Definition Makroökonomik
„Lehre von der Wirtschaft als Ganzes" – untersucht aggregierte Größen (z.B. Inflation, Wachstum, Zinsen) und das Zusammenspiel aller Märkte einer Volkswirtschaft.
Was ist der Unterschied zwischen Mikro- und Makroökonomik?
Die Mikroökonomik betrachtet individuelle Entscheidungen auf einzelnen Märkten. Die Makroökonomik untersucht aggregierte Größen und das Verhalten ganzer Gruppen in einer Volkswirtschaft.
Aggregierte Größen
Zusammenfassung des Verhaltens aller Individuen einer Gruppe, die ein charakteristisches Verhalten auf den Märkten zeigt (z.B. alle Haushalte, alle Unternehmen).
Modell (ökonomisch)
Abstraktes Abbild eines Ausschnitts der Realität. Es enthält bestimmte Größen und Annahmen über deren Verhalten, um eine konkrete Fragestellung zu untersuchen.
Was ist der Unterschied zwischen einem statischen und einem dynamischen Modell?
Statisches Modell: nur eine Periode (Zeitpunkt t). Dynamisches Modell: mehrere Perioden – Größen in t hängen von vorherigen Perioden (t−1) ab.
Merkantilismus (17. Jh.)
Denkrichtung, die nationalen Reichtum durch eine aktive Handelsbilanz (Außenwirtschaftsüberschuss) anstrebt. Kernvertreter: Locke, Cantillon, Petty, Colbert.
Was war die Kernidee der Physiokraten?
Die Landwirtschaft ist die einzige Quelle des Reichtums, da nur dort ein Überschuss erwirtschaftet werden kann. Hauptvertreter: François Quesnay.
„Unsichtbare Hand" (Adam Smith)
Der Preismechanismus sorgt dafür, dass die Verfolgung von Einzelinteressen gleichzeitig das Gesamtinteresse der Gesellschaft fördert.
Says Theorem
„Das Angebot schafft sich die Nachfrage selbst." – In einer arbeitsteiligen Wirtschaft konsumiert jeder Produzent entweder selbst oder tauscht; eine Überproduktion ist nicht möglich
Was ist der homo oeconomicus?
Das neoklassische Menschenbild: ein rational handelndes Individuum, das seinen Nutzen unter Beachtung aller Nebenbedingungen maximiert.
Tâtonnement-Prozess (Walras)
Preisfindungsprozess durch einen fiktiven Auktionator: Es wird so lange ein neuer Preis ausgerufen, bis Angebot und Nachfrage übereinstimmen (Gleichgewichtspreis).
Was ist Keynes' zentraler Beitrag zur Makroökonomik?
Keynes zeigte, dass ein Gleichgewicht auch bei Unterbeschäftigung möglich ist – im Gegensatz zur Neoklassik. Er rückte Beschäftigungsprobleme in den Mittelpunkt (Werk: „General Theory", 1936).
Wie unterscheiden sich Neuklassiker und Neu-Keynesianer in ihrer Sichtweise?
Neuklassiker: Gleichgewichtsmechanismus wirkt schnell; staatliche Eingriffe schaden. Neu-Keynesianer: Anpassung verläuft langsam wegen Preis- und Lohnstarrheiten; staatliche Stabilisierungseingriffe sind nötig.
Neoklassische Mikrofundierung
Makroökonomische Aussagen werden mit neoklassischen Methoden (Optimierung, Gleichgewicht) begründet – heute auch von Keynesianern akzeptiert → „Neukeynesianismus".
Repräsentatives Individuum
Ein fiktives „Durchschnitts-Individuum", dessen Verhalten stellvertretend für eine gesamte Gruppe (z.B. alle Haushalte) betrachtet wird.
Rationalverhalten
Konsistentes, widerspruchfreies Verhalten von Wirtschaftssubjekten: Sie begehen keine systematischen Fehler und maximieren ihren Nutzen bzw. Gewinn unter gegebenen Nebenbedingungen.
Rationale Erwartungen
Wirtschaftssubjekte nutzen alle verfügbaren Informationen, um Erwartungen (z.B. über die Inflation) bestmöglich zu bilden – sie liegen im Durchschnitt richtig.
Was ist das Paradoxon zwischen individueller und kollektiver Rationalität?
Was für den Einzelnen rational ist, kann kollektiv irrational sein. Beispiel: Wenn alle mehr sparen wollen, sinkt das Gesamteinkommen – die tatsächliche Ersparnis kann dadurch sinken.
Sektor (Makroökonomik)
Gruppe von Wirtschaftssubjekten mit einheitlichen Zielen und Mitteln, für die ein repräsentatives Individuum herangezogen wird. Inländische Sektoren: Haushalte, Unternehmen, Staat. Dazu kommt das Ausland.
Welche drei Entscheidungen treffen private Haushalte?
1. Aufteilung zwischen Freizeit und Arbeitsangebot 2.Aufteilung des Einkommens zwischen Konsum und Ersparnis 3.Aufteilung der Ersparnisse zwischen Geld und Wertpapieren
Welche vier Märkte gibt es in einer geschlossenen Volkswirtschaft?
Gütermarkt, Arbeitsmarkt, Geldmarkt, Wertpapiermarkt.
Öffentliche Güter
Güter mit zwei Merkmalen: Nicht-Ausschließbarkeit (niemand kann vom Konsum ausgeschlossen werden) und Nicht-Rivalität (Nutzung durch A beeinträchtigt Nutzung durch B nicht). Beispiele: Landesverteidigung, Luft.
Nominale vs. reale Größen
Nominale Größen enthalten Preis- und Mengeneffekte. Reale Größen = Nominale Größen ÷ Preisniveau P. In der Makroökonomik werden meist Realgrößen verwendet, da Wirtschaftssubjekte ihr Verhalten daran ausrichten.
Stromgröße vs. Bestandsgröße
Stromgröße: erfasst ökonomische Größen pro Zeiteinheit (z.B. Einkommen, Ersparnis pro Jahr). Bestandsgröße: erfasst eine Größe zu einem bestimmten Zeitpunkt (z.B. Kapitalstock, Geldmenge).
Kreislaufaxiom
In einem geschlossenen Kreislauf muss die Wertsumme der abfließenden Ströme eines Pols gleich der Wertsumme der zufließenden Ströme sein.
Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettoinvestitionen?
Bruttoinvestitionen = Wert aller nicht konsumierten Güter. Nettoinvestitionen = Bruttoinvestitionen minus Abschreibungen. Abschreibungen erfassen den Wertverlust des Kapitalstocks durch Verschleiß.
Was gilt für Ersparnis und Investitionen in einer geschlossenen Volkswirtschaft ohne Staat (ex post)?
Sie stimmen immer überein: S = I (gesamtwirtschaftliche Ersparnis = Investitionen).
Transfers
Einkommen, die der Staat an Haushalte ohne direkte Gegenleistung zahlt (z.B. Wohngeld, Sozialhilfe).
Ex ante vs. ex post
Ex ante = Plangrößen zu Beginn einer Periode (was die Sektoren planen). Ex post = tatsächlich realisierte Größen am Ende der Periode (müssen zwingend übereinstimmen).
Wirtschaftskreislauf
Vereinfachte Darstellung aller ökonomischen Transaktionen zwischen Sektoren (Polen) einer Volkswirtschaft. Transaktionen zwischen den Polen heißen Ströme.
Wer hat den Wirtschaftskreislauf erstmals umfassend dargestellt?
François Quesnay mit dem „Tableau Économique" (1768) – er unterschied drei Klassen: produktive Klasse (Landwirte), sterile Klasse (Handel/Handwerk) und Grundeigentümer.
Welchen Beitrag leistete Karl Marx zur Kreislaufanalyse?
Er führte die Unterscheidung zwischen Konsum- und Investitionsgüterindustrie ein und berücksichtigte Ersparnis und Investition im Kreislauf.
Welchen Beitrag leistete Keynes zur Kreislaufanalyse?
Er ergänzte den monetären Kreislauf – Geld wird nicht nur als Tauschmittel, sondern auch zur Wertaufbewahrung gehalten, wodurch monetäre Faktoren zur Erklärung güterwirtschaftlicher Entwicklungen notwendig werden.
Wie lautet die grundlegende Produktionsgleichung mit Staat?
Y = C + I + G (Konsum + Investitionen + Staatsnachfrage)
Funktionale Abgrenzung der Sektoren
Die Zuordnung zu einem Sektor richtet sich nach der ausgeübten Funktion/Aktivität – nicht nach der Person. Dieselbe Person kann gleichzeitig mehreren Sektoren angehören (z.B. Fabrikbesitzer = Unternehmen bei der Arbeit, Haushalt beim Restaurantbesuch).
Warum bevorzugt die Makroökonomik Realgrößen gegenüber Nominalgrößen?
1.Nominalgrößen ändern sich bei Preis- UND Mengenänderungen – man kann nicht direkt erkennen, was die Ursache ist. Bei Realgrößen gibt es diese Zweideutigkeit nicht. 2.Wirtschaftssubjekte richten ihr Verhalten bei Rationalverhalten an Realgrößen aus.
Warum tritt der Staat laut Modell nicht auf dem Arbeitsmarkt auf?
Weil angenommen wird, dass der Staat nicht selbst produziert, sondern private Unternehmen mit der Bereitstellung staatlicher Güter beauftragt.
Einfacher Wirtschaftskreislauf (Gleichung)
Y = C → In einer Zwei-Sektoren-Wirtschaft (nur Haushalte & Unternehmen, keine Ersparnis) entspricht die gesamte Produktion den Konsumausgaben.
VGR
Seite 26 Abbildung
Definition Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR)
System von Teilrechnungssystemen, das eine umfassende, systematische und quantitative Beschreibung des abgelaufenen Wirtschaftsprozesses ex post liefert.
ESVG 1995
Europäisches System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung – ein harmonisiertes Rechnungssystem, das in allen EU-Ländern verwendet wird, um vergleichbare Daten zu gewährleisten. In Deutschland erfasst durch das Statistische Bundesamt.
Welche drei Hauptrechnungen stehen im Mittelpunkt der VGR?
Entstehungsrechnung, Verwendungsrechnung und Verteilungsrechnung – alle drei ermitteln das BIP auf unterschiedlichem Weg
Bruttoinlandsprodukt (BIP)
Gesamtwert aller im Inland produzierten Waren und Dienstleistungen nach Abzug der Vorleistungen. Indikator für die wirtschaftliche Leistung eines Gebietes. Wird nach Inlandskonzept berechnet.
Was ist der Unterschied zwischen Inlandskonzept und Inländerkonzept?
Inlandskonzept: erfasst alle Leistungen innerhalb der geografischen Grenzen – egal ob In- oder Ausländer. Inländerkonzept: erfasst Einkommen aller Inländer (Gebietsansässigen) – auch wenn sie im Ausland tätig sind.
Wie wird das BIP in der Entstehungsrechnung berechnet?
BIP = Produktionswert (PW) − Vorleistungen (VL) + Gütersteuern − Gütersubventionen
Wie wird das BIP in der Verwendungsrechnung berechnet?
BIP = C + G + Iᵦ + EX − IM (Konsum + Staatsnachfrage + Bruttoinvestitionen + Exporte − Importe)
Bruttonationaleinkommen (BNE)
BIP + Saldo der Primäreinkommen mit dem Ausland (YEXIM). Während das BIP ein Produktionsindikator ist, ist das BNE eine Einkommensgröße.
Wie kommt man vom BNE zum Volkseinkommen?
BNE − Abschreibungen (D) = Nettonationaleinkommen (Yₙ) Yₙ − indirekte Steuern (Tᵢₙ_d) + Subventionen (Z) = Volkseinkommen (Y)
Volkseinkommen (Y)
Summe aller Erwerbs- und Vermögenseinkommen, die den Inländern in einer Periode zugeflossen sind. Setzt sich zusammen aus: Arbeitnehmerentgelt (LE) + Unternehmens- und Vermögenseinkommen (GE).
Wofür werden die Daten der VGR genutzt?
Grundlage für nationale Wirtschaftspolitik, Wirtschaftsprognosen, internationale Finanzierungsbeiträge (EU, UN) und EU-Konvergenzkriterien (z.B. Neuverschuldung max. 3% des BIP).
Was ist eine Vorleistung im Sinne der VGR?
Güter, die inländische Wirtschaftseinheiten von anderen Einheiten bezogen und im Berichtszeitraum im Zuge der Produktion verbraucht haben – sie werden beim BIP herausgerechnet, um Doppelzählungen zu vermeiden.
Welche Einschränkung haben VGR-Daten?
Sie zeigen keine Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge. Erst in Verbindung mit wirtschaftstheoretischen Aussagen lassen sich Beziehungen zwischen den Größen herstellen.
Vorleistungen (VL)
Güter, die im Produktionsprozess verbraucht werden und beim BIP abgezogen werden – damit jedes Gut nur einmal gezählt wird (keine Doppelzählung).
Produktionsfunktion
Y = Y(N, K) – beschreibt den technischen Zusammenhang zwischen den Produktionsfaktoren Arbeit (N) und Kapital (K) und dem Output (Y).
Was ist der Unterschied zwischen limitationalen und substituierbaren Produktionsfunktionen?
Limitational: Faktoren müssen in einem festen Verhältnis eingesetzt werden – Mehreinsatz nur eines Faktors erhöht den Output nicht. Substituierbar: Faktoren sind austauschbar – dieselbe Outputmenge kann mit verschiedenen Faktor-Kombinationen hergestellt werden.
Isoquante
Kurve, auf der alle Kombinationen von Arbeit (N) und Kapital (K) ablesbar sind, mit denen dieselbe Outputmenge produziert werden kann. Sie berührt die Achsen nicht – kein Faktor ist vollständig ersetzbar.
Kapitalintensität / Arbeitsintensität
Kapitalintensität = K/N (viel Kapital pro Arbeitseinheit). Arbeitsintensität = N/K (viel Arbeit pro Kapitaleinheit).
Ceteris-paribus-Klausel
„Wenn alle übrigen Dinge gleich bleiben" – Analyse der Wirkung einer Größe unter der Bedingung, dass alle anderen Größen konstant gehalten werden.
Grenzproduktivität der Arbeit (YN)
Gibt an, um wie viele Einheiten der Output steigt, wenn der Arbeitseinsatz marginal erhöht wird. Sie ist positiv (YN > 0), aber abnehmend (YNN < 0) – je mehr Arbeit bereits eingesetzt wird, desto geringer der zusätzliche Beitrag.
Durchschnittsproduktivität der Arbeit
Y/N – setzt den Output in Beziehung zum Arbeitseinsatz. Sinkt mit zunehmendem Arbeitseinsatz.
Produktionselastizität der Arbeit
Gibt an, um wie viel Prozent der Output steigt, wenn der Arbeitseinsatz um 1% zunimmt. Bei Cobb-Douglas: ε(Y,N) = a.
Cobb-Douglas-Produktionsfunktion
Y = Nᵃ · Kᵇ mit 0 < a < 1 und 0 < b < 1. Prototyp einer substituierbaren Produktionsfunktion. Produktionselastizitäten sind a (Arbeit) und b (Kapital).
Welche drei Arten von Skalenerträgen gibt es?
Steigende Skalenerträge: Output steigt stärker als die Faktoren (a+b > 1). Konstante Skalenerträge: Output steigt gleich stark (a+b = 1). Sinkende Skalenerträge: Output steigt schwächer (a+b < 1).
Optimaler Kapitalstock (Kopt)
Der Kapitalstock, bei dem die Grenzproduktivität des Kapitals gleich dem Zinssatz ist: YK = i. Dort ist der Unternehmensgewinn maximal.
Wie wirkt ein steigender Zinssatz auf die Investitionsnachfrage?
Die Investitionsnachfrage sinkt (Ii < 0), weil ein höherer Zins einen höheren optimalen Kapitalstock erfordert... nein – weil ein höherer Zins die Kapitalkosten erhöht und einen geringeren optimalen Kapitalstock bedeutet.
Investitionsneigung
Gibt an, wie stark Unternehmen bei einem gegebenen Zinssatz investieren wollen. Sinkt die Investitionsneigung, verschiebt sich die gesamte Investitionsfunktion nach links.
Fiskalpolitik
Wirtschaftspolitik über die Instrumente Staatsausgaben (G) und Steuern (T). Beide werden im Modell als politische Parameter (feste Größen) gesetzt.
Verfügbares Einkommen
Y − T̄ – das Einkommen der Haushalte nach Abzug der Steuern, das für Konsum und Sparen zur Verfügung steht.
Marginale Konsumquote (CY−T)
Gibt an, um wie viel der Konsum steigt, wenn das verfügbare Einkommen um eine Einheit zunimmt. Laut Keynes: 0 < CY−T < 1 (Konsum steigt, aber weniger als das Einkommen).
Was ist der Unterschied zwischen marginaler und durchschnittlicher Konsumquote?
Marginale Konsumquote: Verhältnis der Veränderungen (ΔC / ΔY). Durchschnittliche Konsumquote: Verhältnis der Gesamtgrößen C / (Y−T̄). Die durchschnittliche Konsumquote nimmt mit steigendem Einkommen ab.
Was besagen die drei Einkommenshypothesen?
Relative EH (Duesenberry): Konsum hängt von der eigenen Position in der Einkommenspyramide und früherem Konsumniveau ab. Permanente EH (Friedman): Konsum richtet sich nach dem langfristig erwarteten Durchschnittseinkommen. Lebenszyklushypothese (Modigliani): Haushalte orientieren sich am erwarteten Lebenseinkommen.
Sparfunktion
S = Y − T̄ − Cd. Die marginale Sparquote ist 0 < SY−T < 1. Konsumquote + Sparquote = 1 (c + s = 1).
Wie wirkt der Zinssatz auf die Ersparnis?
Mit steigendem Zins nimmt die Ersparnis zu (Si > 0) – höhere Zinsen erhöhen den Anreiz, Konsum in die Zukunft zu verschieben. Dies ist die neoklassische Sparhypothese.
Güternachfrage (Yd)
Yd = Cd + Id + Gd – setzt sich zusammen aus Konsumnachfrage der Haushalte, Investitionsnachfrage der Unternehmen und Staatsnachfrage.
Investitionsnachfrage (Id)
Id = Kd − K – Differenz zwischen gewünschtem (optimalem) und vorhandenem Kapitalstock. Investitionsgüter werden erst in der nächsten Periode produktionswirksam.
Warum gehen Vorleistungen nicht in die aggregierte Produktionsfunktion ein?
Weil Vorleistungen zwar zwischen Unternehmen gehandelt werden, den Unternehmenssektor insgesamt aber nie verlassen. Der Output misst nur die tatsächliche Wertschöpfung durch Arbeit und Kapital.
Lageparameter
Größen, die die Lage einer Kurve im Koordinatensystem bestimmen. Änderungen führen zu einer Verschiebung oder Drehung der Kurve. Bei der Investitionsfunktion sind das z.B. die Investitionsneigung und der vorhandene Kapitalstock
Warum wird der Zins im Unternehmenskalkül als gegeben betrachtet?
Weil Unternehmen unter vollkommener Konkurrenz am Wertpapiermarkt agieren – sie sind Mengenanpasser und können den Zinssatz nicht beeinflussen.
Absolute Einkommenshypothese (Keynes)
Die Konsumgüternachfrage hängt von der absoluten Höhe des verfügbaren Einkommens ab. Kurzfristig sinkt die durchschnittliche Konsumquote mit steigendem Einkommen.
Arbeit (ökonomisch)
Eine auf Entgelt gerichtete Tätigkeit, gemessen in Arbeitsstunden pro Periode. Freizeitbeschäftigung, Hausarbeit und Ehrenamt zählen nicht dazu.
Arbeitsangebot (Ns) vs. Arbeitsnachfrage (Nd)
Arbeitsangebot: Bereitschaft der Haushalte, Arbeitszeit gegen Lohn anzubieten. Arbeitsnachfrage: Bereitschaft der Unternehmen, Arbeitszeit gegen Lohn zu erwerben.
Welche drei Hypothesen gibt es zum Arbeitsangebot?
1. Konstantes Arbeitsangebot: Ns = N̄ (unveränderlich) 2. Nominallohnabhängig: Ns = Ns(W) – steigt mit Nominallohn (beinhaltet Geldillusion) 3. Reallohnabhängig: Ns = Ns(W/P) – steigt mit Reallohn (keine Geldillusion)
Geldillusion
Haushalte orientieren sich nur am Nominallohn und ignorieren Preisänderungen – sie erkennen nicht, dass ihre reale Kaufkraft trotz Lohnerhöhung gleichgeblieben oder gesunken ist. Wird in der Makroökonomik als irrationales Verhalten abgelehnt.
Warum ist das Arbeitsangebot reallohnabhängig und nicht nominallohnabhängig?
Weil rationale Haushalte ihr Verhalten an Realgrößen ausrichten. Nur der Reallohn (W/P) spiegelt die tatsächliche Kaufkraft des Lohneinkommens wider – also die reale Entschädigung für den Freizeitverzicht.
Optimale Arbeitsnachfragebedingung
YN = W/P – Unternehmen fragen genau so viel Arbeit nach, dass die Grenzproduktivität der Arbeit gleich dem Reallohn ist. Dies maximiert den Gewinn.
Warum sinkt die Arbeitsnachfrage bei steigendem Reallohn?
Bei höherem Reallohn müssen Unternehmen für Gewinnmaximierung eine höhere Grenzproduktivität der Arbeit erreichen. Da YNN < 0 (abnehmende Grenzproduktivität), erreichen sie dies nur durch geringeren Arbeitseinsatz.
Was ist die Arbeitsnachfragekurve grafisch?
Sie ist identisch mit der Grenzproduktivitätskurve der Arbeit – da bei Gewinnmaximierung gilt: YN = W/P. Die Kurve verläuft fallend wegen abnehmender Grenzproduktivität (YNN < 0).
Lageparameter der Arbeitsangebotskurve (im W-Ns-Diagramm)
Das Preisniveau P ist Lageparameter. Steigt P bei konstantem Nominallohn W, sinkt der Reallohn → die Arbeitsangebotskurve verschiebt sich nach rechts/unten (geringeres Angebot bei jedem W).
Was ist der Unterschied zwischen einer Bewegung auf der Arbeitsangebotskurve und einer Kurvenverschiebung
Bewegung auf der Kurve: Reallohn ändert sich durch Lohnänderung bei konstantem Preisniveau. Kurvenverschiebung: Preisniveau ändert sich bei konstantem Nominallohn (im W-Ns-Diagramm) – oder die „Neigung" zum Arbeitsangebot ändert sich (z.B. Freizeit wird wichtiger, Bevölkerungsrückgang).
Geld (im Modell)
Bargeld (Münzen und Banknoten) im Umlauf. Erbringt keine Zinsen. Wird von der Zentralbank angeboten.
Wertpapiere (im Modell)
Schriftlich fixierte Versprechen, in Zukunft einen Betrag zu zahlen. Erzeugen eine Kreditbeziehung zwischen Anbieter und Nachfrager. Im Modell: unendliche Laufzeit, fester Ertrag von 1 Geldeinheit pro Periode.
Was ist der Zusammenhang zwischen Wertpapierkurs und Rendite?
Inverses Verhältnis: Je höher der Kurs, desto geringer die Rendite. Wertpapierkurs = 1/i (Kehrwert der Rendite).
Geldangebot (Ms)
Von der Zentralbank als wirtschaftspolitische Größe fest vorgegebene nominale Bargeldmenge: Ms = M̄. Variationen des Geldangebots = Geldpolitik.
Wie hängen Geldangebot und Wertpapierangebot zusammen?
Sie sind gegenläufig: Eine Erhöhung des Geldangebots impliziert eine Verringerung des Wertpapierangebots – die Zentralbank kauft eigene Wertpapiere zurück und bezahlt mit neuem Geld.
Wertpapierangebot (Bs)
Stammt aus zwei Quellen: Staat (BS) zur Finanzierung von Staatsausgaben und Unternehmen (BU) zur Finanzierung des Kapitalstocks. Bs = BS + BU.
Zwei Funktionen des Geldes
Tauschmittel: Geld wird für wirtschaftliche Transaktionen gehalten. Wertaufbewahrungsmittel: Geld überträgt Kaufkraft in die Zukunft.
Transaktionskasse
Geld, das zur Abwicklung wirtschaftlicher Transaktionen gehalten wird. Steigt mit dem Einkommen: Md[Transaktionskasse] = h · Y · P. h = Kassenhaltungskoeffizient.
Spekulationskasse
Geld, das zur Wertaufbewahrung gehalten wird. Sinkt mit steigendem Zins (mi < 0) – bei hohem Zins lohnt sich Wertpapieranlage mehr als Geldhaltung.
Warum hält jemand Geld statt Wertpapiere (Spekulationsmotiv)?
Wenn ein Anleger steigende Zinsen erwartet (ie > i), rechnet er mit Kursverlusten bei Wertpapieren. Er hält lieber Geld, um Verluste zu vermeiden. Je niedriger der heutige Zins, desto mehr Anleger erwarten Zinssteigerungen → höhere Geldnachfrage.
Opportunitätskosten der Geldhaltung
Entgangene Zinserträge, die man durch alternative Wertpapieranlage hätte erzielen können. Da Geldhaltung unverzinst ist, entsprechen die Opportunitätskosten genau dem Wertpapierertrag.
Liquiditätspräferenzfunktion L(Y, i)
Reale Geldnachfrage der Haushalte: Md/P = L(Y, i) mit LY > 0 und Li < 0. Steigendes Einkommen oder steigendes Preisniveau verschiebt die Kurve nach rechts.
Von welchen drei Größen hängt die nominale Geldnachfrage ab?
Realeinkommen Y (positiver Einfluss), Zinssatz i (negativer Einfluss) und Preisniveau P (positiver Einfluss).
Nominales vs. reales Geldangebot
Das nominale Geldangebot M̄ wird von der Zentralbank vorgegeben. Das reale Geldangebot ergibt sich durch Division durch das Preisniveau P: M̄/P. Nur die nominale Geldmenge gilt als politisch gesetzt, nicht das reale Geldangebot.
Warum braucht man keine eigene Hypothese für die Wertpapiernachfrage der Haushalte?
Weil sie sich aus der Budgetbeschränkung der Haushalte ergibt – nachdem Ersparnis und Kassenhaltung (Geldnachfrage) bereits bestimmt wurden, ist der verbleibende Teil automatisch die Wertpapiernachfrage. Sie ist also keine unabhängige Entscheidungsgröße.
Exogene Größen
Größen, die im Modell als vorgegeben betrachtet werden und nicht durch das Modell selbst erklärt werden. Beispiele: Staatsausgaben G, Steuern T, Geldmenge M.
Endogene Größen
Größen, die durch das Modell selbst erklärt werden – ihre Werte ergeben sich aus der Modellanalyse. Änderungen sind auf Änderungen der Modellparameter zurückzuführen.
Was besagt das Walras-Gesetz?
Wenn auf n−1 Märkten Angebot und Nachfrage ausgeglichen sind, muss auch auf dem n-ten Markt Gleichgewicht herrschen. → In unserem Modell mit 4 Märkten reicht es, 3 Märkte zu analysieren. Der Wertpapiermarkt wird weggelassen.
Welche drei Märkte werden im makroökonomischen Grundmodell analysiert?
Gütermarkt, Geldmarkt und Arbeitsmarkt. Der Wertpapiermarkt wird wegen des Walras-Gesetzes weggelassen.
Marktgleichgewicht (zwei Definitionen)
1. Zustand ohne immanente Änderungstendenzen – Beharrungsvermögen solange Modellstruktur und Parameter gleich bleiben. 2. Zustand, in dem Angebot = Nachfrage – Pläne von Anbietern und Nachfragern stimmen überein.
Partial- vs. Totalanalyse
Partialanalyse: Betrachtung einzelner Märkte isoliert. Totalanalyse: simultane Betrachtung aller Märkte des Marktsystems zugleich.
In welchen 3 Schritten wird das makroökonomische Grundmodell aufgebaut?
1. Gütermarkt isoliert → IS-Kurve (Zusammenhang Y und Zinssatz i)2. Güter- + Geldmarkt → LM-Kurve + IS-LM-Gleichgewicht → AD-Kurve 3.Alle drei Märkte → AS-Kurve + makroökonomisches Gesamtgleichgewicht (Y, i, P, W)
Was sind die vier Gleichgewichtsgrößen des makroökonomischen Gesamtmodells?
Volkseinkommen Y, Zinssatz i, Preisniveau P und Lohnsatz W.
Funktionswerte
Von endogenen Größen zu unterscheidende Größen, die als Funktionswerte definiert sind und sich automatisch durch andere Größen ergeben. Beispiele: C(.), S(.), I(.), L(.) – sie ergeben sich aus dem Modell, aber nur in abgeleiteter Form.
Gesamt-Budgetbeschränkung (Walras)
P·(Id + G̅ + Cd − Ys) + W·(Nd − Ns) + [(Md − M−1) − (M̄ − M−1)] + 1/i·[(Bd − B−1) − (BSs − BS,−1) − (BUs − BU,−1)] = 0. Die vier Klammern stehen für die Überschussnachfrage auf den vier Märkten: Gütermarkt, Arbeitsmarkt, Geldmarkt, Wertpapiermarkt. Die Summe aller Überschussnachfragen ist immer Null.
Budgetbeschränkung Staat
P·G̅ + i·(BS,−1/i) = P·T̄ + (M̄ − M−1) + (BSs − BS,−1)/i Staatsausgaben + Zinszahlungen = Steuereinnahmen + Geldmengenerhöhung + neue Wertpapiere
Budgetbeschränkung Unternehmen
·Q + W·Nd + P·Id + i·(BU,−1/i) = P·Ys + (BUs − BU,−1)/i. Gewinne + Lohnkosten + Investitionen + Zinszahlungen = Erlöse + neue Wertpapiere
Budgetbeschränkung Haushalte
P·Cd + P·T̄ + (Md − M−1) + (Bd − B−1)/i = W·Ns + P·Q + i·(B−1 · 1/i). Konsumausgaben + Steuern + Geldkauf + Wertpapierkauf = Lohneinkommen + Gewinne + Zinseinkünfte
Gütermarktgleichgewicht (Grundform)
Ys = Yd → Y = Cd + Id + Gd Güterangebot = Güternachfrage (Konsum + Investitionen + Staatsnachfrage)
Gütermarktgleichgewicht (Spar-Invest-Form)
S(Y−T̄) = I(i) + Ḡ − T̄ mit 0 < SY−T̄ < 1, Ii < 0 Ersparnis = Investitionen + Staatsdefizit. Grundlage der IS-Kurve.
IS-Kurve
Zeigt alle Kombinationen von Zins (i) und Einkommen (Y), bei denen der Gütermarkt im Gleichgewicht ist (I = S). Verläuft fallend im Y-i-Diagramm.
Steigung der IS-Kurve
di/dY|IS = SY−T̄ / Ii < 0. Negativ, weil SY−T̄ > 0 und Ii < 0. → IS-Kurve fällt von links oben nach rechts unten.
Was passiert oberhalb/unterhalb der IS-Kurve?
Oberhalb: Überschussangebot am Gütermarkt (S > I + Ḡ − T̄). Unterhalb: Überschussnachfrage am Gütermarkt (S < I + Ḡ − T̄).
Wie verschieben Fiskalpolitik und Neigungen die IS-Kurve?
Rechtsverschiebung: Staatsausgaben↑, Steuern↓, höhere Investitionsneigung, geringere Sparneigung. Linksverschiebung: Staatsausgaben↓, Steuern↑, niedrigere Investitionsneigung, höhere Sparneigung.
Geldmarktgleichgewicht
M̄/P = L(Y, i) mit LY > 0, Li < 0 Reales Geldangebot = reale Geldnachfrage (Liquiditätspräferenzfunktion). Grundlage der LM-Kurve.
LM-Kurve
Zeigt alle Kombinationen von Zins (i) und Einkommen (Y), bei denen der Geldmarkt im Gleichgewicht ist (L = M). Verläuft steigend im Y-i-Diagramm.
Steigung der LM-Kurve
di/dY|LM = −LY/Li > 0. Positiv, weil LY > 0 und Li < 0. → LM-Kurve steigt von links unten nach rechts oben.
Was passiert oberhalb/unterhalb der LM-Kurve?
Oberhalb: Überschussangebot am Geldmarkt (Geldnachfrage zu gering). Unterhalb: Überschussnachfrage am Geldmarkt (Geldnachfrage zu hoch).
Wie verschieben Geldmenge und Preisniveau die LM-Kurve?
Geldmenge↑: LM-Kurve verschiebt sich nach rechts/unten. Preisniveau↑: LM-Kurve verschiebt sich nach links/oben. Liquiditätspräferenz↑: LM-Kurve verschiebt sich nach links/oben.
IS-LM-Gleichgewicht
Der Schnittpunkt von IS- und LM-Kurve (i*, Y*) – die einzige Kombination, bei der Güter- und Geldmarkt gleichzeitig im Gleichgewicht sind. Gilt nur bei festem Preisniveau.
Wie wirken die drei wichtigsten exogenen Impulse im IS-LM-Modell?
Staatsausgaben↑: IS nach rechts → Y↑, i↑. Steuern↑: IS nach links → Y↓, i↓. Geldmenge↑: LM nach rechts → Y↑, i↓.
AD-Kurve (Aggregierte Nachfrage)
Zeigt alle Kombinationen von Preisniveau (P) und Einkommen (Y), bei denen Güter- und Geldmarkt gleichzeitig im Gleichgewicht sind. Verläuft fallend im Y-P-Diagramm. Abgeleitet aus IS-LM durch Variation des Preisniveaus.
Steigung der AD-Kurve
dP/dY|AD = −P·(LY·Ii + Li·SY−T̄) / (L·Ii) < 0 Negativ → fallende AD-Kurve: niedrigeres Preisniveau → höheres Gleichgewichtseinkommen.
Was verschiebt die AD-Kurve nach rechts?
IS-verschiebende Impulse: Staatsausgaben↑, Steuern↓, höhere Investitionsneigung, geringere Sparneigung. LM-verschiebende Impulse: nominales Geldangebot↑, abnehmende Liquiditätspräferenz. Preisniveauänderungen verschieben die AD-Kurve NICHT – sie führen zu Bewegungen auf der Kurve.
Quantitätstheorie / Fishersche Verkehrsgleichung
M · v = P · Y. Geldmenge × Umlaufgeschwindigkeit = Preisniveau × reales Sozialprodukt. Bei konstanter Umlaufgeschwindigkeit führt eine Geldmengenerhöhung proportional zu einem höheren Preisniveau.
Cambridge-Gleichung
Md = h · P · Y mit h = 1/v Geldnachfrage = Kassenhaltungskoeffizient × nominales Einkommen. Neoklassische Sichtweise: Geld wird nur als Transaktionsmittel gehalten, kein Zinseinfluss.
Arbeitsmarktgleichgewicht (neoklassisch)
Ns(W/P) = Nd(W/P) mit NWs/P > 0, NWd/P < 0 Arbeitsangebot = Arbeitsnachfrage. Nur ein einziger Gleichgewichts-Reallohn (W/P)* möglich.
Neoklassischer Arbeitsmarkt
Nominallohn reagiert sofort proportional auf Preisniveauänderungen (Lohn-Preis-Elastizität = 1). Der Reallohn bleibt dadurch unverändert → immer Vollbeschäftigung. Formel: W = W(P) mit ε(W,P) = 1
Keynesianischer Nominallohn
Im keynesianischen Modell ist der Nominallohn exogen und träge (rigide). Er wird als feste Größe behandelt: W = W̄ Begründung: Tarifverträge, Informationsmängel usw. verhindern flexible Anpassung.
Unterbeschäftigungsgleichgewicht
Zustand, bei dem Ns > Nd – es gibt unfreiwillige Arbeitslosigkeit. Kein Gleichgewicht im Sinne von Angebot = Nachfrage, aber ein Gleichgewicht im Sinne von Beharrungsvermögen (keine immanenten Änderungstendenzen). Formel: N = min(Ns, Nd)
Keynesianisches Arbeitsmarktgleichgewicht
W̄ = P · YN(N, K̄) mit YNN < 0, YNK̄ > 0 Optimale Arbeitsnachfrage: Nominallohn = Preisniveau × Grenzproduktivität der Arbeit. Beschäftigung wird durch Arbeitsnachfrage bestimmt.
AS-Kurve (Aggregiertes Angebot)
Zeigt alle Kombinationen von Preisniveau (P) und Output (Y), die mit dem Gewinnmaximierungskalkül der Unternehmen vereinbar sind. Verläuft steigend im Y-P-Diagramm. Höheres Preisniveau → niedrigerer Reallohn → mehr Arbeitsnachfrage → mehr Output.
Steigung der AS-Kurve
dP/dY|AS = −P · YNN / YN² > 0 Positiv, weil YNN < 0. → AS-Kurve steigt von links unten nach rechts oben.
Was sind die Lageparameter der AS-Kurve und wie wirken sie?
Nominallohn W̄↑: AS-Kurve verschiebt sich nach links/oben (weniger Produktion bei jedem Preisniveau). /. Kapitalstock K̄↑: AS-Kurve verschiebt sich nach rechts/unten (mehr Produktion bei jedem Preisniveau).
Das makroökonomische Grundmodell (4 Gleichungen)
(1) S(Y−T̄) = I(i) + Ḡ − T̄ → Gütermarkt (2) M̄ = P · L(Y,i) → Geldmarkt (3) Y = Y(N, K̄) → Produktionsfunktion (4) W̄ = P · YN(N, K̄) → Arbeitsmarkt
Welche exogenen und endogenen Größen hat das keynesianische Grundmodell?
Exogen (5): Staatsausgaben Ḡ, Steuern T̄, Geldangebot M̄, Kapitalstock K̄, Nominallohn W̄. / Endogen (4): Einkommen Y, Beschäftigung N, Preisniveau P, Zinssatz i.
Gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht
Simultanes Gleichgewicht auf allen drei Märkten: Gütermarkt (IS), Geldmarkt (LM) und Arbeitsmarkt. Gleichgewichtswerte: Y*, N*, P*, i*. Im keynesianischen Modell kann dabei N* < N̄s gelten (Unterbeschäftigung).
Was sind die 4 Merkmale des klassisch-neoklassischen Modells?
1 Vollkommen flexible Preise (vollkommene Konkurrenz) 2 Stabiles Gleichgewicht durch „invisible hand" 3 Vollbeschäftigung – keine unfreiwillige Arbeitslosigkeit 4 Keine Notwendigkeit aktiver Wirtschaftspolitik
Klassisch-neoklassisches Modell (5 Gleichungen)
1) S(i) = I(i) + G − T → Gütermarkt (Ersparnis zinsabhängig!) (2) M̄ = P · L(Y) → Geldmarkt (keine Zinsabhängigkeit der Geldnachfrage!). (3) Ns(W/P) = Nd(W/P) → Arbeitsmarkt (4) Y = Y(N, K̄) → Produktionsfunktion (5) N = Nd(W/P) → Beschäftigung
Klassische Dichotomie
Im neoklassischen Modell sind realer und monetärer Sektor voneinander getrennt. Geldpolitik ändert nur das Preisniveau, nicht den Output → Geld ist „neutral". Die AS-Kurve verläuft senkrecht (Vollbeschäftigungsniveau fest).
Rationierung (Arbeitsmarkt)
Haushalte können ihr geplantes Arbeitsangebot nicht realisieren, weil die Arbeitsnachfrage geringer ist. Rational reagieren sie, indem sie ihr tatsächliches Arbeitsangebot auf die nachgefragte Menge anpassen → Überschussnachfrage am Wertpapiermarkt löst sich dadurch auf.
Was ist der Unterschied zwischen keynesianischem und neoklassischem Arbeitsmarkt bei einer Preissenkung?
Neoklassisch: Nominallohn sinkt proportional → Reallohn bleibt gleich → Vollbeschäftigung bleibt erhalten. / Keynesianisch: Nominallohn ist starr → Reallohn steigt → Unternehmen fragen weniger Arbeit nach → Unterbeschäftigung entsteht.
Wie unterscheiden sich keynesianische und neoklassische AS-Kurve?
Keynesianisch: AS-Kurve verläuft steigend – höheres Preisniveau führt zu mehr Output (wegen Nominallohnrigidität). / Neoklassisch: AS-Kurve verläuft senkrecht – Output ist unabhängig vom Preisniveau, da immer Vollbeschäftigung herrscht (klassische Dichotomie).
Statische Analyse
Ermittlung der Gleichgewichtswerte der endogenen Variablen, die alle Strukturgleichungen des Modells gleichzeitig erfüllen. Notwendige Bedingung: Anzahl unabhängiger Gleichungen = Anzahl endogener Variablen.
Reduzierte Form
Gleichungen, in denen jede endogene Variable nur noch als Funktion der exogenen Variablen ausgedrückt wird. Beispiel: Y* = Y*(Ḡ, T̄, M̄, W̄, K̄)
Komparativ-statische Analyse
Vergleich zweier statischer Gleichgewichtszustände – vorher und nachher – bei ceteris paribus Änderung einer exogenen Variable. Fragt nach Richtung (qualitativ) und Stärke (quantitativ) der Wirkung.
Multiplikator
Partielle Ableitung einer endogenen Größe nach einer exogenen Größe aus der reduzierten Form. Gibt Richtung und Stärke des Wirkungszusammenhangs an. Beispiel: dY/dḠ = Multiplikator der Staatsausgaben bezüglich des Einkommens.
Was sind die 4 Wirkungen einer Staatsausgabenerhöhung im Grundmodell?
Einkommen Y↑, Zinssatz i↑, Beschäftigung N↑, Preisniveau P↑. Begründung: IS → rechts → AD → rechts → P↑ → LM → links → i↑ → Investitionen↓ (dämpfend, aber nicht vollständig).
Dynamische Analyse
Untersucht die zeitliche Entwicklung endogener Variablen im Anpassungsprozess. Arbeitet mit Differenzialgleichungen (Ẏ = dY/dt). Geht über das statische Grundmodell hinaus.
Stabilitätsannahme
Annahme, dass bei Ungleichgewichten oder exogenen Störungen Anpassungsprozesse in Gang kommen, die das System wieder ins Gleichgewicht führen.
Was ist der Unterschied zwischen lokaler und globaler Stabilität?
Lokale Stabilität: System findet bei kleinen Störungen zum Gleichgewicht zurück. Globale Stabilität: System findet auch bei großen Störungen immer zum Gleichgewicht zurück.
Rigidität
Phänomen, dass Marktpreise (Güterpreise, Löhne, Zinsen) nicht vollständig flexibel, sondern in gewissem Maße unbeweglich sind. Begründung: Tarifverträge, Informationsmängel, Koordinationsprobleme.
Tâtonnement-Prozess
Preisfindungsprozess durch schrittweises „Herantasten" an den Gleichgewichtspreis. Im Modell durch einen hypothetischen Auktionator dargestellt, der Angebots- und Nachfragepläne kennt und den Gleichgewichtspreis festlegt.
Was sind die Anforderungen an den hypothetischen Auktionator?
1. Vollkommene Information über alle Angebots- und Nachfragepläne. 2. Keine Preisbindungen – vollständige Flexibilität bei der Preissetzung. => Beide Bedingungen sind in der Realität nicht erfüllt → Rigiditäten entstehen.
Wie unterscheiden sich Neoklassik und Keynesianismus bezüglich Rigiditäten und Zeithorizont?
Neoklassik (lange Frist): Preise vollständig flexibel, keine Rigiditäten, immer Vollbeschäftigung, Markträumung gesichert. Keynesianismus (kurze Frist): Rigiditäten möglich, reale Mengen tragen Anpassungslast, Markträumung nicht gesichert, Unterbeschäftigung möglich.
Warum sind Lohnrigiditäten nach Keynes dauerhaft?
Koordinationsproblem: Jede einzelne Gewerkschaft scheut vor Lohnsenkungen zurück, da sie befürchtet, als einzige den Schritt zu unternehmen und die relative Position ihrer Mitglieder zu verschlechtern – obwohl allgemeine Lohnsenkungen vorteilhaft wären.
Multiplikatoren der Staatsausgaben (Grundmodell)
dN/dḠ = LY·YN / Nenner. ! dY/dḠ = Li·YN² / Nenner ! di/dḠ = (L·YNN − LY·YN²) / Nenner ! dP/dḠ = −P·Li·YNN / Nenner ! Alle positiv → Staatsausgabenerhöhung erhöht Y, N, i und P.
Wie berechnet man Multiplikatoren aus den Strukturgleichungen?
1. Strukturgleichungen total differenzieren, alle anderen exogenen Änderungen = 0 2.Gleichungssystem reduzieren durch Einsetzen 3. In Matrixform Ax = z schreiben 4. Determinante berechnen (Sarrus-Regel) 5.Cramersche Regel anwenden: dx = detx / det
Was sagt der Nenner eines Multiplikators aus?
Er enthält alle Verhaltensweisen und technologischen Zusammenhänge, die die Stärke des Effekts bestimmen. Beispiel: Je höher die marginale Sparneigung SY−T̄, desto größer der Nenner → desto kleiner der einkommenserhöhende Effekt einer Staatsausgabenerhöhung.
Staatsausgabenmultiplikator (Einkommen)
dY/dḠ = Li·YN² / [(SY−T̄·Li + Ii·LY)·YN² − Ii·L·YNN] > 0 Positiv → Staatsausgabenerhöhung erhöht das Einkommen. Je höher SY−T̄, desto schwächer der Effekt.
Steuermultiplikator (Einkommen)
dY/dT̄ = (SY−T̄ − 1)·Li·YN² / [(SY−T̄·Li + Ii·LY)·YN² − Ii·L·YNN] < 0 Negativ → Steuererhöhung senkt Einkommen. Steuersenkung erhöht Einkommen. Betragsmäßig kleiner als Staatsausgabenmultiplikator, weil Teil des Einkommens gespart wird.
Warum ist der Steuermultiplikator kleiner als der Staatsausgabenmultiplikator?
Weil Steuersenkungen das verfügbare Einkommen erhöhen, aber nur ein Teil davon konsumiert wird (0 < CY−T̄ < 1). Der Rest wird gespart. Bei Staatsausgaben geht der volle Betrag direkt in die Nachfrage.
Was sind die Wirkungen einer Steuersenkung im keynesianischen Modell?
Verfügbares Einkommen↑ → Konsumnachfrage↑ → Gesamtnachfrage↑ → IS rechts → AD rechts → P↑ → LM links → i↑ → Investitionen↓ (dämpfend). Ergebnis: Y↑, i↑, P↑, N↑
Geldmengenmultiplikator (Einkommen)
dY/dM̄ = Ii·YN² / P·[(SY−T̄·Li + Ii·LY)·YN² − Ii·L·YNN] > 0 Positiv → Geldmengenerhöhung erhöht das Einkommen (expansive Geldpolitik).
Was sind die Wirkungen einer Geldmengenerhöhung (Keynes-Effekt)?
M̄↑ → Wertpapierkurse↑ → i↓ → Investitionen↑ → Gesamtnachfrage↑ → P↑ → reales Geldangebot M̄/P↓ → LM zurück. Ergebnis: Y↑, i↓, P↑, N↑.
Was sind die Wirkungen von Geld- und Fiskalpolitik im klassisch-neoklassischen Modell?
Geldpolitik: Nur Preisniveau ändert sich proportional, keine realen Effekte (Geld ist neutral). / Fiskalpolitik: Nur Zinssatz steigt, kein Einkommenseffekt → vollständiges Crowding-Out.
Geldpolitik im neoklassischen Modell
dP/dM̄ = P/M̄ Preisniveau verändert sich proportional zur Geldmengenvariation. Y, N, i und W/P bleiben unverändert.
Fiskalpolitik im neoklassischen Modell (Zinsmultiplikator)
di/dḠ = 1/(Si − Ii) > 0 Staatsausgabenerhöhung erhöht nur den Zinssatz. Si > 0 und Ii < 0, daher Nenner positiv.
Crowding-Out-Effekt
Verdrängung privater Nachfrage durch staatliche Nachfrage. Im neoklassischen Modell vollständig: Staatsausgaben↑ → i↑ → Investitionen↓ und Konsum↓ im gleichen Ausmaß → Gesamtnachfrage unverändert.
Investitionsfalle
Investitionsnachfrage vollkommen zinsunelastisch (Ii = 0). IS-Kurve verläuft senkrecht. Folgen: Fiskalpolitik besonders wirksam (kein Crowding-Out). Geldpolitik wirkungslos (Multiplikator = 0, da Ii im Zähler steht).
Liquiditätsfalle
Geldnachfrage unendlich zinselastisch (Li = −∞). LM-Kurve verläuft waagerecht. Folgen: Fiskalpolitik besonders wirksam (keine Zinsänderung dämpft den Effekt). Geldpolitik wirkungslos (Nenner des Multiplikators → ∞, Multiplikator → 0).
Wie erklärt man die Liquiditätsfalle ökonomisch?
Bei sehr niedrigem Zinsniveau erwarten alle Anleger Zinssteigerungen → erwartete Kursverluste bei Wertpapieren → niemand hält Wertpapiere → alle halten Geld. Zusätzliches Geld der Zentralbank wird vollständig als Kassenhaltung aufgenommen – fällt in die „Falle".
Drei Bereiche der LM-Kurve
Keynesianischer Bereich (niedrige i): waagerecht → Liquiditätsfalle, Li = −∞. Normalbereich: positiv steigend → LY > 0, Li < 0 endlich. Klassischer Bereich (hohe i): senkrecht → Li = 0, nur Transaktionskasse, keine Spekulationskasse.
Wann ist Fiskalpolitik besonders wirksam, wann Geldpolitik?
Fiskalpolitik besonders wirksam: In der Liquiditätsfalle (LM waagerecht) und bei Investitionsfalle (IS senkrecht). Geldpolitik besonders wirksam: Im klassischen Bereich (LM senkrecht, Li = 0). Geldpolitik wirkungslos: In der Liquiditätsfalle und bei der Investitionsfalle.
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