Was ist die chronische Nierenkrankheit (CKD)?
Irreversible Verminderung der glomerulären, tubulären und endokrinen Nierenfunktion über > 3 Monate.
Was sind die häufigsten Ursachen einer chronischen Nierenkrankheit?
Diabetes mellitus Typ 2 (ca. 35 %)
Arterielle/renovaskuläre Hypertonie (ca. 20 %)
Chronische Glomerulonephritis (ca. 15 %)
Polyzystische Nierenerkrankung (ca. 10 %)
Chronische interstitielle Nephritis/Pyelonephritis (5–10 %)
Analgetika-Nephropathie (ca. 5 %)
Systemerkrankungen (z.B. SLE, Vaskulitiden)
Was ist die häufigste Ursache einer CKD?
Diabetes mellitus Typ 2.
Erhöht auch eine akute Nierenschädigung das Risiko für eine CKD?
Ja, nach einer akuten Nierenfunktionseinschränkung besteht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer CKD.
Welche pathophysiologischen Veränderungen führen zur CKD?
Glomeruläre Schädigung
Tubulointerstitielle Schädigung und Fibrose
Vaskuläre Veränderungen mit Hypoxie
Entzündliche und profibrotische Signalwege
Progressiver Verlust von Nephronen
Welche Faktoren beschleunigen die Progression einer CKD?
Schlecht eingestellte Hypertonie
Schlecht eingestellter Diabetes mellitus
Albuminurie
Nikotinabusus
Akute Nierenfunktionseinschränkung
Wie wird die CKD eingeteilt?
Nach GFR (G1–G5)
Nach Albuminurie (A1–A3)
Wie präsentieren sich frühe Stadien der CKD klinisch?
Meist asymptomatisch.
Ab welcher GFR treten meist relevante Funktionsstörungen auf?
Ab GFR < 60 ml/min/1,73 m² (Stadium G3).
Welche frühen Symptome treten ab Stadium G3 auf?
Polyurie
Nykturie
Verstärkter Durst
Verminderte Harnkonzentrierung
Welche wichtigen Komplikationen der CKD sollte man kennen?
Urämie
Renale Osteopathie
Renale Anämie
Kardiovaskuläre Erkrankungen
Elektrolyt- und Säure-Basen-Störungen
Warum haben CKD-Patienten ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko? Also durch welche Komorbiditäten und Faktoren?
Diabetes mellitus
Arterieller Hypertonie
Hyperlipidämie
RAAS- und Sympathikusaktivierung
Hyperparathyreoidismus
Anämie
Hypervolämie
Urämietoxinen
Erhöhtem FGF-23
Warum ist Albuminurie prognostisch wichtig?
Progressionsfaktor der CKD
Kardiovaskulärer Risikofaktor
Welche Elektrolyt- und Säure-Basen-Störungen treten bei CKD auf?
Hyperkaliämie
Hyperphosphatämie
Metabolische Azidose
Überwässerung
Ab welchem Stadium entwickelt sich meist eine metabolische Azidose?
Ab Stadium G4.
Welche Folgen hat die metabolische Azidose?
Knochendemineralisation
Verstärkter Muskelproteinabbau
Welche Folgen hat die Hyperphosphatämie?
Kalziumphosphatablagerungen in:
Gefäßen
Unterhautfettgewebe (Kalziphylaxie)
Welche Stoffwechselstörungen treten besonders im Stadium G5 auf?
Gestörte Glukosetoleranz
Fettstoffwechselstörung
Urämiesymptome
Was versteht man unter Urämie?
Akkumulation harnpflichtiger Substanzen im Blut.
Welche Symptome gehören zur Urämie?
Übelkeit
Erbrechen
Kopfschmerzen
Pruritus
Pleuritis
Perikarditis
Urämische Enzephalopathie
Periphere Polyneuropathie
Welche Formen der renalen Osteopathie gibt es?
High-Turnover-Osteopathie
Low-Turnover-Osteopathie
Osteomalazie
Wodurch entsteht die High-Turnover-Osteopathie?
Sekundärer Hyperparathyreoidismus durch:
Vitamin-D-Mangel
Phosphatretention
Wodurch entsteht die Low-Turnover-Osteopathie?
PTH-Suppression durch:
Übermäßige Vitamin-D-Therapie
Zu hohe Kalziumzufuhr
Wodurch entsteht die Osteomalazie bei CKD?
Aluminiumüberladung
Welche Symptome verursacht die renale Osteopathie?
Knochenschmerzen
Spontanfrakturen
Muskelschwäche
Wann liegt definitionsgemäß eine CKD vor?
Wenn > 3 Monate mindestens eines der folgenden Kriterien besteht:
Albuminurie ≥ 30 mg/24 h
Pathologisches Urinsediment
Tubuläre Funktionsstörung
Pathologische Histologie
Pathologische Bildgebung
Zustand nach Nierentransplantation
eGFR < 60 ml/min/1,73 m²
Was sollte in der Anamnese bei CKD erhoben werden?
Beschwerden
Vorerkrankungen
Familienanamnese
Medikamente
Welche klinischen Zeichen sprechen für eine fortgeschrittene CKD?
Gelbgraues Hautkolorit
Kratzspuren
Lid- und Beinödeme
Hämatome
Rasselgeräusche
Pleura- oder Perikardreiben
Welche Laboruntersuchungen sind bei CKD wichtig?
eGFR
Harnstoff
Elektrolyte
Blutbild
Urinanalyse
Blutgasanalyse
Welche typische Anämie findet sich bei CKD?
Normochrome, normozytäre Anämie.
Welche Urinbefunde sprechen für eine CKD?
Albuminurie/Proteinurie
Welche Bildgebung ist die Methode der Wahl?
Sono
Welcher typische Sonografiebefund findet sich bei CKD?
Schrumpfnieren mit echoreichem Parenchym.
Welche histologischen Veränderungen finden sich bei CKD?
Glomerulosklerose
Interstitielle Fibrose
Tubulusatrophie
Welche drei Therapieziele gibt es bei CKD?
Behandlung der Grunderkrankung
Progressionshemmung
Behandlung der Komplikationen
Welche nephrotoxischen Substanzen sollten vermieden werden?
COX-Hemmer
Aminoglykoside
Jodhaltige Kontrastmittel
Was ist bei renal eliminierten Medikamenten zu beachten?
Dosis an die GFR anpassen.
Welche Medikamente bremsen die Progression der CKD?
ACE-Hemmer oder AT1-Blocker
Dapagliflozin (SGLT2-Hemmer)
Wann ist eine Flüssigkeitsrestriktion notwendig?
Erst bei dialysepflichtiger CKD mit Oligurie oder Anurie.
Warum sollte in frühen CKD-Stadien keine Flüssigkeitsrestriktion erfolgen?
Zu geringe Flüssigkeitszufuhr verschlechtert die Nierenfunktion (prärenale Niereninsuffizienz).
Wie wird eine metabolische Azidose behandelt?
Orale Bikarbonatgabe bei Bikarbonat < 22 mmol/l.
Wie wird eine Hyperkaliämie behandelt?
Je nach Schwere:
Medikamentös
Hämodialyse
Wie wird eine Überwässerung behandelt?
Flüssigkeitsrestriktion
Schleifendiuretika (z.B. Furosemid)
Welche Indikationen sprechen für eine Nierenersatztherapie?
Urämische Symptome
Therapierefraktäre Hypertonie
Hyperkaliämie > 6,5 mmol/l
pH < 7,2 (renale Azidose)
Kreatinin > 8–10 mg/dl
Harnstoff > 160–200 mg/dl
Nicht beherrschbare Überwässerung
GFR < 7 ml/min/1,73 m²
Was ist die Therapie der Wahl bei terminaler CKD (Stadium G5)?
Nierentransplantation.
Was ist die Niere und wo liegt sie?
Paariges, parenchymatöses Organ
Retroperitoneal an der hinteren Bauchwand
Reicht ungefähr von Th12 bis L3
Am oberen Pol liegt jeweils die Nebenniere
Welche äußeren Strukturen besitzt die Niere?
2 Flächen:
Facies anterior
Facies posterior
2 Pole:
oberer Pol
unterer Pol
2 Ränder:
Margo lateralis
Margo medialis
Was befindet sich am Nierenhilum?
Am Margo medialis liegt das Nierenhilum.
Hier treten ein bzw. aus:
A. renalis
V. renalis
Ureter
Welche Hüllschichten besitzt die Niere?
Von innen nach außen:
Capsula fibrosa (Organkapsel)
Capsula adiposa (Fettkapsel)
Fascia renalis
Wie ist das Nierenparenchym aufgebaut?
Es besteht aus:
Cortex renalis (Nierenrinde)
Medulla renalis (Nierenmark)
zentral: Pelvis renalis (Nierenbecken)
Welche Aufgaben haben Rinde, Mark und Nierenbecken?
Rinde: Bildung des Primärharns
Mark: Harnkonzentrierung
Nierenbecken: sammelt und leitet den Endharn weiter
Wie fließt der Urin innerhalb der Niere ab?
Markpapillen
kleine Nierenkelche
große Nierenkelche
Nierenbecken
Wie erfolgt die arterielle Gefäßversorgung der Niere?
A. renalis dextra
A. renalis sinistra
beide entspringen aus der Aorta abdominalis
Wie erfolgt der venöse Abfluss der Niere?
V. renalis dextra und sinistra
münden in die V. cava inferior
Welche Besonderheit besitzt das Gefäßsystem der Niere?
Es besitzt zwei hintereinander geschaltete Kapillarnetze:
Glomeruluskapillaren → Primärharnbildung
tubuläres Kapillarnetz → Versorgung des Nierengewebes
Welche Funktionen erfüllen die Nieren?
Blutfiltration und Urinbildung
Regulation des Wasserhaushalts
Regulation des Elektrolythaushalts
Regulation des Säure-Basen-Haushalts
Blutdruckregulation über Renin
Bildung von Erythropoetin
Bildung von Kalzitriol (Vitamin-D-Aktivierung)
Welche wichtigen Lagebeziehungen der Niere sollte man kennen?
kranial: Nebenniere
rechte Niere: Leber, Duodenum
linke Niere: Magen, Milz, Pankreas
dorsal:
M. psoas major
M. quadratus lumborum
M. transversus abdominis
Wie erfolgt die Innervation der Niere?
Über den Plexus renalis:
Sympathikus → vasokonstriktorisch
Parasympathikus → Fasern des N. vagus
Welche Hormone bzw. hormonähnlichen Stoffe produziert bzw. aktiviert die Niere?
Renin → Blutdruckregulation (RAAS)
Erythropoetin → Bildung der Erythrozyten
Kalzitriol → Calciumaufnahme und Knochenstoffwechsel
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