Themen der emotionalen Entwicklung
Emotionen verstehen
Emotionsregulation
Emotionsausdruck
Erwerb emotionaler Kompetenzen
Was sind Emotionen?
Unsere Gefühle beeinflussen unser Denken!
Unsere Gefühle werden von körperlichen Prozessen begleitet
Emotionen treten nur in Situationen auf, die als persönlich bedeutsam wahrgenommen werden!
Eine Emotion ist….
„ein komplexes Muster von Veränderungen, das physiologische Erregung, Gefühle, kognitive Prozesse und Verhaltensweisen umfasst. Diese treten als Reaktion auf eine Situation auf, die ein Individuum als persönlich bedeutsam wahrgenommen hat.“
Welche Merkmale haben Emotionen?
Zeitliche Dauer
Affekt (kurze Dauer) vs. Stimmung (lange Dauer)
Hedonische Tönung
angenehm vs. unangenehm
Intensität
vom „Affektsturm“ bis zum „interesselosen Wohlgefallen“
Objektgerichtetheit
meist auf bestimmte Objekte, Situationen, Sachverhalten oder Personen gerichtet; es gibt aber auch objektlose Emotionen (z.B. Panikattacken).
Welche Emotionen gibt es?
(spätestens) ab dem 3. Lebensmonat
primäre Emotionen (Basisemotionen)
Ekel
Freude
Ärger
Traurigkeit
Angst
Überraschung
Interesse
ab Ende des 2. Lebensjahres
sekundäre Emotionen (soziale Emotionen)
Stolz
Scham
Schuld
Neid
Verlegenheit
Empathie
Wie entstehen Emotionen?
Wozu entstehen Emotionen? Funktionalistischer Ansatz
Wozu entstehen Emotionen?
Funktionalistischer Ansatz
Soziokultureller Ansatz
Kultur prägt, was in bestimmten Situationen gefühlt werden darf oder soll.
Emotionen haben in verschiedenen Kulturen unterschiedliche Bedeutungen
Kulturelle Unterschiede betreffen auch den Ausdruck von Emotionen.
Kulturelle Skripte: Wie man sich in bestimmten Situationen fühlen und verhalten soll.
Wozu gibt es Emotionen?
Wertungsfunktion:
Gefühle zeigen uns an, was wir mögen, ablehnen
Motivationsfunktion:
Gefühle aktivieren unser Verhalten (Angst -> Lernen)
Regulationsfunktion:
Intensität und Ausdauer von Verhaltensweisen
Selektionsfunktion:
Was und wie nehmen wir wahr?
Ausdrucksfunktion:
Emotionaler Ausdruck hat einen Mitteilungscharakter
Emotionsregulation als zentrale Entwicklungsaufgabe
Definition
umfasst die Prozesse, Strategien, Fähigkeiten und Verhaltensweisen, die es einer Person ermöglichen, Einfluss darauf zu nehmen, welche Emotionen sie erlebt, wann diese auftreten und wie sie erlebt, moduliert, gehemmt oder zum Ausdruck gebracht werden (vgl. Gross, 2002; Roos, 2021).
Ansatzpunkte für die Emotionsregualtion
Wirkrichtungen der Entwicklungsregulation
Top-down-Regulation: Kognition steuert Emotion Höhere kognitive Prozesse – Denken, Bewerten, Interpretieren – nehmen Einfluss auf das emotionale Erleben.
Typische Strategien: Kognitive Neubewertung, Aufmerksamkeitslenkung, Unterdrückung, d.h. der emotionale Ausdruck wird bewusst kontrolliert und zurückgehalten
Bottom-up-Regulation: Körper/Umwelt steuern E. Regulierende Impulse gehen vom Körper, von Sinneswahrnehmungen oder von der unmittelbaren Umgebung aus. Die Emotion folgt dem Körper. Typische Strategien: Atmung, körperliche Entspannung und Bewegung, sensorische Stimulation, soziale Ko-Regulation
Emotionsregulation im Säuglings- und Kleinkindalter
Dominanz der interpsychischen Emotionsregulation (Beruhigen durch die Eltern etc.)
Erste Formen der intrapsychischen Emotionsregulation (Blickabwenden und Saugen an den Fingern als selbstberuhigende Maßnahmen)
Ab 3. bis 6. Lebensmonat aktive Einforderung von Unterstützung durch die Bezugsperson (z.B. Einschlafen bei Wiegen durch die Eltern)
Ab 12 Monaten: Fähigkeit zur Annäherung oder Vermeidung von Reizen
Zunehmende Berücksichtigung des Emotionsausdrucks von Bezugspersonen bei Unsicherheit
Ab etwa 18 Monaten: Zunahme zur Fähigkeit des Verbalisierens emotionalen Erlebens durch fortschreitende Sprachentwicklung
Emotionsregulation im Vorschulalter
Wechsel von der inter- zur intrapsychischen Emotionsregulation
Fähigkeit, emotionales Erleben so zu regulieren, dass es für das Erreichen eigener Ziele nutzbar ist
Fähigkeit, negative emotionale Folgen eines Handelns für sich und andere vorherzusehen
Zunehmende Entkopplung von emotionalem Erleben und emotionalem Ausdruck
Emotionsregulation im Schulalter
Zunehmender Einsatz von kognitiven Strategien zur Emotionsregulation(z.B. Neubewertung einer Situation)
Zunehmende Abstimmung der Regulationsstrategien auf die Situation (z.B. je nach Kontrollierbarkeit der Situation)
Abnahme vermeidender und/oder destruktiver Strategien
Emotionsregulation im Jugendalter
Zunahme der Vielfalt und Nutzungsflexibilität bei Emotionsregulationsstrategien
Zunahme von Geschlechtsunterschieden
Mädchen eher internalisierende Problemverarbeitung und Suche nach sozialer Unterstützung
Jungen eher externalisierende Problemverarbeitung und vermeidende Strategien bzw. Risikoverhaltensweisen
Entwicklung der Emotionsregulation
Abnahme der (interpersonalen) Fremdregulation u.
Zunahme der (intrapersonalen) Selbstregulation.
Zunahme der Verfügbarkeit von Emotionsregulationsstrategien -> flexiblere Reaktionen
Zunehmendes Wissen über die Effektivität der Strategien -> verbesserte Passung von Strategie und Situation
Zunehmender Einbezug weiterer Informationen in die Bewertung emotionsauslösender Situationen
Geringere Festlegung durch Erstbewertungen
Emotionsregulationsstrategien in der frühen Kindheit
Komponenten der emotionalen Selbstregulation
Ausdruckszeichnung
Zweck: Appell, gezielte Selbstdarstellung
Angeborene emotionale Ausdrucksreaktionen:
Disstress, endogenes Wohlbehagen, Interesse, Erschrecken/Furcht, Ekel
Entwicklung der Ausdruckszeichnung
Erwerb der Ausdruckssymbole
Erwerb kulturell tradierter Zeichen
Erwerb der Darbietungsregeln: wann welcher Ausdruck
Zweck: Appell, gezielte Selbstdarstellung (z.B. „cool“ sein)
Internalisierung der Ausdruckszeichen in der intrapsychischen Regulation
ermöglicht Ausdruckskontrolle gegenüber anderen -> private Welt der Emotionen
ab etwa 8 Jahren „Einsparen“ des Emotionsausdrucks, da zum Emotionserleben nicht mehr nötig
wenn alleine, zeigten Erwachsene weniger Emotion als in Gegenwart anderer. Grund: Internalisierungsprozess
Entwicklung des sprachlichen Emotionsausdrucks
Aspekte der emotionalen Selbskompetenz - Berking
Eigenen Gefühle bewusst wahrnehmen, erkennen und benennen können.
Ursachen des aktuellen Befindens erkennen können.
Sich in belastenden Situationen innerlich emotional unterstützen können.
Eigene Gefühle aktiv positiv beeinflussen können.
Negative Gefühle bei Bedarf akzeptieren und aushalten können.
Sich mit emotional belastenden Situationen konfrontieren können.
Aspekte der sozial-emotionalen Kompetenzen
modifiziert nach Saarni 2002
Emotionen anderer wahrnehmen, benennen und verstehen können.
Das Ausdrucksverhalten anderer erkennen.
Situationsbedingte Ursachen für Emotionen verstehen.
Begreifen: Menschen haben eigene „innere Zustände“.
Empathisch auf andere eingehen können.
Merken, wenn ein innerlich erlebter emotionaler Zustand nicht dem Ausdrucksverhalten entspricht.
Verstehen multipler, ambivalenter Emotionen.
Sich der emotionalen Kommunikation bewusst sein.
Ziele der emotionalen Entwicklung
Akzeptanz der eigenen Gefühle, Gedanken und Bedürfnisse, aber auch angemessene Grenzsetzung
Wertschätzender Umgang mit sich selbst auch bei Misserfolg
Auswahl von Entscheidungen gemäß der eigenen Ziele und Werte
Verständnis und Eingehen auf die Emotionen und Bedürfnisse anderer
Lernziele für die Förderung emotionaler Kompetenz
Förderung der Selbst- und Fremdwahrnehmung im Hinblick auf Emotionen
Förderung des emotionalen Ausdrucks
Förderung des Emotionsverstehens und -wissens
Fähigkeit zur Emotionsregulation fördern
Zusammenhang zwischen emotionaler
Entwicklung und Sozialverhalten
Geringes Emotionsvokabular
-> Risiko für externalisierende Verhaltensstörungen
Umfangreiches Emotionswissen
-> Prädiktor für Beliebtheit bei Gleichaltrigen, weniger aggressives Verhalten
Defizite im Erkennen von Angst u. Traurigkeit
-> Risiko für emotionale Probleme/Verhaltensstörungen
Fähigkeit zum Erkennen von Emotionen
-> Höhere Akzeptanz durch Gleichaltrige, häufigere Sozialkontakte, höhere soziale Kompetenz
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