In welche zwei Hauptbereiche lässt sich die Ergonomie (bzw. Informationsergonomie) unterteilen?
Barrierefreiheit (Accessibility): Belastungsreduktion speziell für Menschen mit Behinderungen.
Gebrauchstauglichkeit (Usability / UXD): Allgemeine Nutzbarkeit und positive Nutzungserfahrung für alle Anwender.
Wofür steht die Norm EN 301549 und welche Rolle spielt sie?
"Accessibility requirements for ICT products and services" (Barrierefreiheitsanforderungen für IKT-Produkte und -Dienstleistungen). Sie ist die zentrale europäische, harmonisierte Norm für digitale Barrierefreiheit und verweist für die genauen Kriterien direkt auf die WCAG.
Hintergrund für dich: Wenn eine Firma wissen will, wie sie das deutsche Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) technisch umsetzen muss, schaut sie in diese Norm. Sie regelt nicht nur Webseiten, sondern auch Software, Hardware und PDFs.
Wie lauten die 4 Prinzipien der Barrierefreiheit nach WCAG 2.1 (POUR-Prinzip) und was bedeuten sie praktisch?
Wahrnehmbar: Mindestens 2 Sinne ansprechen (z. B. Video + Untertitel für Sehen und Hören).
Bedienbar: Steuerung muss z. B. komplett per Tastatur (ohne Maus) möglich sein.
Verständlich: Klare Sprache und technische "Vorlesbarkeit".
Robust: Die Technik ist stabil und stürzt auch bei der Nutzung mit Assistenz-Tools (wie Screenreadern) nicht ab.
Was regelt die ISO 9241-11 und durch welche drei Kriterien definiert sie "Gebrauchstauglichkeit" (Usability)?
Sie ist die Grundnorm "Ergonomie der Mensch-System-Interaktion – Teil 11: Gebrauchstauglichkeit: Begriffe und Konzepte". Usability wird im jeweiligen Nutzungskontext definiert durch:
Effektivität: Die Aufgabe wird genau und vollständig erreicht.
Effizienz: Der dafür nötige Aufwand (Zeit/Ressourcen) ist gering.
Zufriedenstellung: Der Nutzer nutzt das System gerne und ohne Frust.
Was regelt die ISO 9241-110 und welches alternative, praktischere Modell existiert dafür?
Sie definiert abstrakte "Interaktionsprinzipien" (z. B. Aufgabenangemessenheit, Erwartungskonformität). Eine deutlich bessere und praxisnähere Umsetzung dieser Prinzipien findet man in den Usability-Heuristiken (Prinzipien) nach Norman/Nielsen.
Hintergrund für dich: Die Norm drückt sich oft sehr akademisch aus ("Robustheit gegen Benutzungsfehler"). Nielsen macht daraus handfeste Leitlinien für Designer, wie z.B. "Sichtbarkeit des Systemstatus" (ladebalken anzeigen) oder "Fehlervermeidung" (Eingaben vorher prüfen).
Zuletzt geändertvor 8 Tagen