellten krankheitsbedingten Fehlzeiten für das Jahr 2017 folgende Aspekte:
a) die branchenübergreifende Rangfolge der drei häufigsten Erkrankungen
b) die drei häufigsten Erkrankungen im Gesundheits- und Sozialwesen mit ihrer Häufigkeitsausprägung in Prozent.
a) Branchenübergreifende Rangfolge: In der Rangfolge treten branchenübergreifend Muskel-/Skelett-Erkrankungen am häufigsten auf. Am zweithäufigsten führen Atemwegserkrankungen zu Arbeitsunfähigkeitstagen. An dritter Stelle stehen gleichrangig Verletzungen und psychische Erkrankungen.
Lösung b) Gesundheits- und Sozialwesen: Im Gesundheits- und Sozialwesen führen Muskel-/Skelett-Erkrankungen mit 21% am häufigsten zu Arbeitsunfähigkeitstagen. Gefolgt werden diese von psychischen Erkrankungen mit 15% und Atemwegserkrankungen mit 13%.
Frauen und Männer weisen deutliche Unterschiede in ihrem Gesundheitsverhalten auf. Skizzieren Sie drei Konsequenzen, die sich daraus für die Ausgestaltung von Präventions- und Therapieangeboten ableiten lassen.
Männer sind v.a. an niedrigschwelligen Angeboten interessiert, die keinen höheren Aufwand mit sich bringen (Durchführung z. B. direkt am Arbeitsplatz oder bei einmaligem Arztbesuch).
Männer fühlen sich v.a. durch Interventionen angesprochen, die Sport und körperliches Training beinhalten.
Beschreiben Sie anhand der folgenden Tabelle den Zusammenhang zwischen allgemeinem Gesundheitszustand und dem sozioökonomischen Status (SES) von Kindern und Jugendlichen für:
a) die allgemeine Gerichtetheit des Zusammenhangs
b) die Ausprägung des Zusammenhangs für den Erhebungszeitpunkt 2009-2012
c) die Ausprägung des Zusammenhangs im Entwicklungsverlauf im Zeitraum von 2003-2017.
a) Allgemeine Gerichtetheit: Die Tabelle zeigt für den Zusammenhang zwischen allgemeinem Gesundheitszustand und sozioökonomischem Status bei Kindern und Jugendlichen eine Ausprägung, dass mit dem Niveau des SES auch der allgemeine Gesundheitszustand abnimmt. Oder anders ausgedrückt: in der KIGGS-Studie sind weniger Kinder und Jugendliche mit einem hohen SES gegenüber Kindern und Jugendlichen mit einem mittleren und niedrigen SES von einem mittelmäßigen bis sehr schlechten allgemeinen Gesundheitsstatus betroffen.
Lösung b) Erhebungszeitpunkt 2009-2012: KIGGS Welle 1 (2009-2012): In der KIGGS-Welle 1 sind die Kinder und Jugendlichen mit einem niedrigen sozioökonomischen Status mit 10,6% am häufigsten von einem mittelmäßigen bis sehr schlechten allgemeinen Gesundheitszustand betroffen. Auch zu diesem Erhebungszeitpunkt sind mit 5,9% Kinder und Jugendliche mit mittlerem SES nicht so häufig und Kinder und Jugendliche mit einem hohen SES mit 3,2% am seltensten von einem mittelmäßigen bis sehr schlechten allgemeinen Gesundheitszustand betroffen.
Lösung c) Entwicklungsverlauf 2003-2017: Der Zusammenhang zwischen allgemeinem Gesundheitszustand und sozioökonomischem Status bleibt über den Erhebungszeitraum von 2003 bis 2017 an sich und in seiner Gerichtetheit bestehen. D.h. über alle drei Erhebungszeitpunkte hinweg weisen die Kinder und Jugendlichen mit einem niedrigen SES gegenüber denen mit einem mittleren und hohen SES am häufigsten einen mittelmäßigen bis sehr schlechten allgemeinen Gesundheitszustand auf. Im Vergleich zwischen dem ersten und dritten Erhebungszeitpunkt nimmt aber die Häufigkeit der Betroffenheit über die drei Niveaus des SES hinweg insgesamt ab.
In Deutschland ist das Thema „Gesundheitliche
Chancengleichheit" in den letzten Jahren vermehrt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.
b) Argumentieren Sie kurz, welcher Ansatz langfristig eine Verringerung der gesundheitlichen Ungleichheit bewirkt.
Erläutern Sie die Funktion des Risikostrukturausgleichs und seine Auswirkung auf den Wettbewerb der Krankenkassen.
Auswirkungen auf den Wettbewerb: Durch den Risikostrukturausgleich verringern sich die Unterschiede in den Beitragssätzen der Krankenkassen, ohne die Anreize zu eliminieren, attraktive Mitglieder zu werben und wirtschaftlich zu handeln. Der Risikostrukturausgleich ist die Voraussetzung für eine funktionsfähige und faire Kassenwahlfreiheit.
Nennen Sie drei Umverteilungsmechanismen.
(Auswahl von drei):
von Erwerbstätigen zu Rentnerinnen bzw. Rentnern
von hohen Einkommen zu niedrigen Einkommen.
Die WHO definierte in den 1940er Jahren Gesundheit als „Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur des Freiseins von Krankheit und Gebrechen. Sich des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu erfreuen, ist eines der Grundrechte jedes Menschen, ohne Unterschied der Rasse, der Religion, der politischen Überzeugung, der wirtschaftlichen oder sozialen Stellung." Legen Sie jeweils zwei Aspekte dafür dar, inwiefern die Gesundheitsdefinition der WHO zum damaligen Zeitpunkt innovativ war und was aus heutiger Sicht an ihr kritikwürdig erscheint.
Lösung innovativ:
Die Definition der WHO (World Health Organization – Weltgesundheitsorganisation) galt zur damaligen Zeit als revolutionär, weil sie sich erstmals von der rein biomedizinischen Sichtweise löste .
Sie überwindet das naturwissenschaftliche Paradigma, indem sie das Wohlbefinden in allen Dimensionen des täglichen Lebens verankert.
Lösung kritikwürdig:
Kritisiert wird an ihr, dass sie Gesundheit als Zustand beschreibt.
Zusätzlich skizziert sie einen Idealzustand „völligen Wohlbefindens", der vermutlich nur für die wenigsten Menschen erreichbar ist.
Bis heute gibt es keine eindeutige und allgemein akzeptierte Definition von Gesundheit. Göckenjahn hat zur Annäherung an eine Gesundheitsdefinition drei Perspektiven der Betrachtung und Deutung von Gesundheit herausgearbeitet. Beschreiben Sie die drei genannten Perspektiven. (12 Punkte)
Gesundheit als Abgrenzungskonzept: Diese Perspektive ist eng verbunden mit der medizinischen Deutung und Diagnostik von Krankheiten. Gesundheit wird hier unter anderem als Abwesenheit von Krankheit verstanden. Eine solche Abgrenzung von Gesundheit ist nur vordergründig konkret. Sie ist aber zum Beispiel bei einer ärztlichen Krankschreibung häufig notwendig .
Gesundheit als Funktionsaussage: Zu dieser Perspektive gehört zum einen die körperliche und soziale Leistungs- und Arbeitsfähigkeit. Zum anderen umfasst sie alle Gesundheitsvorstellungen eines körperlich-seelischen Gleichgewichts beziehungsweise einer flexiblen Anpassung an sich verändernde Umweltbedingungen. Im Mittelpunkt steht dabei häufig die Resistenz und Widerstandsfähigkeit von Menschen beispielsweise gegenüber Krankheitserregern. Auch diese Funktionsaussagen sind nur teilweise konkret.
Fallbeschreibung
Stephen Hawking (1942 – 2018) wuchs als ältestes der drei Kinder des Tropenmediziners Frank Hawking und der Wirt-
schaftswissenschaftlerin Isobel Hawking im Norden Londons auf. Er sollte auf Wunsch seines Vaters Medizin studieren.
Doch noch vor Schulende nahm er probeweise an einer Aufnahmeprüfung für die Universität Oxford teil. Diese bestand
er mit Auszeichnung und erhielt ein Stipendium. Nach seinem Studium promovierte Stephen Hawking über theoretische
Astronomie und Kosmologie. Später hatte er u. a. eine Professur für Gravitationsphysik inne und forschte sehr erfolg-
reich auf dem Gebiet der Quantenkosmologie zur Thematik der Schwarzen Löcher.
Stephen Hawking erkrankte bereits mit 21 Jahren an ALS (Amyotrophe Lateralsklerose), einer unheilbaren degenerati-
ven Erkrankung des motorischen Nervensystems. Ihm wurden nur noch wenige Lebensjahre prophezeit. Die Diagnose
bewirkte bei Hawking einen enormen Motivationsschub. Nach dem Studium promovierte er trotz erster Lähmungser-
scheinungen. Hawking gründete eine Familie und wurde Vater von drei Kindern. Seine Familie und seine Kolleginnen
und Kollegen unterstützten ihn fortan bei der Bewältigung seines Alltags und bei der Verschriftlichung seiner For-
schungsarbeiten. Bald danach war er auf den Rollstuhl angewiesen. Hawking arbeitete und forschte jedoch unvermin-
dert weiter. Jahre später machte eine Lungenentzündung einen Luftröhrenschnitt notwendig und Hawking verlor in Folge
dessen seine Sprechfähigkeit. Auch durch die erheblichen körperlichen Einschränkungen als Folge seiner fortschreiten-
den Erkrankung und die zunehmende Unterstützungsbedürftigkeit ließ sich Hawking bis an sein Lebensende nicht da-
von abhalten, weiter zu forschen und öffentlich aufzutreten.
(https://de.wikipedia.org/wiki/Stephen_Hawking; http://www.hawking.org.uk/about-stephen.html [09.08.2019])
Beziehen Sie sich auf das Fallbeispiel (Stephen Hawking). Interpretieren Sie den Gesundheitszustand des erwachsenen Stephen Hawking aus jeder der drei von Göckenjahn beschriebenen Perspektiven zur Betrachtung und Deutung von Gesundheit.
Gesundheit als Abgrenzungskonzept: Hawking erkrankte an ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) und erlebte im Verlauf seines Erwachsenenlebens durch die fortschreitende Erkrankung eine zunehmende körperliche Einschränkung. Aus der Perspektive „Gesundheit als Abgrenzungskonzept" war Hawking chronisch krank und körperlich (motorisch) behindert.
Gesundheit als Funktionsaussage: Hawking war einerseits aufgrund seiner chronischen Erkrankung und den damit einhergehenden Symptomen in seiner körperlichen Arbeits- und Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt und auf Unterstützung angewiesen. Seine geistige Arbeits- und Leistungsfähigkeit war jedoch nicht beeinträchtigt und eher überdurchschnittlich hoch. Im Sinne der Perspektive „Gesundheit als Funktionsaussage" war Hawking nicht eindeutig krank oder eindeutig gesund.
Gesundheit als Wertaussage: Hawking arbeitete trotz seiner Erkrankung Zeit seines Lebens, war familiär eingebunden und betrieb zudem unermüdliche Öffentlichkeitsarbeit. Seine Art zu leben und mit der Erkrankung umzugehen, können so interpretiert werden, dass Hawking Wohlbefinden und Zufriedenheit erlebte. Die Perspektive „Gesundheit als Wertaussage" legt nahe, dass er sowohl über kranke als auch über gesunde Anteile verfügte.
Definieren Sie den Begriff der sozialen Unterstützung.
Soziale Unterstützung umfasst den funktionalen beziehungsweise qualitativen Aspekt sozialer Beziehungen .
Benennen Sie die vier Formen der sozialen Unterstützung.
Emotionale Unterstützung
Instrumentelle Unterstützung
Informationelle Unterstützung
Evaluative Unterstützung
Beziehen Sie sich auf das Fallbeispiel und überlegen Sie sich anhand der Fallbeschreibung, welche Formen der sozialen Unterstützung Stephen Hawking erlebt hat. Erläutern Sie anhand von zwei Formen der sozialen Unterstützung Ihre Überlegungen.
Emotionale Unterstützung: Hawking hat mit seiner Familie und seinen Kolleginnen und Kollegen tragende soziale Beziehungen erlebt. Er wurde in seinem Kranksein und seinem Wirken akzeptiert, wertgeschätzt und umsorgt.
Instrumentelle Unterstützung: Hawking wurde in der Bewältigung seines Alltags sowohl pflegerisch versorgt als auch mit konkreten Hilfestellungen (zum Beispiel Verschriftlichung seiner Forschungsarbeiten) unterstützt.
Hawking war in seinem Erwachsenenleben zweimal verheiratet und wurde durch beide Ehefrauen stark unterstützt. Dieses Phänomen wird mit der sogenannten Protektionshypothese erklärt.
a) Erklären Sie die Protektionshypothese.
b) Stellen Sie die diesbezüglichen Geschlechterunterschiede dar
a): Die Protektionshypothese geht davon aus, dass durch die Ehe ein sozialer Kontext geschaffen wird, in dem sich die Partner gegenseitig im gesundheitsbewussten und präventiven Verhalten, in kritischen Lebenssituationen und im Krankheitsfall unterstützen.
b): Der besonders starke protektive Effekt der Ehe für Männer wird häufig damit erklärt, dass sich vor allem die Ehefrauen für die gesundheitlichen Belange der Familie einsetzen . Männer betrachten in der Regel ihre Ehefrau als ihre engste Vertraute und suchen bei ihr Unterstützung, während Frauen auch andere Personen ihres Netzwerkes (zum Beispiel Freunde, Familie) als Quelle sozialer Unterstützung angeben.
Grundlagen der sozialen Ungleichheit
a) Definieren Sie den Begriff der sozialen Ungleichheit
b) Benennen Sie vier Basisdimensionen sozialer Ungleichheit
c) Erläutern Sie, was unter vertikaler und horizontaler sozialer Ungleichheit zu verstehen ist.
d) Erläutern Sie, was unter dem Begriff des sozialen Gradienten von Gesundheit zu verstehen ist.
Lösung a): Soziale Ungleichheit liegt dann vor, wenn Menschen aufgrund ihrer Stellung in sozialen Beziehungsgefügen von den wertvollen Gütern einer Gesellschaft regelmäßig mehr als andere erhalten, wenn also als wertvoll geltende Güter nicht absolut gleich verteilt sind.
Lösung b): Als Basisdimensionen sozialer Ungleichheit gelten: Wissen, materieller Wohlstand, Macht und Prestige.
Lösung c):
Horizontale soziale Ungleichheit: Soziale Ungleichheit, die zwischen Gruppen besteht, wird als horizontale soziale Ungleichheit bezeichnet. Als Merkmale der horizontalen sozialen Ungleichheit gelten Alter, Geschlecht und Nationalität.
Vertikale soziale Ungleichheit: Vertikale soziale Ungleichheit wird mithilfe der Indikatoren Bildung, beruflicher Status und Einkommen erfasst, welche eine hierarchische Einordnung der Bevölkerung zulassen.
Lösung d): Die sozial bedingte Ungleichheit von Gesundheitschancen ist nicht auf Randgruppen beschränkt, sondern bildet ein Kontinuum entlang der sozialen Stufenleiter (sozialer Gradient), das heißt, Morbidität und Mortalität nehmen mit zunehmendem sozioökonomischem Status ab .
Begründen Sie anhand des Fallbeispiels, inwiefern Hawking diesbezüglich als privilegiert gelten konnte.
Stephen Hawking entstammte einer Akademikerfamilie. Mit hoher Wahrscheinlichkeit verfügten die Eltern über ein ausreichendes Einkommen und konnten dem Sohn, auch vor dem eigenen Bildungshintergrund, frühzeitig Bildungschancen eröffnen. Hawking vollzog ebenfalls einen akademischen Bildungsweg, der ihm, auch über ein entsprechendes Einkommen, eine adäquate gesundheitliche Versorgung und eine außergewöhnliche Entwicklung ermöglichte.
Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und die Private Krankenversicherung (PKV) unterscheiden sich in wesentlichen Strukturprinzipien. Skizzieren Sie die Unterschiede zwischen GKV und PKV anhand der Versicherten, der Leistungserbringung, des Leistungsumfangs und der Beitragshöhe.
Fallbesispiel
Herr B. hat sich vor vier Monaten bei einem Sportunfall einen komplizierten Bruch im linken Schultergelenk zugezogen. Danach wurde er zweimal operiert und musste sechs Wochen einen Gipsverband tragen. Nun geht er viermal wöchentlich zur Krankengymnastik und ist wegen der ambulanten Rehabilitation weiterhin krankgeschrieben.
Auf dem Weg zur „Reha" hat Herr B. mehrmals seine Kolleginnen und Kollegen in der Stadtverwaltung besucht. Das tut er seit einiger Zeit nicht mehr, da sie zunehmend sauer auf seine Besuche reagierten. Wegen einer Umstellung des EDV-Systems (Elektronische Datenverarbeitung-System) haben sie mehr Arbeit als üblich.
Ein Kollege hat Herrn B. ganz direkt gefragt, warum der denn nicht seine sitzende Tätigkeit wieder aufnehmen könne, wo er doch topfit sei und äußerst ausgeruht. Bei der aktuellen Umstellung könne er viele für die Kolleginnen und Kollegen enorm entlastende Arbeiten übernehmen, bei denen er seinen linken Arm nicht belasten brauche - z. B. (zum Beispiel) die Bürgersprechstunde, bei der er nur Sitzfleisch, Köpfchen und Redefähigkeit brauche (Fallbeispiel in Anlehnung an Franke 2012).
Beschreiben Sie die drei genannten Perspektiven
Gesundheit als Abgrenzungskonzept: Diese Perspektive ist eng verbunden mit der medizinischen Deutung und Diagnostik von Krankheiten. Gesundheit wird hier u. a. (unter anderem) als Abwesenheit von Krankheit verstanden. Eine solche Abgrenzung von Gesundheit ist nur vordergründig konkret. Sie ist aber z. B. (zum Beispiel) bei einer ärztlichen Krankschreibung häufig notwendig.
Gesundheit als Funktionsaussage: Zu dieser Perspektive gehört zum einen die körperliche und soziale Leistungs- und Arbeitsfähigkeit. Zum anderen umfasst sie alle Gesundheitsvorstellungen eines körperlich-seelischen Gleichgewichts bzw. (beziehungsweise) einer flexiblen Anpassung an sich verändernde Umweltbedingungen. Im Mittelpunkt steht dabei häufig die Resistenz und Widerstandsfähigkeit von Menschen beispielsweise gegenüber Krankheitserregern. Auch diese Funktionsaussagen sind nur teilweise konkret.
Beziehen Sie sich auf das folgende Fallbeipiel. Interpretieren Sie den Gesundheitszustand von Herrn B. aus jeder der drei von Göckenjahn beschriebenen Perspektiven zur Betrachtung und Deutung von Gesundheit (je 4 Punkte). (Hinweis: Siehe Karteikarte 1 für den Text des Fallbeispiels)
Gesundheit als Abgrenzungskonzept: Herr B. muss sich in Folge seiner Schulterfraktur medizinischen Behandlungen unterziehen. Er ist krankgeschrieben und damit aus der Perspektive „Gesundheit als Abgrenzungskonzept" z. Zt. (zur Zeit) nicht gesund, sondern krank.
+1
Gesundheit als Funktionsaussage: Herr B. ist zwar aufgrund der ärztlichen Krankschreibung z.Zt. (zur Zeit) formal nicht arbeitsfähig. Seine körperliche und soziale Leistungs- und Arbeitsfähigkeit ist jedoch aufgrund seiner Schulterfraktur nicht völlig eingeschränkt. So kann er eigenständig die Rehabilitationsmaßnahmen wahrnehmen und soziale Kontakte pflegen. Im Sinne der Perspektive „Gesundheit als Funktionsaussage" ist Herr B. nicht eindeutig krank oder gesund.
Gesundheit als Wertaussage: Herr B. hat trotz seiner körperlichen Einschränkungen durch die Schulterfraktur und die Beanspruchung durch seine Rehabilitationsmaßnahmen seine Kolleginnen und Kollegen besucht. Das Vorgehen von Herrn B. kann bezogen auf sein körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden so interpretiert werden, dass es ihm recht gut geht und er sich eher gesund als krank fühlt. Aus der Perspektive „Gesundheit als Wertaussage" heraus verfügt Herr B. sowohl über kranke als auch über gesunde Anteile.
Die Stressforschung beschäftigt sich mit dem Einfluss von Stress auf die Gesundheit und benennt wichtige psychosoziale Stressoren.
Benennen und erläutern Sie drei psychosoziale Belastungsarten. Geben Sie bitte jeweils ein Beispiel für dazugehörige Stressoren.
(Hinweis: Die Richtlinie führt vier mögliche Belastungsarten auf, von denen drei gefordert sind)
Als körperliche Aktivität wird jede moderate körperliche Bewegung bezeichnet, die auch Berufs- und Hausarbeit sowie Freizeit- und Fortbewegungsverhalten mit einschließt. Regelmäßige körperliche Aktivität gilt als bedeutsam für Gesundheit und Wohlbefinden.
Stellen Sie den Wirkungszusammenhang her zwischen:
körperlicher Aktivität und Kompetenzentwicklung im jüngeren Lebensalter (je 2 Punkte).
Kompetenzentwicklung im jüngeren Lebensalter: Körperliche Aktivität unterstützt die Entwicklung sozialer und personaler Kompetenzen im jüngeren Lebensalter.
a) Benennen Sie vier Zusammenhänge, mit denen dies exemplarisch untermauert werden kann. (4 Punkte)
a) (Vier exemplarische Nennungen): (Hinweis: Die Richtlinie listet fünf mögliche Ausprägungen auf)
Einkommen und Lebenserwartung
Berufliche Stellung und Morbidität
Sozialer Status und Morbidität
Einkommen und Gesundheit
Subjektive Gesundheit und Lebensqualität
b) (Zwei Zusammenhänge mit Angabe der Richtung): (Hinweis: Die Richtlinie nennt drei mögliche Beschreibungen)
Je geringer das Einkommen, desto schlechter ist die Gesundheit.
Je geringer das Einkommen, desto geringer ist die Lebenserwartung.
Je geringer der soziale Status (Stellung im Beruf, Bildung, Einkommen), desto höher die Morbidität.
Die sozial bedingte Ungleichheit von Gesundheitschancen ist nicht auf Randgruppen beschränkt, sondern bildet ein Kontinuum entlang der sozialen Stufenleiter (sozialer Gradient), d. h. (das heißt), Morbidität und Mortalität nehmen mit zunehmendem sozioökonomischem Status ab.
Es existieren zwei zentrale Thesen über die Ursachen gesundheitlicher Ungleichheit: die Selektions- oder Drifthypothese und die Kausations- oder Verursachungshypothese.
Geben Sie die Grundaussage beider Thesen wider und geben Sie für jede These ein Beispiel
Selektions- oder Drifthypothese:
Beispiel: Genetische Dispositionen oder frühe Gesundheitsbeeinträchtigungen (z. B. (zum Beispiel) chronische Krankheit oder Behinderung im Kindesalter) führen zu einer niedrigen sozioökonomischen Position im Erwachsenenalter (z. B. (zum Beispiel) geringeres Bildungsniveau, niedrigere berufliche Position, geringeres Einkommen).
Kausations- oder Verursachungshypothese:
Beispiel: Ein niedriger sozioökonomische Status (z. B. (zum Beispiel) geringes Bildungsniveau, Armut, niedrige berufliche Position) wirkt sich negativ auf die Gesundheit aus.
Im Rahmen des Armutsberichtes des Paritätischen Gesamtverbandes 2018 wurde anhand von Daten aus dem Sozioökonomischen Panel (SOEP) u.a. (unter anderem) die gesundheitliche Situation in der deutschen Bevölkerung von Personen ab 18 Jahren im Zusammenhang mit Armutsbetroffenheit untersucht.
Arbeiten Sie anhand der folgenden Abbildung den Zusammenhang zwischen dem subjektiv eingeschätzten Gesundheitszustand und der Armutsbetroffenheit heraus. Beschreiben Sie für jede der fünf Merkmalsausprägungen („sehr gut" usw.) die Gerichtetheit des Zusammenhangs (Unterschied zwischen „arm", „nicht arm") (je 2 Punkte).
Original-Datenwerte aus der Abbildung 7.2.1 (in Prozent):
sehr gut: arm = 11,6 % | nicht arm = 8,9 %
gut: arm = 30,1 % | nicht arm = 39,8 %
zufriedenstellend: arm = 29,1 % | nicht arm = 33,5 %
weniger gut: arm = 21,8 % | nicht arm = 14,4 %
schlecht: arm = 7,4 % | nicht arm = 3,4 %
GKV vs. PKV
Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und die Private Krankenversicherung (PKV) unterscheiden sich in wesentlichen Strukturprinzipien.
Skizzieren Sie die Unterschiede zwischen GKV (Gesetzlicher Krankenversicherung) und PKV (Privater Krankenversicherung) anhand der Versicherten, der Leistungserbringung, des Leistungsumfangs (je 2 Punkte) und der Beitragshöhe mit Hilfe der folgenden Tabelle.
Zielkonflikt
Der größte Zielkonflikt bei jeder Gesundheitsreform in Deutschland ist der zwischen Bedarfsorientierung und Wirtschaftlichkeit. Der Bedarf an Gesundheitsleistungen ist im Prinzip unbegrenzt, wird aber durch den gesetzlichen Leistungskatalog der GKV (Gesetzlichen Krankenversicherung) eingegrenzt.
Ein weiterer Zielkonflikt besteht zwischen der Einnahmebasis der gesetzlichen Krankenkassen (Einkommen der abhängig Beschäftigten) und dem ärztlichen Einkommensanspruch.
Altklausur Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft
Fallbeispiel
Frau Meier, 54 Jahre, Reinigungskraft, drei erwachsene Kinder, verwitwet, lebt allein in einem sozialen Brennpunkt in einer Großstadt.
Seit dem Tod ihres Mannes vor zwei Jahren lebt Frau Meier sehr zurückgezogen. Nach der Arbeit ist sie meist völlig erschöpft und verbringt ihren Feierabend mit Alkohol und Zigaretten vor dem Fernseher. Ihre Arbeit empfindet Frau Meier als sehr belastend und sie hat oft Mühe, mit ihren Kolleginnen mitzuhalten und ihr Pensum zu schaffen. Sie leidet unter starken Rücken- und Kopfschmerzen. Zu ihrem Hausarzt geht sie aber nicht, denn sie hat Angst vor einer ernsthaften Erkrankung und den Folgen, die das haben könnte.
Sie muss schon jetzt ihre materiellen Ansprüche bescheiden halten, damit sie mit ihrem Einkommen über den Monat kommt. Die Kontakte zu Familie und Freunden hat Frau Meier abgebrochen, weil sie die vielen guten Ratschläge nicht mehr hören kann und sich nicht bevormunden lassen will.
Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft (14.03.2020) – Aufgabe 1: Gesundheitskonzepte (Teil a) Frage (1:1 wort für wort): Ab Mitte des 20. (zwanzigsten) Jahrhunderts vollzog sich eine Neuausrichtung von Public Health (Öffentlicher Gesundheit).
a) Arbeiten Sie den Unterschied zwischen Old (Altem) und New (Neuem) Public Health (Öffentlicher Gesundheit) anhand der Adressaten und der relevanten Themengebiete heraus.
Adressaten: Adressaten von Old Public Health waren gesundheitlich unterversorgte und sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Im Gegensatz dazu richtet sich New Public Health an die gesamte Bevölkerung.
Fach- bzw. Themengebiete: Mit Old Public Health wurde ein hygienebezogener Ansatz verfolgt, der auf den Fachgebieten Sozialmedizin, Umwelthygiene und Epidemiologie basierte. New Public Health zielt auf die medizinische und psychosoziale Versorgung und beinhaltet neben den Themengebieten Umwelt- und Sozialhygiene auch Gesundheitssystem- und Versorgungsforschung sowie Prävention.
Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft Gesundheitskonzepte
Nennen und erläutern Sie ein Beispiel für New Public Health (Neue Öffentliche Gesundheit) in Deutschland.
Als Beispiele für New Public Health in Deutschland gelten die AIDS-Prävention (Prävention des Erworbenen Immundefizienzsyndroms) und die betriebliche Gesundheitsförderung.
(Hinweis: In der Korrekturrichtlinie sind beide Beispiele voll ausgeführt, eines davon ist in der Prüfung zu erläutern) :
AIDS-Prävention: Die Strategie zur verhältnisgestützten Verhaltensmodifikation führte zur dauerhaften Umstellung auf Risikovermeidung (safer sex / geschützterer Sex) bei großen Teilen der betroffenen Gruppen. Sie beinhaltet die Respektierung der Lebensweise der Zielgruppen, eine persönliche Beratung und Kommunikation und eine dauerhafte Aufklärung über Gesundheitsgefährdungen und Verhaltensmöglichkeiten.
Betriebliche Gesundheitsförderung: Die gesetzlichen Krankenkassen leisteten mit Unterstützung von Public Health Professionals (Fachkräften der Öffentlichen Gesundheit) Pionierarbeit für die Umsetzung der betrieblichen Gesundheitsförderung. In den Betrieben wurden Möglichkeiten der Risikosenkung und Ressourcenstärkung in Arbeits-, Betriebsabläufen und im Sozialklima ermittelt und umgesetzt. Gesundheitszirkel etablierten sich als Instrument der betrieblichen Gesundheitsförderung. In den Gesundheitszirkeln sind die Belegschaft, die Personalvertretung und das Management vertreten.
Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft
Einflussfaktoren auf Gesundheit (
(Hinweis: Die Richtlinie führt vier mögliche Belastungsarten auf, von denen drei gefordert sind):
Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft
Nehmen Sie Bezug auf das Fallbeispiel und beschreiben Sie, welchen Einfluss die folgenden Faktoren auf die Gesundheit von Frau Meier ausüben. (Fallbeispiel siehe Karteikarte 1)
Soziale Beziehungen und soziale Unterstützung
Dass Frau Meier allein und ohne soziale Kontakte lebt, wirkt sich negativ auf ihre Gesundheit aus. Anhand von Studien konnten sowohl der Zusammenhang zwischen sozialer Integration und niedrigen Mortalitätsraten (Sterberaten) als auch die positive Wirkung von sozialen Interaktionen auf das psychische Wohlbefinden und die körperliche Gesundheit nachgewiesen werden.
Nehmen Sie Bezug auf das Fallbeispiel und beschreiben Sie, welchen Einfluss die folgenden Faktoren auf die Gesundheit von Frau Meier ausüben. Einkommen
Die schlechte ökonomische Lebenslage wirkt sich negativ auf die Gesundheit von Frau Meier aus. Die sozio-epidemiologische Forschung konnte die Zusammenhänge belegen zwischen Einkommen und Lebenserwartung (je geringer das Einkommen, desto höher das Mortalitätsrisiko / Sterberisiko), zwischen Einkommen und Gesundheitszustand (je geringer das Einkommen, desto schlechter die Gesundheit und desto häufiger chronische Erkrankungen), zwischen Einkommen und Gesundheitsverhalten (je geringer das Einkommen, desto ungünstiger das Rauch- und Bewegungsverhalten).
Nehmen Sie Bezug auf das Fallbeispiel und beschreiben Sie, welchen Einfluss die folgenden Faktoren auf die Gesundheit von Frau Meier ausüben. Wohnbedingungen
Frau Meier lebt in einem sozialen Brennpunkt. Die Wohnbedingungen haben einen bedeutenden Einfluss auf das körperliche, psychische und soziale Wohlbefinden und damit auf die Gesundheit. Auch wenn die psychisch belastenden Effekte einer unbefriedigenden Wohnsituation nur schwer quantifizierbar sind, spielen sie dennoch eine wichtige Rolle.
Nehmen Sie Bezug auf das Fallbeispiel und beschreiben Sie, welchen Einfluss die folgenden Faktoren auf die Gesundheit von Frau Meier ausüben. Individueller Lebensstil (Gesundheitsverhalten)
Frau Meier ist durch ihre Arbeit körperlich sehr beansprucht und geht völlig erschöpft in den Feierabend. Für ihre Regeneration und gesundheitsförderliche Erholung tut sie in ihrer Freizeit nichts. Ihr regelmäßiger Konsum von Alkohol und Nikotin und ihr Bewegungsmangel schaden ihrer Gesundheit. Außerdem geht Frau Meier nicht ihren gesundheitlichen Beschwerden nach. Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass sich das Gesundheitsverhalten in erheblichem Maße auf die Gesundheit auswirkt.
b) Beschreiben Sie zwei Zusammenhänge zwischen sozialer und gesundheitlicher Ungleichheit und geben Sie die Richtung des Zusammenhangs an. (4 Punkte)
a) (Vier exemplarische Verknüpfungen):
(Hinweis: Die Richtlinie listet fünf mögliche Ausprägungen auf, von denen vier gefordert sind) :
Berufliche Stellung und Morbidität (Krankheitshäufigkeit)
Sozialer Status und Morbidität (Krankheitshäufigkeit)
b) (Zwei Beschreibungen inklusive Angabe der Gerichtetheit):
(Hinweis: Die Richtlinie nennt drei mögliche Varianten):
Je geringer der soziale Status (Stellung im Beruf, Bildung, Einkommen), desto höher ist die Morbidität (Krankheitshäufigkeit).
Grundzüge: Als berufliche Gratifikationskrise wird das Missverhältnis zwischen (hoher) erbrachter Arbeitsleistung und (vergleichsweise niedriger) erhaltener Belohnung bezeichnet.
Beispiele für Gratifikationen: Einkommen, Arbeitsplatzsicherheit, Anerkennung/Wertschätzung, beruflicher Status.
Arbeiten Sie anhand der folgenden Abbildung folgende Zusammenhänge heraus und stellen Sie dabei auch die Richtung des Zusammenhangs bezüglich der Höhe der Arbeitsbelastung und der „Höhe" der beruflichen Stellung (hier „Berufsposition") dar:
Zusammenhang zwischen beruflicher Stellung, Höhe der Arbeitsbelastung und Gratifikationskrise
Zusammenhang zwischen beruflicher Stellung, Höhe der Arbeitsbelastung und geringer Kontrolle in der beruflichen Tätigkeit.
Zusammenhang zwischen beruflicher Stellung, Höhe der Arbeitsbelastung und Gratifikationskrise: Je niedriger die berufliche Stellung ist, desto höher ist die Arbeitsbelastung und desto häufiger treten Gratifikationskrisen auf. Oder: Je höher die berufliche Stellung ist, desto geringer ist die Arbeitsbelastung und desto seltener treten Gratifikationskrisen auf.
Zusammenhang zwischen beruflicher Stellung, Höhe der Arbeitsbelastung und geringer Kontrolle in der beruflichen Tätigkeit: Je niedriger die berufliche Stellung ist, desto höher ist die Arbeitsbelastung und desto häufiger wird geringe Kontrolle (Kontrollmöglichkeiten) erlebt. Oder: Je höher die berufliche Stellung ist, desto geringer ist die Arbeitsbelastung und desto seltener wird geringe Kontrolle (Kontrollmöglichkeiten) erlebt.
Erläutern Sie zwei Zielkonflikte, die bei jeder Gesundheitsreform in Deutschland auftreten.
Der zentrale Zielkonflikt bei jeder Gesundheitsreform in Deutschland ist der zwischen Bedarfsorientierung und Wirtschaftlichkeit. Der Bedarf an Gesundheitsleistungen ist im Prinzip unbegrenzt, wird aber durch den gesetzlichen Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung eingegrenzt.
Erklären Sie die Funktion des Risikostrukturausgleichs und seine Auswirkung auf den Wettbewerb der gesetzlichen Krankenkassen.
Funktion: Gesetzliche Krankenkassen, die viele Menschen mit niedrigen Einkommen und höheren gesundheitlichen Belastungen versichern, sind hinsichtlich ihrer Finanzierung auf der Einnahmenseite benachteiligt. Diese Nachteile werden seit 1994 (neunzehnhundertvierundneunzig) durch den Risikostrukturausgleich abgemildert. Es erfolgt ein teilweiser Lastenausgleich zwischen den gesetzlichen Krankenkassen. Krankenkassen mit einer günstigeren Risikostruktur ihrer Versicherten müssen den benachteiligten Krankenkassen Kompensationszahlungen leisten.
Auswirkungen auf den Wettbewerb: Durch den Risikostrukturausgleich verringern sich die Unterschiede in den Beitragssätzen der gesetzlichen Krankenkassen, ohne die Anreize zu eliminieren, attraktive Mitglieder zu werben und wirtschaftlich zu handeln. Der Risikostrukturausgleich ist die Voraussetzung für eine funktionsfähige und faire Kassenwahlfreiheit.
Gesundheitsförderung und Prävention
In der Prävention werden die drei Arten Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention unterschieden.
Definieren Sie zwei der genannten Präventionsbereiche und geben Sie jeweils ein Beispiel.
(Hinweis: In der Korrekturrichtlinie sind alle drei Ebenen definiert, zwei davon sind gefordert):
Primärprävention: zielt auf eine Vermeidung von Krankheitsursachen bei einem gesunden Menschen. Beispiel:Mach's-mit-Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Prävention von sexuell übertragbaren Erkrankungen.
Sekundärprävention: zielt auf eine Reduzierung von Risikofaktoren im Frühstadium einer Krankheit, um Krankheitsauslöser zu korrigieren. Beispiel: Eltern-Kind-Kuren zur Ressourcenstärkung in der Familie.
Tertiärprävention: zielt bei einer Erkrankung auf die Stabilisierung der gesundheitlichen Lage im Hinblick auf Folgeerkrankungen. Beispiel: Raucherentwöhnung zur Verhinderung von erneuten Herzinfarkten.
Fallbeispiel zu den
Maria ist achtzehn Jahre alt, lebt als Einzelkind mit ihren Eltern und geht noch zur Schule. Sie ist ein sehr lebenslustiger und kontaktfreudiger Teenager. Mit vierzehn Jahren ist Maria an Leukämie erkrankt und hat seitdem wiederholt längere Aufenthalte in verschiedenen Kliniken verbracht. Ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich immer wieder bedrohlich. Beide Eltern von Maria sind verbeamtet im Lehrerberuf tätig. Sie haben mit Krankheitsbeginn vor vier Jahren abwechselnd ihre Arbeitszeit reduziert, um Maria betreuen zu können und um in Zusammenarbeit mit ihrer Schule durch ein individuelles Homeschooling die weitere Schullaufbahn und den nun bevorstehenden Schulabschluss zu ermöglichen. Die Großeltern von Maria unterstützen die Familie in der Alltagsbewältigung und in finanziellen Angelegenheiten.
Gerade befindet sich Maria wieder seit zwei Wochen in der Klinik, weil sie infolge einer Infektion mit dem Corona-Virus Corona Virus Disease 2019 beatmungspflichtig geworden war. Es ist sehr belastend für sie, dass sie nur sehr eingeschränkt Besuch empfangen und dann auch nicht im direkten Kontakt sein darf. Andererseits hat Maria aufgrund bisheriger Erfahrungen großes Vertrauen in das Pflege- und ärztliche Personal. Sie gilt auf der Station als Sonnenschein und ihr gutes Verhältnis zu allen hilft ihr über die schweren Tage hinweg.
Sobald Maria wach und nicht mehr beatmet war, wollte sie in den Behandlungsprozess einbezogen werden und möglichst viel eigenständig tun. Sie hat einen starken Willen und gibt die Hoffnung nicht auf, wieder gesund zu werden. An schlechten Tagen ringt Maria bei körperlicher Anstrengung noch schnell nach Luft und ist dann wütend auf ihre Erkrankung. Aber meist ist Maria trotz ihrer gesundheitlichen Einschränkungen zufrieden und kann auch immer wieder über sich selber lachen.
Außerdem träumt Maria schon lange davon, nach dem Schulabschluss den Führerschein zu machen, musste das aber immer wieder hinten anstellen. Jetzt recherchiert sie gerade, ob sie die theoretische Ausbildung und Prüfung dafür nicht irgendwo online machen kann. Dann könnte sie vielleicht schon bald damit beginnen, wenn die guten Tage wieder überwiegen. Ihre Eltern und Großeltern und auch ihre zwei besten Freundinnen unterstützen und bestärken sie in diesem Vorhaben und sind auch in allen anderen Belangen für sie da.
Die Weltgesundheitsorganisation definierte in den 1940er-Jahren Gesundheit als „Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur des Freiseins von Krankheit und Gebrechen. Sich des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu erfreuen, ist eines der Grundrechte jedes Menschen, ohne Unterschied der Rasse, der Religion, der politischen Überzeugung, der wirtschaftlichen oder sozialen Stellung." (Weltgesundheitsorganisation, 1948)
Legen Sie jeweils zwei Aspekte dafür dar, inwiefern die Gesundheitsdefinition der Weltgesundheitsorganisation zum damaligen Zeitpunkt innovativ war und was aus heutiger Sicht an ihr kritikwürdig erscheint.
innovativ: Die Definition der Weltgesundheitsorganisation galt zur damaligen Zeit als revolutionär, weil sie sich erstmals von der rein biomedizinischen Sichtweise löste. Sie überwindet das naturwissenschaftliche Paradigma, indem sie das Wohlbefinden in allen Dimensionen des täglichen Lebens verankert.
kritikwürdig: Kritisiert wird an ihr, dass sie Gesundheit als Zustand beschreibt. Zusätzlich skizziert sie einen Idealzustand „völligen Wohlbefindens", der vermutlich nur für die wenigsten Menschen erreichbar ist.
Gesundheit als Abgrenzungskonzept: Diese Perspektive ist eng verbunden mit der medizinischen Deutung und Diagnostik von Krankheiten. Gesundheit wird hier unter anderem als Abwesenheit von Krankheit verstanden. Eine solche Abgrenzung von Gesundheit ist nur vordergründig konkret. Sie ist aber zum Beispiel bei einer ärztlichen Krankschreibung häufig notwendig.
Gesundheit als Wertaussage: Gesundheitsdefinitionen dieser Art verstehen Gesundheit als höchsten Wert oder als einen absoluten Richtwert. Die bekannteste wertorientierte Beschreibung ist die Gesundheitsdefinition der Weltgesundheitsorganisation von 1948.
Beziehen Sie sich auf das Fallbeispiel. Interpretieren Sie den Gesundheitszustand von Maria aus jeder der drei von Göckenjahn beschriebenen Perspektiven zur Betrachtung und Deutung von Gesundheit. (Hinweis: Siehe Karteikarte 1 für den Text des Fallbeispiels)
Gesundheit als Abgrenzungskonzept: Maria ist vor vier Jahren an einer lebensbedrohlichen Erkrankung mit chronischem Verlauf erkrankt. Immer wieder hat sie krankheitsbedingte Krisen erlebt und war gerade im Zuge einer Infektion mit dem Coronavirus Corona Virus Disease 2019 beatmungspflichtig geworden. Aus der Perspektive „Gesundheit als Abgrenzungskonzept" ist Maria chronisch krank.
Gesundheit als Funktionsaussage: Maria ist einerseits aufgrund ihrer chronischen Erkrankung und den damit einhergehenden Symptomen in ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit eingeschränkt und auf Unterstützung angewiesen. Andererseits hat sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten immer wieder aktiv zur Krankheitsbewältigung beigetragen und sowohl ihre Schulbildung verfolgt als auch Zukunftspläne geschmiedet. Im Sinne der Perspektive „Gesundheit als Funktionsaussage" ist Maria nicht eindeutig krank oder eindeutig gesund.
Gesundheit als Wertaussage: Maria nimmt trotz ihrer Erkrankung nach ihren Möglichkeiten am Leben teil. Sie möchte die Schule beenden und den Führerschein machen. Trotz ihrer lebensbedrohlichen Erkrankung und häufiger gesundheitlicher Krisen arbeitet sie auf beides hin und erlebt Zufriedenheit. Die Perspektive „Gesundheit als Wertaussage" legt nahe, dass sie sowohl über kranke als auch über gesunde Anteile verfügt.
Soziale Unterstützung umfasst den funktionalen beziehungsweise qualitativen Aspekt sozialer Beziehungen.
Benennen Sie die vier Formen der sozialen Unterstützung und geben Sie je ein Beispiel.
Emotionale Unterstützung: Wertschätzung, Akzeptanz
Instrumentelle Unterstützung: konkrete Hilfe, materielle Hilfe
Informationelle Unterstützung: Bereitstellung von Informationen
Evaluative Unterstützung: Angebote zur Situationsbewertung, Entscheidungsfindung, Problemlösung
Beziehen Sie sich auf das Fallbeispiel und überlegen Sie sich anhand der Fallbeschreibung, welche Formen der sozialen Unterstützung Maria erlebt. Erläutern Sie anhand von zwei Formen der sozialen Unterstützung Ihre Überlegungen. (Hinweis: Siehe Karteikarte 1 für den Text des Fallbeispiels)
(Hinweis: Die Richtlinie führt zwei exemplarische Erläuterungen auf, die voll zu werten sind)
Emotionale Unterstützung: Maria ist in gutem Kontakt mit ihren Eltern, Großeltern und mit ihren Freundinnen. Sie wird von dem genannten Personenkreis in ihrem Alltag und ihren persönlichen Vorhaben und Wünschen unterstützt. Im Krankenhaus hat Maria auch zum Personal einen guten Kontakt und Vertrauen, was unter den Bedingungen der Kontaktbeschränkung umso bedeutsamer für den Genesungsprozess ist.
Instrumentelle Unterstützung: Maria erlebt vor allem durch ihre Eltern Unterstützung in der Alltagsbewältigung und durch das Homeschooling. Aber auch die Großeltern helfen mit und unterstützen die Familie finanziell. Maria wird auch durch das Pflege- und ärztliche Personal in ihrer Krankheitsbewältigung unterstützt.
a) Definieren Sie den Begriff der sozialen Ungleichheit.
b) Benennen Sie vier Basisdimensionen sozialer Ungleichheit.
a): Soziale Ungleichheit liegt dann vor, wenn Menschen aufgrund ihrer Stellung in sozialen Beziehungsgefügen von den wertvollen Gütern einer Gesellschaft regelmäßig mehr als andere erhalten, wenn also als wertvoll geltende Güter nicht absolut gleich verteilt sind.
b): Als Basisdimensionen sozialer Ungleichheit gelten: Wissen, materieller Wohlstand, Macht und Prestige.
Erläutern Sie, was unter vertikaler und horizontaler sozialer Ungleichheit zu verstehen ist.
inführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft
Gesundheitliche Ungleichheit (
Erläutern Sie, was unter dem Begriff des sozialen Gradienten von Gesundheit zu verstehen ist.
Die sozial bedingte Ungleichheit von Gesundheitschancen ist nicht auf Randgruppen beschränkt, sondern bildet ein Kontinuum entlang der sozialen Stufenleiter (sozialer Gradient), das heißt, Morbidität und Mortalität nehmen mit zunehmendem sozioökonomischem Status ab.
In einem der aktuellen Erklärungsansätze in der Ungleichheitsforschung wird „Gesundheit als soziales Produkt" diskutiert, das sowohl von der Verteilung materieller und sozialer Ressourcen als auch vom psychosozialen Stressniveau abhängig ist. Es wird angenommen, dass ein hoher Grad der Ungleichheit mit einer ungerechten Ressourcenverteilung (zum Beispiel Einkommens- und Bildungschancen) einhergeht.
Begründen Sie anhand des Fallbeispiels, inwiefern Maria diesbezüglich als privilegiert gelten kann. (Hinweis: Siehe Karteikarte 1 für den Text des Fallbeispiels)
Marias Eltern haben mit Krankheitsbeginn vor vier Jahren abwechselnd ihre Arbeitszeit reduziert, um Maria betreuen und schulisch unterstützen zu können. Dabei können sie sich aufgrund ihres Beamtenstatus auf ein sicheres Arbeitsverhältnis stützen und werden finanziell durch die Großeltern entlastet. Beide Eltern sind im Lehrerberuf tätig und können Maria deshalb sehr qualifiziert und zielgerichtet in ihrer Schullaufbahn unterstützen.
Reformansätze
Unter dem Kontrahierungszwang wird die Verpflichtung der Krankenkassen (sowohl Gesetzliche Krankenversicherung als auch Private Krankenversicherung) verstanden, jedes formal aufnahmeberechtigte Mitglied auch aufzunehmen. Mit der Einführung des Basistarifs in der Privaten Krankenversicherung sind auch die privaten Kassen verpflichtet, diejenigen ohne vorherige Risikoprüfung aufzunehmen, die alle sonstigen Voraussetzungen erfüllen.
Im Zuge der Corona Pandemie wird sich die soziale Ungleichheit in Deutschland vermutlich noch verschärfen. Führen Sie aus, inwiefern der Kontrahierungszwang in diesem Zusammenhang bedeutsam ist.
Im Zuge der Corona Pandemie sind viele Menschen von Kurzarbeit oder Kündigung betroffen. Mit dieser Veränderung ihrer Einkommenssituation werden die betroffenen Menschen aus der Perspektive der Krankenkassen zu „unattraktiven" Mitgliedern, die sie ohne Kontrahierungszwang nicht freiwillig aufnehmen würden.
Damit würde vermutlich zusätzlich auch die Dunkelziffer der Menschen ohne Krankenversicherung noch weiter ansteigen und sich die gesundheitliche Versorgung von Menschen in sozial benachteiligten Lebenslagen weiter verschlechtern.
Impfungen gegen Kinderkrankheiten oder spezifische Erkrankungen im Erwachsenenalter gehören zu den Maßnahmen der Gesundheitsvorsorge. Gegenwärtig wird eine künftige Impfpflicht gegen das Coronavirus Corona Virus Disease 2019 diskutiert.
Legen Sie Ihre persönliche Position zu einer Impfpflicht gegen Corona Virus Disease 2019 dar. Überlegen Sie, welche Argumente dafür und welche Argumente dagegen sprechen könnten.
Argumente, die für eine Impfpflicht gegen Corona Virus Disease 2019 sprechen: Impfungen stellen eine wirksame Maßnahme dar, um einen guten allgemeinen Gesundheitszustand der Bevölkerung zu erhalten und damit das Gesundheitssystem zu entlasten. Beide Aspekte sind durch die Corona Pandemie gefährdet und könnten durch eine Impfung positiv beeinflusst werden.
Argumente, die gegen eine Impfpflicht gegen Corona Virus Disease 2019 sprechen: Gegen eine Impfpflicht spricht beispielsweise, dass eine medizinische Behandlung das Einverständnis der zu behandelnden Person voraussetzt. Dagegen könnte auch sprechen, dass jede medizinische Behandlung grundsätzlich eine individuell abgestimmte Therapie sein sollte. Beides wäre im Rahmen einer Impfpflicht nicht gegeben.
Martin Fröhlich ist 22 Jahre alt und fliegt seit einigen Jahren jeden Sommer mit seinen Kumpels nach Mallorca. Darauf will er auch in diesem Jahr ungeachtet der Berichterstattung und der aktuellen Reisewarnungen bezüglich der Corona-Pandemie nicht verzichten.
Laien entwickeln unterschiedliche subjektive Gesundheitstheorien. Diese lassen sich in allgemeine Typen von subjektiven Gesundheitstheorien unterteilen.
Benennen Sie die vier allgemeinen Typen von subjektiven Gesundheitstheorien und beschreiben Sie zwei dieser Theorien.
(Hinweis: Die Richtlinie führt alle vier Typen vollständig auf, zwei Beschreibungen waren gefordert)
Risikotheorien: Gesundheit wird durch bestimmte Risiken und Belastungen gefährdet. Diese Risiken können als extern (zum Beispiel Schadstoffe in der Umwelt) angesehen oder dem eigenen Verhalten (zum Beispiel Mangel an Bewegung) zugeschrieben werden. Während bei externen Risiken eine personale Kontrolle als nur schwer möglich angesehen wird, ist diese bei verhaltensbedingten Risiken zumindest prinzipiell möglich.
Ressourcentheorien: Gesundheit wird durch den großen Einfluss der Verfügbarkeit von externen (zum Beispiel vertrauensvolle soziale Beziehungen) und internen Ressourcen (zum Beispiel robuste Konstitution) mitbestimmt. Durch eine Schwächung dieser Ressourcen wird auch die Gesundheit gefährdet.
Ausgleichs- und Balancetheorien: Gesundheit wird zwar durch bestimmte Risiken gefährdet, diese können aber ausgeglichen und kompensiert werden. Es wird ein Wechselspiel zwischen Risiko- und Schutzfaktoren angenommen. Als Kompensationsmöglichkeiten (zum Beispiel bei einer belastenden beruflichen Tätigkeit) werden unter anderem viel Ruhe und Entspannung in der Freizeit genannt. Diese Theorien nehmen an, dass jeder Mensch über ein optimales Gleichgewicht zwischen diesen Kräften verfügt, sie aber auch erkennen muss. Das Gleichgewicht zwischen diesen Kräften wird als labil angesehen, da es durch Anforderungen von außen und innen immer wieder gefährdet wird. Eine personale Kontrolle ist auf allen Ebenen möglich. Im Vordergrund stehen die positive Gestaltung von sozialen Beziehungen und die innere Zufriedenheit.
Das Modell gesundheitlicher Überzeugungen (siehe Abbildung) wurde entwickelt, um herauszufinden, wie Menschen dazu bewegt werden können, an Vorsorgeuntersuchungen teilzunehmen beziehungsweise ärztliche Empfehlungen zu befolgen. Den Kern des Modells bilden Kosten-Nutzen-Überlegungen, nach denen eine Verhaltensänderung nur stattfindet, wenn der zu erwartende Nutzen die Anstrengungen und Unannehmlichkeiten (Kosten) übersteigt.
Erläutern Sie anhand des Modells gesundheitlicher Überzeugung mögliche Kosten-Nutzen-Überlegungen, die Martin Fröhlichs Gesundheitsverhalten wahrscheinlich zugrunde liegen. Nehmen Sie dabei auf jeden der sieben Modellbausteine entlang der beiden Pfade des Modells Bezug. (Fallbeispiel siehe Karteikarte 1)
Demografische Variablen und sozio-psychologische Variablen: Gesundheitsvorstellungen unterscheiden sich nach Alter und Geschlecht. Männer assoziieren Gesundheit eher mit der Abwesenheit von Krankheit und mit funktionaler Leistungsfähigkeit. Darüber hinaus zeigen Männer eher ein risikoreiches Gesundheitsverhalten. Insofern erlebt Martin Fröhlich sich aufgrund seines Alters und Geschlecht eher als gesund und ungefährdet.
Pfad „Wahrgenommene Gesundheitsbedrohung":
Wahrgenommene Anfälligkeit und Ernsthaftigkeit: Martin Fröhlich erlebt sich als gesund und ungefährdet. Er nimmt die Pandemie insgesamt eher nicht so ernst und sieht sie für sich selbst als nicht relevant an.
Handlungsanstöße: Auch die Berichterstattung und die Reisewarnungen ändern an seiner Risiko- und „Kostenwahrnehmung" nichts.
Wahrgenommene Gesundheitsbedrohung: Martin Fröhlich nimmt die Pandemie für sich nicht als gesundheitlich bedrohlich wahr.
Pfad „Erwarteter Nutzen":
Wahrgenommener Nutzen und Barrieren: Martin Fröhlich sieht nicht, dass der Verzicht auf die Reise zu seiner Gesunderhaltung beiträgt. Außerdem kommt der Verzicht auf seinen wohlverdienten und gewohnten Urlaub bloß wegen dieser Pandemie für ihn gar nicht in Frage.
Erwarteter Nutzen: Martin Fröhlich zieht den Verzicht auf die Reise nicht in Betracht, weil er seine Gesundheit dadurch gar nicht bedroht sieht und es darum für ihn gar keinen Unterschied macht.
Gesundheitsverhalten: Martin Fröhlich entscheidet sich aufgrund seiner Kosten-Nutzen-Abwägungen gegen eine Verhaltensänderung und zeigt bezogen auf die beschriebene Situation ein riskantes Gesundheitsverhalten.
In den letzten Jahrzehnten hat sich das Krankheitspanorama von akuten zu chronischen Krankheiten gewandelt.
Nennen Sie drei Ursachen dafür und geben Sie je ein Beispiel an.
(Hinweis: Die Richtlinie listet drei Ursachen auf)
Medizinisch-technischer Fortschritt (zum Beispiel neue Behandlungsmethoden)
Soziale (wirtschaftliche) Lage der Bevölkerung (zum Beispiel Verbesserung des Bildungswesens, Entwicklung der Zivilgesellschaft und der Demokratie)
Verbesserung der Hygiene (zum Beispiel Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung)
Beschreiben Sie drei der aktuellen Trends des Krankheitsgeschehens in Deutschland.
(Hinweis: Die Richtlinie führt fünf Trends auf, von denen drei gefordert waren)
Infektionskrankheiten: Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Tuberkulose oder HIV-Infektionen (Infektionen mit dem Humanen Immundefizienz-Virus) gewinnen wieder an Bedeutung.
Es ist weltweit und auch in Deutschland eine Zunahme von Infektionskrankheiten zu verzeichnen. In pandemischem Ausmaß trifft dies aktuell auf die anhaltende Verbreitung von COVID-19 (Corona Virus Disease 2019) zu.
Erklären Sie anhand von zwei Aspekten, inwiefern die Globalisierung die aktuelle Pandemie begünstigt.
(Hinweis: Die Richtlinie listet vier mögliche Aspekte auf, zwei waren gefordert)
Der starke Anstieg des Flugverkehrs (Business- und Urlaubsreisen) eröffnet Übertragungswege, indem einerseits Menschen auf engem Raum zusammenkommen und indem andererseits immer mehr Menschen in kurzer Zeit das Virus weitertragen.
Auch im Zuge der Arbeitsmigration kann sich das Virus rasant verbreiten (zum Beispiel Ausnahmeregelungen für Saisonarbeitende, Nichteinhaltung hygienischer Vorschriften aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen).
Der weltweite Populismus trägt mit seiner Wissenschaftsfeindlichkeit (zum Beispiel Verschwörungstheorien, Ablehnung von Impfungen) zur Negierung der Bedrohung durch die Pandemie bei und verhindert damit die Umsetzung wichtiger Maßnahmen zu deren Bekämpfung.
Die sozialen Medien tragen zur gezielten Verbreitung von populistischen Botschaften bei.
extdokument zu Aufgabe 3.1 b
Bundesagentur für Arbeit / 03.06.2020 / Presseinfo Nr. 32: „Der Arbeitsmarkt ist wegen der Corona-Pandemie weiterhin stark unter Druck. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind auch im Mai gestiegen, allerdings nicht mehr so stark wie im April. Bei der Beschäftigung sind erste Spuren sichtbar. Die Kurzarbeit hat das Niveau der Krise von 2009 deutlich überschritten. Die Nachfrage der Betriebe nach neuen Mitarbeitern ist weiterhin rückläufig, hat sich aber immerhin gefangen.", sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, heute anlässlich der monatlichen Pressekonferenz in Nürnberg.
(Teil 3.1 a, b)
3.1 a) Erläutern Sie, was unter vertikaler sozialer Ungleichheit zu verstehen ist.
3.1 b) Interpretieren Sie die folgende Pressemitteilung der Bundesagentur für Arbeit im Sinne der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die soziale Ungleichheit. (Text der Pressemitteilung siehe Karteikarte 7)
a): Vertikale soziale Ungleichheit wird mithilfe der Indikatoren Bildung, beruflicher Status und Einkommen erfasst, welche eine hierarchische Einordnung der Bevölkerung zulassen.
b): Der Lockdown infolge der Corona-Pandemie hat zu einer deutlichen Verschärfung des Arbeitsmarktes geführt. Die gesunkene Nachfrage zieht in vielen Beschäftigungsbereichen einen Stellenabbau mit der Folge von Entlassungen und Kurzarbeit nach sich. Viele Beschäftigte sehen ihren Arbeitsplatz als bedroht an. Die befristeten staatlichen Maßnahmen (zum Beispiel Kurzarbeitergeld, Soforthilfen für Kleinunternehmen und Freiberufler) können die Einkommenseinbußen der Betroffenen nur bedingt auffangen. Besonders Menschen mit geringen Einkommen werden kaum auf Rücklagen zurückgreifen können. Viele Menschen haben infolge der Corona-Pandemie ihre Beschäftigung verloren oder sind von Existenzunsicherheit bedroht. Dies wird in der Folge zu einer Verschärfung der sozialen Ungleichheit führen.
Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft zu Aufgabe 3.2 b) Tabelle
Arbeitsunfähigkeitstage je 100 Versicherte nach Diagnose und Versichertenstatus 2015
3.2 a) Definieren Sie den Begriff des sozialen Gradienten von Gesundheit.
3.2 b) Beziehen Sie sich auf die folgenden Daten aus dem BKK-Gesundheitsreport 2016 (siehe nachfolgende Abbildung) und betrachten Sie hier die absoluten Zahlen zu Psychischen und Verhaltensstörungen. Arbeiten Sie für die Erkrankung folgende vier Unterschiede als Trendaussage heraus:
Unterschied zwischen Männern und Frauen in der Gruppe der pflichtversicherten Beschäftigten
Unterschied zwischen Männern und Frauen in der Gruppe der Arbeitslosen
Unterschied zwischen Männern im Vergleich von Arbeitslosen und pflichtversicherten Beschäftigten
Unterschied zwischen Frauen im Vergleich von Arbeitslosen und pflichtversicherten Beschäftigten. (Tabelle siehe Karteikarte 9)
a): Die sozial bedingte Ungleichheit von Gesundheitschancen ist nicht auf Randgruppen beschränkt, sondern bildet ein Kontinuum entlang der sozialen Stufenleiter (sozialer Gradient), das heißt, Morbidität (Krankheitshäufigkeit) und Mortalität (Sterblichkeit) nehmen mit zunehmendem sozioökonomischem Status ab.
b):
Unterschied zwischen Männern und Frauen in der Gruppe der pflichtversicherten Beschäftigten:Männer sind seltener als Frauen von psychischen und Verhaltensstörungen betroffen.
Unterschied zwischen Männern und Frauen in der Gruppe der Arbeitslosen: Männer sind seltener als Frauen von psychischen und Verhaltensstörungen betroffen.
Unterschied zwischen Männern im Vergleich von Arbeitslosen und pflichtversicherten Beschäftigten:Arbeitslose Männer sind deutlich häufiger betroffen als pflichtversicherte beschäftigte Männer.
Unterschied zwischen Frauen im Vergleich von Arbeitslosen und pflichtversicherten Beschäftigten:Arbeitslose Frauen sind deutlich häufiger betroffen als pflichtversicherte beschäftigte Frauen.
GKV vs. PKV (Teil 4.1)
4.1 Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und die Private Krankenversicherung (PKV) unterscheiden sich in wesentlichen Strukturprinzipien.
Benennen Sie die Unterschiede zwischen GKV (Gesetzlicher Krankenversicherung) und PKV (Privater Krankenversicherung) anhand der Versicherten und des Leistungsumfangs mit Hilfe der folgenden Tabelle.
Nehmen Sie Stellung zu der politischen Forderung, dass Menschen, die bewusst in Risikoländer reisen, einen Corona-Test nach ihrer Rückkehr selbst bezahlen sollten. Wägen Sie dabei das Für-und-Wider ab.
Argument dafür: Menschen, die bewusst das Risiko einer Ansteckung in Kauf nehmen, indem sie in ein deklariertes Risikoland reisen, sollten auch die Kosten (hier der Test) für ihr Risikoverhalten selbst tragen.
Argument dagegen: Menschen können sich auf vielfältigen Wegen und auch im Herkunftsland anstecken, wo es auch regionale Hotspots mit einem deutlich erhöhten Ansteckungsrisiko gibt.
Definieren Sie die Begriffe Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention.
Primärprävention: zielt auf eine Vermeidung von Krankheitsursachen bei einem gesunden Menschen.
Sekundärprävention: zielt auf eine Reduzierung von Risikofaktoren im Frühstadium einer Krankheit, um Krankheitsauslöser zu korrigieren.
Tertiärprävention: zielt bei einer Erkrankung auf die Stabilisierung der gesundheitlichen Lage im Hinblick auf Folgeerkrankungen.
Erklären Sie, inwiefern die Corona-App als Maßnahme der Sekundärprävention einzuordnen ist.
Die Corona-App spielt sich in einem Krankheitsspektrum ab und dient hier sowohl der Reduktion der Übertragung des Erregers als auch der Unterbrechung von Infektionsketten.
Der 61-jährige Michael J. Fox ist ein ehemaliger kanadisch-US-amerikanischer Schauspieler und Filmproduzent. Zum Hollywood-Star wurde er in den 1980er-Jahren mit der Hauptrolle in der Fernsehserie Familienbande sowie als Marty McFly in der Zurück-in-die-Zukunft-Filmtrilogie. Bei Michael J. Fox wurde im Jahr 1991 die Parkinson-Krankheit diagnostiziert. Im Dezember 1998 räumte er gegenüber der Öffentlichkeit ein, an Parkinson erkrankt zu sein.
Nach seiner Erkrankung an der Parkinson-Krankheit gründete er die Michael J. Fox Foundation for Parkinson's Research (MJFF) und engagiert sich in der Wissenschaftspolitik. Er unterstützt seitdem andere Betroffene genauso wie die Forschung bei der Suche nach Heilung. Durch die Behandlung mit Medikamenten konnte Michael J. Fox die Symptome (Zittern, Steifheit, etc.) weitestgehend in den Griff bekommen, sodass sie ihn nicht ständig in seinem Alltag beeinträchtigen. Die Medikamente helfen dem Schauspieler mittlerweile seit rund 30 Jahren, trotz der Krankheit, mit seiner Familie und in der Arbeit mit seiner Parkinson-Foundation ein erfülltes Leben zu führen.
Unternehmungen und öffentliche Auftritte müssen, so verrieten Michael J. Fox und seine Frau Tracy Pollan 2012 im Gespräch mit dem „AARP Magazine", stets rund um die Einnahme der Parkinson-Medikamente geplant werden. Denn im Laufe der Jahre haben sich die Symptome vermehrt und verschlimmert. Mit den motorischen Einschränkungen musste der heute 61-Jährige lernen, umzugehen. Außerdem musste er sich nach und nach eingestehen, dass seine Gedächtnisleistung nachließ. Dennoch hat er über die letzten 30 Jahre weiter in Hollywood gearbeitet, war unter anderem in „Scrubs" oder „The Good Wife" (in Gastrollen) zu sehen. Denn eins ist klar: Michael J. Fox lässt sich von seiner Parkinson-Erkrankung nicht unterkriegen - egal, ob privat oder beruflich.
Beziehen Sie sich auf das obige Fallbeispiel. Interpretieren Sie den Gesundheitszustand von Michael J. Fox aus jeder der drei von Gerd Göckenjan beschriebenen Perspektiven zur Betrachtung und Deutung von Gesundheit. (Fallbeispiel siehe Karteikarte 1)
Gesundheit als Abgrenzungskonzept: Michael J. Fox erkrankte an Parkinson und erlebte im Verlauf seines Erwachsenenlebens durch die fortschreitende Erkrankung eine zunehmende körperliche Einschränkung. Aus der Perspektive „Gesundheit als Abgrenzungskonzept" ist Michael J. Fox chronisch krank und körperlich (motorisch) eingeschränkt.
Gesundheit als Funktionsaussage: Michael J. Fox ist einerseits aufgrund seiner chronischen Erkrankung und den damit einhergehenden Symptomen in seiner körperlichen Arbeits- und Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt. Seine soziale Arbeits- und Leistungsfähigkeit ist jedoch nicht beeinträchtigt und eher überdurchschnittlich hoch. Er engagiert sich in der Wissenschaftspolitik. Er unterstützt seitdem andere Betroffene genauso wie die Forschung bei der Suche nach Heilung. Im Sinne der Perspektive „Gesundheit als Funktionsaussage" ist Michael J. Fox nicht eindeutig krank oder eindeutig gesund.
Gesundheit als Wertaussage: Michael J. Fox arbeitet trotz seiner Erkrankung Zeit seines Lebens, ist familiär eingebunden und betreibt zudem unermüdliche Öffentlichkeitsarbeit mit seiner Michael J. Fox Foundation for Parkinson's Research (MJFF). Seine Art zu leben und mit der Erkrankung umzugehen, könnten so interpretiert werden, dass Michael J. Fox Wohlbefinden und Zufriedenheit erlebt. Er führt ein erfülltes Leben. Die Perspektive „Gesundheit als Wertaussage" legt nahe, dass er sowohl über kranke als auch über gesunde Anteile verfügt.
Die Auseinandersetzung mit der inneren und äußeren Lebenswelt erfolgt in den einzelnen Lebensabschnitten unter spezifischen Bedingungen. Diese sogenannte Entwicklungsaufgaben müssen von jedem Individuum angemessen bewältigt (also produktiv verarbeitet) werden, damit von ihnen positive Auswirkungen auf Persönlichkeit und Gesundheit ausgehen können.
Nennen Sie zwei soziale Ressourcen und zwei personale Ressourcen von Kindern und Jugendlichen, die eine protektive Wirkung auf die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben haben.
Soziale Ressourcen mit protektiver Wirkung: ein hoher Bildungsgrad der Eltern, eine gute finanzielle Lage der Familie; familiärer Zusammenhalt, enge Geschwisterbeziehungen, ein guter Freund/eine gute Freundin; eine vertrauensvolle Beziehung zu einem Erwachsenen außerhalb der Familie, unterstützende Systeme, wie Kirchen oder Sportvereine.
Personale Ressourcen mit protektiver Wirkung: der Erstgeborenenstatus, ein positives Temperament (aktiv/offen), aktiv-problemlösende Coping-Strategien; überdurchschnittliche Intelligenz, Begabungen (musisch/sportlich etc.); prosoziales Verhalten und ein sicheres Bindungsverhalten.
Die Zahl der Menschen, die hierzulande bereits ihren 100. Geburtstag feiern konnten, hat im Jahr 2021 mit 23.513 Personen einen neuen Höchststand erreicht. Rund 80 Prozent der über 100-jährigen Personen sind Frauen. Die folgende Grafik zeigt die Anzahl der mindestens 100-jährigen Männer in Deutschland. Erläutern Sie die Grafik.
Die Grafik des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2022 zeigt die Zahl der mindestens 100-jährigen Männer in Deutschland von 2011 bis 2021. Die Anzahl der hochbetagten Männer in Deutschland hält sich zwischen 2012 und 2018 relativ konstant zwischen 2.000 und 2.400 mindestens 100-jährigen Männern.
Ab dem Jahr 2019 bis 2021 steigt die Anzahl der mindestens 100-jährigen Männer rapide an und liegt nun bei 4.647. Die Zahl der Herren, die auf ein so langes Leben zurückblicken kann, stieg im Zeitraum von 2011 bis 2021 um knapp 150 Prozent.
Im Studienbrief 2 befassen Sie sich mit den Einflussfaktoren auf die Gesundheit. Es gibt wissenschaftlich belegte förderliche Effekte, damit jemand sehr alt wird. Stellen wir uns folgenden Mann vor: Josef Müller ist am 15.05.2021 einhundert Jahre, also sehr alt geworden. Veranschaulichen Sie idealtypisch,
a) die private Lebensform,
b) das verfügbare Einkommen,
c) den Bildungsstatus sowie
d) den individuellen Lebensstil von Josef Müller.
a) die private Lebensform: Mehrere Untersuchungen zeigen, dass die Lebenserwartung von verheirateten Personen höher ist als von ledigen Personen. Der Unterschied zeigt sich insbesondere bei Männern. Man kann dies anhand der Protektionshypothese erklären. Durch die Ehe wird ein sozialer Kontext geschaffen, der gesundheitsförderlich ist. Idealtypisch ist beziehungsweise war Josef Müller verheiratet.
b) das verfügbare Einkommen: Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Höhe des Einkommens und der Lebenserwartung. Männer der ärmsten Haushalte haben im Vergleich zu Männern der reichsten Haushalte ein fast sechsfach höheres Mortalitätsrisiko. Der Unterschied in der Lebenserwartung beträgt 14 Jahre. Idealtypisch verfügt Josef Müller über ein hohes Einkommen beziehungsweise Rente/Pension (größer gleich 150 Prozent des medianen Einkommens).
c) den Bildungsstatus sowie: Untersuchungen zeigen, dass eine geringe schulische und berufliche Bildung mit einer kürzeren Lebenszeit korreliert. Es besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen Schulbildung und Lebenserwartung. Idealtypisch hat Josef Müller Abitur gemacht und im Anschluss studiert beziehungsweise eine sehr gute berufliche Bildung absolviert.
d) den individuellen Lebensstil von Josef Müller: Rauchen, riskanter Alkoholkonsum, Medikamentenmissbrauch sowie der Konsum von illegalen Drogen wirken sich negativ auf die Gesundheit aus und auf die allgemeine Sterblichkeit beziehungsweise Lebenserwartung. Idealtypisch hat Josef Müller zeit seines Lebens nicht geraucht, keine Drogen konsumiert und nur gelegentlich Alkohol getrunken.
2.3 Rund 80 Prozent der über 100-jährigen Personen sind Frauen. Erläutern Sie zwei Gründe, weshalb Frauen eine circa fünf Jahre höhere Lebenserwartung haben als Männer.
Frauen und Männer unterscheiden sich in ihren gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen. Dies ist empirisch belegt. Frauen sind über gesundheitsrelevante Themen besser informiert und nehmen beispielsweise professionelle Angebote zur Prävention und Gesundheitsförderung deutlich stärker in Anspruch als Männer.
Frauen haben ein besseres Gesundheitsverhalten als Männer. Beispielsweise rauchen prozentual weniger Frauen als Männer und der riskante Alkoholkonsum ist bei Frauen auch geringer als bei Männern. Dies hat zur Folge, dass die Sterblichkeit beziehungsweise das Mortalitätsrisiko von Männern höher ist als von Frauen.
Fallbeispiel zu Aufgabe 3
Mia und Jonas Müller sind seit acht Jahren verheiratet und haben drei Kinder im Alter von sieben, vier und zwei Jahren. Die beiden haben sehr jung geheiratet. Mia Müller ist jetzt 26 Jahre alt und Jonas Müller ist 28 Jahre alt. Beide sind zur Hauptschule gegangen und Jonas Müller - der keine berufliche Ausbildung absolviert hat - arbeitet derzeit bei einem großen Logistikunternehmen und fährt Pakete aus. Er muss oft Überstunden machen und die Verantwortung für die Betreuung der Kinder liegt bei Mia Müller. Sie hat damals mit 17 Jahren ihre Ausbildung zur Verkäuferin abgebrochen. Den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder bestreitet die Familie mit dem (geringen) Einkommen von Jonas Müller, Kindergeld und Wohngeld.
Die beiden jüngeren Kinder besuchen den Kindergarten und fühlen sich dort sehr wohl. Auch Mia und Jonas Müller sind mit dem Kindergarten eigentlich ganz zufrieden, denn die Erzieherinnen sind alle sehr nett zu ihr und ihren Kindern. Dennoch versucht Mia Müller beim Abholen der Kinder den Erzieherinnen möglichst aus dem Weg zu gehen, da diese sie immer wieder mit irgendwelchen Anforderungen konfrontieren. So soll sie sich schon seit längerer Zeit mit dem mittleren Kind in einer logopädischen Praxis vorstellen und für das jüngste Kind steht eine U-Untersuchung mit Impfung in der Kinderarztpraxis an.
Solchen Terminen geht Mia Müller möglichst aus dem Weg. Beide Praxen kann sie nur mit dem Bus erreichen und jede Busfahrt mit ihren lebhaften Kindern ist eine Herausforderung für sie. Falls das mittlere Kind dann vielleicht öfter zu einer logopädischen Behandlung müsste, wüsste sie gar nicht, wie sie das schaffen soll. Vor dem Kinderarztbesuch graut ihr auch, denn da gibt es während des langen Wartens immer Theater mit den Kindern. Sie kann dann nur wenig ausrichten und erntet von allen Seiten vorwurfsvolle Blicke.
Einige Studien zur Versorgungsungleichheit belegen, dass es Barrieren für die Inanspruchnahme von gesundheitlichen Versorgungsleistungen von Kindern und Jugendlichen gibt:
Soziodemografische Faktoren: Alter der Kinder und Eltern, ethnische Herkunft, Familiengröße und Familienstruktur, sozioökonomischer Status
Personale Faktoren: Einstellungen, Überzeugungen, Selbstwirksamkeitserwartungen, Kommunikationsfähigkeit
Strukturelle und organisatorische Faktoren: große räumliche Distanz zwischen dem Wohnort der Familie und der Lage der Praxis, lange Wartezeiten, ungünstige Öffnungszeiten, schlechte Transportmöglichkeiten des Kindes
Arbeiten Sie anhand des Fallbeispiels heraus, welche der oben dargestellten Inanspruchnahmebarrieren Sie im Fall von Mia Müller wahrnehmen. (Fallbeispiel siehe Karteikarte 7)
Für Mia Müller ist es aufgrund bestehender Barrieren schwierig, anstehende gesundheitliche Versorgungsleistungen für ihre Kinder in Anspruch zu nehmen.
Soziodemografische Faktoren: Mia Müller hat ihr erstes Kind bereits mit 19 Jahren bekommen (junge Mutter). Familie Müller zählt mit ihren drei Kindern zu den kinderreichen Familien. Ihr Hauptschulabschluss und ihre fehlende Berufsausbildung (Abbruch der Verkäuferausbildung) weist auf einen niedrigen Bildungsgrad hin. Aufgrund des niedrigen Einkommens etc. gilt die Familie als einkommensschwach.
Personale Faktoren: Mia Müller weiß, dass es ihren Kindern schwerfällt, sich ruhig zu verhalten. Aus der Erfahrung heraus geht sie davon aus, dass es ihr dann nur sehr eingeschränkt gelingt, das Verhalten ihrer Kinder positiv zu beeinflussen (Selbstwirksamkeitserwartungen). Deshalb erwartet sie von vornherein Schwierigkeiten, wenn sie an die anstehenden Busfahrten und die notwendigen Besuche in der Kinderarzt- und logopädischen Praxis denkt (Überzeugungen). Außerdem empfindet sie die vorwurfsvollen Blicke des Personals beim Kinderarzt jedes Mal als ungerechtfertigte Zurechtweisung gegenüber ihren Kindern und in ihrer Rolle als Mutter (Einstellungen). Mia Müller geht den Erzieherinnen im Kindergarten aus dem Weg, weil sie davon ausgeht, dass diese sie bei jeder Gelegenheit mit neuen Anforderungen konfrontieren (Überzeugungen/Kommunikationsfähigkeit).
Strukturelle und organisatorische Faktoren: Für Mia Müller liegt zwischen ihrem Wohnort und der Kinderarzt- beziehungsweise logopädischen Praxis eine große räumliche Distanz. Sie muss den öffentlichen Nahverkehr benutzen, um in die Praxen zu gelangen. Mia Müller muss mit ihren Kindern in der Kinderarztpraxis lange Wartezeiten überbrücken.
Tabelle zu Aufgabe 4.1
4.1 Die Tabelle zeigt die Entwicklung der Gesundheitsausgaben in Millionen Euro, je Einwohner und als Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in %. Erläutern Sie die Tabelle. (Tabelle siehe Karteikarte 9)
Die Tabelle zeigt den Verlauf der Gesundheitsausgaben absolut in Euro, als Anteil vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Prozent und je Einwohner in Euro im Zeitraum von 1992 bis 2020.
Die Gesundheitsausgaben sind im Zeitraum von 1992 bis 2020 um circa 176 Prozent angestiegen. Allein von 2019 bis 2020 stiegen die Ausgaben um 6,7 Prozent. Der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt steigt kontinuierlich an von 9,4 Prozent auf 13,1 Prozent. Dies entspricht einer Steigerung von circa 39 Prozent. In den Jahren 2019 auf 2020 stieg der Anteil alleine von 11,9 Prozent auf 13,1 Prozent.
Die Gesundheitsausgaben je Einwohner in Euro steigen analog zu den Gesamtausgaben. Hier liegt der prozentuale Anstieg im Zeitraum von 1992 bis 2020 bei 167 Prozent. In den Jahren 2010 bis 2020 stiegen die Gesundheitsausgaben je Einwohner um knapp 50 Prozent.
Gesundheitssystem der Bundesrepublik (Teil 4.2)
4.2 Geben Sie zwei wesentliche Gründe für die Entwicklung der Gesundheitsausgaben an.
Der demografische Wandel wirkt sich auf die Gesundheitsausgaben aus. Die Krankheitskosten steigen stark an mit dem Lebensalter insbesondere in den letzten fünf Lebensjahren. Die Alterung der Gesellschaft lässt somit auch die Behandlungskosten pro Patientin beziehungsweise Patient stark ansteigen.
Der medizinische Fortschritt - zum Teil wird dieser Kostenfaktor als überbewertet betrachtet - ist ein wesentlicher Grund für die höheren Gesundheitsausgaben. Die Verwendung von kostspieligen neuen Technologien und Medikamenten erhöht die Gesundheitsausgaben.
Prävention und Gesundheitsförderung
Geben Sie zu Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention jeweils ein Beispiel an.
Primärprävention: Ernährungsberatung
Sekundärprävention: Eltern-Kind-Kuren zur Ressourcenstärkung in der Familie
Tertiärprävention: Raucherentwöhnung zur Verhinderung von erneuten Herzinfarkten
(Karteikarte 1)
Rund 80 Prozent der über 100-jährigen Personen sind Frauen. Erläutern Sie zwei Gründe, weshalb Frauen eine circa fünf Jahre höhere Lebenserwartung haben als Männer.
Karteikarte 7
Karteikarte 9
Original-Tabelle zu Aufgabe
Die Tabelle zeigt die Entwicklung der Gesundheitsausgaben in Millionen Euro, je Einwohner und als Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in %. Erläutern Sie die Tabelle. (Tabelle siehe Karteikarte 9)
Geben Sie zwei wesentliche Gründe für die Entwicklung der Gesundheitsausgaben an.
Karteikarte 1
Patricia, 21 Jahre alt, ist alleinerziehend und Mutter von zwei Töchtern (2 und 4 Jahre). Gemeinsam mit ihren Kindern wohnt sie in einer kleinen 2-Zimmerwohnung in einem Hochhauskomplex im sozialen Brennpunkt Köln-Chorweiler und ohne Grünflächen vor der Tür.
Ihre Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten, die sie nach ihrem Hauptschulabschluss begonnen hat, hat sie abgebrochen als sie von ihrer ersten Schwangerschaft erfuhr. Der Vater der beiden Kinder ist kurz vor der Geburt der jüngeren Tochter abgehauen und zahlt seitdem keinen Unterhalt. Die alleinerziehende 21-Jährige ist somit auf Bürgergeld angewiesen. Zu ihren Eltern hat Patricia kaum Kontakt, da das Verhältnis noch nie gut war und somit erfährt sie von ihren Eltern ebenfalls keine Unterstützung. Seitdem ihr Ex-Partner sie und ihre Kinder verlassen hat, lebt Patricia sehr zurückgezogen, fühlt sich einsam und trifft nur sehr selten ihre einzige Freundin. Sie schämt sich für ihre Wohnung und ihren Lebensstil. Auch wenn ihre Kinder im Kindergarten sind, verbringt sie die Zeit meistens alleine und verfällt oft in eine depressionsartige Stimmung.
Aufgrund fehlender Motivation treibt sie keinen Sport, bewegt sich generell wenig, guckt sehr viel Fernsehen und ernährt sich meistens nur von Fertiggerichten, Fast Food und Süßigkeiten. Seitdem sie in ihren Schwangerschaften einige Kilos zugenommen hat, wird sie diese auch nicht mehr los und ist inzwischen stark übergewichtig. Patricia fühlt sich in ihrem Körper überhaupt nicht mehr wohl, ist geschwächt und antriebslos. Sie hat sich fest vorgenommen, ihren Hausarzt aufzusuchen, doch seither schiebt sie es immer wieder auf.
Ab Mitte des 20. Jahrhunderts wurde eine Neuausrichtung von Public Health vorangetrieben. a) Beschreiben Sie in den Grundzügen, worin der Unterschied zwischen „Old" und „New" Public Health liegt.
Der Paradigmenwechsel zwischen den beiden Strömungen der Öffentlichen Gesundheit lässt sich wie folgt differenzieren:
Old Public Health (Alte Öffentliche Gesundheit): Dieser Ansatz war stark hygienebezogen, medizinisch-biologisch und bakteriologisch orientiert. Der primäre Fokus lag auf der Bekämpfung von akuten Infektionskrankheiten und Seuchen durch strukturelle Maßnahmen wie den Aufbau einer Kanalisation, die Sicherung der Trinkwasserqualität und Desinfektion. Die Adressaten waren vorwiegend gesundheitlich unterversorgte und akut von Armut betroffene Randgruppen der Gesellschaft.
New Public Health (Neue Öffentliche Gesundheit): Dieser moderne Ansatz reagiert auf den epidemiologischen Übergang hin zu chronischen, nicht übertragbaren Erkrankungen (Zivilisationskrankheiten). Der Fokus verschiebt sich auf umweltbezogene, soziale und verhaltensbezogene Determinanten von Gesundheit. Es handelt sich um ein interdisziplinäres Arbeitsfeld, das Gesundheitssystemforschung, Versorgungsforschung sowie psychosoziale Prävention und Ressourcenstärkung integriert. Die Adressatin ist die gesamte Bevölkerung im Sinne einer universellen Ausrichtung.
Erläutern Sie ein selbstgewähltes Beispiel für „New" Public Health in Deutschland.
Ein exzellentes Beispiel für ein Handlungsfeld der Neuen Öffentlichen Gesundheit in Deutschland ist die Betriebliche Gesundheitsförderung:
Diese basiert maßgeblich auf dem sogenannten Setting-Ansatz (Lebenswelt-Ansatz) der Weltgesundheitsorganisation.
Das Ziel besteht darin, nicht nur das individuelle Verhalten der Beschäftigten zu modifizieren (beispielsweise durch Rückenschulen oder Ernährungsberatung), sondern vor allem die Arbeitsbedingungen gesundheitsförderlich zu gestalten (Verhältnisprävention).
Ein zentrales Instrument hierbei sind partizipative Gesundheitszirkel, in denen die Belegschaft, die Personalvertretung und das Management gemeinsam Belastungen analysieren und Ressourcen im Betrieb stärken, um chronischen Erkrankungen oder psychischen Belastungen präventiv zu begegnen.
Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft (01.07.2023) – Aufgabe 1: Gesundheitskonzepte (Teil 1.2) Frage (1:1 wort für wort): 1.2 In den 1980er-Jahren entwickelte David Seedhouse folgende Kernvorstellungen von Gesundheit:
Gesundheit als Idealzustand mit völligem Wohlbefinden ohne jede körperliche, psychische und soziale Störung;
Gesundheit als persönliche Stärke, die auf körperlichen und psychischen Eigenschaften beruht;
Gesundheit als Leistungsfähigkeit der Erfüllung von gesellschaftlichen Anforderungen;
Gesundheit als Gebrauchsgut (Ware), das hergestellt und eingekauft werden kann.
Nehmen Sie zu den Kernvorstellungen von Gesundheit kritisch Stellung.
Eine kritische gesundheitswissenschaftliche Analyse dieser vier Kernvorstellungen offenbart erhebliche theoretische und praktische Defizite:
Kritik an Gesundheit als Idealzustand: Diese Vorstellung ist utopisch und statisch. Ein „völliges Wohlbefinden" ohne jede Störung ist im Lebensverlauf kaum erreichbar. Dies führt zu einer pathologisierenden Sichtweise, da Menschen mit chronischen Erkrankungen oder leichten Behinderungen per Definition niemals als gesund gelten könnten, obwohl sie subjektiv eine hohe Lebensqualität empfinden können.
Kritik an Gesundheit als persönliche Stärke: Hierbei findet eine einseitige Individualisierung von Gesundheit statt. Wenn Gesundheit nur auf internen Eigenschaften beruht, wird die Verantwortung für Krankheiten komplett dem Individuum zugeschrieben (Opferbeschuldigung / englisch: Victim Blaming). Soziale, ökonomische und umweltbezogene Determinanten werden vollständig ausgeblendet.
Kritik an Gesundheit als Leistungsfähigkeit: Diese Perspektive reduziert den Menschen auf seine rein ökonomische Verwertbarkeit und Funktionstüchtigkeit im kapitalistischen Wirtschaftssystem. Wer den gesellschaftlichen Leistungsanforderungen (beispielsweise durch Alter oder Krankheit) nicht mehr entspricht, verliert nach dieser Logik seinen Anspruch auf Gesundheit.
Kritik an Gesundheit als Gebrauchsgut (Ware): Diese Kommerzialisierung ignoriert die fundamentale Struktur der gesundheitlichen Ungleichheit. Wenn Gesundheit käuflich ist, hängt sie direkt von der ökonomischen Kaufkraft ab. Dies verschärft den sozialen Gradienten massiv und widerspricht dem Public-Health-Prinzip, dass Gesundheit ein universelles Menschenrecht darstellt.
Einflussfaktoren (Teil a) Nehmen Sie Bezug auf das Fallbeispiel und beschreiben Sie, welchen Einfluss die folgenden Faktoren auf die Gesundheit von Patricia ausüben.
a) Soziale Beziehungen und soziale Unterstützung (Fallbeispiel siehe Karteikarte 1)
Soziale Bindungen haben einen nachweislich protektiven Einfluss auf die psychische und physische Gesundheit. Bei Patricia liegt jedoch ein eklatanter Mangel an sozialer Unterstützung vor:
Sie hat keinen Kontakt zu ihren Eltern und erfährt von diesen keinerlei Rückhalt.
Der Partner hat sie verlassen und entzieht sich der familiären Mitverantwortung.
Sie lebt isoliert, empfindet tiefe Einsamkeit und trifft ihre einzige Freundin nur sehr selten aus Scham.
Das Fehlen von emotionaler Unterstützung (beispielsweise Zuspruch, Wertschätzung) und instrumenteller Unterstützung (beispielsweise konkrete Hilfe bei der Kinderbetreuung) begünstigt direkt ihre depressionsartige Stimmung, mindert ihre psychische Resilienz und verstärkt ihre Antriebslosigkeit.
Einflussfaktoren (Teil b) Nehmen Sie Bezug auf das Fallbeispiel und beschreiben Sie, welchen Einfluss die folgenden Faktoren auf die Gesundheit von Patricia ausüben.
b) Bildungseinflüsse und Einkommen (Fallbeispiel siehe Karteikarte 1)
Bildung und Einkommen sind die zentralen vertikalen Indikatoren der sozialen Ungleichheit, die über den sozialen Gradienten die Morbidität bestimmen:
Bildung: Patricia verfügt lediglich über einen Hauptschulabschluss und eine abgebrochene Berufsausbildung. Dies schränkt ihre gesundheitsbezogene Wissensaneignung und kritische Informationsbewertung (Gesundheitskompetenz / englisch: Health Literacy) stark ein.
Einkommen: Als Empfängerin von Bürgergeld und ohne Unterhaltszahlungen des Vaters lebt sie in absoluter ökonomischer Deprivation (Armut).
Diese Kombination limitiert ihre materiellen Handlungsspielräume im Alltag massiv. Sie schämt sich für ihren Lebensstil, was ihren sozialen Rückzug und ihre psychische Belastung weiter chronifiziert.
Einflussfaktoren (Teil c) Nehmen Sie Bezug auf das Fallbeispiel und beschreiben Sie, welchen Einfluss die folgenden Faktoren auf die Gesundheit von Patricia ausüben.
c) Private Lebensformen (Fallbeispiel siehe Karteikarte 1)
Die Struktur des privaten Haushalts bedingt das alltägliche Stressniveau:
Patricia lebt in der Lebensform der jungen, alleinerziehenden Mutter von zwei Kleinkindern im Alter von zwei und vier Jahren.
Diese Konstellation geht empirisch mit der höchsten kumulierten zeitlichen, psychischen und physischen Belastung im familiären Setting einher.
Da sie die gesamte Erziehungs- und Care-Arbeit (Pflege- und Betreuungsarbeit) ohne partnerschaftliche Unterstützung bewältigen muss, befindet sie sich in einem Zustand chronischer Überforderung, was sich in ihrer permanenten Erschöpfung, Schwächung und Antriebslosigkeit manifestiert.
Einflussfaktoren (Teil d) Nehmen Sie Bezug auf das Fallbeispiel und beschreiben Sie, welchen Einfluss die folgenden Faktoren auf die Gesundheit von Patricia ausüben.
d) Wohnbedingungen (Fallbeispiel siehe Karteikarte 1)
Die Wohnumwelt ist ein entscheidender Faktor der Verhältnisprävention:
Patricia bewohnt eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung mit zwei Kindern in einem Hochhauskomplex in einem sozialen Brennpunkt (Köln-Chorweiler).
Es fehlen jegliche Grünflächen oder parkähnliche Strukturen unmittelbar vor der Tür.
Diese räumliche Enge bietet keinerlei Rückzugsmöglichkeiten für Privatsphäre, was psychosozialen Stress induziert. Das Fehlen von Grünflächen im Wohnumfeld nimmt ihr die Möglichkeit für niedrigschwellige Bewegung, körperliche Aktivität im Freien und psychische Regeneration. Zudem führt die Wohnadresse zu einer sozialen Stigmatisierung, für die sie sich schämt.
Einflussfaktoren (Teil e) Nehmen Sie Bezug auf das Fallbeispiel und beschreiben Sie, welchen Einfluss die folgenden Faktoren auf die Gesundheit von Patricia ausüben.
e) Individueller Lebensstil (Gesundheitsverhalten) (Fallbeispiel siehe Karteikarte 1)
Patricias individuelles Verhalten schädigt ihre gesundheitliche Konstitution auf multiplen Ebenen:
Sie zeigt extremen Bewegungsmangel (kein Sport, viel Fernsehen).
Sie ernährt sich fehlerhaft und ungesund (Ausschließlicher Konsum von Fertiggerichten, Fast Food und Süßigkeiten).
Dies hat zu einer manifesten Adipositas (starkes Übergewicht) geführt, wodurch sie sich körperlich unwohl, geschwächt und antriebslos fühlt.
Zudem schiebt sie den dringend notwendigen Besuch beim Hausarzt immer wieder auf (Inanspruchnahmebarriere durch Prokrastination), wodurch das Risiko einer schwerwiegenden Chronifizierung ihrer physischen und psychischen Beschwerden drastisch ansteigt.
Die folgende Grafik zeigt den Überschuss und das Defizit der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland. Erläutern Sie die Grafik. (Werte aus der Statista-Grafik „Diagnose: Defizit“ siehe unten)
Datenwerte der Grafik:
Jahr 2014: Defizit von ein Komma zwei null Milliarden Euro (-1,20 Milliarden Euro)
Jahr 2015: Defizit von ein Komma eins vier Milliarden Euro (-1,14 Milliarden Euro)
Jahr 2016: Überschuss von ein Komma drei acht Milliarden Euro (1,38 Milliarden Euro)
Jahr 2017: Überschuss von drei Komma eins fünf Milliarden Euro (3,15 Milliarden Euro)
Jahr 2018: Überschuss von zwei Komma null null Milliarden Euro (2,00 Milliarden Euro)
Jahr 2019: Defizit von ein Komma fünf mit fünf null Milliarden Euro (-1,50 Milliarden Euro)
Jahr 2020: Defizit von zwei Komma sechs fünf Milliarden Euro (-2,65 Milliarden Euro)
Jahr 2021: Defizit von fünf Komma sieben mit sieben null Milliarden Euro (-5,70 Milliarden Euro)
Die Infografik von Statista dokumentiert die jährlichen Finanzergebnisse der gesetzlichen Krankenkassen im Zeitraum von 2014 bis 2021:
In den Jahren 2014 und 2015 verzeichneten die Kassen moderate Defizite von knapp über einer Milliarde Euro.
Im Zeitraum von 2016 bis 2018 kam es zu einer deutlichen Konsolidierung mit beachtlichen Überschüssen, die im Jahr 2017 ihren historischen Höchststand mit plus drei Komma eins fünf Milliarden Euro erreichten.
Ab dem Jahr 2019 rutschte das System erneut in die roten Zahlen (minus ein Komma fünf null Milliarden Euro). Im Zuge der weltweiten Corona-Pandemie kam es in den Jahren 2020 und 2021 zu einer dramatischen Explosion des Defizits, welches im Jahr 2021 mit minus fünf Komma sieben Rechnungsdaten Milliarden Euro einen besorgniserregenden und absoluten Tiefpunkt markierte.
Begründen Sie anhand von drei Argumenten ausführlich, wie dem steigenden Defizit der gesetzlichen Krankenversicherungen begegnet werden könnte. Beziehen Sie hierbei auch die privaten Krankenversicherungen mit ein.
Um die strukturelle Finanzkrise der Gesetzlichen Krankenversicherung nachhaltig zu lösen, können folgende drei ordnungspolitischen Strategien begründet werden:
Einführung einer integrierten Bürgerversicherung unter Abschaffung des dualen Systems: Durch die Zusammenführung von Gesetzlicher Krankenversicherung und Privater Krankenversicherung würde die solidarische Einnahmenbasis massiv verbreitert. Bisher entziehen sich Gutverdiener, Beamte und Selbstständige dem Solidarausgleich der gesetzlichen Kassen. Wenn alle Bürgerinnen und Bürger einkommensabhängig in ein einheitliches System einzahlen, führt dies zu erheblichen Mehreinnahmen und einer Stabilisierung des Systems.
Anhebung oder Aufhebung der Beitragsbemessungsgrenze: Aktuell werden Einkommen nur bis zu einer gesetzlich definierten Obergrenze zur Beitragsberechnung herangezogen. Einkommensanteile darüber hinaus sind beitragsfrei. Eine Anhebung dieser Grenze würde dafür sorgen, dass wirtschaftlich leistungsstärkere Schichten einen proportional angemesseneren Beitrag zur Finanzierung der gesundheitlichen Versorgung leisten, was zu einer direkten Entlastung der Defizite führt.
Erweiterung der Beitragsfinanzierung auf alle Einkommensarten: Die Gesetzliche Krankenversicherung finanziert sich bisher fast ausschließlich über Beiträge auf das Einkommen aus abhängiger Erwerbsarbeit. Um die Finanzierung vom demografischen Wandel und dem Arbeitsmarkt zu entkoppeln, sollten auch andere Einkunftsarten wie Kapitalerträge, Mieteinnahmen, Zinsen und Unternehmensgewinne beitragspflichtig werden. Dies sorgt für eine krisenfeste und gerechtere Verteilung der finanziellen Lasten.
Impfungen gehören zu den effektivsten Präventionsmaßnahmen zum Schutz vor Infektionskrankheiten. Ordnen Sie die Präventionsmaßnahme Impfen der entsprechenden Art der Prävention zu und begründen Sie dies. (5 Punkte)
Zuordnung: Die Schutzimpfung ist eindeutig der Primärprävention zuzuordnen.
Begründung: Die Primärprävention setzt zeitlich vor dem Eintritt einer biologischen Erkrankung beziehungsweise vor dem Auftreten von messbaren Symptomen bei gesunden Individuen an. Das primäre Ziel besteht darin, die Entstehung von Krankheitsursachen lückenlos zu verhindern.
Durch die Applikation von Impfstoffen wird das Immunsystem eines gesunden Menschen gezielt angeregt, spezifische Antikörper und Gedächtniszellen aufzubauen, ohne die Erkrankung durchmachen zu müssen. Dadurch wird das Individuum vor einer zukünftigen Infektion geschützt. Zudem dient es über die Herdenimmunität dem kollektiven Schutz der Bevölkerung.
Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern gibt es in Deutschland - mit einer Ausnahme keine Imppflicht. Die Ausnahme bildet die Masern-Impfpflicht, die durch das am 01. März 2020 in Kraft getretene Masernschutzgesetz gilt. Die Ständige Impfkommission (STIKO) spricht jährlich aktuelle Impfempfehlungen aus, unter anderem für Säuglinge, Kinder und Jugendliche. Diskutieren Sie anhand von jeweils vier Pro- und Kontra-Argumenten die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht gegen Kinderkrankheiten für Säuglinge, Kinder und Jugendliche und nehmen Sie anschließend begründet Stellung. Bitte diskutieren Sie im Fließtext.
Die Einführung einer allgemeinen gesetzlichen Impfpflicht für Minderjährige berührt komplexe medizinische, ethische, juristische und gesellschaftliche Fragestellungen und muss differenziert abgewogen werden.
Vier Pro-Argumente für eine allgemeine Impfpflicht:
Gewährleistung der Herdenimmunität zum Schutz vulnerabler Gruppen: Bestimmte hochgradig infektiöse Krankheiten (beispielsweise Masern) erfordern eine Herdenimmunität von mindestens 95 Prozent in der Bevölkerung. Eine Impfpflicht sichert diese Quote und schützt somit Säuglinge, die noch zu jung für eine Impfung sind, sowie immunsupprimierte oder chronisch kranke Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können.
Potenzial zur vollständigen Eradikation (Ausrottung) von Krankheitserregern: Wie die historische Ausrottung der Pocken gezeigt hat, können schwere Infektionskrankheiten durch weltweit flächendeckende, verpflichtende Impfquoten dauerhaft und global eliminiert werden, wodurch zukünftige Generationen vollständig geschützt sind.
Staatliche Fürsorgepflicht und Schutz des Kindeswohls: Kinder haben ein verfassungsmäßig geschütztes Grundrecht auf den bestmöglichen Schutz ihrer Gesundheit. Wenn Eltern aufgrund von Desinformation oder Nachlässigkeit notwendige Schutzimpfungen verweigern, muss der Staat im Sinne seiner Wächterfunktion eingreifen, um das Kind vor vermeidbaren, schweren Gesundheitsschäden oder dem Tod zu bewahren.
Nachhaltige Entlastung und Wirtschaftlichkeit des Gesundheitssystems: Durch die Vermeidung von Krankheitsausbrüchen werden teure stationäre Krankenhausbehandlungen, intensivmedizinische Betreuungen und die langfristigen Kosten von bleibenden Folgeschäden (beispielsweise Gehirnentzündungen bei Masern) verhindert. Dies sichert die finanziellen Ressourcen der Solidargemeinschaft.
Vier Kontra-Argumente gegen eine allgemeine Impfpflicht:
Schwerwiegender Eingriff in das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit: Eine Impfpflicht stellt einen massiven staatlichen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper dar. Eine medizinische Intervention gegen den expliziten Willen der Erziehungsberechtigten widerspricht fundamentalen ethischen Prinzipien der modernen Medizin.
Risiko von Impfkomplikationen und unvorhersehbaren Nebenwirkungen: Obwohl moderne Impfstoffe wissenschaftlich als sicher und evidenzbasiert gelten, birgt jede medizinische Intervention ein minimales Restrisiko für gesundheitliche Komplikationen beziehungsweise Impfschäden. Ein staatlicher Zwang ist ethisch hochgradig problematisch, wenn er Individuen der Gefahr eines Schadens aussetzt.
Verletzung des verfassungsmäßigen Elternrechts: Das Grundgesetz überträgt die primäre Pflege und Erziehung der Kinder den Eltern. Eine staatlich erzwungene Impfung stellt einen tiefgreifenden Übergriff in diese familiäre Autonomie und die individuelle Entscheidungsfreiheit der Erziehungsberechtigten dar.
Erzeugung von gesellschaftlicher Reaktanz und Vertrauensverlust: Staatlicher Zwang führt in Teilen der Bevölkerung zu erheblichem Widerstand, Radikalisierung und Misstrauen gegenüber dem gesamten Gesundheitssystem und staatlichen Institutionen. Dies kann dazu führen, dass betroffene Familien auch andere wichtige Angebote (wie die regulären Kinderfrüherkennungsuntersuchungen) aus Angst vor Sanktionen meiden.
Begründete Stellungnahme: Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass eine allgemeine Impfpflicht stets die absolute Grenze (Ultima Ratio) des staatlichen Handelns darstellen muss. Bevor ein so tiefgreifender Grundrechtseingriff legitimiert wird, müssen alle milderen Mittel im Sinne der Gesundheitsbildung vollständig ausgeschöpft werden. Hierzu zählen flächendeckende, transparente, laienverständliche und niedrigschwellige Aufklärungskampagnen durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst, die direkt in den Lebenswelten (Settings) wie Kitas und Schulen ansetzen. Erst wenn sich zeigt, dass trotz optimaler Aufklärung die Herdenimmunität dauerhaft unterschritten wird und eine konkrete, schwerwiegende Bedrohung für das Gesundheitssystem und das Leben vulnerabler Gruppen droht, ist eine gesetzlich verankerte Impfpflicht ethisch und gesundheitspolitisch als gerechtfertigt anzusehen.
Gesundheit
Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen" (Weltgesundheitsorganisation, 1948, Seite 1).
a) Erläutern Sie, weshalb diese Definition der Weltgesundheitsorganisation kritisch betrachtet werden kann.
Diese Definition kann dahingehend kritisch betrachtet werden, da diese einen idealistischen Ansatz verfolgt, der nicht erreichbar ist.
Gesundheit bedeutet Vielfältigkeit und Individualität. Dafür sollten möglichst alle Dimensionen, die einen Einfluss auf die Gesundheit haben, miteinbezogen werden.
b) Gesundheit kann für jeden Menschen etwas anderes bedeuten. Nennen Sie sechs Dimensionen von Gesundheit und führen Sie jeweils ein Beispiel dazu auf.
(Inhaltliche Struktur basierend auf der Abbildung 3.1: Dimensionen von Gesundheit in Anlehnung an Naidoo und Wills, 2005, Seite 80)
Physisch (den Körper betreffend, zum Beispiel Fitness, gesund sein): Gute Gesundheit und Beschwerdefreiheit.
Psychisch (positives Lebens- und Selbstwertgefühl): Optimistische Lebenseinstellung.
Sozial (Gefühl der sozialen Unterstützung, Infrastrukturen für Gesundheit, zum Beispiel Einkommen, Integration): Vertrauen und Halt durch die Familie und Freundinnen und Freunden.
Emotional (Gefühle ausdrücken können, Beziehungen entwickeln und erhalten können): Gefühle äußern können und dabei respektiert zu werden.
Spirituell (moralische und religiöse Grundsätze in der Praxis umsetzen können): Religion frei wählen und praktizieren zu können.
Sexuell (Bereitschaft und Fähigkeit die eigene Sexualität befriedigend ausdrücken zu können): Eigene Sexualität ausdrücken und leben zu können.
(Zusatzdimensionen aus der Umwelt/Gesellschaft-Ebene der Grafik: Wohnen, Verkehr, Hygiene, Trinkwasser)
c) Skizzieren Sie, was unter dem Gesundheits-Krankheits-Kontinuum verstanden wird (5 Punkte).
Die gesundheitliche Situation eines Individuums kann als praktischer Ansatz im Kontext eines Gesundheits-Krankheits-Kontinuums beschrieben werden. Gesundheit und Krankheit werden zu verschiedenen Zeitpunkten innerhalb dieses Kontinuums unterschiedlich bewertet.
Zwischen den Zeitpunkten 1 und 2 verschiebt sich die Position in Richtung Krankheit, während sie sich zwischen Zeitpunkt 2 und Zeitpunkt 3 in Richtung Gesundheit verschiebt. Ein Beispiel für die Verschiebung von Zeitpunkt 1 nach Zeitpunkt 2 könnte eine akute Erkrankung sein, während die Entwicklung von Zeitpunkt 2 nach Zeitpunkt 3 Veränderungen im Gesundheitsverhalten eines erwachsenen Nikotinabhängigen sein könnte.
Aus der Perspektive des Kontinuums können die Unterschiede zwischen Gesundheitsförderung und Prävention weiterhin eingeordnet werden.
Definieren Sie den Begriff Gesundheitsförderung und erläutern Sie, welche Rolle die Weltgesundheitsorganisation (Weltgesundheitsorganisation) bei der Einführung spielte.
Gesundheitsförderung strebt eine bessere Gesundheit und Bedürfnisbefriedigung für Menschen an und verschiebt sich im Gesundheits-Krankheits-Kontinuum in Richtung Gesundheit. Der Begriff wurde 1986 mit der Ottawa Charta der Weltgesundheitsorganisation eingeführt.
Gesundheitsförderung umfasst Maßnahmen zur Stärkung der Gesundheitsressourcen von Menschen, sowohl auf individueller als auch auf Gruppenebene in verschiedenen Lebensbereichen. Der Setting-Ansatz (Lebenswelt-Ansatz) verbindet das Gesundheitsinteresse mit Alltagsaktivitäten in unterschiedlichen Lebenswelten.
Beschreiben Sie die drei Arten von Prävention jeweils anhand der Zielvorstellung und jeweils anhand eines Beispiels.
Primärprävention: zielt auf eine Vermeidung von Krankheitsursachen bei einem gesunden Menschen. Beispiel:Impfungen.
Sekundärprävention: zielt auf eine Reduzierung von Risikofaktoren im Frühstadium einer Krankheit, um Krankheitsauslöser zu korrigieren. Beispiel: Krebsvorsorgeuntersuchungen wie die Prostatakrebsvorsorgeuntersuchung.
Tertiärprävention: zielt bei einer Erkrankung auf die Stabilisierung der gesundheitlichen Lage im Hinblick auf Folgeerkrankungen. Beispiel: Diabetesberatung zur Verhinderung von Folgeerkrankungen durch Diabetes mellitus.
Klima und Gesundheit
Aufgrund der steigenden Temperaturen in den Sommermonaten schlugen Amtsärztinnen und Amtsärzte kürzlich vor, auch in Deutschland für Beschäftigte eine verlängerte Mittagspause, angelehnt an die südeuropäische „Siesta", einzuführen.
Erläutern Sie, wie Umwelteinflüsse und Gesundheit zusammenhängen und wieso solch eine Regelung für manche Berufsgruppen sinnvoll sein könnte.
Die Gesundheit und das Wohlbefinden werden durch äußere Umwelteinflüsse maßgeblich beeinflusst. So steigt beispielsweise die Zahl der Hitzetode in Europa seit den letzten Jahren. Die Klimakrise wird in Zukunft dazu führen, dass auch die Sommer in Deutschland immer heißer und trockener werden. Der Juli 2023 war beispielsweise weltweit der heißeste Monat in der Geschichte seit der Wetteraufzeichnung. Diese Klimaänderung beeinflusst die Menschen in allen Lebenslagen - so auch in der Ausübung des Berufs.
Starke Hitze und hohe Temperaturen erhöhen das Risiko auf Überhitzung, Wasser- und Elektrolytverlust und belasten vor allem das Gehirn, den Kreislauf und die Nieren. Auch die Leistungsfähigkeit von Menschen wird beeinträchtigt. So können Konzentrationsprobleme durch schlechten Schlaf bei fehlender Abkühlung in der Nacht eine Folge von Hitze sein, was auch das Risiko eines Arbeitsunfalls erhöhen kann. Aber auch Kreislaufprobleme können bei Hitze vermehrt auftreten und bestehende Erkrankungen sich verschlechtern. Die Frühgeburtenrate steigt ebenso durch Hitze an.
Eine verlängerte Mittagspause, angelehnt an die südeuropäische Siesta, kann für alle Beschäftigte in Deutschland gesundheitsfördernd sein und ist daher als positiv zu bewerten. Jedoch gibt es Berufsgruppen, die besonders vor Hitze geschützt werden müssen. Dazu zählen etwa alle Menschen, die draußen im Freien und in der Sonne arbeiten müssen (zum Beispiel Straßenarbeiterinnen und Straßenarbeiter). Dennoch können Arbeitgebende Maßnahmen schaffen, um alle Beschäftigten auch im Büro zu schützen. Dazu zählt neben der installation von effektivem Sonnenschutz im Büro, auch das Beschaffen von Klimaanlagen und Ventilatoren, die Bereitstellung von Getränken und die Lockerung des Dress-Codes im Büro oder die Möglichkeit gänzlich auf Vertrauensarbeitszeit umzustellen.
Definieren Sie den Begriff Environmental Justice.
Environmental Justice (Umweltgerechtigkeit) bezieht sich darauf, ob Umweltbelastungen gleichmäßig auf alle Bevölkerungsgruppen verteilt sind. Es gibt erhebliche Unterschiede in der Wohnqualität, wobei sozial benachteiligte Gruppen oft näher an Umweltbelastungen leben. Dies hängt vor allem mit Grundstückspreisen und Mietniveaus zusammen. Die individuelle wirtschaftliche Lage beeinflusst die Gesundheit erheblich, da Wohnqualität käuflich ist.
Die Verantwortung für erforderliche Maßnahmen liegt vor allem bei politischen Entscheidungsträgern. Aber auch globale Klimaveränderungen führen dazu, dass vor allem der globale Süden stärker an den Folgen der Klimakrise, wie etwa Dürre und infolgedessen Hunger und gesundheitliche Einschränkungen, leidet, wobei der globale Norden zum Großteil für den hohen Kohlenstoffdioxid-Ausstoß verantwortlich ist.
Karteikarte 8
Stellen Sie sich eine obdachlose Person während der Corona-Pandemie vor. Welchen Einfluss könnten die folgenden Faktoren auf die Gesundheit dieser Person ausüben?
Bei dieser Fragestellung ist es wichtig, dass Sie die unterschiedlichen influencefaktoren im Kontext einer Obdachlosigkeit reflektieren. Bitte führen Sie dafür begründete Argumente auf.
Einflussfaktoren
a) Soziale Beziehungen und soziale Unterstützung (Kontext siehe Karteikarte 8)
Viele obdachlose Menschen rutschen aufgrund von schwierigen Lebenseinschnitten in die Situation, auf der Straße zu leben. Durch psychische Erkrankungen oder Abhängigkeiten können oftmals auch zwischenmenschliche Beziehungen zerstört werden.
In der Corona-Pandemie waren diese Menschen meist auf sich allein gestellt, der Lock Down (Ausgangssperre / Schließung) erschwerte diese Problematik nochmals, da auch ehrenamtliche Tätigkeiten reduziert stattfanden. Dies könnte teilweise verstärkt zur sozialen Isolation und Einsamkeit geführt haben, was die Gesundheit dieser Bevölkerungsgruppe ganzheitlich beeinflusst haben könnte.
b) Bildungseinflüsse und Einkommen (Kontext siehe Karteikarte 8)
Obdachlose Menschen haben meist kein oder nur ein geringes Einkommen, was dazu führt, dass Hygieneartikel oder Desinfektionsmittel nicht gekauft werden konnten. Diese Menschen sind häufig auf das Ehrenamt oder Spenden angewiesen.
Oftmals leiden obdachlose Menschen unter Abhängigkeiten oder psychischen Erkrankungen, was einen Wiedereintritt in die Arbeitswelt oder in eine Ausbildung/Studium zudem erschwert - insbesondere während der Pandemie.
c) Umwelt und Wohnbedingungen (Kontext siehe Karteikarte 8)
Obdachlose Menschen hatten keine Möglichkeit, sich vor der Erkrankung zu schützen oder sich bei einer Infektion adäquat zu isolieren, was dazu geführt haben könnte, dass sich die Erkrankung auch innerhalb dieser Bevölkerungsgruppe weiter verbreitete.
Außerdem waren hygienische Bedingungen oftmals nicht gegeben oder es gab keine Möglichkeit auf einen Rückzugsort - unter anderem wegen des Lock Downs (Ausgangssperre / Schließung).
d) Gesundheitsverhalten (Kontext siehe Karteikarte 8)
Aufgrund von Vorerkrankungen oder Abhängigkeiten ist auch die Motivation auf ein verbessertes Gesundheitsverhalten bei obdachlosen Menschen meist schlecht beziehungsweise reduziert.
Zudem haben Gesundheitskampagnen und -empfehlungen im Zuge der Corona-Pandemie obdachlose Menschen meist gar nicht oder nur unzureichend erreicht und somit nur bedingt einen positiv Einfluss auf das Gesundheitsverhalten dieser Menschen.
e) Gesundheitsversorgung (Kontext siehe Karteikarte 8)
Die Gesundheitsversorgung während der Corona-Pandemie konnte teilweise nicht mehr wie vor der Pandemie aufrechterhalten werden. Untersuchungen oder geplante Operationen mussten verschoben werden oder Stationen beziehungsweise Praxen von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten waren überfüllt. Obdachlosen wurde somit der Zugang zu Gesundheitsleistungen erschwert.
Zudem war der Zutritt zu Einrichtungen, aber auch Verkehrsmittel, nur mit gültigem negativem Test oder Impfbescheinigung möglich, was für diese Personengruppe weitere Hürden darstellen konnte.
Soziale Ungleichheit
Nennen Sie für die vertikale soziale Ungleichheit und für die horizontale soziale Ungleichheit jeweils drei Indikatoren.
Indikatoren vertikaler sozialer Ungleichheit:
Bildung
Beruflicher Status
Einkommen
Indikatoren horizontaler sozialer Ungleichheit:
Alter
Geschlecht
Nationalität
Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen" (Weltgesundheitsorganisation, 1948,Seite 1).
Gesundheit bedeutet Vielfältigkeit und Individualität. Dafür sollten möglichst alle Dimensionen, die einen influence auf die Gesundheit haben, miteinbezogen werden.
c) Skizzieren Sie, was unter dem Gesundheits-Krankheits-Kontinuum verstanden wird.
Zwischen den Zeitpunkten eins und zwei verschiebt sich die Position in Richtung Krankheit, während sie sich zwischen Zeitpunkt zwei und Zeitpunkt drei in Richtung Gesundheit verschiebt. Ein Beispiel für die Verschiebung von Zeitpunkt eins nach Zeitpunkt zwei könnte eine akute Erkrankung sein, während die Entwicklung von Zeitpunkt zwei nach Zeitpunkt drei Veränderungen im Gesundheitsverhalten eines erwachsenen Nikotinabhängigen sein könnte.
Definieren Sie den Begriff Gesundheitsförderung und erläutern Sie, welche Rolle die Weltgesundheitsorganisation bei der Einführung spielte.
Starke Hitze und hohe Temperaturen erhöhen das Risiko auf Überhitzung, Wasser- und Elektrolytverlust und belasten vor allem das Gehirn, den Kreislauf und die Nieren. Auch die Leistungsfähigkeit von Menschen wird beeinträchtigt. So können Konzentrationsprobleme durch schlechten Schlaf bei fehlender Abkühlung in der Nacht eine Folge von Hitze sein, was auch das Oreo eines Arbeitsunfalls erhöhen kann. Aber auch Kreislaufprobleme können bei Hitze vermehrt auftreten und bestehende Erkrankungen sich verschlechtern. Die Frühgeburtenrate steigt ebenso durch Hitze an.
Eine verlängerte Mittagspause, angelehnt an die südeuropäische Siesta, kann für alle Beschäftigte in Deutschland gesundheitsfördernd sein und ist daher als positiv zu bewerten. Jedoch gibt es Berufsgruppen, die besonders vor Hitze geschützt werden müssen. Dazu zählen etwa alle Menschen, die draußen im Freien und in der Sonne arbeiten müssen (zum Beispiel Straßenarbeiterinnen und Straßenarbeiter). Dennoch können Arbeitgebende Maßnahmen schaffen, um alle Beschäftigten auch im Büro zu schützen. Dazu zählt neben der Installation von effektivem Sonnenschutz im Büro, auch das Beschaffen von Klimaanlagen und Ventilatoren, die Bereitstellung von Getränken und die Lockerung des Dress-Codes im Büro oder die Möglichkeit gänzlich auf Vertrauensarbeitszeit umzustellen.
Bei dieser Fragestellung ist es wichtig, dass Sie die unterschiedlichen Einflussfaktoren im Kontext einer Obdachlosigkeit reflektieren. Bitte führen Sie dafür begründete Argumente auf.
Zudem haben Gesundheitskampagnen und -empfehlungen im Zuge der Corona-Pandemie obdachlose Menschen meist gar nicht oder nur unzureichend erreicht und somit nur bedingt einen positiven Einfluss auf das Gesundheitsverhalten dieser Menschen.
Erläutern Sie den Setting-Ansatz (Lebenswelt-Ansatz) der Ottawa-Charta der Weltgesundheitsorganisation.
Die Ottawa-Charta für Gesundheitsförderung wurde von der Weltgesundheitsorganisation im Jahr 1986 veröffentlicht. Dieses Dokument stellt einen wichtigen Meilenstein in der Gesundheitsförderung dar und betont die Bedeutung von Maßnahmen und Ansätzen zur Verbesserung der Gesundheit in verschiedenen Lebensbereichen. Der Setting-Ansatz ist eine zentrale Komponente der Ottawa-Charta.
+2
Der Setting-Ansatz in der Ottawa-Charta bezieht sich auf die Idee, dass die Gesundheit der Menschen maßgeblich von den Umgebungen und Lebenssituationen beeinflusst wird, in denen sie leben, arbeiten, spielen und lernen. Um die Gesundheit zu fördern, sollte die Aufmerksamkeit nicht nur auf individuelles Verhalten und biomedizinische Faktoren gerichtet sein, sondern auch auf die Gestaltung und Verbesserung dieser Umgebungen, die als "Settings" bezeichnet werden. Die Charta identifiziert verschiedene Settings, in denen Gesundheitsförderung stattfinden sollte, darunter etwa Schulen, Arbeitsplätze, Gemeinden und Gesundheitsdienste.
Der Setting-Ansatz betont die Idee, dass Gesundheitsförderung in diesen Settings durch die Schaffung gesunder Bedingungen und die Förderung gesundheitsförderlicher Verhaltensweisen erreicht werden kann. Dies bedeutet, dass nicht nur die individuellen Fähigkeiten und Einstellungen der Menschen berücksichtigt werden, sondern auch die Strukturen und Bedingungen in diesen Lebensbereichen, die ihre Gesundheit beeinflussen.
Außerdem betont der Setting-Ansatz der Ottawa-Charta die Notwendigkeit der Zusammenarbeit und Koordination zwischen verschiedenen Akteurinnen und Akteuren, darunter Regierungen, Gemeinschaften, Arbeitgebende und Bildungseinrichtungen, um gemeinsam die Gesundheit der Bevölkerung zu fördern. Indem Gesundheitsförderung in verschiedenen Lebensbereichen verankert wird, trägt der Setting-Ansatz dazu bei, die Gesundheit breiter Bevölkerungsgruppen zu verbessern und Krankheiten vorzubeugen, anstatt nur auf die Behandlung von Krankheiten abzuzielen
Skizzieren Sie drei gesundheitsfördernde Maßnahmen im Sinne des Setting-Ansatzes (Lebenswelt-Ansatz) der Ottawa-Charta.
In der Korrekturrichtlinie werden drei beispielhafte Handlungsfelder wie folgt skizziert:
Setting Schule: Beispielsweise könnte in Schulen der Setting-Ansatz bedeuten, gesunde Ernährungsmöglichkeiten in der Schulcafeteria anzubieten, Bewegung und Sport zu fördern, die psychische Gesundheit der Schülerinnen und Schüler zu unterstützen oder rauchfreie Umgebungen zu schaffen.
Setting Arbeitsplatz: In Arbeitsumgebungen könnte dies die Schaffung sicherer Arbeitsbedingungen, die Förderung von Work-Life-Balance (Ausgewogenheit von Berufs- und Privatleben) und die Unterstützung von Maßnahmen zur Stressbewältigung umfassen.
Kommunales Wohnviertel: Die Gemeinde kann Grünflächen, Parks und öffentliche Freizeitbereiche schaffen und pflegen, um den Bewohnerinnen und Bewohnern die Möglichkeit zu bieten, im Freien aktiv zu sein. Eine andere Maßnahme wäre die Schaffung von Geh- und Radwegen oder das Initiieren von Gemeinschaftsveranstaltungen und Gesundheitsinitiativen, wie etwa Gesundheitsmessen, Workshops, Sportveranstaltungen und gemeinsame Aktivitäten, die das soziale Wohlbefinden stärken.
Einflussfaktoren auf die Gesundheit
In einigen Ländern, unter anderem in Großbritannien, wird in vielen Museen für alle Besucherinnen und Besucher freier Eintritt angeboten. Auch in Deutschland finden solche Aktionen an manchen Tagen im Jahr statt, beispielsweise am 31.10.2023.
Beschreiben Sie anhand von zwei Argumenten, inwiefern sich das Angebot von kostenfrei zugänglichen Museen auf die Gesundheit von Menschen auswirken kann.
Das Angebot kostenfreien Zugangs zu Museen kann sich positiv auf die Gesundheit von Menschen auswirken, unter anderem durch etwa:
Reduzierung von Stress und sozialer Isolation: Der Besuch von Museen bietet den Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, dem Alltagsstress zu entfliehen und in eine Welt der Kunst, Kultur und Geschichte einzutauchen. Dies kann zu einer Reduzierung von Stress führen, da Museen einen Ort der Entspannung und des Nachdenkens darstellen können. Darüber hinaus fördert der Museumsbesuch die soziale Interaktion, da Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit haben, sich mit anderen Menschen über die ausgestellten Werke auszutauschen (zum Beispiel durch Führungen). Dies kann dazu beitragen, soziale Isolation zu verringern, die insbesondere für die psychische Gesundheit schädlich sein kann.
Förderung des geistigen Wohlbefindens: Der Besuch von Museen kann das geistige Wohlbefinden anregen, da die Neugierde geweckt und das Lernen gefördert werden kann. Die Auseinandersetzung mit Kunst, Kultur und Geschichte kann das Interesse an verschiedenen Themen wecken und das Gehirn stimulieren. Dies kann zur geistigen Gesundheit beitragen, insbesondere bei älteren Menschen, da es dazu beitragen kann, geistig aktiv zu bleiben. Darüber hinaus kann der Museumsbesuch die Kreativität anregen und die Fähigkeit zur Problemlösung fördern, was ebenfalls positive Auswirkungen auf die geistige Gesundheit haben kann.
Förderung von lebenslangem Lernen und Bildung: Der Zugang zu Museen ermöglicht den Menschen, lebenslanges Lernen zu praktizieren. Museen sind reiche Quellen für Bildung und Wissenserwerb. Wenn Menschen die Möglichkeit haben, Museen kostenfrei zu besuchen, fördert dies lebenslanges Lernen und die Weiterentwicklung von Wissen und Fähigkeiten. Dies ist besonders in einer Zeit des schnellen Wandels und der ständigen Weiterentwicklung von Wissen von Bedeutung. Menschen, die kontinuierlich lernen, sind oft besser in der Lage, sich den Anforderungen des modernen Lebens anzupassen. Dies wiederum kann ihr Selbstbewusstsein stärken und das Gefühl der Selbstwirksamkeit fördern, was sich positiv auf die psychische Gesundheit auswirken kann.
Soziale Gleichberechtigung fördert die Gesundheit: Wenn Museen kostenfrei zugänglich sind, werden sie für Menschen aus verschiedenen sozialen Schichten und Einkommensgruppen zugänglich. Dies fördert die soziale Gleichberechtigung, da es Menschen unabhängig von ihrem finanziellen Hintergrund ermöglicht, an kulturellen Aktivitäten teilzunehmen und kulturelles Kapital zu erwerben. Dies ist wichtig, da soziale Ungleichheit oft mit gesundheitlichen Ungleichheiten einhergeht. Menschen mit niedrigerem Einkommen haben tendenziell einen schlechteren Zugang zu Bildung, kulturellen Aktivitäten und anderen gesundheitsfördernden Ressourcen.
Grenzen Sie die Begriffe Morbidität (Krankheitshäufigkeit) und Mortalität (Sterblichkeit) voneinander ab.
Morbidität beschreibt das Auftreten von Krankheiten oder Gesundheitsproblemen in einer Bevölkerung, während Mortalität sich auf die Anzahl der Todesfälle in einer Bevölkerung bezieht.
Beide Begriffe sind von großer Bedeutung für die Gesundheitsüberwachung, Forschung und Gesundheitspolitik, da sie dazu beitragen, Gesundheitstrends zu verstehen und Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung zu entwickeln.
Verfassen Sie fünf begründete Argumente, inwiefern sich ein Migrationshintergrund einer Person auf die Gesundheit dieser Person auswirken kann.
Die offizielle Lösung der Korrekturrichtlinie führt hierzu folgende fünf Argumente auf:
Zugang zur Gesundheitsversorgung: Personen mit Migrationshintergrund können aufgrund von Sprachbarrieren, fehlendem Wissen über das Gesundheitssystem im Gastland oder rechtlichen Einschränkungen Schwierigkeiten beim Zugang zur Gesundheitsversorgung haben. Dies kann zu Verzögerungen bei der Diagnose und Behandlung von Krankheiten führen.
Kulturelle Unterschiede: Kulturelle Unterschiede zwischen dem Herkunftsland und dem Aufnahmeland können sich auf die Gesundheit auswirken. Unterschiedliche kulturelle Einstellungen zur Gesundheit, Ernährung und medizinischen Behandlungen können das Gesundheitsverhalten beeinflussen.
Psychosoziale Belastungen: Migrantinnen beziehungsweise Migranten und Flüchtende können psychosozialen Belastungen ausgesetzt sein, die sich auf die Gesundheit auswirken, darunter Traumata aus dem Herkunftsland, Stress durch die Einwanderung und soziale Isolation im Aufnahmeland. Dies kann das Risiko für psychische Gesundheitsprobleme erhöhen.
Arbeitsbedingungen und Einkommen: Migrantinnen und Migranten sind oft in Jobs mit niedrigerem Einkommen und schlechteren Arbeitsbedingungen beschäftigt. Dies kann zu stressbedingten Gesundheitsproblemen und einem Mangel an finanziellen Ressourcen für eine angemessene Gesundheitsversorgung führen.
Diskriminierung und soziale Integration: Diskriminierung und soziale Isolation können die Gesundheit negativ beeinflussen. Menschen mit Migrationshintergrund können Diskriminierungserfahrungen machen, die sich auf ihre psychische und physische Gesundheit auswirken. Die Fähigkeit, sich in die Gesellschaft zu integrieren, kann ebenfalls einen großen Einfluss auf die Gesundheit haben.
Zusammenfassung der Korrekturrichtlinie: Zusammenfassend kann der Migrationshintergrund einer Person erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben, da er den Zugang zur Gesundheitsversorgung, kulturelle Faktoren, psychosoziale Belastungen, Arbeitsbedingungen und soziale Integration beeinflusst. Die Anerkennung dieser Zusammenhänge ist wichtig, um die Gesundheit von Menschen mit Migrationshintergrund zu verbessern und Gesundheitsdisparitäten (gesundheitliche Ungleichheiten) abzubauen. Es ist notwendig, Gesundheitssysteme und Gesundheitspolitiken kultursensibel und inklusiv zu gestalten.
Beschreiben Sie das Konzept der Familiengesundheitspflege in seinen Grundzügen und nennen Sie drei Zielgruppen, an die die Familiengesundheitspflege adressiert werden kann.
Grundzüge: Die Familiengesundheitspflege (Family Health Nursing and Midwifery) wurde vom europäischen Regionalbüro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelt mit dem Ziel, die primäre Gesundheitsversorgung zu stärken. Die Familiengesundheitspflege ist auf die gesamte Lebensspanne und alle Familienmitglieder ausgerichtet, wobei der Familienbegriff in diesem Konzept „offen" gehalten wird. Als Familie wird demnach eine Gruppe verstanden, die sich als eine solche definiert, also jegliche Form des sozialen Zusammenlebens.
Zielgruppen (laut Korrekturrichtlinie können hierzu genannt werden):
Gesundheitlich, sozial und wirtschaftlich benachteiligte Einzelpersonen, Familien und Bevölkerungsgruppen.
Vulnerable (verletzliche) Gruppen, wie Menschen mit Migrationshintergrund, Kinder und Jugendliche, Frauen mit Risikoschwangerschaften, ältere Menschen etc. (et cetera).
Familien in Krisen- und Umbruchsituationen.
Alleinerziehende Elternteile.
Chronisch kranke und/oder pflegebedürftige Menschen.
Menschen mit Behinderungen.
Erläutern Sie den Unterschied zwischen health inequality (gesundheitliche Ungleichheit) und health inequity (gesundheitliche Ungerechtigkeit) jeweils anhand eines selbstgewählten Beispiels.
Der Begriff health inequality umfasst sämtliche soziale Unterschiede im Gesundheitszustand (beispielsweise Erkrankungen aufgrund von Alter), während health inequity darauf hinweist, dass es sich um als ungerecht empfundene soziale Unterschiede im Gesundheitszustand handelt, also problematische gesundheitliche Ungleichheiten (beispielsweise der Zugang zu Angeboten der medizinischen Gesundheitsversorgung aufgrund des Wohnortes).
Grenzen Sie die Verhaltensprävention von der Verhältnisprävention ab.
Die Abgrenzung gestaltet sich laut Korrekturrichtlinie wie folgt:
Verhältnisprävention: Sie bezieht sich auf Aktivitäten der Verbesserung der Risikodimensionen in Bezug auf die Rahmenbedingungen der Lebens- und Arbeitssituation von Menschen. Beispiele für eine bevölkerungsbezogene Verhältnisprävention wären etwa verstärkte Maßnahmen zur Lebensmittelsicherheit oder die Einrichtung von Fahrradstraßen in Stadtgebieten.
Verhaltensprävention: Eine individuumsbezogene Verhaltensprävention setzt demgegenüber in der Regel am konkreten Gesundheitsverhalten in verschiedenen Kontexten an (zum Beispiel am Essverhalten, am Suchtverhalten, am Bewegungsverhalten), um für die Gesundheit nachteilige Verhaltensmuster gezielt zu beeinflussen. Hierzu bedient sich die Verhaltensprävention unterschiedlicher Herangehensweisen: Informationsbereitstellung als gesundheitliche Aufklärung, Methoden der organisierten Gesundheitserziehung, Bonusprogramme der Krankenkassen als direkter finanzieller Anreiz.
Zusatzaspekt: Die gesundheitliche Situation von Kindern und Jugendlichen wird neben den einwirkenden Kontexten der Familie, Nachbarschaft sowie der Bildungs- und Betreuungseinrichtungen wesentlich durch ihr sukzessiv im Zuge der Sozialisation gelerntes Gesundheitsverhalten bestimmt.
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