Strukturmerkmale Steroidhormone
▪ Steran – 4 verknüpfte Ringe, 6 Stereozentren → 64 verschiedene Stereoisomere möglich
▪ Aber alle Steroidhormone leiten sich vom Gonan (= 1 Stereoisomer) ab
▪ Konformativ starre Moleküle → fixierte Positionen → Rezeptorbindung
Strukturelle Merkmale der natürlichen Steroidhormone:
▪ Anguläre Methylgruppen (meist C10 und C13)
▪ Doppelbindung(en)
▪ Substituten an C17
▪ Sauerstofffunktion an C3
Steroidale Ringsysteme
Welche Hormone werden in der Nebennierenrinde gebildet?
▪ Glucocorticoide
▪ Mineralcorticoide
▪ Androgene
Aldosteron
Mineralcorticoid
▪ Sind an der Regulation des Elektrolyt- und Wasserhaushaltes beteiligt
▪ Bindung an zytostolischen Mineralcorticoid-Rezeptor → Expression von Na+/K+- ATPase sowie die Biosynthese von Na+ und K+ Kanälen
▪ Verstärkte Rückresorption von Na+ Ionen
▪ vermehrte Ausscheidung von K+ und H+ und NH4+
▪ Blutvolumen & Blutdruck steigen
Cortisol
▪ Cortisol 1000-fach höhere Plasmakonzentration als Alsdosteron
▪ Cortisol bindet hochaffin an Mineralcorticoid-Rezeptor
▪ Oxidation zum inaktiven Cortison
Fludrocortisonacetat
▪ Mineralcorticoide Wirkung etwa 125-fach verstärkt im Vergleich zu Hydrocortison
▪ Geringer glycocorticoider Effekt
▪ In Kombination mit Hydrocortison als Subsitutionstherapeutikum bei Morbus Addison
▪ Beim Salzverluststyndrom und bei orthostatischer Hypotonie
Wie werden Glucocorticoide therapeutisch verwendet?
▪ bei rheumatischen, allergischen und immunologischen Erkrankungen (z.B. Hauterkrankungen, Asthma)
▪ Potente antiphlogistische, antiallergische und immunsuppressive Wirkung
▪ zur Substitutionstherapie bei Nebennierenrindeninsuffizienz und adrenogenitalem Syndrom
▪ zur Prophylaxe eines Hirnödems bei primären Hirntumoren und Hirnmetastasen
Wie läuft die Regulation der Glucocorticoid Freisetzung ab?
Welche Glucocorticoid vermittelten physiologischen und therapeutischen Effekte gibt es?
▪ Antiinflammatorische und immunsuppressive Wirkung
▪ Förderung der Gluconeogenese aus Aminosäuren sowie Hemmung der Glucoseaufnahme im peripheren Gewebe
▪ Hemmung der Proteinbiosynthese in der Muskulatur und Stimulation der Proteolyse (katabole Wirkung)
▪ Förderung der Lipolyse peripherer Fettdepots und Fettspeicherung (im Extremfall: Stiernacken, Vollmondgesicht)
▪ eine Unterdrückung der knochenaufbauenden Osteoblastenaktivität
▪ eine Schwächung der Mukosaschutzschicht des Magens durch Hemmung der PGE2-Bildung
→ Für die therapeutische Wirksamkeit sind primär die genomischen Effekte der Glucocorticoide relevant
Struktur-Wirkungs-Beziehung am Beispiel Hydrocortison
Welche chemischen Modifizierungen können an Glucocorticoiden vorgenommen werden und was sind die Ziele?
▪ antiphlogistische Eigenschaften zu stärken
▪ Endokrine Effekte zu unterdrücken
▪ Systemische von topischer Wirksamkeit zu trennen
Wie werden Glucocorticoide im Körper biotransformiert?
▪ Stark lipophil, daher schlecht ausscheidbar
▪ Durch Sulfatierung und Glucoronidierung polarer und nierengängig
▪ In Leber durch Redox- und Konjugationsprozesse metabolisiert
▪ Endprodukt mit dem Harn ausgeschieden
In welchen Bereichen werden Glucocorticoide therapeutisch verwendet?
▪ Glucocorticoide zur systemischen Anwendung
▪ topisch-dermal wirksame Glucocorticoide (Dermocorticoide)
▪ inhalativ wirksame Glucocorticoide
▪ Glucocorticoide zur lokalen Anwendung am Auge
Steroid-Partialsynthese
▪ Dehydrierung Meist auf mikrobiologischem Weg
▪ 11𝜷-Hydroxylierung Meist auf mikrobiologischem Weg
▪ 9𝜶–Fluorierung
▪ Dehydratisierung
▪ Einführen einer Doppelbindung
▪ Addition von Hypobromiger Säure
▪ Eliminierung von Bromwasserstoff – Epoxidbildung
▪ Ring-Öffnung mit Fluorwasserstoff
▪ 16𝜶–Methylierung
▪ Cu2+ -katalysierte Addition der Grignard-Verbindung Methylmagnesiumiodid
▪ 16𝜷–Methylierung
▪ Cycloaddition von Diazomethan
▪ Pyrolyse
▪ Stereospezifische Hydrierung
▪ 17𝜶–Hydroxylierung
▪ Epoxidierung
▪ Ring-Öffnung mit HBr
▪ Reduktive Bromidentfernung
Wie erfolgt die Biosynthese von Sexualhormon?
▪ Ausgangspunkt der Sexualhormone = Pregnenolon
▪ CYP-Enzym katalysierte Umsetzungen = Irreversibel
▪ Steroid-Dehydrogenasen können mitunter auch die Rückreaktion katalysieren
Welche Wirkungen haben Androgene?
Geschlechtsspezifisch Wirkungen
▪ fördern die Ausbildung der sekundären männlichen Geschlechtsorgane
▪ steuern Spermatogenese, Potenz sowie Libido
▪ halten die Funktion der akzessorischen Geschlechtsdrüsen (Bläschendrüse, Prostata) aufrecht
Geschlechtsunspezifisch Wirkungen
▪ besitzen eine Protein-anabole Wirkung
▪ fördern die Stimulation der Osteoblastentätigkeit und damit das Knochen-, Muskel- und Längenwachstum
▪ beeinflussen das Hautbild, indem sie Wachstum undProduktion der Talgdrüsen stimulieren
Wie wirken die Inhibitoren der steroidalen 5α-Reduktase?
▪ Zur Behandlung beninger Prostatahyperplasie
▪ Agiert als Transition-State- Mimikry
Wie wirken Anabolika?
▪ Binden am Androgen-Rezeptor
▪ Fördern Aufbau körpereigener Gewebe
▪ Erhöhen Proteinsynthese in Muskelzellen
▪ Bei Eiweißmangelerkrankungen
Was sind Estrogene und wie werden sie verwendet?
Sexualhormone, die im Zusammenwirken mit Gestagenen im weiblichen Organismus essenzielle biologische Prozesse steuern und der Ausbildung sekundärer weiblicher Geschlechtsorgane dienen
Verwendung
▪ Zur Hormonsubstitution und hormonaler Kontrazeption
▪ Anti-Estrogene beim hormonabhängigen Mammakarzinom
Welche physiologischen Wirkungen haben Estrogene?
▪ wirken wachstums- und proliferationsfördernd auf Uterus, Endometrium, Vaginalepithel, Tuben und Brustdrüsen
▪ regulieren den Aufbau der Uterusschleimhaut in der ersten Hälfte des ovulatorischen Zyklus (Follikelphase)
▪ bewirken eine Stimulation der Osteoblasten,
▪ führen bei Mann und Frau zum Schließen der Epiphysenfuge
▪ beeinflussen das Hautbild, indem sie Wachstum und Produktion der Talgdrüsen drosseln
was sind Gestagene und wie werden sie verwendet?
▪ Im Corpus luteum (Gelbkörper) und bei schwangeren Frauen in der Plazenta gebildet
▪ Progesteron physiologisch am wichtigsten
▪ Progesteron Schlüsselsubstanz in der Biosynthese der NNR-Hormone
▪ Hormonale Substitutionstherapie
▪ Hormonale Empfängnisverhütung
Welche physiologischen Wirkungen hat Progesteron?
▪ sekretorische Differenzierung des proliferierten Endometriums und die Unterdrückung von Uteruskontraktionen
▪ Verengung des Cervix uteri und eine Erhöhung der Viskosität des Zervikalsekrets
▪ Senkung der Tubenmotilität
▪ Stimulation der Alveologenese und der Milchbildung in der Brust
▪ thermogenetische Wirkung durch Erhöhung der Basaltemperatur um 0,3–0,5 °C
▪ Verhinderung weiterer Ovulationen durch Hemmung der Ausschüttung von LH und LTH (laktotropes Hormon, Prolaktin)
▪ die Antagonisierung der Estrogeneffekte auf den Lipidstoffwechsel
Wie wirken Anti-Gestagene?
▪ Mifepriston „Abtreibungspille“
▪ Hoch potenter Progesteron- und Glucocorticoid-Rezeptor Antagonist
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