Schizophrenie
Modell: Vulnerabilitäts-Stress-Modell (Kombination aus Anlage und Stress).
Symptome: Positivsymptome (Wahn, Halluzinationen) und Negativsymptome (Antriebslosigkeit, Rückzug).
Pflege: Nähe-Distanz-Gleichgewicht halten, Wahnideen ernst nehmen, aber nicht bestätigen (Konsens im Dissens).
Affektive Störungen
Depression: Depressive Triade (negatives Bild von sich selbst, der Welt und der Zukunft). Suizidgefahr offen ansprechen.
Manie: Gehobene Stimmung, Ideenflucht, Fehleinschätzung der Realität. Klare Regeln und Grenzen setzen.
Persönlichkeitsstörungen
Borderline: Emotionale Instabilität, Angst vor dem Verlassenwerden, selbstverletzendes Verhalten.
Narzisstisch: Grandioses Selbstbild, Kränkbarkeit. Respektvoller Umgang, aber klare Regeln einfordern.
Dissozial: Missachtung sozialer Normen, rücksichtslos. Sozialverhalten spiegeln.
Paranoid: Starkes Misstrauen. Konflikte möglichst vermeiden.
Kommunikation bei Wahn
Wahnideen nicht als „falsch“ abtun oder ausdiskutieren; wertschätzend zuhören; „Konsens im Dissens“ (Akzeptanz, dass der Patient das so sieht, man selbst es aber anders sieht).
Suizidprävention
Suizidgedanken direkt und offen ansprechen; bei hoher Gefährdung nie alleine lassen.
Umgang mit Manie
Sachlich bleiben, Grenzen durch einheitliches Teamverhalten aufzeigen, sich nicht auf Machtkämpfe oder Provokationen einlassen.
Umgang mit Borderline
Bei Selbstverletzung (Ritzen) ruhig und sachlich versorgen, keine dramatische Reaktion (vermeidet Verstärkung des Verhaltens), Fokus auf alternative Bewältigungsstrategien (z.B. Sport, Stressball).
Pflege bei Demenz/Geistige Behinderung
Struktur durch Rituale, Vermeidung von Überreizung (keine Spiegel, keine komplexen Muster), Biografiearbeit nutzen.
Schizophrenie (Formen)
Paranoid-halluzinatorisch: Häufigste Form (Verfolgungswahn, Stimmenhören).
Hebephren: Oft im Jugendalter; albernes, distanzloses Verhalten, Grimassieren, ungeordnetes Denken.
Kataton: Starke motorische Auffälligkeiten (Erstarrung oder extreme Erregung).
Schizophrenia simplex: Schleichend; nur Negativsymptome (Leistungsabfall, Rückzug), kein Wahn/Halluzinationen.
Bipolare Störung (Rapid Cycling)
Krankheitsphasen wechseln extrem schnell, mindestens viermal pro Jahr. Therapie: Phasenprophylaxe (z.B. Lithium).
Borderline: In Krisen alternative Maßnahmen zur Druckminderung einüben (z.B. Sport/Stressball). Wunden sachlich versorgen, nicht dramatisch/gleichgültig reagieren.
Narzisstisch: Sonderrollen/Behandlungen nur nach strikter Absprache im Team gewähren.
Paranoid: Konflikte konsequent vermeiden, nicht in Streitigkeiten verwickeln lassen.
Vulnerabilitäts-Stress-Modell
Die Störung entsteht durch eine genetische Disposition (Anfälligkeit) kombiniert mit psychosozialem Stress.
Dopamin-Hypothese
Bei der Schizophrenie liegt eine Störung des Dopamin-Stoffwechsels im Gehirn vor (übermäßige Dopamin-Aktivität wird oft mit Positivsymptomen assoziiert).
Ich-Störungen
Ein Kernsymptom der Schizophrenie. Betroffene haben das Gefühl, ihre Gedanken seien von außen eingegeben, entzogen oder fremdgesteuert (Beeinflussungswahn).
Pflegerische Haltung
Kommunikation: Kurze, klare Sätze. Keine Ironie, da diese oft als Bedrohung oder „geheime Botschaft“ missverstanden wird.
Reizreduktion: Zu viel Input (viele Menschen, laute Musik) kann Positivsymptome (Stimmenhören) verstärken.
Förderung: Bei Negativsymptomatik (Antriebsarmut) ist eine behutsame, aber konsequente Aktivierung (strukturierter Tagesplan, einfache Aufgaben) notwendig.
Depressive Triade
Negatives Selbstbild (Gefühl der Wertlosigkeit).
Negative Sicht auf die Welt (alles wird als feindselig oder sinnlos wahrgenommen).
Negative Zukunftserwartung (Hoffnungslosigkeit).
Suizidalität (Pflegerisches Vorgehen)
Direkte Ansprache: „Haben Sie Gedanken, sich etwas anzutun?“ (Dies weckt keine neuen Gedanken, sondern entlastet den Patienten).
Besondere Vorsicht: Oft steigt die Gefahr, wenn der Antrieb im Laufe der Behandlung leicht zunimmt, die Stimmung aber noch im Tief ist (die Energie zur Umsetzung ist dann vorhanden).
Manie (Pflegerische Grenzsetzung)
Team-Konsistenz: Manische Patienten merken schnell, wenn Pflegekräfte nicht an einem Strang ziehen (Spaltungsversuche). Daher: Absprachen im Team einhalten.
Realitätscheck: Bei wahnhaften Projekten (z.B. Weltreise planen ohne Geld) sachlich bleiben, keine inhaltliche Diskussion über den Wahn, sondern Fokus auf den Schutz des Patienten vor sozialen/finanziellen Schäden.
Borderline-Syndrom (Dialektisch-Behaviorale Therapie - DBT als Ansatz)
Spannungsregulierung: Erlernen von „Skills“ (z.B. Eiswürfel lutschen, Igelball-Massage, scharfe Bonbons), um in emotionalen Krisen von der hohen Anspannung „runterzukommen“.
Validierung: Das Gefühl des Patienten ernst nehmen („Ich verstehe, dass Sie sich gerade sehr verlassen fühlen“), ohne zwangsläufig das unangemessene Verhalten gutzuheißen.
Umgang bei Dissoziale Störung (Soziopathie)
Umgang mit Manipulation: Patienten testen Grenzen aus, um Kontrolle zu gewinnen.
Konsequenz: Regelverstöße müssen zeitnah und emotionslos (sachlich) sanktioniert werden. Diskussionen über die „Schuld“ anderer vermeiden.
Umgang beiParanoide Störung
Neutralität: Als Pflegekraft eher im Hintergrund bleiben, nicht durch übertriebene Freundlichkeit oder Nähe Misstrauen schüren. Transparenz ist das wichtigste Werkzeug (jeden Handgriff ankündigen).
Nähe-Distanz-Regulation
Patienten mit Psychosen haben oft eine gestörte Körpergrenze. Der Sicherheitsabstand muss respektiert werden (nicht zu nah, aber auch nicht ignorierend).
Bezugspflege (Primary Nursing)
Ein fester Ansprechpartner sorgt für Vertrauen und Verlässlichkeit, was besonders bei emotionaler Instabilität essenziell ist.
Psychosomatische Symptome
Bei Depressionen unbedingt auf körperliche Anzeichen achten, da Patienten oft über Rückenschmerzen, Druck auf der Brust oder Schlafstörungen klagen, anstatt über die psychische Last zu sprechen.
Zuletzt geändertvor 11 Tagen