Wie lautet die IEEE-Definition von Architektur (IEEE 1471-2000)? [F6]
🔵 "The fundamental organization of a system embodied in its components, their relationships to each other and to the environment, and the principles guiding its design and evolution." 🟡 Merksatz Dozent: Architektur ist viel mehr als Hardware + Software — gerade das schwer beherrschbare "environment" gehört dazu.
BEGRIFF: Architektur (konzeptionelle Definition) [F8]
🔵 (1) Konzeptionelles Framework, um logische, physische oder organisatorische Strukturen zu beschreiben — heutige UND zukünftige. (2) Menge von Richtlinien und Direktiven, um ein konsistentes Ganzes zu gewährleisten. 🔵 Einflussfaktoren: Organisation, Entscheidungskompetenz, Unternehmensrichtlinien, Managementanforderungen, Unternehmenspolitik/Machtkämpfe.
Wie ist die Unternehmensarchitektur (Enterprise Architecture) gegliedert? [F7-9]
🔵 Unternehmensarchitektur = Klammer über: (1) Geschäftsarchitektur (Geschäftsmodelle, Geschäftsprozesse) und (2) IT-Unternehmensarchitektur (von IT-Strategie bis in die operativen Systeme). 🔵 Die IT-Unternehmensarchitektur teilt sich in: Architektur der Informationssysteme (= Anwendungsportfolio) und Architektur der Infrastruktur. (Literatur: Keller)
WAHR/FALSCH: Das Anwendungsportfolio ist eine Teilmenge der IT-Unternehmensarchitektur. [F7-9, mögliche Klausurfrage]
🔵 WAHR. Das Anwendungsportfolio = Architektur der Informationssysteme und ist Teil der IT-Unternehmensarchitektur, die wiederum Teil der Unternehmensarchitektur ist.
🔥 Nenne die 5 Ebenen der Architektur-Modellpyramide nach Dern (2003) — von oben nach unten. [F13] [Bild: F013_Modellpyramide.png]
🔵 1) Strategie (IT-Strategie aus Business-Strategie abgeleitet) • 2) Geschäftsarchitektur (Geschäftsmodell + Geschäftsprozessmanagement) • 3) Facharchitektur / Informationsarchitektur (Bebauungspläne, Anwendungsportfoliomanagement) • 4) Anwendungsarchitektur (Projektarchitektur, Management der Softwareplattformen) • 5) Basis-/IT-Infrastruktur (System- und Infrastrukturarchitektur). 🟡 Dozent: "Daraus baue ich definitiv eine Klausurfrage."
🔥 Welche Rollen gehören zu welcher Ebene der Modellpyramide nach Dern? [F13]
🔵 Strategie + Geschäftsarchitektur → Enterprise-Architekt • Facharchitektur → Subject Matter Expert (SME) • Anwendungsarchitektur → SME / Projekt- bzw. Lösungsarchitekt • Basis-/IT-Infrastruktur → technischer Architekt / Solution Architect. 🔵 Die Grenzen sind bewusst unscharf und überlappend.
🔥 Klausur-Minimum zur Modellpyramide nach Dern: Was musst du auf jeden Fall sicher können? [F13]
🔵 Die Ebenen begrifflich kennen und richtig anordnen: Strategie ganz oben, Technik als Basis ganz unten — "dann haben Sie schon zwei von fünf Ebenen sicher, und es geht nur noch um die richtige Anordnung der drei weiteren". 🔵 Möglich als offene Frage ("Malen Sie die Pyramide auf und ordnen Sie die Rollen zu") oder als Zuordnungs-/MC-Frage. 🔵 Dieselbe Grob-ins-Feine-Logik findet sich in Zachman, SABSA und TOGAF wieder.
Was ist der Unterschied zwischen einer horizontalen und einer vertikalen Architektur-Ausprägung? [F11-12]
🔵 HORIZONTAL: sehr tief in der ganzen Breite EINES Themenfeldes — z.B. Netzwerkarchitektur. VERTIKAL: ein Thema über den kompletten Technologie-Stack hinweg, dafür auf höherem Level — z.B. Sicherheitsarchitektur. 🔵 Konsequenz: unterschiedliche Architekturrollen; "der eine Architekt, der alles kann" funktioniert nicht.
Was sind die typischen Folgen von Architektur-Wildwuchs? [F22]
🔵 Niemand weiß, was vorhanden ist und was Systeme können • funktionale Redundanzen (dasselbe System mehrfach im Haus) • fehlende Kommunikationsschnittstellen • Unmut und Ineffizienz • steigende Kosten • sinkende Geschwindigkeit • keine Datenqualität. 🟡 Pointe des Dozenten: "Ich habe auf dieser Folie nicht ein einziges Mal das Wort Sicherheit in den Mund genommen."
Welche drei Reifestufen durchläuft eine flexible Architektur? [F23]
🔵 Stabilität (Servicemanagement, Kontinuität, geringe Synchronität) → Effizienz (IT-Konsolidierung, integriertes Service Management) → Flexibilität (adaptive Architektur und Prozesse, Management nahezu in Echtzeit). 🔵 Zwei Achsen: Flexibilität des Geschäfts (reagieren → antizipieren → proaktiv → First Mover) und Synchronisation von IT und Geschäft.
Was bedeutet das Zitat "All models are wrong, but some are useful" für die Architekturarbeit? [F28]
🟡 Zitat von George E.P. Box (britischer Statistiker). 🔵 Bedeutung: Frameworks müssen nicht 1:1 befolgt werden — sie müssen zur eigenen Organisation passen. Keinem Modell sklavisch folgen. 🟡 Beispiel des Dozenten: Eine Firewall-Migration "agil" zu machen scheitert, weil Agilität Fehlertoleranz bedeutet — bei Firewall-Regeln nicht akzeptabel.
BEGRIFF: CORE & CONTEXT nach Geoffrey Moore [F29-39]
🔵 Vier-Quadranten-Modell: CORE vs. CONTEXT × Differenzierung vs. Produktivität. 🔵 CORE/Differenzierung = Was hebt uns vom Wettbewerb ab? Individualisierung, schwer skalierbar. 🔵 CONTEXT/Produktivität = Was muss bestmöglich laufen? Standardisierung, Automatisierung, Skalierung, kaum Differenzierung. 🟡 Klausurrelevant laut Rückschau: der Innovationszyklus, die Security-Sicht je Phase und der Sprung Core→Context als Konfliktstelle.
Wie haben sich die Anforderungen an die IT seit den 1980ern gewandelt? [F16-21]
🔵 80er: Back-Office-Automatisierung — Stabilität, Wirtschaftlichkeit (Schufa-Abfrage lief über Nacht). 90er: Front-Office — Auskunft live im Beratungsgespräch. Heute: permanente Anpassung an sich ändernde Gegebenheiten inkl. Geopolitik, 24/7, günstig, automatisiert, zusätzlich KI-Agents. 🔵 Darwin: Nicht die stärkste oder intelligenteste Spezies überlebt, sondern die anpassungsfähigste — gilt auch für Unternehmen und IT-Landschaften.
Warum ist Architektur für Security so entscheidend? (Kernbotschaft V1) [F4]
🔵 Bei Security zählt Geschwindigkeit. Die Architektur ist die Informationsbasis, um schnell auskunftsfähig zu sein: "Nutzen wir dieses Produkt überhaupt?", "Können wir dieses System mal eben patchen?", "Wo sind wir betroffen?" 🔵 Genau diese einfachen Fragen bringen Unternehmen im Ernstfall zum Stolpern.
Welche vier Punkte beschreiben das komplette Spannungsfeld der Architektur in der Unternehmensorganisation? [F42]
🔵 1) Stabsstelle vs. Funktion im Geschäftsbereich • 2) weisungsbefugt vs. "einfach da" (beratend) • 3) "Passiert" Architektur einfach — oder wird sie bewusst betrieben? • 4) Gibt es einen gelebten Prozess (Hygienefunktion, Review, neutrale Zweitmeinung)? 🟡 Dozent: "Mit diesen vier Punkten ist das komplette Spannungsfeld beschrieben."
Was unterscheidet die klassische von der modernen IT-Organisationsform? [F44-46]
🔵 KLASSISCH (nach Keller): Aufteilung in Leistungsfunktionen Entwicklung/Betrieb → funktionale Silos; Architektur sitzt in "Methoden, Verfahren, Architektur". Folgen: Entwickler im Tagesgeschäft gefangen, schlechte Übergabe Entwicklung→Betrieb. 🔵 MODERN: Manage / Change / Run (bzw. Plan / Build / Run), teils in Tochtergesellschaften; bessere Kontrolle und Steuerung über SLAs, aber viele Schnittstellen und Formalismus = Kommunikations-Overhead. 🟡 Merksatz: Es gibt kein Gut oder Schlecht — Übertreibung in jede Richtung führt zur suboptimalen Lösung.
Welche Aufgaben hat eine ZENTRALE Architektureinheit, welche eine DEZENTRALE? [F48-49]
🔵 ZENTRAL (Chef-Architekt): unternehmensweite Standards, Prinzipien, Vorgaben, Methoden, Werkzeuge, Dokumentationsstandards, Schulung, Support, Überwachung — bündelt konzeptionelle Mehrfacharbeit. 🔵 DEZENTRAL (Domänen-Experte): kennt die Business Unit, ist in den Fachbereichen vernetzt, versteht Anforderungen und leitet aus dem Standard die spezialisierte Architektur ab — "kein Elfenbeinturm, sondern jemand, den man persönlich kennt".
WAHR/FALSCH: Zu den Aufgaben eines zentralen Architekturteams gehört die Definition von Methoden, Konventionen und Werkzeugen. [F48, Klausurfrage laut Dozent]
🔵 WAHR. 🟡 Der Dozent hat sich diese Frage in der Vorlesung live notiert. Ebenfalls möglich: "Wäre die Schaffung zentraler UND dezentraler Architektureinheiten ein Ansatz, das Thema nachhaltiger im Unternehmen zu verankern?" → Ja.
BEGRIFF: Architecture Governance [F51-52]
🔵 "Architecture Governance is the practice and orientation by which enterprise architectures are managed and controlled at an enterprise-wide level." 🔵 Gute Governance: angemessene Gremien, Kommunikation (kognitives Alignment), Rückkopplung der Prozesse an die Strategie als Normalfall — und vor allem: Entscheidungen werden auch umgesetzt.
Wie lässt sich die Gewaltenteilung nach John Locke auf ein Architekturboard übertragen? [F51-52]
🔵 LEGISLATIVE = Festlegung von Regeln (Regelwerke müssen schlank, verständlich, überschneidungsfrei und leicht auffindbar sein — das fördert Akzeptanz). 🔵 EXEKUTIVE = Prüfung: Sind die Zielbilder realistisch und kompatibel zur bestehenden Architektur? (beratender Part). 🔵 JUDIKATIVE = letzte Eskalationsinstanz bei Ressourcenkonflikten und Regelauslegung.
Welche Kompetenzen und welche Gefahren kennzeichnen die Rolle des Architekten? [F54]
🔵 KOMPETENZEN: Managementaufgabe; Verantwortung, dass die IT-Strategie operationalisiert wird; das letzte Wort ("The Crying Towel"). 🔵 GEFAHREN: Management im Elfenbeinturm; übertriebenes Verlangen nach technischer Perfektion und Eleganz; Kompetenzgerangel und Übersteuerung.
Was bedeutet "Rückdelegation" und welcher Merksatz gehört dazu? [F55-56]
🟡 Rückdelegation = "Wenn du das besser weißt, mach du das Design." Der Enterprise-Architekt übernimmt die Arbeit des Projektarchitekten — im Beispiel des Dozenten mit vier Wochen Zeitverlust, weil dem Kollegen nicht klar war, dass die Aufgabe wirklich übergegangen war. 🟡 Merksatz: "Der Trainer trainiert — er spielt nicht selbst."
Enterprise-Architekt vs. Projekt-/Lösungsarchitekt — wie ist die Aufgabenteilung? [F55-56]
🔵 ARCHITEKT: Verantwortung für IT-Portfolio und Bebauungspläne, Qualitätssicherung über viele Projekte hinweg, Eskalationsinstanz — dauerhafte Rolle. 🔵 PROJEKTARCHITEKT: technisch lauffähige Lösung zum Projektabschluss, nutzt fertige Komponenten (Blueprints, gehärtete Images); Neuentwicklung nur in Abstimmung — sie kann zum neuen Blueprint werden; meist nur für die Projektdauer.
Warum ist Architektur eine "Langlaufdisziplin"? [F61]
🔵 Die Anpassungsgeschwindigkeit der Architektur ist deutlich langsamer als die der Organisation: "Die Umsetzung erfolgt mit dem Ablegen eines neuen Organigramms — unsere Systeme brauchen wesentlich länger." 🔵 Folgen: IT-Landschaft passt nicht mehr zur Organisationsform, es gibt keinen zuständigen Architekten mehr, die Gesamtsicht geht verloren. 🟡 Merksatz: eher Marathon als Sprint.
🔥 Nenne die sechs Kulturdimensionen nach Geert Hofstede. [F64-66] [Bild: F064_Hofstede.png]
🔵 1) Machtdistanz • 2) Unsicherheitsvermeidung • 3) Individualismus (vs. Kollektivismus) • 4) Maskulinität (vs. Femininität) • 5) Lang-/Kurzzeitorientierung • 6) Genuss / Indulgence. 🟡 Dozent: "Da kann ich Ihnen garantieren, dass es dazu mindestens eine Frage geben wird" — als fiese Multiple Choice oder als offene Frage nach der Bedeutung aus Architektursicht.
Woher stammen die Kulturdimensionen nach Hofstede? [F64-66]
🟡 Geert Hofstede (Niederländer) definiert Kultur vereinfacht als "die Software des Geistes" (Dozent: das "Brain OS"). 🔴 Grundlage: mehrjährige Studie mit 60.000 IBM-Mitarbeitern aus 40 Ländern — ausgelöst durch die Frage, warum bei "einer IBM" so viele Projekte scheiterten. 🔵 Ursprünglich vier Dimensionen, später um zwei ergänzt = sechs.
Erkläre Machtdistanz, Unsicherheitsvermeidung und Individualismus (Hofstede). [F64-66]
🔵 MACHTDISTANZ: Werden große Machtunterschiede/Hierarchien akzeptiert? Hoch = Führungskraft entscheidet, kein Widerspruch. Niedrig = flache Hierarchien, Entscheidungen werden hinterfragt. 🔵 UNSICHERHEITSVERMEIDUNG: Wie risikofreudig sind wir? Hoch = altbewährte Muster, ausgeprägtes Regelwerk ("verschlüsselt mit DIESEM Algorithmus und DIESER Schlüssellänge"); niedrig = "verschlüsselt die Sachen". 🔵 INDIVIDUALISMUS: Hoch = lockere Beziehungen, das Individuum im Vordergrund; niedrig = Kollektivismus, Gemeinschaft und Fürsorge.
Erkläre Maskulinität, Lang-/Kurzzeitorientierung und Genuss (Hofstede). [F64-66]
🔵 MASKULINITÄT: Ausmaß von Dominanz. Maskulin = klar verteilte Geschlechterrollen, Status, Statussymbole, Prestige; feminin = Empathie, Fürsorge, Miteinander, tauschbare Rollen. 🔴 LANG-/KURZZEITORIENTIERUNG: langfristige Planung vs. Hier und Jetzt (Beispiel: Wechsel vom Drei-Monats- auf den Drei-Jahres-Horizont). 🔵 GENUSS (Indulgence): Akzeptanz der Selbstverwirklichung des Einzelnen — hoher Wert = Freiheit als wichtiger Wert, niedriger Wert = strengere Regulierung.
Warum sind Kulturdimensionen für globale Architekturvorgaben relevant? [F67]
🔵 In Kulturen, die Konflikte flach halten (z.B. asiatisch geprägt), kommt lange kein Feedback — die Vorgabe wird schlicht nicht adaptiert, und es kostet viel Energie herauszufinden, warum. 🔵 Bei Dienstleistern aus Kulturen mit hoher Machtdistanz ist der Weg über die Hierarchie erfolgreich — man übergeht damit aber die Arbeitsebene und verliert deren Support. 🔵 Kern: Selbstreflexion — "Wie ticken wir selbst?"
Welche Einflüsse auf Architekturentscheidungen sind beherrschbar, welche kaum? [F71]
🔵 BEHERRSCHBAR (mit Erfahrung): fachliche Anforderungen, technologische Anforderungen, Budget, Zeitdruck, Regeln/Policies/Gesetze. 🔵 KAUM BEHERRSCHBAR: Politik im Unternehmen, persönliche Interessen, unvorhergesehene Ereignisse. 🔵 Über allem schwebt die Abschlussfrage der Folie: "Und wird das Ganze dann auch noch sicher?" — Regeln/Policies spielen der Security in die Karten, Zeitdruck arbeitet klar dagegen.
Erkläre das Eisbergmodell der Unternehmensorganisation. [F72] [Bild: F072_Eisberg.png]
🔵 FORMELLES SYSTEM (~10%, beobachtbare Sachebene): Prozesse, Zahlen, Strukturen, Fakten — "alles, was man im Intranet nachlesen kann". 🔴 INFORMELLES SYSTEM (~90%, nur teilweise beobachtbar): Kultur — Verhalten, Gefühle, Werte und Normen, Grundannahmen; in der Praxis: ungeschriebene Gesetze, Status einzelner Personen, Tabus ("bei uns kein Microsoft"), historische Ansprüche, und vor allem: Wer hat wirklich die Macht zu entscheiden? 🔴 Warnung: Wer ein Tabu nicht kennt, scheitert mit einem sonst guten Konzept.
Welche Ursachen und welche Formen von Widerstand gibt es bei Veränderungen? [F73]
🔵 URSACHEN: Angst, Wissenslücke, Eigeninteressen, Statusverlust, Jobverlust. 🔵 FORMEN: Intrigen, Fluktuation, Widerspruch, Aufregung, Boykott.
🔥 Erkläre die Akzeptanzmatrix: welche zwei Achsen und welche vier Archetypen? [F74-75] [Bild: F074_Akzeptanzmatrix.png]
🔴 ACHSEN: Sachliches Risiko (Wird verstanden und akzeptiert, WARUM wir das machen?) × Persönliches Risiko (Habe ich als Person etwas zu gewinnen oder zu verlieren?). 🔵 ARCHETYPEN: PROMOTOR (versteht es, sieht Chance) • SKEPTIKER (nichts zu verlieren, versteht aber nicht warum) • BREMSER (versteht es voll, verliert aber persönlich) • WIDERSTÄNDLER (versteht es nicht UND verliert).
Welche Maßnahme passt zu welchem Archetyp der Akzeptanzmatrix? [F74-75]
🔵 PROMOTOR → als Leiter/Change Agent einsetzen, Vorbildfunktion. 🔵 SKEPTIKER → Informationen, Fakten, Zahlen; sachliche Informationsbasis aufbauen, aktiv einbinden, Redepart geben. 🔵 BREMSER → persönliche Risiken absichern, Sicherheiten aufzeigen, neue Rolle/Entwicklung anbieten, Einzelgespräche. 🔵 WIDERSTÄNDLER → gezielte Einzelmaßnahmen, Verantwortung im Projekt geben, im Worst Case auf eine Position setzen, wo er keinen Schaden anrichten kann. 🔴 Hinweis: Archetypen in Reinform gibt es in der Praxis kaum.
🔥 KLAUSURFALLE Akzeptanzmatrix: Wie tief musst du das Modell können? [F74]
🔵 Es genügt zu wissen: (1) dass es das Modell gibt, (2) dass sich vier typische Widerstandsformen ableiten lassen (Promotor, Skeptiker, Bremser, Widerständler) und (3) dass die Ableitung über sachliche vs. persönliche Risiken läuft. 🟡 Das Modell muss NICHT gemalt werden — aber wenn behauptet wird, es basiere "auf drei Achsen mit sechs Risikogruppen", muss man das als FALSCH erkennen.
BEGRIFF: Business-IT-Alignment [F91]
🔵 Wechselseitige Abstimmung von Zielen, Strategien, Architekturen, Leistungen und Prozessen zwischen IT und Fachbereichen. 🔵 Wichtig: Ziele von Business und IT sind aufeinander abgestimmt UND kommuniziert. 🔵 "Wer macht das? Vielleicht jemand aus der Architektur."
🔥 Nenne die fünf Dimensionen des Business-IT-Alignments. [F97] [Bild: F097_Alignment-Dimensionen.png]
🔵 1) Kognitives IT-Alignment — Ausrichtung auf gemeinsames Gedankengut • 2) Strategisches IT-Alignment — Abstimmung von Business- und IT-Strategie • 3) Architektonisches Alignment — Wie gut passen IT-Systeme zu Geschäftsprozessen? • 4) Temporales Alignment — Wie schnell lässt sich die IT-Landschaft an Änderungen des Geschäftsmodells anpassen? • 5) Systemisches IT-Alignment — Ist die IT-Landschaft in der Lage, das Unternehmen zu steuern? 🟡 Dozent: "Das schreit danach, dass man die fünf Dimensionen im Kopf hat."
🔥 Welche Alignment-Dimensionen lassen sich durch die IT-Unternehmensarchitektur beeinflussen? [F103, Quizfrage — 85% falsch!]
🔵 STRATEGISCHES, ARCHITEKTONISCHES und TEMPORALES Alignment. 🔵 Nicht beeinflussbar: kognitives (muss vom Management vorgelebt werden) und systemisches Alignment ("wir können nicht sagen, welches die richtigen Daten sind — wir sind Zulieferer"). 🟡 ⚠ KLAUSURFALLE: Es heißt SYSTEMISCH, nicht "systematisch" — der Dozent hat angekündigt, genau diese Nickeligkeit einzubauen.
Welche Alignment-Dimension muss per Definition vom Management vorgelebt werden? [Quizfrage V5]
🔵 Das KOGNITIVE Alignment — gemeinsames Verständnis ALLER Unternehmensteile, gemeinsames Gedankengut, weg vom "wir und die". 🔵 Zur Abgrenzung: Das systemische Alignment ist das, was sich nur rückblickend feststellen lässt.
Erkläre das kognitive IT-Alignment. [F98]
🔵 Gemeinsames Verständnis ALLER Unternehmensteile, nicht nur der IT. Fehlt es, entstehen Gräben und Plattitüden. 🟡 Wichtig ist eine gemeinsame Sprache: Anekdote des Dozenten — ein Workshop lief bis zum Mittagessen hervorragend, dann stellte sich heraus, dass beide Seiten dieselben Abkürzungen für völlig verschiedene Dinge benutzt hatten. Lösung: ein Abkürzungsregister (Beispiel SAM = Software Asset Management? Security Asset Management? Strategic Alignment Model?).
Erkläre das strategische und das architektonische Alignment. [F99-100]
🔵 STRATEGISCH: Abstimmung von Geschäfts- und IT-Strategie; verhindert Technikeinsatz "nur um der Technik willen". Verortung: Spitze der Modellpyramide nach Dern. 🔴 ARCHITEKTONISCH: Wie flexibel ist die IT-Landschaft, wie schnell können wir neue Technologien einführen? Kernaufgabe = Anwendungsportfolio-Management (Kernapplikationen, schützenswerte Komponenten, End-of-Life-Planung). Fehlannahme: Ähnlichkeit zwischen Software und Geschäftsprozess bedeutet Alignment — das kann Zufall sein (Conway's Law).
Erkläre das temporale und das systemische Alignment. [F101-103]
🔵 TEMPORAL: Wie schnell lässt sich die IT-Landschaft anpassen? Unterscheidung absehbare (Saisongeschäft) vs. nicht absehbare Änderungen; nicht mehr "viel hilft viel", sondern effiziente Weiterentwicklung. Verortung: technische Ebene der Pyramide. 🔴 SYSTEMISCH: Ist die IT-Landschaft in der Lage, das Unternehmen zu steuern? Kernfrage: "Versetzt mich meine IT in die Lage, die richtigen Entscheidungen zu treffen?" Problem: nur rückblickend feststellbar. Beispiel Nokia (Papiermühle → Kommunikationskonzern → Scheitern am Smartphone).
Welche drei Rollenbilder des CIO unterscheidet die Deloitte-Studie? [F92-93]
🔵 TRUSTED OPERATOR (indirekter Impact auf Business Value): "Wir sorgen dafür, dass alles läuft". 🟡 BUSINESS CO-CREATOR (direkter Impact): gemeinsam Projekte machen, IT und Architektur gemeinsam weiterentwickeln — der Lieblingsbegriff des Dozenten, weil er das "wir und die" auflöst. 🔵 CHANGE INSTIGATOR: aus der IT heraus angeschobene Veränderung. 🔵 Realität: ~55% Trusted Operator, ~33-36% Co-Creator. Idealbild: nur ~20% Trusted Operator, ~45% Co-Creator. Ziel ist der Business Co-Creator.
Was ist das "Chicken Race" zwischen Business und IT? [F94-95]
🔵 Zwei rasen aufeinander zu — wer zuerst ausweicht, hat verloren; weichen beide gleichzeitig aus, bekommt jeder nur die Hälfte. 🔵 Übertragen: Niemand macht den ersten Schritt → Druck auf alle Parteien, Stillstand im Unternehmen, Verlust von Zeit, Geld und Ressourcen. 🔵 Der Enterprise-Architekt ist prädestiniert für die Mittlerrolle, weil er beide Seiten versteht.
Was sind die drei Voraussetzungen für ein effizient funktionierendes Unternehmen — und was besagt Conway's Law? [F96]
🔵 1) Effiziente Geschäftsprozesse • 2) Passende Organisationsstrukturen • 3) Softwaresysteme, die zu Prozessen und Strukturen passen. 🔵 CONWAY'S LAW: "Organizations which design systems are constrained to produce designs which are copies of the communication structures of these organizations." 🔵 Nutzen: In der eingesetzten Software spiegelt sich der GELEBTE Prozess wider — nicht zwingend der effiziente Prozess auf dem Papier.
BEGRIFF: Strategic Alignment Model (SAM) — wer, wann, welche Achsen? [F107-109] [Bild: F107_SAM.png]
🔵 Henderson & Venkatraman, 1993. Ausgangspunkt: Unternehmen gewinnen keine großen Vorteile durch IT-Einsatz, weil die Abstimmung zwischen Business und IT unangemessen ist. 🔵 STRATEGIC FIT (vertikal): externe Domäne (Marktpositionierung: Business Scope, Distinctive Competencies, Business Governance) vs. interne Domäne (administrative Struktur, Geschäftsprozesse, Skills). 🔵 FUNCTIONAL INTEGRATION (horizontal): strategische Integration (Business- und IT-Strategie) und operative Integration (Organisations- und IT-Infrastruktur/-Prozesse).
Wie tief muss das SAM in der Klausur gekonnt werden? [F109]
🔵 "Sie werden es nicht im Rahmen einer offenen Frage beschreiben müssen." Es kann aber eine Frage kommen, ob man das Modell verstanden hat: (1) Abstimmung zwischen IT und Business — Tools und Prozesse müssen zum Geschäft passen (interne Sicht), (2) das Ganze dient dem Erfolg am Markt (externe Sicht), (3) alles muss dynamisch und permanent abgestimmt werden.
Was ist der Grundgedanke der Sekundär-Funktionsstrategien? [F104-106]
🔵 Reine Strategie-Synchronisation auf oberster Ebene erzeugt Standardstrategien ("wir machen was mit Cloud") — nicht greifbar, intern nicht verkaufbar. 🟢 Lösung: eine Abstraktionsebene tiefer auf die Sekundär-Funktionsstrategien gehen (Vertriebs-, Produktions-, Einkaufsstrategie), denn dort stehen die konkreten Bedarfe. Alle Pfeile sind bidirektional — die IT bringt Erkenntnisse zurück in die Strategie. 🟡 Dozent: mehr als den Grundgedanken braucht es hier nicht.
Welche vier Nutzenblöcke bringt Enterprise Architecture? [F114-117]
🔴 1) Effizienterer Betrieb des Business (niedrigere Betriebskosten, agilere Organisation, unternehmensweiter Ressourceneinsatz, gesteigerte Produktivität) • 2) Effektiverer IT-Betrieb (niedrigere Kosten für Entwicklung/Support/Wartung, Portabilität, Interoperabilität, vereinfachtes Upgrade — für Security besonders: automatisiertes Ausrollen von Sicherheitsupdates) • 3) Verbesserter ROI, reduziertes Risiko (weniger Komplexität, Flexibilität bei make/buy/outsource) • 4) Schnellere, einfachere, günstigere Beschaffung.
🔥 Was sind die Bestandteile eines Enterprise-Architecture-Frameworks? [F120]
🔵 1) STRUKTUREN — grundlegende Struktur bzw. Menge von Strukturen, aus der sich n verschiedene Architekturen bilden lassen (Blaupausen, wiederkehrende Muster). 2) METHODEN — eine Methode, den Zielzustand zu definieren, unter Einbeziehung vorhandener BAUSTEINE und ihrer Abhängigkeiten. 3) WERKZEUGE, gebräuchliches VOKABULAR, empfohlene STANDARDS, Best Practices und Übersichten konformer Produkte. 🟡 Dozent: "Das schreit definitiv nach einer Frage." Merkregel: "Wo fettgedruckte Sachen sind, die kann man sich nicht verkneifen."
🔥 Womit beginnt die Geschichte der Enterprise Architecture — und was war die zentrale Herausforderung? [F121]
🔵 "A Framework for Information Systems Architecture", John Zachman, 1987, IBM Systems Journal — gilt als Startpunkt der Enterprise Architecture (das Thema ist noch keine 40 Jahre alt). 🟡 🔥 Merksatz, den der Dozent explizit einprägen lässt: Die Herausforderung ist das MANAGEMENT DER KOMPLEXITÄT VERMEHRT VERTEILTER SYSTEME. 🔵 Daraus entwickelte Zachman den Multiperspektivansatz: ein System aus allen notwendigen Perspektiven betrachten.
Welche zwei Probleme adressiert Enterprise Architecture? [F122]
🔵 1) Systemkomplexität und 2) mangelndes Business-Alignment. 🔵 Unter dem Strich: höhere Kosten, weniger Wert. Kosten und Komplexität steigen exponentiell, während die Chancen, Mehrwert zu generieren, sinken. 🟡 Praxisrat des Dozenten zur Framework-Vielfalt: "Wenn Ihr Chef sagt, wir brauchen ein Framework — nehmen Sie entweder TOGAF, oder ducken Sie sich und rennen weg."
Welche Frameworks werden im Modul behandelt — und warum? [F122]
🔵 ZACHMAN (wegen des Hintergrunds / Startpunkt der EA) • TOGAF (gilt als Weltmarktführer) • SABSA (Security-Fokus) • und als "viertes" ZERO TRUST, das man ebenfalls als Framework bezeichnen kann.
Was ist EAM und welche Ergebnistypen liefert es? [F123-124]
🔵 EAM = inhaltliches Fundament für das Management der IT-Landschaft, das Business-IT-Alignment und die Weiterentwicklung des Geschäfts (EAM, Enterprise Architecture und Architektur werden synonym verwendet). 🔵 Ergebnistypen: Visualisierungen, Grafiken, Listen, Steuerungssichten. 🔵 Sie beantworten die einfachen W-Fragen: Was? Wer? Wo? Warum? Womit? Wie? Wieso? Wann? Wohin?
Was ist der Grundgedanke von EAMe2? [F125-128]
🔵 EAMe2 = "einfach und effektiv". Ausgangsproblem: Die Ableitung des EAM aus einem Framework ist sehr aufwendig und teuer. 🔵 Kernfrage: Wie viel Komplexität kann ich aus der Dokumentation herausnehmen — und was braucht welche Zielgruppe? Je länger ein Dokument/eine Policy, desto höher die Chance, dass sie nicht gelesen wird. 🟡 Zitate: Einstein — "Mach die Dinge so einfach wie möglich, aber nicht einfacher"; Saint-Exupéry — "Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn man nichts mehr hinzufügen, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann." 🔴 Bestes Ergebnis in der Praxis: einfache Grafik PLUS Detailliste.
Welche drei Bausteine bietet EAMe2 als Werkzeugkasten? [F125-128]
🔵 1) Informationsbedarf der Stakeholder ermitteln (Transparenz schaffen) • 2) Strategische Planung der IT-Landschaft (Soll-Landschaft und IT-Roadmap) • 3) Aktives Vorgehen vom Ist zum Soll. 🔵 Effektivität = die richtigen Dinge tun: aus Unternehmensstrategie und Geschäftsanforderungen die künftige IT-Landschaft ableiten und regelmäßig abgleichen.
ÜBUNG: Wie sieht ein 100-Tage-Plan als neuer Chefarchitekt aus? [F129]
🟡 Musterlösung des Dozenten: 1) Kennenlernen — CEO/Geschäftsführung, Stakeholder, dann die Leute (Organigramm, Struktur, Kultur; vor allem: Was ist das Ziel meiner Rolle?). 2) Kick-off und Workshops mit allen (international verteilten) Architekturteams. 3) IST-AUFNAHME: welche Tools, welche Frameworks, was sind die wichtigsten Applikationen (ohne die Standardantwort "E-Mail"), vorhandene Dokumentation, Schnittstellen, kritischste Prozesse, Metriken. 4) Zieldefinition mit KPIs und Reporting. 5) Nach 100 Tagen erste Ergebnisse präsentieren. 🔵 Erkenntnis: Auf EA-Ebene braucht man nicht jedes Detail — der Wert liegt oft im Wachrütteln und darin, Kommunikation in Gang zu bringen.
BEGRIFF: SOA (Service Oriented Architecture) [F130-137]
🔵 "Ein IT-Architekturstil, in dem Services (Dienste) die zentrale Rolle spielen. Die IT-Landschaft wird in modulare Services strukturiert. Jeder Service trägt direkt oder indirekt zur Wertschöpfung bei. Er kann einfach und flexibel kombiniert und regelbasiert gesteuert werden." 🔵 SOA ist ein Paradigma (Denkmuster) zur Realisierung/Pflege von Geschäftsprozessen über mehrere große, verteilte Systeme. 🔵 SOA wird heute nicht mehr forciert, lebt aber in Microservices weiter.
🔥 Nenne die drei technischen Kernkonzepte der SOA. [F132]
🔵 1) SERVICE • 2) ESB (Enterprise Service Bus) • 3) LOSE KOPPLUNG. 🟡 Dozent explizit: "Sollte im Januar eine Frage nach den drei technischen Konzepten im Mittelpunkt der SOA kommen: Service, ESB und lose Kopplung. Das sind Sachen, die man sich merken kann." 🔵 Blackbox-Bild: Wir wissen, was hineingeht und was herauskommt; wie es implementiert ist, ist egal. Fällt ein Service aus, leitet der ESB die Kommunikation auf einen anderen Service um.
BEGRIFF: SOA-Referenzarchitektur [F130-137]
🔵 Macht die unternehmensspezifischen Vorgaben für die technische Umsetzung: Technologie, Softwarearchitektur, Infrastruktur, Aspekte für Entwicklung und Betrieb — und vor allem die Governance (Überwachung der involvierten Systeme und ihres Zusammenspiels).
Welche zwei Ansätze zur SOA-Umsetzung gibt es — und was ist die Empfehlung? [F138]
🔴 BOTTOM-UP (opportunistisch, projektgetrieben): greifbar, klare Projektanforderungen, schnelle Erfahrung — Risiko: in einem Bereich SOA, im anderen klassisch → nicht weniger komplex. 🔴 TOP-DOWN (strategisch): getrieben von den Anforderungen der Business-Bereiche, reduziert Redundanz-Risiko. 🟢 EMPFEHLUNG: Hybridansatz — strategisch die Richtung festlegen und parallel in Projekten implementieren; den Entwicklungszyklus regelmäßig gegen die Strategie spiegeln.
BEGRIFFE: Komponieren, Orchestrieren, Choreografie [F138]
🔵 KOMPONIEREN: mehrere elementare Services zu neuen zusammensetzen, Services austauschen, Features ergänzen → Geschäftsprozesse neu komponieren. 🔵 ORCHESTRIEREN: Prozesssicht — Wie bilden wir die Geschäftslogik ab, wie steuert der ESB die Kommunikation? 🔵 CHOREOGRAFIE: Koordination über Unternehmensgrenzen hinweg.
🔥 Erkläre die Entwicklung Monolith → SOA → Microservices → Serverless. [F140-148] [Bild: F142_SOA-vs-Microservices.png]
🔵 MONOLITH: gewachsene Systeme, Funktionalitäten sind miteinander verzahnt — fällt eine Komponente aus, ist das Gesamtsystem gestört; Skalierung nur als Ganzes. 🔵 SOA: löst das durch modulare, GROBGRANULARE Services (z.B. der komplette Bestellprozess); gemeinsames Repository. 🔵 MICROSERVICES: FEINGRANULAR (z.B. "Artikel in den Warenkorb legen"); jeder Service hat seinen eigenen Datenspeicher. 🔵 SERVERLESS: nur noch Code. 🔵 Wichtig: Monolithen sind nicht per se schlecht — oft ist eine Mischung richtig. Details werden NICHT gefragt, aber die Herleitung muss sitzen.
Wofür steht TOGAF, wann entstand es und worauf basiert es? [F151-153]
🔵 TOGAF = The Open Group Architecture Framework, erstmals 1995 veröffentlicht, basiert im Kern auf TAFIM (Technical Architecture Framework for Information Management) des US-Verteidigungsministeriums. 🔴 Foliensatz zeigt Version 9.2; seit April 2022 gibt es die 10th Edition — gleiche Kernkonzepte, moderner dargestellt, zusätzlich Domain Specifications (u.a. Security Architecture, Risikomanagement, Informationssicherheit im Zusammenspiel mit der ADM).
Aus welchen sechs Teilen besteht der TOGAF-Standard? [F152] [Bild: F152_TOGAF-Struktur.png]
🟡 1) ADM — Architecture Development Method (grafisch UND methodisch der Kern) • 2) ADM Guidelines and Techniques • 3) Architecture Content Framework (der Dokumentationsstandard) • 4) Enterprise Continuum and Tools • 5) TOGAF Reference Models / Referenzmaterialien • 6) Architecture Capability Framework (Organisation, Skills, Verantwortlichkeiten, Rollen — laut Dozent das Alleinstellungsmerkmal von TOGAF). 🟡 Die Grafik muss NICHT gezeichnet werden können.
WAHR/FALSCH: TOGAF adressiert auch die kontinuierliche Weiterentwicklung der Mitarbeitenden mit Blick auf Know-how und Skills. [F152/168-170]
🔵 WAHR. 🔵 Das Architecture Capability Framework und der Skills Resource Pool behandeln Organisation, Rollen, Verantwortlichkeiten und Skills — in vielen anderen Frameworks ist Organisation gar kein Thema. 🟡 Kritische Lesart des Dozenten: die Skill-Liste besser als STAKEHOLDER-CHECKLISTE lesen — Bereiche, mit denen man sich vernetzen muss.
Welche vier Architekturtypen kennt TOGAF? [F157] [Bild: F157_Architekturtypen.png]
🔵 1) BUSINESS ARCHITECTURE — Business-Strategie, Governance, Organisation, Kern-Geschäftsprozesse (Rolle: Enterprise-Architekt). 2) DATA ARCHITECTURE — Struktur der logischen und physischen Daten-Assets und der Ressourcen zu deren Management (Rolle: eher SME). 3) APPLICATION ARCHITECTURE — Blaupause für die Entwicklung individueller Applikationen, deren Interaktion und Beziehung zu den Kern-Geschäftsprozessen. 4) TECHNOLOGY ARCHITECTURE — SW/HW-Kapazitäten zur Unterstützung der Business-, Daten- und Applikations-Services; umfasst IT-Infrastruktur, Middleware, Netzwerke, Prozesse, Standards.
🔥 Nenne alle Phasen der TOGAF ADM in der richtigen Reihenfolge. [F158] [Bild: F158_ADM.png]
🔵 Preliminary Phase (Framework and Principles) → A: Architecture Vision → B: Business Architecture → C: Information Systems Architecture → D: Technology Architecture → E: Opportunities and Solutions → F: Migration Planning → [Absprung: Implementierung in Projekten] → G: Implementation Governance → H: Architecture Change Management. 🔵 In der MITTE permanent: REQUIREMENTS MANAGEMENT. 🟡 🔥 Dozent: "Zur ADM werden Sie definitiv etwas in der Klausur machen müssen" — Erklären und/oder Zeichnen als eine der drei offenen Fragen.
🔥 Was passiert in den ADM-Phasen Preliminary bis D? [F158]
🔵 PRELIMINARY: Rahmen, Prinzipien, Standards, einzubindende Modelle, geforderte Anpassungen — auch rechtliche Rahmenbedingungen. 🔵 A ARCHITECTURE VISION: Umfang, Fokus, Einflüsse, Vorgaben — "der High-Level-Steckbrief: Was machen wir, warum, aus welchem strategischen Ziel, mit welchem Budget?" 🔵 B BUSINESS ARCHITECTURE: Geschäftsprozessmodelle, Use Cases, Geschäftsmodelle — noch sehr high level. 🔵 C INFORMATION SYSTEMS ARCHITECTURE: Datenmodelle und Applikationen. 🔵 D TECHNOLOGY ARCHITECTURE: Hard- und Software, Cloud-Komponenten. 🔵 Bis hierhin ist NICHTS implementiert — B, C, D sind reine Architekturentwicklung vom Grob- zum Feinkonzept.
🔥 Was passiert in den ADM-Phasen E bis H? [F158]
🔵 E OPPORTUNITIES AND SOLUTIONS: generelle Implementierungsstrategien — Wie kann ich es umsetzen, kann ich von A nach B migrieren? 🔴 F MIGRATION PLANNING: konkrete Implementierungspläne und Feinplanung der Migration — Achtung, auch hier wird noch NICHT umgesetzt. 🔵 [Danach der hellgraue Absprungpunkt: die eigentliche Implementierung in den Projekten.] 🔵 G IMPLEMENTATION GOVERNANCE: Wie sieht die Projektumwelt aus, Kompatibilität zu anderen Projekten, hat alles funktioniert? 🔵 H ARCHITECTURE CHANGE MANAGEMENT: Planung der nächsten Iteration — praktisch ein Lessons Learned.
Wie lassen sich die ADM-Phasen sinnvoll gruppieren? [F159, möglicher Aufhänger für die offene Frage]
🟡 Architecture Context (Preliminary + A) → Architecture Delivery (B bis D — der Dozent merkt es sich als "Business Architecture bis Technology Architecture = Architecture Delivery") → Transition Planning (E + F) → Architecture Governance (G + H). 🟡 🔥 Wichtig: Nur vier gruppierte Punkte aneinanderzureihen wäre in der Klausur ZU WENIG — "Sie müssen die einzelnen Phasen kennen." Aber: keine Minuspunkte, wenn eine Phase nicht exakt benannt ist, solange erkennbar ist, dass es vom Grobgranularen ins Feingranulare geht.
WAHR/FALSCH: Die TOGAF ADM ist ein iterativer Prozess, der keine Rücksprünge erlaubt. [Quizfrage V6]
🔵 FALSCH. Rücksprünge sind ausdrücklich möglich. 🔵 Die Kreisdarstellung ist in dieser Hinsicht unglücklich; alternative Darstellungen der Open Group zeigen die Rücksprünge. Im Kern steht permanent das Requirements Management. 🔵 Das Ende eines Zyklus ist direkt der Start der nächsten Iteration.
WAHR/FALSCH: In der TOGAF 10th Edition werden Security-Aspekte auf ALLE Schritte der ADM gemappt. [Quizfrage V6]
🔵 FALSCH — es ist eben NICHT auf alle Schritte gemappt. 🔵 Verankerungspunkte: Preliminary/Architecture Context (Prinzipien, Risk Appetite, kritische Komponenten), Phase B (Policies, Risk Assessment, Applicable Law and Regulation Register), Phase D (Security Standards: Verschlüsselung, Authentisierung), Implementierungsphasen (Risk Mitigation Pläne). 🔵 Nicht gemappt u.a. bei Architecture Vision und Architecture Change Management.
WAHR/FALSCH: Die Betrachtung von Geschäftszielen und strategischen Treibern steht in den betrachteten Frameworks am Anfang der Architekturentwicklung. [Quizfrage V6]
🔵 WAHR. 🔵 TOGAF: in der Preliminary Phase. Zachman: in der ersten, sehr abstrakten Ebene (Scope). SABSA: in der Contextual/Business View.
🔥 Welche drei Kategorien nutzt TOGAF, um den Output des Architekturprozesses zu kategorisieren? [F162] [Bild: F162_Deliverables-Artifacts-BuildingBlocks.png]
🔵 DELIVERABLES — ARTIFACTS — BUILDING BLOCKS. 🟡 ⚠ KLAUSURFALLE: "Deliverables, MATRICES, Building Blocks" ist FALSCH — Matrizen sind nur eine Untermenge der Artefakte! (Vom Dozenten als bewusste Nickeligkeit gebaut.)
Erkläre Deliverables, Artifacts und Building Blocks. [F162]
🔵 DELIVERABLES: fest spezifizierte Arbeitsergebnisse, repräsentieren den Output von Projekten oder werden Teil des Architektur-Repository — die Klammer, die n Artefakte umfassen kann. 🔵 ARTIFACTS: beschreiben je einen Aspekt der Architektur; drei Ausprägungen — Kataloge, Matrizen, Diagramme. 🔵 BUILDING BLOCKS: potenziell wiederverwendbare Bausteine, die kombiniert etwas Neues ergeben (z.B. ein Standard-Image oder Blueprint für einen Server-/Cloud-Service).
🔥 Welche drei Ausprägungen von Artefakten gibt es — und wofür nutzt man sie? [F162 / Q&A V9]
🔵 KATALOGE = Listen/Stücklisten, z.B. eine Checkliste "ein Webserver muss X, Y, Z können"; in jedem Tool machbar, gut für Wiederverwendbarkeit. 🔵 MATRIZEN = Beziehungen untereinander und Kommunikationsflüsse: wer kommuniziert mit wem, über welchen Port, welches Protokoll (greifbar: Firewall-Regelwerk, Security Groups in der Cloud); durchaus tabellarisch. 🔵 DIAGRAMME = Beziehungen zwischen Komponenten und zu anderen Systemen, zum Erklären (klassisch Visio). 🟡 🔥 Klausur: "Was gibt es da an Dokumentationsbausteinen? Welche gehören wozu?" — Zuordnungsaufgabe wahrscheinlich.
BEGRIFF: Enterprise Continuum [F164-165]
🔵 Legt den breiteren Kontext fest: Wie können generische Lösungen genutzt und spezialisiert werden? 🔵 ARCHITECTURE CONTINUUM: Klassifizierung von Architekturmodellen mit zunehmendem Grad an Spezialisierung (konzeptionelle Sicht). 🔵 SOLUTIONS CONTINUUM: Beschreibung der Implementierung (Migrationskonzepte, technische Umsetzung); Lösungsartefakte lassen sich exakt wiederverwenden. 🔵 Zentrale Herausforderung: Wie generisch darf eine Blaupause sein? Zu generisch → niemand holt sie aus dem Repository. 🔵 Zum Mapping ADM ↔ Kontinuum wird es KEINE Fragen geben.
Woraus besteht das TOGAF Architecture Repository? [F166-167]
🔵 Das "Gedächtnis", speichert den ADM-Output auf verschiedenen Abstraktionsebenen: 🔵 ARCHITECTURE METAMODEL — wie wir das Framework im eigenen Unternehmen adaptiert haben (Namenskonventionen, Detaillierungsgrad). 🔵 ARCHITECTURE LANDSCAPE — Dokumentation des Ist-Zustands. 🔵 STANDARDS INFORMATION BASE — externe Normen/Industriestandards UND selbst gesetzte Unternehmensstandards. 🟢 REFERENCE LIBRARY — Referenzimplementierungen, Templates, Patterns, Best Practices. 🔵 GOVERNANCE LOG / ARCHITECTURE CAPABILITY — hier findet sich das Architekturboard wieder.
Warum gilt TOGAF als generisch einsetzbar? [F171]
🔵 Jedes EA-Framework enthält zwei Elemente: (1) die Definition der "Produkte" des Architekturprozesses und (2) die Beschreibung der Methoden. Die meisten Frameworks decken nur EINES davon ab — TOGAF bringt BEIDES mit. 🔵 Deshalb nutzbar als einziges Framework oder zum gezielten Lückenschließen.
Wie lautet das Fazit zu TOGAF? [F172]
🔴 Hoher Dokumentationsaufwand, viele Detailinformationen, kontinuierliche Pflege nötig — mit der ständigen Frage nach dem Mehrwert und der Gefahr doppelter Pflege. 🔵 "TOGAF ist ein Werkzeug, bringt aber nicht automatisch einen guten Architekten ins Unternehmen." 🔵 Frameworks sind als Richtlinie sinnvoll, sollten aber mit Augenmaß eingesetzt werden.
Wen bindet man bei TOGAF wann ein? [Q&A V8]
🔵 TOGAF ist primär das Werkzeug des Architekturteams. Über das REQUIREMENTS MANAGEMENT in der Mitte kommen die Stakeholder ins Spiel. 🔵 In der reinen Entwicklung (Preliminary bis Phase D) arbeitet die Architektur weitgehend allein, spiegelt aber laufend gegen die Anforderungen der Fachbereiche. 🔵 Spätestens bei E/F (Transition Planning) ist der Übergang ins Operative — hier braucht man die Betriebsbereiche. 🔵 In großen Organisationen fragt man Repräsentanten, nicht alle Geschäftsbereiche.
Warum ist es teuer, Security nachträglich zu implementieren? [TOGAF 10th Security-Mapping]
🟡 Merksatz des Dozenten: Security rückwirkend zu implementieren ist deutlich aufwendiger — "wenn man Leute an einen komfortablen Modus gewöhnt, bekommt man sie schwer wieder weg". 🔴 Beispiele für schlecht gesetzte Anfangsstandards: das Louvre-Passwort ("Louvre") und der jahrelange Code "00000000" für US-Atomraketen.
Wie ist das Zachman Framework einzuordnen — und worin unterscheidet es sich von TOGAF? [F173-181]
🔵 1987 von John Zachman entwickelter Ordnungsrahmen, 1992 gemeinsam mit John Sowa erweitert (beide bei IBM) — im Wesentlichen der bis heute bekannte Stand. 🔵 Unterschied zu TOGAF: KEIN Vorgehensmodell, keine Prozessabfolge, keine vorgeschriebenen Methoden. Der Fokus liegt auf den beteiligten ROLLEN und deren PERSPEKTIVEN. 💡 Bild des Dozenten: Zachman gibt uns eine CHECKLISTE — "denk über dieses und jenes nach; wenn du alles durchdacht hast, hast du eine gute Chance, nichts vergessen zu haben."
Welche sechs ZEILEN hat das Zachman Framework? [F176] [Bild: F176_Zachman-Zeilen.png]
🔵 Zeile 1 SCOPE — externe Anforderungen und Treiber, Modell von Unternehmensfunktionen • Zeile 2 BUSINESS MODEL — Business-Einheiten, Prozesse und deren Interaktion • Zeile 3 SYSTEM MODEL — genutzt durch den System Analysten, legt Daten und Softwarefunktionen fest • Zeile 4 TECHNOLOGY MODEL — Tools, Technologien, Material • Zeile 5 COMPONENTS — einzelne unabhängige Module für die Implementierung • Zeile 6 WORKING SYSTEM — Wiedergabe des operativen Systems.
Welche sechs SPALTEN hat das Zachman Framework? [F177]
🔵 WHO — Beziehung von Personen zum Unternehmen • WHEN — zeitliche oder Event-basierte Beziehungen, Performance-Kriterien • WHY — Beschreibung der Motivation (Unternehmensziele, Business-Pläne) • WHAT — Beschreibung der Entitäten jeder Perspektive • HOW — Funktionen innerhalb einer Perspektive • WHERE — Örtlichkeiten und Verbindungen innerhalb des Unternehmens.
Nenne die sechs Regeln des Zachman Frameworks. [F178] [Bild: F178_Zachman-Regeln.png]
🔵 1) Spalten haben keine feste Reihenfolge • 2) Jede Spalte repräsentiert ein einfaches Basismodell • 3) Das Basismodell jeder Spalte kommt nur einmal vor • 4) Jede Zeile repräsentiert eine Sichtweise • 5) Jede Zelle kommt nur einmal vor • 6) Die Kombination der Zellen einer Zeile ergibt eine vollständige Beschreibung einer Sicht.
Wie viel muss man vom Zachman Framework in der Klausur können? [F181, Prüfungshinweis]
🟡 "Ich glaube nicht, dass zum Framework selbst in der Klausur etwas gefragt wird." Wichtig ist stattdessen: dass wir der KOMPLEXITÄT Herr werden müssen — das hat Zachman schon 1987 gesagt. 🟡 "Diese Struktur würde ich nicht zwingend auswendig lernen, die ADM dagegen schon verinnerlichen." 🔵 Der Grundgedanke zählt: vom Groben ins Feine, vom Abstrakten ins Konkrete.
Welche Rolle spielt Security bei Zachman? [F173-181]
🔵 Bei Zachman findet man das Wort Security NICHT. 🔵 SABSA baut aber auf Zachman auf und verankert Security über das ganze Modell. 🔵 Zachman selbst sagt, er habe nur Dinge zusammengebracht, die es seit tausenden Jahren gibt — die W-Fragen und das Verfeinern vom Groben ins Feine.
Wer hat SABSA wann entwickelt und wie ist es aufgebaut? [F183-184]
🔵 SABSA wurde 1995 von John Sherwood, Andy Clark und David Lynas für ein Finanzunternehmen entwickelt. 🔵 Systematisches Vorgehen durch alle Ebenen eines Bereichs oder Unternehmens; sechs Ebenen, orientiert an Zachman ("Das ist Zachman in Reinform"). 🔵 SABSA legt eine 6×6-MATRIX über das Unternehmen: horizontal die Detailebenen, vertikal die zu betrachtenden Aspekte. 🔵 Kern: über die Business Attributes entsteht eine Verknüpfung über alle Ebenen hinweg = "TWO WAY TRACEABILITY".
🔥 Nenne die sechs Architekturebenen von SABSA mit ihren Sichten. [F185] [Bild: F185_SABSA-Ebenen.png]
🔵 1) Business View → CONTEXTUAL (Security) Architecture — Geschäftsführung/Vorstand, strategische Ausrichtung • 2) Architect's View → CONCEPTUAL Architecture — EAM/Architektur • 3) Designer's View → LOGICAL Architecture • 4) Builder's View → PHYSICAL Architecture • 5) Tradesman's View → COMPONENT Architecture (welche Hersteller, welche Produkte) • 6) Service Manager's View (ursprünglich Facilities Manager's View) → OPERATIONAL Architecture bzw. Security Service Management Architecture — hochkant, weil sie sich über alles legt.
Welche zwei quer stehenden Sichten kennt SABSA zusätzlich? [F185]
🔵 INSPECTOR'S VIEW (klassisch der Auditor) und GOVERNOR'S VIEW (z.B. eine übergreifende Konzern-Sicherheitsfunktion). 🔵 Sie überwachen das große Ganze und prüfen punktuell die Implementierung.
Was ist der besondere Mehrwert von SABSA gegenüber TOGAF? [F185/192]
🔵 SABSA denkt das OPERATING mit: "Was passiert, nachdem wir die Architektur in Betrieb genommen haben?" — die Service Manager's View / Operational Security Architecture (oft an ITIL ausgerichtet): Störungsbehandlung, Prävention, Backups, Rollenkonzept für Administratoren, Patch-Management, Monitoring. 🔵 In TOGAF gab es an dieser Stelle nur den Absprung in die Projekte.
Welche sechs Fragen beantwortet jede SABSA-Sicht? [F186]
🔵 WHAT — Was für ein Gebäude/System? • WHY — Warum wollen wir es (zu erreichende Ziele)? • HOW — Wie wird es genutzt? • WHO — Wer wird es nutzen? • WHERE — Wo soll es gebaut werden, was sind die umliegenden Gegebenheiten? • WHEN — Wann wird es genutzt (Brauchen wir das System wirklich 24/7? Wann sind Wartungsfenster möglich?). 🔵 Illustriert an der Gebäude-Analogie.
Was passiert in der Architect's View (Conceptual) von SABSA? [F188]
🔵 Das übergeordnete Grobkonzept: WHAT = Was soll/muss geschützt werden? • WHY = Warum ist die Sicherheit wichtig (Verlinkung auf den Geschäftsprozess)? • HOW = High-Level technische/Management-Security-Strategie, Standard-Technologiebausteine • WHO = Wer ist am Management der Sicherheit beteiligt? • WHERE = Wo greifen die Security-Konzepte (Cloud oder on premise)? • WHEN = Wann muss Security greifen?
🔥 Was ist das SABSA Business Attributes Profile — und warum ist es das Herzstück? [F193-195] [Bild: F193_SABSA-Attribute.png]
🔵 Eine REQUIREMENTS-ENGINEERING-TECHNIK, die die Verbindung zwischen Geschäftsanforderungen und Technologie-/Prozessdesign herstellt. 🔵 Ein Attribut ist ein TAG, das man an etwas hängt; dahinter steht je nach Flughöhe die passende Beschreibung. Ganz oben beim Tag "Security" das strategische Ziel für den Vorstand, ganz unten für den Techniker "muss diese Verschlüsselung implementieren". 🔵 So entsteht Nachvollziehbarkeit in BEIDE Richtungen (two way traceability). 🔴 Beispiel Attribut "Skalierbarkeit": Geschäftsführung = mehr Endkunden; Technik = Auto-Scaling in der Cloud.
Wie tief müssen die vordefinierten SABSA-Attribute gekonnt werden? [Q&A V8]
🟡 GAR NICHT auswendig — "25 Standardattribute von SABSA auswendig wäre eine ziemlich blöde Auswendig-Aufgabe." 🔵 Verlangt wird nur das Grundprinzip: Ich hänge ein Attribut als Tag an etwas und hinterlege je nach Flughöhe, was es bedeutet — damit begründe ich, warum Security-Werkzeuge nötig sind (Rückverfolgbarkeit). 🔴 Hintergrund: zwei vorgefertigte Taxonomien (ursprünglich IKT-Fokus mit sieben Gruppenüberschriften, neuere Fassung mit Geschäftsfokus) — beide nur Beispiele, beliebig erweiterbar.
Warum SABSA? Wie sieht die Kette Service → Mechanism → Component aus? [F196-199]
🔵 SABSA bringt "normale" Themen in einen Security-Kontext. 🔴 Kette: Service/Funktion → Mechanism → Component. Beispiel: Network Access Control → Stateful Inspection → Cisco ASA. 🔴 Weitere Beispiele: AD Service Utility = user authentication (security related), DNS Service Utility (non-security related). 🔵 Nutzen: Der Techniker sieht, warum "Benutzerfreundlichkeit" gefordert ist, und der Finanzvorstand sieht, warum die Techniker dafür Geld brauchen.
Welche zwei Strategien gibt es, SABSA einzusetzen? [F198]
🔵 NATIV: Business Attributes werden von ganz oben (CEO oder Bereichsleitung) bestimmt — top-down aus der Enterprise Architecture. 🔵 GUERILLA: punktuelles Nutzen der SABSA-Perspektiven, um die Zusammenhänge von Architektur und Security zu stabilisieren. 🔵 Wie bei SOA: "Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen."
WAHR/FALSCH: SABSA ist eine Verbesserung von Zachman. [Teilnehmerfrage V8]
🔵 FALSCH bzw. präziser: SABSA ist keine Verbesserung, sondern eine ERGÄNZUNG mit Security-Fokus. 🔵 "Im Kern ist es Zachman, aber mit Security-Sicht darauf — und die Attribute machen es besser nutzbar und zugänglicher." 🔵 "SABSA pur würden Sie nicht verstehen, wenn Sie Zachman nicht verstanden haben."
BEGRIFF: Zero Trust — Definition und Urheber [F204]
🔵 Zero Trust ist ein FRAMEWORK, das davon ausgeht, dass die Sicherheit eines komplexen Netzwerks immer durch EXTERNE UND INTERNE Bedrohungen gefährdet ist. 🔵 Die Zero-Trust-Architektur wurde 2010 von JOHN KINDERVAG entwickelt. Sie verspricht wirksamen Schutz der wertvollsten Assets; jede Verbindung und jeder Endpunkt wird als Bedrohung angesehen. 🟡 Einordnung des Dozenten: Eigentlich müsste dort nicht "komplexe Netzwerke", sondern "komplexe STRUKTUREN" stehen — Zero Trust ist kein reines Netzwerkthema (genauso zentral: Identity & Access Management und Datenklassifizierung).
Was sind die beiden Grundprinzipien von Zero Trust? [F204/208]
🔵 1) LEAST PRIVILEGE — nur so viele Berechtigungen wie nötig und nur zu der Zeit, in der sie gebraucht werden. 2) Jede Verbindung zwischen zwei Punkten wird überprüft und autorisiert — dynamisch und permanent. 🔵 Schlüsselwort: KONTEXT aus so vielen Datenquellen wie möglich. 🔵 Grundprinzip in einem Satz: "NEVER TRUST, ALWAYS VERIFY". 🔵 Zero Trust ist ein Architekturansatz, KEIN Produkt: "Es gibt keine Out-of-the-box-Lösung, auch wenn Hersteller das gern anders verkaufen."
🔥 Nenne die vier Stufen der "Evolution of Cyber". [F205] [Bild: F205_Evolution-of-Cyber.png]
🔵 1) 1980 PERIMETER SECURITY — Schutz des physikalischen Perimeters der Liegenschaft, wenig Vernetzung. 2) 1990 DEFENSE IN DEPTH — mehrere Schichten von Security Controls (Firewalls, IDS/IPS, Proxies) = NORTH-SOUTH-PROTECTION; wenige, sehr gut kontrollierte Breakouts. 3) TODAY HYBRID CYBER — eine große Anzahl an Breakouts (jede Verbindung zu AWS, Azure, Google, SaaS), mobiles Arbeiten → EAST-WEST-PROTECTION; das ist der Stand in den meisten Unternehmen. 4) TOMORROW ZERO TRUST — kein Netzwerk-Perimeter mehr; Vertrauen wird für jede einzelne Interaktion etabliert und konstant validiert. 🟡 Merksatz: "Da steht 'Tomorrow' — aber nicht, wann dieses Morgen ist."
Was ist der traditionelle, perimeterbasierte Ansatz — und warum funktioniert er nicht mehr? [F206/210]
🔵 Das Burgmodell: Daten und Anwendungen liegen im Rechenzentrum innerhalb eines Sicherheitsperimeters; Kontrollen finden beim Betreten/Verlassen statt (VPN, Firewalls). Sobald der User im Netz ist, gilt er als vertrauenswürdig. 🔴 Angreifersicht: Genau dieses interne Vertrauen wird ausgenutzt — "wenn Angreifer einmal drin sind, haben sie freie Hand." 🔵 Heute: verteilte Daten und Nutzer, "Any-Any-Any", multinationales Hosting, Internet als neues Backbone, kein Unternehmensnetzwerk, kein einziger Perimeter. Kernerkenntnis: "Wir können das Internet nicht kontrollieren."
🔥 Nenne die 7 NIST-Prinzipien von Zero Trust (traditionell → Zero Trust). [F208] [Bild: F208_NIST-7-Principles.png]
🔵 1) Networks and perimeters → RESOURCES, NOT NETWORKS • 2) Binary trust in devices → SECURE ALL COMMUNICATION • 3) Static access → DYNAMIC, PER-SESSION ACCESS • 4) Trust based on credentials → CONTEXT-BASED, DYNAMIC DECISIONS • 5) Implicit trust inside the network → NO ASSET IS INHERENTLY TRUSTED • 6) Partial monitoring → CONTINUOUS MONITORING, ANALYSIS, AUTOMATION • 7) Static authentication → CONTINUOUS / RE-AUTHENTICATION.
🔥 Welche fünf zentralen Cyber-Bedrohungen adressiert Zero Trust? [F209]
🔵 1) THIRD PARTY RISKS — Gäste, Berater, Hersteller, Lieferanten in unseren Netzen; Supply-Chain-Angriffe. 2) INSIDER THREATS — nicht nur böswillig, vor allem aus Unwissenheit (Klassiker: Berechtigungen bleiben beim Fachbereichswechsel bestehen). 3) EXTERNAL THREATS — Phishing, Ransomware, Malware; Zero Trust wirkt über Segmentierung: jedes Asset ist sein eigener Perimeter → Blast Radius verkleinert sich, Lateral Movement wird eingedämmt. 4) INFORMATION DISCLOSURE — Daten klassifiziert, mehr Verschlüsselung, Integritäts- und Zugriffsüberwachung auf Anomalien. 5) ENDPOINT SECURITY RISK — Remote-Arbeit, BYOD, unsichere Heimnetze; risikobehaftete Geräte früh erkennen und in Quarantäne setzen.
Welche Mindestanforderungen (Portfolio an Sicherheitsfunktionen) verlangt Zero Trust? [F207]
🔵 IDENTITÄTEN: Zero-Trust-Richtlinien steuern; Zugriff aller Benutzer und privilegierten Konten mit SSO, MFA und Lebenszyklusmanagement (personen- UND maschinenbezogen). 🔵 DATEN: kritische Daten erkennen, klassifizieren, verwalten; Zugriff risikoabhängig steuern. 🔵 GERÄTE/WORKFLOWS/APPLIKATIONEN: Security by Design, Überwachung und Verwaltung von Endpunkten. 🔵 ANALYSE UND TRANSPARENZ: Richtlinien permanent überwachen und durchsetzen mittels intelligenter Analyse. 🔵 AUTOMATISIERUNG UND ORCHESTRIERUNG: schnell reagieren (blocken, Quarantäne) und ebenso schnell validieren (Playbooks). 🔵 NETZE UND ENDGERÄTE: moderne Schutztechnologien.
🔥 Was genau bedeutet "Kontext" bei Zero Trust? [F203/211]
🔵 Kontext ist NICHT nur "welcher Benutzer loggt sich ein", sondern: WELCHER BENUTZER, auf WELCHE DATEN, von WELCHEM RECHNER/welcher Ressource, von WELCHEM ORT, zu WELCHER ZEIT — und ist das TYPISCHES VERHALTEN? 🟢 Ablauf: Signals → Risiko-Score → risikoabhängige Maßnahmen / dynamische Policies. 🔵 Abgrenzung: Es geht nicht um blinde Datensammelwut, sondern darum, Daten anzureichern und daraus den Kontext abzuleiten.
Welche fünf Prinzipien gelten im Umgang mit Kontext? [F211]
🔵 1) Zusammenhang hinreichend definieren — welche Information bekommen wir woher, was brauchen wir? • 2) Schnell und konsistent validieren (Geschwindigkeit = Erfolgsfaktor, sonst fehlt die Akzeptanz) • 3) Policies aktiv und permanent umsetzen und überprüfen • 4) Sicherheitsverstöße und False Positives schnell beheben, mit minimalen Auswirkungen (gezielt einzelnen Benutzern Zugriff entziehen statt ganze Unternehmensteile abzuschalten) • 5) Permanent verbessern. 🔵 Positiver Nebeneffekt: Kontext bringt mehr Flexibilität — Zugriffe werden möglich, die traditionell pauschal verboten worden wären.
Erkläre die Functional View / Policy Engine von Zero Trust. [F212] [Bild: F212_Policy-Engine.png]
🔵 CONSUMING ENTITIES (Benutzer, Geräte, IoT) stellen Anfragen an PROVIDING ENTITIES (Daten, Applikationen, Cloud-Ressourcen). Dazwischen sitzt die POLICY ENGINE. 🔵 SUPPORTIVE MECHANISMS, die den Kontext liefern: Continuous Monitoring, Policies, Identity (Directory, IdP), Behavior Analysis, Security Logs, Threat Intelligence, historische Daten. 🔴 In fünf Schritten: (1) Welcher Benutzer? (2) Worauf will er zugreifen? (3) Kontext und Risiko der Anfrage (Identität allein reicht nicht — sie kann gestohlen sein). (4) Policy Enforcement (nicht 0/1, sondern abgestuft). (5) Verbindung wird hergestellt. 🟡 Merksatz: Das passiert für JEDEN Zugriff zwischen JEDEM Asset — permanent.
⭐ Beschreibe das Beispiel für eine dynamische Zero-Trust-Entscheidung. [F213] [Bild: F213_Dynamische-Entscheidung.png]
🔵 Szenario: User im USA-Urlaub, nur privater Mac (unmanaged device), will dringend eine Mail bearbeiten, den Anhang herunterladen und im Hotel ausdrucken. 🔵 Common app? Ja → Risk Score 0, Zugriff erlaubt. 🔴 Managed Device? Nein → Risiko steigt → kein SSO mehr, MFA erforderlich. 🔴 Bekannte Location? Nein → Risiko steigt weiter (Risikowert je Land hinterlegbar). 🔴 Download beabsichtigt? Ja → weiteres Risiko → z.B. Browser-Isolation. 🟡 🔥 Merksatz: Zero Trust unterbindet NICHT kategorisch, sondern ergreift ABGESTUFTE zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen. In der alten Welt hätte man nur gefragt: "Zugriff aus den USA — ja oder nein?"
Welche drei Sätze beschreiben das neue Sicherheitsmodell? [F214/217]
🔵 1) VERIFY EXPLICITLY / verify each access explicitly — alle verfügbaren Kontextdaten in Authentifizierung und Autorisierung einbeziehen. "IDENTITY IS THE NEW PERIMETER" (Personen UND Maschinen). 2) (ADAPTIVE) LEAST PRIVILEGE — nur so viel Zugriff wie nötig, JUST-ENOUGH und JUST-IN-TIME; "adaptiv" heißt kontextbasiert. 3) ASSUME BREACH — Sichtbarkeit, Erkennung und Eindämmung von Angriffen bereitstellen; "Wir werden irgendwann alle gehackt werden, wenn wir es nicht schon sind."
Warum ist Zero Trust mehr als Technologie? [F215]
🔵 CORE DOMAINS (technisch im Griff haben): Identitäten, Devices, Netzwerke, Daten, Workloads. 🔵 ENABLING LAYER: Automation & Orchestration sowie Telemetrie & Analyse. 🔵 Voraussetzung sind die klassischen Disziplinen, allen voran permanentes Patchmanagement. 🔵 Zero Trust ist TRANSFORMATIV: Es verändert die Architektur über die Zeit, die operativen Prozesse ("ich setze nicht mehr Regeln um, sondern reagiere auf Meldungen") und die Art, wie wir arbeiten (zwei bis drei Klicks mehr) — deshalb müssen viele Menschen mitgenommen werden. Kultur, Business-IT-Alignment.
🔥 TRANSFERFRAGE: Hebt Zero Trust die Komplexität auf? [Modulziel!]
🔵 NEIN — Zero Trust hebt Komplexität nicht auf, hilft aber, sie besser zu MANAGEN. 🔴 Wir ziehen nicht mehr die große Mauer, sondern sichern jede einzelne Verbindung hinreichend ab; dann ist verteilte Workload kein Problem mehr, sondern gemanagte Komplexität. 💡 Genau diese Transferleistung ist ein Modulziel und ein typischer Kandidat für die offene Zero-Trust-Frage: eine Herausforderung aus dem Semester nennen und zeigen, wie Zero Trust darauf eine Antwort liefert.
Welche beiden "Assume Breach"-Zitate solltest du kennen? [F203/F218]
🔵 GENE SPAFFORD (Cyber Security Hall of Fame): "The only truly secure system is one that is powered off, cast in a block of concrete and sealed in a lead-lined room with armed guards — and even then I have my doubts." 🔵 BRUCE SCHNEIER: "You can't defend. You can't prevent. The only thing you can do is detect and respond." 🔵 Genau dabei hilft Zero Trust: Weil jede Identität ihr eigener Perimeter ist, lässt sich die Response nahezu minimal-invasiv ansetzen.
Was muss man von der Zero-Trust-Referenzarchitektur können? [F216]
🟡 Die LAYER müssen NICHT auswendig gekannt werden. 🔵 Kernbotschaft: Zero Trust lässt sich mit VORHANDENEN Technologien umsetzen und an unterschiedliche Umgebungen anpassen — "wir müssen keinen Wust neuer Technologien kaufen". 🔵 Zwei Elementtypen: der POLICY DECISION POINT ("das Gehirn — hier geht der Daumen hoch oder runter, hier wird Least Privilege enforced") und die vielen POLICY ENFORCEMENT POINTS, an denen ein Stück Policy durchgesetzt wird.
Welche drei Fragen beantwortet ein Reifegradmodell? [F220-221]
🟡 Die drei Vorstandsfragen aus der Praxis des Dozenten: "Machen wir was für Security? … Was machen wir denn da? Und machen wir die richtigen Dinge?" 🔵 Kernaussage: Unternehmen, die Veränderungen effektiv managen, sind erfolgreicher. Viele wissen, dass sie Prozesse verbessern müssen, aber nicht wie — sie geben entweder zu wenig aus oder viel Geld für parallele, nicht zielgerichtete Bemühungen.
Woher stammt das CMM und was wird untersucht? [F222]
🔵 CMM = Capability Maturity Model, vom SOFTWARE ENGINEERING INSTITUTE (SEI), frühe 1990er Jahre, ursprünglich SW-CMM für Software; es bot den Rahmen für Reifegradmodelle in vielen Disziplinen, auch der IT-Architektur. 🔵 Untersucht werden: Status der Architekturprozesse, die Architektur selbst und das Engagement (buy-in) für beides. 🔵 Hauptthemen: Prozessimplementierung und Audit, Qualitätsmessungen, Mitarbeiterkompetenzen, Management von Investitionen.
Woher stammt das ACMM und woraus besteht es? [F223-225]
🔵 ACMM = Architecture Capability Maturity Model des US-HANDELSMINISTERIUMS (US Department of Commerce). 🔵 Aufbau: REIFEGRADMODELL + MERKMALE (Charakteristiken) + SCORECARD.
🔥 Nenne die sechs Reifegrade des ACMM (Level 0-5). [F226-230] [Bild: F226_Reifegrade.png]
🔵 LEVEL 0 NICHT EXISTENT — kein EA-Programm. 🔵 LEVEL 1 INITIAL / gerade begonnen — informeller, ad-hoc und lokaler Prozess; Erfolg hängt an individuellen Bemühungen; minimale Verknüpfung mit Geschäftsstrategien. 🔵 LEVEL 2 IN ENTWICKLUNG — grundlegender EA-Prozess dokumentiert, klare Rollen; IT-Vision, Prinzipien, Basis- und Zielarchitektur identifiziert; explizite Verknüpfung zu Geschäftsstrategien. 🔵 LEVEL 3 DEFINIERT — Architektur klar definiert und kommuniziert, Prozess wird weitgehend befolgt; Gap-Analyse und Migrationsplan; Standards vollständig; in Budgetplanung integriert; Security Controls integriert. 🔵 LEVEL 4 MANAGED — EA-Prozess ist Teil der Kultur; KPIs/Qualitätskennzahlen; Senior Management direkt eingebunden; Monitoring & Reporting. 🔵 LEVEL 5 MESSBAR — kontinuierliche Verbesserung (KVP), Verfahren für Standards und Ausnahmen, Metriken zur Optimierung, nahezu 100% Befolgung.
🔥 Wo verläuft die entscheidende Grenze zwischen den ACMM-Reifegraden? [F226-230]
🔵 Der Sprung von LEVEL 3 zu LEVEL 4: ab hier kommen KPIs dazu. 🟡 Dozent explizit: "Ich glaube, die Grenze zwischen kein KPI und KPI ist das, was hinreichend ist." 🟡 Faustregel: Je höher der Reifegrad, desto mehr Prozesse, mehr Dokumentation, durchgängigere Befolgung — und ab Level 4 KPIs.
Was muss man zu den NEUN Aspekten des ACMM wissen? [F223-225]
🟡 Es reicht zu wissen: ES GIBT NEUN ANWENDUNGSFELDER/ASPEKTE — sie müssen NICHT auswendig gekonnt werden. 🔵 Zur Orientierung: 1) Architekturprozess • 2) Architekturentwicklung • 3) Geschäftsbezug (business linkage) • 4) Einbindung des Topmanagements • 5) Beteiligung der operativen Einheiten • 6) Kommunikation • 7) IT-Security • 8) Governance • 9) Investitions-/Beschaffungsstrategie.
🔥 Wie läuft eine Reifegradmessung ab? (3-Schritte-Vorgehen) [F231] [Bild: F231_Reifegrad-Anwendung.png]
🔴 SCHRITT 1 — SOLL-ZUSTAND DEFINIEREN: Für JEDE Charakteristik ein gewünschtes Ziel-Level festlegen (nicht per Gießkanne alles auf 5!). Beispiel: Security soll 5, Kommunikation vielleicht nur 3. Die Scorecard muss konsensfähig und optimalerweise mit dem Top-Management abgestimmt sein. 🔵 SCHRITT 2 — IST-ZUSTAND REGELMÄSSIG MESSEN (z.B. jährlich/halbjährlich, im Rahmen der Investitionsplanung). 🟢 SCHRITT 3 — MASSNAHMENKATALOG ABSTIMMEN: "Wie komme ich von A nach B?" — Maßnahmen je Charakteristik hinterlegen, ggf. Soll-Scorecard überarbeiten.
Was ist bei der Darstellung von Reifegraden (Ampelfarben) zu beachten? [F231]
🟡 Praxis-Warnung des Dozenten: Er hatte rot/gelb/grün so gesetzt, dass nur Level 4 und 5 grün waren — "vielleicht war das nicht der geschickteste Schachzug". 🟢 RICHTIG: Der ZIEL-Reifegrad ist grün, egal ob das 2, 3, 4 oder 5 ist. Häufig ist Level 3 vollkommen ausreichend. 🔴 Overengineering-Warnung: Eine quartalsweise zu pflegende Excel-Roadmap mit zu vielen Details war das erste Projekt, bei dem "wir mit dem Thema Architektur erfolgreich gescheitert sind".
BEGRIFF: CMMI [F232]
🔵 CMMI = Capability Maturity Model INTEGRATION, ebenfalls vom SEI. 🔴 Problem: Die Vielzahl verfügbarer Reifegradmodelle erzeugte die Frage, wie man sie zu einer aussagekräftigen Gesamtreife integriert. 🟢 Antwort: Multi-Modell-Integration, stärkere Verknüpfung mit Unternehmenszielen, mehr Best Practices, größere Transparenz über den Produktlebenszyklus.
🔥 KLAUSUR-CHECKLISTE Reifegrad: Welche fünf Punkte musst du können? [Klausurhinweis V9]
🔵 1) Es gibt SECHS Reifegrade (0-5) und NEUN Anwendungsfelder/Aspekte. 2) Das Vorgehen: Soll-Zustand definieren → Ist-Zustand messen → Maßnahmen vereinbaren. 3) Das Modell besteht aus Modell + Scorecard. 4) Je höher der Reifegrad, desto mehr Prozesse/Dokumentation/durchgängige Befolgung — und ab Level 4 KPIs. 5) Der Ziel-Reifegrad wird PRO ASPEKT festgelegt, nicht pauschal. 🟡 NICHT auswendig: die Texte der sechs Reifegrade, die neun Aspekte. 🟡 Erwartung des Dozenten: maximal zwei Fragen aus dem MC-Kontingent.
BEGRIFF: Threat Modelling / Bedrohungsmodellierung [F233-234]
🔵 Eine einfache, konzeptionelle Technik, um FRÜHZEITIG mögliche Schwachstellen und Bedrohungen an dem zu identifizieren, was man baut — und daraus Sicherheitsmaßnahmen abzuleiten. 🔵 Nicht nur für Architekten, Security-Spezialisten oder Programmierer: "Eine Methode, die jeder von Ihnen beherrscht und tagtäglich mindestens einmal durchführt, ohne es zu wissen." 🔵 Zwei Disziplinen kommen zusammen: der Nicht-Security-Spezialist findet die BEDROHUNGEN, der (Security-)Architekt findet die MASSNAHMEN.
Welchen Nutzen bringt Threat Modelling? [F233-234]
🔵 Sicherheitsniveau von vornherein verbessern (Security by Design) • gutes Aufwand-Nutzen-Verhältnis (Workshop-Charakter, schnell viele Ergebnisse) • Findings aus Penetration Testing reduzieren und die Qualität der Tests verbessern • Lerneffekt/Schwarmintelligenz im Unternehmen • in allen Arten von Teams anwendbar. 🔵 Weiterer Use Case: den Ist-Zustand der Architektur dokumentieren — die Frage "was könnte schiefgehen" liefert die Motivation dafür.
Wer sollte Threat Modelling durchführen? [F235]
🔵 "JEDER sollte es tun!" 🔵 Analogie: Bedrohungsmodellierung ist wie VERSIONSKONTROLLE — jeder kennt und nutzt sie; manchmal braucht man einen Spezialisten, in großen Projekten sogar Vollzeitkräfte. 🔴 Begründung: Jeder, der mit einem Stück Architektur/IT arbeitet, hat eine andere Sicht darauf, was schiefgehen kann (externer Angreifer vs. unbedarfte Nutzung).
Wann sollte Threat Modelling durchgeführt werden? [F236]
🔵 ITERATIV — "je öfter man es versucht, desto besser die Ergebnisse". Beginn FRÜH im Lebenszyklus, um kritische Sicherheitsanforderungen zu ermitteln, bevor Code geschrieben wird; Grundlage für risikobasierte Sicherheitstests. 🔵 TRIGGER: neues Projekt, größere Veränderungen, neue User Stories/neuer Sprint, neue Technologien (z.B. eine KI-Komponente). 🟡 Merksatz der Folie: Etwa die HÄLFTE der Sicherheitsmängel entsteht durch Implementierungs-/Konfigurationsfehler, die andere Hälfte durch fehlende/falsche Anforderungen oder grundlegende Entwurfsmängel.
Wie wird Threat Modelling durchgeführt? [F237]
🔵 Es gibt KEINEN "richtigen" Weg und keine für alle beste Methode — es kommt auf Projekt, Team und Technologie an. Darstellungsform (Post-its, Whiteboard, Miro, strukturiertes Diagramm) ist Geschmackssache und muss zum Unternehmen passen. 🟢 Alltagsbeispiel: der tägliche Weg zur Arbeit. Was kann schiefgehen? Stau, Baustelle, nicht geräumte Straße. Was tue ich dagegen? Andere Route, U-Bahn. Und rückblickend: War das die richtige Entscheidung? → Das ist bereits ein Threat Model.
🔥 Nenne die VIER FRAGEN des Threat Modelling nach Adam Shostack. [F238-239] [Bild: F238_Vier-Fragen-Shostack.png]
🔵 1) WHAT ARE WE WORKING ON? — gemeinsam im Team ein Systemdiagramm erstellen (Datenflussdiagramm, Systemkomponentendiagramm, Zustandsdiagramm); das System buchstäblich in ein Bild bringen, auf das man zeigen kann. 🔵 2) WHAT CAN GO WRONG? — für JEDES Element und JEDE Verbindung im Diagramm die Frage stellen; Annahmen und Bedrohungen dranschreiben. 🔵 3) WHAT ARE WE GOING TO DO ABOUT IT? — Umgang mit den Risiken (→ MEAT). 🔵 4) DID WE DO A GOOD JOB? — Retrospektive: alle wichtigen Bedrohungen erfasst? Die richtigen Controls dokumentiert? Etwas Großes vergessen? (geht erst nach Abschluss).
🔥 Wofür steht MEAT — die vier Optionen im Umgang mit Bedrohungen? [F240] [Bild: F240_MEAT.png]
🔵 M — MITIGATE / Abschwächen: einen Weg finden, die Bedrohung abzuschwächen, z.B. Zugangskontrolle gegen unbefugten Zugriff (Analogie: langsamer fahren). 🔵 E — ELIMINATE / Beseitigen: Geht die Bedrohung von einer Funktion aus, die man nicht braucht → Funktion entfernen bzw. deaktivieren. 🟢 A — ACCEPT / Akzeptieren: bewusst nichts tun, weil es einen guten Grund gibt (jede Maßnahme würde mehr kosten als die Auswirkung) — Grund DOKUMENTIEREN! 💡 T — TRANSFER / Übertragen: Risiko an einen Spezialisten übertragen, z.B. Kreditkartendaten an einen Zahlungsdienstleister. 🟡 Eselsbrücke: funktioniert auf Deutsch wie Englisch — Mitigieren, Eliminieren, Akzeptieren, Transferieren.
⭐ Wie lief die Live-Übung "Threat Model Pizza" ab? [F241] [Bild: F241_Threat-Model-Pizza.png]
🔵 SCHRITT 1 (What are we working on?): Ziel = Hunger stillen. Drei Optionen: liefern lassen / abholen / selbst backen (+ Bezahlung). 🔵 SCHRITT 2 (What can go wrong?): Liefern → Unfall, Stau, kalte/verspätete Lieferung, falsche Pizza. Abholen → Portemonnaie vergessen, verfahren, Laden geschlossen. Selbst backen → Finger verbrannt, Zutaten vergessen, Ofen defekt, Blech fällt runter, eingeschlafen. 🔵 SCHRITT 3 (What are we going to do about it?): Lieferdienst aus der Nähe, festes Zeitfenster bestätigen, Warmhaltebox, vorbestellen, Ofenhandschuh, Fertigpizza vorhalten, Timer stellen, Kartenzahlung. 🟢 Erkenntnis: Einzelne Maßnahmen adressieren oft gleich MEHRERE Bedrohungen. 🟡 ⚠ In der Klausur bitte NICHT Pizza nehmen — das war das Vorlesungsbeispiel!
🔥 KLAUSURHINWEISE zum Threat Model: Worauf kommt es bei der Zeichnung an? [Klausurhinweis V9]
🔴 Ein Threat Model auf einem Blatt Papier aufmalen können — für ein BELIEBIGES Beispiel, es muss nicht IT-bezogen sein (aber nicht Pizza). 🔵 Umfang: nicht viel mehr als das Tafelbild aus der Übung; lieber ein, zwei zusätzliche Bedrohungen ergänzen, wenn Zeit bleibt. 🔵 LESBARKEIT zählt — keine kryptische Handschrift. 🔴 ⚠ BITTE NICHT FARBIG arbeiten — je nach Scan/Foto kommt die Farbigkeit nicht rüber. 🟢 Darstellung: Bedrohungen über den jeweiligen Zweig schreiben, Maßnahmen/Mitigation darunter oder an den Rand. 🔵 Es reicht zu zeigen, dass man das Vorgehen verstanden hat — keine technische Tiefe verlangt. 🔵 Hilfsmittel: "ein ausgeschlafener, gesunder Geist, ein Stift und zwei, drei Zettel."
Was ist der eigentliche Zweck des Threat Modelling? (2 Kernaspekte) [Q&A V9]
🔵 1) Security auf sehr einfache, aber strukturierte, methodische Art besprechen — unter Einbindung ganzer Projektteams (teambildender Charakter, nicht exklusiv für Security-Leute). 2) Das Ergebnis als KOMMUNIKATIONSBASIS nutzen — ausdrücklich NICHT als "Rechtfertigung" (das würde eine Misstrauenskultur unterstellen) — und als Basis für Penetrationstests.
Wie ist die Klausur aufgebaut? [Klausurstruktur V9]
🔵 Termin: 17. Januar. Dauer: 90 Minuten. 🔵 Insgesamt 33 Fragen: 3 OFFENE Fragen + 30 GESCHLOSSENE Fragen. 🔵 Die 30 geschlossenen: großer Teil Wahr/Falsch, dazu Anordnungsaufgaben (Dinge in die richtige Reihenfolge bringen) und Auswahlaufgaben. 🟡 Punkteverteilung steht an jeder Frage — Faustregel: Punkte ≈ empfohlene Bearbeitungsminuten. Die drei offenen Fragen geben jeweils gleich viele Punkte.
🔥 Welche drei offenen Fragen prognostiziert der Dozent? [Klausurstruktur V9]
🔵 1) THREAT MODEL aufmalen/durchführen (fast sicher). 2) TOGAF ADM — erklären und/oder zeichnen (schriftlich möglich; Zeichnen erlaubt; die Schritte grob zu kennen schadet nicht). 3) ZERO TRUST — "ein Thema, wo man sich ein bisschen drüber auslassen kann, ohne alle Fakten zu brauchen"; typische Fragestellung: eine im Semester diskutierte Herausforderung und wie Zero Trust darauf eine Antwort liefert.
Worauf musst du bei den Multiple-Choice-Fragen achten? [Klausurstruktur V9]
🔵 Bei MC steht "bis zu N Antworten sind richtig" dabei — WER ALLES AUSWÄHLT, LIEGT MIT HOHER WAHRSCHEINLICHKEIT FALSCH. 🔵 In der Testklausur entsprach die Zahl hinter "bis zu" der Anzahl der richtigen Antworten. 🔵 Zu den Fragen gibt es keine hilfreichen Überschriften (nur kryptische Portalbezeichnungen), aber aus der Frage selbst geht das Themengebiet hervor (teils als "Kontext: …"-Vorspann).
Was ist der größte historische Punkteverlust in dieser Klausur? [Klausurstruktur V9]
🔵 Ein LEERES BLATT bei den offenen Fragen — "sehr viel gewonnene Zeit und verschenkte Punkte". 🔵 Durchfallquote: "nicht viel"; Verteilung ungefähr Normalverteilung mit leichter Verschiebung ins Positive. 🔵 Antwortform bei offenen Fragen: handschriftlich, per Tastatur oder gemischt — alles möglich.
Welche Bedeutung haben die Sticker / Hacker-Männchen im Foliensatz? [F1, V7]
🔵 Folien MIT Sticker sind auf jeden Fall anzuschauen. Folien OHNE Sticker sind NICHT ausgeschlossen. 🔵 Manchmal sitzt der Sticker auf einer zusammenfassenden Folie, während der eigentliche Inhalt drei, vier Folien dahinter steht — dann lohnt es sich, mehr als einen Satz zu lernen. 🔵 "Wenn Sie neben den Folien auch zugehört haben, sollten Sie allen relevanten Content haben."
Welche Themen wurden ausdrücklich als NICHT klausurrelevant markiert?
🟡 Teufelsquadrat nach Sneed (F63) — "dazu wird es nichts zu fragen geben" • CIO-Prioritäten-Tabellen (F89-90) — "Tabellen müssen Sie sich nicht einprägen" • Strategie-Prozess-Synchronisation (F104-106) — "die zwei Folien können Sie geistig ausblenden", nur den Grundgedanken der Sekundär-Funktionsstrategien • Mapping ADM ↔ Enterprise Continuum (F164-165) • Zachman-Struktur auswendig (F181) • SOA-vs-Microservices-Details (F140-148) • Layer der Zero-Trust-Referenzarchitektur (F216) • Paint-Dokumentation (F21) • Business-IT-Alignment als Buzzword (F81, kein Sticker).
Was ist die Semesterklammer / Schlussbotschaft des Dozenten? [F242-243]
🔵 "Kenne dein Unternehmen, verstehe die Organisation, mach dir Gedanken über die Rollen." Deshalb kam die Modellpyramide immer wieder vor — derselbe Grundgedanke "vom Groben ins Feine" findet sich in Zachman, SABSA und TOGAF. 🔵 Clever vs. smart: Der Smarte IMPLEMENTIERT eine gute Lösung — nicht übersteuern, kein Overengineering, keine 100%-Konzeptlösung. 🟡 Klausur: "Seien Sie nicht zu panisch. Zeigen Sie, dass Sie das gesamte Thema Architektur verstanden haben."
Zuletzt geändertvor 17 Tagen