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Kartenstapel

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von Felix W.

Weltweit weisen die Staatshaushalte aller großen Volkswirtschaften eine teilweise erhebliche Verschuldung auf. Bearbeiten Sie die Fragen A und B: (25 Punkte)

A: Wie lässt sich erklären, dass den vielen Ländern mit Staatsdefizit keine Länder mit Haushaltsüberschuss gegenüberstehen?

       B: Diskutieren Sie für Deutschland, inwieweit die Argumente, die zur Rechtfertigung einer              Staatsverschuldung genannt werden, den Schuldenstand Deutschlands erklären können.

Lösung zu A: Gläubiger eines Staates sind in aller Regel nicht andere Staaten, sondern die Unternehmen und die privaten Haushalte. Diese stellen ihre Ersparnisse dem Staat über Kredite zur Verfügung. Zu nennen sind hier insbesondere Banken und Versicherungen, die ihre Kundeneinlagen und Versicherungsprämien in Staatsanleihen anlegen. Ein Staatsdefizit bedeutet daher nicht, dass sich die Volkswirtschaft insgesamt in einer Nettoschuldnerposition befindet. So übersteigen in Deutschland die Ersparnisse der privaten Haushalte deutlich die Staatsverschuldung. Deutschland ist daher insgesamt in einer Nettogläubigerposition. Gesamtwirtschaftliche Nettogläubiger- und Nettoschuldnerpositionen müssen sich weltweit ausgleichen. Außerdem ist zu bedenken: Für den Fall, dass es zu Überschüssen im Staatshaushalt käme, würden die Politiker versuchen, Wahlversprechen, deren Einhaltung häufig aus Gründen knapper Haushaltsmittel nicht möglich ist, nun doch einzuhalten, um Wählerstimmen zu gewinnen. Da die Bedürfnisse der Wähler quasi unbegrenzt sind, kann davon ausgegangen werden, dass jeder Überschuss schnell verschwindet. Auch eine beschleunigte Tilgung aufgebauter Staatsschulden ist aus diesem Grund nicht zu erwarten.  

Lösung zu B: Es gibt vier wesentliche Argumente: 1. Das zeitliche Auseinanderfallen von Einnahmen und Ausgaben innerhalb eines Haushaltsjahres; dies kann aber nur die Verschuldung innerhalb eines Jahres erklären, nicht aber einen stetigen Schuldenanstieg über Jahrzehnte. 2. Nach der keynesianischen Konjunkturpolitik muss der Verschuldung im Abschwung und in der Krise ein Sparen in besseren Zeiten gegenüberstehen. Auch hier ist die Verschuldung somit nur für die Zeit von einigen Jahren zu erklären. 3. Extreme Ausnahmezustände/Notzustände;  diese hat es in Deutschland viele Jahrzehnte nicht gegeben; erst mit Corona und dem Russland–Ukraine-Krieg sind solche Notsituationen aufgetaucht. Dieses Argument gilt dann aber nicht für den jahrzehntelangen Aufbau der deutschen Staatsverschuldung, sondern erst für die letzten Jahre. 4. Als einziges tragfähiges Argument bleiben die staatlichen Investitionen, die auch von zukünftigen Generationen finanziert werden sollen. Damit lässt sich zumindest ein Teil der sich über Jahrzehnte immer weiter gestiegenen Staatsverschuldung erklären. Allerdings ist auch so für die Vergangenheit nicht der ganze Schuldenstand begründen. Dies würde nämlich eine sehr hohe staatliche Investitionstätigkeit voraussetzen, die zudem noch von Jahr zu Jahr deutlich gestiegen sein müsste.

In XYZ-Land beziehen die ärmsten 30 % aller Haushalte lediglich 10 % des Gesamteinkommens. Betrachtet man die ärmsten 60 %, so erhalten diese 30 % des Einkommens. Da 90 % der Haushalte 60 % des Gesamteinkommens beziehen, verbleibt für die reichsten 10 % ein Einkommensanteil von 40 %. Bearbeiten Sie die Aufaben A. und B. (15 Punkte)

A.     Berechnen Sie den Gini-Koeffizienten und interpretieren Sie den Wert. Gehen Sie dabei davon aus, dass es sich um eine sekundäre Einkommensverteilung handelt.

B.     Weshalb sind Aussagen zur Gleichheit der Verteilung mit dieser Maßzahl möglich, während eine Beurteilung, ob diese Verteilung auch gerecht ist, problematisch ist?

Lösung zu A:kumulierte Haushaltsanteile Fi

kumulierte Einkommensanteile Hi

30 % = 0,3

10 % = 0,1

60 % = 0,6

30 % = 0,3

90 % = 0,9

60 % = 0,6

100 % = 1,0

100 % = 1,0

 

 

Daraus folgt:

G = (0,3 • 0,3 + 0,6 • 0,6 + 0,9 • 1,0) - (0,6 • 0,1 + 0,9 • 0,3 + 1,0 • 0,6)

 = 1,35 - 0,93

 = 0,42

Der Wertebereich des Gini-Koeffizienten liegt zwischen 0 (= völlige Gleichverteilung) und 1 (= völlig ungleiche Verteilung). Der Wert von 0,42 entspricht in etwa dem Wert für die sekundäre Einkommensverteilung in den USA. Er liegt aber deutlich über dem deutschen Wert von 0,3 oder den skandinavischen Werten von 0,25. Die Verteilung in XYZ-Land ist daher im internationalen Vergleich relativ ungleich.

Die Gleichheit einer Verteilung kann konkret über verschiedene Maßzahlen oder grafische Darstellungen, wie z. B. den Gini-Koeffizienten oder die Lorenz-Kurve, gemessen und beurteilt werden.

Es gibt aber kein Maß für Gerechtigkeit. Die Beurteilung, ob eine Verteilung gerecht ist, hängt vom Gerechtigkeitsempfinden einer Person ab. Es beruht auf Werturteilen und ist damit nicht empirisch überprüfbar.

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Felix W.

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