Kapitalmarktorienterte Unternehmensrechnung
Entscheidungsprozess
Zitat von Albert Einstein
„Planung ersetzt den Zufall durch Irrtum“
Was zunächst spöttisch klingt, zeigt anschaulich das Dilemma der Unternehmensplanung.
Ohne Planung bleibt nur ein gefährlicher Sichtflug; man ist dem Zufall ausgeliefert.
Fundamentalanalyse
Entscheidungsfindung
Value Investing (Benjamin Graham)
Value investing is an investment paradigm that involves buying securities that appear underpriced by some form of fundamental analysis“ (i.e. Value > Price).
„The various forms of value investing derive from the investment philosophy first taught by Benjamin Graham and David Dodd at Columbia Business School in 1928, and subsequently developed in their 1934 text Security Analysis.“ (
Informationseffizienz nach Fama (1970)
Empirical foundations of the Efficient Market Hypothesis (EMH)
Predictions:
1. When news about the value of a security hits the market, its price should react and incorporate this news both quickly and correctly
2. Since prices equal its intrinsic value, prices should not move without any news about the value of the security.
Kapitalmarktrelevanzprüfung
Informationsgehalt von JAs - Ablauf von Ereignissen
1. Definition des Ereignisses
2. Modellierung der Markterwartung vor der Veröffentlichung
3. Auswahlkriterien für die Untersuchungsstichprobe
4. Datensammlung (insbesondere Ankündigungszeitpunkte und Renditen)
5. Auswahl eines Modells zur Messung normaler Renditen
6. Schätzung der Modellparameter (siehe 5.) in der Schätzperiode
7. Ermittlung der abnormalen Renditen im Ereignisfenster
8. Aggregation der abnormalen Renditen und statistische Auswertung
9. Interpretation und Schlussfolgerungen
X-Achse: Monate relativ zum Ergebnis
Ereignis: JA oder Gewinnmeldung
Monat 0: Zeitpunkt der Bekanntgabe
y-Achse: Abnormal Performance Index (API)
misst abnormale Rendite: tatsächliche Rendite abzüglich erwartete normale Rendite
Positiv: Aktie performt besser als erwartet
Negativ: Aktie performt schlechter als erwartet
Positive Gewinnüberaschung: UN meldet höhere Gewinne als vom Markt erwartet
Aktienkurs steigt kontinuierlich
Ebenfalls beginnt die Kurssteigung bereits vor Monat 0
Markt antizipiert Informationen teilweise bereits vor der offiziellen Veröffentlichung
Nach Bekanntgabe weiterer Anstieg
Negative Gewinnüberraschung: Un meldet schlehtere Gewinne als erwartet
Aktienkurs fällt deutlich
Ebenfalls beginnt die Bewegung bereits vor Monat 0
Gewinne enthalten wertrelevante Informationen
Unternehmensgewinne beeinflussen Aktienkurse systematisch
Kapitalmärkte reagieren schnell
Starke Bewegungen um den Monat O spricht für Marktreaktionen auf neue Informationen
Post-Earnings Announcement Drift PEAD
Kurse bewegen sich nach der Gewinnmeldung noch weiiter in dieselbe Richtung
Gute Nachricht: Kurse steigen weiter an
Schlechte Nachricht: Kurse fallen weiter
Gilt als mögliche Anomalie gegenüebr der strengen Markteffizienzhypothese
Anleger verarbeiten Informationen nicht vollständig sofort
Es gibt unerreactions
Informationsverarbeitung benötigt Zeit
Walkhäusle (2021): (Mis)Pricing of Accounting Fundamentals
Die Ergebnisse der Studien von Nichols et al. (2017) und Walkshäusl (2021) implizieren, dass Rechnungslegungsinformationen nur partiell und zeitverzögert in Marktpreisen integriert werden, sodass die Analyse für Investoren einen Mehrwert verspricht.
Post-earnings announcement drift und Informationsverarbeitungskosten
Anleger verarbeiten Informationen (z.B. Gewinnmitteilung) oft nur verzögert: Marktreaktionen ziehen sich über Tage/Wochen/Monate hin („Post-Earnings Announcement Drift“)
Ursache: Informationsverarbeitung ist aufwendig (Awareness, Analyse, Integration); nicht jede Veröffentlichung wird sofort vollständig verarbeitet und eingepreist
Folge: Selbst mit öffentlicher Information können potentiell Überrenditen erzielt werden – der Markt ist nicht vollständig effizient. Aber: Informationsverarbeitungskosten
ggf. zu hoch, um davon zu profitieren
Theoretical foundations of the Efficient Market Hypothesis (EMH)
Kahneman and Tversky (1979): Loss Aversion
Losses hurt twice as much as equivalent sized gains provide pleasure (Kahneman and Tversky, 1991; 1992)
→ Individuals show strong loss aversion.
Researchers suggest that loss aversion extends
beyond humans and thus probably has “a specific,
evolutionarily conserved neurobiological basis” (Sokol-
Hessner et al., 2009).
Loss aversion seems to be innate rather than learned (Chen et al., 2006). Hence primates and humans do not necessarily consciously know about their innate loss aversion.
System 1 und System 2
Verfügbarkeitsheuristik (Availability Bias)
Grundgedanke: besonders auffällige/verständliche Informationen werden vom Entscheider bevorzugt wahrgenommen
Folgen:
Unbewusste Überbewertung dieser Informationen
Andere, wichtige Informationen möglicherweise nicht berücksichtigt
Fehlerhafte Entscheidungen/Verzerrungen
Beispiele:
Datenflut bei Erstellung von Researchberichten durch Analysten
Fehlerhafte Auswahl einer medizinischen Behandlung
Unpassende Strategie bei Unternehmensberatung
Vernachlässigung bestimmter Themen bei Aufsichtsratssitzungen
Biases:
Ease of recall
Retrievability
Biases of imaginability
Illusory correlation
Confirmation Bias
Warren Buffet: „Was die Menschen am besten können, ist, neue Informationen so zu filtern, dass bestehende Auffassungen intakt bleiben.“ (Dobelli, 2019)
„Understanding a statement must begin with an initital attempt to believe it […] Only then can you decide whether or not to unbelieve it“ (Kahneman, 2013, über Gilbert, 1991)
Denksysteme: Der erste Versuch etwas zu glauben ist ein automatischer Prozess von System 1 und unbelieving ist ein Vorgang in System 2
Decoy Effect
Asymmetric dominance effect
Hinzufügen einer weiteren Option (decoy) beeinflusst
die Auswahl zwischen den ursprünglichen Alternativen und kann die Profitabilität einer Produktlinie erhöhen
Contrast Effect (Kontrasteffekt)
Der Kontrasteffekt ist eng verbunden mit dem Decoy Effect und im Zusammenhang mit dem Problem der Relativity (Ariely, 2009) zu beobachten.
„This is the problem of relativity – we look at our decisions in a relative way and compare them locally to the available alternative.“ (Ariely, 2009, S. 20)
Probleme bei:
Absoluten Beurteilungen
Wahrnehmung gradueller Veränderungen
Overconfidence
Moore and Healy (2007): Selbstüberschätzung ist abhängig vom Schwierigkeitsgrad der Fragen. Teilnehmer unterschätzen ihre Leistung in einfachen Quizzen und überschätzen ihre Leistung in schwierigen Quizzen.
Arten der Selbstüberschätzung:
Overprecision
Overestimation
Overplacement
Planning Fallacy (Planungsfehlschuss)
Kahneman and Tversky (1979); Kahneman (2011): Beim Planungsfehlschuss werden zu optimistische Vorhersagen über den Ausgang geplanter Projekte getroffen. Die Pläne und Vorhersagen sind:
„unrealistically close to best-case scenarios“
„could be improved by consulting the statistics of similar cases“
Ursache: Vernachlässigung von Erfahrungen und Wahrscheinlichkeitsverteilung vergangener ähnlicher Fälle und Fokus auf spezielle Gegebenheiten der vorliegenden Situation („internal approach to prediction“)
Folge: Unterschätzung von Dauer oder Kosten
Law of One Price and Limits to Arbitrage
Textbook Arbitrage: Simultaneous purchase and sale of securities (which are perfect substitues) to lock in a risk-free profit.
→ Identical assets have identical prices.
Real World Arbitrage is not risk free and is costly (Shleifer and Vishny 1997)!
Limits to Arbitrage:
Noise trader risk (possibility that mispricing worsens in the short run)
Fundamental risk (imperfect substitutes, nonavailability of subsitutes)
Implementation costs
Verhalten von Kapitalmarktteilnehmern – Erkenntnisse
aus dem Labor (Behavioral Finance)
Akteure auf Finanzmärkten steuern den Preis durch ihr Verhalten → Indiz für
Ineffizienz von Finanzmärkten, d.h. Finanzmärkte sind anfälliger für Störungen → Akteure
verhalten sich nur begrenzt rational.
Preisbildung am Gütermarkt (Vernon Smith)
Theoretical challenges to the EMH: Findings
Grundannahme der EMH
Grundannahme der EMH ist, dass Marktteilnehmer sich am Fundamentalwert orientieren: Angebot und Nachfrage richten sich nach dem Wert des Papiers, man kauft wenn der Wert > Preis. Dies führt über den Marktmechnismus zu optimaler Allokation, d.h. Markteffizienz.
Anomalien am Kapitalmarkt
Kalenderanomalien: Saisonaler Anstieg der Wertpapierpreise am Kapitalmarkt
Overreaction-Effekt bzw. Winner-Loser-Effekt De Bondt and Thaler (1985): Overreaction am Kapitalmarkt auf neue Informationen, vorherige Verliereraktien erzielen höhere Renditen als Gewinneraktien (vgl. auch mean reversion)
Momentum-Effekt: Für Aktien, die in den letzten 3 bis 12 Monaten hohe (niedrige) Renditen erwirtschaftet haben, wird erwartet, dass sie auch in den folgenden 3 bis 12 Monaten hohe (niedrige) Renditen erwirtschaften
Intraday-Effekt: Unterschiedliche Renditen innerhalb eines Tages (z. B. Eröffnungs- und Schließungskurs sowie Kurse in der Mitte des Tages)
Size-Effekt: Kleinere Unternehmen erwirtschaften höhere Renditen als größere Unternehmen
Value-Effekt: Unternehmen weisen abhängig von ihren Fundamentalwerten unterschiedlich hohe Renditen auf
Fama & French ( 3 Faktor Model)
Excess return on the market
Size premium (small minus big firms)
Value premium (high minus low firms)
Fama & French ( 5 Faktor Model)
Profitability premium (most minus least profitable firms)
Investment premium (conservative minus aggresive firms)
Zusammenhang zwischen Rechnungslegungsinformationen und
Bewertung
Zuletzt geändertvor 12 Tagen