Was passiert bei einer Pneumonie?
Bei einer Pneumonie kommt es zu einer entzündlichen Infiltration des Lungenparenchyms, insb. der Alveolen und kleinen Atemwege.
Dabei entstehen: entzündliches Exsudat, Flüssigkeit, Zelltrümmer und Sekret Diese füllen die Alveolen und Bronchiolen teilweise.
Wie erklären Sie das Auftreten von Rasselgeräuschen?
Während der Inspiration öffnen sich kollabierte, sekret- oder flüssigkeitsgefüllte Alveolen plötzlich.
Das ruckartige Öffnen führt zu kurzen, diskontinuierlichen Geräuschen → Rasselgeräusche.
Zusätzlich strömt Luft durch flüssigkeitsgefüllte Atemwege, was das Geräusch verstärkt.
Typisch für Pneumonie sind feinblasige, klingende Rasselgeräusche, meist lokal begrenzt.
Mögliche weitere Auskultationsbefunde
Grobblasige Rasselgeräusche
Giemen (pfeifend)
Brummen
Stridor
Pleurareiben
Bei welchen Krankheitsbildern treten typischerweiese grobblasige Rasselgeräusche auf?
Bronchitis
Bronhiektasen
fortgeschrittene Pneumonie
Bei welchen Krankheitsbildern tritt Giemen auf?
COPD und Asthma
Bei welchen Krankheitsbildern tritt Brummen auf?
COPD
chronische Bronchitis
Bei welchen Krankheitsbildern tritt ein Stridor auf?
Fremdkörper
Tumore
Larynxödem
Bei welchen Krankheitsbildern tritt Pleurareiben auf?
Pleuritis
Pneumonie mit pleuraler Beteiligung
Was passiert bei einem Pleurareiben?
Entzündete Pleura visceralis und parietalis reiben aneinander
Was ist ein Stidor?
Verengung der oberen Atemwege
Wodurch entsteht Brummen?
Sekret in größeren Brochien
Wodurch entsteht Giemen?
Verengung der kleinen Atemwege
Wodurch entstehen grobblasige Rasselgeräusche?
Luft strömt durch größere, sekretgefüllte Bronchien
Wie definieren Sie eine ambulant erworbene Pneumonie (CAP)?
Pneumonie, die außerhalb des Krankenhauses erworben wurde
Welche typischen Erreger kommen bei einer CAP infrage?
Häufig kein Erregernachweis (in bis zu 60% der Fälle!)
Bei Erregernachweis, häufig:
Bakterien (insb. Pneumokokken, Hämophilus influenza),
Atemwegsviren (Rhinovirus, Influenza, Corona, RSV)
Atypische Erreger sind:
Legionella pneumophila,
Chlamydien,
Pseudomonas,
Moraxella Enterobacterales: Klebsiellen, E. coli
Welche Erreger sind sehr selten Ursache einer Pneumonie?
Pilze
Parasiten
Welche pathophysiologischen Prozesse führen zu Fieber, Schüttelfrost und produktivem Husten?
Alveolarmakrophagen & Monozyten setzen proinflammatorische Zytokine frei (Interleukine) -> wirken als endogene Pyrogene -> der Sollwert der Körpertemperatur wird erhöht -> Fieber
Der rasche Anstieg des hypothalamischen Temperatursollwerts führt dazu, dass der Körper die aktuelle Temperatur als „zu niedrig“ wahrnimmt.
Als Reaktion kommt es zu:
Vasokonstriktion der Hautgefäße
unkontrollierten Muskelkontraktionen (Kältezittern)
lokale Entzündung der Atemwege mit vermehrter Schleim- und Exsudatbildung reizt Hustenrezeptoren und führt zu produktivem Husten
Welche Risikofaktoren kennen Sie, die eine CAP begünstigen?
Alter: <5 Jahre, ≥65 Jahre
Geschlecht: m > f
Eingeschränkte Immunfunktion:
HIV-Infektion,
Hämatologischer Erkrankung,
Immunsuppressive Therapie (z.B. Chemotherapie)
Lebensstilfaktoren:
Rauchen,
übermäßiger Alkoholkonsum,
Mangelernährung,
Mangelnde Zahnhygiene,
Häufiger Kontakt mit Kindern,
Luftverschmutzung
Komorbiditäten:
Pulmonal: Bspw. Asthma bronchiale, COPD, zystische Fibrose,
Kardiovaskulär: Bspw. Herzinsuffizienz, Metabolisch: Bspw. Diabetes mellitus
Neurologisch: Z.n. Schlaganfall, Bewusstseinsstörungen
Medikamente: Glucocorticoide
Insuffizienter Impfschutz
Welche klinischen Symptome und Befunde sprechen für eine ambulant erworbene Pneumonie?
akuter Husten,
Fieber,
Dyspnoe,
Tachypnoe,
pleuritische Thoraxschmerzen,
reduzierter Allgemeinzustand und
ggf. eitriger Auswurf.
Auskultation: Rasselgeräusche, abgeschwächtes Atemgeräusch oder Bronchialatmen, bei älteren Patientinnen und Patienten auch atypisch (Verwirrtheit, Sturzereignis oder allgemeiner Schwäche)
Welche Rolle spielt die körperliche Untersuchung bei Verdacht auf Pneumonie?
Körperliche Untersuchung mit Fokus auf AF, O2, Puls, RR, Temp. & Bewusstseinslage.
Pulmonal: mlgw. feinblasige Rasselgeräusche, gedämpfter Klopfschall oder verändertes Atemgeräusch
Einschätzung des Schweregrades, etwa durch Zeichen der respiratorischen Insuffizienz oder Sepsis.
Welche Laborparameter sind bei Verdacht auf ambulant erworbene Pneumonie sinnvoll?
CRP,
Leukozytenzahl,
ggf. Prokalzitonin,
Elektrolyte,
Nierenwerte und Leberwerte.
Bei schwerem Verlauf sind zusätzlich Blutgasanalyse, Laktat und Blutkulturen relevant.
Wann ist eine Röntgen-Thorax-Aufnahme bei Verdacht auf ambulant erworbene Pneumonie indiziert?
Nachweis eines pulmonalen Infiltrats und der Abgrenzung anderer Ursachen wie Herzinsuffizienz, Tumor, Atelektase oder Pneumothorax.
Besonders sinnvoll: bei unklarer Diagnose, schwerem Verlauf, Therapieversagen, Risikopatienten oder stationärer Aufnahme.
Ein unauffälliges Röntgenbild schließt eine frühe Pneumonie jedoch nicht immer sicher aus.
Wann sollte eine mikrobiologische Diagnostik erfolgen? Was kann man machen?
Sinnvoll bei schwerer Pneumonie, stationärer Aufnahme, Immunsuppression, Therapieversagen, Verdacht auf besondere Erreger oder epidemiologischen Hinweisen.
Möglich sind Blutkulturen, Sputumdiagnostik, Urinantigentests auf Pneumokokken oder Legionellen sowie PCR-Tests auf virale Erreger, etwa Influenza oder SARS-CoV-2.
Welche Formen kennen Sie noch? Welche Erreger sind hier typisch?
Nosokomiale Pneumonie
Erreger: Enterobacterales (E. coli, Klebsiella, Enteobacter), S. aureus, S. pneumoniae
Welche Differenzialdiagnosen müssen bedacht werden?
Lungenembolie,
Herzinsuffizienz,
Tuberkulose
Welche Komplikationen können bei einer Pneumonie auftreten?
Pleuraerguss: Flüssigkeitsansammlung im Pleuraspalt
Pleuraempyem: Eiteransammlung im Pleuraspalt, erfordert Thoraxdrainage und prolongierte Antibiotikatherapie
Lungenabszess: Nekrotisierende Pneumonie mit Höhlenbildung
Sepsis und septischer Schock: Systemische Entzündungsreaktion mit Organdysfunktion
Akutes Lungenversagen (ARDS): Schwere respiratorische Insuffizienz durch überschießende Immunreaktion
Kardiovaskuläre Komplikationen: Myokardinfarkt, Herzrhythmusstörungen
Langzeit-Mortalität: Erhöht auch nach Überstehen der akuten Erkrankung
Wie heißen die Scores zur Risikostratifizierung?
CRB-65 und
CURB-65-Score
Wozu dient der CRB-65-Score?
Abschätzung des Schweregrades und der Letalität einer ambulant erworbenen Pneumonie
Wie erfolgt die Risikostratifizierung mittels des CRB-65-Score?
Für jedes erfüllte Kriterium wird ein Punkt vergeben (maximal 4 Punkte):
C (Confusion): Neu aufgetretene Verwirrtheit
R (Respiratory rate): Atemfrequenz ≥ 30/min
B (Blood pressure): RR systolisch < 90 mmHg oder diastolisch ≤ 60 mmHg
65: Alter ≥ 65 Jahre
Wie erfolgt die Interpretations des CRB-65-Score?
0 Punkte: Minimales Letalitätsrisiko (~0%), ambulante Behandlung möglich
1-2 Punkte: Mittleres Risiko, Hospitalisation erwägen (zusätzliche Faktoren: SpO₂ < 90%, dekompensierte Komorbiditäten, soziale Faktoren)
≥ 3 Punkte: Hohes Letalitätsrisiko, stationäre Aufnahme, ggf. Intensivüberwachung
Wie ergänzt der CURB-65-Score den CRB-65-Score?
ergänzt den CRB-65 um den Laborparameter U (Urea > 7 mmol/l bzw. Harnstoff-N > 20 mg/dl) und wird vorwiegend in der Klinik angewendet.
Wann ist eine stationäre Aufnahme notwendig?
Indikation für stationäre Behandlung der CAP
CRB-65-Score: ≥1 Punkt und ≥1 der folgenden Kriterien:
Sauerstoffpflichtigkeit / Hypoxämie
Instabile Komorbiditäten
Komplikationen (z. B. Pleuraerguss)
Soziale Faktoren (z. B. keine häusliche Versorgung)
Wie sieht die leitliniengerechte Therapie einer leichten CAP (CRB-65 = 0) aus?
ambulant
Aminopenicillin (z.B. Amoxicillin) 3 × 1 g/Tag oral für 5-7 Tage
Bei Penicillinallergie: Makrolid (z.B. Clarithromycin, Azithromycin) oder Fluorchinolon (z.B. Moxifloxacin)
Wie sieht die leitliniengerechte Therapie einer mittelschweren CAP (CRB-65 = 1-2) aus?
stationär
Aminopenicillin + Betalaktamase-Inhibitor (z.B. Amoxicillin/Clavulansäure, Ampicillin/Sulbactam) i.v.
Oder Cephalosporin Gruppe 3a (Ceftriaxon, Cefotaxim)
Bei Verdacht auf atypische Erreger: Kombination mit Makrolid
Wie sieht die leitliniengerechte Therapie einer schweren CAP (CRB-65 = ≥3) aus?
Intensivstation
Betalaktam-Antibiotikum (Piperacillin/Tazobactam, Ceftriaxon, Cefotaxim) + Makrolid (z.B. Azithromycin, Clarithromycin)
Bei Penicillinallergie oder als Alternative: Pneumokokkenwirksames Fluorchinolon (Moxifloxacin, Levofloxacin) + Betalaktam
Bei Risikofaktoren für Pseudomonas aeruginosa: Pseudomonaswirksames Betalaktam (Piperacillin/Tazobactam, Cefepim, Meropenem)
Wie sieht die leitliniengerechte Therapie einer nosokomialen Pneumonie aus?
Patient:innen ohne Risikofaktoren für MRE: Aminopenicillin + Betalaktamase-Inhibitor, Cephalosporin Gruppe 3a oder Fluorchinolon
Patient:innen mit septischem Schock und MRE-Risiko: Kombinationstherapie mit Pseudomonas-wirksamem Betalaktam + Fluorchinolon oder Aminoglykosid; bei MRSA-Verdacht zusätzlich Linezolid oder Vancomycin
Wie sieht die adjuvante Therapie aus?
Steroidtherapie: Bei schwerer CAP kann eine Kortikosteroidgabe erwogen werden (aktuelle Studiendaten in Überarbeitung der Leitlinie)
Hustenmittel: Antitussiva bei quälendem, trockenem Reizhusten
Fiebersenkende/schmerzlindernde Mittel: Paracetamol, Ibuprofen
Atemtherapie, Physiotherapie
Frühmobilisation: Qualitätskriterium bei stationärer Behandlung
Welche weiteren therapeutischen Maßnahmen sind sinnvoll?
Respiratorische Unterstützung
Sauerstofftherapie: Bei SpO₂ < 90% oder PaO₂ < 60 mmHg
High-Flow-Sauerstofftherapie (HFOT) oder nicht-invasive Beatmung (NIV): Bei milder bis moderater respiratorischer Insuffizienz mit klaren Abbruchkriterien
Invasive Beatmung: Bei schwerer akuter respiratorischer Insuffizienz oder ARDS
Wie sieht es mit vorbeugenden Impfmaßnahmen aus?
Influenza: Jährliche Standardimpfung für alle Personen ≥ 60 Jahre und Indikationsimpfung bei chronischen Grunderkrankungen
Pneumokokken: Einmalige Impfung für alle Personen ≥ 60 Jahre; Indikationsimpfung für Kinder ab 2 Jahren, Jugendliche und Erwachsene mit Risikofaktoren (z.B. chronische Herz-/Lungenerkrankungen, Diabetes, Immunsuppression)
RSV: Einmalige Impfung für alle Personen ≥ 75 Jahre; Indikationsimpfung für Personen 60-74 Jahre mit schweren Grunderkrankungen oder in Pflegeeinrichtungen
Welche weitere Präventionsmaßnahmen gibt es?
Raucherentwöhnung
Händehygiene
Aspirationsprophylaxe bei Risikopatient:innen
Frühmobilisation bei hospitalisierten Patient:innen
Behandlung von Grunderkrankungen
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