Elizabeth Loftus (1975)
Elizabeth Loftus zeigte, dass Erinnerungen nicht exakt gespeichert, sondern rekonstruiert werden und anfällig für Manipulation sind.
In ihrem Experiment sahen Teilnehmer:innen einen Film über einen Autounfall und wurden anschließend mit Suggestivfragen konfrontiert, die Details enthielten, die im Film nicht vorkamen.
Dies führte dazu, dass sich die Teilnehmer:innen fälschlich an Ereignisse „erinnerten“, die nicht stattgefunden hatten.
Loftus wies nach, dass Erinnerungen durch neue Informationen und gezielte Fragestellungen leicht verändert werden können.
Ihre Forschung hat große Bedeutung für die Psychologie und Rechtsprechung, da sie die Unzuverlässigkeit von Augenzeugenberichten verdeutlicht, die oft durch suggestive Befragungen verfälscht werden.
Jean Piaget (1896-1980)
Jean Piaget betrachtete Kinder im Gegensatz zum Behaviorismus als aktive Konstrukteure ihres Wissens, die ihre kognitiven Strukturen durch eigenständige Handlungen und Erfahrungen entwickeln.
Wissen entsteht durch physische und mentale Interaktion mit der Umwelt, wobei die kognitive Entwicklung in vier Stadien verläuft:
sensumotorisch (0–2 Jahre),
voroperativ (2–7 Jahre),
konkret-operativ (7–11 Jahre) und
formal-operativ (ab 11 Jahren).
Der Entwicklungsprozess basiert auf Äquilibration, einem Gleichgewicht zwischen Assimilation (Integration neuer Informationen) und Akkommodation (Anpassung an neue Erfahrungen).
Gemeinsam mit Vygotskij betonte Piaget die Rolle von Handlungen und sozialen Interaktionen für die kognitive Entwicklung.
Ulric Neisser (1928-2012)
Ulric Neisser gilt als Begründer der kognitiven Psychologie, wobei sein Werk Cognitive Psychology (1967) einen Meilenstein der kognitiven Wende darstellt.
Neisser erweiterte das behavioristische Stimulus-Response-Modell, indem er die zentrale Rolle kognitiver Prozesse betonte, die Reize im Gehirn transformieren, speichern und abrufen.
Er definierte Kognition als alle Prozesse der Informationsverarbeitung und sah sie als Grundlage jedes psychologischen Phänomens.
Die kognitive Psychologie umfasst Bereiche wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Wahrnehmung, Denken, Sprachverarbeitung, Lernen, mentale Repräsentationen, Entscheidungsfindung, Emotionen, kognitive Neurowissenschaften sowie exekutive Funktionen, die das Zusammenspiel von mentalen und neuronalen Prozessen untersuchen.
Georg A. Miller (1920-2012)
George A. Miller prägte zentrale Begriffe der kognitiven Psychologie:
1) Image: Mentale Repräsentation von Wissen und Umwelt,
2) Intention: Anpassung von Ist- an Soll-Zustand,
3) Plan: Abfolge von Handlungen zur Zielerreichung.
Mit dem TOTE-Modell (Test-Operate-Test-Exit) erklärte er, wie Handlungen durch Feedback-Schleifen überwacht und angepasst werden, um den Soll-Zustand zu erreichen und Inkongruenzen zu beseitigen.
Herbert A. Simon (1916-2001) & Allan Newell (1927-1992)
Newell und Simon beschrieben in "Human Problem Solving" (1972) die Problemraumtheorie, die kognitive Prozesse bei der Problemlösung modelliert.
Der Geist durchläuft dabei drei Prozesse:
1) Verstehen: Definition von Anfangszustand, Operatoren und Zielzustand,
2) Suche: Durchlaufen von Zwischenzuständen im Problemraum,
3) Lösung: Anwenden von Strategien zur Zielerreichung.
Ihre Theorie basiert auf einfachen Problemen, was Kritik an der ökologischen Validität auslöste.
Dieter Dörner (geb. 1938)
Dieter Dörner entwickelte 1975 computersimulierte Szenarien, um das Denken und Problemlösen unter realen Bedingungen wie Zeitdruck oder emotionaler Belastung zu untersuchen.
Problemlösen erfolgt laut ihm immer in spezifischen Kontexten und erfordert, komplexe Ausgangszustände in bessere Zielzustände zu überführen.
Im bekannten „Lohhausen“-Projekt mussten Teilnehmer als „Bürgermeister“ Entscheidungen für eine fiktive Stadt treffen, wobei unerwartete Nebenwirkungen die Komplexität des Problemlösens verdeutlichten.
Martin Kersting (geb. 1970)
Martin Kersting betonte bei komplexen dynamischen Systemen:
Komplexität (viele Variablen),
Vernetztheit (Wechselwirkungen zwischen Variablen),
Intransparenz (unsichtbare Zusammenhänge),
Dynamik (ständige Veränderungen) und
Polytelie (konkurrierende Ziele).
Problemlöser müssen Informationen sammeln, Ziele definieren, Entscheidungen treffen und mit Zeitdruck, Stress und Selbstmanagement umgehen.
Intelligenz und Fachwissen sind entscheidend für den Erfolg.
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