Welche Entscheidungsformen gibt es beim gerichtlichen Verfahren?
§ 160 III Nr. 6 ZPO
Urteile
Beschlüsse
Verfügungen
Was ist der Unterschied zwischen einem Urteil, einem Beschluss und einer Verfügung?
Urteil § 300 ff. ZPO
= beendet den Streit nach einer mündlichen Verhandlung, und damit entscheidet das Gericht wer im Recht ist.
formbedürftige Entscheidungen
es geht grundsätzlich mündliche Verhandlung voran § 128 I ZPO (Verzicht möglich § 128 II ZPO)
=> dagegen kann man Berufung §§ 511 ff. ZPO oder Revision §§ 542 ff. ZPO einlegen
Beschluss
= Gericht entscheidet ohne mündliche Verhandlung oft bei Eilverfahren, Beweisanträgen
häufig nur Entscheidung über einzelne Verfahrensfragen
=> Anfechtung mit Beschwerde § 567 ZPO
Verfügung
= (interner Arbeitsauftrag des Richters), sie kann einen Prozess nicht beenden
Beispiel: Ladung eines Zeugen, Terminbestimmung § 272 II ZPO, vorbereitende Maßnahmen § 273 ZPO
Was steht am Ende eines Prozesses?
Eine gerichtliche Entscheidung (wie Urteil oder Beschluss) und damit ein Titel der vollstreckt werden kann.
Was ist für eine Zwangsvollstreckung erforderlich (Voraussetzungen)?
Reihenfolge Voraussetzungen § 750 ZPO
ein vollstreckbarer Titel (Wer kriegt was?)
= Beweis für den Anspruch gegen den Schuldner
=> rechtskräftig geworden oder vorläufig vollstreckbar
Vollstreckungsklausel § 725 ZPO (Darf vollstreckt werden?)
= amtlicher Vermerk, dass der Titel vollstreckbar ist
Zustellung (Weiß der Schuldner Bescheid?)
= Titel muss dem Schuldner vor oder bei Beginn der Maßnahme förmlich zugestellt worden sein
ein formeller Vollstreckungsantrag des Gläubigers
muss schriftlich sein
ist an zuständigen Gerichtsvollzieher oder an Vollstreckungsgericht zu richten
Welche verschiedenen Klagearten gibt es im Zivilprozess?
Leistungsklage
= auf ein Tun, Dulden oder Unterlassen gerichtet
Feststellungsklage § 256 ZPO
= klärt Bestehen oder Nichtbestehen eines Rechtsverhältnisses
! Feststellungsinteresse erforderlich
Gestaltungsklage
= Rechtsverhältnis ändert sich
(häufigste: Klage auf Scheidung der Ehe)
Ob bzw. wie ist der Anspruch auf eine Willenserklärung durchsetzbar?
Das regelt § 894 ZPO
Was ist der Sinn und Zweck der Sperrwirkung des EBV?
Der Schutz des redlichen Besitzers, ansonsten könnte die Haftungsprivilegierung des EBV umgangen werden.
Dieser wird geschützt, weil ohne eigenes Verschulden darauf vertraut ein Recht zum Besitz zu haben.
Anfechtung eines nichtigen Rechtsgeschäfts möglich?
e.A.: Nein
für Anfechtung ist wirksames Rechtsgeschäftliches erforderlich
a.A.: Ja (Kippsche Lehre von der Doppelwirkung/ der Doppelnichtigkeit)
Prozessökonomie: manchmal einfacher zu beweisen als der Nichtigkeitsgrund
eine nichtige Willenserklärung ist ja trotzdem existent/abgegeben, hat nur keine Wirkung
Was ist die ordentliche Gerichtsbarkeit?
Die Zivil- und Strafgerichte
Nicht: Arbeits-, Sozial-, Verwaltungs- und Finanzgerichtsbarkeit (Art. 95 GG)
§ 13 GVG regelt, was vor ordentlicher Gerichtsbarkeit verhandelt wird
Instanzenzug im Zivilrecht
AG 1. Instanz
Berufung: LG § 72 GVG
! Ausnahme: OLG § 119 I Nr. 1a GVG bei Familiengericht
Revision: BGH § 133 GVG
LG 1. Instanz
Berufung: OLG § 119 I Nr. 2 GVG
Arten der Unmöglichkeit
Unmöglichkeit ist das Unvermögen, die geschuldete Leistung zu erbringen.
Anfängliche Unmöglichkeit § 311a I BGB & nachträgliche Unmöglichkeit § 275 BGB
Vollständige Unmöglichkeit & Teilweise Unmöglichkeit
Rechtliche Unmöglichkeit & Tatsächliche Unmöglichkeit
Objektive Unmöglichkeit § 275 I Var. 2 BGB & Subjektive Unmöglichkeit § 275 I Var. 1 BGB
Unzumutbarkeit § 275 II, III BGB
Der Unterschied zwischen sachlicher und örtlicher Zuständigkeit?
sachliche Zuständigkei
= es geht darum welche Instanz zuständig ist
örtliche Zuständigkeit
= er geht um den konkreten Ort des zuständigen Gerichts
Wie bestimmt man den Streitwert in einem Verfahren?
Das richtet sich nach den §§ 2 ff. ZPO
Was ist der Unterschied zwischen dem ausschließlichen Gerichtsstand und dem allgemeinen Gerichtsstand?
Der ausschließlichen Gerichtsstand ist vorrangig vor dem allgemeinen Gerichtsstand und es besteht zudem nicht die Möglichkeit eine Gerichtsstandvereinbarung nach § 38 ZPO zu treffen.
Gerichtsstand bei Streitigkeiten aus einem Vertragsverhältnis?
Gerichtsstand des Erfüllungsortes § 29 ZPO
Der Erfülungsort ist der Ort, an dem eine Vertragspartei ihre Pflichten rechtlich erbringen muss, dieser kann vertraglich vereinbart werden. Liegt keine Vereinbarung vor, dann ist der Erfüllungsort im Zweifel der Wohn- oder Geschäftssitz des jeweiligen Schuldners § 269 BGB
Beschaffenheitsvereinbarung
Eine Beschaffenheitsvereinbarung ist die vertragliche Festlegung von Eigenschaften und Merkmalen, die eine Sache aufweisen muss.
Zur Beschaffenheit der Sache zählen alle physischen Merkmale der Sache sowie sämtliche Beziehungen zur Umwelt, die ihren Wert beeinflussen.
Warum ist Feststellungsklage subsidiär zur Leistungsklage?
Kein Vollstreckungstitel
= Feststellungsurteil stellt lediglich das Bestehen oder Nichtbestehen eines Rechtsverhältnisses fest. Es berechtigt nicht zur Zwangsvollstreckung, weil Zweck eines Zivilprozesses in der effektiven Rechtsdurchsetzung und Streitbeilegung liegt, muss der Kläger Leistungsklage wählen, wenn möglich.
Vermeidung doppelter Prozesse
= Könnte der Kläger direkt auf Handlung, Duldung oder Unterlassung klagen, würde ein vorgeschalteter Feststellungsprozess nur zu unnötigen Verzögerungen und doppelten Kosten führen.
Fehlendes Feststellungsinteresse
= Für eine Feststellungsklage ist das sogenannte "Feststellungsinteresse" zwingende Voraussetzung. Ein solches fehlt in der Regel, wenn der Kläger bereits Leistungsklage erheben könnte.
Was sind Merkmale einer Gestaltungsklage?
Konstitutive Wirkung: Das Urteil stellt das Recht nicht nur fest, sondern gestaltet es aktiv neu.
Keine Vollstreckung: Das Urteil setzt sich mit Rechtskraft selbst um. Eine Zwangsvollstreckung (außer für die Prozesskosten) entfällt.
Wirkung gegen alle (Inter-omnes-Wirkung): In vielen Fällen (wie bei einer Scheidung) wirkt das Urteil nicht nur zwischen den Parteien, sondern gegenüber jedermann
Wann liegt ein Feststellungsinteresse für die Feststellungsklage § 256 ZPO vor?
Ein Feststellungsinteresse besteht nur, wenn dem Recht oder der Rechtslage des Klägers eine gegenwärtige Gefahr oder Unsicherheit droht und wenn das erstrebte Urteil geeignet ist, diese Gefahr zu beseitigen.
Wann fehlt allgemeines Rechtsschutzbedürfnis?
Das Rechtsschutzbedürfnis fehlt, wenn der Kläger sein Ziel auf einfachere, kostengünstigere oder schnellere Weise erreichen kann.
Zum Beispiel fehlt es:
Einfachere Wege: Der Kläger hat den Anspruch vorgerichtlich nicht ernsthaft angemahnt oder der Beklagte hat sofort anerkannt (siehe auch § 93 ZPO).
Unnötiger Rechtsstreit: Der Beklagte ist bereits zur Leistung bereit oder hat den Kläger ohnehin nie bestritten.
Kein aktueller Anlass: Die Klage zielt auf rein theoretische Fragen oder hypothetische Rechtsverhältnisse ab, ohne dass ein konkreter Streit vorliegt.
Verfristung oder Verwirkung: Das Recht zur Klageerhebung wurde verwirkt oder gesetzliche Fristen wurden versäumt.
Vorzeitigkeit: Der Anspruch ist noch gar nicht fällig.
Fehlender Vollstreckungswert: Das Urteil würde dem Kläger keinen echten rechtlichen oder wirtschaftlichen Vorteil bringen.
Wie kann man einen Anspruch durchsetzen bzw. wie kommt man vor Gericht?
Durch das Mahnverfahren oder Klage erheben
Was gibt es für Vollstreckungstitel?
§§ 704, 794 ZPO
Beispiele:
aus rechtskräftigem Endurteil
aus Vergleich zwischen Parteien
aus Kostenfestsetzungsbeschlüssen
aus Vollstreckungsbescheiden
Was passiert, wenn einer der Parteien während des Prozesses stirbt?
Das regelt § 239 ZPO
Wie kann eine Streitsache rechtshängig werden?
Sie wird rechtshängig durch Erhebung der Klage § 261 ZPO
Die Erhebung erfolgt durch die Zustellung (§166 ZPO) der Klageschrift § 253 ZPO.
Rechtshängigkeit auch nach § 696 III ZPO (es handelt sich um eine Fiktion)
Wie kann man Klage erheben?
Durch Einreichung eines Schriftsatzes § 253 ZPO oder man kann es mündlich zu Protokoll geben bei der Geschäftsstelle § 496 ZPO
Was ist die Vollstreckungsklausel nach § 725 ZPO?
Sie ist ein amtliche Bescheinigung, die einen Titel für vollstreckbar erklärt
ohne diese Klausel kann nicht vollstreckt werden
entlastet das Vollstreckungsorgan, das nur prüfen muss, ob Klausel vorliegt
Was ist ein Versäumnisurteil und wann wird es erlassen?
Es ist in den §§ 330 ff. ZPO geregelt und ist ein besonderes Urteil, welches gefällt wird, wenn eine Partei säumig ist (echtes VU) oder die Klage unschlüssig ist (unechtes VU) es ergeht nur auf Antrag einer Partei und dagegen kann Einspruch eingelegt werden gemäß § 338 ZPO.
Welches ist das zuständige Mahngericht in Niedersachsen?
Das Amtsgericht Uelzen
§ 689 III ZPO i.V.m. § 20 ZustVo-Justiz) = Zuständigkeitsverordnung Justiz
Sachliche Zuständigkeit von Gerichten
Für die sachliche Zuständigkeit wird in § 1 ZPO auf Regelungen im GVG verwiesen.
§§ 23 ff. GVG Regelungen zur Zuständigkeit des Amtsgericht
! Streitwertänderung von 5.000€ auf 10.000€ erhöht
§§ 71 ff. GVG Regelungen zur Zuständigkeit des Landgerichts
§ 119 GVG Regelungen für Zuständigkeit des Oberlandesgericht
§ 133 GVG Regelungen für Zuständigkeit des BGH (nur Revision)
Örtliche Zuständigkeit von Gerichten
In §§ 12 ff. ZPO geregelt
allgemeiner Gerichtsstand §§ 13 ff. ZPO
=> natürliche Person: Wohnsitz des Beklagten §§ 7-11 BGB
=> juristische Personen: Sitz (Ort wo Verwaltung geführt wird)
besonderer Gerichtsstand
= steht neben allgemeinem Gerichtsstand, verdrängt diesen also nicht
=> i.d.R. Geltendmachung bestimmter Ansprüche
=> Wahlrecht des Klägers, wenn mehrere Gerichtsstände einschlägig sind § 35 ZPO
ausschließlicher Gerichtsstand
= verdrängende Wirkung gegenüber anderen Gerichtsständen, wenn einschlägig, dann richtet sich örtliche Zuständigkeit zwingend nach dieser Norm
Gerichtsstandvereinbarung §§ 38, 40 ZPO
Voraussetzungen Berufung § 511 ZPO
zuständiges Gericht
Berufung gegen Urteil AG: LG § 72 GVG
Berufung gegen Urteil LG: OLG § 119 I Nr. 2GVG
Statthaftigkeit der Berufung
Wert des Beschwerdegegenstands übersteigt 1000€
ODER
Gericht des ersten Rechtszuges lässt Berufung zu
Beschwer
Berufung ist nur zulässig, wenn der Berufungskläger durch die erstinstanzliche Entscheidung beschwert ist. Der Kläger ist beschwert, wenn die angefochtene Entscheidung von der von ihm beantragten abweicht (formelle Beschwer). Der Beklagte ist dagegen durch jede Entscheidung beschwert, die für ihn materiell nachteilig ist (materielle Beschwer).
Form § 519 ZPO
Frist § 517 ZPO
Ordnungsgemäße Berufungsbegründung § 520 ZPO
Voraussetzungen Revision § 542 ZPO
Statthaftigkeit § 542 ZPO
= nur gegen Endurteile der Berufungsinstanz
Zulassung der Revision § 543 ZPO
Berufungsgericht im Urteil
Revisionsgericht auf Beschwerde gegen Nichtzulassung § 544 ZOP
Form § 549 ZPO
Frist § 548 ZPO
Begründung § 551 ZPO
muss Angabe Revisionsgrund §§ 545, 547 ZPO enthalten
Voraussetzungen eines Mahnverfahrens § 688 ZPO
Mahnverfahren ist ein schnelles, kostengünstiges und automatisiertes Verfahren, um unstreitige Geldforderungen gerichtlich durchzusetzen, dadurch kann langwieriger Zivilprozess vermieden werden
Voraussetzungen § 688 ZPO:
nur Geldforderungen
keine Gegenleistung: Antragsteller hat seine eigene vertragliche Verpflichtung bereits vollständig erfüllt
Zulässig sein: nicht zulässig bei Voraussetzungen § 688 II ZPO
Ablauf eines Mahnverfahrens § 688 ZPO
Antrag des Gläubigers auf Erlass eines Mahnbescheids § 690 ZPO
Das Gericht erlässt Mahnbescheid § 692 ZPO
Mahnbescheid wird zugestellt § 693 ZPO
Reaktion des Schuldners (3 Varianten):
Zahlen (begleicht die Forderung): Verfahren ist beendet
Widerspruch § 694 ZPO: es kommt zu einem normalen Zivilprozess § 696 ZPO
Keine Reaktion: nach Ablauf der Frist (2 Wochen § 692 I Nr. 3 ZPO) kann Gläubiger Vollstreckungsbescheid beantragen § 699 ZPO
Unterschied Vollstreckungstitel und Vollstreckungsbescheid
Vollstreckungstitel
= Oberbegriff für ein Dokument, dass Voraussetzung für Durchsetzung eines Anspruchs im Rahmen der Zwangsvollstreckung ist, Vollstreckungstitel können in verschiedenen Formen existieren (z.B. gerichtliche Urteile, Vollstreckungsbescheide und notarielle Urkunden)
Vollstreckungsbescheid
= ein konkreter Titel im Rahmen des Mahnverfahrens § 699 ZPO, wenn Schuldner nicht reagiert
Was ist ein Vergleich?
Vergleich ist ein Vertrag, mit dem zwei Parteien einen Streit oder eine Ungewissheit über ein Rechtsverhältnis durch gegenseitiges Nachgeben (Kompromiss) beseitigen. Er dient dazu, Rechtsfrieden zu schaffen, und kann sowohl außergerichtlich als auch während eines laufenden Verfahrens (Prozessvergleich) geschlossen werden.
Was ist das Verhältnis zu GVG und ZPO?
GVG ist das Organisationsgesetz (Welches Gericht ist zuständig)
ZPO ist das Verfahrensgesetz (Ablauf des Prozesses)
GVG bildet das Fundament, auf dem die ZPO aufbaut
Willenserklärung Definition und Prüfungsaufbau
Eine Willenserklärung ist eine Entäußerung des Willens in den Rechtsverkehr, die auf die Herbeiführung einer Rechtsfolge gerichtet ist.
objektiver Tatbestand: Rechtsbindungswille
= durfte ein objektiver Dritter davon ausgehen, dass der Erklärende mit seiner Erklärung eine Rechtsfolge herbeiführen wollte
subjektiver Tatbestand
a) Handlungswille
b) Erklärungsbewusstsein
c) Geschäftswille
Arten von Urteilen
Wirkung
Endurteil
Vorbehaltsurteil
Zwischenurteil
Gegenstand
Leistungsurteil
Feststellungsurteil
Gestaltungsurteil
Rechtskraftwirkung
Prozessurteil (Entscheidung nur über formelle Fragen (Klage wird als unzulässig abgewiesen)
Sachurteil (Prüfung des Streitkerns und Entscheidung in der Sache selbst)
In welcher Reihenfolge findet ein Zivilprozess für gewöhnlich statt?
Klageeinreichung
Klagezustellung (beim Beklagten) §§ 253, 166 ff. ZPO
schriftliches Vorverfahren § 276 ZPO
Güteverhandlung § 278 ZPO
Beweisaufnahme § 284 ZPO
Schluss der mündlichen Verhandlung
Urteilsverkündung § 310 ff. ZPO
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