Was ist ein akuter Mesenterialinfarkt?
Akute segmentale Darmischämie mit Hypoxie und Nekrose eines Darmabschnitts, meist durch Verschluss einer Mesenterialarterie.
Warum ist der akute Mesenterialinfarkt ein Notfall?
Bereits nach wenigen Stunden entstehen irreversible Darmnekrosen. Eine Revaskularisation sollte innerhalb von ca. 6 Stunden erfolgen.
Was sind die häufigsten Ursachen eines akuten Mesenterialinfarkts?
Arterielle Embolien (50–70 %)
Akute arterielle Thrombosen (ca. 25 %)
Nicht-okklusive mesenteriale Ischämie (NOMI)
Was ist die häufigste Emboliequelle beim Mesenterialinfarkt?
Kardiale Embolien bei Vorhofflimmern.
Was versteht man unter einer NOMI?
Non-okklusive mesenteriale Ischämie durch schwere Perfusionsstörung ohne Gefäßverschluss.
Welche Situationen können eine NOMI auslösen?
Schock
Sepsis
Herzinsuffizienz
Herzrhythmusstörungen
Langdauernde Hämodialyse
Herzoperationen mit extrakorporaler Zirkulation
Welches Gefäß ist am häufigsten betroffen?
A. mesenterica superior (ca. 85 %).
Welche Darmabschnitte werden durch die A. mesenterica superior versorgt?
Von der Flexura duodenojejunalis bis zur linken Kolonflexur.
Was geschieht pathophysiologisch nach Verschluss einer Mesenterialarterie?
Perfusionsabfall
Hypoxie
Anaerober Stoffwechsel
Laktatanstieg
Darmwandnekrose
Welche Anamnese kann auf eine arteriosklerotische Ursache hinweisen?
ostprandiale Bauchschmerzen („Angina abdominalis“).
Wie verläuft der Mesenterialinfarkt klassischerweise?
In drei Stadien.
Welche Symptome treten im Initialstadium (0–6 h) auf?
Plötzliche starke diffuse Bauchschmerzen
Kolikartige Schmerzen
Hyperperistaltik
Übelkeit
Erbrechen
Eventuell blutige Diarrhö
Wie ist die Bauchdecke im Initialstadium typischerweise?
Weich trotz starker Schmerzen.
Was versteht man unter dem „faulen Frieden“?
Vorübergehende Schmerzabnahme trotz fortschreitender Darmischämie.
Welche Symptome finden sich im Intervallstadium (7–12 h)?
Schmerzrückgang
Hypo- bis Aperistaltik
Zunehmende Verschlechterung des Allgemeinzustands
Welche Symptome treten im Spätstadium (13–24 h) auf?
Akutes Abdomen
Abwehrspannung
Blutiger Stuhl
Peritonitis
Welche Schockzeichen können im Spätstadium auftreten?
Hypotonie
Tachykardie
Blässe
Hohlwangigkeit
Trockene Zunge
Was ist der typische Merksatz zum klinischen Verlauf?
Starke Schmerzen → „fauler Frieden“ → akutes Abdomen.
Welche Komplikationen können entstehen?
Multiorganversagen
Darmperforation
Portalvenöse Gasembolie
Reflow-Paradox
Wie entsteht eine Peritonitis beim Mesenterialinfarkt?
Durch Nekrose der Darmwand mit Bakterientranslokation oder Perforation.
Was ist eine portalvenöse Gasembolie?
Übertritt von Darmgas in das portalvenöse System aufgrund einer geschädigten Darmwand.
Was versteht man unter dem Reflow-Paradox?
Weitere Gewebeschädigung nach Wiederherstellung der Durchblutung durch verstärkte Entzündungsreaktionen.
Welche Patienten sind besonders gefährdet?
Höheres Lebensalter
Vorhofflimmern
Arteriosklerose
Andere kardiovaskuläre Erkrankungen
Welche anamnestische Frage ist besonders wichtig?
Besteht Vorhofflimmern oder eine Angina abdominalis?
Welcher Befund findet sich häufig bei der digital-rektalen Untersuchung?
Blut am Fingerling.
Welche Darmgeräusche finden sich zu Beginn?
Hyperperistaltik.
Welche Darmgeräusche finden sich im fortgeschrittenen Stadium?
Spärliche oder fehlende Darmgeräusche.
Welcher Laborwert ist der sensitivste Hinweis auf eine Darmischämie?
Erhöhtes Serumlaktat (> 4 mmol/l).
Welche weiteren Laborveränderungen können auftreten?
Leukozytose
CRP-Erhöhung
LDH-Erhöhung
CK-Erhöhung
D-Dimer-Erhöhung
Metabolische Azidose
Erhöhter Hämatokrit
Welche Befunde sollten in einer Examensfrage an einen Mesenterialinfarkt denken lassen?
Aufgetriebenes Abdomen
Fehlende Darmgeräusche
Blut am Fingerling
Deutlich erhöhtes Laktat
Warum wird ein EKG durchgeführt?
Zum Nachweis eines Vorhofflimmerns als Emboliequelle.
Welche sonografischen Befunde können auftreten?
Verdickte Darmschlingen
Freie Flüssigkeit
Stehende Darmschlingen
Welche Befunde können im Röntgen-Abdomen sichtbar werden?
Ileuszeichen
Erweiterte Darmschlingen
Spiegelbildungen
Freie Luft bei Perforation
Welche bildgebende Methode ist bei Verdacht auf Mesenterialinfarkt die Methode der Wahl?
CT-Angiografie mit Kontrastmittel.
Welche Alternativen zur CT-Angiografie gibt es?
Doppler-Sonografie
Digitale Subtraktionsangiografie (DSA)
Wann sollte diagnostisch laparoskopiert werden?
Bei hohem klinischem Verdacht und fehlender oder verzögerter bildgebender Bestätigung.
Welche Sofortmaßnahmen müssen bereits während der Diagnostik erfolgen?
Heparinisierung
Großlumige Zugänge
Volumentherapie
Antibiotika
Analgesie
Welche Antibiotikatherapie wird häufig eingesetzt?
Piperacillin/Tazobactam.
Was ist das Hauptziel der Therapie?
Rasche Revaskularisation und Entfernung nekrotischer Darmabschnitte.
Welche interventionellen Revaskularisationsverfahren kommen infrage?
Lokale Lysetherapie (rt-PA)
Aspirations-Embolektomie
PTA mit Ballondilatation
Wann ist eine operative Therapie zwingend erforderlich?
Erfolgloser interventioneller Therapie
Darmnekrose
Welche operativen Verfahren werden eingesetzt?
Embolektomie
Thrombektomie
Darmresektion nekrotischer Abschnitte
Was ist eine Second-Look-Operation?
Erneute operative Beurteilung des Darms nach etwa 12 Stunden bei fraglicher Vitalität.
Welche postoperative Maßnahme ist wichtig?
Intensivmedizinische Überwachung.
Welche Dauertherapie ist bei persistierender Emboliequelle notwendig?
Orale Antikoagulation, z.B. bei Vorhofflimmern.
Wie hoch ist die Letalität des akuten Mesenterialinfarkts?
Etwa 50–70 %.
Wovon hängt die Prognose maßgeblich ab?
Zeitpunkt der Diagnosestellung
Schnelligkeit der Revaskularisation
Allgemeinzustand des Patienten
Zuletzt geändertvor 15 Tagen