Ökologische Systemtheorie
Urie Bronfenbrenner 1998
Die Ökologie der menschlichen Entwicklung befasst sich mit der fortschreitenden gegenseitigen Formung bzw. Anpassung zwischen:
aktiven, sich entwickelnden Menschen + wechselnden Eigenschaften seiner unmittelbaren Lebensbereiche.
Entwicklungsumwelten in der Ökologischen Systemtheorie
Mikrosystem: Person
Mesosystem: Familie, Kindergarten/Schule, Nachbarschaft
Exosystem: Entfernte Verwandte, Gesundheits- und Sozialdienste, Arbeitsplatz, Freunde und Nachbarn
Makrosystem: Gesetze, Wertvorstellungen, Gebräuche
Bestandteile des Ökosystems
biologische Lebensbedingungen
materielle Gegenstände wie Werkzeuge
Regeln des Zusammenlebens
Handlungsvorschriften
Einrichtungen wie Familie und Schule
soziale Partner und soziale Gruppen
gesellschaftliches System
Für die psychische Entwicklung bedeutsame Umweltmerkmale
Passung von Umwelt und Personen
Zuwendung und Unterstützung
Möglichkeiten sozialer Kontaktaufnahme
Ausmaß an Sicherheit bzw. Risiken
Kontrollierbarkeit bzw. Gestaltbarkeit
Struktur und Regelhaftigkeit der Umwelt
Anregungsgehalt vs. Anforderungsgehalt
Zugänglichkeit zu Ressourcen
Kultur nach Camillieri (1985)
umfasst Gesamtheit der erlernten Bedeutungszuschreibungen,
bewerkstelligt, dass Werthaltungen und soziales Verständnis geteilt werden,
➡ führt zu Verhaltensmuster, die die geteilten Werthaltungen widerspiegeln.
Enkulturation - Akkulturation
Enkulturation
„Aneignung von Handlungskompetenzen, die für das Leben im menschlichen Ökosystem nötig sind.“
Hintergrund, auf dem Identitätsbildung beschreibbar ist
Akkulturation (infolge von Migration)
neue kulturelle Einflüsse nach dem Erreichen einer ersten Identität
Konfliktträchtige Akkulturation
Wenn Enkulturation und Akkulturation unterschiedliche kulturelle Orientierungen aufweisen, dann führt das in aller Regel zu Konflikten.
Kulturelle Orientierung
Kulturelle Modelle elterlicher Strategien
Modell der Independenz: individualistisch
Autonomes Selbst, „Ich-Identität“
Sei du selbst, sei einzigartig!
Aufgabe hat Vorrang vor Beziehung
Modell der Interdependenz: kollektivistisch
Relationales Selbst, „Wir-Identität“
Füge dich in die Gruppe ein!
Beziehung hat Vorrang vor Aufgabe
Sozialisationsziele sind kulturell geprägt!
Autonomie und Individualität sehr wichtig für westl. Großstadtleben (Wettkampf, Konkurrenz)
Relationalität (Verbundenheit) lebensnotwendig in traditionellen Dorfgemeinschaften (gemeinsame Anstrengungen sichern das Überleben)
➡ Gefahr von Konflikten zw. kulturellen Modellen
➡ Gefahr von normativen Bewertungsmaßstäben
(Keller 2008)
Was ist Erziehung?
Erziehung wird als Einflussnahme auf die Persönlichkeit des Kindes definiert.
Ziel ist es, das Verhalten des Kindes aktiv zu beeinflussen und das Leben des Kindes in eine bestimmte Richtung zu lenken.
Gewünschte Verhaltensweisen werden gezielt gefördert, unerwünschte Verhaltensweisen werden unterbunden.
Dies geschieht auf verschiedene Weisen.
Erziehungsstile nach Baumrind (1971)
Erziehungsstile nach Hurrelmann
Erziehungskompetenzen
nach Wiegand-Grefe und Plass (2012)
definieren sich durch die „optimale Passung zwischen den altersgemäßen Bedürfnissen des Kindes einerseits und der Gestaltung der Umwelt des Kindes andererseits“.
Erziehungskompetenz
(nach Petermann und Petermann 2006)
Beziehungsfähigkeit
Empathie, Ausdrücken von Liebe, Geborgenheit vermitteln, Fürsorglich, zuverlässig sein
Kommunikationsfähigkeit
Zuhören, Miteinander reden, Angemessen auffordern, Angemessen reagieren
Grenzsetzungsfähigkeit,
Absprachen treffen, Eindeutige Regeln setzen, Konsequenzen realisieren, Konsequent sein
Förderfähigkeit
Unterstützung und Ermutigung, Anforderungen setzen, Gewähren und Fördern von Eigenständigkeit/Verantwortung
Vorbildfähigkeit
Selbstdisziplin aufweisen, Reflexion eigenen Verhaltens, Selbst- und Impulskontrolle
Alltagsmanagementfähigkeit
Versorgung (Ernährung, …), Pflege (Krankheit, …), Organisation (Haushalt, …), Struktur und Rituale
Die wichtigsten pathogenen Faktoren innerhalb der Familie
Nach Bodenmann
Mangelnde mütterliche o. elterliche Sensitivität -> Selbstwert ↓, Selbstwirksamkeitsüberzeugung ↓
Dysfunktionaler Erziehungsstil -> mangelnde Orientierung durch Inkonsistenz, geringer Selbstwert durch Bestrafung, destruktives Verhalten durch ungünstiges Modelllernen
Gestörte elterliche Partnerschaft -> dysfunktionales Familienklima
Psychische Störung der Eltern -> Sensitivität ↓, Erziehung ↓, Partnerschaftsqualität ↓
Einfluss des sozioökonomischen Status der Eltern auf ihre Kinder
Physische Gesundheit
Kognitive Entwicklung
Sprachliche Entwicklung
Schulische Entwicklung
Sozial-emotionale Entwicklung
Psychische Gesundheit
Wohlbefinden der Familie
…
Einfluss des sozioökonomischen Status der Eltern auf die Entwicklung ihrer Kinder
Statistik
Staatl. Einkommensungleichheit und Gehirnstruktur
Rakesh et al. 2025
Ergebnis: die höhere soziale Ungleichheit eines Bundesstaates sagte
a) eine geringere kortikale Dichte,
b) eine geringere totale Gehirnoberfläche,
c) ein niedrigeres kortikales Volumen voraus, als in sozial gleicheren Bundesstaaten.
Soziale Ungleichheit ist ein eigenständiger Stressor für alle (!) Mitglieder dieser Gesellschaft
nach Hackman et al. 2010
nach Conger & Donnellan 2007
Bewertung der Entwicklungsbedingungen
Folgende Lebenslagendimensionen sind geeignet, Entwicklungsbedingungen von Kindern zu bewerten:
materielle Versorgung des Kindes: Versorgung in den Bereichen Wohnen, Nahrung und Kleidung.
„Versorgung“ im kulturellen Bereich: Bildung in den Bereichen Arbeits-, Spiel- und Sprachverhalten.
Situation im sozialen Bereich: soziale Integration hinsichtlich Kontakte und sozialer Kompetenzen.
psychische und physische Lage: Gesundheitszustand und die körperliche Entwicklung.
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