Welche Gelenke sind eher nicht befallen?
Die DIP -Gelenke sind für die klassische rheumatoide Arthritis eher untypisch. (Das ist ganz oben beim Daumen)
Welche anatomischen Strukturen sind im Gelenk bei der rheumatoiden Arthritis besonders betroffen?
Primär betroffen ist die Synovialis, also die Gelenkinnenhaut.
Was passiert mit der Synovialis bei Vorliegen einer Arthritis?
Durch die chronische Entzündung kommt es zur Verdickung und Proliferation der Synovialis.
Daraus entsteht der sogenannte Pannus, der Knorpel und gelenknahen Knochen angreift.
Was kann im Verlauf nach der Synovialis alles betroffen sein?
Im Verlauf können auch Sehnen, Sehnenscheiden, Bursen und Bandstrukturen betroffen sein.
Welche anatomische Struktur ist beim Karpaltunnelsyndrom betroffen, das bei rheumatoider Arthritis auftreten kann?
Beim Karpaltunnelsyndrom wird der Nervus medianus im Bereich des Karpaltunnels komprimiert.
Bei rheumatoider Arthritis kann dies durch Synovitis, Tendovaginitis oder Schwellung im Bereich des Handgelenks entstehen.
Erklären Sie die Pathophysiologie der rheumatoiden Arthritis.
Chronisch, entzündliche Autoimmunerkrankung.
Bei genetischer Prädisposition können Triggerfaktoren wie Rauchen oder Infektionen eine fehlgeleitete Immunantwort auslösen.
-> entzündlichen Infiltration der Synovialis. Lymphozyten, Monozyten und andere Immunzellen setzen proinflammatorische Zytokine frei
-> weitere Entzündungsmediatoren, Komplementfaktoren sowie knorpel- und gewebeschädigende Enzyme wie Kollagenasen und Elastasen werden aktiviert
-> Synovialis proliferiert und bildet einen Pannus, der Knorpel und Knochen destruiert
Was versteht man unter Pannusbildung?
entzündlich verändertes, wucherndes Synovialgewebe.
Gewebe überwächst den Gelenkknorpel und führt durch Freisetzung von Enzymen und Entzündungsmediatoren zu Knorpelzerstörung, Knochenerosionen und langfristig zu Gelenkdestruktion.
Welche Rolle spielt der Rheumafaktor?
ist ein Autoantikörper gegen das Fc-Fragment von IgG.
Er ist bei vielen Patientinnen und Patienten nachweisbar, aber nicht hochspezifisch.
Welche Rolle spielt der Anti-CCP-Antikörper?
ACPA richten sich gegen zyklisch zitrullinierte Peptide
sind deutlich spezifischer für die rheumatoide Arthritis und können bereits früh oder sogar Jahre vor klinischer Manifestation nachweisbar sein
Welche klinischen Zeichen sprechen für eine rheumatoide Arthritis?
symmetrischer Befall kleiner Gelenke
Beteiligung von MCP-, PIP- und Handgelenken
Morgensteifigkeit über 60 Minuten
Beschwerden seit mehr als sechs Wochen
schmerzhafter Händedruck
positiver Querdruckschmerz der Hände
teigige Gelenkschwellung
Ruheschmerz
Allgemeinsymptome wie Abgeschlagenheit, subfebrile Temperaturen und nächtliches Schwitzen
mögliche Rheumaknoten
Was ist ein typisches frühes klinisches Zeichen der rheumatoiden Arthritis an der Hand?
Gaenslen-Zeichen, also ein Kompressionsschmerz der Hand auf Höhe der Fingergrundgelenke bei Querdruck
Welche extraartikulären Manifestationen können bei rheumatoider Arthritis auftreten?
Haut: Rheumaknoten, vaskulitische Veränderungen
Augen: Keratoconjunctivitis sicca, Skleritis, Episkleritis
Lunge: Pleuritis, interstitielle Lungenerkrankung, Lungenfibrose
Herz: Perikarditis, Myokarditis
Gefäße: Vaskulitis, Raynaud-Syndrom, Purpura, Fingerkuppennekrosen
Nervensystem: rheumatische Neuropathie, Karpaltunnelsyndrom
Welche Verlaufsformen der rheumatoiden Arthritis gibt es?
schleichender
subakuter oder
akuter Beginn
Welche Verlaufsform ist häufig?
Häufig beginnt die Erkrankung schleichend mit Gelenkschmerzen, Schwellung und Steifigkeit, wobei über Wochen bis Monate immer mehr Gelenke betroffen sind.
Welche anamnestischen Fragen sind bei Verdacht auf rheumatoide Arthritis besonders wichtig?
Dauer der Beschwerden
Morgensteifigkeit und deren Dauer
Anzahl der betroffenen Gelenke
symmetrischem oder asymmetrischem Befall
Befall kleiner Gelenke, insbesondere MCP, PIP und MTP
Beschwerdemaximum am Morgen
Einschränkungen beim Faustschluss
Familienanamnese
Rauchen
Allgemeinsymptomen
extraartikulären Symptomen wie Luftnot, trockenen Augen oder Mundtrockenheit
Welche körperlichen Untersuchungsbefunde erwarten Sie?
druckschmerzhafte Gelenke
tastbare, teigige Schwellung über dem Gelenkspalt
Überwärmung
Bewegungseinschränkung
Funktionsverlust
Fehlstellungen
positiven Querdruckschmerz der Hände oder Füße
Einsinken der Interossealräume durch Inaktivitätsatrophie
Hinweise auf extraartikuläre Manifestationen
Welche Laborparameter bestimmen Sie?
CRP
BSG
Blutbild
Leukozyten und Thrombozyten
Ferritin als Akute-Phase-Protein
Rheumafaktor
Anti-CCP-Antikörper
ggf. ANA
Leberwerte, Nierenwerte und Kreatinin vor Beginn einer DMARD-Therapie
Welche Laborkonstellation ist typisch?
erhöhte Entzündungsparameter,
eventuell Leukozytose,
Thrombozytose und
eine normo- oder mikrozytäre Entzündungsanämie.
Wie helfen die ACR/EULAR-Klassifikationskriterien von 2010?
unterstützen die frühe Diagnosestellung und Therapieeinleitung
Was wird bei den ACR/EULAR-Klassifikationskriterien von 2010 betrachtet?
Anzahl und Art der betroffenen Gelenke
Serologie mit Rheumafaktor und Anti-CCP-Antikörpern
Entzündungsparameter CRP und BSG
Symptomdauer
Wann wird bei Betrachtung der ACR/EULAR-Klassifikationskriterien von 2010 von einer rheumatoiden Arthritis ausgeganen?
bei mindestens 6 Punkten und gesicherter Synovitis in einem typischen Gelenk ohne bessere alternative Ursache
Welche bildgebenden Verfahren kommen infrage?
Arthrosonografie als erste Wahl bei Früharthritis oder zum Nachweis von Ergüssen und Synovitis
Röntgen: Standardverfahren zur Erstbeurteilung
MRT: zur Detektion früher Veränderungen
Was sind typische Befunde einer Arthosonografie?
Erguss,
Exsudate,
synoviale Proliferation,
Hyperperfusion im Power-Doppler,
Usuren,
Bursitis und
Tendovaginitis.
Was sind typische Befunde im Röntgen?
periartikuläre Weichteilschwellung,
periartikuläre Osteoporose,
Gelenkspaltverschmälerung und
marginale Erosionen.
Später können Subluxationen, Ankylosen und Gelenkdestruktionen auftreten.
Was kann man im MRT beurteilen?
synoviale Hyperämie,
Hyperplasie,
Gelenkergüsse,
subchondrale Zysten und
juxtaartikuläre Knochenmarksödeme.
Wann ist ein MRT besonders wichtig?
Bei Verdacht auf HWS-Beteiligung oder Myelonkompression ist das MRT besonders wichtig.
Welche Differenzialdiagnosen müssen bedacht werden?
aktivierte Arthrose
Psoriasisarthritis
Gicht
andere entzündlich-rheumatische Erkrankungen
infektiöse oder reaktive Arthritiden
Was sind die Therapieziele bei rheumatoider Arthritis?
rasche Kontrolle der Entzündung
Schmerzreduktion
Verhinderung von Knorpel- und Knochendestruktion
Erhalt von Gelenkfunktion und Lebensqualität
Vermeidung extraartikulärer Komplikationen
möglichst Remission oder niedrige Krankheitsaktivität
Wie sieht die medikamentöse Akuttherapie aus?
Einsatz von Glukokortikoiden bis die Basistherapeutika wirken
Danach sollten sie reduziert und innerhalb von 3-6 Monaten ausgeschlichen werden.
NSAR oder Coxibe können symptomatisch gegen Gelenkschmerzen eingesetzt werden, verbessern aber nicht die Prognose.
Opioide nur in Ausnahmefällen nach Ausschöpfung anderer Optionen.
Was ist die Basistherapie der rheumatoiden Arthritis?
DMARDs
Erste Wahl bei der Basistherapie?
ein konventionell-synthetisches DMARD, insbesondere Methotrexat.
Wann ist nach Therapiebeginn mit einem Wirkungseintritt zu rechnen?
erst nach Wochen bis Monaten
Was muss vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie beachtet werden?
Impfstatus nach STIKO-Empfehlungen
Ausschluss einer latenten Tuberkulose vor tsDMARDs oder bDMARDs
Ausschluss einer Hepatitis B
je nach Risiko HIV, Malignome oder demyelinisierende Erkrankungen
Aufklärung über erhöhtes Infektionsrisiko
Aufklärung über Nebenwirkungen und Toxizität
Prüfung von Kontraindikationen
Welche nicht-medikamentösen Maßnahmen sind wichtig?
Physiotherapie
Ergotherapie
Gelenkschutz
Bewegungstherapie
Hilfsmittelversorgung
Rauchstopp
Gewichtsnormalisierung bei Übergewicht
Welche Gelenke sind bei der rheumatoiden Arthritis typischerweise betroffen?
Typisch ist der Befall kleiner Gelenke, vor allem:
Fingergrundgelenke, also MCP -Gelenke
Handgelenke
Fingermittelgelenke, also PIP -Gelenke
Zehengrundgelenke, also MTP -Gelenke
Auch Knie-,
Schulter-,
Sprung-,
Ellenbogen-,
Kiefer- und
HWS-Gelenke können betroffen sein.
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