Wie definiert die Vorlesung einen "Geschäftsprozess"?
Welche Phase gehört laut den Beispielfragen NICHT zum offiziellen BPM-Lebenszyklus von Dumas et al.?
Welches BPMN-Element dient der Steuerung von Verzweigungen?
Was bildet die zwingende Datengrundlage, um Process Mining in einem Unternehmen durchführen zu können?
Wodurch zeichnet sich die Modellierungssprache eEPK im Vergleich zu BPMN aus?
Definition: Geschäftsprozessmanagement (BPM)
Werkzeug zur Analyse, Darstellung und Gestaltung von Unternehmensaufgaben.
► ZIEL: Betriebliche Abläufe durchgängig und nachhaltig effizienter machen.
► WICHTIG: Optimierung ist das übergeordnete Endziel, keine isolierte Lebenszyklus-Phase.
Definition: Geschäftsprozess
Inhaltlich abgeschlossene, zeitliche und sachlogische Abfolge von Aktivitäten.
► FOKUS: Dient der Bearbeitung eines betriebswirtschaftlich relevanten Objektes.
► BEISPIEL: "Kreditprüfung" startet mit dem Antrag und endet mit der Auszahlung.
Definition: BPMN
Business Process Model and Notation (aktueller Standard zur Prozessmodellierung, Grafische Darstellung der Geschäftsprozesse).
► DETAIL: Besitzt hohe Ausdrucksstärke und hohe Formalität.
► WICHTIG: Eignet sich dadurch direkt für die technische IT-Automatisierung.
Definition: eEPK
Ereignisgesteuerte Prozesskette (ältere, grafische Modellierungssprache).
► VORTEIL: Sehr leicht verständlich für Fachanwender der Business-Seite.
▼ NACHTEIL: Geringe Ausdrucksstärke und begrenzte Formalität, daher zu ungenau für direkte IT-Automatisierung.
Definition: Process Mining
Datengestütztes BPM an der Schnittstelle zu Data Science.
► FUNKTION: Wertet digitale Fußabdrücke aus IT-Systemen aus, um reale Prozesse vollständig zu rekonstruieren.
Definition: Event Log
Die zwingende Datengrundlage für Process Mining.
► PFLICHT-ATTRIBUTE: Erfordert zwingend drei Attribute: Case-ID (Fall), Timestamp (Zeit) und Activity (Aktivität).
Aufzählung: Die 6 Phasen des BPM-Lifecycles
DIE 6 PHASEN DES BPM-LIFECYCLES:
- 1. Prozessidentifikation
- 2. Prozesserkennung (Process Discovery)
- 3. Prozessanalyse
- 4. Prozessredesign
- 5. Prozessimplementierung
- 6. Prozesskontrolle
Unterschied: Prozessidentifikation vs. Prozesserkennung (Discovery)
- IDENTIFIKATION: Strategische Auswahl (Welche Prozesse gibt es im Unternehmen überhaupt?).
- ERKENNUNG (DISCOVERY): Dokumentation und detailreiche Aufnahme des konkreten Ist-Zustands.
Konzept: Ist-Modell vs. Soll-Modell
- IST-PROZESSMODELL: Dokumentiert die reale, aktuelle Praxis inklusive aller Fehler und Ineffizienzen.
- SOLL-PROZESSMODELL: Definiert den optimierten Zielprozess nach dem erfolgreichen Redesign.
BPMN: Pools vs. Lanes
- POOLS: Trennen autarke, voneinander unabhängige Teilnehmer (z.B. eigene Firma vs. externer Kunde).
- LANES: Unterteilen einen einzelnen Pool in interne Zuständigkeiten und Rollen (z.B. Einkauf vs. Buchhaltung).
BPMN-Sicherheitsregel: Nachrichtenfluss (Message Flow)
- SEQUENZFLUSS (durchgezogene Linie): Nur innerhalb eines Pools (darf Poolgrenzen nie überschreiten).
- NACHRICHTENFLUSS (gestrichelte Linie): Nur zwischen separaten Pools zur Kommunikation.
▼ MOODLE-FALLE: Ein Nachrichtenfluss darf niemals Lanes innerhalb desselben Pools miteinander verbinden!
BPMN-Elemente: Event, Activity, Gateway
- EVENT (Kreis): Markiert Start, Ende oder Zwischenzustände.
- ACTIVITY (Rechteck): Ein konkreter, aktiver Arbeitsschritt im Prozess.
- GATEWAY (Raute): Steuert die logische Verzweigung und Zusammenführung von Pfaden (Entscheidungen).
eEPK-Elemente: Basissymbole & Ablaufregel
- EREIGNIS (Sechseck): Beschreibt einen passiven Zustand.
- FUNKTION (abgerundetes Rechteck): Ein aktiver, produktiver Arbeitsschritt.
- XOR / AND (Kreise): Steuern Verzweigungen (Entweder-Oder / Parallel).
► ABLAUFREGEL: Ereignisse und Funktionen müssen sich im Ablauf immer zwingend abwechseln!
Konzept: Process Engine (z.B. Camunda)
Führt fachlich modellierte BPMN-Prozesse aktiv im IT-System aus (Automatisierung).
► BINDING: Bildet die direkte Schnittstelle zwischen Prozesszeichnung und der echten technischen Ausführung.
Process Mining: Die 3 Disziplinen
DIE 3 DISZIPLINEN:
- Discovery: Automatische Neuerstellung eines Prozessmodells aus Event-Log-Rohdaten.
- Conformance Checking: Soll-Ist-Abgleich zur Aufdeckung von Abweichungen und Regelverstößen (Compliance).
- Enhancement: Echte Daten nutzen, um ein bestehendes Modell gezielt zu verbessern (z.B. Liegezeiten entfernen).
Fallstudie: Ordne die Schritte den BPM-Phasen & Mining-Typen zu:
1. Event-Logs exportieren & Ist-Modell generieren
2. Liegezeiten analysieren, Engpässe finden & Soll-Modell entwerfen
3. Soll-Modell in Camunda (Process Engine) hochladen und starten
► STRATEGISCHE ZUORDNUNG:
- Logs exportieren = Discovery (Mining-Disziplin).
- Engpässe analysieren / Soll-Modell entwerfen = Analyse- & Redesign-Phase (BPM).
- In Engine laden und starten = Implementierungs-Phase (BPM).
Zuletzt geändertvor 3 Tagen