Buffl

Kartenstapel

CW
von Christine W.

Erkläre die “Aktion T4”.

  • Schaltzentrale Euthanasie-Morde

    = Tiergartenstraße 4


    • angeblicher Anlass:

      -> “Kind K".”

      (Fall Knauer), Dokumente liegen nicht mehr vor

      • “Eltern schickten ein Gesuch an Hitler”, um Gnadentod für ihr körperlich und geistig schwer behindertes Kind zu gewähren

        -> lt. Kanzlei des Führers sei es die Oma gewesen

      • dem Kind habe das Augenlicht wie drei Gliedmaßen gefehlt

      • lt. Medizinhistoriker Udo Benzenhöfer (2006) erwies sich dieser Fall als unzutreffend


    • Ergebnis:

      Auftrag für ein “beratendes Gremium” für die “Kindereuthanasie” zusammenzustellen


      • Ärzte schickten Anträge auf Euthanasie dorthin

      • Meldebögen abzuschicken war freiwillig

        → keine Konsequenz wenn Ärzte Euthanasie verweigerten

      • jedoch wurden mitwirkende Ärzte/Pfleger finanziell belohnt


  • Euthanasie Beauftragte: Bouhler & Brandt (direkt von Hitler)

    • Zuständigkeit: Kanzlei des Führers

      -> nichtstaatliche Einrichtung der NSDAP

      -> unterstand Hitler direkt)

  • Entstehung mehrerer Scheinorganisationen zur Verschleierung

    -> u.a. „Gemeinnützige Krankentransportgesellschaft GmbH“ (Gekrat)

    • zuständig für Transport der Kranken in Tötungsanstalten

      (in sog. grauen Bussen)


  • Tötungsanstalten:

    -> Brandenburg a. d. Havel, Bernburg a. d. Saale, Sonnenstein

    -> Pirna

    -> Hadamar/ Limburg

    -> Grafeneck/ Württemberg

    -> Hartheim/ Linz

    (Eröffnung Januar 1940 und Januar 1941)

    (Schließung September 1940 und Ende 1941)


  • Angehörige erhielten nach Tod Briefe mit erfundener Todesursache

    -> Frage wohin Urne

    -> Info Kosten für Bestattung

    -> 2 Sterbeurkunden


  • Ca. 70.000 dokumentierte Tote

    -> zwischen rund 9400 - 18 300 pro Einrichtung getötet


Wie kam es zum Wendepunkt der modernen psychiatrischen Versorgung?

(1968, als Wendepunkt der psychiatrischen Versorgung)

  • Einführung Psychopharmaka (50er Jahre)

    -> Chlorpromazin, 1952

    -> infolgedessen weitere Neuroleptika, Antidepressiva, Lithium

    = erstmalig erfolgreiche Behandlung von psychotischen und schwer affektiven Symptomen

    • Enthospitalisierung mit kürzeren Verweildauern

      = Idee, dass psychisch Kranke außerhalb von Einrichtungen leben könnten

  • Besuch von Krankenhäusern

    -> durch Wissenschaftler, Angehörige, Journalisten

    = Erkennen von Missständen

    -> viele Proteste gegen autoritäre Strukturen

    = Staat, Familie, Universitäten, Medizin

  • 1970, Sozialistisches Patientenkollektiv (SPK)

    (Grenzfall zwischen Psychiatriereform und politischem Radikalismus)

    -> Demo in psychiatrischer Poliklinik gegen Entlassung des Assistenzarztes Wolfang Huber, wegen wachsender Konflikte

    -> besetzten das Büro des Verwaltungsdirektors und traten in den Hungerstreik (Februar)

    -> Besetzung weiterer Räume mit mehr Patienten

    -> Juli 1970 an Uni Heidelberg gegründet

    • von 52 Psychiatriepatient:innen und Wolfgang Huber

    -> Leitsatz: “Aus der Krankheit eine Waffe machen”

    • psychiatrische Krankheiten nicht als individuelles medizinisches Problem sondern durch Gesellschaft bedingt

    • sondern direktes Symptom des Kapitalismus

      → Patienten sollen nur wieder tauglich für krankmachende Gesellschaft gemacht werden

      -> lt. Hubert wurden Patienten durch revolutionäres Potenzial als “politische Gefangene” gehalten

      = Ziel: Aufhebung der Hierarchie zwischen Arzt und Patienten

      • Gängige Behandlungsmethoden wurden scharf kritisiert

        -> SPK forderte Selbstorganisation + Kontrolle des Gesundheitswesens durch Patienten

      • SPK radikalisierte sich immer mehr

        -> v.a. nach Selbstmord eines Mitgliedes 1970

        • Radikalisierung in der Rhetorik der Flugblätter

        • Fund von Sprengstoffmaterial und Geräte zur Urkundenfälschung in Ursel Hubers Keller

      • Auflösung im Juli 1971

        (viele Mitglieder schlossen sich RAF an)

        • Verurteilung Wolfgang und Ursel Hubers im Dez 1971 zu 4,5 Jahren Haft

          • Wolfgang verlor zudem Approbation als Arzt

        • Schusswechsel mit Polizei, November 1972

          → SPK-Mitglieder entzogen sich Ermittlungen und als Folge der Fahndung Schusswechsel


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Christine W.

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