Die als „unernst“ und qualitativ minderwertig betrachtete Bühnenkunst zeichnet sich als inter- und transmedial aus! Verschiedene Kunstformen wirken zusammen, Literatur und darstellende Künste teilen sich eine Bühne.
Künstlerische Unterhaltung statt Unterhaltungskunst. Das Cabaret Voltaire spricht schon in der Pressenankündigung von „künstlerischer Unterhaltung“ und wendet sich dabei ab von einer reinen Unterhaltungskunst zur kurzzeitigen Ablenkung und Belustigung des Publikums. Die Kurzweil die das Cabaret verspricht soll nicht nur künstlerisch sondern gleichzeitig intellektuell sein- dies sieht man schon im Namen „Voltaire“, dessen Namenspate einer der bekanntesten Aufklärungsphilosophen ist.
Dieser Anspruch, das Publikum mit künstlerischen Dingen zu unterhalten, fordert stets Neues, Lebendiges.
Gleichzeitig werden publizistische Werke „nach außen“ gebracht —> Zeitschrift des Cabaret Voltaire.
Dada ist keine Epoche sondern eine Bewegung, die man die der Literaturgeschichtsschreibung als “Strömung” bezeichnet. Diese nautische Metapher impliziert, dass es bei solchen Strömungen um literarisch-künstlerische Phänomene handelt, die sich gegen den “Mainstream” wenden und ihm zuwieder läuft und meist gleichzeitig neben anderen Strömungen verläuft. Da diese oft nicht in die engen Grenzen der Epochenbezeichnungen passen, werden sie auch als “Gegenströmungen” bezeichnet.
Das Manifest eignete sich gut für Dada um politische Anliegen zum Ausdruck zu bringen. Es ist nicht literarisch, sondern eine politische Textsorte. Sie eignet sich als „Aufruf“ zur Bekanntmachung oder Rechtfertigung einer offiziellen Entscheidung. Als institutionelle Gebrauchsform ist es eine geläufige Textsorte. Das Manifest richtet sich gezielt an das Publikum und kann zum Handeln auffordern. Dada nutzt das Manifest um die Grenze zwischen Politik und Kunst aufzuhaben, quasi eine Politisierung der Kunst!
Das politische Anliegen ist: Kunst und Lebenspraxis einander anzunähern. Dada übt Kritik an der Kunstautonomie; des „l´art pour l´art“ im bürgerlichen Kunstverständnis.
Dada macht dabei die Form des Manifestes selbst zur Kunst. Es nutzt die politische Anrede, aber zerstört, verfremdet oder ironisiert diese gleichzeitig. Das selbst, ist schon eine starke künstlerisch-politische Aussage.
Dada fällt unter den anderen Avantgardebewegungen auf, da es sich auch begrifflich von ihnen absetzt. In der Forschung ist der Gebrauch des Ismen geläufig, auch der des Dadaismus. Dada selbst, gebraucht diesen Begriff allerdings nie.
Der Begriff Dadaismus ist ein Konstrukt der Literaturgeschichtsschreibung. Jede wissenschaftliche Definition des Dadaismus erweist sich als “eine Übung im angewandten Dadaismus” wie Roman Bucheli sagt. 1. Die Einordnung in Ismen ist typisch und geläufig in der Literaturgeschichtsschreibung. Jedoch wollten genau das Dada NICHT: sie wollen keine klassifizierbare Kunstrichtung sein, kein angeschlossenes System mit festen Regeln. Dada war gegen Theorien, Dogmen, Manifeste, war Anti-Literatur, Anti-Philosophie und Anti-Kunst. Und das, obwohl Dada von malenden, schreibenden und denkenden Dadaisten erschaffen wurde.
Dada setzt nicht auf das Individuelle, wie die Individualpoetiken in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, sondern auf das Kollektive. Und das Kollektive wird durch die Sprache verbunden.
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