Wenn Literaturwissenschaftler*innen über Gegenwartsliteratur sprechen, werden sie zu Literaturkritiker*innen.
Literaturgeschichte setzt klassischerweise zeitlichen Abstand voraus und, dass ein Gegenstad abgeschlossen ist. Erst aus der Distanz lässt sich sein Stellenwert, seine Wirkung und seine Einteilung in Epochen und (Gegen)Strömungen beurteilen. Um Epochen abzugrenzen benötigt es zweier Haltepunkte, die immer erst im Nachhinein gesetzt werden können. Wer in einer Epoche schreibt und wirkt, weiß gar nicht, dass er sich in ihr befindet.
Historische Literaturgeschichten können auch einen bereits gefilterten Kanon zurückgreifen- diesen Filter gibt es bei der Gegenwartsliteratur nicht. Gegenwärtige Werke haben diesen Prozess noch nicht durchlaufen. Die Auswahl bleibt eher subjektiv. Zusätzlich ist die Menge an zeitgenössischer Literatur sehr hoch- es ist schwer eine repräsentative Auswahl zu treffen.
Ein weiteres Problem ist die Frage, welche Autor*innen und Werke als “gegenwärtig” relevant bezeichnet werden können. Was gehört noch zur Gegenwartsliteratur? Alles in diesem Jahr publizierte? Oder alles der letzten 5-10 Jahre?
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