Wer ist gesetzlich für die Risikobeurteilung und wer für die Gefährdungsbeurteilung verantwortlich?
Die Risikobeurteilung ist gesetzliche Pflicht des Herstellers bzw. der Konstruktion (z. B. nach EU-Produktsicherheitsverordnung). Die Technische Redaktion setzt die Ergebnisse daraus nur um. Die Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz ist die Pflicht des Arbeitgebers bzw. Betreibers.
Wie lautet die zwingende Reihenfolge zur Risikominderung nach dem 3-Stufen-Konzept der DIN EN ISO 12100?
Wofür ist sie gut?
1. Inhärent sichere Konstruktion (Gefahren vermeiden),
2. Technische und ergänzende Schutzmaßnahmen (z. B. Schutzgitter),
3. Benutzerinformation (Warnhinweise als letzte Lösung)
Sie verbietet es Herstellern, es sich einfach zu machen und Gefahren nur durch Text in der Anleitung abzuwälzen.
Was regeln Typ-A-, Typ-B- und Typ-C-Normen im Bereich der Sicherheit?
Typ-A-Normen sind Sicherheitsgrundnormen für allgemeine Aspekte (wie die ISO 12100).
Typ-B-Normen behandeln typenübergreifende Sicherheitsaspekte oder Schutzeinrichtungen. (z.B. Not-aus Schalter)
Typ-C-Normen definieren hochspezifische Sicherheitsanforderungen für konkrete Produktarten (z.B. nur für Rasenmäher)
Welche Bedeutung haben B- und insbesondere C-Normen für die Technische Dokumentation?
Sie dienen als wichtigster Basis-Input.
Typ-C-Normen haben Vorrang und enthalten oft exakte Vorgaben, welche Sicherheitsinformationen und Symbole für ein spezifisches Produkt zwingend in die Anleitung müssen
Wie lautet die Normenkette für Sicherheits- und Warnhinweise?
vom Allgemeinen zum konkreten Detail:
IEC 82079-1 / 20607 (“Fundament”) Fordert allgemein, dass du sicherheitsrelevante Infos brauchst
ISO 3864 (“Das Konzept”) Liefert dir die passenden Farben und Signalwörter (z. B. Rot für Gefahr)
ISO 7010 (“Das Bild”) Gibt dir als Katalog die konkreten Symbole vor, die du einfügen musst
ANSI Z535.6 (“Text-Layout”) Zeigt dir, wie du diese Bausteine dann konkret im Text (z.B. als eingebetteten Warnhinweis) anordnest
Wie streng sind die normativen Design-Vorgaben für Warnhinweise?
Die Gestaltung ist weitestgehend frei und als "Leseinformation" zu verstehen.
Bis auf Signalwörter und Farbe kann sie beliebig auf Basis eines firmenindividuellen StyleGuides erfolgen.
Trotz Verweis auf ISO 3864 erlaubt die 82079 begründete Abweichungen
Farbe ist keine Pflicht. Farblos geht auch.
Der Mythos der überbordenden Warnhinweise (Menge/Gestaltung) ist falsch!
Wo müssen Warnhinweise im Text positioniert werden?
Direkt vor dem Handlungsschritt oder am Anfang einer Handlung mit mehreren Schritten.
Verweise auf das Sicherheitskapitel sind ebenfalls erlaubt: Bsp.:"Warnung! Verätzungsgefahr. Details zur vorgeschriebenen Schutzausrüstung siehe Kapitel 'Sicherheit'." Das verhindert, dass deine Handlungsanweisungen durch ständige, lange Wiederholungen unlesbar werden und der Nutzer den Überblick verliert.
Wofür steht das SAFE-Prinzip bei handlungsbezogenen Warnhinweisen und was kann weggelassen werden?
Signalwort, Art und Quelle der Gefahr, Folgen bei Nichtbeachtung, Entkommen.
"E" (Entkommen) und oft auch "F" (Folgen) können wegfallen, falls beides für die Zielgruppe als bekannt voraussetzbar ist
Was regelt die ISO 3864 bezüglich Signalwörtern, Farben und Sachschäden?
graphische Symbole, Sicherheitsfarben und -zeichen.
Rot = Gefahr, Orange = Warnung, Gelb = Vorsicht.
Sachschäden werden in dieser Norm nicht thematisiert.
Wie verhält sich die ANSI Z535.6 zur ISO 3864 und wie werden Sachschäden geregelt?
ANSI Z535.6 (Norm für Product Manuals) ist grundsätzlich mit ISO 3864 harmonisiert. Sie definiert aber zusätzlich die Farbe Blau mit schräggestellter weißer Schrift für Sachschäden. Das Signalwort lautet auf Deutsch "Achtung", auf Englisch "Notice".
Welche 4 Kategorien von registrierten Sicherheitszeichen definiert die ISO 7010?
Warnung (Warning): gelbes Dreieck + Symbol
Verbot (Prohibition): roter Kreis + Symbol
Gebot (Mandatory action): blaue Kreisfläche mit weißen Symbolen
Sicherheitsequipment/-aktionen: Grüne Rechteckfläche mit weißen Symbolen
Zuletzt geändertvor 5 Tagen