Stephen Bennett Manuck (geb. 1948)
Das Diathese-Stress-Modell von Manuck et al. (1990) erklärt die Entstehung von Krankheiten durch das Zusammenspiel einer genetischen oder erworbenen Anfälligkeit (Diathese) und Umweltstressoren.
Die Anfälligkeit bleibt latent, bis sie durch Stress oder andere äußere Faktoren aktiviert wird.
Bei Bluthochdruck (Hypertonie) führt eine genetische Veranlagung in Kombination mit hoher kardiovaskulärer Reaktivität und anhaltendem Stress zu einem erhöhten Erkrankungsrisiko.
Ohne Stress entwickelt sich die Krankheit trotz Veranlagung möglicherweise nicht.
Bei chronischen Rückenschmerzen verstärkt Stress die muskuläre Reaktion und kann Schmerzen auslösen.
Bewegungsvermeidung aufgrund von Fear-Avoidance-Beliefs führt zur Chronifizierung der Beschwerden.
Studien zeigen, dass betroffene Personen unter Stress eine verstärkte Muskelreaktion haben und langsamer zur Baseline zurückkehren, was die Schmerzen aufrechterhält.
Johan W.S. Vlaeyen und Steven J. Linton
Das Fear-Avoidance-Modell erklärt, wie akute Schmerzen durch Angst und Vermeidungsverhalten zu chronischen Schmerzen werden.
Schmerz wird als Bedrohung wahrgenommen, wodurch Angst und Sensibilisierung des Nervensystems verstärkt werden.
Aus Angst vor Schmerz meiden Betroffene Bewegung, was zu Dekonditionierung und erhöhter Schmerzempfindlichkeit führt.
Mit der Zeit weitet sich das Vermeidungsverhalten auf immer mehr Lebensbereiche aus, was soziale Isolation und psychische Belastungen verstärkt.
Zur Behandlung setzt das Modell auf kognitive Umstrukturierung, um schmerzbezogene Ängste abzubauen, Expositionsübungen, um Bewegung wieder aufzunehmen, und eine Kombination mit medizinischer Schmerztherapie, um akute Schmerzen zu lindern und die aktive Bewältigung zu fördern.
Albert Bandura (1925-2021)
Albert Banduras sozial-kognitive Theorie (1977) beschreibt Verhalten als das Zusammenspiel von Person, Verhalten und Umwelt.
Menschen sind aktive Gestalter ihres Handelns und nicht nur Reagierende auf äußere Reize.
Ein zentrales Konzept ist die Selbstwirksamkeitserwartung, also der Glaube an die eigene Fähigkeit, ein Verhalten erfolgreich auszuführen.
Dabei unterscheidet Bandura zwischen Handlungsselbstwirksamkeit, also dem Vertrauen, eine Aufgabe meistern zu können, und
der Ergebniserwartung, dem Glauben, dass das Verhalten zum gewünschten Ergebnis führt.
Die Selbstwirksamkeit wird durch vier Hauptquellen beeinflusst.
Eigene Bewältigungserfahrungen stärken das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und sind die wichtigste Quelle.
Stellvertretende Erfahrungen, also das Beobachten erfolgreicher Vorbilder, können ebenfalls die Selbstwirksamkeit erhöhen.
Verbale Ermutigung durch andere kann helfen, die Überzeugung in die eigene Kompetenz zu festigen.
Zudem beeinflussen physiologische und affektive Zustände die Selbstwirksamkeit, wobei Ruhe und Zuversicht sie fördern, während Stress und Angst sie schwächen.
Banduras Konzept ist in vielen psychologischen Bereichen von Bedeutung, insbesondere in der Gesundheitspsychologie, Pädagogik und klinischen Psychologie.
Eine hohe Selbstwirksamkeit fördert Motivation, Resilienz und erfolgreiche Verhaltensänderungen, indem sie die Bewältigung von Herausforderungen erleichtert und die langfristige Einhaltung gesundheitsförderlicher Verhaltensweisen unterstützt.
Ralf Schwarzer (geb. 1943)
Der Health Action Process Approach (HAPA) von Ralf Schwarzer (1992) beschreibt, wie gesundheitsförderliches Verhalten entwickelt, umgesetzt und langfristig aufrechterhalten wird.
Das Modell gliedert sich in zwei Hauptphasen:
In der motivationalen Phase entscheidet die Person, ob sie eine Verhaltensänderung anstrebt. Dies wird beeinflusst durch
Handlungs-selbstwirksamkeit (Glaube an die eigene Fähigkeit),
Ergebniserwartung (Überzeugung positiver Konsequenzen) und
Risikowahrnehmung (Einschätzung gesundheitlicher Risiken ohne Veränderung).
In der volitionalen Phase wird die Intention in konkrete Handlungen überführt.
Handlungsplanung legt fest, wann und wie das Verhalten ausgeführt wird, während
Bewältigungsplanung Strategien zur Überwindung von Hindernissen entwickelt.
Die Aufrechterhaltungs-selbstwirksamkeit hilft, das Verhalten trotz Schwierigkeiten fortzusetzen,
und die Erholungsselbstwirksamkeit ermöglicht es, nach Rückfällen wieder in das Verhalten zurückzukehren.
Zuletzt geändertvor 9 Tagen