Bei der pädagogisch-psychologischen Forschung gibt es die Schuleffektivitätsforschung und die Instruktionspsychologie
Wie/Was untersuchen sie jeweils?
Schuleffektivitätsforschung (Makroebene)
=> untersucht institutionelle Effekte
=> ist produktorientiert
Instruktionspsychologie (Mikroebene)
=> untersucht individuelle Effekte
=> ist prozess-orientiert
Wo ist der Unterschied zwischen Lerntheorien & Instruktionstheorien?
Lerntheorie: Welche Lernprozesse führen zu welchen kognitiven Effekten?
Instruktionstheorie: Welches Lehrverhalten führt zu welchen Lernprozessen?
=> beide Arten sind eng aufeinander bezogen: Gestaltung von Lehrprozessen setzt Kenntnisse über Lernprozesse voraus
Wo ist der Unterschied zwischen deskriptven und präskriptiven Theorien?
Deskriptive Theorien:
Welche Ergebnisse erzielen welche instruktionalen Methoden in instruktionalen Kontexten ?
Präskriptive Theorien:
Welche Methoden sollte man verwenden, wenn man in einem instruktionalen Kontext ein bestimmtes Ergebnis erreichen will?
Welche 4 Arten vom Lernen gibt es?
Implizites/inzidenzielles Lernen
=> Keine Lernabsicht, aber Verhaltensänderung (z.B durch Mediennutzung)
Informelles Lernen
=> Lernabsicht, aber nicht im institutionellen Rahmen (z.B kochen lernen mit tutorial)
Non-formales Lernen
=> Eingebunden in Institution, aber keine formale Qualifikation (z.B in VHS Sprachkurs)
Formales Lernen
=> Eingebunden in Qualifikationsrahmen (z.B Schule, Uni)
Wann ist eine Theorie am erklärungsmächtigsten?
Wenn sie sich leicht falsifizieren lässt
Welcher Wert beim Hattie-Barometer heißt was? (In Bezug auf gefundene Effektstärken)
Durchschnittliche Effektstärke im Unterricht bei d=0.4
d<0: Die Maßnahme schadet der Leistung (negative Effekte)
0 bis 0.2: Entspricht der normalen Entwicklung eines Kindes ohne speziellen Unterricht (Entwicklungseffekte)
0.2 bis 0.4: Typische Effekte von „Normalunterricht“ (Schulbesucheffekte)
• • d>0.4: Dies sind die erwünschten Effekte, die über das Maß des normalen Schulbesuchs hinausgehen (erwünschte Effekte)
Wie funktioniert klassische Konditionierung?
Man baut eine Verbindung auf zwischen einem Reflex und einem neuen Reiz
=> Das nennt man Erlernen von Kontingenzen (ein zeitliches Zusammenfallen von zwei Reizen)
=> Konkret heißt das: Ein ursprünglich neutraler Reiz löst nach ausreichend häufiger Kopplung mit einem unkonditionierten Reiz die gleichen Reaktionen aus
Was ist operante Konditionierung?
Systematischer Einsatz von Belohnung vs. Bestrafung
=> die Lernform, die am häufigsten mit ,,Erziehen” assoziiert wird
Operante Konditionierung
Respondentes Verhalten
eine Reaktion des Organismus auf Umwelt
Stimulus VOR Reaktion
Klassische Konditionierung (Typ S-Konditionierung)
z.B Futter + Glocke = Speichel
Operantes (instrumentelles) Verhalten
Verhalten, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen
Stimulus NACH Reaktion
Operante Konditionierung (Typ R-Konditionierung)
• • z.B Hebel => Futter
Wo ist der Unterschied zwischen positiven und negativem Verstärker vs. positiver und negativer Bestrafung?
Verstärkung
positiv: eine positive Konsequenz (z.B Lob)
negativ: eine unangenehme Konsequenz bleibt aus (z.B vorzeitige Haftentlassung)
Bestrafung
positiv: unangenehme Konsequent (z.B Ohrfeige)
negativ: angenehme Konsequenz bleibt aus (z.B Taschengeldentzug, Handyverbot)
Aufmerksamkeit:
Welche 3 Selektionstheorien gibt es? (Wie bzw. wann wird selektiert, was Aufmerksamkeit bekommt?)
Frühe Selektionstheorie
Späte Selektionstheorie
Dämpfungstheorie
Basiert auf Experimenten zum dichotischen Hören (Shadowing-Aufgabe: Versuchspersonen hören auf jedem Ohr einen unterschiedlichen Text und müssen einen davon laut nachsprechen).
Welche 3 Faktoren bestimmen, ob ein Reiz Aufmerksamkeit erhält oder nicht?
Physikalische Stärke
Semantische Passung
Persönliche Relevanz
Was sagt die frühe Selektionstheorie?
Informationen werden zuerst paralell physikalisch enkodiert
Bevor semantisch verarbeitet wird, wird ein Kanal selektiert (Einkanal-Hypothese)
=> Unbeachtete Reize werden kaum semantisch analysiert.
Was sagt die späte Selektionstheorie?
Alle Reize, die ankommen werden verarbeitet und analysiert
die Selektion erfolgt erst bei der Reaktionsvorbereitung bzw. der Entscheidung, was ins Arbeitsgedächtnis gelangt
Was sagt die Dämpfungstheorie?
Der Filter ist flexibel: Er blockiert unpassende Informationen nicht komplett, sondern schwächt/attentuiert sie nur ab (Dämpfung/Attenuation)
Schwellenwerte variieren je nach Erwartung und Relevanz.
( Wörter besitzen unterschiedliche Aktivierungsschwellen. Das eigene Signalwort (wie der eigene Name) haben eine sehr niedrige Schwelle und brechen selbst im gedämpften Zustand ins Bewusstsein durch)
Was ist die Funktion des Arbeitsgedächtnisses?
zentrale Schnittstelle der menschlichen Informationsverarbeitung
Wahrnehmungssignale aus dem sensorischen Register treffen auf abgerufenes Wissen aus dem Langzeitgedächtnis
=> Ziel: Komplexe Aufgaben wie Denken, Rechnen, Problemlösen, Lesen
Das Arbeitsgedächtnis:
Was sind die Funktionen der zentralen Exekutive des Arbeitsgedächtnisses?
Fokussierung von Aufmerksamkeit & Unterdrückung von Distraktoren (Inhibition)
Schnittstelle zum Langzeitgedächtnis
Entwerfen, Überwachen, Modifizieren von Handlungsplänen (Metakognition)
Das Arbeitsgedächtnis: Aus welchen Komponenten besteht es? (Multi-Komponenten-Modell)
Zentrale Exekutive
Phonologische Schleife (temporäre Speicherung und Verarbeitung von sprachlichem und akustischem Material)
Visuell-räumlicher Notizblock (Speicherung und Manipulation von visuellen Bildern, Formen, Farben und räumlichen Bewegungsabfolgen)
Episodischer Puffer (multimodales Bindeglied, das Informationen aus der phonologischen Schleife, dem visuell-räumlichen Notizblock und dem Langzeitgedächtnis zu kohärenten, zeitlich geordneten Szenen („Episoden“) zusammenfügt)
Langzeitgedächtnis: Wie ist es gegliedert?
Deklaratives (Explizites, direkt zugängliches) Gedächtnis:
Semantisches Gedächtnis: Weltwissen
Episodisches Gedächtnis: Erinnerung an konkrete Ereignisse
Nicht-deklaratives (Implizites, nicht direkt zugängliches) Gedächtnis:
Prozedurales Gedächtnis: Automatisierte motorische und kognitive Handlungsabläufe (z. B. Radfahren)
Klassische Konditionierung: Gelernte emotionale oder physiologische Reiz-Reaktions-Verknüpfungen
Priming: Die vorangehende Präsentation eines Reizes erleichtert oder verändert die spätere Verarbeitung eines verwandten Reizes
Was sind die 3 Kernstufen eines Gedächtnisprozesses?
Enkodierung (Encoding): Aufnahme und Umwandlung von Informationen in ein mentales Format
Konsolidierung & Speicherung (Storage): Festigung der Gedächtnisspuren über die Zeit
Abruf (Retrieval): Rekonstruktion und Aktivierung gespeicherter Inhalten im Arbeitsgedächtnis
Was sind die Kernaussagen der Ebbinghaus'schen Vergessenskurve?
Ebbinghaus wies nach, dass der Informationsverlust nach dem ersten Lernen extrem steil verläuft (über 50 % Verlust innerhalb der ersten Stunden).
=> Die Kurve flacht im weiteren Verlauf deutlich ab.
=> Effekt von Wiederholungen: Jede systematische Wiederholung frischt die Gedächtnisspur auf und flacht die Neigung der Vergessenskurve dauerhaft ab
Was sind 4 Ursachen für Vergessen von Wissen?
Spurenzerfall (Decay):
Verblassen neuronaler Verbindungen durch mangelnde Nutzung über Zeit.
Interferenz (Überlagerung):
Proaktive Interferenz: Bereits gelerntes Wissen behindert die Aufnahme neuer Informationen
Retroaktive Interferenz: Neu gelerntes Wissen überschreibt oder verzerrt altes Wissen
Wechselseitige Hemmung von Gedächtnisinhalten (das Aktivieren der einen Infos hemmt Aktivieren der anderen)
Fehlende Abrufreize (Retrieval Cue Failure):
Die Information ist im Speicher zwar vorhanden, aber mangels passender Signale/Anker derzeit nicht erreichbar („Es liegt mir auf der Zunge“).
Zuletzt geändertvor 17 Tagen