Antimikrobielle Wirkstoffe
Antibiotika: Bakterien
Antimykotika: Pilze
Antivirale Mittel: Viren
Antiparasitika: Parasiten
Antiseptika (Desinfektionsmittel): breites Spektrum
Wirkmechanismen von Antibiotika
Zellwandsynthesehemmung z.B. Penicilline, Cephalosporine
Proteinsynthesehemmung z.B. Makrolide, Tetracycline
DNA-/RNA-Synthesehemmung z.B. Chinolone, Rifampicin
Folsäurestoffwechselhemmung z.B. Sulfonamide
Störung der Zellmembran z.B. Polymyxine
Vergleich gram-positive und gram-negative Bakterien
gram positiv:
zweischichtige Zellwand, bis zu 80nm
mehrschichtige Mureinhülle
äußere Schicht aus Ribitol- oder Glycerol-Phosphat-Polymeren, stark polar und überwiegend anionisch
gute Permeation der Zellwand
gram negativ:
mehrschichtige Zellwand, 10-20nm
meist nur eine Mureinschicht
äußere Membran enthält Lipopolysaccharide
schlechte Permeabilität durch Lipiddoppelschicht
Stoffaustausch über Porine
Teichonsäure nicht vorhanden
Mögliche Angriffspunkte der Antibiotikaklassen
Grundstruktur ß-Lactam-Antibiotika
Penicilline Struktur
Penam-Grundgerüst: aus Azetidin-2-on und Thiazolidin
hohe Baeyer-Spannung durch 90 Grad Bindungswinkel und hohe Reaktivität durch elektrophiles Carbonyl-C
Penicilline Wirkung
irreversible Hemmung der Zellwandsynthese —> Bakterizide Wirkung
Suizid-Substrate für Transpeptidasen (verantwortlich für Quervernetzung des Mureins) —> fungiert als Peptidomimetikum für die Dialanyl-Peptideinheit
kovalente, kompetitive, irrevesible Hemmung der Transpeptidase
Struktur des Mureins
Peptidoglycan:
Polysaccharidkette aus N-Acetyl-D-glucosamin (NAG), N-Acetylmureinsäure (NAM) und D-Milchsäure
NAM und NAG leiten sich von Glucose ab
1ß-4 glycosidische Verknüpfung
durch Quervernetzung bildet sich flächiges Netz was die Bakterienzelle umgibt
Penicilline Reaktivität
Acylierungsmittel
hohe Ringspannung —> instabil
hohe Elektrophilie der Carbonylfunktion durch gewinkelte Konformation des Bizyklus —> erzwungene sp3-Hybridisierung, das freie Elektronenpaar des N kann nicht in Konjugation zur Carbonylfunktion treten —> fehlende Resonanzstabilisierung
Penicillin Resistenz
ß-Lactam acyliert das Serin im aktiven Zentrum der Transpeptidase (Ser-OH Gruppe)
Bildung inaktivierender Enzyme: ß-Lactamasen
ß-Lactamase werden ebenfalls acyliert können jedoch hydrolytisch abgespalten werden und das vormals ß-Lactam liegt als inaktive Penicillosäure vor
Penicillin Allergie
Toxizität gering da Humanorganismen keine Transpeptidase besitzen
Hauptproblem bei Allergie: Konjugation mit Körpereigenenproteinen
Penicilloyl-Protein-Konjugat (Lysin-NH2 als Nucleophil)
Struktur-Wirkbeziehung
pharmazeutisch-chemische Herausfoderungen bei Penicillinen
Säurelabilität —> Modifikation der Acylseitenkette
limitierte Wasserlöslichkeit —> bessere Löslichkeit als Salze
limitierte Resorption —> Prodrugs
limitierte Wirkdauer —> durch Benzathin in schwerlösliches Salz überführt
Limitiertes Wirkspektrum —> Einführung einer Aminogruppe am Acyl-Rest
Resisztenzentwicklung —> ß-Lactamase-Blocker, Abschirmung des ß-Lactamrings durch sterisch aufwändigen Acylrest
Benzylpenicillin (Penicillin G)
oral nicht bioverfügbar (säurelabil)
gute Gewebepermeabilität —> Behandlung von Streptokokken-Infektion der Haut
wirksam primär gegen gram-positive Bakterien
variable Säure: Phenylessigsäure
Phenoxymethylpenicillin (Penicillin V)
gute orale Bioverfügbarkeit: Elektronegativer Sauerstoff am alpha-C-Atom der Acyl-Seitenkette —> Stabilität im magensauren Umfeld
primär wirksam gegen gram-positive Bakterien
ß-Lactamase empfindlich
variable Säure: Phenoxyessigsäure
Aminopenicilline (Ampicillin & Amoxicillin)
oral wirksam, da säurestabil: Aminogruppe an alpha-C_Atom der Acyl-Seitenkette
zwitterionisch —> bessere Wirksamkeit gegen gramnegative Bakterien, ungünstig für Bioverfügbarkeit
Problem: Oligomerisierung —> Selbstacylierung in intermolekularen Reaktion
Ureidopenicilline (Piperacillin)
Harnstoffgruppe an alpha-C-Atom der Acylseitenkette
nicht säurestabil —> parenterale Verabreichung
Amidinopenicilline (Mecillinam)
anderer Angriffspunkt : Penicillin-Bindeprotein-2 (auch bei Zellwandsynthese)
peroral schlecht resorbiert —> Pivmecillinam (Einschleuß-Ester)
hochwirksam gegen gram-negative Bakterien z.B. Salmonellen, Typhus
Isoaxyl-Penicilline (Flucloxacillin)
Vorteile:
Penicillinase-resistent (durch sterische Abschirmung)
peroral applizierbar
Nachteil:
Zugang zur Transpeptidase erschwert (durch Abschirmung) —> geringere Wirkstärke
Umgehung der Penicillin-Inaktivierung
Modifikation der Penicilline durch raumfüllende Gruppen am ß-Lactamring
Kombination mit ß-Lactamase Inhibitor
z.B. Clavulansäure, Sulbactam und Tazobactam
beta-Lactam-Teilstruktur inaktiviert einige ß-Lactamasen durch irreversible Acylierung
—> besseres Spektrum, weniger Resistenz, höhere Wirksamkeit gegen gemischte Keime
Zuletzt geändertvor 19 Tagen