Was ist ein Gestationsdiabetes?
Erstmalig in der Schwangerschaft auftretende Glukosetoleranzstörung
Synonyme:
Schwangerschaftsdiabetes
Diabetes Typ 4
Merke: Ein bereits vor der Schwangerschaft bestehender Diabetes ist kein Gestationsdiabetes.
Wann tritt ein Gestationsdiabetes meist auf?
Meist im 2. oder 3. Trimenon
Betrifft ca. 6–7 % aller Schwangeren
Welche Risikofaktoren gibt es für einen Gestationsdiabetes?
Alter >35 Jahre
Übergewicht (BMI >27 kg/m²)
Diabetes Typ 2 in der Familie
Gestationsdiabetes in früherer Schwangerschaft
Multiparität
Früheres Kind mit hohem Geburtsgewicht
Wiederholte Fehl- oder Frühgeburten
Wie entsteht ein Gestationsdiabetes?
Schwangerschaft → physiologische Insulinresistenz
Insulinproduktion reicht nicht mehr aus
→ Hyperglykämie
Merke: Pathophysiologisch ähnelt der Gestationsdiabetes dem Typ-2-Diabetes.
Was passiert beim Fetus?
Glukose passiert die Plazenta
Fetale Hyperglykämie
→ vermehrte Insulinproduktion
→ Insulin wirkt als Wachstumshormon (Makrosomie)
Welche Symptome verursacht ein Gestationsdiabetes?
Meist asymptomatisch
Selten typische Diabetes-Symptome bei ausgeprägter Hyperglykämie
Welche Komplikationen können bei der Mutter auftreten?
Hyperglykämien
Harnwegs- und Vaginalinfektionen
Gestationshypertonie
Präeklampsie/Eklampsie
Frühgeburt
Sectio/Geburtsverletzungen
Erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes nach der Schwangerschaft
Welche Komplikationen können beim Kind auftreten?
Intrauterin
Polyhydramnion
Makrosomie
Fetale Wachstumsstörung
Intrauteriner Fruchttod (selten)
Nach der Geburt
Hypoglykämie
Atemstörungen
Hyperbilirubinämie
Hypokalziämie
Polyglobulie
Welche Langzeitfolgen haben Kinder von Müttern mit Gestationsdiabetes?
Erhöhtes Risiko für:
Adipositas
Metabolisches Syndrom
Typ-2-Diabetes
Was ist der Unterschied zwischen diabetischer Embryopathie und diabetischer Fetopathie?
Diabetische Embryopathie
Ursache: vorbestehender Diabetes im 1. Trimenon
Führt zu Fehlbildungen (z.B. Herz, Neuralrohr)
Diabetische Fetopathie
Ursache: Gestationsdiabetes/fetaler Hyperinsulinismus
Führt u.a. zu Makrosomie und neonataler Hypoglykämie
Wann erfolgt das reguläre Screening auf Gestationsdiabetes?
Zwischen 24+0 und 27+6 SSW
Wie läuft der 50-g-Suchtest (GCT) ab?
Nicht nüchtern
50 g Glukose trinken
Blutzucker nach 1 Stunde messen
Bewertung
≥135 mg/dl → 75-g-oGTT
≥200 mg/dl → Gestationsdiabetes gesichert
Wie läuft der 75-g-oGTT ab?
Morgens nüchtern
75 g Glukose trinken
Messung:
nüchtern
nach 1 Stunde
nach 2 Stunden
Wann ist der 75-g-oGTT pathologisch?
Bereits ein erhöhter Wert genügt:
Nüchtern >92 mg/dl
1 Stunde >180 mg/dl
2 Stunden >153 mg/dl
Wann spricht man von einem manifesten Diabetes?
Nüchtern ≥126 mg/dl
oder 2-h-Wert ≥200 mg/dl
Welche sonografischen Hinweise sprechen für einen Gestationsdiabetes?
Abdomenumfang > Kopfumfang
Diabetes-typische Fehlbildungen
Was sind die Therapieziele beim Gestationsdiabetes?
Normale Blutzuckerwerte
Vermeidung maternaler und fetaler Komplikationen
Welche Basistherapie erhält jede Patientin?
Ernährungsberatung
Körperliche Aktivität
Blutzuckerselbstkontrollen
Wie sollte die Ernährung aussehen?
40–50 % Kohlenhydrate
20 % Eiweiß
30–35 % Fett
Keine Hungerdiät
Wann wird Insulin gegeben?
Wenn Ernährung und Bewegung nicht ausreichen
Merke: Standard ist eine intensivierte Insulintherapie (Basis-Bolus-Prinzip).
Gelangt Insulin über die Plazenta?
Nein
Nur Glukose passiert die Plazenta
Wie erfolgt die Nachsorge nach der Geburt?
Nach 6–12 Wochen erneuter 75-g-oGTT
Meist kein Insulin mehr notwendig
Welches Langzeitrisiko besteht für die Mutter?
35–60 % entwickeln innerhalb von 10 Jahren einen Typ-2-Diabetes
Wie kann einem Gestationsdiabetes vorgebeugt werden?
Normalgewicht anstreben
Gesunde Ernährung
Regelmäßige Bewegung
Gesunder Lebensstil bereits vor der Schwangerschaft
Zuletzt geändertvor 12 Tagen