Was ist Morbus Crohn?
Morbus Crohn ist eine segmental auftretende, diskontinuierliche und transmurale chronisch-entzündliche Erkrankung des gesamten Gastrointestinaltrakts.
Welche Lokalisationen sind am häufigsten betroffen?
Terminales Ileum und proximales Kolon.
Ist die Ursache des Morbus Crohn bekannt?
Nein, die genaue Ursache ist unbekannt.
Welche Mechanismen werden als Ursache diskutiert?
Störung der Immunregulation,
genetische Disposition,
Autoimmunprozesse und
Infektionserkrankungen.
Welcher Lebensstilfaktor erhöht das Risiko für Morbus Crohn?
Rauchen.
Welche Immunzellen werden im akuten Schub aktiviert?
Granulozyten,
Makrophagen,
T-Lymphozyten und
B-Lymphozyten.
Welche Folge hat die Immunaktivierung auf das Darmepithel?
Erhöhte Permeabilität des intestinalen Epithels.
Welche Zytokinveränderung findet sich beim Morbus Crohn?
Gesteigerte Produktion inflammatorischer Zytokine.
Welche Schleimhautveränderungen entstehen im akuten Schub?
Ulzerationen,
Erosionen und
Nekrosen.
Welcher Abschnitt des Verdauungstraktes kann betroffen sein?
Der gesamte Verdauungstrakt vom Mund bis zum Anus.
Wie ist das Befallsmuster beim Morbus Crohn?
Diskontinuierlich („springender Befall“) mit gesunden Darmabschnitten zwischen den entzündeten Arealen.
In welche Richtung breitet sich der Morbus Crohn typischerweise aus?
In Richtung Anus.
Wie häufig ist isolierter Ileumbefall?
Etwa 30 %.
Wie häufig ist isolierter Kolonbefall?
Etwa 25 %.
Wie häufig sind Ileum und Kolon gemeinsam betroffen?
Etwa 45 %.
Wo treten die typischen Bauchschmerzen auf?
Rechtsseitig und periumbilikal.
Wie viele Patienten leiden unter Bauchschmerzen?
Etwa 90 %.
Welcher Tastbefund findet sich häufig?
Druckschmerzhafte Resistenz im rechten Unterbauch.
Welche Fehldiagnose entsteht häufig bei Morbus Crohn?
Chronische Appendizitis.
Wie sind die Schmerzen oft charakterisiert?
Krampfartig (Tenesmen) und nach Defäkation rückläufig.
Wie häufig treten Durchfälle auf?
Bei etwa 90 % der Patienten.
Wie unterscheiden sich die Durchfälle von denen bei Colitis ulcerosa?
Sie sind seltener blutig und meist weniger häufig.
Welche Beschwerden treten bei Mundbefall auf?
Aphthen und schmerzhafte Schleimhautulzerationen.
Welche weiteren typischen Symptome treten auf?
Flatulenz,
Übelkeit,
Appetitlosigkeit,
Gewichtsverlust und
Unwohlsein.
Wie häufig besteht zusätzlich eine Laktoseintoleranz?
Bei etwa 30 % der Patienten.
Welche Besonderheit zeigt sich bei Kindern?
Wachstumsstörungen.
Welche Komplikation ist besonders typisch für Morbus Crohn?
Fistelbildung.
Welche häufigen intestinalen Komplikationen treten auf?
Anorektale Fisteln,
Abszesse und
Darmstenosen.
Welche Symptome verursachen Darmstenosen?
Subileus- oder Ileussymptomatik.
Welche seltenen Komplikationen können auftreten?
Darmperforationen und Darmblutungen.
Welche Folgen hat ein ausgedehnter Ileumbefall?
Malabsorptionssyndrom.
Welche Vitamine sind bei Ileumbefall häufig mangelhaft?
Vitamin A, D, E, K und Vitamin B12.
Welcher Spurenelementmangel tritt häufig auf?
Zinkmangel.
Welches Karzinomrisiko ist erhöht?
Risiko für kolorektales Karzinom und Dünndarmkarzinom.
Woran sollte bei Analfisteln immer gedacht werden?
Morbus Crohn muss ausgeschlossen werden.
Wie häufig sind Analfisteln Erstsymptom eines Morbus Crohn?
In etwa 40 % der Fälle.
Welche Hautmanifestationen treten häufig auf?
Erythema nodosum,
Pyoderma gangraenosum,
Aphthen,
Analfissuren und
Zinkmangeldermatosen.
Welche Gelenkmanifestationen kommen vor?
Arthritis und
ankylosierende Spondylitis.
Warum tritt Osteoporose gehäuft auf?
Durch Malabsorption und Glukokortikoidtherapie
Welche Augenmanifestationen treten auf?
Uveitis,
Iridozyklitis,
Konjunktivitis,
Episkleritis und
Keratitis.
Welche Erkrankung der Gallenwege ist mit Morbus Crohn assoziiert?
Primär sklerosierende Cholangitis (PSC).
Welche Untersuchung ist zur Diagnosesicherung obligat?
Ileokoloskopie mit Stufenbiopsien.
Welche Untersuchungen sind nach Diagnosesicherung zusätzlich erforderlich?
ÖGD,
Abdomensonografie und
Dünndarmdiagnostik.
Welche Methode ist die erste Wahl zur Dünndarmdiagnostik?
MR-Enteroklysma.
Welche Untersuchung erfolgt bei Verdacht auf PSC?
MRCP oder ERCP.
Welcher endoskopische Befund ist typisch?
Pflastersteinrelief.
Welche Schleimhautläsionen finden sich häufig?
Erytheme und
landkartenartige Ulzerationen.
Wie werden die typischen Ulzerationen auch genannt?
Schneckenspurenulzera (Snail trails).
Was sind Pin-Point-Lesions?
Punktförmige Schleimhauteinblutungen.
Welcher sonografische Befund spricht für Morbus Crohn?
Segmentale Darmwandverdickung.
Ab welcher Wanddicke ist das Kolon pathologisch verdickt?
Über 4 mm.
Ab welcher Wanddicke ist der Dünndarm pathologisch verdickt?
Über 2 mm.
Was ist das Kokardenphänomen?
Schießscheibenartige ringförmige Darmwanddarstellung im Ultraschall.
Welche Untersuchung eignet sich besonders zum Nachweis perianaler Fisteln?
MRT des Beckens oder transrektale Sonografie.
Welches radiologische Zeichen beschreibt eine hochgradige Dünndarmstenose?
String Sign.
Welche Entzündungsparameter sind häufig erhöht?
CRP,
BSG und
Leukozyten.
Welche Antikörper können bei Morbus Crohn nachweisbar sein?
Anti-Saccharomyces-cerevisiae-Antikörper (ASCA).
Bei wie vielen Patienten sind ASCA positiv?
Bei etwa 50 %.
Welche Stuhldiagnostik sollte immer durchgeführt werden?
Bakteriologische Stuhluntersuchung zum Ausschluss infektiöser Ursachen.
Was ist Calprotectin?
Ein Entzündungsmarker aus neutrophilen Granulozyten.
Wofür wird Calprotectin verwendet?
Zur Unterscheidung entzündlicher von funktionellen Darmerkrankungen und zur Verlaufskontrolle.
Wie lautet der Normwert für fäkales Calprotectin?
Unter 50 µg/g Stuhl.
In welchem Bereich liegt die Grauzone?
50–300 µg/g Stuhl.
Was spricht ein normales Calprotectin gegen?
Gegen eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung.
Wann kann Calprotectin trotz Morbus Crohn normal sein?
Bei isoliertem Dünndarmbefall.
Welche Entzündungsform ist histologisch typisch?
Segmentale transmurale Entzündung.
Warum entstehen beim Morbus Crohn häufig Fisteln?
Weil alle Darmwandschichten betroffen sind.
Welche Granulome sind typisch?
Nichtverkäsende Epitheloidzellgranulome.
Welche Riesenzellen können vorkommen?
Langhans-Riesenzellen.
Welche wichtige funktionelle Differenzialdiagnose gibt es?
Reizdarmsyndrom.
Welche Infektion kann Morbus Crohn imitieren?
Yersiniose.
Welche seltene Differenzialdiagnose sollte bedacht werden?
Darmtuberkulose.
Was ist das Ziel im akuten Schub?
Remissionsinduktion.
Was ist das Ziel nach erfolgreicher Behandlung?
Remissionserhaltung.
Welche Ernährungsregel gilt grundsätzlich?
Verzehr individuell gut verträglicher Lebensmittel.
Welche Nahrung wird im akuten Schub empfohlen?
Ballaststoffarme Kost,
ggf. Trinknahrung.
Was kann bei schweren Schüben notwendig werden?
Kurzfristige parenterale Ernährung.
Welche Substitutionen sind bei Malabsorption häufig notwendig?
Eiweiß,
Kalorien,
Elektrolyte,
Vitamin B12,
Vitamine A, D, E, K,
Zink und
Kalzium.
Welche Empfehlung gilt für Raucher?
Konsequente Nikotinkarenz.
Welche Medikamentengruppen werden eingesetzt?
Glukokortikoide,
Immunsuppressiva und
Biologika.
Welche Immunsuppressiva werden verwendet?
Azathioprin,
6-Mercaptopurin und
Methotrexat.
Welches Medikament kann bei leichter Aktivität versucht werden?
Mesalazin (5-ASA).
Was bedeutet Step-Up-Therapie?
Beginn mit Basistherapie und stufenweise Eskalation bei unzureichendem Ansprechen.
Was bedeutet Top-Down-Therapie?
Früher Einsatz hochwirksamer Medikamente.
Wann ist keine Remissionserhaltung notwendig?
Bei unkompliziertem Krankheitsverlauf.
Welches Medikament ist Standard bei steroidabhängigem oder chronisch-aktivem Verlauf?
Azathioprin.
Wie lange sollte die immunsuppressive Therapie mindestens fortgeführt werden?
Mindestens 4 Jahre.
Soll eine bestehende Remissionstherapie in der Schwangerschaft fortgeführt werden?
Ja, wenn möglich, da Krankheitsschübe Mutter und Kind gefährden.
Welche Antibiotika werden bei akuten Fisteln eingesetzt?
Metronidazol und/oder Ciprofloxacin.
Welche Medikamente kommen bei chronischen Fisteln zum Einsatz?
Azathioprin, 6-Mercaptopurin oder Infliximab.
Wann besteht eine Operationsindikation?
Bei Fisteln,
Stenosen,
Strikturen,
Perforationen und
nicht kontrollierbaren Abszessen.
Was bedeutet „minimal surgery“?
Resektion möglichst kleiner Darmabschnitte.
Warum wird zurückhaltend operiert?
Wegen des Risikos eines Kurzdarmsyndroms.
Was ist die Standardoperation bei kurzstreckigen Strikturen?
Strikturoplastik.
Wie funktioniert die Strikturoplastik?
Längsinzision der Stenose mit anschließendem Querverschluss zur Lumenerweiterung.
Wie verläuft Morbus Crohn meist?
Schubweise mit vollständigen Remissionen zwischen den Schüben.
Ist ein chronisch-kontinuierlicher Verlauf häufig?
Nein, er ist selten.
Wie hoch ist die Rezidivrate?
Hoch.
Wie ist die Lebenserwartung bei optimaler Therapie?
Normal.
Zuletzt geändertvor 17 Tagen