Nenne die 4 Phasen des Konjunkturzyklus in der richtigen Reihenfolge.
1. Aufschwung: BIP wächst, Nachfrage steigt, Investitionen steigen
2. Hochkonjunktur: Vollbeschäftigung, Überhitzungsgefahr, Inflation
3. Abschwung: Wachstum verlangsamt sich, Aufträge sinken
4. Rezession: 2 Quartale neg. BIP-Wachstum, Massenarbeitslosigkeit
Wann spricht man technisch von einer Rezession?
Zwei aufeinanderfolgende Quartale mit negativem BIP-Wachstum.
Folgen: Massenarbeitslosigkeit, Deflationsgefahr, steigende Insolvenzen, sinkende Steuereinnahmen.
Nenne je 2 Konjunkturindikatoren für Aufschwung und Rezession.
Aufschwung: BIP steigt ↑ / Arbeitslosenquote sinkt ↓ / ifo-Index steigt / Auftragseingang steigt
Rezession: BIP sinkt ↓ / Arbeitslosenquote steigt ↑ / Verbrauchervertrauen sinkt / Kapazitätsauslastung sinkt
Was ist eine kreislauftheoretische Überlegung? Beispiel!
Zeigt kleinschrittig wie eine wirtschaftspol. Maßnahme durch die VWL wirkt.
Beispiel Steuersenkung: Steuern↓ → Einkommen↑ → Konsum↑ → Produktion↑ → Beschäftigung↑ → BIP↑ (Multiplikator)
Wichtig: JEDEN Schritt einzeln erklären!
Welche Gefahr besteht in der Hochkonjunktur für das Magische Viereck?
Inflationsgefahr! Nachfrage > Angebot → Unternehmen erhöhen Preise → Inflation steigt.
Zielkonflikt: Vollbeschäftigung vs. Preisstabilität = konkurrierend! (Phillipskurve)
Nenne die 4 Hauptziele des Magischen Vierecks (§ 1 StWG (Stabilitätsgesetz)).
1. Vollbeschäftigung (AL-Quote < 2–3%)
2. Preisniveaustabilität (Inflation < 2%)
3. Stetiges Wirtschaftswachstum (ca. 2–3% BIP p.a.)
4. Außenwirtschaftliches Gleichgewicht (ausgeglichene Leistungsbilanz)
Nenne die 2 weiteren (ergänzenden) Ziele über das Magische Viereck hinaus.
5. Gerechte Einkommens- und Vermögensverteilung (Umverteilung durch Steuern)
6. Umweltschutz / Nachhaltigkeit (Ressourcenschonung, Klimaschutz)
Seit den 1990er Jahren als ergänzende Ziele diskutiert.
Was bedeutet 'komplementär' bei der Vereinbarkeit? Beispiel!
Komplementär = beide Ziele gleichzeitig erreichbar, verstärken sich gegenseitig.
Beispiel: Wirtschaftswachstum + Vollbeschäftigung:
Wachstum schafft Arbeitsplätze → beide Ziele werden gleichzeitig besser.
Was bedeutet 'konkurrierend' bei der Vereinbarkeit? 2 Beispiele!
Konkurrierend = ein Ziel nur auf Kosten des anderen (Trade-off!).
Beispiel 1: Vollbeschäftigung vs. Preisstabilität → Phillipskurve: hohe Beschäftigung → Lohndruck → Inflation
Beispiel 2: Wirtschaftswachstum vs. Umweltschutz → mehr Produktion = mehr CO₂
Was bedeutet 'neutral' bei der Vereinbarkeit? Beispiel!
Neutral = Ziele weitgehend unabhängig, beeinflussen sich kaum.
Beispiel: Preisstabilität + gerechte Einkommensverteilung
→ Preisniveau hat wenig direkten Einfluss auf Verteilung.
Erkläre den Zielkonflikt Vollbeschäftigung vs. Preisstabilität (Phillipskurve).
Phillipskurve: Je niedriger die Arbeitslosigkeit, desto höher die Inflation.
Mechanismus: Vollbeschäftigung → Arbeitskräftemangel → Gewerkschaften fordern höhere Löhne → Lohnkosten↑ → Preise↑ → Inflation
→ Konkurrierendes Verhältnis!
Nenne 3 Gründe, warum stetiges Wirtschaftswachstum notwendig ist.
1. Finanzierung von Sozialleistungen (Rente, GKV, ALG)
2. Steuereinnahmen steigen → Handlungsspielraum des Staates wächst
3. Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Forschung möglich
4. Lebensstandard der Bevölkerung steigt
5. Schuldentragfähigkeit verbessert sich
Nenne 3 Gründe, warum ein hoher Beschäftigungsstand notwendig ist.
1. Sozialer Frieden: Arbeit gibt Würde und gesellschaftliche Teilhabe
2. Kaufkraft stabil → Binnennachfrage bleibt hoch
3. Steuereinnahmen steigen, Sozialausgaben (ALG) sinken
4. Demokratische Stabilität (hohe AL-Quote fördert Extremismus)
Was ist die Grundidee der nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik (Keynes)?
Märkte regulieren sich NICHT von selbst. Staat muss in Schwächephasen aktiv die Gesamtnachfrage stützen.
Instrument: Deficit Spending (kreditfinanzierte Staatsausgaben)
Zeithorizont: kurzfristig / antizyklisch
Erkläre die Wirkungskette der nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik (KLEINSCHRITTIG).
Staatsausgaben↑ / Steuern↓
→ Verfügbares Einkommen↑
→ Konsumnachfrage↑
→ Unternehmen produzieren mehr
→ Beschäftigung steigt
→ Einkommen steigt weiter (Multiplikator)
→ Gesamtnachfrage↑
→ BIP wächst, Steuereinnahmen steigen
Was ist die Grundidee der angebotsorientierten Wirtschaftspolitik (Friedman/Say)?
Say'sches Theorem: 'Jedes Angebot schafft sich seine eigene Nachfrage.'
Märkte regulieren sich selbst.
Staat soll: Steuern senken, Märkte deregulieren, Privatisieren, Rahmenbedingungen schaffen.
Zeithorizont: mittel- bis langfristig
Erkläre die Wirkungskette der angebotsorientierten Wirtschaftspolitik (KLEINSCHRITTIG).
Unternehmenssteuern↓ / Deregulierung
→ Investitionsanreize steigen
→ Produktionskapazitäten↑
→ Wettbewerbsfähigkeit↑
→ Exporte steigen, Preise sinken
→ Einkommen steigt → Konsum folgt (Say)
→ Langfristiges Wirtschaftswachstum
Was ist der Multiplikatoreffekt?
1 € Staatsausgabe erzeugt mehr als 1 € Nachfragewirkung.
Mechanismus: Staat gibt 100€ aus → Empfänger gibt 80€ davon aus → Nächster gibt 64€ aus → …
Ein einmaliger Impuls verstärkt sich durch den Kreislaufeffekt.
Was ist Deficit Spending? Von wem stammt das Konzept?
Deficit Spending (Keynes): Staat gibt bewusst mehr aus als er einnimmt, finanziert Differenz durch Kredite.
Ziel: Konjunktur in Rezessionen stimulieren.
Problem: Schulden werden in Boomzeiten selten zurückgezahlt → strukturelle Staatsverschuldung.
Was sind die Hauptprobleme langfristiger Staatsverschuldung?
1. Zinslast steigt → Handlungsspielraum des Staates sinkt
2. Generationenungerechtigkeit: Schulden belasten künftige Generationen
3. Crowding-out: staatliche Kreditnachfrage verdrängt private Investitionen
4. Weniger fiskalischer Spielraum in künftigen Krisen
Was regelt die Schuldenbremse? Welcher Artikel des GG?
Art. 109 III GG (seit 2009).
Bund: Strukturelles Defizit max. 0,35% des BIP.
Länder: Grundsätzlich keine strukturelle Neuverschuldung (ab 2020).
Ausnahme: Naturkatastrophen oder außergewöhnliche Notsituationen (Notlagenklausel).
Nenne je 2 Argumente PRO und CONTRA Schuldenbremse.
PRO: Generationengerechtigkeit / fiskalische Disziplin / Vertrauen der Finanzmärkte → niedrigere Zinsen
CONTRA: Fehlende Investitionen in Infrastruktur/Bildung/Klima / in Krisen zu restriktiv (prozyklisch) / inflexibel
Was sind die größten Einnahmen- und Ausgabenposten des Bundeshaushalts?
Einnahmen: Steuereinnahmen (~75%): Lohnsteuer, MwSt., Körperschaftsteuer
Ausgaben: Sozialausgaben (~35%): Renten, ALG, Sozialhilfe / Zinszahlungen / Bildung & Forschung / Infrastruktur
Was ist Tarifautonomie und durch welchen Artikel ist sie geschützt?
Tarifautonomie = das Recht der Tarifparteien, Arbeitsbedingungen und Löhne eigenverantwortlich ohne staatliche Einmischung auszuhandeln.
Grundlage: Art. 9 III GG (Koalitionsfreiheit)
Wer sind die Tarifparteien? Nenne Beispiele.
Gewerkschaften (Arbeitnehmerseite): IG Metall, ver.di, IG BCE
Arbeitgeberverbände (Arbeitgeberseite): Gesamtmetall, BDA
Beide verhandeln ohne staatliche Einmischung (Tarifautonomie).
Was sind die Arbeitskampfmittel der Tarifparteien?
Gewerkschaft: Streik = Arbeitnehmer legen kollektiv die Arbeit nieder
Arbeitgeber: Aussperrung = Arbeitgeber schließt Arbeitnehmer von der Arbeit aus
Beide Mittel nur während laufender Tarifverhandlungen rechtmäßig.
Erkläre die Wirkungskette der expansiven Lohnpolitik — POSITIV und NEGATIV.
POSITIV: Lohn↑ → Konsum↑ → Binnennachfrage↑ → Beschäftigung↑
NEGATIV: Lohnkosten↑ → Produktionskosten↑ → Preise↑ (Inflation) ODER Stellenabbau → Wettbewerbsfähigkeit↓ → Exporte↓
Fazit: Stärkt Binnennachfrage, gefährdet Preisstabilität und Export.
Erkläre die Wirkungskette der restriktiven Lohnpolitik — POSITIV und NEGATIV.
POSITIV: Lohnkosten↓ → Preise stabil → Wettbewerbsfähigkeit↑ → Exporte↑ → Beschäftigung↑
NEGATIV: Reallohn↓ → Kaufkraft↓ → Binnennachfrage↓ → Konsum sinkt
Fazit: Stärkt Export, gefährdet Binnennachfrage und Kaufkraft.
Nenne die 3 Tarifvertragsarten und erkläre sie kurz.
1. Entgelttarifvertrag: Regelt Löhne und Gehälter
2. Rahmentarifvertrag: Regelt Arbeitsbedingungen (z.B. Urlaub, Arbeitszeit)
3. Manteltarifvertrag: Regelt allgemeine langfristige Arbeitsbedingungen (z.B. Kündigungsfristen)
Nenne die 5 Säulen der Sozialversicherung und die Hauptleistung.
1. Krankenversicherung (GKV): Arztbesuche, Medikamente (~14,6%)
2. Rentenversicherung (GRV): Altersrente (~18,6%)
3. Pflegeversicherung (GPV): Pflegegeld (~3,4%)
4. Unfallversicherung (GUV): Berufsunfälle — NUR AG zahlt! (~1,3%)
5. Arbeitslosenversicherung (ALV): ALG I (~2,6%)
Erkläre das Umlageverfahren und nenne Vor- und Nachteil.
Umlageverfahren (Generationenvertrag): Heutige Beitragszahler finanzieren heutige Rentner direkt. Kein Kapitalstock.
Vorteil: inflationssicher, kein Kapitalmarktrisiko
Nachteil: anfällig für demografischen Wandel → weniger Beitragszahler = Finanzierungslücke
Was unterscheidet Solidaritätsprinzip vom Äquivalenzprinzip?
Solidaritätsprinzip (gesetzl. SV): Beitrag nach Einkommen, Leistung nach Bedarf. Starke helfen Schwachen.
Äquivalenzprinzip (private Versicherungen): Leistung entspricht der eingezahlten Prämie. Jeder zahlt nach eigenem Risiko.
Was ist Moral Hazard bei der Sozialversicherung? Beispiel!
Moral Hazard: Übermäßige Inanspruchnahme von Leistungen, weil Verursacher nicht die vollen Kosten trägt.
Beispiel GKV: Patient geht häufiger zum Arzt als nötig, weil KV zahlt → Gesamtkosten steigen
Beispiel ALV: Weniger Anreiz, schnell neue Arbeit zu suchen.
Wie wirkt der demografische Wandel auf die Sozialversicherung?
Problem: Immer weniger Beitragszahler finanzieren immer mehr Leistungsempfänger.
1960: 6 Beitragszahler pro Rentner | Heute: ~2 Beitragszahler pro Rentner
Gründe: Geburtenrate 1,5 (statt 2,1 für Bestandserhalt) + steigende Lebenserwartung
Folgen: Beiträge↑, Rentenniveau↓, Renteneintrittsalter↑
Wer ist bei der Unfallversicherung (GUV) beitragspflichtig?
Nur der Arbeitgeber!
Die GUV ist die EINZIGE Säule der Sozialversicherung, bei der ausschließlich der Arbeitgeber den Beitrag zahlt.
Träger: Berufsgenossenschaften
Leistungen: Arbeitsunfälle, Wegeunfälle, Berufskrankheiten
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