4.1 Begriffsklärung Kommunikationskompetenz
Kommunikationskompetenz bezeichnet die Fähigkeit, angemessenes Kommunikationsverhalten auszuwählen und damit eigene Ziele zu erreichen, ohne die Interessen der Kommunikationspartner:innen massiv zu verletzen.
Sie hilft außerdem dabei, Ziele überhaupt zu formulieren.
Kommunikationskompetenz gilt als:
Schlüsselkompetenz
Erfolgsfaktor im Beruf
wichtig für Alltag, Erziehung, Gesundheit, Liebe und Freundschaft
Kommunikationskompetenz umfasst neben grundlegenden Eigenschaften wie Sprache mehrere Fähigkeiten:
Fähigkeit, die eigene Position wahrzunehmen und angemessen zu vertreten
Fähigkeit, geeignete Kanäle und Arten der Nachrichtenübermittlung auszuwählen
Fähigkeit, Impulse und Gefühle zu kontrollieren, die Kommunikation erschweren können (z. B. Unsicherheit oder Arroganz)
Fähigkeit, das Befinden und Anliegen anderer zu erschließen:
nicht nur über Gesagtes
sondern auch über Hinweisreize und Hintergrundinformationen wie Gestik und Mimik
Fähigkeit, Bedingungen der Situation, der Kommunikationspartner:innen und gesellschaftliche Normen zu erkennen und in die Kommunikation einzubeziehen
Kommunikationskompetenz kann entstehen, wenn entweder Sender:in oder Empfänger:in über diese Fähigkeiten verfügen. Idealerweise besitzen beide Kommunikationskompetenz.
Zusätzlich beeinflussen:
Persönlichkeit
Umwelt
Situation
die Entstehung von Kommunikationskompetenz.
Erfolgreiche Kommunikation bedeutet nicht automatisch, dass Inhalte wahr sind.
Auch:
Betrüger:innen
Werbung
Propaganda
Verschwörungsmythen
können kommunikativ erfolgreich sein.
Kommunikation erzeugt deshalb zwei Ergebnisse:
Wirklichkeitskonstruktionen über die Inhalte
Eindrücke über die andere Person
Sender:in und Empfänger:in ziehen also Rückschlüsse über Eigenschaften der anderen Person, obwohl diese nicht ausdrücklich Teil der Botschaft waren.
-> Das ist eine der Kernaussagen des sogenannten Linsenmodells von Brunswick
Linsenmodell von Brunswick
Das Linsenmodell beschreibt, wie Menschen Eindrücke bilden.
Es kann angewendet werden auf:
Wahrnehmung von Personen
Wahrnehmung von Gegenständen
Kernaussage: Empfänger:innen schließen aus beobachtbaren Merkmalen auf nicht direkt überprüfbare Fakten.
Die Abbildung zeigt dabei:
Sender:in → sendet proximale Merkmale (körpernah)
Empfänger:in → erschließt daraus distale Merkmale (körperfern)
anschließend entsteht Urteil/Rückkopplung
Direkt beobachtbare Merkmale der Kommunikation:
Inhalte der Nachricht
Hinweisreize
Hintergrundinformationen
Gestik
Mimik
Sprechweise usw.
„Proximal“ = nahe am:an der Empfänger:in.
Die tatsächlichen Fakten oder Eigenschaften hinter der Botschaft.
„Distal“ = entfernt, nicht direkt überprüfbar.
Empfänger:innen kennen die Fakten oft nicht und müssen aus den proximalen Merkmalen auf die distalen Merkmale schließen.
Der:Die Sender:in sendet:
Inhalte
Beispiel: Eine Frau sammelt Spenden für Tierschutz:
gepflegtes Auftreten
schnelles Sprechen
Fotos misshandelter Tiere
Bitte um Spende
Der Passant kann die Wahrheit der Aussagen nicht überprüfen.
Der Passant kennt die Fakten nicht:
arbeitet die Frau wirklich für die Organisation?
existiert die Organisation?
wird Geld sinnvoll eingesetzt?
Deshalb bewertet er die proximalen Merkmale:
Verhalten
Auftreten
Sprache
Materialien
und zieht daraus Schlüsse über die Glaubwürdigkeit.
Der Passant bildet aus den proximalen Merkmalen ein Urteil.
Im Beispiel:
drastische Fotos → emotionaler Druck
schnelles Sprechen → Zeitdruck
Folgerung: Die Frau wirkt nicht vertrauenswürdig.
Reaktion:
keine Spende
Kopfschütteln
Rückkopplung: Die Senderin reagiert genervt mit Augenrollen.
Kommunikationskompetenz bedeutet:
Kommunikationswirkungen bewusst,
absichtlich
und zielgerichtet erzeugen zu können.
Das gilt für:
Sender:innen
Empfänger:innen
Für Sender:innen:
Faktentreue kann helfen, ist aber nicht Voraussetzung für Erfolg.
Für Empfänger:innen:
wichtig ist das Bewusstsein über Wirkweisen und Mechanismen menschlicher Kommunikation, um Manipulation erkennen zu können.
Persuasive Botschaften
Persuasive Botschaften sollen überzeugen und beim:bei der Empfänger:in eine gewünschte Wirklichkeitskonstruktion erzeugen.
Sie spielen eine wichtige Rolle bei Medienwirkungen.
Beispiele:
PR-Maßnahmen
politische Kampagnen
NGO-Kampagnen
digitale Werbe- und Spendenkommunikation
Gerade digitale Kommunikationskanäle enthalten viele persuasive Botschaften.
Persuasive Botschaften sollen:
bestehende Haltungen verstärken oder
neue Haltungen erzeugen
Ein:e Empfänger:in kann grundsätzlich vier verschiedene Haltungen gegenüber einer Botschaft einnehmen: positiv, negativ, indifferent (‚ist mir egal‘) und ambivalent (gemischte Gefühle):
Elaboration-Likelihood-Model (ELM)
Das ELM erklärt:
Überzeugung
Einstellungsänderung
Verarbeitung persuasiver Botschaften
Entscheidend ist die Intensität der kognitiven Verarbeitung (= Elaboration).
Das Modell unterscheidet zwei Routen der Informationsverarbeitung.
Merkmale:
intensive kognitive Verarbeitung
Verknüpfung mit Vorwissen
genaue Auseinandersetzung mit Argumenten
Entscheidend:
Stärke der Argumente
Qualität der Argumente
Voraussetzungen:
Motivation zur Verarbeitung
Fähigkeit zur Verarbeitung
Beispiele für Motivation:
persönliche Relevanz
Need for Cognition
Beispiele für Fähigkeit:
keine Ablenkung
Wiederholung
Vorwissen
Folgen:
dauerhafte Einstellungsänderung
resistente Haltung
stärker verhaltensprägend
geringe kognitive Verarbeitung
wenig Auseinandersetzung mit Argumenten
Entscheidend sind periphere Hinweisreize:
Glaubwürdigkeit
Attraktivität
Stimmung
Anzahl der Argumente
Beispiel: Attraktive Personen werden:
wohlwollender behandelt
mit positiveren Eigenschaften verbunden
eher kurzfristige Einstellungsänderung
anfälliger für Veränderungen
weniger verhaltensprägend
Persuasive Botschaft trifft auf Empfänger:in
Frage nach Motivation zur Verarbeitung
Frage nach Fähigkeit zur Verarbeitung
Bei hoher Motivation und Fähigkeit:
zentrale Verarbeitung
positive/negative Gedanken
Speicherung neuer Kognitionen
stabile Einstellungsänderung
Bei fehlender Motivation/Fähigkeit:
periphere Verarbeitung
Orientierung an Hinweisreizen
Fehlen auch periphere Reize:
Beibehaltung/Wiedererlangen der Ausgangseinstellung
Je intensiver die Elaboration:
desto robuster,
langlebiger
und verhaltenswirksamer
ist die Einstellungsänderung.
Narrative Persuasion und Storytelling
+ Transportation-Imagery Model
Narrative Konzepte und fiktionale Inhalte können eine eigene Überzeugungskraft entwickeln – besonders dann, wenn beides kombiniert wird.
Dabei laufen laut Forschung andere psychologische Prozesse ab als bei:
nachrichtlichen
faktischen
sachlichen Medieninhalten.
Beispiel: Es macht einen Unterschied, ob jemand:
eine Nachrichtensendung über die Aufstände in Birma sieht oder
den Spielfilm „The Lady“ über dasselbe Thema.
Entscheidend sind bei narrativer Persuasion:
Identifikation mit Figuren
Eintauchen in die Geschichte
Das Modell erklärt, warum das Eintauchen in eine Narration Überzeugungskraft erzeugen kann.
Transportation bezeichnet:
einen Zustand intensiver Aufmerksamkeit,
in dem Rezipierende den Bezug zur realen Welt zeitweise verlieren
und sich emotional sowie kognitiv vollständig auf die Narration einlassen.
Narrationen können viele Formen haben:
Filme
Serien
Bücher
Comics
mündliche Erzählungen
Während der Transportation:
richtet sich die Aufmerksamkeit vollständig auf die Geschichte,
präsentierte Informationen werden weniger kritisch hinterfragt,
emotionale Beteiligung steigt.
Nicht jede Narration wirkt gleich stark auf jede Person.
Wichtige Faktoren:
Intensität des Eintauchens
Qualität der Narration
Mit Qualität ist nicht nur gemeint:
Optik
Verständlichkeit
mediale Aufbereitung
Wichtig ist auch die „Wurzel“ der Geschichte:
glaubwürdige,
menschlich nachvollziehbare Grundstorys
Liebesgeschichte
Coming-of-Age-Geschichte
Abenteuergeschichte
„Vom Tellerwäscher zum Millionär“
Unglaubwürdige Geschichten beeinflussen Rezipierende meist schwächer.
Narrative Persuasion gelingt laut Modell, weil:
inneres Widersprechen durch Aufmerksamkeitslenkung reduziert wird
das Erleben echten Erfahrungen ähnelt
Gefühle gegenüber Figuren und Handlungen Einstellungen beeinflussen
Bindung an Protagonist:innen entsteht
2. Extended Elaboration Likelihood Model (Slater & Rouner, 2002)
Immersion bedeutet:
Hineinversetzen in die Erzählung
Sie gilt als zentraler Erfolgsfaktor narrativer Persuasion.
Rezipierende:
versetzen sich in Gedanken- und Gefühlswelt der Figuren hinein,
hinterfragen diese weniger kritisch.
Dadurch steigt die Überzeugungskraft der Botschaft.
Die beschriebenen Effekte werden in:
Marketing
Journalismus
Literatur
häufig als Storytelling bezeichnet.
Storytelling nutzt:
emotionale Beteiligung,
Identifikation
und narrative Strukturen,
um Einstellungen und Verhalten zu beeinflussen.
Die Abbildung zeigt eine E-Mail der NGO Campact als Beispiel für narrative Persuasion und den Transportation-Effekt.
Die Empfänger:innen sollen:
eine Online-Petition unterschreiben.
Thema:
Abbiege-Assistenz-Systeme für Lkw,
die Radfahrende im toten Winkel erkennen sollen.
Die E-Mail beginnt nicht mit:
technischen Informationen
Statistiken
sachlichen Argumenten.
Stattdessen:
emotionaler Einstieg,
persönliche Betroffenheit,
Schilderung eines Unfalls.
Elemente:
Mädchen wird von Lkw überrollt
Frau überlebt Unfall mit Lkw
Betroffene kämpft nun für Abbiege-Assistenz-Systeme
Dadurch entsteht emotionale Beteiligung der Leser:innen.
Danach erweitert Campact das Thema:
Hinweis auf weitere Todesfälle
gesellschaftliche Relevanz
Erhöhung des Handlungsdrucks
Beispiel: „Abbiegende Lastwagen haben dieses Jahr in Deutschland bereits 15 Radfahrer:innen getötet.“
Erst danach nennt Campact das eigentliche Ziel:
Unterzeichnung der Petition.
Die mögliche Wirksamkeit wird zusätzlich gestützt:
damaliger Verkehrsminister Andreas Scheuer „könnte sich dafür einsetzen“.
Die Wirkung persuasiver Botschaften:
nimmt typischerweise mit der Zeit ab,
Einstellungen nähern sich später oft wieder der ursprünglichen Haltung an.
Sleeper-Effekt
Der Sleeper-Effekt beschreibt: Eine persuasive Botschaft kann später stärker wirken als direkt nach der Rezeption.
Das geschieht besonders dann, wenn:
die Botschaft negative periphere Reize enthält.
Beispiele für negative periphere Reize:
unattraktive Quelle
unglaubwürdige Quelle
nicht vertrauenswürdige Quelle
Mit der Zeit:
verblassen negative Hinweisreize,
Botschaft und Quelle werden schlechter miteinander verknüpft.
Dadurch verliert die Unglaubwürdigkeit der Quelle ihren Einfluss auf die Einstellung.
Folge:
Die Botschaft kann später stärker wirken als zunächst.
Der Effekt tritt besonders stark auf, wenn:
negative Informationen über die Quelle
erst nach intensiver Beschäftigung mit den Inhalten bekannt werden.
Beispiel:
Eine Studie wirkt zunächst überzeugend.
Erst später wird erwähnt, dass die Quelle unseriös ist.
Dann bleibt der Inhalt oft stärker im Gedächtnis als die Information über die Unglaubwürdigkeit der Quelle.
4.2 Medienkompetenz als Anpassungsreaktion auf
die Wirkungen digitaler Kommunikation
Digitale Kommunikationskanäle können Rezipient:innen beeinflussen – auch unabhängig vom konkreten Inhalt einer Botschaft.
Diese Einflüsse hängen von der jeweiligen technischen und sozialen Ausprägung des Kanals ab.
Zu den möglichen Wirkungen gehören:
weniger Hintergrundinformationen und Hinweisreize, z. B. Mimik und Gestik
Asynchronität
massenhaftes Auftreten persuasiver Botschaften, offen oder verdeckt
De-Individuation und dadurch mögliche Verstärkung aggressiven Verhaltens
Verstärkung pro-sozialen Verhaltens durch Vorbilder oder Medien
Förderung schnellen, oberflächlichen Überfliegens von Informationen durch Suchmaschinen
hohes Ablenkungspotenzial durch digitale Endgeräte
Filterblasen
Internetsucht mit möglichen Folgen wie Einsamkeit und Depression
Selbstdarstellung
Hyperpersönlichkeit
schnelle Entstehung von Gruppenzugehörigkeit, wodurch personale Identität hinter soziale Identität zurücktreten kann
zeitverbrauchende Elemente wie Gamification oder Provokateure („Trolle“)
Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, sich diese Einflüsse immer wieder bewusst zu machen und die eigene Medienkompetenz zu stärken.
Medienkompetenz / Media Literacy
In Deutschland begann die Diskussion um Medienkompetenz besonders im Jahr 1984.
Grund:
Der private Fernseh-Rundfunk nahm seinen Betrieb auf.
Neben öffentlich-rechtlichen Anbietern wie WDR, SWR, ZDF oder Deutschlandradio traten private Sender wie Sat.1 und RTL plus hinzu.
Damit kamen stärker kommerzielle Ziele in den Rundfunk.
Neu war die konsequente Orientierung an Interessen der Zuschauer:innen.
Sendungen mit Schwerpunkten auf:
Gewalt
reißerischer Unterhaltung
Erotik
führten bundesweit zu Diskussionen. Dadurch entstand ein Bruch zwischen „vorher“ und „nachher“.
Medienforscher:innen fragten stärker danach, wie Empfänger:innen auf solche Inhalte reagieren.
Heute wird Medienkompetenz-Forschung häufig unter dem Begriff Media Literacy geführt.
Literacy bedeutet ursprünglich „Fähigkeit, zu lesen“, wird aber auch auf andere Bereiche übertragen, z. B. „computer literacy“.
Medienkompetenz bzw. Media Literacy ist die Fähigkeit, Medien:
kritisch
selbstbestimmt
verantwortlich
zu nutzen, zu verstehen und zu bewerten.
Im Zusammenhang mit digitalen Kommunikationskanälen bedeutet Medienkompetenz auch, kritisch, selbstbestimmt und verantwortlich mit Inhalten aus digitalen Kanälen umgehen zu können.
Das betrifft häufig Botschaften aus der Massenkommunikation, z. B.:
Diskussionen in Foren
Inhalte in sozialen Medien
Die Begriffe „kritisch“, „selbstbestimmt“ und „verantwortlich“ beschreiben Medienkompetenz aber noch nicht vollständig, sondern geben nur eine erste Orientierung.
Vor dem Hintergrund des heutigen Überangebots an Medien ist das Ziel von Medienkompetenz:
das gesellschaftlich handlungsfähige Subjekt.
Gemeint sind Individuen, die:
sich mit Medien in der Gesellschaft zurechtfinden,
sich trotz Medien orientieren können,
Medien für eigene Zwecke nutzen können,
Medien zur politischen Meinungsbildung nutzen können.
Das zugrunde liegende Menschenbild stellt in den Mittelpunkt:
individuelles Wachstum
intellektuelle Weiterentwicklung
persönliche Weiterentwicklung
Genuss
Medienkompetenz ist deshalb nicht nur ein Schutzschild gegen negative Einflüsse, sondern ein Mittel:
zur Orientierung im privaten Alltag
zur Orientierung im beruflichen Alltag
zur Entwicklung der eigenen Identität
Die Forschung beschäftigt sich auch mit Interventionen gegen dysfunktionale Nutzungsweisen.
Dazu gehören:
exzessive Nutzung von Social Media
Mobbing
Bullying
extremistische Propaganda
Förderung von Fundamentalismus oder Radikalismus
Befürwortung riskanten Umgangs mit Drogen
Förderung riskanter Sexualpraktiken
Gefährdung von Heranwachsenden und Jugendlichen durch ungeeignete Medien im Sinne des Jugendschutzgesetzes
Empirische Studien zeigen, dass die Vermittlung von Medienkompetenz Erfolge erzielen kann.
Dimensionen der Medienkompetenz
Mediennutzung meint die Fähigkeit, Inhalte sinnvoll in vorhandene Denk- und Gedächtnisstrukturen zu integrieren.
Außerdem umfasst sie interaktive Mediennutzung, also Nutzung, die über passives Rezipieren hinausgeht.
Medienkontextualisierung bedeutet Wissen über das Mediensystem.
Dazu gehört Wissen über:
Arbeit von Redaktionen
Arbeitsweisen von Journalist:innen
Programmformate und Genres
Entwicklung von Formaten und Genres
Finanzierung von Medien
Struktur des dualen Rundfunksystems
Grundlagen des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks in Deutschland
Wichtig ist: Produktionsprozesse werden durch soziale, kulturelle, ökonomische und politische Faktoren beeinflusst.
Medienkunde umfasst die Fähigkeit:
zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden
Parasozialität zu erkennen
Parasozialität meint scheinbare Beziehungen zu Medienfiguren.
Im Gegensatz dazu steht Orthosozialität:
Beziehungen zu realen Figuren aus der eigenen Umwelt.
Zur Medienkunde gehören außerdem Wissen über:
künstlerische Rahmenbedingungen
rechtliche Rahmenbedingungen
wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Arbeitsweisen von Medienunternehmen
Erlösmodelle von Medienunternehmen
Mediengestaltung umfasst die Fähigkeit, Medienangebote:
zu verändern
weiterzuentwickeln
neu zu erstellen
Gemeint sind sowohl vorgegebene Formate als auch eigenständige Entwicklungen.
Social-Media-Postings innerhalb eines bestehenden Kanals oder Konzepts
Broschüre
Landing Page
TV-Sendung
Social-Media-Sendung bzw. Format
Medienkritik meint die Fähigkeit, Prozesse des Mediensystems:
zu recherchieren
zu verstehen
in persönliche Zusammenhänge einzuordnen
in gesellschaftliche Zusammenhänge einzuordnen
Dabei geht es auch um eine ethische Komponente:
Konfliktpotenziale erkennen
Probleme erkennen
Medienkritik umfasst außerdem die Fähigkeit, die Qualität von Medienangeboten intersubjektiv zu beurteilen.
Intersubjektiv bedeutet: Ein Konsens zwischen mehreren Personen über eine Wahrnehmung, ein Werturteil oder eine Beschreibung. Dieser Konsens geht über reine Subjektivität hinaus, erreicht aber nicht die Sicherheit von Objektivität.
Beispiel: Medieninhalte können vor dem Hintergrund ihrer politischen Ausrichtung oder wirtschaftlichen Zusammenhänge interpretiert werden, z. B.:
journalistische Artikel
Social-Media-Postings
Videos
Blogbeiträge
Newsletter
Mediengenuss beschreibt die Fähigkeit, Medien kontrolliert zu genießen, ohne sich selbst aufzugeben.
Dazu gehört:
eine Grenze zwischen Genuss und Sucht ziehen zu können.
Medienpartizipation beschreibt die Fähigkeit, in einer Mediengesellschaft am Diskurs über Inhalte teilzunehmen.
Wichtig ist dabei:
mit fundierten Argumenten
intersubjektiv nachvollziehbar
nicht nur mit Meinungen und Werturteilen
Die einzelnen Bestandteile der Medienkompetenz sind nicht immer klar voneinander abgrenzbar. Sie gehen fließend ineinander über.
Der Begriff Medienkompetenz wird hier bewusst allgemein verwendet, um einen breiten Überblick zu ermöglichen.
Medienkompetenz kann auch zum Risikofaktor werden, wenn Menschen ihre Fähigkeiten für problematische Zwecke einsetzen, z. B. für Cybermobbing.
Bedeutung von Produktions- und Vertriebskontexten & kritische Distanz
Aktuelle Forschung betont, wie wichtig Wissen über die Konstruktion von Medien ist.
Wichtig ist zu verstehen:
Medien werden hergestellt,
Medien werden verbreitet,
Hersteller:innen und Verbreiter:innen unterliegen Einflüssen.
Produktion und Vertrieb werden geprägt durch:
soziale Kontextfaktoren
kulturelle Kontextfaktoren
ökonomische Kontextfaktoren
politische Kontextfaktoren
Ein zentraler Punkt von Medienkompetenz ist eine gewisse Distanz zwischen Empfänger:in und Botschaft.
Das gilt besonders für Kommunikationskanäle mit Anspruch auf tatsachenorientierte Berichterstattung.
Dazu zählen ausdrücklich auch Kanäle wie:
Facebook-Seiten von Personen, die unter dem Pseudo-Deckmantel der Aufklärung Verschwörungsmythen oder Ähnliches verbreiten.
Wichtig: Es geht nicht darum, ob Inhalte tatsächlich faktentreu sind, sondern ob sie den Anspruch auf Faktentreue erheben.
Gerade im Informationszeitalter sollte diese kritische Distanz stets vorhanden sein.
Perceived Reality
Das Konzept der Perceived Reality beschreibt, in welchem Ausmaß Rezipient:innen ein fiktionales Medienangebot fälschlicherweise als faktentreu wahrnehmen.
Wenn ein Medienangebot als realistisch wahrgenommen wird, beeinflusst das:
Emotionen
Kognitionen
Das Konzept wird je nach Autor:in unterschiedlich verstanden. Wegweisend ist die Unterscheidung zwischen:
Magic-Window-Dimension
Social-Expectations-Dimension
Diese Dimension beschreibt, ob Rezipient:innen Fernsehen oder andere Kommunikationskanäle wahrnehmen als:
unverfälschten Zugang zur Welt oder
unauthentisch und konstruiert
Es geht also um die Frage: Wirkt das Medium wie ein „Fenster zur Realität“ oder als gemachte Darstellung?
Diese Dimension bezieht sich auf die Ähnlichkeit zwischen:
Inhalten von Botschaften
Realitätserfahrungen der Empfänger:innen
Wissen der Empfänger:innen
Je stärker Medieninhalte mit dem eigenen Wissen und den eigenen Realitätserfahrungen übereinstimmen, desto realistischer können sie wirken.
Fachleute nennen zusätzliche Kriterien, die beeinflussen können, wie realistisch Medieninhalte wahrgenommen werden.
Diese gelten nicht nur für Film, Fernsehen oder Radio, sondern auch für digitale Kommunikationskanäle wie soziale Medien.
Tutorium:
Rezipienten nehmen ein fiktionales Medienangebot als realistisch wahr
Beispiele: Mockumentarys, Fake News, fiktive Medieninhalte
(Filme, Romane, Serien, Krimis, usw.)
Kriterien, die dazu beitragen können, dass Empfänger
Inhalte im Sinne der Perceived Reality interpretieren:
Nützlichkeit der Informationen
Botschaft erhebt den Anspruch, faktentreu zu sein
Botschaft erscheint wie eine Dokumentation
Botschaft ist plausibel
Botschaft ist wahrscheinlich
Botschaft berührt den Empfänger emotional, führt zu
Involviertheit
Botschaft ist typisch für Ereignisse in der Realität
Nützlichkeit
Faktualität vs. Fiktionalität: Erhebt das Produkt den Anspruch, etwas über Wirklichkeit auszusagen?
Authentizität vs. Inszenierung: Wirkt das Produkt eher wie eine Dokumentation oder wie ein fiktionaler Inhalt?
Plausibilität: Sind die gezeigten Inhalte möglich?
Wahrscheinlichkeit: Sind die gezeigten Inhalte wahrscheinlich?
Typikalität: Wie typisch sind die gezeigten Inhalte für Ereignisse in der Realität?
Untersuchungen zeigen:
Die Unterscheidung zwischen Magic-Window und Social-Expectations lässt sich tendenziell bestätigen.
Perceived Reality steht in positivem Zusammenhang mit Fernsehnutzung.
Perceived Reality steht in negativem Zusammenhang mit dem Alter.
Im höheren Alter steigt Perceived Reality wieder an.
Es gibt Zusammenhänge mit sozioökonomischem Status.
Es gibt Zusammenhänge mit basalen kognitiven Fähigkeiten.
Auch die narrative Qualität beeinflusst Perceived Reality:
Je stärker Rezipient:innen sich in die Welt der Erzählung versetzt fühlen, desto höher fällt Perceived Reality aus.
Negative Bewertungen der Erzählung gehen dagegen mit sinkender Perceived Reality einher.
4.3 Kommunikation aktiv gestalten
Die Psychologie der digitalen Kommunikation zeigt viele mögliche Probleme:
Missverständnisse
Manipulation
Ärger
wirtschaftliche Nachteile
Fallstricke digitaler Kommunikation
Deshalb stellt sich die Frage, wie Kommunikation zur Zufriedenheit aller Beteiligten gestaltet werden kann.
Während Kommunikationskompetenz eher:
bewertend
analytisch
auf Kommunikation blickt, haben aktive Elemente der Kommunikation eine gestaltende Funktion.
Zu den aktiven Elementen gehören:
Zuhören
Fragen stellen
Erklären
Humor
Diese wirken zunächst trivial, enthalten aber viele Möglichkeiten, Kommunikation positiv zu gestalten.
Die Schlüsselbegriffe aktiver Kommunikation sind:
Wissen
bewusstes Gestalten von Kommunikation
Dabei geht es nicht um Manipulation im eigenen Interesse, sondern darum, für alle Beteiligten möglichst gute Kommunikation zu erreichen.
Ein zentraler Gedanke: Kommunikation gelingt nicht immer automatisch, sondern muss teilweise bewusst vorbereitet und gestaltet werden.
Vorbereitung auf ein Telefonat
Fragenliste vorab entwerfen
roten Faden für ein Projekt verfolgen
Wer nur reagiert und Situationen einfach geschehen lässt:
gestaltet Kommunikation nicht aktiv
wird leichter zum „Spielball“
Zuhören erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig:
ermöglicht kritische Bewertung des Gesagten
signalisiert Interesse gegenüber Sender:in
hilft bei Konzentration auf die Nachricht
Besonders bei negativ emotionalisierenden Inhalten fällt es vielen Menschen schwer:
wirklich zuzuhören,
weil sie innerlich bereits eine Antwort formulieren.
Die Kommunikationspsychologen empfehlen:
sich immer wieder auf Sender:innen einzulassen
neugierig und interessiert zu bleiben
Problem: Im Alltag verfolgen Menschen oft nur ihre eigenen Ziele und nehmen die Lebensrealität anderer weniger wahr.
Aktives Zuhören
Wie kann Kommunikation auch unter ungünstigen Bedingungen gelingen?
Mitteilungen in eigenen Worten wiederholen
Passive Kommunikation:
Bsp.: Vorlesung
Einer spricht, andere hören zu und nehmen Inhalte auf, ohne großartig Rückmeldung zu geben
Es reicht nicht aus, nur aufmerksam zuzuhören.
Der:Die Sender:in muss auch ein Feedback erhalten, dass zugehört wird.
Deshalb empfehlen Fachleute das aktive Zuhören.
Interesse wird gezeigt durch:
Nachfragen
Nicken
Lächeln
verbale Rückmeldungen wie „mhm“
Der:Die Empfänger:in formuliert die Botschaft mit eigenen Worten neu.
Ziel:
überprüfen, ob alles richtig verstanden wurde
Wenn Situation und Rahmen es zulassen:
emotionale Inhalte der Botschaft spiegeln,
um auch emotionales Verstehen sicherzustellen.
Wichtige Punkte:
Zuhören benötigt Ressourcen
Zuhören gelingt nicht nebenbei
Zuhören ist nicht gleich Hören
Zuhören kann anstrengend und fehleranfällig sein
Beim Zuhören müssen Informationen:
aufgenommen,
verstanden
und mit Gedächtnisinhalten abgeglichen werden.
Zuhören kann verbessert werden durch:
Überprüfung eigener Ergebnisse
Ausprobieren verschiedener Techniken
Indizien für mangelnde Aufmerksamkeit bei Empfänger:innen:
fehlender Augenkontakt
unpassender Gesichtsausdruck
sichtbare Ablenkung
Lesen nebenbei
Smartphone-Nutzung
Menschen unterscheiden sich darin:
wie sie zuhören,
wie sie Aufmerksamkeit einschätzen.
Männer nutzen Nicken häufiger als Zustimmungssignal
Frauen nutzen Nicken häufiger als Zeichen von Aufmerksamkeit
Dadurch können Missverständnisse entstehen.
Viele digitale Kommunikationskanäle erschweren aktives Zuhören, weil:
Signale wie Nicken oder Lächeln fehlen.
Als Ersatz dienen:
Emojis
Emoticons
Diese bringen jedoch neue Interpretationsspielräume und Fehlerquellen mit sich.
Chancen digitaler Kommunikation
Digitale Kommunikationskanäle bieten gleichzeitig Vorteile:
Durch Asynchronität kann Kommunikation zeitaufwendig gestaltet werden.
Sender:innen können Botschaften:
gezielt formulieren,
anpassen,
auf Bedürfnisse des Gegenübers zuschneiden.
Das geschieht abhängig vom:
Common Ground
gemeinsamen Kommunikationswissen.
Bedeutung von (nach-) Fragen
Nachfragen gilt als besonders wichtiges Element aktiver Kommunikation.
Das betrifft:
Fragen können:
verbal
nonverbal
gestellt werden.
Beispiel für nonverbale Fragen:
Voraussetzung:
Gegenüber muss die Frage erkennen
und darauf reagieren.
Sender:innen sind mit dafür verantwortlich, verstanden zu werden.
Kommunikation ist also keine reine Aufgabe der Empfänger:innen.
Die Art der Frage beeinflusst die Antwort.
Suggestive Fragen liefern bereits eine Bewertung oder Richtung mit.
Beispiel: „Ist Ihnen bewusst, wie wichtig Ihre Arbeit für uns ist?“
Hier entsteht bereits ein bestimmtes Framing.
Wenn Gesprächspartner:innen die Strategie erkennen, kann das:
Manipulationsvorwürfe auslösen
Vertrauen beschädigen
Kommunikation verschlechtern
Erfolgreiche aktive Kommunikation basiert besonders auf:
bewusstem Gestalten
Feedback
Interesse am Gegenüber
Kommunikation soll nicht nur spontan „passieren“, sondern bewusst und reflektiert geführt werden.
4.3.1 Wie Fragentypen Einfluss auf Antworten nehmen
Fragen beeinflussen Antworten.
Eine Frage kann:
Antworten suggerieren,
Antwortmöglichkeiten einschränken
oder Ergebnisse im Interesse des:der Fragenden lenken.
Die Formulierung der Frage hat daher großen Einfluss auf:
Inhalt,
Länge,
Genauigkeit
und Authentizität der Antwort.
Offene Fragen lassen den Antwortenden viel Spielraum.
Beispiel: „Wie sah einer Ihrer typischen Arbeitstage aus, als Sie noch in der Musikindustrie gearbeitet haben?“
ermöglichen ausführliche Antworten
fördern lebendige Schilderungen
regen eigenständiges Erzählen an
liefern oft tiefere Einblicke
mehr Raum für Ausweichmanöver
Fragende müssen stärker eingreifen
häufig zusätzliche Nachfragen nötig
zeitintensiver
Geschlossene Fragen lassen sich meist kurz beantworten.
Beispiel: „Haben Sie in der Musikindustrie gearbeitet?“
präzises Abfragen von Sachverhalten
wenig Raum für Ausweichmanöver
effizienter und schneller
weniger Raum für ausführliche Schilderungen
liefern eher Fakten als persönliche Erzählungen
Beispiel: „Kaffee oder Tee?“
Beispiel: „Wo wohnen Sie?“
Beispiel: „Waren Sie schon mal in Berlin?“
Einfluss geschlossener Fragen auf Antworten
Untersuchungen zeigen: Geschlossene Fragen beeinflussen häufig die Antworten.
Beispiel: Bei einer Untersuchung zum Alkoholkonsum:
Teilnehmer:innen mit geschlossenen Fragen gaben höheren Alkoholkonsum an
Teilnehmer:innen mit offenen Fragen nannten niedrigere Frequenzen
Grund: Antwortalternativen beeinflussen Wahrnehmung und Einschätzung.
Geschlossene Fragen arbeiten oft mit sogenannten Ankern:
vorgegebenen Antwortmöglichkeiten.
Diese beeinflussen die Antworten.
„Wie viele Einwohner hat Berlin? 1,5 Mio., 2 Mio., 2,5 Mio., 3 Mio. oder 3,5 Mio.?“
„Wie viele Einwohner hat Berlin? 2,5 Mio., 3 Mio., 3,5 Mio., 4 Mio. oder 4,5 Mio.?“
Ergebnis: Bei Variante B werden im Durchschnitt höhere Einwohnerzahlen geschätzt.
verzerrte Ergebnisse
ungenaue Daten
möglicherweise unbrauchbare Befragungsergebnisse
Außerdem gilt: Je gröber die Anker bzw. die Abstände zwischen ihnen, desto ungenauer die Ergebnisse.
Suggestivfragen
Suggestivfragen:
begrenzen Antwortmöglichkeiten
legen gleichzeitig eine gewünschte Antwort nahe
Beispiel: „Hast du je ein schöneres Auto gesehen?“
Hier wird:
die Antwort eingeschränkt („ja“ oder „nein“)
und gleichzeitig suggeriert, dass das Auto schön ist.
Suggestivfragen liefern nicht immer authentische Antworten.
Wer ehrliche Informationen erhalten möchte, sollte sie nur selten einsetzen.
Zusätzlich: Nicht alle Menschen lassen sich gleichermaßen beeinflussen.
Besonders anfällig für Suggestivfragen sind Menschen mit:
geringem Intelligenzquotienten
schlechtem Gedächtnis
niedrigem Selbstwertgefühl
hoher Ängstlichkeit
geringem Misstrauen
Wird eine Suggestivfrage als Manipulationsversuch erkannt:
kann das negativ auf Fragende zurückfallen,
und Widerstand hervorrufen.
Schon kleine sprachliche Veränderungen können Antworten beeinflussen.
Versuchspersonen sahen ein Video eines Autounfalls.
Danach wurde eine dieser Fragen gestellt:
„Haben Sie ein kaputtes Frontlicht gesehen?“
„Haben Sie das kaputte Frontlicht gesehen?“
Durch die Verwendung von:
„das“ statt „ein“
gaben die Versuchspersonen:
sicherere Antworten,
erinnerten sich häufiger an Dinge,
die gar nicht passiert waren.
Falschinformationseffekt
Der Falschinformationseffekt tritt auf, wenn:
falsche Informationen beiläufig eingebracht werden,
z. B. innerhalb einer Frage.
Dadurch entstehen falsche Erinnerungen oder verfälschte Wahrnehmungen.
Auch die Länge einer Frage beeinflusst Antworten.
Grundsatz:
Je länger die Frage,
desto länger die Antwort.
Dasselbe gilt bei Fragebögen:
Mehr freie Linien unter einer Frage → längere Antworten.
Alle Fragetypen haben ihre Berechtigung.
Welche sinnvoll ist, hängt vom Kontext ab.
Besonders wertvoll:
juristischer Kontext
wissenschaftlicher Kontext
präzise,
kontrollierte Datenerhebung.
Besonders geeignet:
journalistischer Kontext
Interviews
persönliche Gespräche
fördern ausführliches Erzählen.
Suggestivfragen können taktisch genutzt werden:
um Gesprächspartner:innen aus der Reserve zu locken.
Hierbei enthalten Fragen:
Unterstellungen
und gleichzeitig Kritik.
Beispiel: „Schämen Sie sich nicht, dass Sie diesen Kunden aus Faulheit zu spät angerufen haben?“
Auch wenn die Behauptung falsch ist:
entsteht starker sozialer Druck,
besonders vor anderen Personen.
Die Frage stellt die Behauptung indirekt als Tatsache dar.
Aus humanistisch-aufklärerischer Sicht disqualifizieren sich Personen, die solche Taktiken verwenden.
Die Kommunikation wird dabei:
manipulativ
unfair
und nicht auf ehrlichen Austausch ausgerichtet
4.3.2 Gestaltung von Kommunikation
Im privaten Umfeld entwickelt sich Kommunikation oft intuitiv durch Erfahrung. Im beruflichen bzw. professionellen Kontext fehlt dafür jedoch häufig die Zeit und die Bereitschaft für „Trial-and-Error“.
Probleme beruflicher Kommunikation entstehen häufig durch:
Nachteile digitaler Kommunikationskanäle:
Deindividuation
Kanalreduktion
unzureichende Kommunikationsfähigkeiten der Beteiligten
Diese Fähigkeiten können sich – abhängig von der Auffassungsgabe – mit der Zeit verbessern.
Wer etwas erklärt, muss den Kenntnisstand der Empfänger:innen berücksichtigen. Dies wird in professioneller Kommunikation häufig zu wenig beachtet.
1. Einschätzung des Vorwissens
Vorwissen der Empfänger:innen einschätzen
soziale und kulturelle Hintergründe berücksichtigen
2. Planen (Ziele festlegen)
Festlegung der Ziele:
Was sollen die Empfänger:innen anschließend:
wissen?
können?
fühlen?
Welche Kernpunkte sollen vermittelt werden?
In welcher Reihenfolge?
-> an Zielgruppe orientierne, nicht an den eigenen Bedürfnisse / Zielen und Wünschen
3. Vorbereitung
Benötigte Materialien organisieren:
Laptop
Beamer
PowerPoint
Präsentation vorbereiten
4. Erklärung
Durchführung der eigentlichen Erklärung.
5. Feedback einfordern
Sender:in überprüft, ob die Erklärung verstanden wurde, z. B. durch:
Wiedergabe in eigenen Worten
praktische Anwendung des Erklärten
An das Vorwissen angepasste Erklärungen:
reduzieren kognitive Verständnisprobleme
fördern den Erwerb neuen Wissens
Erklärungen müssen nicht in:
langen Monologen
oder Frontalunterricht enden.
In beratenden oder therapeutischen Kontexten werden häufig genutzt:
geleitetes Entdecken
sokratisches Gespräch
Themen werden im Dialog gemeinsam erschlossen. Gefördert werden:
Reflexion
Selbstbesinnung
eigenverantwortliches Denken
Der sokratische Dialog
Der:die Erklärende stellt eine Reihe scheinbar „naiver“ Fragen. Dadurch nähert sich der:die Empfänger:in der Antwort selbstständig durch Nachdenken.
Vater: „Ich bin ein schlechter Vater.“
Frage nach der Bedeutung des Begriffs.
Therapeut: „Was ist ein schlechter Vater?“
Vater: „Ein schlechter Vater ist einer, der alles falsch macht.“
Therapeut: „Wie kommen Sie darauf?“
Vater: „Mein Sohn hat sich auf dem Schulhof geprügelt.“
Therapeut: „Väter, deren Kinder sich prügeln, sind schlechte Väter?“
Vater: „Ja.“
Der dysfunktionale Gedanke wird hinterfragt.
Therapeut fragt, ob der Sohn keine andere Wahl gehabt habe und wer verantwortlich sei.
Aufdecken logischer Widersprüche
Hinterfragen der ursprünglichen Annahme
Beispielhafte Fragen:
Gibt es objektiv gute oder schlechte Väter?
Was bedeutet Schuld?
Ist der eigene Vater für das eigene Verhalten verantwortlich?
Erkenntnis des Vaters:
Andere können Entscheidungen nicht vollständig kontrollieren.
Neue Schlussfolgerung:
Jeder ist nur für Dinge verantwortlich, die in seiner Macht liegen.
Der Vater ist nicht direkt verantwortlich für die Entscheidungen des Sohnes.
Er kann aber beeinflussen, wie er mit der Situation umgeht.
Kritikpunkt:
Die Methode kann auch genutzt werden, um:
Fehlschlüsse
sachlich falsche Informationen zu vermitteln.
Im Beispiel wird die erzieherische Verantwortung des Vaters teilweise ausgeblendet.
Hinweis des Textes:
Gewaltfördernde Erziehung kann Gewaltbereitschaft bei Kindern erhöhen.
Die sokratische Methode wird hier:
nicht primär als alltagstaugliche Kommunikationsempfehlung dargestellt,
sondern als Beispiel dafür, wie stark Kommunikation professionalisiert werden kann.
Kernaussage: Kommunikation kann weit über einen spontanen, unreflektierten Gedankenaustausch hinausgehen.
4.3.3 Trolle, Memes, Brain Rot, Hoaxe: Internetphänomene und digitale Kultur
Bildbeschreibung:
Ein Mann schaut einer anderen Frau hinterher.
Seine Freundin reagiert vorwurfsvoll.
Die Figuren werden durch Beschriftungen mit unterschiedlichen Bedeutungen versehen, z. B.:
Mann = „Die Jugend“
Freundin = „Kapitalismus“
Frau im roten Kleid = „Sozialismus“
Weitere Varianten:
„Phil Collins“ / „Prog Rock“ / „Pop“
„Millennials“ / „Die Zukunft“ / „Die 90er-Jahre“
Memes sind:
Internet- und Kulturphänomene
vermitteln Botschaften, oft humoristisch
arbeiten häufig mit:
Insiderwitzen
Filmzitaten
popkulturellen Referenzen
Die Bedeutung entsteht meist erst:
durch Kombination aus Bild und Text
nicht allein durch den Text
Weitere Meme-Beispiele:
„Epic Handshake“
„Trumpet Boy“
„Wojak“ / „Feels Guy“
„Left Exit 12 Off Ramp“
Memes vermitteln:
stark gebündelte Informationen
in sehr kurzer Zeit
oft mit emotionalen Komponenten
geringere Verständlichkeit
kulturelles Vorwissen oft notwendig
Einige Memes sind ohne Kontextwissen kaum verständlich, z. B.:
„Wojak“
Darstellung:
Auto biegt abrupt auf eine Ausfahrt ab
Straßen und Auto werden individuell beschriftet
Geradeausspur = „A better world“
Ausfahrt = „Whatever it is that Donald Trump wants today“
Auto = „USA“
Bedeutung:
Eine Person oder Gruppe war auf einem „guten Weg“
entscheidet sich im letzten Moment für die „schlechte“ Option
Eigenschaften:
humoristische Komponente
visuelle Komponente
enthält einen „wahren Kern“
→ Viele Memes erfüllen dadurch Mindestanforderungen an Storytelling.
kulturelle Einheiten
werden von Person zu Person weitergetragen
vergleichbar mit:
Storys
Legenden
Anekdoten
Sie existierten bereits vor der Digitalisierung, das Internet beschleunigte jedoch ihre Verbreitung massiv.
Der Begriff stammt von:
Richard Dawkins
britischer Evolutionsbiologe
Prägung des Begriffs:
1976
Grundidee:
Übertragung evolutionsbiologischer Prinzipien auf Kultur und Gesellschaft
Definition:
Memes sind kulturelle Einheiten, die sich von Person zu Person verbreiten.
Wichtig ist der Remix-Charakter:
Memes werden nicht nur konsumiert
sondern:
verändert
umgeformt
weiterentwickelt
Dadurch:
bauen Memes oft aufeinander auf
steigt die Informationsdichte
sinkt die Verständlichkeit weiter
Memes können:
Denkweisen beeinflussen
Verhalten von Einzelnen und Gruppen beeinflussen
Durch soziale Medien und Algorithmen können sie:
innerhalb weniger Stunden Massenphänomene werden
dezentralisiert
unabhängig von Hierarchien oder Redaktionen
entstehen direkt aus Nutzer:innen heraus
Plattformen:
Instagram
Facebook
TikTok
YouTube / Shorts
Reddit
Nur besonders attraktive Memes werden stark verbreitet.
Erfolgsfaktoren:
aktuelle Themen und Trends
Emotionalisierung:
Konflikt
Schadenfreude
Angst
Hass
Neid
Freude
Triumph
Die Definition von „Meme“ ist relativ unscharf.
Überschneidungen bestehen z. B. mit:
TikTok-Trends
Formen von Memes:
Bilder
Texte (z. B. Greentext)
GIFs
Bewegtbildformate
Kernaussage:
Memes sind im eigentlichen Sinne Ideen bzw. Storys.
Memes enthalten oft:
satirische Inhalte
Kommentare zu:
Politik
Popkultur
Kultur
Tagesgeschehen
Sie können:
effektiv und praktisch sein
aber auch absurd
virale Trends kritisch kommentieren
zeigen, wie digitale Trends das reale Leben beeinflussen
Problematische Seiten von Memes
Weltbilder von Verschwörungsmystiker:innen festigen
politische Narrative fördern
gemeinschaftliche Frames verstärken
Gruppen homogenisieren und binden
Memes transportieren Botschaften mit unterschiedlicher:
Informationsdichte
Abstraktion
kultureller Referenzdichte
Dadurch können sie auch:
Propaganda transportieren
schädliche Inhalte verbreiten („Information Hazard“)
Spritze + Fläschchen
Fläschchen trägt Wodka-Etikett
Überschrift: „First Photo Of The Russian Vaccine“
Mögliche Wirkung:
könnte Menschen von Impfungen abhalten
Verständnis setzt kulturelles Wissen voraus:
Corona-Pandemie
Russland
Wodka-Stereotype
Medikamentenfläschchen
„Can you still get regular sick or is everything corona“
Brain Rot
„Brain Rot“ wurde von der Oxford University Press zum Wort des Jahres 2024 gewählt.
vermeintliche Verschlechterung geistiger/intellektueller Fähigkeiten
verursacht durch übermäßigen Konsum trivialer oder anspruchsloser Inhalte
Auch die Inhalte selbst können als „Brain Rot“ bezeichnet werden.
Erste Verwendung:
1854
in „Walden“ von Henry David Thoreau
Bedeutung bei Thoreau:
Gesellschaft entwertet komplexe Ideen
sinkende Bereitschaft zu intellektueller Anstrengung
Bezug im Studienheft:
Zusammenhang mit Internetsucht
„Skibidi Toilet“
„Only in Ohio“-Memes
Analyse von Botschaft und Quelle (hoaxes & Fake News)
„Somebody Is Wrong On The Internet“
Beschreibt:
den Drang, online auf falsche Aussagen reagieren zu müssen
Der Text betont:
dieser Drang kann kontrolliert werden
man muss nicht auf jede Provokation reagieren
Besonders bei:
Quacksalber:innen
Verschwörungsanhänger:innen
Verbreiter:innen urbaner Legenden
Falschmeldungen
warnen vor angeblichen Gefahren
drängen zu bestimmten Verhaltensweisen
Verbreitung über:
soziale Netzwerke
Messenger:
WhatsApp
Telegram
Signal
Verbreitet wurden:
angebliche Vorsorge-Tipps
Selbsttests
wissenschaftlich nicht fundierte Behauptungen
HIV-verseuchte Nadeln in Kinositzen
Nadeln an Zapfpistolen
Zum Zapfpistolen-Beispiel:
Foto war echt
jedoch nur Einzelfall 2017 in Kalifornien
keine Serie solcher Angriffe
Je stärker ein Beitrag emotionalisiert, desto wichtiger ist Faktenprüfung.
Prüfung durch:
Wissenschaft
seriösen Journalismus
Die Verbreitung zeigt:
gesellschaftliche Verunsicherung
Lust an Negativität
Freude am „Trollen“
Internet-Trolle
Trollen korreliert mit:
Psychopathie / Soziopathie
Sadismus
aggressivem Humor
Nicht jedoch mit:
Inklusions- oder Exklusionserfahrungen
Trolle:
provozieren Streit zur Unterhaltung
nutzen Täuschung und Fake-Accounts
verwenden taktische Aggression
wollen emotionale Reaktionen hervorrufen
stören Diskussionen gezielt
Mögliche Ziele:
Selbstjustiz
Nervenkitzel
Widerlegung von Positionen
Rache
„soziale Gerechtigkeit“ (individuell definiert)
wollen provozieren statt diskutieren
interessieren sich nicht für Erkenntnisgewinn
Mögliche Hinweise:
starke Provokation
aggressive oder sarkastische Sprache
ad-hominem-Angriffe
Themenwechsel
Eskalation von Streit
wechselnde Taktiken
Besonders konfliktanfällige Themen:
Religion
Empfohlene Maßnahmen:
ignorieren
blockieren
nicht diskutieren
nicht am Streit beteiligen
Begründung:
Trolle ziehen Vergnügen aus Reaktionen
Wenn Antworten nötig:
freundlich
sachlich
Zusätzlich:
andere sensibilisieren
Empathie fördern
Laut TU Berlin häufige Kennzeichen:
Aufforderung zum Weiterleiten
Betreff enthält „Warnung“ o. Ä.
Gefahr wird drastisch dargestellt
unwahrscheinliche oder unmögliche Inhalte
angebliche Quellenorganisationen fehlen oder existieren nicht
ungenaue Zeitangaben wie:
„gestern“
„letzte Woche“
insgesamt geringe Glaubwürdigkeit
Weitere problematische Online-Phänomene & Cultivation of Beleifs ansatz
Pyramidensysteme
Gewinnspiele
Glücksbriefe
Tränendrüsenbriefe
E-Petitionen
Hoaxes wirken oft überzeugend und nicht sofort offensichtlich fiktional.
Medien formen Vorstellungen über Realität
Durch wiederholten Konsum übernehmen Menschen:
Sichtweisen
Haltungen
Botschaften
Soziale Medien können dadurch:
als Sozialisationsinstanz wirken
Einstellungen prägen oder verstärken
Vielseher:innen überschätzen:
Anteil von Kriminellen
Anteil von Polizist:innen
→ Fernsehen prägt Realitätsvorstellungen.
Mögliche Erklärungsmodelle:
Verarbeitung realistischer Narrative
Transportation-Effekt
heuristische Verarbeitung von Medieninhalten
Besonders soziale Medien fördern dies:
durch Betonung von Authentizität
dadurch wirken auch unrealistische Behauptungen glaubwürdig.
4.4 Homeoffice
Das Arbeiten und Kommunizieren im Homeoffice bringt sowohl:
Vorteile
als auch Nachteile
mit sich.
Vorteile:
Zeitersparnis
Entlastung der Umwelt
Verbesserung der Work-Life-Balance
Für manche Mitarbeitende hat der Heimweg eine wichtige Funktion:
Abschalten
Entspannen
Stressabbau
Fällt der Arbeitsweg weg:
fehlt möglicherweise auch diese Übergangsphase
Manche Beschäftigte vermissen:
soziale Kontakte am Arbeitsplatz
Austausch mit Kolleg:innen
Andere erleben dagegen Vorteile:
bessere Konzentration im Homeoffice
Die Umsetzbarkeit hängt stark von den häuslichen Bedingungen ab.
Vorteile eines separaten Arbeitszimmers:
Ruhe durch geschlossene Tür
klare Abgrenzung zwischen Arbeit und Privatleben
Kindern kann signalisiert werden:
Eltern arbeiten
Störungen nur im Notfall
Dann sollten Alternativen geschaffen werden, z. B.:
blickdicht abgetrennter Bereich im Raum
Weitere Möglichkeiten:
Bürostühle nach Feierabend verstauen
abschließbare Rollcontainer für:
Akten
Arbeitsmaterialien
Rollcontainer zusätzlich als Ablagefläche nutzen
Wichtig ist ausreichend Platz für:
ergonomischen Bürostuhl
ein oder zwei Monitore
ausreichende Beleuchtung
höhenverstellbaren Schreibtisch
Schreibunterlagen
weitere Arbeitsmaterialien
klare Absprachen mit Mitbewohner:innen/Familie
Kinder sollen verstehen:
Eltern arbeiten gerade
keine Unterbrechungen „mal eben“
Gilt auch für:
Mitbewohner:innen
Freund:innen
Verwandte
Bei wichtigen Situationen, z. B.:
kranken Kindern
Konferenzen
empfehlen sich eindeutige Signale:
„Bin in einer Konferenz, nicht stören“
„Arbeite, aber bin ansprechbar“
Zum sozialen Raum gehört auch:
Vermeidung von Ablenkungsfallen
volle Spülmaschine
Wäschestapel
Fernseher
Problem:
sichtbare Ablenkungen können die Leistung beeinträchtigen
Arbeit und Privatleben sollen möglichst klar getrennt werden
Probleme:
langes Arbeiten am Notebook → Fehlhaltungen
Küchenstuhl ≠ ergonomischer Bürostuhl
Diese Anforderungen gelten nicht als Luxus, sondern als Mindeststandard.
Moderne Büroarbeitsplätze werden:
nach gesundheitlichen Kriterien gestaltet
Homeoffice-Arbeitende sollten versuchen:
den Arbeitsplatz möglichst gesund einzurichten
Oft unterstützt der:die Arbeitgeber:in finanziell.
Arbeitgeber:in ist für die Einrichtung des Homeoffice zuständig
trägt grundsätzlich die entstehenden Kosten
Arbeitnehmer:innen haben:
Anspruch auf Aufwendungsersatz
Kein regulärer Anspruch, wenn:
Mitarbeitende freiwillig und auf eigenen Wunsch ins Homeoffice wechseln
Schreibtisch
Telefon
Kamera
Mikrofon
Rechner
Bürostuhl
sondern auch:
passende Beleuchtung
4.4.1 Auswirkungen von Homeoffice auf die Mitarbeiterführung
Viele Arbeitgeber:innen zweifeln daran, ob Mitarbeitende im Homeoffice:
konzentriert arbeiten
die gewohnte Leistung bringen
Mögliche Ablenkungen:
Wäscheberge
private Tätigkeiten
Führung bedeutet:
direkte und indirekte Beeinflussung von Verhalten,
um bestimmte Ziele zu erreichen.
Anweisungen
Arbeitsaufträge
Leistungskontrolle
Selbstvertrauen stärken
Vorbild sein
Vertrauen aufbauen
neue Strukturen im Arbeitsumfeld entwickeln
Planungssysteme
Anreizsysteme
Kennzahlensysteme
Qualitätssicherungssysteme
Personalentwicklungssysteme
Gamification
Innovationssysteme
Kund:innenbeziehungssysteme
Kernelemente von Mitarbeiterführung
Im Mittelpunkt stehen:
Kommunikation
in beide Richtungen
inklusive Feedback
Festlegen von Zielen
Messen von Zielen
Ziele sollen:
anspruchsvoll
sinnvoll
messbar sein.
Führung gilt als eigene Kompetenz, die zusätzlich zu fachlichen Fähigkeiten erworben werden muss.
Der:Die beste Verkäufer:in ist nicht automatisch eine gute Führungskraft.
fachliche Kompetenz allein reicht nicht aus
soziale Fähigkeiten zur Menschenführung sind notwendig
Eigenschaften wie:
visionär
energisch
risikofreudig
leidenschaftlich
empathisch
machtbewusst
garantieren keine erfolgreiche Führung.
Mitarbeitende sollen:
loyal sein
Verantwortung übernehmen
Teamgeist entwickeln
Selbstdisziplin zeigen
engagiert auf Veränderungen reagieren
Nicht ausreichend sind allein:
individuelle Zielvereinbarungen
Lob
Gehaltserhöhungen
Prämien
extrinsische Motivation
Druckmittel:
Ermahnungen
Abmahnungen
Eine besonders wirksame Methode zur Verhaltensänderung:
Vorbildfunktion
Modell des sozialen Lernens
Transformationale Führung kombiniert:
messbare Zielvereinbarungen
Führungskräfte erreichen Verhaltensänderungen durch:
Herausfordern
Inspirieren
Eigeninitiative fördern
Selbstständigkeit anregen
Vertrauensbasis schaffen
Wort halten
Entwicklung der Mitarbeitenden fördern
faire Kommunikation
unternehmerisches Handeln und Innovation fördern
Werte und Prinzipien des Unternehmens vermitteln
Kompetenzen entwickeln
Mitarbeitende befähigen
z. B. durch:
Ratschläge
fachliche Lösungen
Weiterbildung
Konflikte im Sinne der Organisation lösen
Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen
Herausforderungen & nachteile
Sind Teams über:
verschiedene Orte
Organisationen
Zeitzonen
verteilt, entstehen zusätzliche Probleme digitaler Kommunikation.
Besonders zu Beginn von Projekten sinnvoll:
möglichst synchrone Kommunikation
unmittelbares Feedback
viele Hinweisreize und Hintergrundinformationen:
Aussehen
Stimme
klare Struktur
Netiquette
Kommunikationsregeln
feste Tagesabläufe
Missverständnisse vermeiden
Kommunikation verbessern
Mögliche Probleme:
geringere Identifikation mit:
Team
Organisation
Unsicherheiten bezüglich:
Aufgaben
Rollen
Verantwortlichkeiten
Prioritäten
Gefühl der Isolation
negative Gefühle gegenüber Informationstechnologie
Spannungen zwischen Arbeit und Zuhause
schwierigeres Leistungsfeedback über digitale Kanäle
mehr Missverständnisse und Konflikte
technische Probleme:
schlechte Übertragungsqualität
Ausfall von Software oder Rechnern
Durch räumliche Distanz wird es schwieriger:
Verhalten richtig zu interpretieren
Emotionen zu erkennen
Konflikte früh wahrzunehmen
Hürden oder Erfolge früh zu erkennen
Probleme können entstehen, wenn Führungskräfte:
Homeoffice ablehnen
nur widerwillig Anweisungen umsetzen
Zusätzliche Konfliktfaktoren:
starkes Kontrollbedürfnis
geringes Selbstwertgefühl
Homeoffice schafft für Führungskräfte:
ein zusätzliches Aufgabenfeld
Zentrale Aufgabe:
erfolgreiche Bewältigung und Steuerung der Herausforderungen von Homeoffice.
4.4.2 Zoom-Fatigue
Die häufige und lange Teilnahme an Videokonferenzen kann Ermüdungserscheinungen hervorrufen. Dieses Phänomen wird als:
Zoom-Fatigue
Zoom-Müdigkeit
Online-Müdigkeit
Videokonferenz-Erschöpfung
bezeichnet.
Wichtig:
Die Ermüdung entsteht laut Text speziell durch Videokonferenzen,
nicht durch persönliche Treffen.
Betroffene fühlen sich:
müde
erschöpft
reizbar
ungeduldig
überfordert
Mögliche körperliche Symptome:
Kopfschmerzen
Sehstörungen
Rückenschmerzen
Laut Untersuchungen der Universitäten Stanford und Göteborg entstehen die Belastungen vor allem durch:
Beschränkungen digitaler Kommunikation
starke Fokussierung während Videokonferenzen
Teilnehmende sehen dauerhaft:
ihr eigenes Kamerabild
stärkere Aufmerksamkeit auf sich selbst
erhöhte Sorge um das eigene Image
Kamerabild zeigt oft nur kleinen Ausschnitt
Dadurch werden normale Bewegungen eingeschränkt, z. B.:
Schultern strecken
mit dem Stuhl rollen
Bewegungsfreiheit allgemein
Gefühl, ständig beobachtet zu werden
Besonderheiten:
aus ungewohnt großer Nähe
gleichzeitig von vielen Gesichtern
Diese Nähe kennt man normalerweise eher aus privaten Situationen.
Hoher Aufwand für die Interpretation von:
Hinweisreizen
Teilnehmende müssen bewusst:
verstärken, damit andere sie wahrnehmen.
Daumen-hoch-Geste muss deutlich sichtbar in Kamerahöhe erfolgen.
Teilnehmende müssen:
kleine Gesten aufmerksam beobachten
z. B. Kopfnicken oder Handzeichen erkennen
zusätzliche kognitive Belastung („Cognitive Load“)
Durch das Kamerabild wird oft:
der private Hintergrund sichtbar
Das kann als belastend empfunden werden.
Es fehlen:
informelle Gespräche
soziale Interaktionen rund um Meetings
viele Meetings hintereinander
kaum Erholungsphasen
Meetings wirken oft:
stark sachlich
zwischenmenschliche Inhalte fehlen
Dadurch fehlen:
soziale Nähe
lockere Kommunikation
Belastend wirken:
schlechte Tonqualität
schlechte Bildqualität
Zeitverzögerungen
Softwareprobleme
instabile Internetverbindungen
hoher technischer Aufwand
Hilfreich sind:
häufige Pausen
kürzere Meetings
weniger Meetings insgesamt
Bei persönlichen Treffen betrachtet man sich selbst auch nicht dauerhaft wie in einem Spiegel.
Dadurch kann:
Selbstbeobachtung reduziert werden
Trotz technischer Fortschritte bleiben belastend:
fehlender Smalltalk
fehlendes Networking
Frauen scheinen stärker unter Zoom-Fatigue zu leiden als Männer.
Mögliche Ursache:
stärkere und kritischere Selbstbeobachtung
höherer Cognitive Load durch dauerhafte Verarbeitung des eigenen Kamerabildes.
4.5 Digital Detox
Homeoffice, ständige Erreichbarkeit durch Smartphone und Notebook sowie Ablenkung durch Social Media beeinflussen die psychische Gesundheit negativ.
Grenzen zwischen:
Beruf und Privatleben
Realität und Inszenierung in sozialen Medien
Arbeitszeit und Freizeit verschwimmen zunehmend.
Flexible Arbeitszeitmodelle verstärken diese Entwicklung.
Digital ausgelöster Stress am Arbeitsplatz nimmt zu.
Kontrollverlust im Umgang mit digitaler Technik kann negative Folgen haben für:
Produktivität
Schlaf
Wohlbefinden
Sucht ist gekennzeichnet durch:
ein starkes, kaum kontrollierbares Verlangen nach bestimmten Gefühls- oder Erlebniszuständen
Kontrollverlust über das eigene Verhalten
Dies betrifft nicht nur stoffgebundene Süchte (z. B. Alkohol, Heroin), sondern auch nicht-stoffgebundene Süchte wie:
Glücksspiel
Online- bzw. Internetsucht
Smartphones sind durch den digitalen Fortschritt nahezu unverzichtbar geworden.
Früher wurden Informationen und Anrufe teilweise durch Assistenzpersonen gefiltert.
Heute landen:
E-Mails
Anrufe
Nachrichten
Benachrichtigungen direkt bei den Nutzer:innen.
Dadurch müssen Betroffene deutlich mehr Informationen selbst verarbeiten.
Problematisch ist dabei weniger die Technik selbst, sondern:
viele Menschen nehmen ihre eigene Nutzung nicht bewusst wahr
sie schätzen ihre Smartphone-Nutzung falsch ein
Notifications und Push-Mitteilungen steuern Aufmerksamkeit und Verhalten
Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren nutzen ihr Smartphone durchschnittlich 194 Minuten täglich.
Ein wichtiger Faktor ist „FOMO“ („Fear of missing out“) = Angst, etwas zu verpassen.
Die App „Menthal“ untersuchte das Verhalten von über 60.000 Smartphone-Nutzer:innen.
Ergebnisse:
Bildschirm wurde durchschnittlich 88-mal täglich aktiviert
davon wurden 53-mal Apps genutzt
bei acht Stunden Schlaf ergibt sich rechnerisch etwa alle 18 Minuten eine Unterbrechung des Offline-Lebens
Wichtige Erkenntnis:
Viele dieser Unterbrechungen erfolgen vermutlich nicht bewusst.
Mit zunehmendem Alter:
sinkt die Technologieaffinität
steigt die Selbstkontrolle
nimmt sozialer Druck ab
Trotzdem bleibt die Frage bestehen, wie stark Menschen durch digitale Technologien fremdbestimmt werden.
Technologie ist „zweischneidig“:
Smartphones können:
Flexibilität erhöhen
Familienkonflikte reduzieren
sie können aber auch:
Stress verursachen
Angstzustände fördern
durch exzessive Nutzung psychische Belastungen verstärken
Klare Kriterien für Smartphone-Sucht sind schwer festzulegen.
Hinweise auf Sucht können sein:
Gefühl von Fremdbestimmung
Reue nach der Nutzung
Kontrollverlust
Messbare Folgen:
geistige Abwesenheit im Privatleben
Smartphone-Nutzung während sozialer Aktivitäten
Unterbrechungen der Arbeit
Schwierigkeiten, den Fokus wiederzufinden
Digital Detox Bedeutung
„Digital Detox“ bezeichnet eine Zeitspanne, in der bewusst auf:
digitale Geräte
Kommunikationskanäle verzichtet wird.
Ziele:
Stress reduzieren
Konzentration auf reale soziale Interaktionen
Gefühl ständiger Erreichbarkeit verringern
Studie mit ca. 900 Studierenden:
Teilnehmende sollten 24 Stunden offline bleiben
etwa die Hälfte brach ab
Gründe:
empfundenes Suchtverhalten
Angstzustände beim Offline-Sein
Weitere Erkenntnisse:
jüngere Menschen haben größere Probleme mit Offline-Sein als ältere
Seit 2012 sinkt das subjektive Wohlbefinden Jugendlicher in den USA.
Beobachtungen:
stärkere Nutzung elektronischer Medien steht damit in Zusammenhang
Jugendliche mit mehr:
sozialer Interaktion
Sport
Printmedien bewerteten sich als glücklicher
Jugendliche mit stärkerer Bildschirm- und Online-Kommunikation waren unzufriedener
Der Zusammenhang ist korrelativ, nicht kausal.
Gleichzeitiges Auftreten bedeutet nicht automatisch Ursache-Wirkung-Beziehung.
steigende Geburtenraten und mehr Störche können korrelieren, ohne kausal zusammenzuhängen.
Nicht Smartphones selbst sind grundsätzlich die Ursache der Probleme.
Vielmehr:
digitale Technologien können bestehende Probleme verstärken
entscheidend ist der Umgang mit ihnen
Bereits eine teilweise Einschränkung der Nutzung kann:
subjektives Wohlbefinden verbessern
Besonders wirksam:
Kombination aus Digital Detox und Aufenthalt in der Natur
Wichtige Stressfaktoren:
Angst, etwas zu verpassen
Gefühl permanenter Rufbereitschaft
Diese Gefühle bleiben oft selbst bei ausgeschaltetem Smartphone bestehen.
Klingeln oder Aufleuchten des Displays aktiviert Belohnungszentren im Gehirn
dadurch entstehen automatische Reaktionsmuster
Digital Detox soll helfen:
diese Automatismen wieder bewusst zu kontrollieren
sich nicht von Notifications und Erreichbarkeit treiben zu lassen
bewusstes Ignorieren von Nachrichten und Anrufen über mehrere Stunden
Nutzer:innen erkennen häufig, dass nichts Wichtiges verpasst wurde
Mögliche Maßnahmen:
berufliche E-Mails nur während der Arbeitszeit beantworten
keine Weiterleitung beruflicher Mails auf private Smartphones
Apps löschen, die nur Zeitvertreib dienen
Zeitlimits für Apps festlegen
analoge Armbanduhren statt Smartwatches nutzen
Smartphone-Nutzung zum Uhrzeitablesen erhöht Nutzungsdauer um das 1,8-Fache
herkömmliche Wecker statt Smartphones im Schlafzimmer verwenden
zeitweise einfache Mobiltelefone ohne Smart-Funktionen nutzen
Digital Detox bedeutet nicht:
vollständiger Verzicht auf moderne Kommunikationstechnologien
Ziel ist vielmehr:
eine bewusste und entspannte Balance zwischen:
Arbeit und Privatleben
Online- und Offline-Welt
Anspannung und Entspannung
Entscheidend ist:
bewusste Kontrolle über das eigene Kommunikationsverhalten
statt Fremdbestimmung durch Notifications, Erreichbarkeit und FOMO.
Lernkontrollfragen
Aufgabe 4.1
Beschreiben Sie prägnant die ‚distalen Merkmale‘ im Linsenmodell und die “peripheren Reize‘ im Elaboration-Likelihood-Model (ELM). Wo sehen Sie Gemeinsamkeiten, wo Unterschiede?
‚Distale Merkmale‘ im Linsenmodell sind Informationen über Objekte oder Menschen, die ein:e Betrachter:in in der Umwelt nicht direkt wahrnehmen kann, wie etwa die Vertrauenswürdigkeit eines:einer Fremden.
Der:Die Betrachter:in kann sich die distalen Merkmale nur über sogenannte proximale Merkmale erschließen, also über die Informationen, die er:sie hat oder bekommen kann.
Beispielsweise könnte ein:e Betrachter:in eine:n Fremde:n genau beobachten und versuchen, über dessen:deren Auftreten seine:ihre Vertrauenswürdigkeit zu erschließen.
Periphere Reize ELM:
Im Gegensatz dazu sind ‚periphere Reize‘ im Elaboration-Likelihood-Modell Hinweisreize einer Botschaft, die nicht die Botschaft selbst kommunizieren, sondern etwas über die Begleitumstände der Botschaft sagen, etwa über den:die Sender:in.
In einem Werbespot zum Beispiel gehört die Attraktivität der Schauspieler:innen zu den peripheren Reizen.
Das Elaboration-Likelihood-Modell beschreibt zwei Wege, über die sich ein:e Empfänger:in mit einer persuasiven Botschaft beschäftigen kann.
Beide Wege unterscheiden sich hinsichtlich der Intensität der Verarbeitung der Botschaft, der Elaboration.
Ein:e Empfänger:in wählt (meist unbewusst) die zentrale Route der Elaboration und damit eine intensive Art der Verarbeitung der Botschaft, wenn das Thema der Botschaft relevant für den:die Empfänger:in ist, wenn der:die Empfänger:in motiviert ist, sich mit der Botschaft auseinanderzusetzen und wenn der:die Empfänger:in in der Lage ist, sich mit dem Thema kritisch zu befassen.
Die periphere Art der Verarbeitung, die zeitsparender und weniger aufwändig für den:die Empfänger:in ist, wird gewählt, wenn die zentrale Route nicht infrage kommt.
Dabei beschäftigt sich der:die Empfänger:in weniger mit der Botschaft selbst und mehr mit den peripheren Reizen, wie etwa der Attraktivität des:der Sender:in.
Kommt es aufgrund eines peripheren Reizes zu einer Einstellungsänderung, zur Akzeptanz der Botschaft, ist die Einstellungsänderung in der Regel kurzfristig.
Gemeinsamkeiten:
Die Gemeinsamkeiten bestehen in der Art der Informationen – sowohl ‚periphere Reize‘ im ELM als auch ‚distale Merkmale‘ im Linsenmodell sind eher Aussagen über die Begleitumstände einer Botschaft als selbst eine Nachricht.
Unterschied:
Ein Unterschied ist, dass von ‚periphere Merkmale‘ eher bei Medienbotschaften die Rede ist, die sich oft an viele Empfänger:innen gleichzeitig richten.
‚Distale Merkmale‘ dagegen kommen in jeder Kommunikation vor.
Aufgabe 4.2
Beschreiben Sie die möglichen Auswirkungen, die der Sleeper-Effekt bei Werbung haben kann, die Warnhinweise trägt, wie etwa Alkohol- oder Tabak-Werbung.
Werbung, die mit Warnhinweisen versehen ist, kann längerfristige Auswirkungen auf Empfänger:innen haben.
Laut dem Sleeper-Effekt können Rezipient:innen die Warnhinweise („Rauchen tötet“) schneller vergessen als die eigentliche Botschaft („Rauchen macht dich zu einem besseren Menschen“).
Abwertende Hinweisreize können also mit einem gewissen zeitlichen Abstand zur Rezeption der Botschaft den Umsatz von Produkten stärken statt schwächen.
Aufgabe 4.3
Fassen Sie die drei Elemente von Medienkompetenz zusammen, die am ehesten geeignet sind, den:die Rezipient:in aus der Rolle des:der passiven Konsument:in bzw. Nutzer:in digitaler Kommunikation in die Lage eines:einer kritisch-reflexiven Beobachter:in zu bringen.
Die Fähigkeit, die Kommunikationskanäle technisch zu bedienen, wird vorausgesetzt.
Die drei Elemente der Medienkompetenz, die aus passiven Konsument:innen bzw. Nutzer:innen digitaler Kommunikation kritisch-reflexive Beobachter:innen machen können:
A. Das Wissen um die Produktionsbedingungen von Medien (wirtschaftliche, soziale und politische Rahmenbedingungen etwa).
Durch dieses Wissen lernen die Nutzer:innen, von den vorgeschobenen Zielen eines Medienbeitrags (proximale Merkmale) auf die möglicherweise verborgenen, tatsächlichen Absichten der Sender:innen zu schließen (distale Merkmale).
B. Medienbezogene Genussfähigkeit:
Die Nutzer:innen könnne digitale Kommunikationskanäle in ihrem Sinne für ihre Zwecke nutzen und lassen sich nicht im Sinne der Anbieter instrumentalisieren.
Beispiel: Ein:e Social-Media- Nutzer:in postet nur genau das, was er:sie posten will, und nicht mehr.
Er:Sie verbringt nur so viel Zeit mit dem sozialen Medium, wie er:sie zur Erlangung seiner:ihrer Ziele braucht, und verliert sich nicht im Konsum.
C. Medienbezogene Kritikfähigkeit:
Die Nutzer:innen wissen, dass eine Medienbotschaft generell nur im Kontext zu verstehen ist und dass sie sich den Kontext aneignen müssen, um die Qualität von Botschaften bewerten zu können.
Kennen sie den Kontext nicht, wissen sie, dass ihnen der Kontext fehlt, und sie geben kein Urteil ab.
Dies gilt eher in Bezug auf digitale Massenkommunikation.
Zusätzlich wissen die Nutzer:innen um die verschiedenen Vor- und Nachteile von digitalen Kommunikationskanälen, die unter anderem, aber nicht nur, durch das Hyperpersonal Model (HPM, vgl. Kapitelabschnitt 3.8.1 „Hyperpersonal Model (HPM)““), durch Deindividuation (vgl. Kapitelabschnitt 3.2 „Deindividuation: „Geh bitte sterben“ – Reduktion kritischer Selbstbewertung und moralischer Bedenken durch Anonymität““) und Kanalreduktion (vgl. Kapitelabschnitt 3.1 „Kanalreduktion: qualitative und quantitative Unterschiede zwischen analogen und digitalen Kommunikationskanälen““) entstehen.
Aufgabe 4.4
Aktive Kommunikation: Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten in einem Unternehmen und sind verantwortlich für den Relaunch der Website des Unternehmens. Sie haben drei Angebote von drei Web-Agenturen bestellt und erhalten, nun wollen Sie in einem Meeting die Vor- und Nachteile der drei Angebote diskutieren und zu einer Entscheidung kommen. Sie brauchen also technologische Expert:innen, kaufmännische Expert:innen, eine Abteilungsleitung oder ein Mitglied der Gesch.ftsführung, das die Entscheidung fällen kann, sowie die Bereichsleitung externe Kommunikation, die die Angebote mit den Zielen ihrer Abteilung abgleicht.
Skizzieren Sie einen Ablaufplan für die Organisation des Meetings, in dem das Meeting selbst nur ein Teil ist. Wie viele Mitarbeitende laden Sie ein? Wen? Warum? Über welchen Kanal? Wie prüfen Sie, ob das Meeting ein Erfolg war? Und, last, but not least: Wie stellen Sie sicher, dass etwa Selbstdarsteller:innen nicht mit ihren eigenen Themen Ihr Meeting kapern?
Das ideale Meeting: Als erstes brauchen Sie eine Person, die das Meeting
organisiert, die die Themen kennt und die weiß bzw. definiert, was entschieden
werden muss. Dieses Meeting hat eine Entscheidung zum Ziel (welches
Angebot wird gewählt?), es geht nicht um ein Informationsaustausch oder
ein Briefing. Idealerweise ist die Projektleitung, die die Entscheidung braucht,
auch Organisator:in/Moderator:in des Meetings (ist aber kein Muss). Der:Die
Organisator:in entscheidet, welche Mitarbeitenden er:sie in seinem:ihrem Meeting
haben will. Es geht in erster Linie nicht um die Menge der Teilnehmenden;
auch große Meetings können, mit entsprechender Moderation, Ergebnisse
bringen. Die Auswahl der Teilnehmenden ist ein Erfolgsfaktor: Sie müssen
etwas zur Sache sagen oder entscheiden können. Und sie müssen das Gefühl
haben, gebraucht zu werden, und nicht ihre Zeit zu verschwenden. Halten Sie
trotzdem die Zahl der Teilnehmenden so gering wie möglich, um die Zahl der
unbrauchbaren Wortbeiträge im Meeting so niedrig wie möglich zu halten.
Erhalten Sie unbrauchbare Wortbeiträge oder droht gar eine Kaperung des
Meetings, mit dem Ziel, andere Themen als die Ihren zu besprechen, korrigieren
Sie den Kurs. Lassen Sie sich nicht die Moderation aus der Hand nehmen.
Scheuen Sie sich nicht, höflich, aber bestimmt, zu unterbrechen, und fragen
Sie, wie das Gesagte zum Erreichen des Ziels des Meetings beisteuert. Um zu
wissen, welche Kolleg:innen oder Mitarbeitenden Sie brauchen, skizzieren Sie
die Ziele des Meetings. Kündigen Sie die Ziele in der Einladung an, die Sie etwa
über E-Mail verschicken.
Ein möglicher Ablaufplan:
Vor dem Meeting
Moderator:in bestimmen (könnte zum Beispiel die Projektleitung sein)
Moderator:in durchdenkt das Thema und skizziert einen ersten Entwurf
eines Roten Fadens:
f WAS ist das Ziel des Meetings – was soll entschieden werden?
f WIE sieht der mögliche Gewinn für alle Beteiligten aus?
f WO liegen die entscheidenden, höchsten Hürden? Hier geht es nicht
darum, zu klagen, dass kein Büromaterial mehr da ist. Es geht um die
Lösung von Problemen, die nur gemeinsam zu bezwingen sind.
f WELCHE Sachinformationen müssen mitgeteilt werden, damit die
Beteiligten in der Lage sind, zu entscheiden?
f WELCHE offenen Fragen gibt es, die das Meeting klären kann?
Moderator:in entscheidet anhand der Sachlage, welche Mitarbeitenden
gebraucht werden und lädt diese ein
Moderator:in definiert Inhalte des Meetings: Tagesordnungspunkte (TOP),
also Punkte, die entweder:
f Teilnehmende informieren,
f beratschlagt werden (vom Team, Fachwissen zusammenführen, z. B.
kaufmännische oder technologische Expertise) oder die
f entschieden werden.
Moderator:in sammelt Informationsmaterial, das die Meetingteilnehmenden
brauchen, um entscheiden und beratschlagen zu können: Angebote,
Fotos, Diagramme, Zeichnungen, Karten, Ablaufpläne usw.
Moderator:in stellt Teilnehmenden vor dem Meeting Material zur Verfügung
Teilnehmende lesen Informationsmaterial
Moderator:in erinnert Teilnehmende daran, Informationsmaterial vor dem
Sitzen zu lesen
Moderator:in fragt die Teilnehmenden ab, die sich bis kurz vor dem Meeting
noch nicht zurückgemeldet haben: Kommt ihr? Habt ihr euch eingelesen?
Im Meeting
Team wartet mit dem Beginn des Meetings, bis alle da sind
Team bestimmt eine:n Protokollant:in (Ergebnisprotokoll, Stichpunkte,
Inhalt schreibt jede:r für sich selbst mit)
Moderator:in gibt eine kurze Abschätzung darüber, wie das Thema aus
seiner:ihrer Sicht zu beurteilen ist – und welche Punkte noch offen sind,
welche Antworten er:sie vom Team erwartet und was er:sie sich vom Meeting
verspricht. Der:Die Moderator:in hat immer eine prägnante und überzeugende
Antwort auf die Frage „Wozu dient dieses Meeting“?
Moderator:in oder ein:e Expert:in führt ins Thema ein, durch eine kurze
Präsentation oder Vortrag
Feedback-, Frage- und Beratschlage-Runde: Alle Teilnehmenden klären
offene Fragen mit dem:der Expert:in – Projektleitung hält offene Fragen fest
Teilnehmende schreiben mit, was für sie relevant ist
Team entscheidet die offenen Punkte, die der:die Moderator:in hat und
liefert ihm:ihr die Antworten, die er:sie braucht
Team fragt Moderator:in, ob er:sie mit den Antworten zufrieden ist
Wenn es etwas zu entscheiden gibt, fällt der:die Moderator:in, ein:e
Entscheider:in oder das Team die Entscheidung
Anhand der Ergebnisse der Beratschlagungen bestimmt das Team eine Person,
die die Beschlüsse umsetzt und das Projekt weiterverfolgt
Nach dem Meeting
Protokollant:in sendet Ergebnisse an Teilnehmende
Wer die Beschlüsse umgesetzt und das Projekt weiterverfolgt hat, informiert
die Projektleitung über die Ergebnisse seiner:ihrer Arbeit.
Aufgabe 4.5
Stellen Sie sich eine Untersuchung vor, in der Proband:innen fiktive Rückmeldungen über ihre Leistung in einer Unterscheidungsaufgabe erhalten.
Wenig später werden die Proband:innen darüber aufgeklärt, dass die Rückmeldung komplett erfunden war und nichts mit ihren Leistungen zu tun hatte. Wie wirkt sich diese Korrektur der Rückmeldung auf die Selbsteinschätzung der Proband:innen aus? Warum?
Die fiktive Rückmeldung beeinflusst weiterhin die Selbsteinschätzung der
Proband:innen, das wird Falschinformationseffekt genannt. Der Effekt tritt
auch auf, wenn Proband:innen sich darüber im Klaren sind, dass eine Information
falsch oder verzerrt war. Ein Erklärungsansatz ist etwa, dass die Falschinformation
(im Beispiel: das Feedback zur Leistung der Proband:innen) zunächst
nicht als solche erkennbar war (dass das Feedback fiktional war, wurde erst
später mitgeteilt) und in der Erinnerung der Betroffenen mit der korrekten
Information (im Beispiel: ich habe an einer Unterscheidungsaufnahme teilgenommen)
verknüpft wurde und auch verknüpft bleibt (Volbert, 2017, S. 562).
Übungsfragen Tutorial
Spricht für Digital: Kanalreduktion
Dagegen: Synchonität
Bilder bearbeiten, auswählen, professionelle Belichtung etc.
Kann schnell auf Trends/ Schlagzeilen reagieren (auch nachteilig, weil man nicht lange nachdenkt bevor man Tweet absetzt) -> schneller als Printmedien
Welche Filterblasen gibt es?
Kalorienzählen, um brauchbarer Mensch zu sein (Nahrungsergänzungsmittel Industrie/ Influencer)
Politische Filterblasen: Menschen die sich politisch weit rechts oder links bewegen und nur mit Infos gefüttert werden die ihre Meinung bestätigt
Harmlose Filterblasen: Alte Autos Filterblasen ; Bayrische Küche etc.
-> Filterblasen durch Algorythmus geprägt -> bekommt nur noch eigene Meinung gespiegelt (personalisierte Inhalte; 4U Page)
-> Menschen mit gleichen Meinungen/ Haltungen, die sich austauschen
Gibt es Analoge?
Ja, Zeitungen: Wer nur Taz liest, bekommt überwiegend linke Haltungen/ meinungen
In welchen Kommunikationskanälen?
theoretisch alle
Filterblasen:
Intellektuelle Isolation
Monothematischer Raum
Andere Begriffe für eine
Filterblase:
Bestätigungsfehler,
Bestätigungstendenz,
Confirmation Bias
Plattformen nutzen den Effekt, um Nutzer mit Inhalten zu beliefern, die zu mehr Interaktion führen (betrifft selbst die Google-Suche; am stärksten bei angemeldeten Nutzern)
Zuletzt geändertvor 3 Tagen