Rechtfertigende Indikation
Zur Anwendung von Röntgenstrahlen muss eine sogenannte „rechtfertigende Indikation“ vorliegen.
Indikationsstellung durch fachkundige:n Arzt/Ärztin
Gesundheitlicher Nutzen überwiegt das Strahlenrisiko
Befragung hinsichtlich vorangegangener Untersuchungen und Schwangerschaft
§23, Abs (1) der Röntgenverordnung: "Röntgenstrahlung darf unmittelbar am Menschen in Ausübung der Heilkunde oder Zahnheilkunde nur angewendet werden, wenn eine Person nach § 24 Abs. 1 Nr. 1 oder 2 hierfür die rechtfertigende Indikation gestellt hat. Die rechtfertigende Indikation erfordert die Feststellung, dass der gesundheitliche Nutzen der Anwendung am Menschen gegenüber dem Strahlenrisiko überwiegt.“
Weichstrahltechnik
Weiche Röntgenstrahlung (<100 keV): Weichstrahltechnik
Weiche Strahlung ist energieärmer
Je energieärmer die Röntgenstrahlung, desto mehr ist die Absorption von der Ordnungszahl des durchstrahlten Gewebes abhängig (und nicht von der Dichte)
Je höher die Ordnungszahl, desto höher die Absorption
Gute Beurteilbarkeit von Geweben mit einem großen Anteil von Atomen mit hoher Ordnungszahl (z.B. Knochen oder Kalk)
Anwendungsbeispiele: Knochenaufnahmen, Mammografie
Schlecht geeignet für die Beurteilung des Lungenparenchyms
Hartstrahltechnik
Harte Röntgenstrahlung (100-1000 keV): Hartstrahltechnik
Harte Strahlung ist energiereicher
Je energiereicher die Röntgenstrahlung, desto mehr ist die Absorption von der Dichtedes durchstrahlten Gewebes abhängig (und nicht von der Ordnungszahl des Gewebes)
Hohe Knochentransparenz
Geeignet für die Röntgendiagnostik von inhomogenen Strukturen
Anwendungsbeispiel: Konventionelle Röntgenthoraxaufnahme
Schlecht geeignet für die Beurteilung von knöchernen Strukturen
intraarterieller Kontrastmittelinjektion mit renalem first-pass Effekt
Kontrastmittel erreicht die Nierenarterien in unverdünnter Form bei Verabreichungen in:
das linke Herz
die thorakale oder suprarenale abdominelle Aorta
die Nierenarterien
intraarterieller Kontrastmittelinjektion mit renalem second-pass Effekt
Kontrastmittel erreicht die Nierenarterien nach Verdünnung in der Lungen- oder peripheren Zirkulation bei Verabreichungen in:
rechte Herz
Pulmonalarterie
Karotiden
A. Sublkavia
Koronararterien
Viszeralarterien
infrarenale Arterien
Risikofaktoren für PC-AKI
Von Patientenseite:
eGFR unter 45 ml/min/1,73 m2 vor intraarterieller Röntgenkontrast- mittelgabe mit renalem first-pass Effekt oder bei Patienten einer Intensivstation.
eGFR unter 30 ml/min/1,73 m2 vor Gabe eines intravenösen oder intraarteriellen Röntgenkontrastmittels mit renalem second-pass Effekt.
Bekanntes oder vermutetes akutes Nierenversagen.
Untersuchungsbedingt:
Intraarterielle Röntgenkontrastmittelgabe mit renalem first-pass Effekt.
Große Mengen eines intraarteriellen Kontrastmittels mit renalem first-pass Effekt (das linke Herz, die thorakale oder suprarenale abdominelle Aorta, die Nierenarterien)
Hoch-osmolare Röntgenkontrastmittel.
Mehrfache Röntgenkontrastmittelgabe
innerhalb von 48-72 Stunden.
Definition PC-AKI
Kontrastmittel-assoziierte akute Nierenschädigung
Definition:
Von einer Kontrastmittel-assoziierten akuten Nierenschädigung (PC-AKI) spricht man, wenn das Serum-Kreatinin (SKrea) innerhalb von 48-72 Stunden nach intravaskulärer Kontrastmittelgabe um ≥ 0,3 mg/dl (oder ≥ 26,5 μmol/l) oder um ≥ 1,5-fache des Referenzwertes ansteigt.
Schilddrüse und Kontrastmittel
Iodhaltige Kontrastmittel können bei latenter oder manifester Hyperthyreose eine thyreotoxische Krise auslösen
TSH normwert 0,4–4,0 mU/L
wenn TSH niedrig -> Bestimmung von fT4 und fT3
Unterscheidung latente und manifeste Schilddrüsenüberfunktion:
TSH niedrig, fT4 und fT3 normal -> latent
TSH niedrig, fT4 und/oder fT3 hoch -> manifest
Hypothyreose: TSH↑, fT4↓ (bzw. TSH↑ ≤10 mU/L = latent; TSH >10 mU/L = manifest)
Kontrastmittelgabe kontraindiziert bei manifester Hyperthyreose
bei vitalem Notfall: Thiamazol 40 mg i.v. + Perchlorat
Thiamazol hemmt die Synthese und nicht die Freisetzung -> Wirkungsverzögerung um ca 6-8 Tage
Latente Hyperthyreose: Prophylaxe mit Natriumperchlorat (40 Tropfen vor/nach; 7–14 Tage Weitergabe 20 Tropfen 1‑1‑1) -> Hemmung der Iodidaufnahme und Vermeidung einer iodinduzierten Hyperthyreose.
Thyreotoxische Krise
Definition: Akute lebensbedrohliche Exazerbation einer Hyperthyreose
Auslöser: infekt, Iod (KM, Amiodaron), Absetzen von thyreostatischen Medis
Stadieneinteilung nach Hermann
Stadium I
Tachykardie, oft absolute Arrhythmie
Fieber, Erbrechen, Durchfälle → Exsikkose
Adynamie, Muskelschwäche
Tremor, Agitation
Stadium II: Symptome aus Stadium I sowie Bewusstseinsstörungen (Somnolenz, Sopor), Desorientiertheit und psychotische Zustände
Stadium III: Symptome aus Stadium I + II sowie Koma und Kreislaufversagen mit Nebennierenrindeninsuffizienz
Genaue Einteilung der Wahrscheinlichkeit und des Schweregrades einer thyreotoxischen Krise mit Burch-Wartofsky Score
Körpertemperatur
Zentralnervöse Symptomatik
Hepatogastrointestinale Dysfunktion
Kardiovaskuläre Dysfunktion (Herzfrequenz, Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern)
Anamnese bzgl. eines möglichen Auslösers
Kausale Therapie bei thyreotoxischer Krise
Thyreostatische Therapie
Thiamazol hochdosiert (Hemmung der Schilddrüsenhormon-Synthese) DOSIS
Natriumperchlorat (Hemmung der Iodidaufnahme in die Schilddrüse) DOSIS
Bei bedrohlicher thyreotoxischer Krise: Plasmapherese oder Notfall-Thyreoidektomie
Symptomatische Therapie
Intensivstationäre Überwachung
Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution DOSIS, parenterale bzw. enterale Ernährung
Betablocker → Senkung des Tremors und der Agitation
Propranolol: R-Enantiomer bewirkt eine Hemmung der Konversion von T4 zu T3
Oder kardioselektive Betablocker (bspw. Bisoprolol, Metoprolol) [11]
Glucocorticoide, bspw. Prednisolon (wegen relativer Nebennierenrindeninsuffizienz und Hemmung der Konversion von T4 zu T3) DOSIS
Fiebersenkende Medikamente, bspw. Ibuprofen DOSIS oder Paracetamol DOSIS
Thromboseprophylaxe
KM Allergie
Häufige MRT Sequenzen
FLAIR-Sequenz
FLAIR-Sequenz = „fluid-attenuated inversion recovery“
T2-gewichtete Sequenz zur besseren Differenzierung von freien und gewebegebundenen Flüssigkeiten
Das Signal von freiem Wasser wie Liquor wird unterdrückt und hypointens dargestellt, während gewebegebundenes Wasser wie interstitielle Ödeme sich hyperintens darstellt.
Anwendung v.a. zur Unterscheidung von Liquor und periventrikulären Läsionen
DWI-Sequenz
DWI-Sequenz = diffusion weighted imaging
Darstellung von Gewebe mit eingeschränkter Diffusion
Anwendung: Insb. bei der Diagnostik des Schlaganfalls
In der Diffusions-MRT wird im Prinzip die Brown'sche Molekularbewegung – also die zufällige Diffusion von Protonen – dargestellt. Im Normalzustand werden in der MRT die Protonen angeregt und anschließend die Relaxationszeit gemessen. Da die Protonen zum Zeitpunkt der Messung allerdings bereits „wegdiffundiert“ sind, ergibt sich kein Signal und das Bild erscheint hypointens. Ist die Brown'sche Molekularbewegung hingegen gestört, bewegen sich die Protonen nicht von ihrer Ausgangslage weg und ihre Relaxationszeit kann als hyperintenses Signal wiedergegeben werden. Genau das ist der Fall bei einem zytotoxischen Ödem, wie es bspw. nach einem Infarkt auftreten kann. Kommt es zum thromboembolischen Verschluss eines Gefäßes, werden die nachgeschalteten Zellen nicht mehr mit Sauerstoffversorgt, sodass ihre ATP-Synthese zum Erliegen kommt. Das hat zur Folge, dass die Na+/K+-ATPase das Membranpotenzialnicht mehr aufrechterhalten kann. Es kommt zum Natrium- und Wassereinstrom in die Zellen, wodurch diese anschwellen. Das wiederum geht auf Kosten des Extrazellulärraums und führt zu einer gestörten Brown'schen Molekularbewegung.
Häufige MRT-Sequenzen
STIR-Sequenz
STIR-Sequenz = short-tau inversion recovery
Unterdrückung des MR-Signals von Fettgewebe
Neutralisierung des Signals von Fettgewebe zum Zeitpunkt des HF-Impulses
Anwendung: Insb. bei orthopädischen Fragestellungen
Häufige MRT-Sequenzen:
PWI-Sequenz
PWI-Sequenz = perfusion-weighted imaging
Darstellung von Gewebe mit eingeschränkter Perfusion
Intravenöse Injektion eines Kontrastmittelbolus, um die Gewebeperfusion besser darzustellen
Unterschied T1 und T2
Typische Beispiele für die Signalintensität der T1- und T2-Gewichtung in der MRT
Gewichtung
Hyperintens
Hypointens
T1-Gewichtung
Fett, fettreiches Gewebe (weiße Hirnsubstanz)
Kontrastmittel
Wasser (Liquor, Ödem → Entzündung)
Knochen (Kortikalis)
Bänder, Sehnen
Luft (kein Signal)
T2-Gewichtung
Fett (geringer hyperintens als in T1)
Knochen
Bänder*, Sehnen
Zuletzt geändertvor einem Tag