Was versteht man nach Kühl & Matthiesen unter lateralem Führen?
Laterales Führen bedeutet Führen ohne bzw. mit nur begrenzter hierarchischer Weisungsbefugnis.
Es wird besonders relevant, wenn Personen miteinander kooperieren müssen, ohne dass eine Seite der anderen einfach Anweisungen erteilen kann, z. B. in:
Projektgruppen,
bereichsübergreifender Zusammenarbeit,
Steuerungsgruppen,
Kooperationen zwischen Organisationen.
→ Führung bzw. Einflussnahme erfolgt jenseits hierarchischer Anweisung.
Wichtig: Hierarchie verschwindet dadurch nicht. Sie bleibt für Organisationen bedeutsam; laterales Führen wird dort relevant, wo ihre Steuerungsmöglichkeiten begrenzt sind.
Merksatz: 👉 Laterales Führen = Einfluss nehmen, ohne sich auf Weisungsbefugnis stützen zu können.
Welche drei zentralen Einflussmechanismen gibt es beim lateralen Führen?
→ Denkweisen bzw. „Denkgebäude“ des Gegenübers verstehen und neue Handlungsmöglichkeiten erschließen.
→ Einfluss durch andere Machtquellen als hierarchische Weisungsbefugnis, z. B. Expertenwissen, Kontrolle informeller Kommunikation oder Umweltkontakte.
→ Eine Seite geht riskant in Vorleistung, die andere nutzt dies nicht kurzfristig aus und erwidert das Vertrauen später.
→ Verständigung + Macht + Vertrauen bilden den Kern lateralen Führens.
Merksatz: 👉 Laterales Führen = Verständigung + Macht + Vertrauen.
Was bedeutet Verständigung beim lateralen Führen?
Verständigung bedeutet, die Denkgebäude bzw. lokalen Rationalitäten des Kooperationspartners zu verstehen.
Menschen handeln nicht einfach aufgrund ihrer Persönlichkeit. Ihre Interessen und Sichtweisen werden wesentlich durch ihre Position und Einbindung in die Organisation geprägt.
→ Ziel ist daher nicht unbedingt vollständiger Konsens, sondern zunächst zu verstehen:
„Warum erscheint das Verhalten des anderen aus seiner organisationalen Position heraus sinnvoll?“
Die Autoren grenzen sich damit von reinen Kommunikations- oder Persönlichkeitstrainings ab: Laterales Führen muss die Organisationsstrukturen berücksichtigen.
Merksatz: 👉 Verständigung = die organisationale Logik hinter der Perspektive des anderen verstehen.
Welche Rolle spielt Macht beim lateralen Führen?
uch ohne hierarchische Weisungsbefugnis gibt es Machtquellen.
Beispiele:
Expertenwissen,
Kontrolle wichtiger/informeller Kommunikationswege,
Kontakte zur Umwelt der Organisation.
→ Laterales Führen ist deshalb nicht machtfreies Führen.
Der Unterschied zur klassischen hierarchischen Führung besteht darin, dass man sich nicht einfach auf die formale Weisungsbefugnis stützen kann.
Merksatz: 👉 Keine Weisungsbefugnis ≠ keine Macht.
Wie entsteht Vertrauen beim lateralen Führen?
Vertrauen entsteht, wenn eine Person einseitig in Vorleistung geht und damit ein Risiko eingeht.
Die andere Seite:
→ könnte diese Vorleistung kurzfristig ausnutzen, → tut dies aber nicht → und erwidert das Vertrauen später.
Dadurch kann sich eine Vertrauensbeziehung entwickeln, die Kooperation auch ohne hierarchische Absicherung ermöglicht.
Merksatz: 👉 Vertrauen = riskante Vorleistung + kein Ausnutzen + spätere Erwiderung.
Wie hängen Macht, Vertrauen und Verständigung beim lateralen Führen zusammen?
Die drei Mechanismen wirken in realen Kooperationen meist gleichzeitig und keiner ist grundsätzlich wichtiger als die anderen.
Sie können sich:
① gegenseitig unterstützen z. B. Vertrauen → erleichtert Verständigung.
② gegenseitig behindern z. B. aggressive Machtspiele → können Vertrauen zerstören.
③ teilweise gegenseitig ersetzen → Wenn man mit einem Mechanismus nicht weiterkommt, kann ein anderer als funktionales Äquivalent dienen.
Beispiel: festgefahrenes Machtspiel → Verständigung versuchen. Verständigung funktioniert nicht → neue Machtkonstellation schaffen.
Es gibt deshalb keine allgemein optimale Mischung. Entscheidend ist die Situation.
Merksatz: 👉 Macht, Vertrauen und Verständigung stehen in einem Spannungsverhältnis – welcher Mechanismus sinnvoll ist, hängt von der Situation ab.
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